Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 3: brahmapurāṇam, tṛtīyo 'dhyāyaḥ Die Genealogie der Götter, Dānavas und Weltwesen (Verse 1–126, vollständig)

Dichtes genealogisches Kapitel, das die gesamte Wesensschöpfung ausgehend von Dakṣa und Kaśyapa entfaltet: die Haryaśva- und Śabalāśva-Söhne Dakṣas, die durch Nāradas Herausforderung spurlos verschwinden, woraufhin Dakṣa stattdessen 60 Töchter erzeugt und an Kaśyapa, Soma, Dharma u.a. verheiratet (v.1-30); die Nachkommen der zehn Dharma-Gattinnen, darunter die acht Vasus mit ihren Söhnen – u.a. Kāla, Kārttikeya/Kumāra, Viśvakarman (v.30-46); die elf (bzw. hundert) Rudras (v.46-50); die dreizehn Kaśyapa-Gattinnen und ihre Nachkommen: Aditi (die zwölf Ādityas, darunter Viṣṇu und Indra, mit der Tuṣita-Vorgeschichte), Diti (Hiraṇyakaśipu, Hiraṇyākṣa und ihre Nachkommen bis zu Bali und Bāṇa), Danu (die hundert Dānavas, darunter Svarbhānu und Vipracitti), Siṃhikā/die Saiṃhikeyas, die Nivātakavacas, Tāmrā (Vogelmütter, u.a. Garuḍa/Aruṇa über Vinatā), Surasā und Kadrū (Schlangen/Nāgas: Śeṣa, Vāsuki, Takṣaka u.a.), sowie Surabhī, Irā, Khasā, Muni und Ariṣṭā (Rinder, Pflanzen, Yakṣas/Rākṣasas, Apsaras, Gandharvas) (v.51-109); abschließend die Episode von Ditis Rache-Wunsch nach dem Tod ihrer Söhne im Götter-Dānava-Krieg, die hundertjährige Schwangerschaft, Indras Eingreifen bei ihrem Reinheitsfehler und die Zerteilung des Fötus zu den 49 Marut-Göttern (volksetymologisch von "mā rodīḥ", "weine nicht", hergeleitet) (v.110-123); Schlusshymne auf Hari/Viṣṇu als Einsetzer aller Prajāpatis und Phalaśruti (v.124-126). [?]/[Anm.]-Markierungen bei einigen elliptischen genealogischen Details (v.9-11, v.82).

devānāṃ dānavānāṃ ca gandharvoragarakṣasām / utpattiṃ vistareṇaiva lomaharṣaṇa kīrtaya // BrP_3.1 //

Die Weisen sprachen: „Die Entstehung der Götter und der Dānavas sowie der Gandharvas, Schlangenwesen und Rākṣasas verkünde ausführlich, Lomaharṣaṇa!“

Wort für Wort
devānām
der Götter
dānavānām
der Dānavas
ca
und
gandharva-uraga-rakṣasām
der Gandharvas, Schlangenwesen und Rākṣasas
utpattim
die Entstehung
vistareṇa
ausführlich
eva
gerade
lomaharṣaṇa
o Lomaharṣaṇa
kīrtaya
verkünde!

Die Weisen leiten das dritte Kapitel mit einer Frage ein: Nach der Genealogie Dakṣas (Ende Kap. 2) wollen sie nun die Herkunft der Götter, Dämonen (Dānavas), Gandharvas, Schlangenwesen (Uraga) und Rākṣasas erfahren – das Kapitel besteht überwiegend aus genealogischen Namenslisten.

prajāḥ sṛjeti vyādiṣṭaḥ pūrvaṃ dakṣaḥ svayaṃbhuvā / yathā sasarja bhūtāni tathā śṛṇuta bho dvijāḥ // BrP_3.2 //

Lomaharṣaṇa sprach: „Zuvor wurde Dakṣa vom Selbstentstandenen (Brahmā) angewiesen: ‚Erschaffe Geschöpfe!‘ Wie er die Wesen erschuf, so hört, o Brahmanen.

Wort für Wort
prajāḥ
Geschöpfe
sṛja
erschaffe!
iti
so
vyādiṣṭaḥ
angewiesen
pūrvam
zuvor
dakṣaḥ
Dakṣa
svayaṃbhuvā
vom Selbstentstandenen
yathā
wie
sasarja
er erschuf
bhūtāni
die Wesen
tathā
so
śṛṇuta
hört!
bhoḥ dvijāḥ
o Brahmanen

Rückgriff auf Dakṣas Schöpfungsauftrag von Brahmā (Svayaṃbhū), der bereits am Ende von Kap. 2 angesprochen wurde.

mānasāny eva bhūtāni pūrvam evāsṛjat prabhuḥ / ṛṣīn devān sagandharvān asurān yakṣarākṣasān // BrP_3.3 //

Zuerst erschuf der Herr geistgeborene Wesen: die Ṛṣis, die Götter samt den Gandharvas, die Asuras, die Yakṣas und Rākṣasas.

Wort für Wort
mānasāni
geistgeborene
eva
gerade
bhūtāni
Wesen
pūrvam
zuerst
eva
gerade
asṛjat
er erschuf
prabhuḥ
der Herr
ṛṣīn
die Ṛṣis
devān
die Götter
sa-gandharvān
samt den Gandharvas
asurān
die Asuras
yakṣa-rākṣasān
die Yakṣas und Rākṣasas

Erste Schöpfungsphase durch reinen Geist/Willen (mānasa) – vgl. bereits Brahmās mānasa-Söhne in Kap. 1.

yadāsya mānasī viprā na vyavardhata vai prajā / tadā saṃcintya dharmātmā prajāhetoḥ prajāpatiḥ // BrP_3.4 //

Als aber, o Brahmanen, seine geistgeborene Nachkommenschaft sich nicht vermehrte, da erwog der gerechte Prajāpati (Dakṣa), um weitere Nachkommen willen,

Wort für Wort
yadā
als
asya
seine
mānasī
geistgeborene
viprāḥ
o Brahmanen
na vyavardhata
sich nicht vermehrte
vai
fürwahr
prajā
Nachkommenschaft
tadā
da
saṃcintya
erwägend
dharmātmā
der gerechte (von rechtem Wesen)
prajā-hetoḥ
um der Nachkommen willen
prajāpatiḥ
der Prajāpati (Dakṣa)

Übergang zur zweiten, sexuellen Schöpfungsphase, da die geistgeborene Schöpfung sich als unzureichend für Vermehrung erweist.

sa maithunena dharmeṇa sisṛkṣur vividhāḥ prajāḥ / asiknīm āvahat patnīṃ vīraṇasya prajāpateḥ // BrP_3.5 //

er, der auf geschlechtlichem Wege mannigfache Geschöpfe zu erzeugen wünschte, nahm Asiknī, die Tochter des Prajāpati Vīraṇa, zur Gemahlin,

Wort für Wort
saḥ
er
maithunena dharmeṇa
auf dem Weg des geschlechtlichen Rechts (durch Beischlaf)
sisṛkṣuḥ
zu erschaffen wünschend
vividhāḥ
mannigfache
prajāḥ
Geschöpfe
asiknīm
Asiknī
āvahat
er führte heim (heiratete)
patnīm
als Gemahlin
vīraṇasya
des Vīraṇa
prajāpateḥ
des Prajāpati

Dakṣa wechselt zur Zeugung durch Geschlechtsverkehr (maithuna-dharma); Asiknī wird seine Gemahlin.

sutāṃ sutapasā yuktāṃ mahatīṃ lokadhāriṇīm / atha putrasahasrāṇi vairaṇyāṃ pañca vīryavān // BrP_3.6 //

die Tochter, die mit großer Askese begabt, erhaben und welttragend war. Sodann [zeugte] der Kraftvolle mit der Tochter Vīraṇas (Vairaṇī) fünftausend Söhne –

Wort für Wort
sutām
die Tochter
sutapasā
mit großer Askese
yuktām
versehen
mahatīm
die große/erhabene
loka-dhāriṇīm
welttragende
atha
sodann
putra-sahasrāṇi
Tausende von Söhnen
vairaṇyām
bei/mit der Vairaṇī (Vīraṇas Tochter)
pañca
fünf(tausend)
vīryavān
der Kraftvolle (Dakṣa)

Beschreibung Asiknīs (auch Vairaṇī, Patronymikon nach Vīraṇa genannt) als asketisch und kosmisch bedeutsam.

asiknyāṃ janayām āsa dakṣa eva prajāpatiḥ / tāṃs tu dṛṣṭvā mahābhāgān saṃvivardhayiṣūn prajāḥ // BrP_3.7 //

mit Asiknī zeugte sie Prajāpati Dakṣa selbst. Als aber [der Weise Nārada] diese hochherrlichen [Söhne] sah, die die Nachkommenschaft vermehren wollten,

Wort für Wort
asiknyām
mit/bei Asiknī
janayām āsa
zeugte
dakṣaḥ
Dakṣa
eva
selbst
prajāpatiḥ
der Prajāpati
tān
diese
tu
aber
dṛṣṭvā
sehend
mahābhāgān
die hochherrlichen
saṃvivardhayiṣūn
die zu vermehren wünschend
prajāḥ
die Nachkommenschaft

Die 5000 Haryaśva-Söhne werden gezeugt; Vorbereitung auf Nāradas Eingreifen.

devarṣiḥ priyasaṃvādo nāradaḥ prābravīd idam / nāśāya vacanaṃ teṣāṃ śāpāyaivātmanas tathā // BrP_3.8 //

sprach der Götterweise Nārada, freundlich im Gespräch, zu ihrem Verderben diese Worte – und ebenso zum eigenen Fluch (Verwünschung).

Wort für Wort
devarṣiḥ
der Götterweise
priyasaṃvādaḥ
freundlich im Gespräch
nāradaḥ
Nārada
prābravīt
sprach
idam
dieses
nāśāya
zum Verderben
vacanam
die Rede/das Wort
teṣām
für sie
śāpāya
zum Fluch
eva
gerade
ātmanaḥ
des eigenen (Selbst)
tathā
ebenso

Nārada, obwohl "freundlich im Gespräch" (priyasaṃvāda) genannt, spricht Worte, die zum Untergang der Söhne führen – und ihm selbst später Dakṣas Fluch einbringen (vgl. v. 9-14).

yaṃ kaśyapaḥ sutavaraṃ parameṣṭhī vyajījanat / dakṣasya vai duhitari dakṣaśāpabhayān muniḥ // BrP_3.9 //

[Nārada,] den Kaśyapa, der Höchste (Parameṣṭhin), als vorzüglichen Sohn mit Dakṣas Tochter gezeugt hatte – aus Furcht vor Dakṣas Fluch [erhielt] der Weise [ihn] –,

Wort für Wort
yam
den
kaśyapaḥ
Kaśyapa
sutavaram
als vorzüglichen Sohn
parameṣṭhī
der Höchste
vyajījanat
zeugte
dakṣasya
Dakṣas
vai
fürwahr
duhitari
mit der Tochter
dakṣa-śāpa-bhayāt
aus Furcht vor Dakṣas Fluch
muniḥ
der Weise

Erklärung von Nāradas Herkunft: Sohn Kaśyapas mit einer Dakṣa-Tochter, geboren aus Furcht vor einem Fluch Dakṣas (Details folgen v. 10-14, teils dunkel/verdichtet formuliert).

pūrvaṃ sa hi samutpanno nāradaḥ parameṣṭhinaḥ / asiknyām atha vairaṇyāṃ bhūyo devarṣisattamaḥ // BrP_3.10 //

denn zuvor war er, Nārada, aus dem Höchsten (Kaśyapa/Parameṣṭhin) entstanden; wiederum wurde der beste der Götterweisen [nun] mit Asiknī, der Vairaṇī, [gezeugt] –

Wort für Wort
pūrvam
zuvor
saḥ
er
hi
denn
samutpannaḥ
entstanden
nāradaḥ
Nārada
parameṣṭhinaḥ
vom Höchsten
asiknyām
bei Asiknī
atha
dann
vairaṇyām
der Vairaṇī
bhūyaḥ
wiederum
devarṣi-sattamaḥ
der beste der Götterweisen

Verdichtete, elliptische Genealogie-Aussage: Nārada erscheint hier als zweifach geboren – zuerst von Kaśyapa, dann erneut mit Asiknī/Vairaṇī verbunden. [Anm.: Die Stelle ist im Sanskrit stark elliptisch; die Wortfolge legt nahe, dass Nārada durch Dakṣas Tochter (Asiknī) ein zweites Mal geboren wird, was mit v. 13-14 zusammenhängt, wo Dakṣa ihm eine Tochter zur Frau gibt.]

taṃ bhūyo janayām āsa piteva munipuṃgavam / tena dakṣasya vai putrā haryaśvā iti viśrutāḥ // BrP_3.11 //

ihn, den Stier unter den Weisen, zeugte [Dakṣa] wiederum wie ein Vater. Deshalb sind Dakṣas Söhne als die „Haryaśvas“ bekannt geworden [– sie wollten Nachkommenschaft vermehren, s.u.].

Wort für Wort
tam
ihn
bhūyaḥ
wiederum
janayām āsa
zeugte
piteva
wie ein Vater
muni-puṃgavam
den Stier der Weisen
tena
deshalb
dakṣasya
Dakṣas
vai
fürwahr
putrāḥ
die Söhne
haryaśvāḥ
Haryaśvas
iti
so
viśrutāḥ
bekannt

[Anm.: v. 9-11 sind sprachlich sehr komprimiert und teils widersprüchlich überliefert; die Kernaussage – Nāradas Verwicklung mit Dakṣas Familie als Ursache seines späteren Ratschlags – bleibt aber klar.] Die 5000 Söhne heißen "Haryaśvas" ("die mit falben Rossen").

nirmathya nāśitāḥ sarve vidhinā ca na saṃśayaḥ / tasyodyatas tadā dakṣo nāśāyāmitavikramaḥ // BrP_3.12 //

Alle wurden [später, durch Nāradas Rat] zunichte gemacht und vergingen ordnungsgemäß – ohne Zweifel. Da war Dakṣa, von unermesslicher Kraft, zu ihrer Vernichtung [zornig] bereit –

Wort für Wort
nirmathya
aufwühlend/zerrüttend
nāśitāḥ
vernichtet
sarve
alle
vidhinā
gemäß der Bestimmung
ca
und
na saṃśayaḥ
kein Zweifel
tasya
dessen (ihrer)
udyataḥ
bereit
tadā
da
dakṣaḥ
Dakṣa
nāśāya
zur Vernichtung
amita-vikramaḥ
von unermesslicher Kraft

Vorgriff auf das Ergebnis von Nāradas Rede (v. 16-18): Die Haryaśvas ziehen fort und kehren nie zurück. Dakṣa reagiert zornig.

brahmarṣīn purataḥ kṛtvā yācitaḥ parameṣṭhinā / tato 'bhisaṃdhiś cakre vai dakṣasya parameṣṭhinā // BrP_3.13 //

[Nārada,] die Brahmarṣis vor sich stellend, wurde vom Höchsten (Brahmā) gebeten [Dakṣa zu besänftigen]. Darauf traf der Höchste (Brahmā) mit Dakṣa eine Übereinkunft:

Wort für Wort
brahmarṣīn
die Brahmarṣis
purataḥ kṛtvā
voranstellend
yācitaḥ
gebeten
parameṣṭhinā
vom Höchsten (Brahmā)
tataḥ
darauf
abhisaṃdhiḥ
eine Übereinkunft
cakre
traf
vai
fürwahr
dakṣasya
mit Dakṣa
parameṣṭhinā
der Höchste (Brahmā)

Brahmā vermittelt zwischen dem zornigen Dakṣa und Nārada, um dessen Fluch abzuwenden.

kanyāyāṃ nārado mahyaṃ tava putro bhaved iti / tato dakṣaḥ sutāṃ prādāt priyāṃ vai parameṣṭhine / sa tasyāṃ nārado jajñe bhūyaḥ śāpabhayād ṛṣiḥ // BrP_3.14 //

„Nārada soll mit einer Tochter [von dir] mir zum Sohn werden“ – so [sprach Brahmā]. Darauf gab Dakṣa dem Höchsten (Brahmā) fürwahr eine liebe Tochter; mit ihr wurde der Weise Nārada, aus Furcht vor dem Fluch, wiederum geboren.

