Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 58: narasiṃhamāhātmyasādhanavidhivarṇanam Die Größe Narasiṃhas und die tantrische Sādhanā-Ordnung seiner Verehrung

Nach dem Abschluss der Kṛṣṇa-Balarāma-Subhadrā-Verehrung wendet sich der Text der im selben Tempelbezirk verehrten Narasiṃha-(Menschenlöwen-)Gestalt Viṣṇus zu. Auf die Bitte der Munis hin erklärt Brahmā ausführlich die Größe und Allmacht Narasiṃhas sowie eine detaillierte, deutlich tantrisch geprägte Sādhanā-Ordnung: Diät- und Askesevorschriften, Mantra-Japa, ein dreifach gestufter Schutz-Kavaca, ein Ritual zum Betreten eines Höhlengangs (Bila) nach Pātāla mit Begegnung himmlischer Frauen und dem Trinken eines lebensverlängernden Elixiers, sowie verschiedene magische Siddhi-Praktiken (Dreizack-Visualisierung gegen Gift und Krankheit, ein Löwenbildnis-Ritual zur Regen- und Windbeschwörung). Das Kapitel schließt mit einer erneuten Phala-śruti zum bloßen Anblick Narasiṃhas.

evaṃ dṛṣṭvā balaṃ kṛṣṇaṃ subhadrāṃ praṇipatya ca / dharmaṃ cārthaṃ ca kāmaṃ ca mokṣaṃ ca labhate dhruvam //

So, Bala(rāma), Kṛṣṇa und Subhadrā gesehen und sich verneigt habend, erlangt man gewiss Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa.

Wort für Wort
evaṃ dṛṣṭvā balaṃ kṛṣṇaṃ subhadrāṃ
so Bala, Kṛṣṇa, Subhadrā gesehen habend
praṇipatya ca
und sich verneigt habend
dharmaṃ ca artham ca kāmaṃ ca mokṣaṃ ca
Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa
labhate dhruvam
erlangt man gewiss

[Anm.: Sprecher-Tag {brahmovāca:} vor diesem Vers (Ende Kap.57). Abschluss der Pañcatīrtha-Ordnung, Übergang zur Narasiṃha-Erzählung.]

niṣkramya devatāgārāt kṛtakṛtyo bhaven naraḥ / praṇamyāyatanaṃ paścād vrajet tatra samāhitaḥ //

Nachdem er aus dem Götterhaus herausgetreten ist, wird der Mensch [seine] Aufgabe erfüllt haben; nachdem er sich verneigt hat, soll er danach gesammelt dorthin gehen.

Wort für Wort
niṣkramya devatāgārāt
aus dem Götterhaus herausgetreten
kṛtakṛtyaḥ bhavet naraḥ
wird der Mensch [seine] Aufgabe erfüllt haben
praṇamya āyatanam
sich vor dem Tempel verneigt habend
paścāt vrajet tatra samāhitaḥ
soll er danach gesammelt dorthin gehen

indranīlamayo viṣṇur yatrāste vālukāvṛtaḥ / antardhānagataṃ natvā tato viṣṇupuraṃ vrajet //

Wo der aus Indranīla (Saphir) bestehende, mit Sand bedeckte Viṣṇu weilt — nachdem er sich vor dem verborgenen [Bildnis] verneigt hat, gelangt er sodann zur Stadt Viṣṇus.

Wort für Wort
indranīlamayaḥ viṣṇuḥ
der aus Indranīla (Saphir) bestehende Viṣṇu
yatra āste vālukāvṛtaḥ
wo er, mit Sand bedeckt, weilt
antardhānagataṃ natvā
sich vor dem verborgenen [Bildnis] verneigt habend
tataḥ viṣṇupuraṃ vrajet
gelangt er sodann zur Stadt Viṣṇus

[Anm.: Bezieht sich auf das mit Sand verborgene Indranīla-(Saphir-)Bildnis Viṣṇus aus der früheren Indradyumna-Erzählung (Kap.45f.).]

sarvadevamayo yo 'sau hatavān asurottamam / sa āste tatra bho viprāḥ siṃhārdhakṛtavigrahaḥ //

Er, der aus allen Göttern Bestehende, der den besten der Asuras tötete — er weilt dort, oh Brahmanen, mit halb löwenförmiger Gestalt.

Wort für Wort
sarvadevamayaḥ yaḥ asau
er, der aus allen Göttern Bestehende
hatavān asurottamam
der den besten der Asuras tötete
sa āste tatra
er weilt dort
bho viprāḥ
oh Brahmanen
siṃhārdhakṛtavigrahaḥ
mit halb löwenförmiger Gestalt

[Anm.: Übergang zur Narasiṃha-(Menschenlöwen-)Gestalt Viṣṇus, die im Puruṣottama-Tempelbezirk ebenfalls verehrt wird.]

bhaktyā dṛṣṭvā tu taṃ devaṃ praṇamya narakesarīm / mucyate pātakair martyaḥ samastair nātra saṃśayaḥ //

Wer mit Hingabe jenen Gott, den Menschenlöwen, gesehen und sich verneigt hat, der Sterbliche wird von allen Sünden befreit — hieran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
bhaktyā dṛṣṭvā tu taṃ devam
mit Hingabe jenen Gott gesehen habend
praṇamya narakesarīm
sich vor dem Menschenlöwen verneigt habend
mucyate pātakaiḥ martyaḥ samastaiḥ
der Sterbliche wird von allen Sünden befreit
na atra saṃśayaḥ
hieran besteht kein Zweifel

narasiṃhasya ye bhaktā bhavanti bhuvi mānavāḥ / na teṣāṃ duṣkṛtaṃ kiṃcit phalaṃ syād yad yad īpsitam //

Die Menschen auf Erden, die Anhänger Narasiṃhas sind, für sie gibt es keinerlei üble Tat [mehr]; was auch immer sie begehren, das wird [ihre] Frucht.

Wort für Wort
narasiṃhasya ye bhaktāḥ bhavanti
die Anhänger Narasiṃhas sind
bhuvi mānavāḥ
die Menschen auf Erden
na teṣāṃ duṣkṛtaṃ kiṃcit
für sie gibt es keinerlei üble Tat
phalaṃ syāt yad yad īpsitam
was auch immer sie begehren, das wird [ihre] Frucht

tasmāt sarvaprayatnena narasiṃhaṃ samāśrayet / dharmārthakāmamokṣāṇāṃ phalaṃ yasmāt prayacchati //

Deshalb soll man sich mit allem Bemühen Narasiṃha zuwenden, da er die Frucht von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa gewährt.

Wort für Wort
tasmāt sarvaprayatnena
deshalb mit allem Bemühen
narasiṃhaṃ samāśrayet
soll man sich Narasiṃha zuwenden
dharmārthakāmamokṣāṇāṃ phalam
die Frucht von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa
yasmāt prayacchati
da er [sie] gewährt

māhātmyaṃ narasiṃhasya sukhadaṃ bhuvi durlabham / yathā kathayase deva tena no vismayo mahān //

'Die Größe Narasiṃhas, Glück gewährend, auf Erden schwer zu erlangen, wie du sie erzählst, Gott — dadurch ist uns großes Erstaunen [zuteilgeworden].'

Wort für Wort
māhātmyaṃ narasiṃhasya
die Größe Narasiṃhas
sukhadaṃ bhuvi durlabham
Glück gewährend, auf Erden schwer zu erlangen
yathā kathayase deva
wie du sie erzählst, Gott
tena naḥ vismayo mahān
dadurch [ist] uns großes Erstaunen [zuteilgeworden]

[Anm.: Sprecherwechsel — {munaya ūcuḥ:}, die Munis fragen Brahmā.]

prabhāvaṃ tasya devasya vistareṇa jagatpate / śrotum icchāmahe brūhi paraṃ kautūhalaṃ hi naḥ //

'Die Macht jenes Gottes möchten wir ausführlich hören, Herr der Welt; sprich, denn unsere Neugier ist groß.'

