Kapitel 58: narasiṃhamāhātmyasādhanavidhivarṇanam
Die Größe Narasiṃhas und die tantrische Sādhanā-Ordnung seiner Verehrung
Nach dem Abschluss der Kṛṣṇa-Balarāma-Subhadrā-Verehrung wendet sich der Text der im selben Tempelbezirk verehrten Narasiṃha-(Menschenlöwen-)Gestalt Viṣṇus zu. Auf die Bitte der Munis hin erklärt Brahmā ausführlich die Größe und Allmacht Narasiṃhas sowie eine detaillierte, deutlich tantrisch geprägte Sādhanā-Ordnung: Diät- und Askesevorschriften, Mantra-Japa, ein dreifach gestufter Schutz-Kavaca, ein Ritual zum Betreten eines Höhlengangs (Bila) nach Pātāla mit Begegnung himmlischer Frauen und dem Trinken eines lebensverlängernden Elixiers, sowie verschiedene magische Siddhi-Praktiken (Dreizack-Visualisierung gegen Gift und Krankheit, ein Löwenbildnis-Ritual zur Regen- und Windbeschwörung). Das Kapitel schließt mit einer erneuten Phala-śruti zum bloßen Anblick Narasiṃhas.
Nachdem er aus dem Götterhaus herausgetreten ist, wird der Mensch [seine] Aufgabe erfüllt haben; nachdem er sich verneigt hat, soll er danach gesammelt dorthin gehen.
Wo der aus Indranīla (Saphir) bestehende, mit Sand bedeckte Viṣṇu weilt — nachdem er sich vor dem verborgenen [Bildnis] verneigt hat, gelangt er sodann zur Stadt Viṣṇus.
Wort für Wort
indranīlamayaḥ viṣṇuḥ
der aus Indranīla (Saphir) bestehende Viṣṇu
yatra āste vālukāvṛtaḥ
wo er, mit Sand bedeckt, weilt
antardhānagataṃ natvā
sich vor dem verborgenen [Bildnis] verneigt habend
tataḥ viṣṇupuraṃ vrajet
gelangt er sodann zur Stadt Viṣṇus
[Anm.: Bezieht sich auf das mit Sand verborgene Indranīla-(Saphir-)Bildnis Viṣṇus aus der früheren Indradyumna-Erzählung (Kap.45f.).]
Wer mit Hingabe jenen Gott, den Menschenlöwen, gesehen und sich verneigt hat, der Sterbliche wird von allen Sünden befreit — hieran besteht kein Zweifel.
Welche Vollkommenheiten auch immer hier, göttliche und menschliche, vernommen werden — durch seine Gnade werden sie alle erlangt; hieran besteht kein Zweifel.
svarge martye ca pātāle dikṣu toye pure nage / prasādāt tasya devasya bhavaty avyāhatā gatiḥ //
Im Himmel, in der Sterblichenwelt und in Pātāla, in den Himmelsrichtungen, im Wasser, in der Stadt, auf dem Berg — durch die Gnade jenes Gottes wird der Weg ungehindert.
Wort für Wort
svarge martye ca pātāle
im Himmel, in der Sterblichenwelt und in Pātāla
dikṣu toye pure nage
in den Himmelsrichtungen, im Wasser, in der Stadt, auf dem Berg
Für jenen Gott, Narasiṃha, oh Brahmanen, der stets Mitleid mit [seinen] Anhängern hat, gibt es hier nichts Unerreichbares in der beweglichen und unbeweglichen [Welt].
Wort für Wort
asādhyaṃ tasya devasya
für jenen Gott Unerreichbares
na asti atra sacarācare
gibt es hier nicht in der beweglichen und unbeweglichen [Welt]
śākayāvakamūlais tu phalapiṇyākasaktukaiḥ / payobhakṣeṇa viprendrā vartayet sādhakottamaḥ //
Der beste der Sādhakas soll sich von Gemüse, Gerste, Wurzeln, Früchten, Ölkuchen, geröstetem Mehl oder von Milchgenuss ernähren, oh Fürsten der Brahmanen.
