Kapitel 123: rāmatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Rāma-Tīrtha (Daśaratha, die Śravaṇa-Episode und Rāmas Errettung des Vaters)
Die längste bisher übersetzte Einzelerzählung (217 Verseinheiten): König Daśaratha aus dem Ikṣvāku-Geschlecht hilft im Götter-Dämonen-Krieg den Göttern zum Sieg; auf der Jagd erschießt er versehentlich in der Dunkelheit den Sohn eines blinden Waldeinsiedlerpaares (hier 'Śravaṇa'/'Vaiśravaṇa' genannt), das daraufhin ebenfalls stirbt und ihn mit drei Brahmanenmorden belädt (V.33-77). Durch Aśvamedha-Opfer gereinigt, erhält er die Söhne Rāma, Lakṣmaṇa, Bharata und Śatrughna (V.78-85); Rāma und Lakṣmaṇa beschützen Viśvāmitras Opfer, töten Tāṭakā, erlösen Ahalyā und gewinnen in Mithilā Sītā (V.86-105). Nach Kaikeyīs Intrige wird Rāma verbannt; Daśaratha stirbt an Kummer und gelangt, durch die drei Brahmanenmorde belastet, in die Höllen (V.106-115). Während Rāma durch den Daṇḍaka-Wald zur Gautamī (Godāvarī) zieht, wird der Vater durch die bloße Nähe des Sohnes aus der Hölle gezogen (V.116-138) und erscheint Rāma, Sītā und Lakṣmaṇa leibhaftig am Flussufer, wo er von seiner Lage berichtet (V.139-165). Auf Sītās und Rāmas Vorschlag sühnen alle drei gemeinsam durch Bad, Reisopfergaben (piṇḍa) und Śiva-Verehrung die drei Brahmanenmorde; Daśaratha wird sichtbar von den Göttern zum Himmel geleitet (V.166-193). Rāma preist Śiva mit einer zwölfstrophigen Hymne in besonderem Versmaß (V.195-206) und erhält von ihm Gnaden für alle künftigen Verehrer und für die Errettung fremder Vorfahren aus der Hölle (V.207-211). Ursprung des Rāma-, Bāṇa- (Pfeil-), Lakṣmaṇa- und Sītā-Tīrtha an der Gautamī. [Anm.: V.75 nennt den alten Vater selbst 'Śravaṇa' - abweichend von der bekannteren Rāmāyaṇa-Tradition, wo dieser Name dem erschossenen Sohn zukommt; V.40, V.47, V.56, V.176, V.203 und V.205 mit [?]/[Anm.]-Vermerken zu unsicheren Konstruktionen und Anspielungen.]
Brahmā sprach: 'Es wird Rāma-Tīrtha genannt, das die Sünde der Embryotötung vernichtet; durch bloßes Hören davon wird man von allen Sünden befreit.'
Wort für Wort
rāmatīrtham iti khyātaṃ bhrūṇahatyāvināśanam
es wird Rāma-Tīrtha genannt, das die Sünde der Embryotötung vernichtet
tasya śravaṇamātreṇa sarvapāpaiḥ pramucyate
durch bloßes Hören davon wird man von allen Sünden befreit
[Anm.: Beginn der langen Daśaratha-Rāma-Erzählung (Śravaṇa-Kumāra-Episode, Geburt und Exil Rāmas, Errettung des Vaters durch die Gautamī); Kap.123 umfasst 217 Einheiten.]
na ca vyādhir na durbhikṣaṃ na cāvṛṣṭir na cādhayaḥ /
brahmakṣatraviśāṃ nityaṃ śūdrāṇāṃ ca viśeṣataḥ // BrP_123.6 //
- gab es weder Krankheit noch Hungersnot, weder Regenmangel noch seelische Nöte, stets bei Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas, und besonders bei den Śūdras.
Wort für Wort
na ca vyādhir na durbhikṣaṃ na cāvṛṣṭir na cādhayaḥ
es gab weder Krankheit noch Hungersnot, weder Regenmangel noch seelische Nöte
brahmakṣatraviśāṃ nityaṃ śūdrāṇāṃ ca viśeṣataḥ
stets bei Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas, und besonders bei den Śūdras
devāṃś cāpi viśeṣeṇa na kṛtaṃ tair madīritam /
punaś ca saṃgaras teṣāṃ babhūva sumahān mithaḥ // BrP_123.10 //
- und besonders auch zu den Göttern; doch was ich sagte, wurde von ihnen nicht befolgt, und wieder entstand zwischen ihnen ein sehr großer gegenseitiger Kampf.