Wort für Wort
prabhāvaṃ tasya devasya
die Macht jenes Gottes
vistareṇa
ausführlich
jagatpate
Herr der Welt
śrotum icchāmahe
wir möchten hören
brūhi
sprich
paraṃ kautūhalaṃ hi naḥ
denn unsere Neugier ist groß

yathā prasīded devo 'sau narasiṃho mahābalaḥ / bhaktānām upakārāya brūhi deva namo 'stu te //

'Wie jener Gott, Narasiṃha, der gewaltig Starke, gnädig gestimmt wird, zum Nutzen der Anhänger — sprich, Gott; Verehrung sei dir.'

Wort für Wort
yathā prasīdet devaḥ asau narasiṃhaḥ mahābalaḥ
wie jener Gott Narasiṃha, der gewaltig Starke, gnädig gestimmt wird
bhaktānām upakārāya
zum Nutzen der Anhänger
brūhi deva
sprich, Gott
namaḥ astu te
Verehrung sei dir

prasādān narasiṃhasya yā bhavanty atra siddhayaḥ / brūhi tāḥ kuru cāsmākaṃ prasādaṃ prapitāmaha //

'Die Vollkommenheiten, die aus der Gnade Narasiṃhas hier entstehen — sprich sie aus, und erweise uns Gnade, Urgroßvater.'

Wort für Wort
prasādāt narasiṃhasya
aus der Gnade Narasiṃhas
yāḥ bhavanti atra siddhayaḥ
die Vollkommenheiten, die hier entstehen
brūhi tāḥ
sprich sie aus
kuru ca asmākaṃ prasādam
und erweise uns Gnade
prapitāmaha
oh Urgroßvater

śṛṇudhvaṃ tasya bho viprāḥ prabhāvaṃ gadato mama / ajitasyāprameyasya bhuktimuktipradasya ca //

'Hört, oh Brahmanen, die Macht von ihm, dem Unbesiegten, Unermesslichen, der Genuss und Erlösung gewährt, während ich sie erzähle.'

Wort für Wort
śṛṇudhvaṃ tasya
hört seine
bho viprāḥ
oh Brahmanen
prabhāvaṃ gadataḥ mama
Macht, während ich [sie] erzähle
ajitasya aprameyasya
des Unbesiegten, Unermesslichen
bhuktimuktipradasya ca
und der Genuss und Erlösung gewährt

[Anm.: Sprecherwechsel — {brahmovāca:}. Beginn der ausführlichen Narasiṃha-Sādhanā-Lehre.]

kaḥ śaknoti guṇān vaktuṃ samastāṃs tasya bho dvijāḥ / siṃhārdhakṛtadehasya pravakṣyāmi samāsataḥ //

'Wer vermag, alle seine Eigenschaften auszusprechen, oh Brahmanen, von ihm, der halb löwenförmigen Leibes ist? Ich will sie kurz erklären.'

Wort für Wort
kaḥ śaknoti guṇān vaktum samastān
wer vermag, alle Eigenschaften auszusprechen
tasya bho dvijāḥ
von ihm, oh Brahmanen
siṃhārdhakṛtadehasya
der halb löwenförmigen Leibes ist
pravakṣyāmi samāsataḥ
ich will [sie] kurz erklären

yāḥ kāścit siddhayaś cātra śrūyante daivamānuṣāḥ / prasādāt tasya tāḥ sarvāḥ sidhyanti nātra saṃśayaḥ //

Welche Vollkommenheiten auch immer hier, göttliche und menschliche, vernommen werden — durch seine Gnade werden sie alle erlangt; hieran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
yāḥ kāścit siddhayaḥ ca atra
welche Vollkommenheiten auch immer hier
śrūyante daivamānuṣāḥ
göttliche und menschliche, vernommen werden
prasādāt tasya tāḥ sarvāḥ sidhyanti
durch seine Gnade werden sie alle erlangt
na atra saṃśayaḥ
hieran besteht kein Zweifel

svarge martye ca pātāle dikṣu toye pure nage / prasādāt tasya devasya bhavaty avyāhatā gatiḥ //

Im Himmel, in der Sterblichenwelt und in Pātāla, in den Himmelsrichtungen, im Wasser, in der Stadt, auf dem Berg — durch die Gnade jenes Gottes wird der Weg ungehindert.

Wort für Wort
svarge martye ca pātāle
im Himmel, in der Sterblichenwelt und in Pātāla
dikṣu toye pure nage
in den Himmelsrichtungen, im Wasser, in der Stadt, auf dem Berg
prasādāt tasya devasya
durch die Gnade jenes Gottes
bhavati avyāhatā gatiḥ
wird der Weg ungehindert

asādhyaṃ tasya devasya nāsty atra sacarācare / narasiṃhasya bho viprāḥ sadā bhaktānukampinaḥ //

Für jenen Gott, Narasiṃha, oh Brahmanen, der stets Mitleid mit [seinen] Anhängern hat, gibt es hier nichts Unerreichbares in der beweglichen und unbeweglichen [Welt].

Wort für Wort
asādhyaṃ tasya devasya
für jenen Gott Unerreichbares
na asti atra sacarācare
gibt es hier nicht in der beweglichen und unbeweglichen [Welt]
narasiṃhasya
Narasiṃhas
bho viprāḥ
oh Brahmanen
sadā bhaktānukampinaḥ
der stets Mitleid mit [seinen] Anhängern hat

vidhānaṃ tasya vakṣyāmi bhaktānām upakārakam / yena prasīdec caivāsau siṃhārdhakṛtavigrahaḥ //

Ich will die für die Anhänger nützliche Ritualvorschrift für ihn erklären, durch die eben jener halb-löwenförmige [Gott] gnädig gestimmt wird.

Wort für Wort
vidhānaṃ tasya vakṣyāmi
ich will seine Ritualvorschrift erklären
bhaktānām upakārakam
die für die Anhänger nützliche
yena prasīdet ca eva asau
durch die eben jener gnädig gestimmt wird
siṃhārdhakṛtavigrahaḥ
der halb-löwenförmige [Gott]

śṛṇudhvaṃ muniśārdūlāḥ kalparājaṃ sanātanam / narasiṃhasya tattvaṃ ca yan na jñātaṃ surāsuraiḥ //

Hört, oh Tiger unter den Munis, den ewigen König der Kalpa-Praxis und das Wesen Narasiṃhas, das von Göttern und Dämonen nicht erkannt wird.

Wort für Wort
śṛṇudhvaṃ muniśārdūlāḥ
hört, oh Tiger unter den Munis
kalparājaṃ sanātanam
den ewigen König der Kalpa-Praxis
narasiṃhasya tattvaṃ ca
und das Wesen Narasiṃhas
yat na jñātaṃ surāsuraiḥ
das von Göttern und Dämonen nicht erkannt wird

śākayāvakamūlais tu phalapiṇyākasaktukaiḥ / payobhakṣeṇa viprendrā vartayet sādhakottamaḥ //

Der beste der Sādhakas soll sich von Gemüse, Gerste, Wurzeln, Früchten, Ölkuchen, geröstetem Mehl oder von Milchgenuss ernähren, oh Fürsten der Brahmanen.