Wort für Wort
śākayāvakamūlaiḥ tu
von Gemüse, Gerste, Wurzeln
phalapiṇyākasaktukaiḥ
Früchten, Ölkuchen, geröstetem Mehl
payobhakṣeṇa
von Milchgenuss
viprendrāḥ
oh Fürsten der Brahmanen
vartayet sādhakottamaḥ
soll sich der beste der Sādhakas ernähren
[Anm.: Beginn der detaillierten tantrischen Sādhanā-Vorschrift für die Narasiṃha-Verehrung (Diät, Askese, Mantra-Japa, Kavaca).]
Und mit Lendenschurz und Hülle bekleidet, der Meditation hingegeben, die Sinne bezwungen, in der Wildnis, an einsamem Ort, auf dem Berg, am Zusammenfluss von Strömen —
in salzhaltigem Ödland, an einem Siddha-Gebiet, und ebenso in der Narasiṃha-Einsiedelei — ein Bildnis selbst aufgestellt oder ein vorhandenes verehrend, die Verehrung vorschriftsmäßig vollzogen habend,
an der zwölften [Tithi] der hellen Monatshälfte fastend, oh Stiere unter den Munis, soll er fürwahr zwanzig Hunderttausend [Mal den Mantra] wiederholen, mit gesammeltem Geist, die Sinne gezügelt.
Wort für Wort
dvādaśyāṃ śuklapakṣasya
an der zwölften Tithi der hellen Monatshälfte
upoṣya
fastend
munipuṃgavāḥ
oh Stiere unter den Munis
japet lakṣāṇi vai viṃśat
er soll fürwahr zwanzig Hunderttausend [Mal] wiederholen
upapātakayuktaś ca mahāpātakasaṃyutaḥ / mukto bhavet tato viprāḥ sādhako nātra saṃśayaḥ //
Und selbst wer mit kleineren Vergehen und mit schweren Sünden behaftet ist — der Praktizierende wird dadurch befreit, oh Brahmanen; hieran besteht kein Zweifel.
Nachdem er dort die Umschreitung vollzogen hat, soll er Narasiṃha verehren, mit wohlriechenden Räucherwerken und anderem, den Herrn mit dem Haupt verneigend.
bhagavān sarvakāryeṣu na kvacit pratihanyate / tejaḥ soḍhuṃ na śaktāḥ syur brahmarudrādayaḥ surāḥ //
Der Erhabene wird in keiner Angelegenheit jemals abgewiesen; selbst die Götter, angefangen mit Brahmā und Rudra, sind nicht imstande, seine Glut zu ertragen.
Wie viel weniger [können es ertragen] die Dānavas in der Welt, die Siddhas, Gandharvas, Menschen, die Vidyādharas, die Scharen der Yakṣas, samt den Kiṃnaras und großen Schlangenwesen.
Diejenigen anderen Praktizierenden, die einen Mantra wiederholen, um jene Dämonen zu töten — sie alle gehen zugrunde, wenn sie den mit dem Glanz von Sonne und Feuer Versehenen erblicken.
Wort für Wort
mantraṃ yān āsurān hantum
einen Mantra, um jene Dämonen zu töten
japanti eke anyasādhakāḥ
wiederholen manche andere Praktizierende
te sarve pralayaṃ yānti
sie alle gehen zugrunde
dṛṣṭvā ādityāgnivarcasaḥ
wenn sie den mit dem Glanz von Sonne und Feuer [Versehenen] erblicken
— vor all diesen bewahrt der dreimal rezitierte göttliche Kavaca, unangreifbar auch für Götter und Dämonen, und zwar innerhalb von zwölf Yojana, oh beste der Brahmanen,
— schützt der erhabene Gott Narasiṃha, der gewaltig Starke. Danach, zum Höhleneingang gegangen, drei Nächte lang gefastet habend,
Wort für Wort
rakṣate bhagavān devo narasiṃho mahābalaḥ
schützt der erhabene Gott Narasiṃha, der gewaltig Starke
tato gatvā biladvāram
danach zum Höhleneingang gegangen
upoṣya rajanītrayam
drei Nächte lang gefastet habend
[Anm.: Übergang zur eigentlichen Sādhanā des Höhleneingangs (Bila) nach Pātāla — ein tantrisches Ritual, das deutlich von der übrigen, eher devotionalen Erzählung dieses Purāṇa-Abschnitts absticht.]