Wort für Wort
devāṃś cāpi viśeṣeṇa na kṛtaṃ tair madīritam
und besonders auch zu den Göttern; doch was ich sagte, wurde von ihnen nicht befolgt
punaś ca saṃgaras teṣāṃ babhūva sumahān mithaḥ
und wieder entstand zwischen ihnen ein sehr großer gegenseitiger Kampf
bhinnākṣaṃ taṃ rathaṃ rājā na jānāti sa saṃbhramāt /
rājāntike sthitā subhrūḥ kaikeyyājñāyi nārada // BrP_123.25 //
Der König bemerkte in seiner Verwirrung nicht, dass die Achse jenes Wagens gebrochen war; die schönbrauige Kaikeyī, die nahe beim König stand, bemerkte es, o Nārada.
Wort für Wort
bhinnākṣaṃ taṃ rathaṃ rājā na jānāti sa saṃbhramāt
der König bemerkte in seiner Verwirrung nicht, dass die Achse jenes Wagens gebrochen war
rājāntike sthitā subhrūḥ kaikeyyājñāyi nārada
die schönbrauige Kaikeyī, die nahe beim König stand, bemerkte es, o Nārada
Sie teilte es dem König nicht mit, sondern die Tugendhafte, selbst hinblickend, bemerkte die gebrochene Achse und legte da ihre eigene Hand (an ihre Stelle).
Wort für Wort
na jñāpitaṃ tayā rājñe svayam ālokya suvratā
sie teilte es dem König nicht mit, sondern die Tugendhafte, selbst hinblickend
bhagnam akṣaṃ samālakṣya cakre hastaṃ tadā svakam
bemerkte die gebrochene Achse und legte da ihre eigene Hand (an ihre Stelle)
akṣavan muniśārdūla tad etan mahad adbhutam /
rathena rathināṃ śreṣṭhas tayā dattakareṇa ca // BrP_123.27 //
O Tiger unter den Weisen, dies war ein großes Wunder: mit jenem Wagen, dessen Achse durch die von ihr dargebotene Hand (ersetzt war), (fuhr) der Beste der Wagenlenker -
Wort für Wort
akṣavan muniśārdūla tad etan mahad adbhutam
o Tiger unter den Weisen, dies war ein großes Wunder
rathena rathināṃ śreṣṭhas tayā dattakareṇa ca
mit jenem Wagen, dessen Achse durch die von ihr dargebotene Hand (ersetzt war), (fuhr) der Beste der Wagenlenker
jitavān daityadanujān devaiḥ prāpya varān bahūn /
tato devair anujñātas tv ayodhyāṃ punar abhyagāt // BrP_123.28 //
- besiegte er die Daitya-Dämonen, nachdem er von den Göttern viele Gaben erhalten hatte; dann, von den Göttern entlassen, kehrte er wieder nach Ayodhyā zurück.
Wort für Wort
jitavān daityadanujān devaiḥ prāpya varān bahūn
besiegte er die Daitya-Dämonen, nachdem er von den Göttern viele Gaben erhalten hatte
tato devair anujñātas tv ayodhyāṃ punar abhyagāt
dann, von den Göttern entlassen, kehrte er wieder nach Ayodhyā zurück
{brahmovāca: }
vibhūṣaṇāni rājendro dattvā sa priyayā saha /
rathena vijayī rājā yayau svanagaraṃ sukhī // BrP_123.32 //
Brahmā sprach: Nachdem der Fürst Schmuckstücke gegeben hatte, fuhr der siegreiche König zusammen mit seiner Geliebten glücklich mit dem Wagen in seine eigene Stadt.
Wort für Wort
vibhūṣaṇāni rājendro dattvā sa priyayā saha
nachdem der Fürst Schmuckstücke gegeben hatte, (fuhr) er zusammen mit seiner Geliebten
rathena vijayī rājā yayau svanagaraṃ sukhī
fuhr der siegreiche König glücklich mit dem Wagen in seine eigene Stadt
iti jānann api ca tac cakāra tu vidher vaśāt /
gartaṃ praviśya pānārtham āgatān niśitaiḥ śaraiḥ // BrP_123.35 //
Dies wissend, tat er es dennoch, durch die Macht des Schicksals; in eine Grube eindringend, (schoss er) mit scharfen Pfeilen auf die zum Trinken Herangekommenen -
Wort für Wort
iti jānann api ca tac cakāra tu vidher vaśāt
dies wissend, tat er es dennoch, durch die Macht des Schicksals
gartaṃ praviśya pānārtham āgatān niśitaiḥ śaraiḥ
in eine Grube eindringend, (schoss er) mit scharfen Pfeilen auf die zum Trinken Herangekommenen
vṛddho vaiśravaṇo nāma na śṛṇoti na paśyati /
tasya bhāryā tathābhūtā tāv abrūtāṃ tadā sutam // BrP_123.37 //
- (lebte) ein Alter namens Vaiśravaṇa, der weder hört noch sieht; seine Frau war ebenso; beide sprachen da zu ihrem Sohn.
