Kapitel 3: brahmapurāṇam, tṛtīyo 'dhyāyaḥ
Die Genealogie der Götter, Dānavas und Weltwesen (Verse 1–126, vollständig)
Dichtes genealogisches Kapitel, das die gesamte Wesensschöpfung ausgehend von Dakṣa und Kaśyapa entfaltet: die Haryaśva- und Śabalāśva-Söhne Dakṣas, die durch Nāradas Herausforderung spurlos verschwinden, woraufhin Dakṣa stattdessen 60 Töchter erzeugt und an Kaśyapa, Soma, Dharma u.a. verheiratet (v.1-30); die Nachkommen der zehn Dharma-Gattinnen, darunter die acht Vasus mit ihren Söhnen – u.a. Kāla, Kārttikeya/Kumāra, Viśvakarman (v.30-46); die elf (bzw. hundert) Rudras (v.46-50); die dreizehn Kaśyapa-Gattinnen und ihre Nachkommen: Aditi (die zwölf Ādityas, darunter Viṣṇu und Indra, mit der Tuṣita-Vorgeschichte), Diti (Hiraṇyakaśipu, Hiraṇyākṣa und ihre Nachkommen bis zu Bali und Bāṇa), Danu (die hundert Dānavas, darunter Svarbhānu und Vipracitti), Siṃhikā/die Saiṃhikeyas, die Nivātakavacas, Tāmrā (Vogelmütter, u.a. Garuḍa/Aruṇa über Vinatā), Surasā und Kadrū (Schlangen/Nāgas: Śeṣa, Vāsuki, Takṣaka u.a.), sowie Surabhī, Irā, Khasā, Muni und Ariṣṭā (Rinder, Pflanzen, Yakṣas/Rākṣasas, Apsaras, Gandharvas) (v.51-109); abschließend die Episode von Ditis Rache-Wunsch nach dem Tod ihrer Söhne im Götter-Dānava-Krieg, die hundertjährige Schwangerschaft, Indras Eingreifen bei ihrem Reinheitsfehler und die Zerteilung des Fötus zu den 49 Marut-Göttern (volksetymologisch von "mā rodīḥ", "weine nicht", hergeleitet) (v.110-123); Schlusshymne auf Hari/Viṣṇu als Einsetzer aller Prajāpatis und Phalaśruti (v.124-126). [?]/[Anm.]-Markierungen bei einigen elliptischen genealogischen Details (v.9-11, v.82).
Die Weisen sprachen: „Die Entstehung der Götter und der Dānavas sowie der Gandharvas, Schlangenwesen und Rākṣasas verkünde ausführlich, Lomaharṣaṇa!“
Wort für Wort
devānām
der Götter
dānavānām
der Dānavas
ca
und
gandharva-uraga-rakṣasām
der Gandharvas, Schlangenwesen und Rākṣasas
utpattim
die Entstehung
vistareṇa
ausführlich
eva
gerade
lomaharṣaṇa
o Lomaharṣaṇa
kīrtaya
verkünde!
Die Weisen leiten das dritte Kapitel mit einer Frage ein: Nach der Genealogie Dakṣas (Ende Kap. 2) wollen sie nun die Herkunft der Götter, Dämonen (Dānavas), Gandharvas, Schlangenwesen (Uraga) und Rākṣasas erfahren – das Kapitel besteht überwiegend aus genealogischen Namenslisten.
Lomaharṣaṇa sprach: „Zuvor wurde Dakṣa vom Selbstentstandenen (Brahmā) angewiesen: ‚Erschaffe Geschöpfe!‘ Wie er die Wesen erschuf, so hört, o Brahmanen.
Wort für Wort
prajāḥ
Geschöpfe
sṛja
erschaffe!
iti
so
vyādiṣṭaḥ
angewiesen
pūrvam
zuvor
dakṣaḥ
Dakṣa
svayaṃbhuvā
vom Selbstentstandenen
yathā
wie
sasarja
er erschuf
bhūtāni
die Wesen
tathā
so
śṛṇuta
hört!
bhoḥ dvijāḥ
o Brahmanen
Rückgriff auf Dakṣas Schöpfungsauftrag von Brahmā (Svayaṃbhū), der bereits am Ende von Kap. 2 angesprochen wurde.
yadāsya mānasī viprā na vyavardhata vai prajā / tadā saṃcintya dharmātmā prajāhetoḥ prajāpatiḥ // BrP_3.4 //
Als aber, o Brahmanen, seine geistgeborene Nachkommenschaft sich nicht vermehrte, da erwog der gerechte Prajāpati (Dakṣa), um weitere Nachkommen willen,
Wort für Wort
yadā
als
asya
seine
mānasī
geistgeborene
viprāḥ
o Brahmanen
na vyavardhata
sich nicht vermehrte
vai
fürwahr
prajā
Nachkommenschaft
tadā
da
saṃcintya
erwägend
dharmātmā
der gerechte (von rechtem Wesen)
prajā-hetoḥ
um der Nachkommen willen
prajāpatiḥ
der Prajāpati (Dakṣa)
Übergang zur zweiten, sexuellen Schöpfungsphase, da die geistgeborene Schöpfung sich als unzureichend für Vermehrung erweist.
die Tochter, die mit großer Askese begabt, erhaben und welttragend war. Sodann [zeugte] der Kraftvolle mit der Tochter Vīraṇas (Vairaṇī) fünftausend Söhne –
Wort für Wort
sutām
die Tochter
sutapasā
mit großer Askese
yuktām
versehen
mahatīm
die große/erhabene
loka-dhāriṇīm
welttragende
atha
sodann
putra-sahasrāṇi
Tausende von Söhnen
vairaṇyām
bei/mit der Vairaṇī (Vīraṇas Tochter)
pañca
fünf(tausend)
vīryavān
der Kraftvolle (Dakṣa)
Beschreibung Asiknīs (auch Vairaṇī, Patronymikon nach Vīraṇa genannt) als asketisch und kosmisch bedeutsam.
asiknyāṃ janayām āsa dakṣa eva prajāpatiḥ / tāṃs tu dṛṣṭvā mahābhāgān saṃvivardhayiṣūn prajāḥ // BrP_3.7 //
mit Asiknī zeugte sie Prajāpati Dakṣa selbst. Als aber [der Weise Nārada] diese hochherrlichen [Söhne] sah, die die Nachkommenschaft vermehren wollten,
Wort für Wort
asiknyām
mit/bei Asiknī
janayām āsa
zeugte
dakṣaḥ
Dakṣa
eva
selbst
prajāpatiḥ
der Prajāpati
tān
diese
tu
aber
dṛṣṭvā
sehend
mahābhāgān
die hochherrlichen
saṃvivardhayiṣūn
die zu vermehren wünschend
prajāḥ
die Nachkommenschaft
Die 5000 Haryaśva-Söhne werden gezeugt; Vorbereitung auf Nāradas Eingreifen.
sprach der Götterweise Nārada, freundlich im Gespräch, zu ihrem Verderben diese Worte – und ebenso zum eigenen Fluch (Verwünschung).
Wort für Wort
devarṣiḥ
der Götterweise
priyasaṃvādaḥ
freundlich im Gespräch
nāradaḥ
Nārada
prābravīt
sprach
idam
dieses
nāśāya
zum Verderben
vacanam
die Rede/das Wort
teṣām
für sie
śāpāya
zum Fluch
eva
gerade
ātmanaḥ
des eigenen (Selbst)
tathā
ebenso
Nārada, obwohl "freundlich im Gespräch" (priyasaṃvāda) genannt, spricht Worte, die zum Untergang der Söhne führen – und ihm selbst später Dakṣas Fluch einbringen (vgl. v. 9-14).
[Nārada,] den Kaśyapa, der Höchste (Parameṣṭhin), als vorzüglichen Sohn mit Dakṣas Tochter gezeugt hatte – aus Furcht vor Dakṣas Fluch [erhielt] der Weise [ihn] –,
Wort für Wort
yam
den
kaśyapaḥ
Kaśyapa
sutavaram
als vorzüglichen Sohn
parameṣṭhī
der Höchste
vyajījanat
zeugte
dakṣasya
Dakṣas
vai
fürwahr
duhitari
mit der Tochter
dakṣa-śāpa-bhayāt
aus Furcht vor Dakṣas Fluch
muniḥ
der Weise
Erklärung von Nāradas Herkunft: Sohn Kaśyapas mit einer Dakṣa-Tochter, geboren aus Furcht vor einem Fluch Dakṣas (Details folgen v. 10-14, teils dunkel/verdichtet formuliert).
pūrvaṃ sa hi samutpanno nāradaḥ parameṣṭhinaḥ / asiknyām atha vairaṇyāṃ bhūyo devarṣisattamaḥ // BrP_3.10 //
denn zuvor war er, Nārada, aus dem Höchsten (Kaśyapa/Parameṣṭhin) entstanden; wiederum wurde der beste der Götterweisen [nun] mit Asiknī, der Vairaṇī, [gezeugt] –
Wort für Wort
pūrvam
zuvor
saḥ
er
hi
denn
samutpannaḥ
entstanden
nāradaḥ
Nārada
parameṣṭhinaḥ
vom Höchsten
asiknyām
bei Asiknī
atha
dann
vairaṇyām
der Vairaṇī
bhūyaḥ
wiederum
devarṣi-sattamaḥ
der beste der Götterweisen
Verdichtete, elliptische Genealogie-Aussage: Nārada erscheint hier als zweifach geboren – zuerst von Kaśyapa, dann erneut mit Asiknī/Vairaṇī verbunden. [Anm.: Die Stelle ist im Sanskrit stark elliptisch; die Wortfolge legt nahe, dass Nārada durch Dakṣas Tochter (Asiknī) ein zweites Mal geboren wird, was mit v. 13-14 zusammenhängt, wo Dakṣa ihm eine Tochter zur Frau gibt.]
taṃ bhūyo janayām āsa piteva munipuṃgavam / tena dakṣasya vai putrā haryaśvā iti viśrutāḥ // BrP_3.11 //
ihn, den Stier unter den Weisen, zeugte [Dakṣa] wiederum wie ein Vater. Deshalb sind Dakṣas Söhne als die „Haryaśvas“ bekannt geworden [– sie wollten Nachkommenschaft vermehren, s.u.].