Wort für Wort
kanyāyām
mit/durch eine Tochter
nāradaḥ
Nārada
mahyam
mir
tava
dein
putraḥ
Sohn
bhavet
möge werden
iti
so
tataḥ
darauf
dakṣaḥ
Dakṣa
sutām
die Tochter
prādāt
gab
priyām
die liebe
vai
fürwahr
parameṣṭhine
dem Höchsten
saḥ
er
tasyām
in/mit ihr
nāradaḥ
Nārada
jajñe
wurde geboren
bhūyaḥ
wiederum
śāpa-bhayāt
aus Furcht vor dem Fluch
ṛṣiḥ
der Weise

Auflösung der komprimierten Genealogie: Um Dakṣas Fluch gegen Nārada zu neutralisieren, wird vereinbart, dass Nārada durch eine Tochter Dakṣas gleichsam "neu geboren" (adoptiert) und damit formal Brahmās Sohn wird – daher die scheinbare doppelte Geburt in v. 9-11. [Anm.: Diese Konstruktion bleibt im Text knapp und leicht kryptisch; sinngemäß handelt es sich um eine rituelle/genealogische Fiktion zur Fluchabwehr.]

kathaṃ praṇāśitāḥ putrā nāradena maharṣiṇā / prajāpateḥ sūtavarya śrotum icchāma tattvataḥ // BrP_3.15 //

Die Weisen sprachen: „Wie wurden die Söhne des Prajāpati durch den großen Weisen Nārada zunichte gemacht? O bester der Sūtas, wir wollen es der Wahrheit gemäß hören.“

Wort für Wort
katham
wie
praṇāśitāḥ
zunichte gemacht
putrāḥ
die Söhne
nāradena
durch Nārada
maharṣiṇā
den großen Weisen
prajāpateḥ
des Prajāpati
sūta-varya
o bester der Sūtas
śrotum
zu hören
icchāmaḥ
wir wünschen
tattvataḥ
der Wahrheit gemäß

Zwischenfrage der Rahmenerzählung – die Weisen bitten um die konkrete Geschichte der Vernichtung der Haryaśvas.

dakṣasya putrā haryaśvā vivardhayiṣavaḥ prajāḥ / samāgatā mahāvīryā nāradas tān uvāca ha // BrP_3.16 //

Lomaharṣaṇa sprach: „Dakṣas Söhne, die Haryaśvas, von großer Kraft, versammelten sich, um die Nachkommenschaft zu vermehren; da sprach Nārada zu ihnen:

Wort für Wort
dakṣasya
Dakṣas
putrāḥ
die Söhne
haryaśvāḥ
die Haryaśvas
vivardhayiṣavaḥ
zu vermehren wünschend
prajāḥ
die Nachkommenschaft
samāgatāḥ
versammelt
mahāvīryāḥ
von großer Kraft
nāradaḥ
Nārada
tān
zu ihnen
uvāca ha
sprach

Beginn der eigentlichen Haryaśva-Episode: Die Söhne beabsichtigen, selbst Nachkommen zu erzeugen.

bāliśā bata yūyaṃ vai nāsyā jānīta vai bhuvaḥ / pramāṇaṃ sraṣṭukāmā vai prajāḥ prācetasātmajāḥ // BrP_3.17 //

Nārada sprach: „Kindisch (töricht) seid ihr wahrlich – ihr, die ihr Nachkommenschaft erzeugen wollt, o Söhne des Prācetasa (Dakṣa), kennt ja nicht einmal das Maß dieser Erde!

Wort für Wort
bāliśāḥ
kindisch/töricht
bata
ach, wahrlich
yūyam
ihr
vai
fürwahr
na
nicht
asyāḥ
dieser
jānītha
ihr kennt
vai
fürwahr
bhuvaḥ
der Erde
pramāṇam
das Maß
sraṣṭukāmāḥ
zu erschaffen wünschend
vai
fürwahr
prajāḥ
Nachkommenschaft
prācetasa-ātmajāḥ
o Söhne des Prācetasa (Dakṣa)

Nāradas provokante Rede: Er stellt in Frage, ob die Söhne überhaupt die Ausdehnung der Erde kennen, bevor sie diese bevölkern wollen.

antar ūrdhvam adhaś caiva kathaṃ sṛjatha vai prajāḥ / te tu tadvacanaṃ śrutvā prayātāḥ sarvato diśaḥ // BrP_3.18 //

Wie wollt ihr Nachkommen erschaffen, [ohne] innen, oben und unten [das Maß der Welt zu kennen]?“ Sie aber, nachdem sie diese Rede gehört hatten, zogen nach allen Himmelsrichtungen fort,

Wort für Wort
antaḥ
innen
ūrdhvam
oben
adhaḥ
unten
ca eva
und auch
katham
wie
sṛjatha
werdet ihr erschaffen
vai
fürwahr
prajāḥ
Nachkommen
te
sie
tu
aber
tat-vacanam
diese Rede
śrutvā
gehört habend
prayātāḥ
fortgezogen
sarvataḥ diśaḥ
nach allen Richtungen

Die Herausforderung wirkt: Die Haryaśvas ziehen aus, um erst die Ausdehnung der Welt zu erkunden – und kehren nie zurück (v. 19).

adyāpi na nivartante samudrebhya ivāpagāḥ / haryaśveṣv atha naṣṭeṣu dakṣaḥ prācetasaḥ punaḥ // BrP_3.19 //

und kehren bis heute nicht zurück – wie Flüsse [nicht] von den Meeren [zurückkehren]. Als nun die Haryaśvas verloren waren, [erschuf] Dakṣa, der Sohn des Prācetasa, wiederum

Wort für Wort
adya api
bis heute
na nivartante
kehren nicht zurück
samudrebhyaḥ
von den Meeren
iva
wie
āpagāḥ
die Flüsse
haryaśveṣu
als die Haryaśvas
atha
nun
naṣṭeṣu
verloren waren
dakṣaḥ
Dakṣa
prācetasaḥ
der Sohn des Prācetasa
punaḥ
wiederum

Bildhafter Vergleich: Wie Flüsse, die ins Meer münden, nicht zurückkehren, kehren auch die fortgezogenen Söhne nicht zurück – sie "verschwinden" in der unbegrenzten Suche.

vairaṇyām atha putrāṇāṃ sahasram asṛjat prabhuḥ / vivardhayiṣavas te tu śabalāśvās tathā prajāḥ // BrP_3.20 //

mit Vairaṇī tausend Söhne, der Herr [Dakṣa]. Auch diese, die „Śabalāśvas“, wollten die Nachkommenschaft vermehren,

Wort für Wort
vairaṇyām
mit Vairaṇī
atha
sodann
putrāṇām
der Söhne
sahasram
ein Tausend
asṛjat
erschuf
prabhuḥ
der Herr (Dakṣa)
vivardhayiṣavaḥ
zu vermehren wünschend
te
sie
tu
aber
śabalāśvāḥ
die Śabalāśvas
tathā
ebenso
prajāḥ
die Nachkommenschaft

Zweiter Versuch Dakṣas: die 1000 Śabalāśva-Söhne ("die mit gesprenkelten Rossen") – ihr Schicksal wiederholt das der Haryaśvas.

pūrvoktaṃ vacanaṃ te tu nāradena pracoditāḥ / anyonyam ūcus te sarve samyag āha mahān ṛṣiḥ // BrP_3.21 //

[doch] sie, von Nārada mit der zuvor gesagten Rede angetrieben, sprachen alle zueinander: „Der große Weise hat recht (zutreffend) gesprochen!“

Wort für Wort
pūrva-uktam
die zuvor gesagte
vacanam
Rede
te
sie
tu
aber
nāradena
von Nārada
pracoditāḥ
angetrieben
anyonyam
zueinander
ūcuḥ
sie sprachen
te sarve
sie alle
samyak
zutreffend
āha
hat gesprochen
mahān ṛṣiḥ
der große Weise

Die Śabalāśvas erhalten von Nārada dieselbe Herausforderung wie zuvor die Haryaśvas und lassen sich ebenso überzeugen.

bhrātṝṇāṃ padavīṃ jñātuṃ gantavyaṃ nātra saṃśayaḥ / jñātvā pramāṇaṃ pṛthvyāś ca sukhaṃ srakṣyāmahe prajāḥ // BrP_3.22 //

„Um die Spur (den Weg) unserer Brüder zu erkunden, müssen wir ausziehen – daran ist kein Zweifel. Erst wenn wir das Maß der Erde kennen, werden wir leicht Nachkommen erschaffen können.“

Wort für Wort
bhrātṝṇām
der Brüder
padavīm
die Spur/den Weg
jñātum
zu erkennen
gantavyam
es ist zu gehen
na atra saṃśayaḥ
daran ist kein Zweifel
jñātvā
erkannt habend
pramāṇam
das Maß
pṛthvyāḥ
der Erde
ca
und
sukham
leicht
srakṣyāmahe
wir werden erschaffen
prajāḥ
Nachkommen

Die Śabalāśvas beschließen, zunächst ihre verschollenen Brüder (die Haryaśvas) zu suchen und dabei die Erde zu erkunden.

te 'pi tenaiva mārgeṇa prayātāḥ sarvato diśam / adyāpi na nivartante samudrebhya ivāpagāḥ // BrP_3.23 //

Auch sie zogen auf demselben Weg nach allen Richtungen fort und kehren bis heute nicht zurück – wie Flüsse [nicht] von den Meeren.

Wort für Wort
te api
auch sie
tena eva mārgeṇa
auf demselben Weg
prayātāḥ
fortgezogen
sarvataḥ diśam
nach allen Richtungen
adya api
bis heute
na nivartante
kehren nicht zurück
samudrebhyaḥ
von den Meeren
iva
wie
āpagāḥ
die Flüsse

Wiederholung derselben Formel wie v. 19: Auch die Śabalāśvas verschwinden endgültig.

tadā prabhṛti vai bhrātā bhrātur anveṣaṇe dvijāḥ / prayāto naśyati kṣipraṃ tan na kāryaṃ vipaścitā // BrP_3.24 //

Seit jener Zeit, o Brahmanen, geschieht es, dass ein Bruder, der auszieht, um den [verschollenen] Bruder zu suchen, rasch selbst verschwindet – deshalb soll ein Kundiger dies nicht tun.

Wort für Wort
tadā prabhṛti
von da an
vai
fürwahr
bhrātā
ein Bruder
bhrātuḥ
des Bruders
anveṣaṇe
bei der Suche
dvijāḥ
o Brahmanen
prayātaḥ
ausgezogen
naśyati
verschwindet
kṣipram
rasch
tat
das
na kāryam
ist nicht zu tun
vipaścitā
von einem Kundigen

Ätiologische Schlussfolgerung/Sprichwort, das aus der Episode abgeleitet wird: eine Warnung vor der Suche nach Verschollenen als sinnloses, sich selbst wiederholendes Unterfangen.

tāṃś caiva naṣṭān vijñāya putrān dakṣaḥ prajāpatiḥ / ṣaṣṭiṃ tato 'sṛjat kanyā vairaṇyām iti naḥ śrutam // BrP_3.25 //

Als nun Prajāpati Dakṣa erkannte, dass auch diese Söhne verloren waren, erzeugte er darauf mit Vairaṇī sechzig Töchter – so haben wir gehört.

Wort für Wort
tān
diese
ca eva
und auch
naṣṭān
verloren
vijñāya
erkennend
putrān
die Söhne
dakṣaḥ
Dakṣa
prajāpatiḥ
der Prajāpati
ṣaṣṭim
sechzig
tataḥ
darauf
asṛjat
erzeugte
kanyāḥ
Töchter
vairaṇyām
mit Vairaṇī
iti naḥ śrutam
so haben wir gehört

Dakṣa gibt die Erzeugung von Söhnen auf (nach zweimal 6000 verlorenen Söhnen) und wendet sich der Erzeugung von 60 Töchtern zu, die er an verschiedene Väter-Figuren verheiratet – dies bildet die Grundlage des folgenden Götter-Stammbaums.

tās tadā pratijagrāha bhāryārthaṃ kaśyapaḥ prabhuḥ / somo dharmaś ca bho viprās tathaivānye maharṣayaḥ // BrP_3.26 //

Diese nahm da der Herr Kaśyapa zu Gattinnen entgegen, [ebenso] Soma und Dharma, o Brahmanen, und ebenso andere große Weise.

Wort für Wort
tāḥ
diese
tadā
da
pratijagrāha
empfing/nahm entgegen
bhāryā-artham
zum Zweck der Gattinnenschaft
kaśyapaḥ
Kaśyapa
prabhuḥ
der Herr
somaḥ
Soma (der Mond)
dharmaḥ
Dharma
ca
und
bhoḥ viprāḥ
o Brahmanen
tathā eva
ebenso
anye
andere
maharṣayaḥ
große Weise

Die 60 Töchter Dakṣas werden auf mehrere Empfänger verteilt: Kaśyapa, Soma (Mond), Dharma und weitere Ṛṣis – klassisches purāṇisches Motiv der Weltordnung durch Verheiratung.

dadau sa daśa dharmāya kaśyapāya trayodaśa / saptaviṃśati somāya catasro 'riṣṭanemine // BrP_3.27 //

Er (Dakṣa) gab zehn dem Dharma, dreizehn dem Kaśyapa, siebenundzwanzig dem Soma, vier dem Ariṣṭanemi,

Wort für Wort
dadau
er gab
saḥ
er
daśa
zehn
dharmāya
dem Dharma
kaśyapāya
dem Kaśyapa
trayodaśa
dreizehn
saptaviṃśati
siebenundzwanzig
somāya
dem Soma
catasraḥ
vier
ariṣṭanemine
dem Ariṣṭanemi

Genaue Verteilung der 60 Töchter beginnt: 10+13+27+4 = 54, es folgen weitere in v. 28.

dve caiva bahuputrāya dve caivāṅgirase tathā / dve kṛśāśvāya viduṣe tāsāṃ nāmāni me śṛṇu // BrP_3.28 //

zwei dem Bahuputra, ebenso zwei dem Aṅgiras, zwei dem weisen Kṛśāśva. Höre nun von mir ihre Namen [der zehn Gattinnen des Dharma]:

Wort für Wort
dve
zwei
ca eva
und auch
bahuputrāya
dem Bahuputra
dve
zwei
ca eva
und auch
aṅgirase
dem Aṅgiras
tathā
ebenso
dve
zwei
kṛśāśvāya
dem Kṛśāśva
viduṣe
dem weisen
tāsām
von diesen
nāmāni
die Namen
me
von mir
śṛṇu
höre!