Wort für Wort
śākayāvakamūlaiḥ tu
von Gemüse, Gerste, Wurzeln
phalapiṇyākasaktukaiḥ
Früchten, Ölkuchen, geröstetem Mehl
payobhakṣeṇa
von Milchgenuss
viprendrāḥ
oh Fürsten der Brahmanen
vartayet sādhakottamaḥ
soll sich der beste der Sādhakas ernähren

[Anm.: Beginn der detaillierten tantrischen Sādhanā-Vorschrift für die Narasiṃha-Verehrung (Diät, Askese, Mantra-Japa, Kavaca).]

kośakaupīnavāsāś ca dhyānayukto jitendriyaḥ / araṇye vijane deśe parvate sindhusaṃgame //

Und mit Lendenschurz und Hülle bekleidet, der Meditation hingegeben, die Sinne bezwungen, in der Wildnis, an einsamem Ort, auf dem Berg, am Zusammenfluss von Strömen —

Wort für Wort
kośakaupīnavāsāḥ ca
und mit Lendenschurz und Hülle bekleidet
dhyānayuktaḥ
der Meditation hingegeben
jitendriyaḥ
die Sinne bezwungen
araṇye vijane deśe
in der Wildnis, an einsamem Ort
parvate sindhusaṃgame
auf dem Berg, am Zusammenfluss von Strömen

ūṣare siddhakṣetre ca narasiṃhāśrame tathā / pratiṣṭhāpya svayaṃ vāpi pūjāṃ kṛtvā vidhānataḥ //

in salzhaltigem Ödland, an einem Siddha-Gebiet, und ebenso in der Narasiṃha-Einsiedelei — ein Bildnis selbst aufgestellt oder ein vorhandenes verehrend, die Verehrung vorschriftsmäßig vollzogen habend,

Wort für Wort
ūṣare siddhakṣetre ca
in salzhaltigem Ödland, an einem Siddha-Gebiet
narasiṃhāśrame tathā
und ebenso in der Narasiṃha-Einsiedelei
pratiṣṭhāpya svayaṃ vā api
[ein Bildnis] selbst aufgestellt habend oder auch
pūjāṃ kṛtvā vidhānataḥ
die Verehrung vorschriftsmäßig vollzogen habend

dvādaśyāṃ śuklapakṣasya upoṣya munipuṃgavāḥ / japel lakṣāṇi vai viṃśan manasā saṃyatendriyaḥ //

an der zwölften [Tithi] der hellen Monatshälfte fastend, oh Stiere unter den Munis, soll er fürwahr zwanzig Hunderttausend [Mal den Mantra] wiederholen, mit gesammeltem Geist, die Sinne gezügelt.

Wort für Wort
dvādaśyāṃ śuklapakṣasya
an der zwölften Tithi der hellen Monatshälfte
upoṣya
fastend
munipuṃgavāḥ
oh Stiere unter den Munis
japet lakṣāṇi vai viṃśat
er soll fürwahr zwanzig Hunderttausend [Mal] wiederholen
manasā saṃyatendriyaḥ
mit gesammeltem Geist, die Sinne gezügelt

upapātakayuktaś ca mahāpātakasaṃyutaḥ / mukto bhavet tato viprāḥ sādhako nātra saṃśayaḥ //

Und selbst wer mit kleineren Vergehen und mit schweren Sünden behaftet ist — der Praktizierende wird dadurch befreit, oh Brahmanen; hieran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
upapātakayuktaḥ ca
und wer mit kleineren Vergehen behaftet ist
mahāpātakasaṃyutaḥ
mit schweren Sünden verbunden
muktaḥ bhavet tataḥ
er wird dadurch befreit
viprāḥ
oh Brahmanen
sādhakaḥ na atra saṃśayaḥ
der Praktizierende, hieran besteht kein Zweifel

kṛtvā pradakṣiṇaṃ tatra narasiṃhaṃ prapūjayet / puṇyagandhādibhir dhūpaiḥ praṇamya śirasā prabhum //

Nachdem er dort die Umschreitung vollzogen hat, soll er Narasiṃha verehren, mit wohlriechenden Räucherwerken und anderem, den Herrn mit dem Haupt verneigend.

Wort für Wort
kṛtvā pradakṣiṇaṃ tatra
nachdem er dort die Umschreitung vollzogen hat
narasiṃhaṃ prapūjayet
soll er Narasiṃha verehren
puṇyagandhādibhir dhūpaiḥ
mit wohlriechenden Räucherwerken und anderem
praṇamya śirasā prabhum
den Herrn mit dem Haupt verneigend

karpūracandanāktāni jātīpuṣpāṇi mastake / pradadyān narasiṃhasya tataḥ siddhiḥ prajāyate //

Mit Kampfer und Sandel bestrichene Jātī-Blüten soll er auf das Haupt Narasiṃhas darbringen; dann entsteht Vollkommenheit.

Wort für Wort
karpūracandanāktāni
mit Kampfer und Sandel bestrichene
jātīpuṣpāṇi
Jātī-Blüten
mastake pradadyāt narasiṃhasya
soll er auf das Haupt Narasiṃhas darbringen
tataḥ siddhiḥ prajāyate
dann entsteht Vollkommenheit

bhagavān sarvakāryeṣu na kvacit pratihanyate / tejaḥ soḍhuṃ na śaktāḥ syur brahmarudrādayaḥ surāḥ //

Der Erhabene wird in keiner Angelegenheit jemals abgewiesen; selbst die Götter, angefangen mit Brahmā und Rudra, sind nicht imstande, seine Glut zu ertragen.

Wort für Wort
bhagavān sarvakāryeṣu
der Erhabene ist in allen Angelegenheiten
na kvacit pratihanyate
niemals abgewiesen
tejaḥ soḍhuṃ na śaktāḥ syuḥ
sind nicht imstande, [seine] Glut zu ertragen
brahmarudrādayaḥ surāḥ
die Götter, angefangen mit Brahmā und Rudra

kiṃ punar dānavā loke siddhagandharvamānuṣāḥ / vidyādharā yakṣagaṇāḥ sakiṃnaramahoragāḥ //

Wie viel weniger [können es ertragen] die Dānavas in der Welt, die Siddhas, Gandharvas, Menschen, die Vidyādharas, die Scharen der Yakṣas, samt den Kiṃnaras und großen Schlangenwesen.

Wort für Wort
kiṃ punar dānavāḥ loke
wie viel weniger die Dānavas in der Welt
siddhagandharvamānuṣāḥ
die Siddhas, Gandharvas, Menschen
vidyādharāḥ yakṣagaṇāḥ
die Vidyādharas, die Scharen der Yakṣas
sakiṃnaramahoragāḥ
samt den Kiṃnaras und großen Schlangenwesen

mantraṃ yān āsurān hantuṃ japanty eke 'nyasādhakāḥ / te sarve pralayaṃ yānti dṛṣṭvādityāgnivarcasaḥ //

Diejenigen anderen Praktizierenden, die einen Mantra wiederholen, um jene Dämonen zu töten — sie alle gehen zugrunde, wenn sie den mit dem Glanz von Sonne und Feuer Versehenen erblicken.

Wort für Wort
mantraṃ yān āsurān hantum
einen Mantra, um jene Dämonen zu töten
japanti eke anyasādhakāḥ
wiederholen manche andere Praktizierende
te sarve pralayaṃ yānti
sie alle gehen zugrunde
dṛṣṭvā ādityāgnivarcasaḥ
wenn sie den mit dem Glanz von Sonne und Feuer [Versehenen] erblicken

sakṛjjaptaṃ tu kavacaṃ rakṣet sarvam upadravam / dvirjaptaṃ kavacaṃ divyaṃ rakṣate devadānavāt //

Der einmal rezitierte Kavaca (Schutzmantra) bewahrt vor jedem Unheil; der zweimal rezitierte göttliche Kavaca bewahrt vor Göttern und Dānavas.