Wort für Wort
tam
ihn
bhūyaḥ
wiederum
janayām āsa
zeugte
piteva
wie ein Vater
muni-puṃgavam
den Stier der Weisen
tena
deshalb
dakṣasya
Dakṣas
vai
fürwahr
putrāḥ
die Söhne
haryaśvāḥ
Haryaśvas
iti
so
viśrutāḥ
bekannt
[Anm.: v. 9-11 sind sprachlich sehr komprimiert und teils widersprüchlich überliefert; die Kernaussage – Nāradas Verwicklung mit Dakṣas Familie als Ursache seines späteren Ratschlags – bleibt aber klar.] Die 5000 Söhne heißen "Haryaśvas" ("die mit falben Rossen").
nirmathya nāśitāḥ sarve vidhinā ca na saṃśayaḥ / tasyodyatas tadā dakṣo nāśāyāmitavikramaḥ // BrP_3.12 //
Alle wurden [später, durch Nāradas Rat] zunichte gemacht und vergingen ordnungsgemäß – ohne Zweifel. Da war Dakṣa, von unermesslicher Kraft, zu ihrer Vernichtung [zornig] bereit –
Wort für Wort
nirmathya
aufwühlend/zerrüttend
nāśitāḥ
vernichtet
sarve
alle
vidhinā
gemäß der Bestimmung
ca
und
na saṃśayaḥ
kein Zweifel
tasya
dessen (ihrer)
udyataḥ
bereit
tadā
da
dakṣaḥ
Dakṣa
nāśāya
zur Vernichtung
amita-vikramaḥ
von unermesslicher Kraft
Vorgriff auf das Ergebnis von Nāradas Rede (v. 16-18): Die Haryaśvas ziehen fort und kehren nie zurück. Dakṣa reagiert zornig.
brahmarṣīn purataḥ kṛtvā yācitaḥ parameṣṭhinā / tato 'bhisaṃdhiś cakre vai dakṣasya parameṣṭhinā // BrP_3.13 //
[Nārada,] die Brahmarṣis vor sich stellend, wurde vom Höchsten (Brahmā) gebeten [Dakṣa zu besänftigen]. Darauf traf der Höchste (Brahmā) mit Dakṣa eine Übereinkunft:
Wort für Wort
brahmarṣīn
die Brahmarṣis
purataḥ kṛtvā
voranstellend
yācitaḥ
gebeten
parameṣṭhinā
vom Höchsten (Brahmā)
tataḥ
darauf
abhisaṃdhiḥ
eine Übereinkunft
cakre
traf
vai
fürwahr
dakṣasya
mit Dakṣa
parameṣṭhinā
der Höchste (Brahmā)
Brahmā vermittelt zwischen dem zornigen Dakṣa und Nārada, um dessen Fluch abzuwenden.
kanyāyāṃ nārado mahyaṃ tava putro bhaved iti / tato dakṣaḥ sutāṃ prādāt priyāṃ vai parameṣṭhine / sa tasyāṃ nārado jajñe bhūyaḥ śāpabhayād ṛṣiḥ // BrP_3.14 //
„Nārada soll mit einer Tochter [von dir] mir zum Sohn werden“ – so [sprach Brahmā]. Darauf gab Dakṣa dem Höchsten (Brahmā) fürwahr eine liebe Tochter; mit ihr wurde der Weise Nārada, aus Furcht vor dem Fluch, wiederum geboren.
Wort für Wort
kanyāyām
mit/durch eine Tochter
nāradaḥ
Nārada
mahyam
mir
tava
dein
putraḥ
Sohn
bhavet
möge werden
iti
so
tataḥ
darauf
dakṣaḥ
Dakṣa
sutām
die Tochter
prādāt
gab
priyām
die liebe
vai
fürwahr
parameṣṭhine
dem Höchsten
saḥ
er
tasyām
in/mit ihr
nāradaḥ
Nārada
jajñe
wurde geboren
bhūyaḥ
wiederum
śāpa-bhayāt
aus Furcht vor dem Fluch
ṛṣiḥ
der Weise
Auflösung der komprimierten Genealogie: Um Dakṣas Fluch gegen Nārada zu neutralisieren, wird vereinbart, dass Nārada durch eine Tochter Dakṣas gleichsam "neu geboren" (adoptiert) und damit formal Brahmās Sohn wird – daher die scheinbare doppelte Geburt in v. 9-11. [Anm.: Diese Konstruktion bleibt im Text knapp und leicht kryptisch; sinngemäß handelt es sich um eine rituelle/genealogische Fiktion zur Fluchabwehr.]
Die Weisen sprachen: „Wie wurden die Söhne des Prajāpati durch den großen Weisen Nārada zunichte gemacht? O bester der Sūtas, wir wollen es der Wahrheit gemäß hören.“
Wort für Wort
katham
wie
praṇāśitāḥ
zunichte gemacht
putrāḥ
die Söhne
nāradena
durch Nārada
maharṣiṇā
den großen Weisen
prajāpateḥ
des Prajāpati
sūta-varya
o bester der Sūtas
śrotum
zu hören
icchāmaḥ
wir wünschen
tattvataḥ
der Wahrheit gemäß
Zwischenfrage der Rahmenerzählung – die Weisen bitten um die konkrete Geschichte der Vernichtung der Haryaśvas.
Lomaharṣaṇa sprach: „Dakṣas Söhne, die Haryaśvas, von großer Kraft, versammelten sich, um die Nachkommenschaft zu vermehren; da sprach Nārada zu ihnen:
Wort für Wort
dakṣasya
Dakṣas
putrāḥ
die Söhne
haryaśvāḥ
die Haryaśvas
vivardhayiṣavaḥ
zu vermehren wünschend
prajāḥ
die Nachkommenschaft
samāgatāḥ
versammelt
mahāvīryāḥ
von großer Kraft
nāradaḥ
Nārada
tān
zu ihnen
uvāca ha
sprach
Beginn der eigentlichen Haryaśva-Episode: Die Söhne beabsichtigen, selbst Nachkommen zu erzeugen.
bāliśā bata yūyaṃ vai nāsyā jānīta vai bhuvaḥ / pramāṇaṃ sraṣṭukāmā vai prajāḥ prācetasātmajāḥ // BrP_3.17 //
Nārada sprach: „Kindisch (töricht) seid ihr wahrlich – ihr, die ihr Nachkommenschaft erzeugen wollt, o Söhne des Prācetasa (Dakṣa), kennt ja nicht einmal das Maß dieser Erde!
Wort für Wort
bāliśāḥ
kindisch/töricht
bata
ach, wahrlich
yūyam
ihr
vai
fürwahr
na
nicht
asyāḥ
dieser
jānītha
ihr kennt
vai
fürwahr
bhuvaḥ
der Erde
pramāṇam
das Maß
sraṣṭukāmāḥ
zu erschaffen wünschend
vai
fürwahr
prajāḥ
Nachkommenschaft
prācetasa-ātmajāḥ
o Söhne des Prācetasa (Dakṣa)
Nāradas provokante Rede: Er stellt in Frage, ob die Söhne überhaupt die Ausdehnung der Erde kennen, bevor sie diese bevölkern wollen.
antar ūrdhvam adhaś caiva kathaṃ sṛjatha vai prajāḥ / te tu tadvacanaṃ śrutvā prayātāḥ sarvato diśaḥ // BrP_3.18 //
Wie wollt ihr Nachkommen erschaffen, [ohne] innen, oben und unten [das Maß der Welt zu kennen]?“ Sie aber, nachdem sie diese Rede gehört hatten, zogen nach allen Himmelsrichtungen fort,
Wort für Wort
antaḥ
innen
ūrdhvam
oben
adhaḥ
unten
ca eva
und auch
katham
wie
sṛjatha
werdet ihr erschaffen
vai
fürwahr
prajāḥ
Nachkommen
te
sie
tu
aber
tat-vacanam
diese Rede
śrutvā
gehört habend
prayātāḥ
fortgezogen
sarvataḥ diśaḥ
nach allen Richtungen
Die Herausforderung wirkt: Die Haryaśvas ziehen aus, um erst die Ausdehnung der Welt zu erkunden – und kehren nie zurück (v. 19).
und kehren bis heute nicht zurück – wie Flüsse [nicht] von den Meeren [zurückkehren]. Als nun die Haryaśvas verloren waren, [erschuf] Dakṣa, der Sohn des Prācetasa, wiederum
Wort für Wort
adya api
bis heute
na nivartante
kehren nicht zurück
samudrebhyaḥ
von den Meeren
iva
wie
āpagāḥ
die Flüsse
haryaśveṣu
als die Haryaśvas
atha
nun
naṣṭeṣu
verloren waren
dakṣaḥ
Dakṣa
prācetasaḥ
der Sohn des Prācetasa
punaḥ
wiederum
Bildhafter Vergleich: Wie Flüsse, die ins Meer münden, nicht zurückkehren, kehren auch die fortgezogenen Söhne nicht zurück – sie "verschwinden" in der unbegrenzten Suche.