10+13+27+4+2+2+2 = 60 – vollständige Verteilung der 60 Töchter Dakṣas auf sieben Empfänger. Es folgen nun in v. 29 die Namen der zehn Dharma-Gattinnen.

arundhatī vasur yāmī lambā bhānur marutvatī / saṃkalpā ca muhūrtā ca sādhyā viśvā ca bho dvijāḥ // BrP_3.29 //

Arundhatī, Vasu, Yāmī, Lambā, Bhānu, Marutvatī, Saṃkalpā, Muhūrtā, Sādhyā und Viśvā, o Brahmanen –

Wort für Wort
arundhatī, vasuḥ, yāmī, lambā, bhānuḥ, marutvatī, saṃkalpā, muhūrtā, sādhyā, viśvā
die zehn Namen
ca
und
bhoḥ dvijāḥ
o Brahmanen

Die Namen der zehn Gattinnen des Dharma; ihre Nachkommen (Personifikationen kosmischer/zeitlicher Prinzipien) folgen in v. 30ff.

dharmapatnyo daśa tv etās tāsv apatyāni bodhata / viśvedevās tu viśvāyāḥ sādhyā sādhyān vyajāyata // BrP_3.30 //

diese zehn sind die Gattinnen des Dharma. Vernehmt nun ihre Nachkommen: Von Viśvā [wurden] die Viśvedevas [geboren], Sādhyā gebar die Sādhyas,

Wort für Wort
dharma-patnyaḥ
die Gattinnen des Dharma
daśa
zehn
tu
aber
etāḥ
diese
tāsu
in ihnen (von ihnen)
apatyāni
die Nachkommen
bodhata
erkennt!
viśvedevāḥ
die Viśvedevas
tu
aber
viśvāyāḥ
von Viśvā
sādhyā
Sādhyā
sādhyān
die Sādhyas
vyajāyata
gebar

Beginn der Aufzählung der Nachkommen jeder Dharma-Gattin – die Namen der Nachkommen entsprechen meist Kollektivbezeichnungen von Gottheitengruppen (Viśvedevas, Sādhyas usw.).

marutvatyāṃ marutvanto vasos tu vasavaḥ sutāḥ / bhānos tu bhānavaḥ putrā muhūrtās tu muhūrtajāḥ // BrP_3.31 //

von Marutvatī [wurden] die Marutvants [geboren], von Vasu aber die Vasus als Söhne, von Bhānu aber die Bhānus als Söhne, von Muhūrtā aber die Muhūrtajas,

Wort für Wort
marutvatyām
von Marutvatī
marutvantaḥ
die Marutvants
vasoḥ
von Vasu
tu
aber
vasavaḥ
die Vasus
sutāḥ
Söhne
bhānoḥ
von Bhānu
tu
aber
bhānavaḥ
die Bhānus
putrāḥ
Söhne
muhūrtāḥ
Muhūrtā(s Söhne)
tu
aber
muhūrtajāḥ
die Muhūrtajas

Fortsetzung der Nachkommenliste: jede Gattin gebiert eine gleichnamige Gruppe von Gottheiten (typisches Prinzip der Namensableitung in Purāṇa-Genealogien).

lambāyāś caiva ghoṣo 'tha nāgavīthī ca yāmijā / pṛthivī viṣayaṃ sarvam arundhatyāṃ vyajāyata // BrP_3.32 //

und von Lambā [wurde] Ghoṣa [geboren], und Nāgavīthī ist von Yāmī geboren; von Arundhatī wurde die gesamte Erde als Bereich (Domäne) geboren,

Wort für Wort
lambāyāḥ
von Lambā
ca eva
und auch
ghoṣaḥ
Ghoṣa
atha
dann
nāgavīthī
Nāgavīthī
ca
und
yāmijā
von Yāmī geboren
pṛthivī
die Erde
viṣayam
als Bereich
sarvam
gesamt
arundhatyām
von Arundhatī
vyajāyata
wurde geboren

Arundhatī wird hier mit der Erde bzw. deren Bereich assoziiert – ihr Name bedeutet wörtlich "die Unbehinderte/Unbeirrbare" und ist auch der Stern-Name der Gattin des Vasiṣṭha.

saṃkalpāyās tu viśvātmā jajñe saṃkalpa eva hi / nāgavīthyāṃ ca yāminyāṃ vṛṣalaś ca vyajāyata // BrP_3.33 //

von Saṃkalpā aber wurde der Allbeseelte, eben Saṃkalpa (der "Wille") selbst, geboren; und von Nāgavīthī und Yāminī wurde Vṛṣala geboren,

Wort für Wort
saṃkalpāyāḥ
von Saṃkalpā
tu
aber
viśvātmā
der Allbeseelte
jajñe
wurde geboren
saṃkalpaḥ
Saṃkalpa
eva hi
eben, gerade
nāgavīthyām
von Nāgavīthī
ca
und
yāminyām
von Yāminī
vṛṣalaḥ
Vṛṣala
ca
und
vyajāyata
wurde geboren

Personifizierte Abstrakta (Saṃkalpa = "Entschluss/Wille") als Nachkommen – typisch für diese kosmogonische Systematik.

parā yāḥ somapatnīś ca dakṣaḥ prācetaso dadau / sarvā nakṣatranāmnyas tā jyotiṣe parikīrtitāḥ // BrP_3.34 //

Die übrigen [siebenundzwanzig] Gattinnen des Soma, die Dakṣa, der Sohn des Prācetasa, gab – sie alle tragen die Namen der Mondhäuser (Nakṣatras) und werden in der Astronomie (Jyotiṣa) genannt.

Wort für Wort
parāḥ
die übrigen
yāḥ
die
soma-patnīḥ
Gattinnen des Soma
ca
und
dakṣaḥ
Dakṣa
prācetasaḥ
Sohn des Prācetasa
dadau
gab
sarvāḥ
alle
nakṣatra-nāmnyaḥ
mit den Namen der Nakṣatras
tāḥ
sie
jyotiṣe
in der Astronomie/Jyotiṣa
parikīrtitāḥ
genannt/gepriesen

Bezug auf die 27 Soma-Gattinnen aus v. 27 – diese entsprechen den 27 Nakṣatras (Mondhäusern) der indischen Astronomie/Astrologie, mit denen der Mond (Soma) periodisch "verweilt".

ye tv anye khyātimanto vai devā jyotiṣpurogamāḥ / vasavo 'ṣṭau samākhyātās teṣāṃ vakṣyāmi vistaram // BrP_3.35 //

Welche anderen berühmten Götter es aber gibt, angeführt von den Himmelslichtern (Jyotiṣ) – die acht Vasus werden [nun] genannt; von ihnen will ich ausführlich sprechen.

Wort für Wort
ye
welche
tu
aber
anye
andere
khyātimantaḥ
berühmte
vai
fürwahr
devāḥ
Götter
jyotiṣ-purogamāḥ
angeführt von den Himmelslichtern
vasavaḥ
die Vasus
aṣṭau
acht
samākhyātāḥ
genannt
teṣām
von ihnen
vakṣyāmi
ich werde sprechen
vistaram
ausführlich

Übergang zur nächsten großen Gruppe: die acht Vasus (bereits in Kap. 1 kurz erwähnt), deren Nachkommen nun im Detail behandelt werden.

āpo dhruvaś ca somaś ca dhavaś caivānilo 'nalaḥ / pratyūṣaś ca prabhāsaś ca vasavo nāmabhiḥ smṛtāḥ // BrP_3.36 //

Āpa, Dhruva, Soma, Dhava, Anila, Anala, Pratyūṣa und Prabhāsa – so werden die Vasus mit Namen genannt.

Wort für Wort
āpaḥ, dhruvaḥ, somaḥ, dhavaḥ, anilaḥ, analaḥ, pratyūṣaḥ, prabhāsaḥ
die acht Namen
ca
und
vasavaḥ
die Vasus
nāmabhiḥ
mit Namen
smṛtāḥ
werden erinnert/genannt

Die acht Vasus ("die Guten/Leuchtenden", eine vedisch-purāṇische Göttergruppe) mit ihren Namen: Wasser, Polarstern, Mond, [Dhava = unklar/"Träger"], Wind, Feuer, Morgendämmerung, Glanz.

āpasya putro vaitaṇḍyaḥ śramaḥ śrānto munis tathā / dhruvasya putro bhagavān kālo lokaprakālanaḥ // BrP_3.37 //

Āpas Sohn ist Vaitaṇḍya, [und] Śrama, Śrānta, der Weise – ebenso; Dhruvas Sohn ist der erhabene Kāla (die Zeit), der die Welt(en) [ver]treibt (bewegt).

Wort für Wort
āpasya
Āpas
putraḥ
der Sohn
vaitaṇḍyaḥ
Vaitaṇḍya
śramaḥ
Śrama
śrāntaḥ
Śrānta
muniḥ
der Weise
tathā
ebenso
dhruvasya
Dhruvas
putraḥ
der Sohn
bhagavān
der Erhabene
kālaḥ
Kāla (die Zeit)
loka-prakālanaḥ
der die Welten treibt/bewegt

Genealogie der Vasu-Söhne beginnt: Āpa (Wasser) erhält als Söhne u.a. Vaitaṇḍya, Śrama, Śrānta; Dhruva (Polarstern) den bedeutsamen "Kāla" (Zeit) als Sohn – eine kosmologisch zentrale Figur.

somasya bhagavān varcā varcasvī yena jāyate / dhavasya putro draviṇo hutahavyavahas tathā / manoharāyāḥ śiśiraḥ prāṇo 'tha ramaṇas tathā // BrP_3.38 //

Somas [Sohn] ist der erhabene Varcas, durch den man glanzvoll wird; Dhavas Sohn ist Draviṇa, ebenso Hutahavyavaha; von Manoharā [stammen] Śiśira, Prāṇa und Ramaṇa,

Wort für Wort
somasya
Somas
bhagavān
der erhabene
varcāḥ
Varcas
varcasvī
glanzvoll
yena
durch den
jāyate
man wird
dhavasya
Dhavas
putraḥ
Sohn
draviṇaḥ
Draviṇa
hutahavyavahaḥ
Hutahavyavaha
tathā
ebenso
manoharāyāḥ
von Manoharā
śiśiraḥ, prāṇaḥ, ramaṇaḥ
Śiśira, Prāṇa, Ramaṇa
atha, tathā
und, ebenso

Weitere Vasu-Nachkommen: Soma → Varcas ("Glanz"); Dhava → Draviṇa, Hutahavyavaha ("der die Opfergabe trägt", ein Feuer-Epitheton); Manoharā (eine Gattin Dhavas) → Śiśira, Prāṇa, Ramaṇa.

anilasya śivā bhāryā tasyāḥ putro manojavaḥ / avijñātagatiś caiva dvau putrāv anilasya ca // BrP_3.39 //

Anilas Gattin ist Śivā; ihr Sohn ist Manojava, und Avijñātagati – dies sind Anilas zwei Söhne.

Wort für Wort
anilasya
Anilas
śivā
Śivā
bhāryā
die Gattin
tasyāḥ
ihr
putraḥ
Sohn
manojavaḥ
Manojava
avijñātagatiḥ
Avijñātagati
ca eva
und auch
dvau putrau
zwei Söhne
anilasya
Anilas
ca
und

Anila ("Wind") erhält zwei Söhne: Manojava ("geistesschnell") und Avijñātagati ("dessen Gang unbekannt ist") – beide Namen passend zur Windnatur.

agniputraḥ kumāras tu śarastambe śriyā vṛtaḥ / tasya śākho viśākhaś ca naigameyaś ca pṛṣṭhajaḥ // BrP_3.40 //

Agnis (Analas) Sohn aber ist Kumāra, im Schilfdickicht (Śarastamba) mit Glanz umgeben; seine [Söhne sind] Śākha, Viśākha, Naigameya und Pṛṣṭhaja.

Wort für Wort
agni-putraḥ
Agnis (Feuers) Sohn
kumāraḥ
Kumāra
tu
aber
śarastambe
im Schilfdickicht
śriyā
mit Glanz
vṛtaḥ
umgeben
tasya
seine
śākhaḥ, viśākhaḥ, naigameyaḥ, pṛṣṭhajaḥ
Śākha, Viśākha, Naigameya, Pṛṣṭhaja
ca
und

Kumāra (= Skanda/Kārttikeya, Kriegsgott) erscheint hier als Sohn Analas/Agnis (Feuer), geboren im Schilfdickicht – ein bekanntes Motiv seiner Geburtslegende. Seine vier Begleiter/Aspekte werden genannt.

apatyaṃ kṛttikānāṃ tu kārttikeya iti smṛtaḥ / pratyūṣasya viduḥ putram ṛṣiṃ nāmnātha devalam // BrP_3.41 //

Als Nachkomme der Kṛttikās (Plejaden) aber wird er „Kārttikeya“ genannt. Von Pratyūṣa kennt man den Sohn, den Weisen namens Devala,

Wort für Wort
apatyam
Nachkomme
kṛttikānām
der Kṛttikās
tu
aber
kārttikeyaḥ
Kārttikeya
iti smṛtaḥ
so genannt
pratyūṣasya
Pratyūṣas
viduḥ
man kennt
putram
den Sohn
ṛṣim
den Weisen
nāmnā
mit Namen
atha
und
devalam
Devala

Erklärung des Beinamens Kārttikeya ("Sohn der Kṛttikās", der Plejaden-Frauen, die ihn nährten). Weiter mit Pratyūṣas Sohn Devala.

dvau putrau devalasyāpi kṣamāvantau manīṣiṇau / bṛhaspates tu bhaginī varastrī brahmavādinī // BrP_3.42 //

auch Devala hat zwei Söhne, geduldig und weise. Bṛhaspatis Schwester aber ist eine vorzügliche Frau, eine Verkünderin des Brahman (heiligen Wissens),

Wort für Wort
dvau putrau
zwei Söhne
devalasya
Devalas
api
auch
kṣamāvantau
geduldig
manīṣiṇau
weise
bṛhaspateḥ
Bṛhaspatis
tu
aber
bhaginī
die Schwester
varastrī
vorzügliche Frau
brahmavādinī
Verkünderin des Brahman

Weiterer genealogischer Zweig: Devalas zwei Söhne; dann eine ungenannte Schwester Bṛhaspatis (des Guru der Götter) als asketische, weise Frau eingeführt (identifiziert in v.43 als Prabhāsas Gattin).

yogasiddhā jagat kṛtsnam asaktā vicacāra ha / prabhāsasya tu sā bhāryā vasūnām aṣṭamasya tu // BrP_3.43 //

durch Yoga vollendet, durchwanderte sie ungebunden die ganze Welt; sie aber ist die Gattin des Prabhāsa, des achten der Vasus.