Wort für Wort
vṛddho vaiśravaṇo nāma na śṛṇoti na paśyati
(lebte) ein Alter namens Vaiśravaṇa, der weder hört noch sieht
tasya bhāryā tathābhūtā tāv abrūtāṃ tadā sutam
seine Frau war ebenso; beide sprachen da zu ihrem Sohn
[Anm.: Der blinde und taube Waldeinsiedler wird hier 'Vaiśravaṇa' genannt; sein Sohn - in der bekannteren Rāmāyaṇa-Tradition meist 'Śravaṇa Kumāra' - bleibt hier namenlos, siehe aber V.75 zur Bezeichnung 'Śravaṇa' für den Vater.]
Vater und Mutter sprachen: 'Wir beide sind von Durst gequält, und die dunkle Nacht bricht auch herein; das ganze Leben der Alten (liegt bei dir) - du bist (unser) Kind, o Söhnchen.'
Wort für Wort
āvāṃ tṛṣārtau rātriś ca kṛṣṇā cāpi pravartate
'wir beide sind von Durst gequält, und die dunkle Nacht bricht auch herein'
vṛddhānāṃ jīvitaṃ kṛtsnaṃ bālas tvam asi putraka
'das ganze Leben der Alten (liegt bei dir) - du bist (unser) Kind, o Söhnchen'
andhānāṃ badhirāṇāṃ ca vṛddhānāṃ dhik ca jīvitam /
jarājarjaradehānāṃ dhig dhik putraka jīvitam // BrP_123.39 //
'Verflucht sei das Leben der Blinden, der Tauben, der Alten! Verflucht, verflucht sei das Leben derer, deren Körper vom Alter zermürbt ist, o Söhnchen!'
Wort für Wort
andhānāṃ badhirāṇāṃ ca vṛddhānāṃ dhik ca jīvitam
'verflucht sei das Leben der Blinden, der Tauben, der Alten'
jarājarjaradehānāṃ dhig dhik putraka jīvitam
'verflucht, verflucht sei das Leben derer, deren Körper vom Alter zermürbt ist, o Söhnchen'
'So lange sollen Männer leben, wie Glück und ein fester Körper (bestehen), so lange ihr Befehl unangefochten ist; andernfalls (ist) der Tod, am besten an einem Tīrtha (u.ä.), (vorzuziehen).'
Der Sohn sprach: 'Solange ich lebe, warum sollte euch beiden solches Leid widerfahren? Kein Sohn ist es, der durch sein Verhalten nicht den Seelenschmerz der Eltern hinwegnimmt.'
Wort für Wort
mayi jīvati kiṃ nāma yuvayor duḥkham īdṛśam
'solange ich lebe, warum sollte euch beiden solches Leid widerfahren'
na haraty ātmajaḥ pitror yaś caritrair manorujam
'kein (wahrer) Sohn ist es, der durch sein Verhalten nicht den Seelenschmerz der Eltern hinwegnimmt'
Brahmā sprach: Dies gesagt habend, sich vor den Eltern verneigend, sie tröstend, der Großgesinnte, nachdem er die beiden alten Eltern auf einen Baumstamm (eine Trage) gesetzt hatte -
Wort für Wort
ity uktvā pitarau natvā tāv āśvāsya mahāmanāḥ
dies gesagt habend, sich vor den Eltern verneigend, sie tröstend, der Großgesinnte
taruskandhe samāropya vṛddhau ca pitarau tadā
nachdem er die beiden alten Eltern auf einen Baumstamm (eine Trage) gesetzt hatte
dvijaṃ rājā dvipaṃ matvā vivyādha niśitaiḥ śaraiḥ /
vanadvipo 'pi bhūpānām avadhyas tad vidann api // BrP_123.47 //
durchbohrte der König den Zweifachgeborenen, ihn für einen Elefanten haltend, mit scharfen Pfeilen; selbst ein Waldelefant ist für Könige unverletzlich - dies wissend, dennoch -
Wort für Wort
dvijaṃ rājā dvipaṃ matvā vivyādha niśitaiḥ śaraiḥ
durchbohrte der König den Zweifachgeborenen, ihn für einen Elefanten haltend, mit scharfen Pfeilen
vanadvipo 'pi bhūpānām avadhyas tad vidann api
selbst ein Waldelefant ist für Könige unverletzlich - dies wissend, dennoch
[Anm.: Sinn des zweiten Halbverses unsicher; evtl. Hinweis auf das jagdliche Tabu, selbst Elefanten grundlos zu töten.]
vivyādha taṃ nṛpaḥ kuryān na kiṃ kiṃ vidhivañcitaḥ /
sa viddho marmadeśe tu duḥkhito vākyam abravīt // BrP_123.48 //
durchbohrte ihn der König - was würde einer, vom Schicksal getäuscht, nicht tun? Er, an einer lebenswichtigen Stelle getroffen, sprach schmerzerfüllt diese Worte.
