Kapitel 166: patatritīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Patatri-Tīrtha (Aruṇas Söhne Sampāti und Jaṭāyu fliegen zur Sonne)
Kaśyapas Söhne Aruṇa und Garuḍa; in Aruṇas Nachkommenschaft werden Sampāti und Jaṭāyu geboren. Von Wetteifer und Kraftrausch getrieben, fliegen die beiden Brüder empor, um sich vor der Sonne zu verneigen, geraten ihr jedoch zu nahe und stürzen mit versengten Flügeln auf einen Berg. Aruṇa bittet Sūrya um ihre Wiederbelebung; Sūrya belebt sie, Garuḍa kommt mit Viṣṇu hinzu und tröstet sie. Alle ziehen zur Gaṅgā, um die Qual zu vertreiben. Ursprung des Patatri-Tīrtha (,Vogel-Tīrtha'), an dem Sūrya, Viṣṇu, Garuḍa, Aruṇa und Śiva (Vṛṣabhadhvaja) gemeinsam gegenwärtig sind und von seelischem wie körperlichem Leiden befreien.
Die beiden Söhne des Stammvaters Tārkṣya (Kaśyapa) waren Aruṇa und ebenso Garuḍa; in dessen Nachkommenschaft entstand Sampāti, der vortrefflichste der Vögel,
Wort für Wort
tārkṣyaprajāpateḥ putrāv aruṇo garuḍas tathā
die beiden Söhne des Stammvaters Tārkṣya waren Aruṇa und ebenso Garuḍa
tadanvaye saṃbhūtaḥ ca saṃpātiḥ patagottamaḥ
in dessen Nachkommenschaft entstand Sampāti, der vortrefflichste der Vögel
jaṭāyur iti vikhyāto hy aparaḥ sodaro 'nujaḥ / anyonyaspardhayā yuktāv unmattau svabalena tau //
und ein anderer, als ,Jaṭāyu' bekannt, sein jüngerer leiblicher Bruder. Von gegenseitigem Wetteifer erfüllt, von ihrer eigenen Kraft berauscht, flogen die beiden –
Wort für Wort
jaṭāyur iti vikhyāto hy aparaḥ sodaro 'nujaḥ
und ein anderer, als Jaṭāyu bekannt, sein jüngerer leiblicher Bruder
anyonyaspardhayā yuktāv unmattau svabalena tau
von gegenseitigem Wetteifer erfüllt, von ihrer eigenen Kraft berauscht, die beiden
stürzten beide mit versengten Flügeln, erschöpft, auf einen Berggipfel; als er die beiden verwandten Vögel, reglos und ihrer Sinne beraubt, gefallen sah,
Wort für Wort
dagdhapakṣāv ubhau śrāntau patitau girimūrdhani
stürzten beide mit versengten Flügeln, erschöpft, auf einen Berggipfel
bāndhavau patitau dṛṣṭvā niśceṣṭau gatacetasau
als er die beiden verwandten Vögel, reglos und ihrer Sinne beraubt, gefallen sah
…da sprach, von Leid überwältigt, Aruṇa zum Sonnengott; die beiden gefallen sehend, sprach Aruṇa zu Sūrya dieses, die beiden zur Erde gefallen: ,Belebe sie wieder, o Scharfstrahliger, solange die beiden noch nicht sterben.'
Wort für Wort
tāvad duḥkhābhibhūto 'sāv aruṇaḥ prāha bhāskaram
da sprach, von Leid überwältigt, Aruṇa zum Sonnengott
tau dṛṣṭvā tv aruṇaḥ sūryam prāhedaṃ patitau bhuvi
die beiden gefallen sehend, sprach Aruṇa zu Sūrya dieses, die beiden zur Erde gefallen
āśvāsayaitau tigmāṃśo yāvan naitau mariṣyataḥ
belebe sie wieder, o Scharfstrahliger, solange die beiden noch nicht sterben
[Anm.: Dreizeiliger Vers im Quelltext. Die ersten beiden Zeilen (,tāvad duḥkhābhibhūto...' und ,tau dṛṣṭvā tv aruṇaḥ...') scheinen eine doppelte, leicht variierende Fassung derselben Aussage (Aruṇas Anrede an Sūrya) zu enthalten; beide Lesarten werden hier unverändert wiedergegeben. Zudem enthält der Quelltext an dieser Stelle einen offensichtlichen Tippfehler (,sūry.am' statt ,sūryam'), stillschweigend als ,sūryam' gelesen.]
{brahmovāca:} tathety uktvā dinakaro jīvayām āsa tau khagau / garuḍo 'pi tayoḥ śrutvā avasthāṃ saha viṣṇunā //
Brahmā sprach: ,So sei es', sprach das Tagesgestirn, und belebte die beiden Vögel wieder; auch Garuḍa, als er von ihrem Zustand gehört hatte, kam zusammen mit Viṣṇu,
Wort für Wort
tathety uktvā dinakaro jīvayām āsa tau khagau
so sei es, sprach das Tagesgestirn, und belebte die beiden Vögel wieder
garuḍo 'pi tayoḥ śrutvā avasthāṃ saha viṣṇunā
auch Garuḍa, als er von ihrem Zustand gehört hatte, kam zusammen mit Viṣṇu
Es wird als Patatri-Tīrtha bezeichnet, Gift vernichtend, alle Wünsche gewährend; dort weilen Sūrya selbst sowie Viṣṇu, zusammen mit Suparṇa (Garuḍa) und Aruṇa,
Wort für Wort
patatritīrtham ākhyātaṃ viṣaghnaṃ sarvakāmadam
es wird als Patatri-Tīrtha bezeichnet, Gift vernichtend, alle Wünsche gewährend
svayaṃ sūryas tathā viṣṇuḥ suparṇenāruṇena ca
dort weilen Sūrya selbst sowie Viṣṇu, zusammen mit Suparṇa und Aruṇa