Wort für Wort
sakṛt japtaṃ tu kavacam
der einmal rezitierte Kavaca
rakṣet sarvam upadravam
bewahrt vor jedem Unheil
dvis japtaṃ kavacaṃ divyam
der zweimal rezitierte göttliche Kavaca
rakṣate devadānavāt
bewahrt vor Göttern und Dānavas

[Anm.: Beginn der Kavaca-(Schutzmantra-)Lehre.]

gandharvāḥ kiṃnarā yakṣā vidyādharamahoragāḥ / bhūtāḥ piśācā rakṣāṃsi ye cānye paripanthinaḥ //

Gandharvas, Kiṃnaras, Yakṣas, Vidyādharas, große Schlangenwesen, Bhūtas, Piśācas, Rākṣasas, und welche anderen Widersacher es sonst gibt —

Wort für Wort
gandharvāḥ kiṃnarā yakṣāḥ
Gandharvas, Kiṃnaras, Yakṣas
vidyādharamahoragāḥ
Vidyādharas, große Schlangenwesen
bhūtāḥ piśācā rakṣāṃsi
Bhūtas, Piśācas, Rākṣasas
ye ca anye paripanthinaḥ
und welche anderen Widersacher es sonst gibt

trirjaptaṃ kavacaṃ divyam abhedyaṃ ca surāsuraiḥ / dvādaśābhyantare caiva yojanānāṃ dvijottamāḥ //

— vor all diesen bewahrt der dreimal rezitierte göttliche Kavaca, unangreifbar auch für Götter und Dämonen, und zwar innerhalb von zwölf Yojana, oh beste der Brahmanen,

Wort für Wort
trir japtaṃ kavacaṃ divyam
der dreimal rezitierte göttliche Kavaca
abhedyaṃ ca surāsuraiḥ
unangreifbar auch für Götter und Dämonen
dvādaśa abhyantare ca eva yojanānām
und zwar innerhalb von zwölf Yojana
dvijottamāḥ
oh beste der Brahmanen

rakṣate bhagavān devo narasiṃho mahābalaḥ / tato gatvā biladvāram upoṣya rajanītrayam //

— schützt der erhabene Gott Narasiṃha, der gewaltig Starke. Danach, zum Höhleneingang gegangen, drei Nächte lang gefastet habend,

Wort für Wort
rakṣate bhagavān devo narasiṃho mahābalaḥ
schützt der erhabene Gott Narasiṃha, der gewaltig Starke
tato gatvā biladvāram
danach zum Höhleneingang gegangen
upoṣya rajanītrayam
drei Nächte lang gefastet habend

[Anm.: Übergang zur eigentlichen Sādhanā des Höhleneingangs (Bila) nach Pātāla — ein tantrisches Ritual, das deutlich von der übrigen, eher devotionalen Erzählung dieses Purāṇa-Abschnitts absticht.]

palāśakāṣṭhaiḥ prajvālya bhagavantaṃ hutāśanam / palāśasamidhas tatra juhuyāt trimadhuplutāḥ //

— den erhabenen Opferfeuer-Gott mit Palāśa-Holz entzündet habend, soll er dort mit Palāśa-Brennholz, in die drei Süßstoffe getaucht, opfern.

Wort für Wort
palāśakāṣṭhaiḥ prajvālya
mit Palāśa-Holz entzündet habend
bhagavantaṃ hutāśanam
den erhabenen Opferfeuer-Gott
palāśasamidhaḥ tatra juhuyāt
soll er dort mit Palāśa-Brennholz opfern
trimadhuplutāḥ
in die drei Süßstoffe getaucht

dve śate dvijaśārdūlā vaṣaṭkāreṇa sādhakaḥ / tato vivaradvāraṃ tu prakaṭaṃ jāyate kṣaṇāt //

Zweihundertmal, oh Tiger unter den Brahmanen, mit dem Vaṣaṭ-Ruf, der Praktizierende — dann wird die Öffnung des Höhleneingangs binnen eines Augenblicks sichtbar.

Wort für Wort
dve śate
zweihundertmal
dvijaśārdūlāḥ
oh Tiger unter den Brahmanen
vaṣaṭkāreṇa sādhakaḥ
mit dem Vaṣaṭ-Ruf, der Praktizierende
tato vivaradvāraṃ tu
dann die Öffnung des Höhleneingangs
prakaṭaṃ jāyate kṣaṇāt
wird binnen eines Augenblicks sichtbar

tato viśet tu niḥśaṅkaṃ kavacī vivaraṃ budhaḥ / gacchataḥ saṃkaṭaṃ tasya tamomohaś ca naśyati //

Dann soll der Kluge, mit dem Kavaca geschützt, ohne Zögern in die Öffnung eintreten; während er durch die Enge geht, vergehen seine Finsternis und Verwirrung.

Wort für Wort
tato viśet tu niḥśaṅkam
dann soll er ohne Zögern eintreten
kavacī vivaraṃ budhaḥ
der Kluge, mit dem Kavaca [geschützt], in die Öffnung
gacchataḥ saṃkaṭaṃ tasya
während er durch dessen Enge geht
tamomohaḥ ca naśyati
vergehen [seine] Finsternis und Verwirrung

rājamārgaḥ suvistīrṇo dṛśyate bhramarājitaḥ / narasiṃhaṃ smaraṃs tatra pātālaṃ viśate dvijāḥ //

Ein überaus breiter Königsweg, von Bienen umschwärmt, wird sichtbar; an Narasiṃha denkend, betritt er dort Pātāla, oh Brahmanen.

Wort für Wort
rājamārgaḥ suvistīrṇaḥ
ein überaus breiter Königsweg
dṛśyate bhramarājitaḥ
wird sichtbar, von Bienen umschwärmt
narasiṃhaṃ smaran tatra
an Narasiṃha denkend dort
pātālaṃ viśate dvijāḥ
betritt er Pātāla, oh Brahmanen

gatvā tatra japet tattvaṃ narasiṃhākhyam avyayam / tataḥ strīṇāṃ sahasrāṇi vīṇāvādanakarmaṇām //

Dorthin gegangen, soll er das unvergängliche, „Narasiṃha“ genannte Wesen (den Mantra) wiederholen; dann [erscheinen] Tausende von Frauen, die die Vīṇā spielen,

Wort für Wort
gatvā tatra japet
dorthin gegangen, soll er wiederholen
tattvaṃ narasiṃhākhyam avyayam
das unvergängliche, 'Narasiṃha' genannte Wesen (den Mantra)
tataḥ strīṇāṃ sahasrāṇi
dann Tausende von Frauen
vīṇāvādanakarmaṇām
die die Vīṇā spielen

nirgacchanti puro viprāḥ svāgataṃ tā vadanti ca / praveśayanti tā haste gṛhītvā sādhakeśvaram //

— treten hervor, oh Brahmanen, und sie sprechen „Willkommen!“; sie führen den Herrn der Sādhakas, ihn bei der Hand ergreifend, hinein.

Wort für Wort
nirgacchanti puro viprāḥ
sie treten hervor, oh Brahmanen
svāgataṃ tā vadanti ca
und sie sprechen 'Willkommen!'
praveśayanti tā
sie führen [ihn] hinein
haste gṛhītvā sādhakeśvaram
den Herrn der Sādhakas bei der Hand ergriffen habend

tato rasāyanaṃ divyaṃ pāyayanti dvijottamāḥ / pītamātre divyadeho jāyate sumahābalaḥ //

Dann lassen sie ihn ein göttliches Elixier trinken, oh beste der Brahmanen; sobald es getrunken ist, entsteht ein göttlicher Körper von überaus großer Kraft.