„Um die Spur (den Weg) unserer Brüder zu erkunden, müssen wir ausziehen – daran ist kein Zweifel. Erst wenn wir das Maß der Erde kennen, werden wir leicht Nachkommen erschaffen können.“
Wort für Wort
bhrātṝṇām
der Brüder
padavīm
die Spur/den Weg
jñātum
zu erkennen
gantavyam
es ist zu gehen
na atra saṃśayaḥ
daran ist kein Zweifel
jñātvā
erkannt habend
pramāṇam
das Maß
pṛthvyāḥ
der Erde
ca
und
sukham
leicht
srakṣyāmahe
wir werden erschaffen
prajāḥ
Nachkommen
Die Śabalāśvas beschließen, zunächst ihre verschollenen Brüder (die Haryaśvas) zu suchen und dabei die Erde zu erkunden.
tadā prabhṛti vai bhrātā bhrātur anveṣaṇe dvijāḥ / prayāto naśyati kṣipraṃ tan na kāryaṃ vipaścitā // BrP_3.24 //
Seit jener Zeit, o Brahmanen, geschieht es, dass ein Bruder, der auszieht, um den [verschollenen] Bruder zu suchen, rasch selbst verschwindet – deshalb soll ein Kundiger dies nicht tun.
Wort für Wort
tadā prabhṛti
von da an
vai
fürwahr
bhrātā
ein Bruder
bhrātuḥ
des Bruders
anveṣaṇe
bei der Suche
dvijāḥ
o Brahmanen
prayātaḥ
ausgezogen
naśyati
verschwindet
kṣipram
rasch
tat
das
na kāryam
ist nicht zu tun
vipaścitā
von einem Kundigen
Ätiologische Schlussfolgerung/Sprichwort, das aus der Episode abgeleitet wird: eine Warnung vor der Suche nach Verschollenen als sinnloses, sich selbst wiederholendes Unterfangen.
Als nun Prajāpati Dakṣa erkannte, dass auch diese Söhne verloren waren, erzeugte er darauf mit Vairaṇī sechzig Töchter – so haben wir gehört.
Wort für Wort
tān
diese
ca eva
und auch
naṣṭān
verloren
vijñāya
erkennend
putrān
die Söhne
dakṣaḥ
Dakṣa
prajāpatiḥ
der Prajāpati
ṣaṣṭim
sechzig
tataḥ
darauf
asṛjat
erzeugte
kanyāḥ
Töchter
vairaṇyām
mit Vairaṇī
iti naḥ śrutam
so haben wir gehört
Dakṣa gibt die Erzeugung von Söhnen auf (nach zweimal 6000 verlorenen Söhnen) und wendet sich der Erzeugung von 60 Töchtern zu, die er an verschiedene Väter-Figuren verheiratet – dies bildet die Grundlage des folgenden Götter-Stammbaums.
tās tadā pratijagrāha bhāryārthaṃ kaśyapaḥ prabhuḥ / somo dharmaś ca bho viprās tathaivānye maharṣayaḥ // BrP_3.26 //
Diese nahm da der Herr Kaśyapa zu Gattinnen entgegen, [ebenso] Soma und Dharma, o Brahmanen, und ebenso andere große Weise.
Wort für Wort
tāḥ
diese
tadā
da
pratijagrāha
empfing/nahm entgegen
bhāryā-artham
zum Zweck der Gattinnenschaft
kaśyapaḥ
Kaśyapa
prabhuḥ
der Herr
somaḥ
Soma (der Mond)
dharmaḥ
Dharma
ca
und
bhoḥ viprāḥ
o Brahmanen
tathā eva
ebenso
anye
andere
maharṣayaḥ
große Weise
Die 60 Töchter Dakṣas werden auf mehrere Empfänger verteilt: Kaśyapa, Soma (Mond), Dharma und weitere Ṛṣis – klassisches purāṇisches Motiv der Weltordnung durch Verheiratung.
dve caiva bahuputrāya dve caivāṅgirase tathā / dve kṛśāśvāya viduṣe tāsāṃ nāmāni me śṛṇu // BrP_3.28 //
zwei dem Bahuputra, ebenso zwei dem Aṅgiras, zwei dem weisen Kṛśāśva. Höre nun von mir ihre Namen [der zehn Gattinnen des Dharma]:
Wort für Wort
dve
zwei
ca eva
und auch
bahuputrāya
dem Bahuputra
dve
zwei
ca eva
und auch
aṅgirase
dem Aṅgiras
tathā
ebenso
dve
zwei
kṛśāśvāya
dem Kṛśāśva
viduṣe
dem weisen
tāsām
von diesen
nāmāni
die Namen
me
von mir
śṛṇu
höre!
10+13+27+4+2+2+2 = 60 – vollständige Verteilung der 60 Töchter Dakṣas auf sieben Empfänger. Es folgen nun in v. 29 die Namen der zehn Dharma-Gattinnen.
dharmapatnyo daśa tv etās tāsv apatyāni bodhata / viśvedevās tu viśvāyāḥ sādhyā sādhyān vyajāyata // BrP_3.30 //
diese zehn sind die Gattinnen des Dharma. Vernehmt nun ihre Nachkommen: Von Viśvā [wurden] die Viśvedevas [geboren], Sādhyā gebar die Sādhyas,
Wort für Wort
dharma-patnyaḥ
die Gattinnen des Dharma
daśa
zehn
tu
aber
etāḥ
diese
tāsu
in ihnen (von ihnen)
apatyāni
die Nachkommen
bodhata
erkennt!
viśvedevāḥ
die Viśvedevas
tu
aber
viśvāyāḥ
von Viśvā
sādhyā
Sādhyā
sādhyān
die Sādhyas
vyajāyata
gebar
Beginn der Aufzählung der Nachkommen jeder Dharma-Gattin – die Namen der Nachkommen entsprechen meist Kollektivbezeichnungen von Gottheitengruppen (Viśvedevas, Sādhyas usw.).
marutvatyāṃ marutvanto vasos tu vasavaḥ sutāḥ / bhānos tu bhānavaḥ putrā muhūrtās tu muhūrtajāḥ // BrP_3.31 //
von Marutvatī [wurden] die Marutvants [geboren], von Vasu aber die Vasus als Söhne, von Bhānu aber die Bhānus als Söhne, von Muhūrtā aber die Muhūrtajas,
Wort für Wort
marutvatyām
von Marutvatī
marutvantaḥ
die Marutvants
vasoḥ
von Vasu
tu
aber
vasavaḥ
die Vasus
sutāḥ
Söhne
bhānoḥ
von Bhānu
tu
aber
bhānavaḥ
die Bhānus
putrāḥ
Söhne
muhūrtāḥ
Muhūrtā(s Söhne)
tu
aber
muhūrtajāḥ
die Muhūrtajas
Fortsetzung der Nachkommenliste: jede Gattin gebiert eine gleichnamige Gruppe von Gottheiten (typisches Prinzip der Namensableitung in Purāṇa-Genealogien).
und von Lambā [wurde] Ghoṣa [geboren], und Nāgavīthī ist von Yāmī geboren; von Arundhatī wurde die gesamte Erde als Bereich (Domäne) geboren,
Wort für Wort
lambāyāḥ
von Lambā
ca eva
und auch
ghoṣaḥ
Ghoṣa
atha
dann
nāgavīthī
Nāgavīthī
ca
und
yāmijā
von Yāmī geboren
pṛthivī
die Erde
viṣayam
als Bereich
sarvam
gesamt
arundhatyām
von Arundhatī
vyajāyata
wurde geboren
Arundhatī wird hier mit der Erde bzw. deren Bereich assoziiert – ihr Name bedeutet wörtlich "die Unbehinderte/Unbeirrbare" und ist auch der Stern-Name der Gattin des Vasiṣṭha.
parā yāḥ somapatnīś ca dakṣaḥ prācetaso dadau / sarvā nakṣatranāmnyas tā jyotiṣe parikīrtitāḥ // BrP_3.34 //
Die übrigen [siebenundzwanzig] Gattinnen des Soma, die Dakṣa, der Sohn des Prācetasa, gab – sie alle tragen die Namen der Mondhäuser (Nakṣatras) und werden in der Astronomie (Jyotiṣa) genannt.
Wort für Wort
parāḥ
die übrigen
yāḥ
die
soma-patnīḥ
Gattinnen des Soma
ca
und
dakṣaḥ
Dakṣa
prācetasaḥ
Sohn des Prācetasa
dadau
gab
sarvāḥ
alle
nakṣatra-nāmnyaḥ
mit den Namen der Nakṣatras
tāḥ
sie
jyotiṣe
in der Astronomie/Jyotiṣa
parikīrtitāḥ
genannt/gepriesen
Bezug auf die 27 Soma-Gattinnen aus v. 27 – diese entsprechen den 27 Nakṣatras (Mondhäusern) der indischen Astronomie/Astrologie, mit denen der Mond (Soma) periodisch "verweilt".
ye tv anye khyātimanto vai devā jyotiṣpurogamāḥ / vasavo 'ṣṭau samākhyātās teṣāṃ vakṣyāmi vistaram // BrP_3.35 //
Welche anderen berühmten Götter es aber gibt, angeführt von den Himmelslichtern (Jyotiṣ) – die acht Vasus werden [nun] genannt; von ihnen will ich ausführlich sprechen.