Wort für Wort
yoga-siddhā
durch Yoga vollendet
jagat kṛtsnam
die ganze Welt
asaktā
ungebunden
vicacāra ha
durchwanderte
prabhāsasya
Prabhāsas
tu
aber
sā
sie
bhāryā
die Gattin
vasūnām
der Vasus
aṣṭamasya
des achten
tu
aber

Identifizierung dieser Yoga-vollendeten Schwester Bṛhaspatis als Gattin Prabhāsas (des 8. Vasu).

viśvakarmā mahābhāgo yasyāṃ jajñe prajāpatiḥ / kartā śilpasahasrāṇāṃ tridaśānāṃ ca vārdhakiḥ // BrP_3.44 //

Mit ihr wurde der hochherrliche Viśvakarman geboren, ein Prajāpati, Schöpfer tausendfacher Kunstwerke und Baumeister der Dreißig [Götter] (der Devas),

Wort für Wort
viśvakarmā
Viśvakarman
mahābhāgaḥ
der hochherrliche
yasyām
mit ihr
jajñe
wurde geboren
prajāpatiḥ
ein Prajāpati
kartā
der Schöpfer/Macher
śilpa-sahasrāṇām
tausendfacher Kunstwerke
tridaśānām
der Dreißig (Götter)
ca
und
vārdhakiḥ
der Baumeister

Viśvakarman, der göttliche Architekt/Handwerksgott, wird hier als Sohn Prabhāsas und der Bṛhaspati-Schwester eingeführt.

bhūṣaṇānāṃ ca sarveṣāṃ kartā śilpavatāṃ varaḥ / yaḥ sarveṣāṃ vimānāni daivatānāṃ cakāra ha // BrP_3.45 //

und Schöpfer aller Schmuckstücke, der Vorzüglichste der Kunsthandwerker, der die Himmelswagen (Vimānas) aller Gottheiten erschaffen hat,

Wort für Wort
bhūṣaṇānām
der Schmuckstücke
ca
und
sarveṣām
aller
kartā
Schöpfer
śilpavatām
der Kunsthandwerker
varaḥ
der Vorzüglichste
yaḥ
der
sarveṣām
aller
vimānāni
die Himmelswagen
daivatānām
der Gottheiten
cakāra ha
hat gemacht

Fortsetzung der Beschreibung Viśvakarmans als göttlicher Kunsthandwerker und Erbauer der Vimānas (Fluggefährte/Paläste der Götter).

mānuṣāś copajīvanti yasya śilpaṃ mahātmanaḥ / surabhī kaśyapād rudrān ekādaśa vinirmame // BrP_3.46 //

und von dessen, des Hochherzigen, Handwerkskunst die Menschen leben. – Surabhī brachte mit Kaśyapa elf Rudras hervor,

Wort für Wort
mānuṣāḥ
die Menschen
ca
und
upajīvanti
leben von
yasya
dessen
śilpam
die Handwerkskunst
mahātmanaḥ
des Hochherzigen
surabhī
Surabhī
kaśyapāt
mit Kaśyapa
rudrān
die Rudras
ekādaśa
elf
vinirmame
brachte hervor

Abschluss des Viśvakarman-Exkurses (er ist Urheber aller menschlichen Handwerkskünste); Übergang zu einer neuen Kaśyapa-Gattin, Surabhī, Mutter der elf Rudras.

mahādevaprasādena tapasā bhāvitā satī / ajaikapād ahirbudhnyas tvaṣṭā rudraś ca vīryavān // BrP_3.47 //

durch die Gnade Mahādevas, geläutert durch Askese, [gebar sie] als Rechtschaffene: Ajaikapād, Ahirbudhnya, Tvaṣṭṛ und den kraftvollen Rudra,

Wort für Wort
mahādeva-prasādena
durch die Gnade Mahādevas
tapasā
durch Askese
bhāvitā
geläutert
satī
rechtschaffen
ajaikapād, ahirbudhnyaḥ, tvaṣṭā, rudraḥ
Ajaikapād, Ahirbudhnya, Tvaṣṭṛ, Rudra
ca
und
vīryavān
kraftvoll

Beginn der Aufzählung der elf Rudras – klassische Liste mit teils vedischen, teils Śiva-bezogenen Namen.

haraś ca bahurūpaś ca tryambakaś cāparājitaḥ / vṛṣākapiś ca śaṃbhuś ca kapardī raivatas tathā // BrP_3.48 //

und Hara, Bahurūpa, Tryambaka, Aparājita, Vṛṣākapi, Śambhu, Kapardin und ebenso Raivata,

Wort für Wort
haraḥ, bahurūpaḥ, tryambakaḥ, aparājitaḥ, vṛṣākapiḥ, śambhuḥ, kapardī, raivataḥ
die acht Namen
ca
und
tathā
ebenso

Fortsetzung der elf Rudra-Namen (v.47-49): Hara, Bahurūpa, Tryambaka, Aparājita, Vṛṣākapi, Śambhu, Kapardin, Raivata.

mṛgavyādhaś ca śarvaś ca kapālī ca dvijottamāḥ / ekādaśaite vikhyātā rudrās tribhuvaneśvarāḥ // BrP_3.49 //

und Mṛgavyādha, Śarva und Kapālin, o beste der Brahmanen – diese elf sind die berühmten Rudras, Herren der drei Welten.

Wort für Wort
mṛgavyādhaḥ, śarvaḥ, kapālī
Mṛgavyādha, Śarva, Kapālin
ca
und
dvija-uttamāḥ
o beste der Brahmanen
ekādaśa
elf
ete
diese
vikhyātāḥ
berühmt
rudrāḥ
Rudras
tribhuvana-īśvarāḥ
Herren der drei Welten

Abschluss der Elf-Rudra-Liste: Mṛgavyādha, Śarva, Kapālin (insgesamt 11 Namen über v.47-49).

śataṃ tv evaṃ samākhyātaṃ rudrāṇām amitaujasām / purāṇe muniśārdūlā yair vyāptaṃ sacarācaram // BrP_3.50 //

Insgesamt aber werden hundert Rudras von unermesslicher Kraft in der Purāṇa-Überlieferung genannt, o Tiger unter den Weisen, durch die alles Bewegliche und Unbewegliche durchdrungen ist.

Wort für Wort
śatam
hundert
tu
aber
evam
so
samākhyātam
genannt
rudrāṇām
der Rudras
amita-ojasām
von unermesslicher Kraft
purāṇe
in der Purāṇa-Überlieferung
muni-śārdūlāḥ
o Tiger unter den Weisen
yaiḥ
durch die
vyāptam
durchdrungen
sa-cara-acaram
das Bewegliche mit dem Unbeweglichen

Hinweis auf eine größere, hier nicht vollständig aufgezählte Gesamtzahl von 100 Rudras (die elf genannten sind demnach die Hauptvertreter).

dārāñ śṛṇudhvaṃ viprendrāḥ kaśyapasya prajāpateḥ / aditir ditir danuś caiva ariṣṭā surasā khasā // BrP_3.51 //

Hört von den Gattinnen des Prajāpati Kaśyapa, o Fürsten der Brahmanen: Aditi, Diti, Danu, Ariṣṭā, Surasā, Khasā,

Wort für Wort
dārān
die Gattinnen
śṛṇudhvam
hört!
vipra-indrāḥ
o Fürsten der Brahmanen
kaśyapasya
Kaśyapas
prajāpateḥ
des Prajāpati
aditiḥ, ditiḥ, danuḥ, ariṣṭā, surasā, khasā
Aditi, Diti, Danu, Ariṣṭā, Surasā, Khasā
ca eva
und auch

Übergang zur zentralen Genealogie: die dreizehn Kaśyapa-Gattinnen (bereits in v.27 als "13 Töchter Dakṣas" genannt), Mütter der Götter, Dämonen und aller Wesensklassen.

surabhir vinatā caiva tāmrā krodhavaśā irā / kadrur muniś ca bho viprāḥ tāsv apatyāni bodhata // BrP_3.52 //

Surabhī, Vinatā, Tāmrā, Krodhavaśā, Irā, Kadrū und Muni, o Brahmanen – vernehmt nun die Nachkommen dieser [dreizehn Gattinnen].

Wort für Wort
surabhiḥ, vinatā, tāmrā, krodhavaśā, irā, kadrūḥ, muniḥ
Surabhī, Vinatā, Tāmrā, Krodhavaśā, Irā, Kadrū, Muni
ca eva
und auch
bhoḥ viprāḥ
o Brahmanen
tāsu
von diesen
apatyāni
die Nachkommen
bodhata
vernehmt!

Vollständige Liste der 13 Kaśyapa-Gattinnen (v.51-52): Aditi, Diti, Danu, Ariṣṭā, Surasā, Khasā, Surabhī, Vinatā, Tāmrā, Krodhavaśā, Irā, Kadrū, Muni.

pūrvamanvantare śreṣṭhā dvādaśāsan surottamāḥ / tuṣitā nāma te 'nyonyam ūcur vaivasvate 'ntare // BrP_3.53 //

Im vorigen Manvantara gab es zwölf vorzügliche, höchste Götter namens „Tuṣitas“; im Manvantara des Vaivasvata sprachen sie zueinander:

Wort für Wort
pūrva-manvantare
im vorigen Manvantara
śreṣṭhāḥ
vorzüglich
dvādaśa
zwölf
āsan
es gab
sura-uttamāḥ
höchste Götter
tuṣitāḥ
Tuṣitas
nāma
mit Namen
te
sie
anyonyam
zueinander
ūcuḥ
sprachen
vaivasvate antare
im Manvantara des Vaivasvata

Einschub über die "Tuṣitas" – eine Göttergruppe des vorherigen (Cākṣuṣa-)Manvantara, die sich für das kommende Vaivasvata-Manvantara neu formieren will, als Vorgeschichte zur Geburt der 12 Ādityas.

upasthite 'tiyaśasaś cākṣuṣasyāntare manoḥ / hitārthaṃ sarvalokānāṃ samāgamya parasparam // BrP_3.54 //

als das [Ende des] Manvantara des hochberühmten Manu Cākṣuṣa bevorstand, [sprachen sie,] zum Wohl aller Welten zusammengekommen, zueinander:

Wort für Wort
upasthite
als bevorstand
ati-yaśasaḥ
des hochberühmten
cākṣuṣasya
des Cākṣuṣa
antare
am Ende (Manvantara)
manoḥ
des Manu
hita-artham
zum Wohl
sarva-lokānām
aller Welten
samāgamya
zusammengekommen
parasparam
miteinander

Präzisierung: Das gegenwärtige Ereignis findet am Übergang vom Cākṣuṣa- zum Vaivasvata-Manvantara statt.

āgacchata drutaṃ devā aditiṃ saṃpraviśya vai / manvantare prasūyāmas tan naḥ śreyo bhaviṣyati // BrP_3.55 //

„Kommt schnell, ihr Götter! Lasst uns, in Aditi eingehend, uns im [nächsten] Manvantara [wieder] gebären lassen – das wird zu unserem Heil sein.“

Wort für Wort
āgacchata
kommt!
drutam
schnell
devāḥ
o Götter
aditim
in Aditi
saṃpraviśya
eingehend
vai
fürwahr
manvantare
im Manvantara
prasūyāmahe
lasst uns geboren werden
tat
das
naḥ
für uns
śreyaḥ
Heil
bhaviṣyati
wird sein

Die Tuṣitas beschließen, sich in Aditis Schoß zu "reinkarnieren" und als deren zwölf Söhne (Ādityas) im neuen Zeitalter wiedergeboren zu werden – Ausdruck der zyklischen Wiederkehr der Götter, motivisch verwandt mit der Dakṣa-Lösung in Kap. 2.

evam uktvā tu te sarve cākṣuṣasyāntare manoḥ / mārīcāt kaśyapāj jātās tv adityā dakṣakanyayā // BrP_3.56 //

Lomaharṣaṇa sprach: So gesprochen habend, wurden sie alle am Ende des Manvantara des Manu Cākṣuṣa von Kaśyapa, dem Sohn des Marīci, mit Aditi, der Tochter Dakṣas, geboren –

Wort für Wort
evam
so
uktvā
gesprochen habend
tu
aber
te sarve
sie alle
cākṣuṣasya
des Cākṣuṣa
antare manoḥ
am Ende des Manu(-Zeitalters)
mārīcāt
vom Sohn des Marīci
kaśyapāt
von Kaśyapa
jātāḥ
geboren
tu
aber
adityā
mit Aditi
dakṣa-kanyayā
der Tochter Dakṣas

Erfüllung des Plans: Die Tuṣitas werden als Söhne Kaśyapas und Aditis wiedergeboren = die zwölf Ādityas.

tatra viṣṇuś ca śakraś ca jajñāte punar eva hi / aryamā caiva dhātā ca tvaṣṭā pūṣā tathaiva ca // BrP_3.57 //

dabei wurden Viṣṇu und Śakra (Indra) wiederum eben geboren, ebenso Aryaman, Dhātṛ, Tvaṣṭṛ und ebenso Pūṣan,

Wort für Wort
tatra
dabei
viṣṇuḥ
Viṣṇu
ca
und
śakraḥ
Śakra (Indra)
ca
und
jajñāte
wurden geboren
punaḥ eva hi
wiederum eben
aryamā, dhātā, tvaṣṭā, pūṣā
Aryaman, Dhātṛ, Tvaṣṭṛ, Pūṣan
ca eva ca
und ebenso und

Beginn der Aufzählung der zwölf Ādityas (Sonnen-Götter), darunter Viṣṇu (hier als einer der Ādityas!) und Indra/Śakra.

vivasvān savitā caiva mitro varuṇa eva ca / aṃśo bhagaś cātitejā ādityā dvādaśa smṛtāḥ // BrP_3.58 //

Vivasvant, Savitṛ, Mitra, Varuṇa, Aṃśa und der hochglänzende Bhaga – so werden die zwölf Ādityas genannt.

Wort für Wort
vivasvān, savitā, mitraḥ, varuṇaḥ
Vivasvant, Savitṛ, Mitra, Varuṇa
eva ca
und ebenso
aṃśaḥ, bhagaḥ
Aṃśa, Bhaga
ca
und
atitejāḥ
der hochglänzende
ādityāḥ
die Ādityas
dvādaśa
zwölf
smṛtāḥ
werden genannt

Vollständige Liste der zwölf Ādityas: Viṣṇu, Śakra/Indra, Aryaman, Dhātṛ, Tvaṣṭṛ, Pūṣan, Vivasvant, Savitṛ, Mitra, Varuṇa, Aṃśa, Bhaga.

saptaviṃśati yāḥ proktāḥ somapatnyo mahāvratāḥ / tāsām apatyāny abhavan dīptāny amitatejasaḥ // BrP_3.59 //

Die siebenundzwanzig Gattinnen des Soma, die genannt wurden, von großem Gelübde – ihre Nachkommen waren leuchtend und von unermesslichem Glanz [die Nakṣatras/Sterne, vgl. v.34].

Wort für Wort
saptaviṃśati
siebenundzwanzig
yāḥ
die
proktāḥ
genannt
soma-patnyaḥ
Gattinnen des Soma
mahāvratāḥ
von großem Gelübde
tāsām
ihre
apatyāni
Nachkommen
abhavan
waren
dīptāni
leuchtend
amita-tejasaḥ
von unermesslichem Glanz

Rückverweis auf die 27 Nakṣatra-Gattinnen Somas (v.34); ihre "Nachkommen" sind implizit die Sterne selbst bzw. weitere Lichtwesen.

ariṣṭanemipatnīnām apatyānīha ṣoḍaśa / bahuputrasya viduṣaś catasro vidyutaḥ smṛtāḥ // BrP_3.60 //

Der Gattinnen des Ariṣṭanemi Nachkommen sind hier sechzehn; des weisen Bahuputra [Nachkommen] werden als die vier Blitze (Vidyut) genannt.

Wort für Wort
ariṣṭanemi-patnīnām
der Gattinnen des Ariṣṭanemi
apatyāni
Nachkommen
iha
hier
ṣoḍaśa
sechzehn
bahuputrasya
des Bahuputra
viduṣaḥ
des weisen
catasraḥ
vier
vidyutaḥ
Blitze
smṛtāḥ
werden genannt

Ariṣṭanemi (der 4 Gattinnen erhielt, v.27) hat 16 Nachkommen; Bahuputra (2 Gattinnen, v.28) erhält als Nachkommen die vier personifizierten Blitze.

cākṣuṣasyāntare pūrve ṛco brahmarṣisatkṛtāḥ / kṛśāśvasya ca devarṣer devapraharaṇāḥ smṛtāḥ // BrP_3.61 //

Im vorigen Cākṣuṣa-Manvantara [waren sie] die von den Brahmarṣis verehrten Ṛcas (Hymnenverse); und des Götterweisen Kṛśāśva [Nachkommen] werden als die „Götterwaffen“ (Devapraharaṇas) genannt.