Wort für Wort
tato rasāyanaṃ divyam
dann ein göttliches Elixier
pāyayanti dvijottamāḥ
lassen sie [ihn] trinken, oh beste der Brahmanen
pītamātre
sobald es getrunken ist
divyadeho jāyate sumahābalaḥ
entsteht ein göttlicher Körper von überaus großer Kraft

krīḍate saha kanyābhir yāvad ābhūtasaṃplavam / bhinnadeho vāsudeve līyate nātra saṃśayaḥ //

Er spielt mit den Jungfrauen bis zur nächsten Weltauflösung; [danach], den Körper verlassend, geht er in Vāsudeva ein; hieran besteht kein Zweifel.

Wort für Wort
krīḍate saha kanyābhiḥ
er spielt mit den Jungfrauen
yāvat ābhūtasaṃplavam
bis zur nächsten Weltauflösung
bhinnadehaḥ vāsudeve līyate
den Körper verlassend, geht er in Vāsudeva ein
na atra saṃśayaḥ
hieran besteht kein Zweifel

yadā na rocate vāsas tasmān nirgacchate punaḥ / paṭṭaṃ śūlaṃ ca khaḍgaṃ ca rocanāṃ ca maṇiṃ tathā //

Wenn ihm aber der Aufenthalt nicht mehr gefällt, tritt er wiederum von dort heraus — mit Seidentuch, Dreizack, Schwert, [magischem] Gorochana-Pigment und Juwel,

Wort für Wort
yadā na rocate vāsaḥ
wenn ihm der Aufenthalt nicht gefällt
tasmāt nirgacchate punaḥ
tritt er wiederum von dort heraus
paṭṭaṃ śūlaṃ ca khaḍgaṃ ca
mit Seidentuch, Dreizack und Schwert
rocanāṃ ca maṇiṃ tathā
und Gorochana-Pigment und Juwel

rasaṃ rasāyanaṃ caiva pādukāñjanam eva ca / kṛṣṇājinaṃ muniśreṣṭhā guṭikāṃ ca manoharām //

— Quecksilber(-Präparat) und Elixier, Zaubersandalen und Augensalbe, das schwarze Antilopenfell, oh beste der Munis, und eine bezaubernde [magische] Pille,

Wort für Wort
rasaṃ rasāyanaṃ ca eva
Quecksilber(-Präparat) und Elixier
pādukāñjanam eva ca
Zaubersandalen und Augensalbe
kṛṣṇājinam
das schwarze Antilopenfell
muniśreṣṭhāḥ
oh beste der Munis
guṭikāṃ ca manoharām
und eine bezaubernde [magische] Pille

kamaṇḍaluṃ cākṣasūtraṃ yaṣṭiṃ saṃjīvanīṃ tathā / siddhavidyāṃ ca śāstrāṇi gṛhītvā sādhakeśvaraḥ //

— mit Wasserkrug und Gebetskette, einem lebenspendenden Stab, sowie vollendetem Wissen und magischen Lehrschriften — all dies ergriffen habend, der Herr der Sādhakas,

Wort für Wort
kamaṇḍalum ca akṣasūtram
Wasserkrug und Gebetskette
yaṣṭiṃ saṃjīvanīṃ tathā
und einen lebenspendenden Stab
siddhavidyāṃ ca śāstrāṇi
und vollendetes Wissen und Lehrschriften
gṛhītvā sādhakeśvaraḥ
ergriffen habend, der Herr der Sādhakas

[Anm.: V41-43 zählen eine Reihe klassischer tantrischer Siddhi-Objekte auf (Zaubersandalen, magische Pille, Elixier u.a.), die der erfolgreiche Sādhaka aus Pātāla mitbringt.]

jvaladvahnisphuliṅkormi- veṣṭitaṃ triśikhaṃ hṛdi / sakṛn nyastaṃ dahet sarvaṃ vṛjinaṃ janmakoṭijam //

— [tritt heraus]. Der Dreizack, von Wogen loderndsprühender Feuerfunken umgeben, einmal ans Herz gelegt, verbrennt alle aus Millionen von Geburten stammende Sünde.

Wort für Wort
jvaladvahnisphuliṅgormiveṣṭitam
von Wogen loderndsprühender Feuerfunken umgeben
triśikham
der Dreizack (mit den drei Spitzen)
hṛdi sakṛt nyastam
einmal ans Herz gelegt
dahet sarvaṃ vṛjinam
verbrennt alle Sünde
janmakoṭijam
aus Millionen von Geburten stammende

viṣe nyastaṃ viṣaṃ hanyāt kuṣṭhaṃ hanyāt tanau sthitam / svadehe bhrūṇahatyādi kṛtvā divyena śudhyati //

In Gift gelegt, vernichtet er das Gift; auf den Körper gelegt vernichtet er Hautkrankheit; selbst wenn man Fötusmord und ähnliches begangen hat, wird man durch das göttliche [Instrument] gereinigt.

Wort für Wort
viṣe nyastaṃ
in Gift gelegt
viṣaṃ hanyāt
vernichtet er das Gift
kuṣṭhaṃ hanyāt tanau sthitam
vernichtet er die auf dem Körper befindliche Hautkrankheit
svadehe bhrūṇahatyādi kṛtvā
selbst wenn man Fötusmord u.ä. begangen hat
divyena śudhyati
wird man durch das göttliche [Instrument] gereinigt

mahāgrahagṛhīteṣu jvalamānaṃ vicintayet / hṛdante vai tataḥ śīghraṃ naśyeyur dāruṇā grahāḥ //

Bei von großen [dämonischen] Planetengeistern Ergriffenen soll man sich [den Dreizack] als lodernd, am Herzen [angelegt] vorstellen; dadurch schwinden rasch die schrecklichen Graha-Dämonen.

Wort für Wort
mahāgrahagṛhīteṣu
bei von großen Graha-Dämonen Ergriffenen
jvalamānaṃ vicintayet
soll man sich [ihn] als lodernd vorstellen
hṛdante vai
fürwahr am Herzen
tataḥ śīghraṃ naśyeyuḥ dāruṇā grahāḥ
dadurch schwinden rasch die schrecklichen Graha-Dämonen

bālānāṃ kaṇṭhake baddhaṃ rakṣā bhavati nityaśaḥ / gaṇḍapiṇḍakalūtānāṃ nāśanaṃ kurute dhruvam //

Am Hals von Kindern befestigt, wird er zum beständigen Schutz; die Vernichtung von Geschwülsten, Knoten und der Krankheit Lūta bewirkt er gewiss.

Wort für Wort
bālānāṃ kaṇṭhake baddham
am Hals von Kindern befestigt
rakṣā bhavati nityaśaḥ
wird [er] zum beständigen Schutz
gaṇḍapiṇḍakalūtānāṃ nāśanaṃ
die Vernichtung von Geschwülsten, Knoten und Lūta-Krankheit
kurute dhruvam
bewirkt er gewiss

vyādhijāte samidbhiś ca ghṛtakṣīreṇa homayet / trisaṃdhyaṃ māsam ekaṃ tu sarvarogān vināśayet //

Bei entstandener Krankheit soll man mit Brennhölzern und mit Ghee-Milch opfern; einen Monat lang, zu den drei Tageszeiten, vernichtet dies alle Krankheiten.