dve śate dvijaśārdūlā vaṣaṭkāreṇa sādhakaḥ / tato vivaradvāraṃ tu prakaṭaṃ jāyate kṣaṇāt //
Zweihundertmal, oh Tiger unter den Brahmanen, mit dem Vaṣaṭ-Ruf, der Praktizierende — dann wird die Öffnung des Höhleneingangs binnen eines Augenblicks sichtbar.
tato viśet tu niḥśaṅkaṃ kavacī vivaraṃ budhaḥ / gacchataḥ saṃkaṭaṃ tasya tamomohaś ca naśyati //
Dann soll der Kluge, mit dem Kavaca geschützt, ohne Zögern in die Öffnung eintreten; während er durch die Enge geht, vergehen seine Finsternis und Verwirrung.
Wort für Wort
tato viśet tu niḥśaṅkam
dann soll er ohne Zögern eintreten
kavacī vivaraṃ budhaḥ
der Kluge, mit dem Kavaca [geschützt], in die Öffnung
Dorthin gegangen, soll er das unvergängliche, „Narasiṃha“ genannte Wesen (den Mantra) wiederholen; dann [erscheinen] Tausende von Frauen, die die Vīṇā spielen,
Wort für Wort
gatvā tatra japet
dorthin gegangen, soll er wiederholen
tattvaṃ narasiṃhākhyam avyayam
das unvergängliche, 'Narasiṃha' genannte Wesen (den Mantra)
Dann lassen sie ihn ein göttliches Elixier trinken, oh beste der Brahmanen; sobald es getrunken ist, entsteht ein göttlicher Körper von überaus großer Kraft.
Wort für Wort
tato rasāyanaṃ divyam
dann ein göttliches Elixier
pāyayanti dvijottamāḥ
lassen sie [ihn] trinken, oh beste der Brahmanen
pītamātre
sobald es getrunken ist
divyadeho jāyate sumahābalaḥ
entsteht ein göttlicher Körper von überaus großer Kraft
yadā na rocate vāsas tasmān nirgacchate punaḥ / paṭṭaṃ śūlaṃ ca khaḍgaṃ ca rocanāṃ ca maṇiṃ tathā //
Wenn ihm aber der Aufenthalt nicht mehr gefällt, tritt er wiederum von dort heraus — mit Seidentuch, Dreizack, Schwert, [magischem] Gorochana-Pigment und Juwel,
rasaṃ rasāyanaṃ caiva pādukāñjanam eva ca / kṛṣṇājinaṃ muniśreṣṭhā guṭikāṃ ca manoharām //
— Quecksilber(-Präparat) und Elixier, Zaubersandalen und Augensalbe, das schwarze Antilopenfell, oh beste der Munis, und eine bezaubernde [magische] Pille,
— mit Wasserkrug und Gebetskette, einem lebenspendenden Stab, sowie vollendetem Wissen und magischen Lehrschriften — all dies ergriffen habend, der Herr der Sādhakas,
Wort für Wort
kamaṇḍalum ca akṣasūtram
Wasserkrug und Gebetskette
yaṣṭiṃ saṃjīvanīṃ tathā
und einen lebenspendenden Stab
siddhavidyāṃ ca śāstrāṇi
und vollendetes Wissen und Lehrschriften
gṛhītvā sādhakeśvaraḥ
ergriffen habend, der Herr der Sādhakas
[Anm.: V41-43 zählen eine Reihe klassischer tantrischer Siddhi-Objekte auf (Zaubersandalen, magische Pille, Elixier u.a.), die der erfolgreiche Sādhaka aus Pātāla mitbringt.]