Wort für Wort
cākṣuṣasya
des Cākṣuṣa
antare
im Manvantara
pūrve
zuvor
ṛcaḥ
die Ṛc-Verse
brahmarṣi-satkṛtāḥ
von den Brahmarṣis verehrt
kṛśāśvasya
Kṛśāśvas
ca
und
devarṣeḥ
des Götterweisen
deva-praharaṇāḥ
die Götterwaffen
smṛtāḥ
werden genannt

Weitere zyklische Wiederkehr-Aussage (die Vidyut-Blitze waren im vorigen Zeitalter die Ṛgveda-Verse selbst – ein Motiv göttlicher Rekurrenz durch die Zeitalter); Kṛśāśvas Söhne werden als personifizierte göttliche Waffen identifiziert.

ete yugasahasrānte jāyante punar eva hi / sarve devagaṇāś cātra trayastriṃśat tu kāmajāḥ // BrP_3.62 //

Diese werden am Ende von tausend Yugas wiederum eben geboren – alle Göttergruppen hier, [nämlich] die dreiunddreißig, sind wunschgeboren.

Wort für Wort
ete
diese
yuga-sahasra-ante
am Ende von tausend Yugas
jāyante
werden geboren
punaḥ eva hi
wiederum eben
sarve
alle
devagaṇāḥ
Göttergruppen
ca atra
und hier
trayastriṃśat
dreiunddreißig
tu
aber
kāmajāḥ
wunschgeboren

Zusammenfassende Aussage zur zyklischen Wiedergeburt aller Götterklassen alle 1000 Yugas; "die 33" bezieht sich auf die traditionelle Gesamtzahl der vedischen Götter (8 Vasus + 11 Rudras + 12 Ādityas + 2 Aśvins, je nach Zählung).

teṣām api ca bho viprā nirodhotpattir ucyate / yathā sūryasya gagana udayāstamayāv iha // BrP_3.63 //

Auch von ihnen, o Brahmanen, wird das Verschwinden und Entstehen so beschrieben, wie hier am Himmel Auf- und Untergang der Sonne [sich wiederholen].

Wort für Wort
teṣām
von ihnen
api
auch
ca
und
bhoḥ viprāḥ
o Brahmanen
nirodha-utpattiḥ
Verschwinden und Entstehen
ucyate
wird gesagt
yathā
wie
sūryasya
der Sonne
gagane
am Himmel
udaya-astamayau
Aufgang und Untergang
iha
hier

Vergleich der zyklischen Götter-Wiedergeburt mit dem täglichen Auf- und Untergang der Sonne.

evaṃ devanikāyās te saṃbhavanti yuge yuge / dityāḥ putradvayaṃ jajñe kaśyapād iti naḥ śrutam // BrP_3.64 //

So entstehen jene Götterscharen in jedem Yuga [wieder]. – Von Diti wurden mit Kaśyapa zwei Söhne geboren, so haben wir gehört:

Wort für Wort
evam
so
deva-nikāyāḥ
die Götterscharen
te
jene
saṃbhavanti
entstehen
yuge yuge
in jedem Yuga
diteḥ
von Diti
putra-dvayam
zwei Söhne
jajñe
wurden geboren
kaśyapāt
mit Kaśyapa
iti naḥ śrutam
so haben wir gehört

Abschluss des Götter-Exkurses; Übergang zur zweiten großen Kaśyapa-Gattin Diti, Mutter der Daityas.

hiraṇyakaśipuś caiva hiraṇyākṣaś ca vīryavān / siṃhikā cābhavat kanyā vipracitteḥ parigrahaḥ // BrP_3.65 //

[nämlich] Hiraṇyakaśipu und der kraftvolle Hiraṇyākṣa. Und Siṃhikā war [ihre] Tochter, die Gattin des Vipracitti.

Wort für Wort
hiraṇyakaśipuḥ
Hiraṇyakaśipu
ca eva
und auch
hiraṇyākṣaḥ
Hiraṇyākṣa
ca
und
vīryavān
der kraftvolle
siṃhikā
Siṃhikā
ca
und
abhavat
war
kanyā
die Tochter
vipracitteḥ
des Vipracitti
parigrahaḥ
die Gattin

Ditis berühmteste Söhne: Hiraṇyakaśipu und Hiraṇyākṣa (klassische Daitya-Antagonisten der Viṣṇu-Avatāra-Mythologie); zudem die Tochter Siṃhikā.

saiṃhikeyā iti khyātā yasyāḥ putrā mahābalāḥ / hiraṇyakaśipoḥ putrāś catvāraḥ prathitaujasaḥ // BrP_3.66 //

„Saiṃhikeyas“ werden ihre hochmächtigen Söhne genannt. Des Hiraṇyakaśipu Söhne, vier an Zahl, von berühmter Kraft, [sind]:

Wort für Wort
saiṃhikeyāḥ
die Saiṃhikeyas
iti khyātāḥ
so genannt
yasyāḥ
deren
putrāḥ
Söhne
mahābalāḥ
hochmächtig
hiraṇyakaśipoḥ
des Hiraṇyakaśipu
putrāḥ
Söhne
catvāraḥ
vier
prathita-ojasaḥ
von berühmter Kraft

Siṃhikās Söhne heißen "Saiṃhikeyas" (nach ihr benannt, vgl. v.86-87 mit einer weiteren, ausführlicheren Liste); dann Hiraṇyakaśipus vier Söhne.

hrādaś ca anuhrādaś ca prahrādaś caiva vīryavān / saṃhrādaś ca caturtho 'bhūt hrādaputro hradas tathā // BrP_3.67 //

Hrāda, Anuhrāda, der kraftvolle Prahrāda, und als vierter Saṃhrāda – [dies waren die Söhne]; und Hrādas Sohn ist ebenso Hrada.

Wort für Wort
hrādaḥ, anuhrādaḥ, prahrādaḥ
Hrāda, Anuhrāda, Prahrāda
ca eva
und auch
vīryavān
kraftvoll
saṃhrādaḥ
Saṃhrāda
ca
und
caturthaḥ
als vierter
abhūt
war
hrāda-putraḥ
Hrādas Sohn
hradaḥ
Hrada
tathā
ebenso

Die vier Söhne Hiraṇyakaśipus: Hrāda, Anuhrāda, Prahrāda (= der bekannte fromme Prahlāda der Viṣṇu-Bhakti-Tradition, hier ohne weitere Erwähnung seiner Frömmigkeit) und Saṃhrāda.

hradasya putrau dvau vīrau śivaḥ kālas tathaiva ca / virocanaś ca prāhrādir balir jajñe virocanāt // BrP_3.68 //

Hradas zwei Söhne, Helden, sind Śiva [ein Eigenname, nicht der Gott] und ebenso Kāla; und Virocana, Prahrādas Sohn, [wurde geboren]; von Virocana wurde Bali geboren.

Wort für Wort
hradasya
Hradas
putrau dvau
zwei Söhne
vīrau
Helden
śivaḥ
Śiva
kālaḥ
Kāla
tathā eva ca
und ebenso
virocanaḥ
Virocana
ca
und
prāhrādiḥ
Sohn des Prahrāda
baliḥ
Bali
jajñe
wurde geboren
virocanāt
von Virocana

Weitere Genealogie: von Hrada zu Śiva/Kāla; von Prahrāda zu Virocana, von Virocana zum berühmten Bali (späterer Dämonenkönig, von Viṣṇus Vāmana-Avatāra bezwungen).

baleḥ putraśatam āsīd bāṇajyeṣṭhaṃ tapodhanāḥ / dhṛtarāṣṭraś ca sūryaś ca candramāś candratāpanaḥ // BrP_3.69 //

Balis Söhne waren hundert an Zahl, mit Bāṇa als ältestem, o Askesereiche; Dhṛtarāṣṭra, Sūrya, Candramas, Candratāpana,

Wort für Wort
baleḥ
Balis
putra-śatam
hundert Söhne
āsīt
war
bāṇa-jyeṣṭham
mit Bāṇa als ältestem
tapodhanāḥ
o Askesereiche
dhṛtarāṣṭraḥ, sūryaḥ, candramāḥ, candratāpanaḥ
Dhṛtarāṣṭra, Sūrya, Candramas, Candratāpana
ca
und

Balis hundert Söhne, angeführt von Bāṇa (dem bekannten tausendarmigen Dānava-König aus der Kṛṣṇa-Mythologie).

kumbhanābho gardabhākṣaḥ kukṣir ity evamādayaḥ / bāṇas teṣām atibalo jyeṣṭhaḥ paśupateḥ priyaḥ // BrP_3.70 //

Kumbhanābha, Gardabhākṣa, Kukṣi und so weiter – von ihnen ist Bāṇa, überaus mächtig, der Älteste, dem Paśupati (Śiva) lieb.

Wort für Wort
kumbhanābhaḥ, gardabhākṣaḥ, kukṣiḥ
Kumbhanābha, Gardabhākṣa, Kukṣi
iti evamādayaḥ
und so weiter
bāṇaḥ
Bāṇa
teṣām
von ihnen
atibalaḥ
überaus mächtig
jyeṣṭhaḥ
der älteste
paśupateḥ
dem Paśupati (Śiva)
priyaḥ
lieb

Fortsetzung der Namen von Balis Söhnen; Bāṇa wird als besonderer Verehrer/Liebling Śivas (Paśupati) hervorgehoben – Vorgriff auf seine spätere Rolle als Śiva-Anhänger.

purā kalpe tu bāṇena prasādyomāpatiṃ prabhum / pārśvato vihariṣyāmi ity evaṃ yācito varaḥ // BrP_3.71 //

Einst, in [diesem] Kalpa, wurde, nachdem Bāṇa den Herrn, den Gemahl der Umā (Śiva), zufriedengestellt hatte, um diese Gunst gebeten: „Ich möchte an [deiner] Seite verweilen“ – so wurde die Gunst erbeten.

Wort für Wort
purā kalpe
einst, in [diesem] Kalpa
tu
aber
bāṇena
von Bāṇa
prasādya
zufriedengestellt habend
umā-patim
den Gemahl der Umā
prabhum
den Herrn
pārśvataḥ
an der Seite
vihariṣyāmi
ich werde verweilen
iti evam
so
yācitaḥ
erbeten
varaḥ
die Gunst

Kurzer Verweis auf Bāṇas Askese und die von ihm erbetene Gunst, stets in Śivas Nähe zu verweilen (ein bekanntes Motiv aus Bāṇas Geschichte, die in anderen Purāṇas ausführlicher erzählt wird).

hiraṇyākṣasutāś caiva vidvāṃsaś ca mahābalāḥ / bharbharaḥ śakuniś caiva bhūtasaṃtāpanas tathā // BrP_3.72 //

Und Hiraṇyākṣas Söhne, gelehrt und hochmächtig: Bharbhara, Śakuni und ebenso Bhūtasaṃtāpana,

Wort für Wort
hiraṇyākṣa-sutāḥ
Hiraṇyākṣas Söhne
ca eva
und auch
vidvāṃsaḥ
gelehrt
ca
und
mahābalāḥ
hochmächtig
bharbharaḥ, śakuniḥ, bhūtasaṃtāpanaḥ
Bharbhara, Śakuni, Bhūtasaṃtāpana
ca eva
und auch
tathā
ebenso

Übergang zu Hiraṇyākṣas Söhnen (dem zweiten der beiden ursprünglichen Diti-Söhne, v.65).

mahānābhaś ca vikrāntaḥ kālanābhas tathaiva ca / abhavan danuputrāś ca śataṃ tīvraparākramāḥ // BrP_3.73 //

und der tapfere Mahānābha, ebenso Kālanābha. – Und es gab hundert Söhne der Danu, von heftiger Kraft,

Wort für Wort
mahānābhaḥ
Mahānābha
ca
und
vikrāntaḥ
tapfer
kālanābhaḥ
Kālanābha
tathā eva ca
und ebenso
abhavan
es gab
danu-putrāḥ
Söhne der Danu
ca
und
śatam
hundert
tīvra-parākramāḥ
von heftiger Kraft

Abschluss von Hiraṇyākṣas Söhnen; Übergang zur dritten großen Kaśyapa-Gattin Danu, Mutter der hundert Dānavas.

tapasvino mahāvīryāḥ prādhānyena bravīmi tān / dvimūrdhā śaṅkukarṇaś ca tathā hayaśirā vibhuḥ // BrP_3.74 //

asketisch und von großer Kraft – ich nenne sie der Hauptsache nach: Dvimūrdhan, Śaṅkukarṇa, und ebenso der mächtige Hayaśiras,

Wort für Wort
tapasvinaḥ
asketisch
mahāvīryāḥ
von großer Kraft
prādhānyena
der Hauptsache nach
bravīmi
ich nenne
tān
sie
dvimūrdhā, śaṅkukarṇaḥ, hayaśirāḥ
Dvimūrdhan, Śaṅkukarṇa, Hayaśiras
ca
und
tathā
ebenso
vibhuḥ
der mächtige

Beginn der Aufzählung der hundert Dānava-Söhne der Danu (nur die wichtigsten werden namentlich genannt, v.74-77).

ayomukhaḥ śambaraś ca kapilo vāmanas tathā / mārīcir maghavāṃś caiva ilvalaḥ svasṛmas tathā // BrP_3.75 //

Ayomukha, Śambara, Kapila, ebenso Vāmana, Mārīci, ebenso Maghavant, Ilvala und ebenso Svasṛma,

Wort für Wort
ayomukhaḥ, śambaraḥ, kapilaḥ, vāmanaḥ
Ayomukha, Śambara, Kapila, Vāmana
ca
und
tathā
ebenso
mārīciḥ, maghavān, ilvalaḥ, svasṛmaḥ
Mārīci, Maghavant, Ilvala, Svasṛma
ca eva
und auch
tathā
ebenso

Fortsetzung der Dānava-Namen (v.75).

vikṣobhaṇaś ca ketuś ca ketuvīryaśatahradau / indrajit sarvajic caiva vajranābhas tathaiva ca // BrP_3.76 //

Vikṣobhaṇa, Ketu, Ketuvīrya, Śatahrada, Indrajit, ebenso Sarvajit, und ebenso Vajranābha,

Wort für Wort
vikṣobhaṇaḥ, ketuḥ, ketuvīryaḥ, śatahradaḥ
Vikṣobhaṇa, Ketu, Ketuvīrya, Śatahrada
ca
und
indrajit, sarvajit, vajranābhaḥ
Indrajit, Sarvajit, Vajranābha
ca eva
und auch
tathā eva ca
und ebenso

Fortsetzung der Dānava-Namen (v.76).

ekacakro mahābāhus tārakaś ca mahābalaḥ / vaiśvānaraḥ pulomā ca vidrāvaṇamahāśirāḥ // BrP_3.77 //

Ekacakra, der großarmige, und der hochmächtige Tāraka, Vaiśvānara, Pulomā, Vidrāvaṇa, Mahāśiras,

Wort für Wort
ekacakraḥ
Ekacakra
mahābāhuḥ
der großarmige
tārakaḥ
Tāraka
ca
und
mahābalaḥ
der hochmächtige
vaiśvānaraḥ, pulomā, vidrāvaṇaḥ, mahāśirāḥ
Vaiśvānara, Pulomā, Vidrāvaṇa, Mahāśiras
ca
und

Fortsetzung der Dānava-Namen; Pulomā (m.) hier als Sohn der Danu – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Tochter (v.81).

svarbhānur vṛṣaparvā ca vipracittiś ca vīryavān / sarva ete danoḥ putrāḥ kaśyapād abhijajñire // BrP_3.78 //

Svarbhānu, Vṛṣaparvan und der kraftvolle Vipracitti – alle diese sind Söhne der Danu, von Kaśyapa gezeugt.