Wort für Wort
vyādhijāte
bei entstandener Krankheit
samidbhiḥ ca ghṛtakṣīreṇa homayet
soll man mit Brennhölzern und mit Ghee-Milch opfern
trisaṃdhyaṃ māsam ekaṃ tu
einen Monat lang, zu den drei Tageszeiten
sarvarogān vināśayet
vernichtet [dies] alle Krankheiten

asādhyaṃ tu na paśyāmi trailokye sacarācare / yāṃ yāṃ kāmayate siddhiṃ tāṃ tāṃ prāpnoti sa dhruvam //

Ich sehe nichts Unerreichbares in der dreifachen Welt mit ihrem Beweglichen und Unbeweglichen; welche Vollkommenheit auch immer er begehrt, jene erlangt er gewiss.

Wort für Wort
asādhyaṃ tu na paśyāmi
ich sehe nichts Unerreichbares
trailokye sacarācare
in der dreifachen Welt mit ihrem Beweglichen und Unbeweglichen
yāṃ yāṃ kāmayate siddhim
welche Vollkommenheit auch immer er begehrt
tāṃ tāṃ prāpnoti sa dhruvam
jene erlangt er gewiss

aṣṭottaraśataṃ tv eke pūjayitvā mṛgādhipam / mṛttikāḥ sapta valmīke śmaśāne ca catuṣpathe //

Manche Praktizierende, nachdem sie den Herrn der Tiere hundertundacht Mal verehrt haben, [nehmen] sieben Erdproben — vom Ameisenhügel, vom Leichenverbrennungsplatz und von der Kreuzung vierer Wege —

Wort für Wort
aṣṭottaraśataṃ tu eke
manche, hundertundacht Mal
pūjayitvā mṛgādhipam
nachdem sie den Herrn der Tiere verehrt haben
mṛttikāḥ sapta
sieben Erdproben
valmīke śmaśāne ca catuṣpathe
vom Ameisenhügel, vom Leichenverbrennungsplatz und von der Kreuzung vierer Wege

[Anm.: Beginn einer weiteren, eigenständigen magischen Rezeptur (Löwenbildnis aus Erdproben u.a., V50-57) innerhalb der Narasiṃha-Sādhanā.]

raktacandanasaṃmiśrā gavāṃ kṣīreṇa loḍayet / siṃhasya pratimāṃ kṛtvā pramāṇena ṣaḍaṅgulām //

— mit rotem Sandelholz vermischt, soll man mit Kuhmilch verrühren; ein Löwenbildnis von sechs Fingerbreiten Maß formend,

Wort für Wort
raktacandanasaṃmiśrāḥ
mit rotem Sandelholz vermischt
gavāṃ kṣīreṇa loḍayet
soll man mit Kuhmilch verrühren
siṃhasya pratimāṃ kṛtvā
ein Löwenbildnis formend
pramāṇena ṣaḍaṅgulām
von sechs Fingerbreiten Maß

limpet tathā bhūrjapattre rocanayā samālikhet / narasiṃhasya kaṇṭhe tu baddhvā caiva hi mantravit //

— soll man [damit das Bildnis] bestreichen, und ebenso auf Birkenrinde mit Gorochana-Pigment [den Mantra] aufzeichnen; der Mantra-Kenner soll es dann am Hals [des Bildnisses] von Narasiṃha befestigen.

Wort für Wort
limpet tathā
soll man [damit] bestreichen
bhūrjapattre rocanayā samālikhet
und auf Birkenrinde mit Gorochana-Pigment aufzeichnen
narasiṃhasya kaṇṭhe tu baddhvā
am Hals Narasiṃhas befestigt habend
ca eva hi mantravit
und der Mantra-Kenner fürwahr

japet saṃkhyāvihīnaṃ tu pūjayitvā jalāśaye / yāvat saptāhamātraṃ tu japet saṃyamitendriyaḥ //

Er soll ohne feste Zählung wiederholen, nachdem er [das Bildnis] an einem Wasserbecken verehrt hat; eine ganze Woche lang soll er, die Sinne gezügelt, wiederholen.

Wort für Wort
japet saṃkhyāvihīnaṃ tu
er soll ohne feste Zählung wiederholen
pūjayitvā jalāśaye
nachdem er am Wasserbecken verehrt hat
yāvat saptāhamātraṃ tu
eine ganze Woche lang
japet saṃyamitendriyaḥ
soll er, die Sinne gezügelt, wiederholen

jalākīrṇā muhūrtena jāyate sarvamedinī / athavā śuṣkavṛkṣāgre narasiṃhaṃ tu pūjayet //

Binnen eines Augenblicks wird die ganze Erde von Wasser überflutet. Oder aber, an der Spitze eines verdorrten Baumes, soll man Narasiṃha verehren.

Wort für Wort
jalākīrṇā
von Wasser überflutet
muhūrtena jāyate sarvamedinī
binnen eines Augenblicks wird die ganze Erde
athavā śuṣkavṛkṣāgre
oder aber an der Spitze eines verdorrten Baumes
narasiṃhaṃ tu pūjayet
soll man Narasiṃha verehren

japtvā cāṣṭaśataṃ tattvaṃ varṣantaṃ vinivārayet / tam evaṃ piñjake baddhvā bhrāmayet sādhakottamaḥ //

Und nachdem er den Mantra hundertundacht Mal wiederholt hat, kann er den Regen abwehren; nachdem er [das Bildnis] so an einem Kabelbündel befestigt hat, soll der beste Sādhaka es schwenken.

Wort für Wort
japtvā ca aṣṭaśatam
und nachdem er hundertundacht Mal wiederholt hat
tattvam
das Wesen (den Mantra)
varṣantaṃ vinivārayet
kann er den Regnenden (Regen) abwehren
tam evaṃ piñjake baddhvā
ihn so an einem Kabelbündel befestigt habend
bhrāmayet sādhakottamaḥ
soll der beste Sādhaka [ihn] schwenken

[Anm.: V55-57 beschreiben magische Wetter- und Vergrabungsriten (Regenabwehr, Windbeschwörung, ein schädigendes bzw. friedenstiftendes Vergrabungsritual) — auffällig magisch-tantrischer Charakter dieses Kapitelabschnitts.]

mahāvāto muhūrtena āgacchen nātra saṃśayaḥ / punaś ca dhārayet kṣipraṃ saptasaptena vāriṇā //

Ein gewaltiger Wind wird binnen eines Augenblicks aufkommen; hieran besteht kein Zweifel. Und wiederum soll man rasch mit siebenmal sieben [Krügen] Wasser [ihn] stillen.

Wort für Wort
mahāvātaḥ muhūrtena āgacchet
ein gewaltiger Wind wird binnen eines Augenblicks aufkommen
na atra saṃśayaḥ
hieran besteht kein Zweifel
punaś ca dhārayet kṣipram
und wiederum soll man rasch stillen/beruhigen
saptasaptena vāriṇā
mit siebenmal sieben [Krügen] Wasser

atha tāṃ pratimāṃ dvāri nikhaned yasya sādhakaḥ / gotrotsādo bhavet tasya uddhṛte caiva śāntidaḥ //

Sodann, wenn der Praktizierende jenes Bildnis am Tor [eines Hauses] vergräbt, entsteht die Vernichtung von dessen [Bewohners] Familie[-Linie]; wird es wieder ausgegraben, so bringt es Frieden.

Wort für Wort
atha tāṃ pratimāṃ dvāri nikhanet
sodann, wenn er jenes Bildnis am Tor vergräbt
yasya sādhakaḥ
[an wessen Tor] der Praktizierende
gotrotsādo bhavet tasya
entsteht die Vernichtung von dessen Familie[-Linie]
uddhṛte ca eva śāntidaḥ
wird es [wieder] ausgegraben, so bringt es Frieden

tasmāt taṃ muniśārdūlā bhaktyā saṃpūjayet sadā / mṛgarājaṃ mahāvīryaṃ sarvakāmaphalapradam //

Deshalb soll man, oh Tiger unter den Munis, jenen Löwenkönig, von großer Kraft, alle Wunschfrüchte Gewährenden, stets mit Hingabe verehren.