Wort für Wort
vivyādha taṃ nṛpaḥ kuryān na kiṃ kiṃ vidhivañcitaḥ
durchbohrte ihn der König - was würde einer, vom Schicksal getäuscht, nicht tun
sa viddho marmadeśe tu duḥkhito vākyam abravīt
er, an einer lebenswichtigen Stelle getroffen, sprach schmerzerfüllt diese Worte
Der Zweifachgeborene sprach: 'Von wem wurde mir, einem rechtschaffenen Brahmanen, diese schmerzbringende Tat angetan? Ein freundlich gesinnter Brahmane genannt, gibt es keinerlei Verfehlung (meinerseits).'
Wort für Wort
kenedaṃ duḥkhadaṃ karma kṛtaṃ sadbrāhmaṇasya me
'von wem wurde mir, einem rechtschaffenen Brahmanen, diese schmerzbringende Tat angetan'
maitro brāhmaṇa ity ukto nāparādho 'sti kaścana
'ein freundlich gesinnter Brahmane genannt, gibt es keinerlei Verfehlung (meinerseits)'
taṃ tu dṛṣṭvā dvijavaraṃ jvalantam iva tejasā /
asāv apy abhavat tatra saśalya iva mūrcchitaḥ // BrP_123.51 //
Als er jenen besten Zweifachgeborenen sah, der gleichsam vor Glanz erstrahlte, wurde er selbst dort gleichsam von einem Pfeil getroffen und ohnmächtig.
Wort für Wort
taṃ tu dṛṣṭvā dvijavaraṃ jvalantam iva tejasā
als er jenen besten Zweifachgeborenen sah, der gleichsam vor Glanz erstrahlte
asāv apy abhavat tatra saśalya iva mūrcchitaḥ
wurde er selbst dort gleichsam von einem Pfeil getroffen und ohnmächtig
{rājovāca: }
ko bhavān dvijaśārdūla kimartham iha cāgataḥ /
vada pāpakṛte mahyaṃ vada me niṣkṛtiṃ parām // BrP_123.53 //
Der König sprach: 'Wer bist du, Tiger unter den Zweifachgeborenen, und wozu bist du hierher gekommen? Sage mir, dem Sünder, sage mir die höchste Sühne.'
Wort für Wort
ko bhavān dvijaśārdūla kimartham iha cāgataḥ
'wer bist du, Tiger unter den Zweifachgeborenen, und wozu bist du hierher gekommen'
vada pāpakṛte mahyaṃ vada me niṣkṛtiṃ parām
'sage mir, dem Sünder, sage mir die höchste Sühne'
brahmahā varṇibhiḥ kiṃtu śvapacair api jātucit /
na spraṣṭavyo mahābuddhe draṣṭavyo na kadācana // BrP_123.54 //
'Ein Brahmanenmörder darf jedoch niemals von den (Angehörigen der) Kasten, selbst nicht von Hundekochern (Ausgestoßenen), berührt werden, o Großverständiger, noch je angeschaut werden.'
Wort für Wort
brahmahā varṇibhiḥ kiṃtu śvapacair api jātucit
'ein Brahmanenmörder darf jedoch niemals von den Angehörigen der Kasten, selbst nicht von Hundekochern (Ausgestoßenen)'
na spraṣṭavyo mahābuddhe draṣṭavyo na kadācana
'berührt werden, o Großverständiger, noch je angeschaut werden'
{muniputra uvāca: }
utkramiṣyanti me prāṇā ato vakṣyāmi kiṃcana /
svacchandavṛttitājñāne viddhi pākaṃ ca karmaṇām // BrP_123.56 //
Der Sohn des Weisen sprach: 'Meine Lebensatmen werden bald entweichen, darum will ich etwas sagen: erkenne die Reifung der Taten im Nichtwissen des eigenwilligen Handelns.'
Wort für Wort
utkramiṣyanti me prāṇā ato vakṣyāmi kiṃcana
'meine Lebensatmen werden bald entweichen, darum will ich etwas sagen'
svacchandavṛttitājñāne viddhi pākaṃ ca karmaṇām
'erkenne die Reifung der Taten im Nichtwissen des eigenwilligen Handelns'
[Anm.: Sinn des zweiten Halbverses unsicher; wörtlich etwa 'erkenne die Reifung der Taten in der Unkenntnis (der Folgen) eigenwilligen Verhaltens'.]