Wort für Wort
svarbhānuḥ, vṛṣaparvā, vipracittiḥ
Svarbhānu, Vṛṣaparvan, Vipracitti
ca
und
vīryavān
kraftvoll
sarve
alle
ete
diese
danoḥ
der Danu
putrāḥ
Söhne
kaśyapāt
von Kaśyapa
abhijajñire
wurden gezeugt

Abschluss der (exemplarischen) Dānava-Liste; Svarbhānu ist der spätere "Rāhu" der Eklipsen-Mythologie, Vipracitti bereits als Siṃhikās Gatte bekannt (v.65).

vipracittipradhānās te dānavāḥ sumahābalāḥ / eteṣāṃ putrapautraṃ tu na tac chakyaṃ dvijottamāḥ // BrP_3.79 //

Mit Vipracitti als Erstem sind diese Dānavas von sehr großer Macht; ihrer Söhne und Enkel [Zahl] aber, o beste der Brahmanen, lässt sich nicht [vollständig aufzählen] –

Wort für Wort
vipracitti-pradhānāḥ
mit Vipracitti als Erstem
te
diese
dānavāḥ
Dānavas
su-mahābalāḥ
von sehr großer Macht
eteṣām
ihrer
putra-pautram
Söhne und Enkel
tu
aber
na tat śakyam
das ist nicht möglich
dvija-uttamāḥ
o beste der Brahmanen

Abschließende Bemerkung zur Unermesslichkeit der Dānava-Nachkommenschaft (Topos der "unzählbaren Nachkommen", wie er in Purāṇa-Genealogien häufig auftritt).

prasaṃkhyātuṃ bahutvāc ca putrapautram anantakam / svarbhānos tu prabhā kanyā pulomnas tu śacī sutā // BrP_3.80 //

aufzuzählen, wegen ihrer Vielzahl, [denn] Söhne und Enkel sind unendlich viele. – Svarbhānus Tochter ist Prabhā; Pulomans Tochter ist Śacī,

Wort für Wort
prasaṃkhyātum
aufzuzählen
bahutvāt
wegen der Vielzahl
ca
und
putra-pautram
Söhne und Enkel
anantakam
unendlich
svarbhānoḥ
Svarbhānus
tu
aber
prabhā
Prabhā
kanyā
die Tochter
pulomnaḥ
Pulomans
tu
aber
śacī
Śacī
sutā
die Tochter

Übergang zu den Töchtern der Dānava-Männer; Śacī ist die bekannte Gattin Indras ("Śacīpati" ist ein Indra-Beiname), hier als Tochter des Dānava Puloman identifiziert – ein bekanntes purāṇisches Motiv (Indras Gattin stammt aus dem Dānava-Geschlecht).

upadīptir hayaśirāḥ śarmiṣṭhā vārṣaparvaṇī / pulomā kālikā caiva vaiśvānarasute ubhe // BrP_3.81 //

Upadīpti [Tochter des] Hayaśiras; Śarmiṣṭhā, die Tochter des Vṛṣaparvan; Pulomā und Kālikā, beide Töchter des Vaiśvānara,

Wort für Wort
upadīptiḥ
Upadīpti
hayaśirāḥ
des Hayaśiras (Tochter)
śarmiṣṭhā
Śarmiṣṭhā
vārṣaparvaṇī
die Tochter des Vṛṣaparvan
pulomā, kālikā
Pulomā, Kālikā
ca eva
und auch
vaiśvānara-sute ubhe
beide Töchter des Vaiśvānara

Weitere Töchter der Dānava-Männer; Śarmiṣṭhā ist die bekannte Figur aus der Yayāti-Devayānī-Erzählung (in anderen Purāṇas/im Mahābhārata ausgeführt).

bahvapatye mahāpatye marīces tu parigrahaḥ / tayoḥ putrasahasrāṇi ṣaṣṭir dānavanandanāḥ // BrP_3.82 //

Bahvapatyā und Mahāpatyā aber sind die Gattinnen des Marīci [-Dānava, nicht der Ṛṣi]; von ihnen [gab es] sechzigtausend Söhne, Freude der Dānavas,

Wort für Wort
bahvapatye, mahāpatye
Bahvapatyā, Mahāpatyā
marīceḥ
des Marīci
tu
aber
parigrahaḥ
die Gattinnen
tayoḥ
von den beiden
putra-sahasrāṇi
Tausende von Söhnen
ṣaṣṭiḥ
sechzig(tausend)
dānava-nandanāḥ
Freude der Dānavas

[Anm.: "Marīces" hier vermutlich der gleichnamige Dānava aus v.75, nicht der Ṛṣi Marīci, da Kontext Dānava-Genealogie ist.] Zahlenmäßig enorme Nachkommenschaft (60.000 Söhne) als Ausdruck der Fülle des Dānava-Geschlechts.

caturdaśaśatān anyān hiraṇyapuravāsinaḥ / marīcir janayām āsa mahatā tapasānvitaḥ // BrP_3.83 //

und weitere vierzehnhundert, Bewohner von Hiraṇyapura, zeugte Marīci, ausgestattet mit großer Askese.

Wort für Wort
catur-daśa-śatān
vierzehnhundert
anyān
andere
hiraṇyapura-vāsinaḥ
Bewohner von Hiraṇyapura
marīciḥ
Marīci
janayām āsa
zeugte
mahatā tapasā
mit großer Askese
anvitaḥ
ausgestattet

Erwähnung von Hiraṇyapura, der sagenhaften "Goldstadt" der Dānavas (bekannt auch aus dem Mahābhārata als von Arjuna bekämpfter Ort).

paulomāḥ kālakeyāś ca dānavās te mahābalāḥ / avadhyā devatānāṃ hi hiraṇyapuravāsinaḥ // BrP_3.84 //

Die „Paulomas“ und „Kālakeyas“, diese hochmächtigen Dānavas, Bewohner von Hiraṇyapura, waren nämlich von den Göttern unbezwingbar,

Wort für Wort
paulomāḥ, kālakeyāḥ
die Paulomas, die Kālakeyas
ca
und
dānavāḥ
Dānavas
te
diese
mahābalāḥ
hochmächtig
avadhyāḥ
unbezwingbar
devatānām
von den Göttern
hi
nämlich
hiraṇyapura-vāsinaḥ
Bewohner von Hiraṇyapura

Paulomas (Nachkommen Pulomans) und Kālakeyas – bekannte Dānava-Gruppen, die auch im Mahābhārata als von Arjuna in Indras Auftrag bekämpfte Dämonen erscheinen.

pitāmahaprasādena ye hatāḥ savyasācinā / tato 'pare mahāvīryā dānavās tv atidāruṇāḥ // BrP_3.85 //

die durch die Gnade des Großvaters (Brahmā, d.h. durch dessen Gunst-Bedingung) von Savyasācin (Arjuna) erschlagen wurden. Weiter gibt es andere, höchst kraftvolle, überaus schreckliche Dānavas –

Wort für Wort
pitāmaha-prasādena
durch die Gnade des Großvaters (Brahmā)
ye
die
hatāḥ
erschlagen
savyasācinā
von Savyasācin (Arjuna)
tataḥ
weiter
apare
andere
mahāvīryāḥ
höchst kraftvoll
dānavāḥ
Dānavas
tu
aber
atidāruṇāḥ
überaus schrecklich

Anspielung auf die Khāṇḍava-/Hiraṇyapura-Episode des Mahābhārata, in der Arjuna (Savyasācin) diese sonst unbesiegbaren Dānavas nur dank einer besonderen, von Brahmā gewährten Bedingung/Gunst bezwingen konnte.

siṃhikāyām athotpannā vipracitteḥ sutās tathā / daityadānavasaṃyogāj jātās tīvraparākramāḥ // BrP_3.86 //

die, mit Siṃhikā [gezeugt], als Söhne des Vipracitti entstanden – aus der Verbindung von Daitya und Dānava geboren, von heftiger Kraft,

Wort für Wort
siṃhikāyām
mit Siṃhikā
atha
dann
utpannāḥ
entstanden
vipracitteḥ
des Vipracitti
sutāḥ
Söhne
tathā
ebenso
daitya-dānava-saṃyogāt
aus der Verbindung von Daitya und Dānava
jātāḥ
geboren
tīvra-parākramāḥ
von heftiger Kraft

Ausführlichere Rückkehr zu Siṃhikās Söhnen (vgl. bereits kurz v.66) – hier als "Daitya-Dānava-Mischlinge" beschrieben, da Vipracitti Dānava und Siṃhikā Ditis Enkelin (Daitya-Linie) ist.

saiṃhikeyā iti khyātās trayodaśa mahābalāḥ / vaṃśyaḥ śalyaś ca balinau nalaś caiva tathā balaḥ // BrP_3.87 //

„Saiṃhikeyas“ genannt, dreizehn an Zahl, hochmächtig: Vaṃśya, Śalya – beide mächtig –, Nala und ebenso Bala,

Wort für Wort
saiṃhikeyāḥ
die Saiṃhikeyas
iti khyātāḥ
so genannt
trayodaśa
dreizehn
mahābalāḥ
hochmächtig
vaṃśyaḥ, śalyaḥ
Vaṃśya, Śalya
ca
und
balinau
beide mächtig
nalaḥ
Nala
ca eva
und auch
tathā
ebenso
balaḥ
Bala

Ausführliche Liste der 13 Saiṃhikeya-Söhne beginnt (v.87-89).

vātāpir namuciś caiva ilvalaḥ svasṛmas tathā / añjiko narakaś caiva kālanābhas tathaiva ca // BrP_3.88 //

Vātāpi, ebenso Namuci, Ilvala, ebenso Svasṛma, Añjika, ebenso Naraka, und ebenso Kālanābha,

Wort für Wort
vātāpiḥ, namuciḥ
Vātāpi, Namuci
ca eva
und auch
ilvalaḥ, svasṛmaḥ
Ilvala, Svasṛma
tathā
ebenso
añjikaḥ, narakaḥ, kālanābhaḥ
Añjika, Naraka, Kālanābha
ca eva ca
und ebenso

Fortsetzung der 13 Saiṃhikeya-Namen; Vātāpi und Ilvala sind aus der bekannten Agastya-Erzählung bekannt, Namuci und Naraka aus anderen Dämonen-Mythen.

saramānas tathā caiva svarakalpaś ca vīryavān / ete vai dānavāḥ śreṣṭhā danor vaṃśavivardhanāḥ // BrP_3.89 //

Saramāna, und ebenso der kraftvolle Svarakalpa – dies sind fürwahr die vorzüglichsten Dānavas, die das Geschlecht der Danu vermehren.

Wort für Wort
saramānaḥ
Saramāna
tathā ca eva
und ebenso
svarakalpaḥ
Svarakalpa
ca
und
vīryavān
kraftvoll
ete
diese
vai
fürwahr
dānavāḥ
Dānavas
śreṣṭhāḥ
die vorzüglichsten
danoḥ
der Danu
vaṃśa-vivardhanāḥ
die das Geschlecht vermehren

Abschluss der 13-köpfigen Saiṃhikeya-Liste.

teṣāṃ putrāś ca pautrāś ca śataśo 'tha sahasraśaḥ / saṃhrādasya tu daityasya nivātakavacāḥ kule // BrP_3.90 //

Ihre Söhne und Enkel [gibt es] zu Hunderten und Tausenden. Im Geschlecht des Daitya Saṃhrāda aber [entstanden] die „Nivātakavacas“,

Wort für Wort
teṣām
ihre
putrāḥ
Söhne
ca
und
pautrāḥ
Enkel
ca
und
śataśaḥ
zu Hunderten
atha
und
sahasraśaḥ
zu Tausenden
saṃhrādasya
des Saṃhrāda
tu
aber
daityasya
des Daitya
nivātakavacāḥ
die Nivātakavacas
kule
im Geschlecht

Übergang zur bekannten Dämonengruppe der Nivātakavacas (ebenfalls aus der Mahābhārata-Tradition bekannt, dort von Arjuna bekämpft).

samutpannāḥ sumahatā tapasā bhāvitātmanaḥ / tisraḥ koṭyaḥ sutās teṣāṃ maṇivatyāṃ nivāsinaḥ // BrP_3.91 //

entstanden, durch sehr große Askese geläutert an Wesen; ihrer Söhne [gab es] drei Koṭis (dreißig Millionen), wohnhaft in Maṇivatī –

Wort für Wort
samutpannāḥ
entstanden
sumahatā tapasā
durch sehr große Askese
bhāvita-ātmanaḥ
geläutert an Wesen
tisraḥ koṭyaḥ
drei Koṭis (30 Millionen)
sutāḥ
Söhne
teṣām
ihrer
maṇivatyām
in Maṇivatī
nivāsinaḥ
wohnhaft

Übertrieben große Zahl (30 Millionen) als Ausdruck der Furchtbarkeit dieser Dämonengruppe; Maṇivatī als ihr mythischer Wohnort (unter der Erde, gemäß Mahābhārata-Parallelstelle).

avadhyās te 'pi devānām arjunena nipātitāḥ / ṣaṭ sutāḥ sumahābhāgās tāmrāyāḥ parikīrtitāḥ // BrP_3.92 //

Auch sie waren für die Götter unbezwingbar, [doch] wurden von Arjuna niedergestreckt. – Sechs hochherrliche Töchter der Tāmrā werden genannt:

Wort für Wort
avadhyāḥ
unbezwingbar
te api
auch sie
devānām
für die Götter
arjunena
von Arjuna
nipātitāḥ
niedergestreckt
ṣaṭ sutāḥ
sechs Töchter
su-mahābhāgāḥ
hochherrlich
tāmrāyāḥ
der Tāmrā
parikīrtitāḥ
werden genannt

Erneute Bestätigung der Arjuna-Verbindung (Nivātakavacas als von Arjuna besiegt, Khāṇḍava-Mythos-Komplex). Übergang zur Kaśyapa-Gattin Tāmrā und ihren sechs Töchtern (Stammmütter der Vögel).

krauñcī śyenī ca bhāsī ca sugrīvī śucigṛdhrikā / krauñcī tu janayām āsa ulūkapratyulūkakān // BrP_3.93 //

Krauñcī, Śyenī, Bhāsī, Sugrīvī, Śuci [und] Gṛdhrikā. Krauñcī aber gebar die Eulen und Gegen-Eulen (ulūka, pratyulūka),

Wort für Wort
krauñcī, śyenī, bhāsī, sugrīvī, śuciḥ, gṛdhrikā
die sechs Namen
ca
und
krauñcī
Krauñcī
tu
aber
janayām āsa
gebar
ulūka-pratyulūkakān
die Eulen und Gegen-Eulen

Die sechs Töchter Tāmrās werden zu Stammmüttern verschiedener Vogelgattungen; Krauñcī → Eulenarten.