— [tritt heraus]. Der Dreizack, von Wogen loderndsprühender Feuerfunken umgeben, einmal ans Herz gelegt, verbrennt alle aus Millionen von Geburten stammende Sünde.
In Gift gelegt, vernichtet er das Gift; auf den Körper gelegt vernichtet er Hautkrankheit; selbst wenn man Fötusmord und ähnliches begangen hat, wird man durch das göttliche [Instrument] gereinigt.
Wort für Wort
viṣe nyastaṃ
in Gift gelegt
viṣaṃ hanyāt
vernichtet er das Gift
kuṣṭhaṃ hanyāt tanau sthitam
vernichtet er die auf dem Körper befindliche Hautkrankheit
svadehe bhrūṇahatyādi kṛtvā
selbst wenn man Fötusmord u.ä. begangen hat
divyena śudhyati
wird man durch das göttliche [Instrument] gereinigt
Bei von großen [dämonischen] Planetengeistern Ergriffenen soll man sich [den Dreizack] als lodernd, am Herzen [angelegt] vorstellen; dadurch schwinden rasch die schrecklichen Graha-Dämonen.
Wort für Wort
mahāgrahagṛhīteṣu
bei von großen Graha-Dämonen Ergriffenen
jvalamānaṃ vicintayet
soll man sich [ihn] als lodernd vorstellen
hṛdante vai
fürwahr am Herzen
tataḥ śīghraṃ naśyeyuḥ dāruṇā grahāḥ
dadurch schwinden rasch die schrecklichen Graha-Dämonen
vyādhijāte samidbhiś ca ghṛtakṣīreṇa homayet / trisaṃdhyaṃ māsam ekaṃ tu sarvarogān vināśayet //
Bei entstandener Krankheit soll man mit Brennhölzern und mit Ghee-Milch opfern; einen Monat lang, zu den drei Tageszeiten, vernichtet dies alle Krankheiten.
Wort für Wort
vyādhijāte
bei entstandener Krankheit
samidbhiḥ ca ghṛtakṣīreṇa homayet
soll man mit Brennhölzern und mit Ghee-Milch opfern
asādhyaṃ tu na paśyāmi trailokye sacarācare / yāṃ yāṃ kāmayate siddhiṃ tāṃ tāṃ prāpnoti sa dhruvam //
Ich sehe nichts Unerreichbares in der dreifachen Welt mit ihrem Beweglichen und Unbeweglichen; welche Vollkommenheit auch immer er begehrt, jene erlangt er gewiss.
Wort für Wort
asādhyaṃ tu na paśyāmi
ich sehe nichts Unerreichbares
trailokye sacarācare
in der dreifachen Welt mit ihrem Beweglichen und Unbeweglichen
aṣṭottaraśataṃ tv eke pūjayitvā mṛgādhipam / mṛttikāḥ sapta valmīke śmaśāne ca catuṣpathe //
Manche Praktizierende, nachdem sie den Herrn der Tiere hundertundacht Mal verehrt haben, [nehmen] sieben Erdproben — vom Ameisenhügel, vom Leichenverbrennungsplatz und von der Kreuzung vierer Wege —
Wort für Wort
aṣṭottaraśataṃ tu eke
manche, hundertundacht Mal
pūjayitvā mṛgādhipam
nachdem sie den Herrn der Tiere verehrt haben
mṛttikāḥ sapta
sieben Erdproben
valmīke śmaśāne ca catuṣpathe
vom Ameisenhügel, vom Leichenverbrennungsplatz und von der Kreuzung vierer Wege
[Anm.: Beginn einer weiteren, eigenständigen magischen Rezeptur (Löwenbildnis aus Erdproben u.a., V50-57) innerhalb der Narasiṃha-Sādhanā.]
limpet tathā bhūrjapattre rocanayā samālikhet / narasiṃhasya kaṇṭhe tu baddhvā caiva hi mantravit //
— soll man [damit das Bildnis] bestreichen, und ebenso auf Birkenrinde mit Gorochana-Pigment [den Mantra] aufzeichnen; der Mantra-Kenner soll es dann am Hals [des Bildnisses] von Narasiṃha befestigen.