Die beiden Alten sprachen: 'Ist er bekümmert oder zornig, oder ist er etwa verschlungen worden? Unser Stab (Stütze) ist nicht zurückgekehrt - was sollen wir tun, welchen Ausweg gibt es?'
Wort für Wort
udvignaḥ kupito vā syād athavā bhakṣitaḥ katham
'ist er bekümmert oder zornig, oder ist er etwa verschlungen worden'
na prāptaś cāvayor yaṣṭiḥ kiṃ kurmaḥ kā gatir bhavet
'unser Stab (Stütze) ist nicht zurückgekehrt - was sollen wir tun, welchen Ausweg gibt es'
na kopi tādṛśaḥ putro vidyate sacarācare /
yaḥ pitror anyathā vākyaṃ na karoty api ninditaḥ // BrP_123.64 //
'Es gibt keinen solchen Sohn in der beweglichen und unbeweglichen (Welt), der nicht, selbst getadelt, das Wort seiner Eltern anders (als befohlen) ausführen würde.'
Wort für Wort
na kopi tādṛśaḥ putro vidyate sacarācare
'es gibt keinen solchen Sohn in der beweglichen und unbeweglichen Welt'
yaḥ pitror anyathā vākyaṃ na karoty api ninditaḥ
'der nicht, selbst getadelt, das Wort seiner Eltern anders (als befohlen) ausführen würde'
vajrād api kaṭhoraṃ vā jīvitaṃ tam apaśyatoḥ /
śīghraṃ na yānti yat prāṇās tadekāyattajīvayoḥ // BrP_123.65 //
'Härter noch als der Donnerkeil ist das Leben derer, die ihn nicht sehend, deren Lebensatmen nicht rasch entweichen, obwohl ihr Leben allein von ihm abhängt.'
Wort für Wort
vajrād api kaṭhoraṃ vā jīvitaṃ tam apaśyatoḥ
'härter noch als der Donnerkeil ist das Leben derer, die ihn nicht sehend'
śīghraṃ na yānti yat prāṇās tadekāyattajīvayoḥ
'deren Lebensatmen nicht rasch entweichen, obwohl ihr Leben allein von ihm abhängt'
Die beiden Alten sprachen: 'Woher kommst du, Kind, so spät angekommen? Du bist unser Augenlicht, unsere höchste Zuflucht; du sprichst nicht - bist du etwa zornig, Sohn der alten Blinden?'
Brahmā sprach: Wie von einem Pfeil getroffen, von Schmerz gequält, seine eigene böse Tat betrauernd, sprach der Fürst, wie erschrocken, zu den beiden, o Nārada.
Wort für Wort
saśalya iva duḥkhārtaḥ śocan duṣkṛtam ātmanaḥ
wie von einem Pfeil getroffen, von Schmerz gequält, seine eigene böse Tat betrauernd
sa bhīta iva rājendras tāv uvācātha nārada
sprach der Fürst, wie erschrocken, zu den beiden, o Nārada
udapānaṃ ca kurutāṃ tac chrutvā nṛpabhāṣitam /
nāyaṃ vaktā suto 'smākaṃ ko bhavāṃs tat purā vada // BrP_123.70 //
'Trinkwasser sollt ihr nehmen' - dies Wort des Königs hörend (sprachen sie): 'Dies ist nicht die Stimme unseres Sohnes; wer bist du - das sage zuerst.'
Wort für Wort
udapānaṃ ca kurutāṃ tac chrutvā nṛpabhāṣitam
'trinkwasser sollt ihr nehmen' - dies Wort des Königs hörend (sprachen sie)
nāyaṃ vaktā suto 'smākaṃ ko bhavāṃs tat purā vada
'dies ist nicht die Stimme unseres Sohnes; wer bist du - das sage zuerst'
{brahmovāca: }
tac chrutvocatur ārtau tau satyaṃ brūhi na cānyathā /
ācacakṣe tato rājā sarvam eva yathātatham // BrP_123.73 //
Brahmā sprach: Dies hörend, sprachen die beiden Gequälten: 'Sage die Wahrheit, nicht anders!' Da berichtete der König alles genau, wie es sich zugetragen hatte.
Wort für Wort
tac chrutvocatur ārtau tau satyaṃ brūhi na cānyathā
dies hörend, sprachen die beiden Gequälten: 'sage die Wahrheit, nicht anders'
ācacakṣe tato rājā sarvam eva yathātatham
da berichtete der König alles genau, wie es sich zugetragen hatte
ninye vai śravaṇaṃ vṛddhaṃ sabhāryaṃ nṛpasattamaḥ /
yatrāsau patitaḥ putras taṃ spṛṣṭvā tau vilepatuḥ // BrP_123.75 //
Der beste der Könige führte den alten Śravaṇa samt seiner Frau (dorthin); wo jener Sohn gefallen war, dort berührten ihn die beiden und klagten.