Wort für Wort
ye
welche
tu
aber
anye
andere
khyātimantaḥ
berühmte
vai
fürwahr
devāḥ
Götter
jyotiṣ-purogamāḥ
angeführt von den Himmelslichtern
vasavaḥ
die Vasus
aṣṭau
acht
samākhyātāḥ
genannt
teṣām
von ihnen
vakṣyāmi
ich werde sprechen
vistaram
ausführlich
Übergang zur nächsten großen Gruppe: die acht Vasus (bereits in Kap. 1 kurz erwähnt), deren Nachkommen nun im Detail behandelt werden.
Die acht Vasus ("die Guten/Leuchtenden", eine vedisch-purāṇische Göttergruppe) mit ihren Namen: Wasser, Polarstern, Mond, [Dhava = unklar/"Träger"], Wind, Feuer, Morgendämmerung, Glanz.
Āpas Sohn ist Vaitaṇḍya, [und] Śrama, Śrānta, der Weise – ebenso; Dhruvas Sohn ist der erhabene Kāla (die Zeit), der die Welt(en) [ver]treibt (bewegt).
Wort für Wort
āpasya
Āpas
putraḥ
der Sohn
vaitaṇḍyaḥ
Vaitaṇḍya
śramaḥ
Śrama
śrāntaḥ
Śrānta
muniḥ
der Weise
tathā
ebenso
dhruvasya
Dhruvas
putraḥ
der Sohn
bhagavān
der Erhabene
kālaḥ
Kāla (die Zeit)
loka-prakālanaḥ
der die Welten treibt/bewegt
Genealogie der Vasu-Söhne beginnt: Āpa (Wasser) erhält als Söhne u.a. Vaitaṇḍya, Śrama, Śrānta; Dhruva (Polarstern) den bedeutsamen "Kāla" (Zeit) als Sohn – eine kosmologisch zentrale Figur.
Somas [Sohn] ist der erhabene Varcas, durch den man glanzvoll wird; Dhavas Sohn ist Draviṇa, ebenso Hutahavyavaha; von Manoharā [stammen] Śiśira, Prāṇa und Ramaṇa,
Wort für Wort
somasya
Somas
bhagavān
der erhabene
varcāḥ
Varcas
varcasvī
glanzvoll
yena
durch den
jāyate
man wird
dhavasya
Dhavas
putraḥ
Sohn
draviṇaḥ
Draviṇa
hutahavyavahaḥ
Hutahavyavaha
tathā
ebenso
manoharāyāḥ
von Manoharā
śiśiraḥ, prāṇaḥ, ramaṇaḥ
Śiśira, Prāṇa, Ramaṇa
atha, tathā
und, ebenso
Weitere Vasu-Nachkommen: Soma → Varcas ("Glanz"); Dhava → Draviṇa, Hutahavyavaha ("der die Opfergabe trägt", ein Feuer-Epitheton); Manoharā (eine Gattin Dhavas) → Śiśira, Prāṇa, Ramaṇa.
agniputraḥ kumāras tu śarastambe śriyā vṛtaḥ / tasya śākho viśākhaś ca naigameyaś ca pṛṣṭhajaḥ // BrP_3.40 //
Agnis (Analas) Sohn aber ist Kumāra, im Schilfdickicht (Śarastamba) mit Glanz umgeben; seine [Söhne sind] Śākha, Viśākha, Naigameya und Pṛṣṭhaja.
Wort für Wort
agni-putraḥ
Agnis (Feuers) Sohn
kumāraḥ
Kumāra
tu
aber
śarastambe
im Schilfdickicht
śriyā
mit Glanz
vṛtaḥ
umgeben
tasya
seine
śākhaḥ, viśākhaḥ, naigameyaḥ, pṛṣṭhajaḥ
Śākha, Viśākha, Naigameya, Pṛṣṭhaja
ca
und
Kumāra (= Skanda/Kārttikeya, Kriegsgott) erscheint hier als Sohn Analas/Agnis (Feuer), geboren im Schilfdickicht – ein bekanntes Motiv seiner Geburtslegende. Seine vier Begleiter/Aspekte werden genannt.
auch Devala hat zwei Söhne, geduldig und weise. Bṛhaspatis Schwester aber ist eine vorzügliche Frau, eine Verkünderin des Brahman (heiligen Wissens),
Wort für Wort
dvau putrau
zwei Söhne
devalasya
Devalas
api
auch
kṣamāvantau
geduldig
manīṣiṇau
weise
bṛhaspateḥ
Bṛhaspatis
tu
aber
bhaginī
die Schwester
varastrī
vorzügliche Frau
brahmavādinī
Verkünderin des Brahman
Weiterer genealogischer Zweig: Devalas zwei Söhne; dann eine ungenannte Schwester Bṛhaspatis (des Guru der Götter) als asketische, weise Frau eingeführt (identifiziert in v.43 als Prabhāsas Gattin).
und von dessen, des Hochherzigen, Handwerkskunst die Menschen leben. – Surabhī brachte mit Kaśyapa elf Rudras hervor,
Wort für Wort
mānuṣāḥ
die Menschen
ca
und
upajīvanti
leben von
yasya
dessen
śilpam
die Handwerkskunst
mahātmanaḥ
des Hochherzigen
surabhī
Surabhī
kaśyapāt
mit Kaśyapa
rudrān
die Rudras
ekādaśa
elf
vinirmame
brachte hervor
Abschluss des Viśvakarman-Exkurses (er ist Urheber aller menschlichen Handwerkskünste); Übergang zu einer neuen Kaśyapa-Gattin, Surabhī, Mutter der elf Rudras.
Insgesamt aber werden hundert Rudras von unermesslicher Kraft in der Purāṇa-Überlieferung genannt, o Tiger unter den Weisen, durch die alles Bewegliche und Unbewegliche durchdrungen ist.
Wort für Wort
śatam
hundert
tu
aber
evam
so
samākhyātam
genannt
rudrāṇām
der Rudras
amita-ojasām
von unermesslicher Kraft
purāṇe
in der Purāṇa-Überlieferung
muni-śārdūlāḥ
o Tiger unter den Weisen
yaiḥ
durch die
vyāptam
durchdrungen
sa-cara-acaram
das Bewegliche mit dem Unbeweglichen
Hinweis auf eine größere, hier nicht vollständig aufgezählte Gesamtzahl von 100 Rudras (die elf genannten sind demnach die Hauptvertreter).
Hört von den Gattinnen des Prajāpati Kaśyapa, o Fürsten der Brahmanen: Aditi, Diti, Danu, Ariṣṭā, Surasā, Khasā,
Wort für Wort
dārān
die Gattinnen
śṛṇudhvam
hört!
vipra-indrāḥ
o Fürsten der Brahmanen
kaśyapasya
Kaśyapas
prajāpateḥ
des Prajāpati
aditiḥ, ditiḥ, danuḥ, ariṣṭā, surasā, khasā
Aditi, Diti, Danu, Ariṣṭā, Surasā, Khasā
ca eva
und auch
Übergang zur zentralen Genealogie: die dreizehn Kaśyapa-Gattinnen (bereits in v.27 als "13 Töchter Dakṣas" genannt), Mütter der Götter, Dämonen und aller Wesensklassen.
Im vorigen Manvantara gab es zwölf vorzügliche, höchste Götter namens „Tuṣitas“; im Manvantara des Vaivasvata sprachen sie zueinander:
Wort für Wort
pūrva-manvantare
im vorigen Manvantara
śreṣṭhāḥ
vorzüglich
dvādaśa
zwölf
āsan
es gab
sura-uttamāḥ
höchste Götter
tuṣitāḥ
Tuṣitas
nāma
mit Namen
te
sie
anyonyam
zueinander
ūcuḥ
sprachen
vaivasvate antare
im Manvantara des Vaivasvata
Einschub über die "Tuṣitas" – eine Göttergruppe des vorherigen (Cākṣuṣa-)Manvantara, die sich für das kommende Vaivasvata-Manvantara neu formieren will, als Vorgeschichte zur Geburt der 12 Ādityas.