śyenī śyenāṃs tathā bhāsī bhāsān gṛdhrāṃś ca gṛdhry api / śucir audakān pakṣigaṇān sugrīvī tu dvijottamāḥ // BrP_3.94 //

Śyenī [gebar] die Falken, ebenso Bhāsī die Bhāsa-Vögel, und Gṛdhrī auch die Geier; Śuci [gebar] die Wasservogel-Scharen, Sugrīvī aber, o beste der Brahmanen,

Wort für Wort
śyenī
Śyenī
śyenān
die Falken
tathā
ebenso
bhāsī
Bhāsī
bhāsān
die Bhāsa-Vögel
gṛdhrān
die Geier
ca
und
gṛdhrī
Gṛdhrī
api
auch
śuciḥ
Śuci
audakān pakṣigaṇān
die Wasservogel-Scharen
sugrīvī
Sugrīvī
tu
aber
dvija-uttamāḥ
o beste der Brahmanen

Weitere Vogel-Stammmütter: Śyenī → Falken, Bhāsī → Bhāsa-Vögel, Gṛdhrī → Geier, Śuci → Wasservögel; Sugrīvīs Nachkommen folgen in v.95.

aśvān uṣṭrān gardabhāṃś ca tāmrāvaṃśaḥ prakīrtitaḥ / vinatāyās tu dvau putrau vikhyātau garuḍāruṇau // BrP_3.95 //

[gebar] Pferde, Kamele und Esel – so wird das Geschlecht der Tāmrā verkündet. Von Vinatā aber [stammen] die beiden berühmten Söhne Garuḍa und Aruṇa,

Wort für Wort
aśvān, uṣṭrān, gardabhān
Pferde, Kamele, Esel
ca
und
tāmrā-vaṃśaḥ
das Geschlecht der Tāmrā
prakīrtitaḥ
verkündet
vinatāyāḥ
von Vinatā
tu
aber
dvau putrau
zwei Söhne
vikhyātau
berühmt
garuḍa-aruṇau
Garuḍa und Aruṇa

Übergang zur Kaśyapa-Gattin Vinatā, deren berühmte Söhne Garuḍa (Viṣṇus Vogelreittier) und Aruṇa (der Sonnenwagenlenker) hier eingeführt werden.

garuḍaḥ patatāṃ śreṣṭho dāruṇaḥ svena karmaṇā / surasāyāḥ sahasraṃ tu sarpāṇām amitaujasām // BrP_3.96 //

Garuḍa, der Vorzüglichste der Fliegenden, furchtbar durch sein eigenes Wirken. – Von Surasā aber [stammt] eine Tausendschaft von Schlangen, von unermesslicher Kraft,

Wort für Wort
garuḍaḥ
Garuḍa
patatām
der Fliegenden
śreṣṭhaḥ
der vorzüglichste
dāruṇaḥ
furchtbar
svena karmaṇā
durch sein eigenes Wirken
surasāyāḥ
von Surasā
tu
aber
sahasram
ein Tausend
sarpāṇām
von Schlangen
amita-ojasām
von unermesslicher Kraft

Kurze Charakterisierung Garuḍas; Übergang zur Kaśyapa-Gattin Surasā, Mutter tausendköpfiger Schlangen (nicht zu verwechseln mit Kadrū, der Hauptmutter der Nāgas, v.97).

anekaśirasāṃ viprāḥ khacarāṇāṃ mahātmanām / kādraveyās tu balinaḥ sahasram amitaujasaḥ // BrP_3.97 //

vielköpfig, o Brahmanen, luftwandelnd und hochherzig. Kadrūs Söhne aber, mächtig, eine Tausendschaft von unermesslicher Kraft,

Wort für Wort
aneka-śirasām
vielköpfig
viprāḥ
o Brahmanen
khacarāṇām
luftwandelnd
mahātmanām
hochherzig
kādraveyāḥ
die Söhne der Kadrū
tu
aber
balinaḥ
mächtig
sahasram
ein Tausend
amita-ojasaḥ
von unermesslicher Kraft

Fortsetzung: Kadrūs Söhne ("Kādraveyas", die eigentlichen Nāgas/Schlangenwesen) werden nun eingeführt.

suparṇavaśagā nāgā jajñire naikamastakāḥ / yeṣāṃ pradhānāḥ satataṃ śeṣavāsukitakṣakāḥ // BrP_3.98 //

wurden als Nāgas geboren, dem Suparṇa (Garuḍa) untertan, vielköpfig; unter ihnen sind die Hauptvertreter beständig Śeṣa, Vāsuki und Takṣaka,

Wort für Wort
suparṇa-vaśagāḥ
dem Suparṇa (Garuḍa) untertan
nāgāḥ
die Nāgas
jajñire
wurden geboren
na eka-mastakāḥ
nicht einköpfig (vielköpfig)
yeṣām
unter ihnen
pradhānāḥ
die Hauptvertreter
satatam
beständig
śeṣa-vāsuki-takṣakāḥ
Śeṣa, Vāsuki, Takṣaka

Die berühmtesten Nāgas (Schlangenwesen) werden genannt: Śeṣa (der Weltenträger), Vāsuki (der beim Milchozean-Quirlen verwendete Schlangenkönig) und Takṣaka.

airāvato mahāpadmaḥ kambalāśvatarāv ubhau / elāpattraś ca śaṅkhaś ca karkoṭakadhanaṃjayau // BrP_3.99 //

Airāvata, Mahāpadma, Kambala und Aśvatara beide, Elāpattra, Śaṅkha, Karkoṭaka und Dhanaṃjaya,

Wort für Wort
airāvataḥ, mahāpadmaḥ
Airāvata, Mahāpadma
kambala-aśvatarau ubhau
Kambala und Aśvatara, beide
elāpattraḥ, śaṅkhaḥ
Elāpattra, Śaṅkha
ca
und
karkoṭaka-dhanaṃjayau
Karkoṭaka und Dhanaṃjaya

Fortsetzung der Nāga-Namen (v.99-101) – eine klassische Liste bedeutender Schlangenwesen.

mahānīlamahākarṇau dhṛtarāṣṭrabalāhakau / kuharaḥ puṣpadaṃṣṭraś ca durmukhaḥ sumukhas tathā // BrP_3.100 //

Mahānīla und Mahākarṇa, Dhṛtarāṣṭra und Balāhaka, Kuhara, Puṣpadaṃṣṭra, Durmukha und ebenso Sumukha,

Wort für Wort
mahānīla-mahākarṇau
Mahānīla und Mahākarṇa
dhṛtarāṣṭra-balāhakau
Dhṛtarāṣṭra und Balāhaka
kuharaḥ, puṣpadaṃṣṭraḥ
Kuhara, Puṣpadaṃṣṭra
ca
und
durmukhaḥ, sumukhaḥ
Durmukha, Sumukha
tathā
ebenso

Fortsetzung der Nāga-Namen.

śaṅkhaś ca śaṅkhapālaś ca kapilo vāmanas tathā / nahuṣaḥ śaṅkharomā ca maṇir ity evamādayaḥ // BrP_3.101 //

Śaṅkha, Śaṅkhapāla, Kapila, ebenso Vāmana, Nahuṣa, Śaṅkharoman und Maṇi – und so weiter.

Wort für Wort
śaṅkhaḥ, śaṅkhapālaḥ
Śaṅkha, Śaṅkhapāla
ca
und
kapilaḥ, vāmanaḥ
Kapila, Vāmana
tathā
ebenso
nahuṣaḥ, śaṅkharomā, maṇiḥ
Nahuṣa, Śaṅkharoman, Maṇi
ca
und
iti evamādayaḥ
und so weiter

Abschluss der namentlichen Nāga-Liste.

teṣāṃ putrāś ca pautrāś ca śataśo 'tha sahasraśaḥ / caturdaśasahasrāṇi krūrāṇām anilāśinām // BrP_3.102 //

Ihrer Söhne und Enkel [gibt es] zu Hunderten und Tausenden – vierzehntausend grausame, luftfressende [Schlangen],

Wort für Wort
teṣām
ihrer
putrāḥ ca pautrāḥ ca
Söhne und Enkel
śataśaḥ atha sahasraśaḥ
zu Hunderten und Tausenden
caturdaśa-sahasrāṇi
vierzehntausend
krūrāṇām
grausam
anila-aśinām
luftfressend

Angabe einer Gesamtzahl (14.000) für eine bestimmte grausame Nāga-Untergruppe ("luftfressend", ein Bild für Schlangen, die keine feste Nahrung brauchen bzw. sich von Wind ernähren).

gaṇaṃ krodhavaṃśaṃ viprās tasya sarve ca daṃṣṭriṇaḥ / sthalajāḥ pakṣiṇo 'bjāś ca dharāyāḥ prasavāḥ smṛtāḥ // BrP_3.103 //

gehören, o Brahmanen, zur Schar des „Zorn-Geschlechts“ (Krodhavaṃśa), alle mit Fangzähnen. Landtiere, Vögel und Wassertiere werden als Geburten der Erde (Dharā) genannt –

Wort für Wort
gaṇam
zur Schar
krodha-vaṃśam
des Zorn-Geschlechts
viprāḥ
o Brahmanen
tasya
dessen
sarve
alle
ca
und
daṃṣṭriṇaḥ
mit Fangzähnen
sthalajāḥ
Landtiere
pakṣiṇaḥ
Vögel
abjāḥ
Wassertiere
ca
und
dharāyāḥ
der Erde (Dharā)
prasavāḥ
Geburten
smṛtāḥ
werden genannt

Einführung des "Krodhavaṃśa" (Zorn-Geschlecht, von Krodhavaśā abstammend, vgl. v.52) und Übergang zu weiteren Tiergattungen, die verschiedenen Kaśyapa-Gattinnen zugeordnet werden.

gās tu vai janayām āsa surabhir mahiṣīs tathā / irā vṛkṣalatā vallīs tṛṇajātīś ca sarvaśaḥ // BrP_3.104 //

Kühe aber gebar fürwahr Surabhī, ebenso Büffelkühe; Irā [gebar] Bäume, Schlingpflanzen, Ranken und alle Grasarten,

Wort für Wort
gāḥ
Kühe
tu vai
aber fürwahr
janayām āsa
gebar
surabhiḥ
Surabhī
mahiṣīḥ
Büffelkühe
tathā
ebenso
irā
Irā
vṛkṣa-latā-vallīḥ
Bäume, Schlingpflanzen, Ranken
tṛṇa-jātīḥ
Grasarten
ca sarvaśaḥ
und alle

Surabhī als Stammmutter der Rinder (klassisches Motiv, oft auch als "Wunschkuh" Kāmadhenu bekannt); Irā als Stammmutter der Pflanzenwelt.

khasā tu yakṣarakṣāṃsi munir apsarasas tathā / ariṣṭā tu mahāsiddhā gandharvān amitaujasaḥ // BrP_3.105 //

Khasā aber [gebar] die Yakṣas und Rākṣasas; Muni ebenso die Apsaras; Ariṣṭā aber, hochvollendet, die Gandharvas von unermesslicher Kraft,

Wort für Wort
khasā
Khasā
tu
aber
yakṣa-rakṣāṃsi
die Yakṣas und Rākṣasas
muniḥ
Muni
apsarasaḥ
die Apsaras
tathā
ebenso
ariṣṭā
Ariṣṭā
tu
aber
mahāsiddhā
hochvollendet
gandharvān
die Gandharvas
amita-ojasaḥ
von unermesslicher Kraft

Weitere Kaśyapa-Gattinnen und ihre jeweiligen Nachkommenklassen: Khasā → Yakṣas/Rākṣasas, Muni → Apsaras, Ariṣṭā → Gandharvas.

ete kaśyapadāyādāḥ kīrtitāḥ sthāṇujaṅgamāḥ / yeṣāṃ putrāś ca pautrāś ca śataśo 'tha sahasraśaḥ // BrP_3.106 //

Diese sind die Erben Kaśyapas, die beweglichen und unbeweglichen [Geschöpfe], die genannt wurden – deren Söhne und Enkel zu Hunderten und Tausenden [existieren].

Wort für Wort
ete
diese
kaśyapa-dāyādāḥ
die Erben Kaśyapas
kīrtitāḥ
genannt
sthāṇu-jaṅgamāḥ
unbeweglich und beweglich
yeṣām
deren
putrāḥ ca pautrāḥ ca
Söhne und Enkel
śataśaḥ atha sahasraśaḥ
zu Hunderten und Tausenden

Zusammenfassender Abschluss der gesamten Kaśyapa-Genealogie (v.51-106): alle Wesensklassen – Götter, Dämonen, Tiere, Pflanzen – als Nachkommen Kaśyapas und seiner dreizehn Gattinnen.

eṣa manvantare viprāḥ sargaḥ svārociṣe smṛtaḥ / vaivasvate 'timahati vāruṇe vitate kratau // BrP_3.107 //

Diese Schöpfung, o Brahmanen, wird im Svārociṣa-Manvantara genannt; im höchst großartigen Vaivasvata[-Manvantara], während des ausgedehnten Vāruṇa-Opfers,

Wort für Wort
eṣaḥ
diese
manvantare
im Manvantara
viprāḥ
o Brahmanen
sargaḥ
die Schöpfung
svārociṣe
im Svārociṣa[-Manvantara]
smṛtaḥ
genannt
vaivasvate
im Vaivasvata[-Manvantara]
ati-mahati
höchst großartigen
vāruṇe
des Vāruṇa
vitate
ausgedehnten
kratau
beim Opfer

Zeitliche Einordnung: Diese gesamte Kaśyapa-Schöpfung wird zunächst dem Svārociṣa-Manvantara (dem zweiten der vierzehn Manvantaras) zugeordnet, mit einem Verweis auf ein späteres Ereignis im Vaivasvata-Manvantara (Übergang zur folgenden Diti/Marut-Episode).

juhvānasya brahmaṇo vai prajāsarga ihocyate / pūrvaṃ yatra samutpannān brahmarṣīn sapta mānasān // BrP_3.108 //

während Brahmā opferte, wird hier die Nachkommenschöpfung erzählt, wobei die zuvor entstandenen sieben geistgeborenen Brahmarṣis,

Wort für Wort
juhvānasya
während opfernd
brahmaṇaḥ
Brahmās
vai
fürwahr
prajā-sargaḥ
die Nachkommenschöpfung
iha
hier
ucyate
wird erzählt
pūrvam
zuvor
yatra
wobei
samutpannān
entstandenen
brahmarṣīn
die Brahmarṣis
sapta
sieben
mānasān
geistgeborene

Rückbezug auf die sieben mānasa-geborenen Ṛṣis (Marīci usw., aus Kap. 1) als Ausgangspunkt der neuen Episode um Ditis Rache und die Maruts.

putratve kalpayām āsa svayam eva pitāmahaḥ / tato virodhe devānāṃ dānavānāṃ ca bho dvijāḥ // BrP_3.109 //

der Großvater (Brahmā) selbst als [seine] Söhne einsetzte. Darauf, o Brahmanen, entstand ein Konflikt zwischen Göttern und Dānavas,

Wort für Wort
putratve
als Söhne
kalpayām āsa
setzte ein
svayam eva
selbst
pitāmahaḥ
der Großvater (Brahmā)
tataḥ
darauf
virodhe
im Konflikt
devānām
der Götter
dānavānām
der Dānavas
ca
und
bhoḥ dvijāḥ
o Brahmanen

Übergang zur letzten großen Episode des Kapitels: dem Konflikt zwischen Göttern und Dānavas und der daraus folgenden Geschichte von Ditis Rache-Versuch (Geburt der Maruts).

ditir vinaṣṭaputrā vai toṣayām āsa kaśyapam / kaśyapas tu prasannātmā samyag ārādhitas tayā // BrP_3.110 //

Diti, ihrer Söhne beraubt, stellte Kaśyapa zufrieden; Kaśyapa aber, wohlgesonnenen Geistes, von ihr recht verehrt,

Wort für Wort
ditiḥ
Diti
vinaṣṭa-putrā
ihrer Söhne beraubt
vai
fürwahr
toṣayām āsa
stellte zufrieden
kaśyapam
Kaśyapa
kaśyapaḥ
Kaśyapa
tu
aber
prasanna-ātmā
wohlgesonnenen Geistes
samyak
recht
ārādhitaḥ
verehrt
tayā
von ihr

Diti, deren Söhne (Hiraṇyakaśipu, Hiraṇyākṣa u.a.) im Götter-Dānava-Konflikt gefallen sind, sucht durch Verehrung ihres Gatten Kaśyapa einen Rächer zu erlangen.

vareṇa cchandayām āsa sā ca vavre varaṃ tadā / putram indravadhārthāya samartham amitaujasam // BrP_3.111 //

bot ihr eine Gunst an; und sie erbat sich da als Gunst einen Sohn, fähig zur Tötung Indras, von unermesslicher Kraft.