Wort für Wort
limpet tathā
soll man [damit] bestreichen
bhūrjapattre rocanayā samālikhet
und auf Birkenrinde mit Gorochana-Pigment aufzeichnen
japet saṃkhyāvihīnaṃ tu pūjayitvā jalāśaye / yāvat saptāhamātraṃ tu japet saṃyamitendriyaḥ //
Er soll ohne feste Zählung wiederholen, nachdem er [das Bildnis] an einem Wasserbecken verehrt hat; eine ganze Woche lang soll er, die Sinne gezügelt, wiederholen.
Und nachdem er den Mantra hundertundacht Mal wiederholt hat, kann er den Regen abwehren; nachdem er [das Bildnis] so an einem Kabelbündel befestigt hat, soll der beste Sādhaka es schwenken.
Wort für Wort
japtvā ca aṣṭaśatam
und nachdem er hundertundacht Mal wiederholt hat
tattvam
das Wesen (den Mantra)
varṣantaṃ vinivārayet
kann er den Regnenden (Regen) abwehren
tam evaṃ piñjake baddhvā
ihn so an einem Kabelbündel befestigt habend
bhrāmayet sādhakottamaḥ
soll der beste Sādhaka [ihn] schwenken
[Anm.: V55-57 beschreiben magische Wetter- und Vergrabungsriten (Regenabwehr, Windbeschwörung, ein schädigendes bzw. friedenstiftendes Vergrabungsritual) — auffällig magisch-tantrischer Charakter dieses Kapitelabschnitts.]
Ein gewaltiger Wind wird binnen eines Augenblicks aufkommen; hieran besteht kein Zweifel. Und wiederum soll man rasch mit siebenmal sieben [Krügen] Wasser [ihn] stillen.
Wort für Wort
mahāvātaḥ muhūrtena āgacchet
ein gewaltiger Wind wird binnen eines Augenblicks aufkommen
Sodann, wenn der Praktizierende jenes Bildnis am Tor [eines Hauses] vergräbt, entsteht die Vernichtung von dessen [Bewohners] Familie[-Linie]; wird es wieder ausgegraben, so bringt es Frieden.
Wort für Wort
atha tāṃ pratimāṃ dvāri nikhanet
sodann, wenn er jenes Bildnis am Tor vergräbt
yasya sādhakaḥ
[an wessen Tor] der Praktizierende
gotrotsādo bhavet tasya
entsteht die Vernichtung von dessen Familie[-Linie]
uddhṛte ca eva śāntidaḥ
wird es [wieder] ausgegraben, so bringt es Frieden
— nachdem sie jenen besten der Götter, der eine Löwengestalt trägt, mit Hingabe verehrt haben, werden sie von den unheilvollen Leiden befreit, die aus Millionen von Geburten entstanden sind.
Wort für Wort
saṃpūjya taṃ suraśreṣṭham
nachdem sie jenen besten der Götter verehrt haben
bhaktyā siṃhavapurdharam
mit Hingabe, der eine Löwengestalt trägt
mucyante ca aśubhaiḥ duḥkhaiḥ
werden sie von den unheilvollen Leiden befreit
janmakoṭisamudbhavaiḥ
die aus Millionen von Geburten entstanden sind
[Anm.: Ab hier kehrt der Text zum devotionalen, alle Kasten und Geschlechter einschließenden Ton der übrigen Kapitel zurück.]