āgacchata drutaṃ devā aditiṃ saṃpraviśya vai / manvantare prasūyāmas tan naḥ śreyo bhaviṣyati // BrP_3.55 //
„Kommt schnell, ihr Götter! Lasst uns, in Aditi eingehend, uns im [nächsten] Manvantara [wieder] gebären lassen – das wird zu unserem Heil sein.“
Wort für Wort
āgacchata
kommt!
drutam
schnell
devāḥ
o Götter
aditim
in Aditi
saṃpraviśya
eingehend
vai
fürwahr
manvantare
im Manvantara
prasūyāmahe
lasst uns geboren werden
tat
das
naḥ
für uns
śreyaḥ
Heil
bhaviṣyati
wird sein
Die Tuṣitas beschließen, sich in Aditis Schoß zu "reinkarnieren" und als deren zwölf Söhne (Ādityas) im neuen Zeitalter wiedergeboren zu werden – Ausdruck der zyklischen Wiederkehr der Götter, motivisch verwandt mit der Dakṣa-Lösung in Kap. 2.
evam uktvā tu te sarve cākṣuṣasyāntare manoḥ / mārīcāt kaśyapāj jātās tv adityā dakṣakanyayā // BrP_3.56 //
Lomaharṣaṇa sprach: So gesprochen habend, wurden sie alle am Ende des Manvantara des Manu Cākṣuṣa von Kaśyapa, dem Sohn des Marīci, mit Aditi, der Tochter Dakṣas, geboren –
Wort für Wort
evam
so
uktvā
gesprochen habend
tu
aber
te sarve
sie alle
cākṣuṣasya
des Cākṣuṣa
antare manoḥ
am Ende des Manu(-Zeitalters)
mārīcāt
vom Sohn des Marīci
kaśyapāt
von Kaśyapa
jātāḥ
geboren
tu
aber
adityā
mit Aditi
dakṣa-kanyayā
der Tochter Dakṣas
Erfüllung des Plans: Die Tuṣitas werden als Söhne Kaśyapas und Aditis wiedergeboren = die zwölf Ādityas.
Die siebenundzwanzig Gattinnen des Soma, die genannt wurden, von großem Gelübde – ihre Nachkommen waren leuchtend und von unermesslichem Glanz [die Nakṣatras/Sterne, vgl. v.34].
Wort für Wort
saptaviṃśati
siebenundzwanzig
yāḥ
die
proktāḥ
genannt
soma-patnyaḥ
Gattinnen des Soma
mahāvratāḥ
von großem Gelübde
tāsām
ihre
apatyāni
Nachkommen
abhavan
waren
dīptāni
leuchtend
amita-tejasaḥ
von unermesslichem Glanz
Rückverweis auf die 27 Nakṣatra-Gattinnen Somas (v.34); ihre "Nachkommen" sind implizit die Sterne selbst bzw. weitere Lichtwesen.
Im vorigen Cākṣuṣa-Manvantara [waren sie] die von den Brahmarṣis verehrten Ṛcas (Hymnenverse); und des Götterweisen Kṛśāśva [Nachkommen] werden als die „Götterwaffen“ (Devapraharaṇas) genannt.
Wort für Wort
cākṣuṣasya
des Cākṣuṣa
antare
im Manvantara
pūrve
zuvor
ṛcaḥ
die Ṛc-Verse
brahmarṣi-satkṛtāḥ
von den Brahmarṣis verehrt
kṛśāśvasya
Kṛśāśvas
ca
und
devarṣeḥ
des Götterweisen
deva-praharaṇāḥ
die Götterwaffen
smṛtāḥ
werden genannt
Weitere zyklische Wiederkehr-Aussage (die Vidyut-Blitze waren im vorigen Zeitalter die Ṛgveda-Verse selbst – ein Motiv göttlicher Rekurrenz durch die Zeitalter); Kṛśāśvas Söhne werden als personifizierte göttliche Waffen identifiziert.
ete yugasahasrānte jāyante punar eva hi / sarve devagaṇāś cātra trayastriṃśat tu kāmajāḥ // BrP_3.62 //
Diese werden am Ende von tausend Yugas wiederum eben geboren – alle Göttergruppen hier, [nämlich] die dreiunddreißig, sind wunschgeboren.
Wort für Wort
ete
diese
yuga-sahasra-ante
am Ende von tausend Yugas
jāyante
werden geboren
punaḥ eva hi
wiederum eben
sarve
alle
devagaṇāḥ
Göttergruppen
ca atra
und hier
trayastriṃśat
dreiunddreißig
tu
aber
kāmajāḥ
wunschgeboren
Zusammenfassende Aussage zur zyklischen Wiedergeburt aller Götterklassen alle 1000 Yugas; "die 33" bezieht sich auf die traditionelle Gesamtzahl der vedischen Götter (8 Vasus + 11 Rudras + 12 Ādityas + 2 Aśvins, je nach Zählung).
hrādaś ca anuhrādaś ca prahrādaś caiva vīryavān / saṃhrādaś ca caturtho 'bhūt hrādaputro hradas tathā // BrP_3.67 //
Hrāda, Anuhrāda, der kraftvolle Prahrāda, und als vierter Saṃhrāda – [dies waren die Söhne]; und Hrādas Sohn ist ebenso Hrada.
Wort für Wort
hrādaḥ, anuhrādaḥ, prahrādaḥ
Hrāda, Anuhrāda, Prahrāda
ca eva
und auch
vīryavān
kraftvoll
saṃhrādaḥ
Saṃhrāda
ca
und
caturthaḥ
als vierter
abhūt
war
hrāda-putraḥ
Hrādas Sohn
hradaḥ
Hrada
tathā
ebenso
Die vier Söhne Hiraṇyakaśipus: Hrāda, Anuhrāda, Prahrāda (= der bekannte fromme Prahlāda der Viṣṇu-Bhakti-Tradition, hier ohne weitere Erwähnung seiner Frömmigkeit) und Saṃhrāda.
hradasya putrau dvau vīrau śivaḥ kālas tathaiva ca / virocanaś ca prāhrādir balir jajñe virocanāt // BrP_3.68 //
Hradas zwei Söhne, Helden, sind Śiva [ein Eigenname, nicht der Gott] und ebenso Kāla; und Virocana, Prahrādas Sohn, [wurde geboren]; von Virocana wurde Bali geboren.
Wort für Wort
hradasya
Hradas
putrau dvau
zwei Söhne
vīrau
Helden
śivaḥ
Śiva
kālaḥ
Kāla
tathā eva ca
und ebenso
virocanaḥ
Virocana
ca
und
prāhrādiḥ
Sohn des Prahrāda
baliḥ
Bali
jajñe
wurde geboren
virocanāt
von Virocana
Weitere Genealogie: von Hrada zu Śiva/Kāla; von Prahrāda zu Virocana, von Virocana zum berühmten Bali (späterer Dämonenkönig, von Viṣṇus Vāmana-Avatāra bezwungen).
Kumbhanābha, Gardabhākṣa, Kukṣi und so weiter – von ihnen ist Bāṇa, überaus mächtig, der Älteste, dem Paśupati (Śiva) lieb.
Wort für Wort
kumbhanābhaḥ, gardabhākṣaḥ, kukṣiḥ
Kumbhanābha, Gardabhākṣa, Kukṣi
iti evamādayaḥ
und so weiter
bāṇaḥ
Bāṇa
teṣām
von ihnen
atibalaḥ
überaus mächtig
jyeṣṭhaḥ
der älteste
paśupateḥ
dem Paśupati (Śiva)
priyaḥ
lieb
Fortsetzung der Namen von Balis Söhnen; Bāṇa wird als besonderer Verehrer/Liebling Śivas (Paśupati) hervorgehoben – Vorgriff auf seine spätere Rolle als Śiva-Anhänger.
Einst, in [diesem] Kalpa, wurde, nachdem Bāṇa den Herrn, den Gemahl der Umā (Śiva), zufriedengestellt hatte, um diese Gunst gebeten: „Ich möchte an [deiner] Seite verweilen“ – so wurde die Gunst erbeten.
Wort für Wort
purā kalpe
einst, in [diesem] Kalpa
tu
aber
bāṇena
von Bāṇa
prasādya
zufriedengestellt habend
umā-patim
den Gemahl der Umā
prabhum
den Herrn
pārśvataḥ
an der Seite
vihariṣyāmi
ich werde verweilen
iti evam
so
yācitaḥ
erbeten
varaḥ
die Gunst
Kurzer Verweis auf Bāṇas Askese und die von ihm erbetene Gunst, stets in Śivas Nähe zu verweilen (ein bekanntes Motiv aus Bāṇas Geschichte, die in anderen Purāṇas ausführlicher erzählt wird).
svarbhānur vṛṣaparvā ca vipracittiś ca vīryavān / sarva ete danoḥ putrāḥ kaśyapād abhijajñire // BrP_3.78 //
Svarbhānu, Vṛṣaparvan und der kraftvolle Vipracitti – alle diese sind Söhne der Danu, von Kaśyapa gezeugt.