Wort für Wort
tasmāt taṃ muniśārdūlāḥ
deshalb, oh Tiger unter den Munis
bhaktyā saṃpūjayet sadā
soll man stets mit Hingabe verehren
mṛgarājaṃ mahāvīryam
den Löwenkönig, von großer Kraft
sarvakāmaphalapradam
alle Wunschfrüchte Gewährenden

vimuktaḥ sarvapāpebhyo viṣṇulokaṃ sa gacchati / brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ striyaḥ śūdrāntyajātayaḥ //

Von allen Sünden befreit, gelangt er zur Welt Viṣṇus. Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas, Frauen, Śūdras und die niedrigen Kasten —

Wort für Wort
vimuktaḥ sarvapāpebhyaḥ
von allen Sünden befreit
viṣṇulokaṃ sa gacchati
er gelangt zur Welt Viṣṇus
brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ
Brahmanen, Kṣatriyas, Vaiśyas
striyaḥ śūdrāntyajātayaḥ
Frauen, Śūdras und die niedrigen Kasten

saṃpūjya taṃ suraśreṣṭhaṃ bhaktyā siṃhavapurdharam / mucyante cāśubhair duḥkhair janmakoṭisamudbhavaiḥ //

— nachdem sie jenen besten der Götter, der eine Löwengestalt trägt, mit Hingabe verehrt haben, werden sie von den unheilvollen Leiden befreit, die aus Millionen von Geburten entstanden sind.

Wort für Wort
saṃpūjya taṃ suraśreṣṭham
nachdem sie jenen besten der Götter verehrt haben
bhaktyā siṃhavapurdharam
mit Hingabe, der eine Löwengestalt trägt
mucyante ca aśubhaiḥ duḥkhaiḥ
werden sie von den unheilvollen Leiden befreit
janmakoṭisamudbhavaiḥ
die aus Millionen von Geburten entstanden sind

[Anm.: Ab hier kehrt der Text zum devotionalen, alle Kasten und Geschlechter einschließenden Ton der übrigen Kapitel zurück.]

saṃpūjya taṃ suraśreṣṭhaṃ prāpnuvanty abhivāñchitam / devatvam amareśatvaṃ gandharvatvaṃ ca bho dvijāḥ //

Nachdem sie jenen besten der Götter verehrt haben, erlangen sie das Ersehnte: Götterstand, Herrschaft über die Unsterblichen, Gandharva-Stand, oh Brahmanen,

Wort für Wort
saṃpūjya taṃ suraśreṣṭham
nachdem sie jenen besten der Götter verehrt haben
prāpnuvanti abhivāñchitam
erlangen sie das Ersehnte
devatvam amareśatvaṃ
Götterstand, Herrschaft über die Unsterblichen
gandharvatvaṃ ca
und Gandharva-Stand
bho dvijāḥ
oh Brahmanen

yakṣavidyādharatvaṃ ca tathānyac cābhivāñchitam / dṛṣṭvā stutvā namaskṛtvā saṃpūjya narakesarīm //

— und Yakṣa- und Vidyādhara-Stand, und ebenso anderes Ersehnte, indem sie den Menschenlöwen sehen, preisen, sich verneigen und verehren.

Wort für Wort
yakṣavidyādharatvaṃ ca
und Yakṣa- und Vidyādhara-Stand
tathā anyat ca abhivāñchitam
und ebenso anderes Ersehnte
dṛṣṭvā stutvā namaskṛtvā saṃpūjya
indem sie sehen, preisen, sich verneigen und verehren
narakesarīm
den Menschenlöwen

prāpnuvanti narā rājyaṃ svargaṃ mokṣaṃ ca durlabham / narasiṃhaṃ naro dṛṣṭvā labhed abhimataṃ phalam //

— erlangen die Menschen Königreich, Himmel und die schwer erreichbare Erlösung. Wer Narasiṃha gesehen hat, erlangt die gewünschte Frucht.

Wort für Wort
prāpnuvanti narā rājyaṃ
die Menschen erlangen Königreich
svargaṃ mokṣaṃ ca durlabham
Himmel und die schwer erreichbare Erlösung
narasiṃhaṃ naro dṛṣṭvā
wer, ein Mensch, Narasiṃha gesehen hat
labhet abhimataṃ phalam
erlangt die gewünschte Frucht

nirmuktaḥ sarvapāpebhyo viṣṇulokaṃ sa gacchati / sakṛd dṛṣṭvā tu taṃ devaṃ bhaktyā siṃhavapurdharam //

Von allen Sünden befreit, gelangt er zur Welt Viṣṇus. Wer jenen Gott, der eine Löwengestalt trägt, auch nur einmal mit Hingabe gesehen hat,

Wort für Wort
nirmuktaḥ sarvapāpebhyaḥ
von allen Sünden befreit
viṣṇulokaṃ sa gacchati
er gelangt zur Welt Viṣṇus
sakṛt dṛṣṭvā tu taṃ devam
wer jenen Gott auch nur einmal gesehen hat
bhaktyā siṃhavapurdharam
mit Hingabe, der eine Löwengestalt trägt

mucyate cāśubhair duḥkhair janmakoṭisamudbhavaiḥ / saṃgrāme saṃkaṭe durge coravyāghrādipīḍite //

— wird von den unheilvollen Leiden befreit, die aus Millionen von Geburten entstanden sind. In der Schlacht, in Bedrängnis, an unzugänglichem Ort, von Räubern, Tigern und anderem bedrängt,

Wort für Wort
mucyate ca aśubhaiḥ duḥkhaiḥ
wird von den unheilvollen Leiden befreit
janmakoṭisamudbhavaiḥ
die aus Millionen von Geburten entstanden sind
saṃgrāme saṃkaṭe durge
in der Schlacht, in Bedrängnis, an unzugänglichem Ort
coravyāghrādipīḍite
von Räubern, Tigern und anderem bedrängt

kāntāre prāṇasaṃdehe viṣavahnijaleṣu ca / rājādibhyaḥ samudrebhyo graharogādipīḍite //

in der Wildnis, in Lebensgefahr, in Gift, Feuer und Wasser, vor Königen und anderem, vor den Ozeanen, von Planetengeistern, Krankheit und anderem bedrängt,

Wort für Wort
kāntāre prāṇasaṃdehe
in der Wildnis, in Lebensgefahr
viṣavahnijaleṣu ca
und in Gift, Feuer und Wasser
rājādibhyaḥ samudrebhyaḥ
vor Königen und anderem, vor den Ozeanen
graharogādipīḍite
von Planetengeistern, Krankheit und anderem bedrängt

smṛtvā taṃ puruṣaḥ sarvai rājagrāmair vimucyate / sūryodaye yathā nāśaṃ tamo 'bhyeti mahattaram //

— wird der Mensch, wenn er sich seiner erinnert, von all diesen [Gefahren] befreit; wie beim Sonnenaufgang selbst tiefste Finsternis vergeht,

Wort für Wort
smṛtvā taṃ puruṣaḥ
wenn sich der Mensch seiner erinnert
sarvaiḥ rājagrāmaiḥ vimucyate
[?] wird er von all diesen [Gefahren] befreit
sūryodaye yathā nāśaṃ
wie beim Sonnenaufgang das Vergehen
tamaḥ abhyeti mahattaram
selbst tiefste Finsternis eintritt

[?: 'rājagrāmaiḥ' unklare Wortform; sinngemäß als 'all diese [aufgezählten Gefahren und Bedrängnisse]' wiedergegeben.]