Wort für Wort
ninye vai śravaṇaṃ vṛddhaṃ sabhāryaṃ nṛpasattamaḥ
der beste der Könige führte den alten Śravaṇa samt seiner Frau (dorthin)
yatrāsau patitaḥ putras taṃ spṛṣṭvā tau vilepatuḥ
wo jener Sohn gefallen war, dort berührten ihn die beiden und klagten
[Anm.: Hier erscheint der Name 'Śravaṇa' für den alten Vater selbst (vgl. V.37 'Vaiśravaṇa'), abweichend von der geläufigeren Tradition, in der 'Śravaṇa Kumāra' der Name des erschossenen Sohnes ist.]
Die beiden Alten sprachen: 'Wie uns beiden durch die Trennung vom Sohn der Tod bestimmt wurde, so wirst auch du, Sünder, durch die Trennung von einem Sohn den Tod erlangen.'
Wort für Wort
yathā putraviyogena mṛtyur nau vihitas tathā
'wie uns beiden durch die Trennung vom Sohn der Tod bestimmt wurde'
tvaṃ cāpi pāpa putrasya viyogān mṛtyum āpsyasi
'so wirst auch du, Sünder, durch die Trennung von einem Sohn den Tod erlangen'
{brahmovāca: }
evaṃ tu jalpator brahman gatāḥ prāṇās tato nṛpaḥ /
agninā yojayām āsa vṛddhau ca ṛṣiputrakam // BrP_123.77 //
Brahmā sprach: Während sie so klagten, o Brahmane, entwichen ihre Lebensatmen; da vereinigte der König die beiden Alten und den Sohn des Weisen mit dem Feuer (verbrannte sie).
Wort für Wort
evaṃ tu jalpator brahman gatāḥ prāṇās tato nṛpaḥ
während sie so klagten, o Brahmane, entwichen ihre Lebensatmen
agninā yojayām āsa vṛddhau ca ṛṣiputrakam
da vereinigte der König die beiden Alten und den Sohn des Weisen mit dem Feuer
nṛpāṇāṃ sūryavaṃśyānāṃ vasiṣṭho hi parā gatiḥ /
vasiṣṭho 'pi dvijaśreṣṭhaiḥ saṃmantryāha ca niṣkṛtim // BrP_123.79 //
Für die Könige des Sonnengeschlechts ist Vasiṣṭha die höchste Zuflucht; auch Vasiṣṭha beriet sich mit den besten Zweifachgeborenen und verkündete die Sühne.
Wort für Wort
nṛpāṇāṃ sūryavaṃśyānāṃ vasiṣṭho hi parā gatiḥ
für die Könige des Sonnengeschlechts ist Vasiṣṭha die höchste Zuflucht
vasiṣṭho 'pi dvijaśreṣṭhaiḥ saṃmantryāha ca niṣkṛtim
auch Vasiṣṭha beriet sich mit den besten Zweifachgeborenen und verkündete die Sühne
Die Himmelsstimme sprach: 'Rein ist der Körper des Königs Daśaratha geworden, und er wird wieder handlungsfähig sein; ebenso werden Söhne (ihm geboren) werden; durch die Gnade des ältesten Sohnes wird der König sündlos werden.'
Wort für Wort
pūtaṃ śarīram abhavad rājño daśarathasya hi
'rein ist der Körper des Königs Daśaratha geworden'
vyavahāryaś ca bhavitā bhaviṣyanti tathā sutāḥ
'und er wird wieder handlungsfähig sein; ebenso werden Söhne (ihm geboren) werden'
jyeṣṭhaputraprasādena rājāpāpo bhaviṣyati
'durch die Gnade des ältesten Sohnes wird der König sündlos werden'
Brahmā sprach: Dann, nach langer Zeit, wurden durch Ṛṣyaśṛṅga, den Herrn der Weisen, zur Erfüllung des Zwecks der Götter, den Göttern gleiche Söhne (geboren).