Wort für Wort
svarbhānuḥ, vṛṣaparvā, vipracittiḥ
Svarbhānu, Vṛṣaparvan, Vipracitti
ca
und
vīryavān
kraftvoll
sarve
alle
ete
diese
danoḥ
der Danu
putrāḥ
Söhne
kaśyapāt
von Kaśyapa
abhijajñire
wurden gezeugt
Abschluss der (exemplarischen) Dānava-Liste; Svarbhānu ist der spätere "Rāhu" der Eklipsen-Mythologie, Vipracitti bereits als Siṃhikās Gatte bekannt (v.65).
vipracittipradhānās te dānavāḥ sumahābalāḥ / eteṣāṃ putrapautraṃ tu na tac chakyaṃ dvijottamāḥ // BrP_3.79 //
Mit Vipracitti als Erstem sind diese Dānavas von sehr großer Macht; ihrer Söhne und Enkel [Zahl] aber, o beste der Brahmanen, lässt sich nicht [vollständig aufzählen] –
Wort für Wort
vipracitti-pradhānāḥ
mit Vipracitti als Erstem
te
diese
dānavāḥ
Dānavas
su-mahābalāḥ
von sehr großer Macht
eteṣām
ihrer
putra-pautram
Söhne und Enkel
tu
aber
na tat śakyam
das ist nicht möglich
dvija-uttamāḥ
o beste der Brahmanen
Abschließende Bemerkung zur Unermesslichkeit der Dānava-Nachkommenschaft (Topos der "unzählbaren Nachkommen", wie er in Purāṇa-Genealogien häufig auftritt).
prasaṃkhyātuṃ bahutvāc ca putrapautram anantakam / svarbhānos tu prabhā kanyā pulomnas tu śacī sutā // BrP_3.80 //
aufzuzählen, wegen ihrer Vielzahl, [denn] Söhne und Enkel sind unendlich viele. – Svarbhānus Tochter ist Prabhā; Pulomans Tochter ist Śacī,
Wort für Wort
prasaṃkhyātum
aufzuzählen
bahutvāt
wegen der Vielzahl
ca
und
putra-pautram
Söhne und Enkel
anantakam
unendlich
svarbhānoḥ
Svarbhānus
tu
aber
prabhā
Prabhā
kanyā
die Tochter
pulomnaḥ
Pulomans
tu
aber
śacī
Śacī
sutā
die Tochter
Übergang zu den Töchtern der Dānava-Männer; Śacī ist die bekannte Gattin Indras ("Śacīpati" ist ein Indra-Beiname), hier als Tochter des Dānava Puloman identifiziert – ein bekanntes purāṇisches Motiv (Indras Gattin stammt aus dem Dānava-Geschlecht).
Bahvapatyā und Mahāpatyā aber sind die Gattinnen des Marīci [-Dānava, nicht der Ṛṣi]; von ihnen [gab es] sechzigtausend Söhne, Freude der Dānavas,
Wort für Wort
bahvapatye, mahāpatye
Bahvapatyā, Mahāpatyā
marīceḥ
des Marīci
tu
aber
parigrahaḥ
die Gattinnen
tayoḥ
von den beiden
putra-sahasrāṇi
Tausende von Söhnen
ṣaṣṭiḥ
sechzig(tausend)
dānava-nandanāḥ
Freude der Dānavas
[Anm.: "Marīces" hier vermutlich der gleichnamige Dānava aus v.75, nicht der Ṛṣi Marīci, da Kontext Dānava-Genealogie ist.] Zahlenmäßig enorme Nachkommenschaft (60.000 Söhne) als Ausdruck der Fülle des Dānava-Geschlechts.
paulomāḥ kālakeyāś ca dānavās te mahābalāḥ / avadhyā devatānāṃ hi hiraṇyapuravāsinaḥ // BrP_3.84 //
Die „Paulomas“ und „Kālakeyas“, diese hochmächtigen Dānavas, Bewohner von Hiraṇyapura, waren nämlich von den Göttern unbezwingbar,
Wort für Wort
paulomāḥ, kālakeyāḥ
die Paulomas, die Kālakeyas
ca
und
dānavāḥ
Dānavas
te
diese
mahābalāḥ
hochmächtig
avadhyāḥ
unbezwingbar
devatānām
von den Göttern
hi
nämlich
hiraṇyapura-vāsinaḥ
Bewohner von Hiraṇyapura
Paulomas (Nachkommen Pulomans) und Kālakeyas – bekannte Dānava-Gruppen, die auch im Mahābhārata als von Arjuna in Indras Auftrag bekämpfte Dämonen erscheinen.
pitāmahaprasādena ye hatāḥ savyasācinā / tato 'pare mahāvīryā dānavās tv atidāruṇāḥ // BrP_3.85 //
die durch die Gnade des Großvaters (Brahmā, d.h. durch dessen Gunst-Bedingung) von Savyasācin (Arjuna) erschlagen wurden. Weiter gibt es andere, höchst kraftvolle, überaus schreckliche Dānavas –
Wort für Wort
pitāmaha-prasādena
durch die Gnade des Großvaters (Brahmā)
ye
die
hatāḥ
erschlagen
savyasācinā
von Savyasācin (Arjuna)
tataḥ
weiter
apare
andere
mahāvīryāḥ
höchst kraftvoll
dānavāḥ
Dānavas
tu
aber
atidāruṇāḥ
überaus schrecklich
Anspielung auf die Khāṇḍava-/Hiraṇyapura-Episode des Mahābhārata, in der Arjuna (Savyasācin) diese sonst unbesiegbaren Dānavas nur dank einer besonderen, von Brahmā gewährten Bedingung/Gunst bezwingen konnte.
die, mit Siṃhikā [gezeugt], als Söhne des Vipracitti entstanden – aus der Verbindung von Daitya und Dānava geboren, von heftiger Kraft,
Wort für Wort
siṃhikāyām
mit Siṃhikā
atha
dann
utpannāḥ
entstanden
vipracitteḥ
des Vipracitti
sutāḥ
Söhne
tathā
ebenso
daitya-dānava-saṃyogāt
aus der Verbindung von Daitya und Dānava
jātāḥ
geboren
tīvra-parākramāḥ
von heftiger Kraft
Ausführlichere Rückkehr zu Siṃhikās Söhnen (vgl. bereits kurz v.66) – hier als "Daitya-Dānava-Mischlinge" beschrieben, da Vipracitti Dānava und Siṃhikā Ditis Enkelin (Daitya-Linie) ist.
entstanden, durch sehr große Askese geläutert an Wesen; ihrer Söhne [gab es] drei Koṭis (dreißig Millionen), wohnhaft in Maṇivatī –
Wort für Wort
samutpannāḥ
entstanden
sumahatā tapasā
durch sehr große Askese
bhāvita-ātmanaḥ
geläutert an Wesen
tisraḥ koṭyaḥ
drei Koṭis (30 Millionen)
sutāḥ
Söhne
teṣām
ihrer
maṇivatyām
in Maṇivatī
nivāsinaḥ
wohnhaft
Übertrieben große Zahl (30 Millionen) als Ausdruck der Furchtbarkeit dieser Dämonengruppe; Maṇivatī als ihr mythischer Wohnort (unter der Erde, gemäß Mahābhārata-Parallelstelle).
Auch sie waren für die Götter unbezwingbar, [doch] wurden von Arjuna niedergestreckt. – Sechs hochherrliche Töchter der Tāmrā werden genannt:
Wort für Wort
avadhyāḥ
unbezwingbar
te api
auch sie
devānām
für die Götter
arjunena
von Arjuna
nipātitāḥ
niedergestreckt
ṣaṭ sutāḥ
sechs Töchter
su-mahābhāgāḥ
hochherrlich
tāmrāyāḥ
der Tāmrā
parikīrtitāḥ
werden genannt
Erneute Bestätigung der Arjuna-Verbindung (Nivātakavacas als von Arjuna besiegt, Khāṇḍava-Mythos-Komplex). Übergang zur Kaśyapa-Gattin Tāmrā und ihren sechs Töchtern (Stammmütter der Vögel).
śyenī śyenāṃs tathā bhāsī bhāsān gṛdhrāṃś ca gṛdhry api / śucir audakān pakṣigaṇān sugrīvī tu dvijottamāḥ // BrP_3.94 //
Śyenī [gebar] die Falken, ebenso Bhāsī die Bhāsa-Vögel, und Gṛdhrī auch die Geier; Śuci [gebar] die Wasservogel-Scharen, Sugrīvī aber, o beste der Brahmanen,
Wort für Wort
śyenī
Śyenī
śyenān
die Falken
tathā
ebenso
bhāsī
Bhāsī
bhāsān
die Bhāsa-Vögel
gṛdhrān
die Geier
ca
und
gṛdhrī
Gṛdhrī
api
auch
śuciḥ
Śuci
audakān pakṣigaṇān
die Wasservogel-Scharen
sugrīvī
Sugrīvī
tu
aber
dvija-uttamāḥ
o beste der Brahmanen
Weitere Vogel-Stammmütter: Śyenī → Falken, Bhāsī → Bhāsa-Vögel, Gṛdhrī → Geier, Śuci → Wasservögel; Sugrīvīs Nachkommen folgen in v.95.