tathā saṃdarśane tasya vināśaṃ yānty upadravāḥ / guṭikāñjanapātāla- pāduke ca rasāyanam //

— ebenso vergehen bei seinem Anblick alle Bedrängnisse. Die [magische] Pille, die Augensalbe, die Pātāla-[Schätze], die Zaubersandalen und das Elixier —

Wort für Wort
tathā saṃdarśane tasya
ebenso bei seinem Anblick
vināśaṃ yānti upadravāḥ
vergehen die Bedrängnisse
guṭikāñjanapātālapāduke ca rasāyanam
die [magische] Pille, Augensalbe, die Pātāla-[Schätze], die Zaubersandalen und das Elixier

narasiṃhe prasanne tu prāpnoty anyāṃś ca vāñchitān / yān yān kāmān abhidhyāyan bhajate narakesarīm //

— wenn Narasiṃha gnädig gestimmt ist, erlangt man sie und auch andere gewünschte Dinge; welche Wünsche auch immer man begehrend den Menschenlöwen verehrt,

Wort für Wort
narasiṃhe prasanne tu
wenn Narasiṃha gnädig gestimmt ist
prāpnoti anyān ca vāñchitān
erlangt man auch andere gewünschte [Dinge]
yān yān kāmān abhidhyāyan
welche Wünsche auch immer begehrend
bhajate narakesarīm
man den Menschenlöwen verehrt

tāṃs tān kāmān avāpnoti naro nāsty atra saṃśayaḥ / dṛṣṭvā taṃ devadeveśaṃ bhaktyāpūjya praṇamya ca //

— jene Wünsche erlangt der Mensch; hieran besteht kein Zweifel. Nachdem er jenen Herrn der Götter der Götter gesehen, mit Hingabe verehrt und sich verneigt hat,

Wort für Wort
tāṃs tān kāmān avāpnoti naraḥ
jene Wünsche erlangt der Mensch
na asti atra saṃśayaḥ
hieran besteht kein Zweifel
dṛṣṭvā taṃ devadeveśam
nachdem er jenen Herrn der Götter der Götter gesehen hat
bhaktyā pūjya praṇamya ca
mit Hingabe verehrt und sich verneigt habend

daśānām aśvamedhānāṃ phalaṃ daśaguṇaṃ labhet / pāpaiḥ sarvair vinirmukto guṇaiḥ sarvair alaṃkṛtaḥ //

— erlangt er das Zehnfache der Frucht von zehn Pferdeopfern; von allen Sünden befreit, mit allen guten Eigenschaften geschmückt,

Wort für Wort
daśānām aśvamedhānāṃ phalam
die Frucht von zehn Pferdeopfern
daśaguṇaṃ labhet
erlangt er zehnfach
pāpaiḥ sarvaiḥ vinirmuktaḥ
von allen Sünden befreit
guṇaiḥ sarvaiḥ alaṃkṛtaḥ
mit allen guten Eigenschaften geschmückt

sarvakāmasamṛddhātmā jarāmaraṇavarjitaḥ / sauvarṇena vimānena kiṅkiṇījālamālinā //

— an Seele reich an allen Wünschen, frei von Alter und Tod, mit einem goldenen Himmelswagen, behangen mit einem Netz von Glöckchen,

Wort für Wort
sarvakāmasamṛddhātmā
an Seele reich an allen Wünschen
jarāmaraṇavarjitaḥ
frei von Alter und Tod
sauvarṇena vimānena
mit einem goldenen Himmelswagen
kiṅkiṇījālamālinā
behangen mit einem Netz von Glöckchen

sarvakāmasamṛddhena kāmagena suvarcasā / taruṇādityavarṇena muktāhārāvalambinā //

— reich an allen Wünschen, nach Belieben fliegend, glanzvoll, von der Farbe der jungen Morgensonne, mit herabhängenden Perlenketten,

Wort für Wort
sarvakāmasamṛddhena
reich an allen Wünschen
kāmagena suvarcasā
nach Belieben fliegend, glanzvoll
taruṇādityavarṇena
von der Farbe der jungen Morgensonne
muktāhārāvalambinā
mit herabhängenden Perlenketten

divyastrīśatayuktena divyagandharvanādinā / kulaikaviṃśam uddhṛtya devavan muditaḥ sukhī //

— versehen mit hundert göttlichen Frauen, ertönend von göttlicher Gandharva-Musik, nachdem er einundzwanzig Generationen seiner Familie emporgehoben hat, wie ein Gott erfreut und glücklich,

Wort für Wort
divyastrīśatayuktena
versehen mit hundert göttlichen Frauen
divyagandharvanādinā
ertönend von göttlicher Gandharva-Musik
kulaikaviṃśam uddhṛtya
nachdem er einundzwanzig Generationen der Familie emporgehoben hat
devavan muditaḥ sukhī
wie ein Gott erfreut und glücklich

stūyamāno 'psarobhiś ca viṣṇulokaṃ vrajen naraḥ / bhuktvā tatra varān bhogān viṣṇuloke dvijottamāḥ //

— von Apsaras gepriesen, gelangt der Mensch zur Welt Viṣṇus; dort in der Welt Viṣṇus erlesene Genüsse genießend, oh beste der Brahmanen,

Wort für Wort
stūyamānaḥ apsarobhiḥ ca
von Apsaras gepriesen
viṣṇulokaṃ vrajen naraḥ
gelangt der Mensch zur Welt Viṣṇus
bhuktvā tatra varān bhogān
dort erlesene Genüsse genießend
viṣṇuloke dvijottamāḥ
in der Welt Viṣṇus, oh beste der Brahmanen

gandharvair apsarair yuktaḥ kṛtvā rūpaṃ caturbhujam / manohlādakaraṃ saukhyaṃ yāvad ābhūtasaṃplavam //

— zusammen mit Gandharvas und Apsaras, eine vierarmige Gestalt angenommen habend, [genießt er] herzerfreuendes Glück bis zur nächsten Weltauflösung.

Wort für Wort
gandharvaiḥ apsarair yuktaḥ
zusammen mit Gandharvas und Apsaras
kṛtvā rūpaṃ caturbhujam
eine vierarmige Gestalt angenommen habend
manohlādakaraṃ saukhyaṃ
herzerfreuendes Glück
yāvat ābhūtasaṃplavam
bis zur nächsten Weltauflösung

puṇyakṣayād ihāyātaḥ pravare yogināṃ kule / caturvedī bhaved vipro vedavedāṅgapāragaḥ / vaiṣṇavaṃ yogam āsthāya tato mokṣam avāpnuyāt //

Nach Erschöpfung seines Verdienstes hierher zurückgekehrt, in einer erlesenen Familie von Yogins, wird er ein Brahmane, kundig der vier Veden, bewandert in den Veden und Vedāṅgas; nachdem er sich der Viṣṇu-Vereinigung zugewandt hat, erlangt er sodann die Erlösung.

Wort für Wort
puṇyakṣayāt ihāyātaḥ
nach Erschöpfung seines Verdienstes hierher zurückgekehrt
pravare yogināṃ kule
in einer erlesenen Familie von Yogins
caturvedī bhaved vipro
wird er ein Brahmane, kundig der vier Veden
vedavedāṅgapāragaḥ
bewandert in den Veden und Vedāṅgas
vaiṣṇavaṃ yogam āsthāya
nachdem er sich der Viṣṇu-Vereinigung zugewandt hat
tato mokṣam avāpnuyāt
erlangt er sodann die Erlösung

[Anm.: Vers besteht ungewöhnlich aus drei Halbversen (sechs Pādas); unverändert belassen. Schließt das umfangreiche Narasiṃha-Kapitel 58 ab.]

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