Wort für Wort
vareṇa
mit einer Gunst
chandayām āsa
bot an
sā
sie
ca
und
vavre
erbat sich
varam
die Gunst
tadā
da
putram
einen Sohn
indra-vadha-arthāya
zur Tötung Indras
samartham
fähig
amita-ojasam
von unermesslicher Kraft

Diti erbittet sich einen Sohn, der mächtig genug ist, Indra zu töten – Ausgangspunkt der Maruts-Episode (die berühmte Erzählung wird auch in anderen Purāṇas erzählt, endet hier jedoch versöhnlich mit der Entstehung der Marut-Götter statt eines Indra-Feindes).

sa ca tasmai varaṃ prādāt prārthitaḥ sumahātapāḥ / dattvā ca varam atyugro mārīcaḥ samabhāṣata // BrP_3.112 //

Und er (Kaśyapa), darum gebeten, von sehr großer Askese, gewährte ihr die Gunst; und nachdem der überaus strenge Sohn des Marīci (Kaśyapa) die Gunst gewährt hatte, sprach er:

Wort für Wort
saḥ
er
ca
und
tasmai
ihr
varam
die Gunst
prādāt
gewährte
prārthitaḥ
darum gebeten
su-mahā-tapāḥ
von sehr großer Askese
dattvā
gegeben habend
ca
und
varam
die Gunst
ati-ugraḥ
überaus streng
mārīcaḥ
der Sohn des Marīci
samabhāṣata
sprach

Kaśyapa gewährt die Gunst, fügt aber eine Bedingung hinzu (v.113).

indraṃ putro nihantā te garbhaṃ vai śaradāṃ śatam / yadi dhārayase śauca- tatparā vratam āsthitā // BrP_3.113 //

„Dein Sohn wird Indra töten – wenn du die Schwangerschaft hundert Jahre lang trägst, der Reinheit ergeben, ein Gelübde einhaltend.“

Wort für Wort
indram
Indra
putraḥ
der Sohn
nihantā
wird töten
te
dein
garbham
die Schwangerschaft
vai
fürwahr
śaradām śatam
hundert Jahre
yadi
wenn
dhārayase
du trägst
śauca-tatparā
der Reinheit ergeben
vratam
das Gelübde
āsthitā
einhaltend

Kaśyapas Bedingung: hundertjährige, streng reine Schwangerschaft – die Diti später (v.117-118) durch eine einzige Unreinheits-Verfehlung (nicht gewaschene Füße vor dem Schlafen) verfehlt, was Indra die Gelegenheit zum Eingreifen gibt.

tathety abhihito bhartā tayā devyā mahātapāḥ / dhārayām āsa garbhaṃ tu śuciḥ sā munisattamāḥ // BrP_3.114 //

„So sei es“ – so wurde der Gatte von großer Askese von jener Göttlichen [Diti] angesprochen. Sie trug die Schwangerschaft, rein, o beste der Weisen,

Wort für Wort
tathā iti
so sei es
abhihitaḥ
angesprochen
bhartā
der Gatte
tayā devyā
von jener Göttlichen
mahātapāḥ
von großer Askese
dhārayām āsa
trug
garbham
die Schwangerschaft
tu
aber
śuciḥ
rein
sā
sie
muni-sattamāḥ
o beste der Weisen

Diti stimmt zu und beginnt die geforderte hundertjährige reine Schwangerschaft.

tato 'bhyupāgamad dityāṃ garbham ādhāya kaśyapaḥ / rodhayan vai gaṇaṃ śreṣṭhaṃ devānām amitaujasam // BrP_3.115 //

Darauf ging Kaśyapa, die Schwangerschaft eingesetzt habend, zu Diti; [der ungeborene Sohn] hielt fürwahr die vorzüglichste Schar der Götter, von unermesslicher Kraft, in Schach,

Wort für Wort
tataḥ
darauf
abhyupāgamat
ging hin zu
dityām
zu Diti
garbham
die Schwangerschaft
ādhāya
eingesetzt habend
kaśyapaḥ
Kaśyapa
rodhayan
in Schach haltend
vai
fürwahr
gaṇam
die Schar
śreṣṭham
vorzüglichste
devānām
der Götter
amita-ojasam
von unermesslicher Kraft

Der ungeborene Fötus besitzt bereits eine solche Macht, dass er die Götter in Furcht versetzt (vgl. v.116-117: Indra beobachtet die Schwangerschaft ängstlich).

tejaḥ saṃhṛtya durdharṣam avadhyam amarair api / jagāma parvatāyaiva tapase saṃśitavratā // BrP_3.116 //

seine unangreifbare, selbst von den Unsterblichen unbezwingbare Energie zusammenziehend. Sie (Diti) begab sich, mit verschärftem Gelübde, zum Berg, um Askese zu üben,

Wort für Wort
tejaḥ
die Energie
saṃhṛtya
zusammengezogen habend
durdharṣam
unangreifbar
avadhyam
unbezwingbar
amaraiḥ api
selbst von den Unsterblichen
jagāma
sie ging
parvatāya
zum Berg
eva
gerade
tapase
zur Askese
saṃśita-vratā
mit verschärftem Gelübde

Diti zieht sich zur Askese in die Berge zurück – Indra nutzt diese Gelegenheit zur Beobachtung.

tasyāś caivāntaraprepsur abhavat pākaśāsanaḥ / jāte varṣaśate cāsyā dadarśāntaram acyutaḥ // BrP_3.117 //

Und Pākaśāsana (Indra) suchte beständig ihre Schwachstelle (Gelegenheit) zu finden. Als hundert Jahre vergangen waren, erblickte der Unfehlbare (Indra) ihre Schwachstelle:

Wort für Wort
tasyāḥ
ihre
ca eva
und auch
antara-prepsuḥ
die Schwachstelle zu finden suchend
abhavat
war
pākaśāsanaḥ
Pākaśāsana (Indra)
jāte
als vergangen war
varṣa-śate
hundert Jahre
ca
und
asyāḥ
ihre
dadarśa
erblickte
antaram
die Schwachstelle
acyutaḥ
der Unfehlbare

Indra wartet die gesamte hundertjährige Frist ab und findet schließlich am Ende die entscheidende Gelegenheit.

akṛtvā pādayoḥ śaucaṃ ditiḥ śayanam āviśat / nidrāṃ cāhārayām āsa tasyāṃ kukṣiṃ praviśya saḥ // BrP_3.118 //

Ohne die Reinigung der Füße vorgenommen zu haben, legte sich Diti zum Schlafen nieder; und er (Indra) brachte Schlaf über sie und drang, in ihren Leib eingehend,

Wort für Wort
akṛtvā
nicht gemacht habend
pādayoḥ
der Füße
śaucam
die Reinigung
ditiḥ
Diti
śayanam
das Lager
āviśat
betrat
nidrām
Schlaf
ca
und
āhārayām āsa
brachte über
tasyām
in sie
kukṣim
den Leib/Bauch
praviśya
eingehend
saḥ
er

Der entscheidende Regelverstoß: Diti vergisst einmalig, sich vor dem Schlafen die Füße zu waschen (ein Reinheitsgebot) – Indra nutzt dies sofort aus.

vajrapāṇis tato garbhaṃ saptadhā taṃ nyakṛntayat / sa pāṭyamāno garbho 'tha vajreṇa praruroda ha // BrP_3.119 //

der Vajra-Träger (Indra) zerschnitt darauf den Fötus siebenfach. Der so vom Blitz gespaltene Fötus begann laut zu weinen,

Wort für Wort
vajrapāṇiḥ
der Vajra-Träger (Indra)
tataḥ
darauf
garbham
den Fötus
saptadhā
siebenfach
tam
ihn
nyakṛntayat
zerschnitt
saḥ
er
pāṭyamānaḥ
gespalten werdend
garbhaḥ
der Fötus
atha
dann
vajreṇa
durch den Blitz
praruroda ha
begann zu weinen

Indra zerteilt den Fötus in sieben Teile mit seinem Blitzkeil (Vajra), um die drohende Gefahr zu entschärfen.

mā rodīr iti taṃ śakraḥ punaḥ punar athābravīt / so 'bhavat saptadhā garbhas tam indro ruṣitaḥ punaḥ // BrP_3.120 //

„Weine nicht!“ – so sprach Śakra (Indra) immer wieder zu ihm. Der Fötus war [nun] siebenfach; ihn zerteilte Indra, erneut erzürnt,

Wort für Wort
mā rodīḥ
weine nicht!
iti
so
tam
zu ihm
śakraḥ
Śakra (Indra)
punaḥ punaḥ
immer wieder
atha
dann
abravīt
sprach
saḥ
er
abhavat
wurde
saptadhā
siebenfach
garbhaḥ
der Fötus
tam
ihn
indraḥ
Indra
ruṣitaḥ
erzürnt
punaḥ
erneut

Wortspiel-Ätiologie beginnt: Indras wiederholtes "mā rodīḥ" ("weine nicht") an jeden der sieben (dann 49) Teile wird später zur Erklärung des Namens "Marut" (v.121-122).

ekaikaṃ saptadhā cakre vajreṇaivārikarṣaṇaḥ / maruto nāma te devā babhūvur dvijasattamāḥ // BrP_3.121 //

zerteilte jeden einzelnen [der sieben Teile] siebenfach mit dem Blitz, der Feindebezwinger (Indra). „Maruts“ mit Namen wurden diese Götter, o beste der Brahmanen –

Wort für Wort
ekaikam
jedes einzelne
saptadhā
siebenfach
cakre
machte
vajreṇa
mit dem Blitz
eva
gerade
ari-karṣaṇaḥ
der Feindebezwinger
marutaḥ
Maruts
nāma
mit Namen
te devāḥ
diese Götter
babhūvuḥ
wurden
dvija-sattamāḥ
o beste der Brahmanen

7×7 = 49 Teile entstehen, die zu den 49 Marut-Göttern werden – das Wort "Marut" wird hier volksetymologisch von "mā rudaḥ/rodīḥ" ("weine nicht") hergeleitet.

yathoktaṃ vai maghavatā tathaiva maruto 'bhavan / devāś caikonapañcāśat sahāyā vajrapāṇinaḥ // BrP_3.122 //

Wie es von Maghavant (Indra) gesagt worden war, so genau wurden die Maruts [benannt]; neunundvierzig Götter wurden sie, Gefährten des Vajra-Trägers (Indra).

Wort für Wort
yathā uktam
wie gesagt
vai
fürwahr
maghavatā
von Maghavant (Indra)
tathā eva
so genau
marutaḥ
die Maruts
abhavan
wurden
devāḥ
Götter
ca
und
ekona-pañcāśat
neunundvierzig
sahāyāḥ
Gefährten
vajrapāṇinaḥ
des Vajra-Trägers

Bestätigung der Etymologie und Nennung der Gesamtzahl: 49 Marut-Götter, die fortan als Indras Verbündete (nicht Feinde) fungieren – eine versöhnliche Wendung von Ditis ursprünglicher Rache-Absicht.

teṣām evaṃ pravṛttānāṃ bhūtānāṃ dvijasattamāḥ / rocayan vai gaṇaśreṣṭhān devānām amitaujasām // BrP_3.123 //

Als diese Wesen so entstanden waren, o beste der Brahmanen, machte [Brahmā/Viṣṇu] die vorzüglichsten Scharen der Götter, von unermesslicher Kraft, wohlgefällig

Wort für Wort
teṣām
diese
evam
so
pravṛttānām
entstanden
bhūtānām
der Wesen
dvija-sattamāḥ
o beste der Brahmanen
rocayan
wohlgefällig machend
vai
fürwahr
gaṇa-śreṣṭhān
die vorzüglichsten Scharen
devānām
der Götter
amita-ojasām
von unermesslicher Kraft

Übergangsvers: Nach der Entstehung der Maruts ordnet eine höhere Instanz (kontextuell wohl Viṣṇu/Hari, vgl. v.124-125) die verschiedenen Göttergruppen den einzelnen Wesensklassen als Herrscher zu.

nikāyeṣu nikāyeṣu hariḥ prādāt prajāpatīn / kramaśas tāni rājyāni pṛthupūrvāṇi bho dvijāḥ // BrP_3.124 //

in jeder einzelnen Wesensklasse setzte Hari (Viṣṇu) [jeweils eigene] Prajāpatis (Herrscher) ein; der Reihe nach [wies er] diese Königreiche zu, mit Pṛthu als erstem, o Brahmanen –

Wort für Wort
nikāyeṣu nikāyeṣu
in jeder einzelnen Wesensklasse
hariḥ
Hari (Viṣṇu)
prādāt
setzte ein
prajāpatīn
Prajāpatis (Herrscher)
kramaśaḥ
der Reihe nach
tāni rājyāni
diese Königreiche
pṛthu-pūrvāṇi
mit Pṛthu als erstem
bhoḥ dvijāḥ
o Brahmanen

Hari/Viṣṇu setzt für jede Wesensklasse einen eigenen Herrscher (Prajāpati) ein – dies leitet zur nächsten großen Erzählung über (Kap. 4: Pṛthus Krönung und die Einsetzung der Weltordnung, bereits mit "Pṛthu" vorausgedeutet, der bereits aus Kap. 2 bekannt ist).

sa hariḥ puruṣo vīraḥ kṛṣṇo jiṣṇuḥ prajāpatiḥ / parjanyas tapano 'nantas tasya sarvam idaṃ jagat // BrP_3.125 //

Er, Hari, ist der Puruṣa, der Held, der Dunkle (Kṛṣṇa), der Siegreiche (Jiṣṇu), der Prajāpati, der Regenspender (Parjanya), der Erhitzer (Tapana), der Endlose (Ananta) – ihm gehört diese ganze Welt.

Wort für Wort
saḥ hariḥ
er, Hari
puruṣaḥ
der Puruṣa
vīraḥ
der Held
kṛṣṇaḥ
der Dunkle
jiṣṇuḥ
der Siegreiche
prajāpatiḥ
der Prajāpati
parjanyaḥ
der Regenspender
tapanaḥ
der Erhitzer
anantaḥ
der Endlose
tasya
ihm [gehört]
sarvam idam jagat
diese ganze Welt

Abschließende theologische Hymne auf Hari/Viṣṇu als das alles durchdringende, alle Rollen (Schöpfer, Erhalter, Sonne, Regen usw.) in sich vereinende höchste Wesen – ein typischer purāṇischer Abschluss-Vers vor der Phalaśruti.

bhūtasargam imaṃ samyag jānato dvijasattamāḥ / nāvṛttibhayam astīha paralokabhayaṃ kutaḥ // BrP_3.126 //

Für den, der diese Wesensschöpfung recht kennt, o beste der Brahmanen, besteht hier keine Furcht vor Wiedergeburt – woher [dann] Furcht vor der jenseitigen Welt?

Wort für Wort
bhūta-sargam
die Wesensschöpfung
imam
diese
samyak
recht
jānataḥ
für den Kennenden
dvija-sattamāḥ
o beste der Brahmanen
na
nicht
āvṛtti-bhayam
Furcht vor Wiedergeburt
asti
besteht
iha
hier
paraloka-bhayam
Furcht vor der jenseitigen Welt
kutaḥ
woher [dann]

Klassische Phalaśruti (Frucht-Verkündigung) am Kapitelende: Das Wissen um diese gesamte Genealogie der Wesensschöpfung befreit von der Furcht vor Wiedergeburt und Jenseits – analog zur Phalaśruti von Kap. 1 (v.56).

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