Garuḍa, der Vorzüglichste der Fliegenden, furchtbar durch sein eigenes Wirken. – Von Surasā aber [stammt] eine Tausendschaft von Schlangen, von unermesslicher Kraft,
Wort für Wort
garuḍaḥ
Garuḍa
patatām
der Fliegenden
śreṣṭhaḥ
der vorzüglichste
dāruṇaḥ
furchtbar
svena karmaṇā
durch sein eigenes Wirken
surasāyāḥ
von Surasā
tu
aber
sahasram
ein Tausend
sarpāṇām
von Schlangen
amita-ojasām
von unermesslicher Kraft
Kurze Charakterisierung Garuḍas; Übergang zur Kaśyapa-Gattin Surasā, Mutter tausendköpfiger Schlangen (nicht zu verwechseln mit Kadrū, der Hauptmutter der Nāgas, v.97).
wurden als Nāgas geboren, dem Suparṇa (Garuḍa) untertan, vielköpfig; unter ihnen sind die Hauptvertreter beständig Śeṣa, Vāsuki und Takṣaka,
Wort für Wort
suparṇa-vaśagāḥ
dem Suparṇa (Garuḍa) untertan
nāgāḥ
die Nāgas
jajñire
wurden geboren
na eka-mastakāḥ
nicht einköpfig (vielköpfig)
yeṣām
unter ihnen
pradhānāḥ
die Hauptvertreter
satatam
beständig
śeṣa-vāsuki-takṣakāḥ
Śeṣa, Vāsuki, Takṣaka
Die berühmtesten Nāgas (Schlangenwesen) werden genannt: Śeṣa (der Weltenträger), Vāsuki (der beim Milchozean-Quirlen verwendete Schlangenkönig) und Takṣaka.
teṣāṃ putrāś ca pautrāś ca śataśo 'tha sahasraśaḥ / caturdaśasahasrāṇi krūrāṇām anilāśinām // BrP_3.102 //
Ihrer Söhne und Enkel [gibt es] zu Hunderten und Tausenden – vierzehntausend grausame, luftfressende [Schlangen],
Wort für Wort
teṣām
ihrer
putrāḥ ca pautrāḥ ca
Söhne und Enkel
śataśaḥ atha sahasraśaḥ
zu Hunderten und Tausenden
caturdaśa-sahasrāṇi
vierzehntausend
krūrāṇām
grausam
anila-aśinām
luftfressend
Angabe einer Gesamtzahl (14.000) für eine bestimmte grausame Nāga-Untergruppe ("luftfressend", ein Bild für Schlangen, die keine feste Nahrung brauchen bzw. sich von Wind ernähren).
gaṇaṃ krodhavaṃśaṃ viprās tasya sarve ca daṃṣṭriṇaḥ / sthalajāḥ pakṣiṇo 'bjāś ca dharāyāḥ prasavāḥ smṛtāḥ // BrP_3.103 //
gehören, o Brahmanen, zur Schar des „Zorn-Geschlechts“ (Krodhavaṃśa), alle mit Fangzähnen. Landtiere, Vögel und Wassertiere werden als Geburten der Erde (Dharā) genannt –
Wort für Wort
gaṇam
zur Schar
krodha-vaṃśam
des Zorn-Geschlechts
viprāḥ
o Brahmanen
tasya
dessen
sarve
alle
ca
und
daṃṣṭriṇaḥ
mit Fangzähnen
sthalajāḥ
Landtiere
pakṣiṇaḥ
Vögel
abjāḥ
Wassertiere
ca
und
dharāyāḥ
der Erde (Dharā)
prasavāḥ
Geburten
smṛtāḥ
werden genannt
Einführung des "Krodhavaṃśa" (Zorn-Geschlecht, von Krodhavaśā abstammend, vgl. v.52) und Übergang zu weiteren Tiergattungen, die verschiedenen Kaśyapa-Gattinnen zugeordnet werden.
ete kaśyapadāyādāḥ kīrtitāḥ sthāṇujaṅgamāḥ / yeṣāṃ putrāś ca pautrāś ca śataśo 'tha sahasraśaḥ // BrP_3.106 //
Diese sind die Erben Kaśyapas, die beweglichen und unbeweglichen [Geschöpfe], die genannt wurden – deren Söhne und Enkel zu Hunderten und Tausenden [existieren].
Wort für Wort
ete
diese
kaśyapa-dāyādāḥ
die Erben Kaśyapas
kīrtitāḥ
genannt
sthāṇu-jaṅgamāḥ
unbeweglich und beweglich
yeṣām
deren
putrāḥ ca pautrāḥ ca
Söhne und Enkel
śataśaḥ atha sahasraśaḥ
zu Hunderten und Tausenden
Zusammenfassender Abschluss der gesamten Kaśyapa-Genealogie (v.51-106): alle Wesensklassen – Götter, Dämonen, Tiere, Pflanzen – als Nachkommen Kaśyapas und seiner dreizehn Gattinnen.
Diese Schöpfung, o Brahmanen, wird im Svārociṣa-Manvantara genannt; im höchst großartigen Vaivasvata[-Manvantara], während des ausgedehnten Vāruṇa-Opfers,
Wort für Wort
eṣaḥ
diese
manvantare
im Manvantara
viprāḥ
o Brahmanen
sargaḥ
die Schöpfung
svārociṣe
im Svārociṣa[-Manvantara]
smṛtaḥ
genannt
vaivasvate
im Vaivasvata[-Manvantara]
ati-mahati
höchst großartigen
vāruṇe
des Vāruṇa
vitate
ausgedehnten
kratau
beim Opfer
Zeitliche Einordnung: Diese gesamte Kaśyapa-Schöpfung wird zunächst dem Svārociṣa-Manvantara (dem zweiten der vierzehn Manvantaras) zugeordnet, mit einem Verweis auf ein späteres Ereignis im Vaivasvata-Manvantara (Übergang zur folgenden Diti/Marut-Episode).
putratve kalpayām āsa svayam eva pitāmahaḥ / tato virodhe devānāṃ dānavānāṃ ca bho dvijāḥ // BrP_3.109 //
der Großvater (Brahmā) selbst als [seine] Söhne einsetzte. Darauf, o Brahmanen, entstand ein Konflikt zwischen Göttern und Dānavas,
Wort für Wort
putratve
als Söhne
kalpayām āsa
setzte ein
svayam eva
selbst
pitāmahaḥ
der Großvater (Brahmā)
tataḥ
darauf
virodhe
im Konflikt
devānām
der Götter
dānavānām
der Dānavas
ca
und
bhoḥ dvijāḥ
o Brahmanen
Übergang zur letzten großen Episode des Kapitels: dem Konflikt zwischen Göttern und Dānavas und der daraus folgenden Geschichte von Ditis Rache-Versuch (Geburt der Maruts).
ditir vinaṣṭaputrā vai toṣayām āsa kaśyapam / kaśyapas tu prasannātmā samyag ārādhitas tayā // BrP_3.110 //
Diti, ihrer Söhne beraubt, stellte Kaśyapa zufrieden; Kaśyapa aber, wohlgesonnenen Geistes, von ihr recht verehrt,
Wort für Wort
ditiḥ
Diti
vinaṣṭa-putrā
ihrer Söhne beraubt
vai
fürwahr
toṣayām āsa
stellte zufrieden
kaśyapam
Kaśyapa
kaśyapaḥ
Kaśyapa
tu
aber
prasanna-ātmā
wohlgesonnenen Geistes
samyak
recht
ārādhitaḥ
verehrt
tayā
von ihr
Diti, deren Söhne (Hiraṇyakaśipu, Hiraṇyākṣa u.a.) im Götter-Dānava-Konflikt gefallen sind, sucht durch Verehrung ihres Gatten Kaśyapa einen Rächer zu erlangen.
bot ihr eine Gunst an; und sie erbat sich da als Gunst einen Sohn, fähig zur Tötung Indras, von unermesslicher Kraft.
Wort für Wort
vareṇa
mit einer Gunst
chandayām āsa
bot an
sā
sie
ca
und
vavre
erbat sich
varam
die Gunst
tadā
da
putram
einen Sohn
indra-vadha-arthāya
zur Tötung Indras
samartham
fähig
amita-ojasam
von unermesslicher Kraft
Diti erbittet sich einen Sohn, der mächtig genug ist, Indra zu töten – Ausgangspunkt der Maruts-Episode (die berühmte Erzählung wird auch in anderen Purāṇas erzählt, endet hier jedoch versöhnlich mit der Entstehung der Marut-Götter statt eines Indra-Feindes).
sa ca tasmai varaṃ prādāt prārthitaḥ sumahātapāḥ / dattvā ca varam atyugro mārīcaḥ samabhāṣata // BrP_3.112 //
Und er (Kaśyapa), darum gebeten, von sehr großer Askese, gewährte ihr die Gunst; und nachdem der überaus strenge Sohn des Marīci (Kaśyapa) die Gunst gewährt hatte, sprach er:
Wort für Wort
saḥ
er
ca
und
tasmai
ihr
varam
die Gunst
prādāt
gewährte
prārthitaḥ
darum gebeten
su-mahā-tapāḥ
von sehr großer Askese
dattvā
gegeben habend
ca
und
varam
die Gunst
ati-ugraḥ
überaus streng
mārīcaḥ
der Sohn des Marīci
samabhāṣata
sprach
Kaśyapa gewährt die Gunst, fügt aber eine Bedingung hinzu (v.113).
indraṃ putro nihantā te garbhaṃ vai śaradāṃ śatam / yadi dhārayase śauca- tatparā vratam āsthitā // BrP_3.113 //
„Dein Sohn wird Indra töten – wenn du die Schwangerschaft hundert Jahre lang trägst, der Reinheit ergeben, ein Gelübde einhaltend.“
Wort für Wort
indram
Indra
putraḥ
der Sohn
nihantā
wird töten
te
dein
garbham
die Schwangerschaft
vai
fürwahr
śaradām śatam
hundert Jahre
yadi
wenn
dhārayase
du trägst
śauca-tatparā
der Reinheit ergeben
vratam
das Gelübde
āsthitā
einhaltend
Kaśyapas Bedingung: hundertjährige, streng reine Schwangerschaft – die Diti später (v.117-118) durch eine einzige Unreinheits-Verfehlung (nicht gewaschene Füße vor dem Schlafen) verfehlt, was Indra die Gelegenheit zum Eingreifen gibt.