Nachdem sie jenen besten der Götter verehrt haben, erlangen sie das Ersehnte: Götterstand, Herrschaft über die Unsterblichen, Gandharva-Stand, oh Brahmanen,
— wird von den unheilvollen Leiden befreit, die aus Millionen von Geburten entstanden sind. In der Schlacht, in Bedrängnis, an unzugänglichem Ort, von Räubern, Tigern und anderem bedrängt,
Wort für Wort
mucyate ca aśubhaiḥ duḥkhaiḥ
wird von den unheilvollen Leiden befreit
janmakoṭisamudbhavaiḥ
die aus Millionen von Geburten entstanden sind
saṃgrāme saṃkaṭe durge
in der Schlacht, in Bedrängnis, an unzugänglichem Ort
kāntāre prāṇasaṃdehe viṣavahnijaleṣu ca / rājādibhyaḥ samudrebhyo graharogādipīḍite //
in der Wildnis, in Lebensgefahr, in Gift, Feuer und Wasser, vor Königen und anderem, vor den Ozeanen, von Planetengeistern, Krankheit und anderem bedrängt,
Wort für Wort
kāntāre prāṇasaṃdehe
in der Wildnis, in Lebensgefahr
viṣavahnijaleṣu ca
und in Gift, Feuer und Wasser
rājādibhyaḥ samudrebhyaḥ
vor Königen und anderem, vor den Ozeanen
graharogādipīḍite
von Planetengeistern, Krankheit und anderem bedrängt
— ebenso vergehen bei seinem Anblick alle Bedrängnisse. Die [magische] Pille, die Augensalbe, die Pātāla-[Schätze], die Zaubersandalen und das Elixier —
Wort für Wort
tathā saṃdarśane tasya
ebenso bei seinem Anblick
vināśaṃ yānti upadravāḥ
vergehen die Bedrängnisse
guṭikāñjanapātālapāduke ca rasāyanam
die [magische] Pille, Augensalbe, die Pātāla-[Schätze], die Zaubersandalen und das Elixier
narasiṃhe prasanne tu prāpnoty anyāṃś ca vāñchitān / yān yān kāmān abhidhyāyan bhajate narakesarīm //
— wenn Narasiṃha gnädig gestimmt ist, erlangt man sie und auch andere gewünschte Dinge; welche Wünsche auch immer man begehrend den Menschenlöwen verehrt,
— jene Wünsche erlangt der Mensch; hieran besteht kein Zweifel. Nachdem er jenen Herrn der Götter der Götter gesehen, mit Hingabe verehrt und sich verneigt hat,
Wort für Wort
tāṃs tān kāmān avāpnoti naraḥ
jene Wünsche erlangt der Mensch
na asti atra saṃśayaḥ
hieran besteht kein Zweifel
dṛṣṭvā taṃ devadeveśam
nachdem er jenen Herrn der Götter der Götter gesehen hat
— versehen mit hundert göttlichen Frauen, ertönend von göttlicher Gandharva-Musik, nachdem er einundzwanzig Generationen seiner Familie emporgehoben hat, wie ein Gott erfreut und glücklich,
Wort für Wort
divyastrīśatayuktena
versehen mit hundert göttlichen Frauen
divyagandharvanādinā
ertönend von göttlicher Gandharva-Musik
kulaikaviṃśam uddhṛtya
nachdem er einundzwanzig Generationen der Familie emporgehoben hat
Nach Erschöpfung seines Verdienstes hierher zurückgekehrt, in einer erlesenen Familie von Yogins, wird er ein Brahmane, kundig der vier Veden, bewandert in den Veden und Vedāṅgas; nachdem er sich der Viṣṇu-Vereinigung zugewandt hat, erlangt er sodann die Erlösung.
Wort für Wort
puṇyakṣayāt ihāyātaḥ
nach Erschöpfung seines Verdienstes hierher zurückgekehrt
pravare yogināṃ kule
in einer erlesenen Familie von Yogins
caturvedī bhaved vipro
wird er ein Brahmane, kundig der vier Veden
vedavedāṅgapāragaḥ
bewandert in den Veden und Vedāṅgas
vaiṣṇavaṃ yogam āsthāya
nachdem er sich der Viṣṇu-Vereinigung zugewandt hat
tato mokṣam avāpnuyāt
erlangt er sodann die Erlösung
[Anm.: Vers besteht ungewöhnlich aus drei Halbversen (sechs Pādas); unverändert belassen. Schließt das umfangreiche Narasiṃha-Kapitel 58 ab.]