Wort für Wort
tato bahutithe kāle ṛṣyaśṛṅgān munīśvarāt
dann, nach langer Zeit, durch Ṛṣyaśṛṅga, den Herrn der Weisen
devānāṃ kāryasiddhyarthaṃ sutā āsan suropamāḥ
wurden zur Erfüllung des Zwecks der Götter den Göttern gleiche Söhne (geboren)
die Schrift-, die Waffen-, die weltliche (Wissenschaft), die Wagenwissenschaft, die von den Elefanten stammende, die Pferdewissenschaft, die Keulenwissenschaft, das Herbeirufen und Entlassen von Mantras -
Wort für Wort
śāstrīm āstrīṃ laukikīṃ ca rathavidyāṃ gajodbhavām
die Schrift-, die Waffen-, die weltliche Wissenschaft, die Wagenwissenschaft, die von den Elefanten stammende
aśvavidyāṃ gadāvidyāṃ mantrāhvānavisarjane
die Pferdewissenschaft, die Keulenwissenschaft, das Herbeirufen und Entlassen von Mantras
Die beiden, in den Wissenschaften ausgebildet, mit Bogen in der Hand, vollzogen den Opferschutz; als dann das große Opfer vollendet war, ging Viśvāmitra, der Herr der Weisen,
Wort für Wort
kṛtavidyau dhanuṣpāṇī cakratur yajñarakṣaṇam
die beiden, in den Wissenschaften ausgebildet, mit Bogen in der Hand, vollzogen den Opferschutz
tato mahāmakhe vṛtte viśvāmitro munīśvaraḥ
als dann das große Opfer vollendet war, (ging) Viśvāmitra, der Herr der Weisen
Rāma, zusammen mit dem Sohn Sumitrās, (zeigte) die vom Lehrer geschätzte Bogenwissenschaft; darüber erfreut, gab Janaka Sītā, die nicht aus einem Mutterschoß geborene Lakṣmī.
Wort für Wort
rāmaḥ saumitrisahito dhanurvidyāṃ guror matām
Rāma, zusammen mit dem Sohn Sumitrās, (zeigte) die vom Lehrer geschätzte Bogenwissenschaft
tatprīto janakaḥ prādāt sītāṃ lakṣmīm ayonijām
darüber erfreut, gab Janaka Sītā, die nicht aus einem Mutterschoß geborene Lakṣmī
Durch die Reifung der vollbrachten Tat wurde der König von den Dienern Yamas fortgeführt; für jenen König gibt es, o Hochweiser, solange es Unbewegliches und Bewegliches gibt -
Wort für Wort
kṛtakarmavipākena rājā nīto yamānugaiḥ
durch die Reifung der vollbrachten Tat wurde der König von den Dienern Yamas fortgeführt
tasmai rājñe mahāprājña yāvat sthāvarajaṅgame
für jenen König gibt es, o Hochweiser, solange es Unbewegliches und Bewegliches gibt
prāviśat tan mahāraṇyaṃ bhīṣaṇaṃ daityasevitam /
tadbhayād ṛṣibhis tyaktaṃ hatvā daityāṃs tu rākṣasān // BrP_123.118 //
Er betrat jenen großen Wald, schrecklich, von Daityas bewohnt, aus Furcht davor von den Weisen verlassen; nachdem er die Daityas und Rākṣasas getötet hatte -
Wort für Wort
prāviśat tan mahāraṇyaṃ bhīṣaṇaṃ daityasevitam
er betrat jenen großen Wald, schrecklich, von Daityas bewohnt
tadbhayād ṛṣibhis tyaktaṃ hatvā daityāṃs tu rākṣasān
aus Furcht davor von den Weisen verlassen; nachdem er die Daityas und Rākṣasas getötet hatte
yasyāsau narake paktuṃ na kairapi hi śakyate /
dakṣiṇāśāpater vākyaṃ niśamya yamakiṃkarāḥ // BrP_123.128 //
'- dessen (Vater) in der Hölle von niemandem gekocht werden kann.' Das Wort des Herrn der südlichen Himmelsrichtung (Yama) vernehmend, die Diener Yamas -
Wort für Wort
yasyāsau narake paktuṃ na kairapi hi śakyate
'dessen (Vater) in der Hölle von niemandem gekocht werden kann'
dakṣiṇāśāpater vākyaṃ niśamya yamakiṃkarāḥ
das Wort des Herrn der südlichen Himmelsrichtung vernehmend, die Diener Yamas
Die Diener Yamas sprachen: 'Gesegnet bist du, Tiger unter den Königen, dessen Sohn so beschaffen ist; Ruhe hier und im Jenseits - durch wen wird ein guter Sohn erlangt?'
Wort für Wort
dhanyo 'si nṛpaśārdūla yasya putraḥ sa tādṛśaḥ
'gesegnet bist du, Tiger unter den Königen, dessen Sohn so beschaffen ist'
iha cāmutra viśrāntiḥ suputraḥ kena labhyate
'Ruhe hier und im Jenseits - durch wen wird ein guter Sohn erlangt'
{rājovāca: }
narakeṣv atha ghoreṣu pacyamānaḥ punaḥ punaḥ /
kathaṃ tv ākarṣitaḥ śīghraṃ tan me vaktum ihārhatha // BrP_123.132 //
Der König sprach: 'Da ich in den schrecklichen Höllen immer wieder gekocht wurde, wie bin ich so schnell herausgezogen worden? Das sollt ihr mir hier erklären.'