tato 'bhyupāgamad dityāṃ garbham ādhāya kaśyapaḥ / rodhayan vai gaṇaṃ śreṣṭhaṃ devānām amitaujasam // BrP_3.115 //
Darauf ging Kaśyapa, die Schwangerschaft eingesetzt habend, zu Diti; [der ungeborene Sohn] hielt fürwahr die vorzüglichste Schar der Götter, von unermesslicher Kraft, in Schach,
Wort für Wort
tataḥ
darauf
abhyupāgamat
ging hin zu
dityām
zu Diti
garbham
die Schwangerschaft
ādhāya
eingesetzt habend
kaśyapaḥ
Kaśyapa
rodhayan
in Schach haltend
vai
fürwahr
gaṇam
die Schar
śreṣṭham
vorzüglichste
devānām
der Götter
amita-ojasam
von unermesslicher Kraft
Der ungeborene Fötus besitzt bereits eine solche Macht, dass er die Götter in Furcht versetzt (vgl. v.116-117: Indra beobachtet die Schwangerschaft ängstlich).
seine unangreifbare, selbst von den Unsterblichen unbezwingbare Energie zusammenziehend. Sie (Diti) begab sich, mit verschärftem Gelübde, zum Berg, um Askese zu üben,
Wort für Wort
tejaḥ
die Energie
saṃhṛtya
zusammengezogen habend
durdharṣam
unangreifbar
avadhyam
unbezwingbar
amaraiḥ api
selbst von den Unsterblichen
jagāma
sie ging
parvatāya
zum Berg
eva
gerade
tapase
zur Askese
saṃśita-vratā
mit verschärftem Gelübde
Diti zieht sich zur Askese in die Berge zurück – Indra nutzt diese Gelegenheit zur Beobachtung.
Und Pākaśāsana (Indra) suchte beständig ihre Schwachstelle (Gelegenheit) zu finden. Als hundert Jahre vergangen waren, erblickte der Unfehlbare (Indra) ihre Schwachstelle:
Wort für Wort
tasyāḥ
ihre
ca eva
und auch
antara-prepsuḥ
die Schwachstelle zu finden suchend
abhavat
war
pākaśāsanaḥ
Pākaśāsana (Indra)
jāte
als vergangen war
varṣa-śate
hundert Jahre
ca
und
asyāḥ
ihre
dadarśa
erblickte
antaram
die Schwachstelle
acyutaḥ
der Unfehlbare
Indra wartet die gesamte hundertjährige Frist ab und findet schließlich am Ende die entscheidende Gelegenheit.
Ohne die Reinigung der Füße vorgenommen zu haben, legte sich Diti zum Schlafen nieder; und er (Indra) brachte Schlaf über sie und drang, in ihren Leib eingehend,
Wort für Wort
akṛtvā
nicht gemacht habend
pādayoḥ
der Füße
śaucam
die Reinigung
ditiḥ
Diti
śayanam
das Lager
āviśat
betrat
nidrām
Schlaf
ca
und
āhārayām āsa
brachte über
tasyām
in sie
kukṣim
den Leib/Bauch
praviśya
eingehend
saḥ
er
Der entscheidende Regelverstoß: Diti vergisst einmalig, sich vor dem Schlafen die Füße zu waschen (ein Reinheitsgebot) – Indra nutzt dies sofort aus.
mā rodīr iti taṃ śakraḥ punaḥ punar athābravīt / so 'bhavat saptadhā garbhas tam indro ruṣitaḥ punaḥ // BrP_3.120 //
„Weine nicht!“ – so sprach Śakra (Indra) immer wieder zu ihm. Der Fötus war [nun] siebenfach; ihn zerteilte Indra, erneut erzürnt,
Wort für Wort
mā rodīḥ
weine nicht!
iti
so
tam
zu ihm
śakraḥ
Śakra (Indra)
punaḥ punaḥ
immer wieder
atha
dann
abravīt
sprach
saḥ
er
abhavat
wurde
saptadhā
siebenfach
garbhaḥ
der Fötus
tam
ihn
indraḥ
Indra
ruṣitaḥ
erzürnt
punaḥ
erneut
Wortspiel-Ätiologie beginnt: Indras wiederholtes "mā rodīḥ" ("weine nicht") an jeden der sieben (dann 49) Teile wird später zur Erklärung des Namens "Marut" (v.121-122).
zerteilte jeden einzelnen [der sieben Teile] siebenfach mit dem Blitz, der Feindebezwinger (Indra). „Maruts“ mit Namen wurden diese Götter, o beste der Brahmanen –
Wort für Wort
ekaikam
jedes einzelne
saptadhā
siebenfach
cakre
machte
vajreṇa
mit dem Blitz
eva
gerade
ari-karṣaṇaḥ
der Feindebezwinger
marutaḥ
Maruts
nāma
mit Namen
te devāḥ
diese Götter
babhūvuḥ
wurden
dvija-sattamāḥ
o beste der Brahmanen
7×7 = 49 Teile entstehen, die zu den 49 Marut-Göttern werden – das Wort "Marut" wird hier volksetymologisch von "mā rudaḥ/rodīḥ" ("weine nicht") hergeleitet.
Wie es von Maghavant (Indra) gesagt worden war, so genau wurden die Maruts [benannt]; neunundvierzig Götter wurden sie, Gefährten des Vajra-Trägers (Indra).
Wort für Wort
yathā uktam
wie gesagt
vai
fürwahr
maghavatā
von Maghavant (Indra)
tathā eva
so genau
marutaḥ
die Maruts
abhavan
wurden
devāḥ
Götter
ca
und
ekona-pañcāśat
neunundvierzig
sahāyāḥ
Gefährten
vajrapāṇinaḥ
des Vajra-Trägers
Bestätigung der Etymologie und Nennung der Gesamtzahl: 49 Marut-Götter, die fortan als Indras Verbündete (nicht Feinde) fungieren – eine versöhnliche Wendung von Ditis ursprünglicher Rache-Absicht.
Als diese Wesen so entstanden waren, o beste der Brahmanen, machte [Brahmā/Viṣṇu] die vorzüglichsten Scharen der Götter, von unermesslicher Kraft, wohlgefällig
Wort für Wort
teṣām
diese
evam
so
pravṛttānām
entstanden
bhūtānām
der Wesen
dvija-sattamāḥ
o beste der Brahmanen
rocayan
wohlgefällig machend
vai
fürwahr
gaṇa-śreṣṭhān
die vorzüglichsten Scharen
devānām
der Götter
amita-ojasām
von unermesslicher Kraft
Übergangsvers: Nach der Entstehung der Maruts ordnet eine höhere Instanz (kontextuell wohl Viṣṇu/Hari, vgl. v.124-125) die verschiedenen Göttergruppen den einzelnen Wesensklassen als Herrscher zu.
in jeder einzelnen Wesensklasse setzte Hari (Viṣṇu) [jeweils eigene] Prajāpatis (Herrscher) ein; der Reihe nach [wies er] diese Königreiche zu, mit Pṛthu als erstem, o Brahmanen –
Wort für Wort
nikāyeṣu nikāyeṣu
in jeder einzelnen Wesensklasse
hariḥ
Hari (Viṣṇu)
prādāt
setzte ein
prajāpatīn
Prajāpatis (Herrscher)
kramaśaḥ
der Reihe nach
tāni rājyāni
diese Königreiche
pṛthu-pūrvāṇi
mit Pṛthu als erstem
bhoḥ dvijāḥ
o Brahmanen
Hari/Viṣṇu setzt für jede Wesensklasse einen eigenen Herrscher (Prajāpati) ein – dies leitet zur nächsten großen Erzählung über (Kap. 4: Pṛthus Krönung und die Einsetzung der Weltordnung, bereits mit "Pṛthu" vorausgedeutet, der bereits aus Kap. 2 bekannt ist).
Er, Hari, ist der Puruṣa, der Held, der Dunkle (Kṛṣṇa), der Siegreiche (Jiṣṇu), der Prajāpati, der Regenspender (Parjanya), der Erhitzer (Tapana), der Endlose (Ananta) – ihm gehört diese ganze Welt.
Wort für Wort
saḥ hariḥ
er, Hari
puruṣaḥ
der Puruṣa
vīraḥ
der Held
kṛṣṇaḥ
der Dunkle
jiṣṇuḥ
der Siegreiche
prajāpatiḥ
der Prajāpati
parjanyaḥ
der Regenspender
tapanaḥ
der Erhitzer
anantaḥ
der Endlose
tasya
ihm [gehört]
sarvam idam jagat
diese ganze Welt
Abschließende theologische Hymne auf Hari/Viṣṇu als das alles durchdringende, alle Rollen (Schöpfer, Erhalter, Sonne, Regen usw.) in sich vereinende höchste Wesen – ein typischer purāṇischer Abschluss-Vers vor der Phalaśruti.
Für den, der diese Wesensschöpfung recht kennt, o beste der Brahmanen, besteht hier keine Furcht vor Wiedergeburt – woher [dann] Furcht vor der jenseitigen Welt?
Wort für Wort
bhūta-sargam
die Wesensschöpfung
imam
diese
samyak
recht
jānataḥ
für den Kennenden
dvija-sattamāḥ
o beste der Brahmanen
na
nicht
āvṛtti-bhayam
Furcht vor Wiedergeburt
asti
besteht
iha
hier
paraloka-bhayam
Furcht vor der jenseitigen Welt
kutaḥ
woher [dann]
Klassische Phalaśruti (Frucht-Verkündigung) am Kapitelende: Das Wissen um diese gesamte Genealogie der Wesensschöpfung befreit von der Furcht vor Wiedergeburt und Jenseits – analog zur Phalaśruti von Kap. 1 (v.56).