Wort für Wort
narakeṣv atha ghoreṣu pacyamānaḥ punaḥ punaḥ
'da ich in den schrecklichen Höllen immer wieder gekocht wurde'
kathaṃ tv ākarṣitaḥ śīghraṃ tan me vaktum ihārhatha
'wie bin ich so schnell herausgezogen worden? Das sollt ihr mir hier erklären'
{yamadūta uvāca: }
vedaśāstrapurāṇādāv etad gopyaṃ prayatnataḥ /
prakāśyate tad api te sāmarthyaṃ putratīrthayoḥ // BrP_123.134 //
Der Bote Yamas sprach: 'In Veda, Lehrschriften, Purāṇa und dergleichen ist dies eifrig geheim zu halten; dennoch wird dir nun die Macht von Sohn und Tīrtha offenbart.'
Wort für Wort
vedaśāstrapurāṇādāv etad gopyaṃ prayatnataḥ
'in Veda, Lehrschriften, Purāṇa und dergleichen ist dies eifrig geheim zu halten'
prakāśyate tad api te sāmarthyaṃ putratīrthayoḥ
'dennoch wird dir nun die Macht von Sohn und Tīrtha offenbart'
'Rāma, dein glanzvoller Sohn, ist an das Ufer der Gautamī gelangt; deshalb bist du aus der schrecklichen Hölle herausgezogen worden, o bester der Männer.'
Wort für Wort
rāmas tava sutaḥ śrīmān gautamītīram āgataḥ
'Rāma, dein glanzvoller Sohn, ist an das Ufer der Gautamī gelangt'
tasmāt tvaṃ narakād ghorād ākṛṣṭo 'si narottama
'deshalb bist du aus der schrecklichen Hölle herausgezogen worden, o bester der Männer'
yadi tvāṃ tatra gautamyāṃ smared rāmaḥ salakṣmaṇaḥ /
snānaṃ kṛtvātha piṇḍādi te dadyāt sa nṛpottama /
tatas tvaṃ sarvapāpebhyo mukto yāsi triviṣṭapam // BrP_123.136 //
'Wenn Rāma, zusammen mit Lakṣmaṇa, dort an der Gautamī deiner gedenkt, gebadet hat und dir dann eine Reisopfergabe (piṇḍa) und dergleichen darbringt, o bester der Könige, dann wirst du, von allen Sünden befreit, zum Himmel gehen.'
Wort für Wort
yadi tvāṃ tatra gautamyāṃ smared rāmaḥ salakṣmaṇaḥ
'wenn Rāma, zusammen mit Lakṣmaṇa, dort an der Gautamī deiner gedenkt'
snānaṃ kṛtvātha piṇḍādi te dadyāt sa nṛpottama
'gebadet hat und dir dann eine Reisopfergabe und dergleichen darbringt, o bester der Könige'
tatas tvaṃ sarvapāpebhyo mukto yāsi triviṣṭapam
'dann wirst du, von allen Sünden befreit, zum Himmel gehen'
{rājovāca: }
tatra gatvā bhavadvākyam ākhyāsye svasutau prati /
bhavanta eva śaraṇam anujñāṃ dātum arhatha // BrP_123.137 //
Der König sprach: 'Dorthin gegangen, werde ich eure Worte meinen beiden Söhnen mitteilen; ihr allein seid meine Zuflucht - ihr sollt (mir) die Erlaubnis geben.'
Wort für Wort
tatra gatvā bhavadvākyam ākhyāsye svasutau prati
'dorthin gegangen, werde ich eure Worte meinen beiden Söhnen mitteilen'
bhavanta eva śaraṇam anujñāṃ dātum arhatha
'ihr allein seid meine Zuflucht - ihr sollt (mir) die Erlaubnis geben'
- einen schrecklichen, gequälten Körper angenommen habend, wiederholt seufzend, sich selbst betrachtend, beschämt, und sich an die vollbrachte Tat erinnernd -
Wort für Wort
bhīṣaṇaṃ yātanādeham āpanno niḥśvasan muhuḥ
einen schrecklichen, gequälten Körper angenommen habend, wiederholt seufzend
nirīkṣya svaṃ lajjamānaḥ kṛtaṃ karma ca saṃsmaran
sich selbst betrachtend, beschämt, und sich an die vollbrachte Tat erinnernd
Lakṣmaṇa sprach: 'Wir beide sind Söhne Daśarathas, und auch deine Kraft ist so beschaffen; dennoch gibt es für uns, die wir am Ufer der Gaṅgā wohnen, keine Speise.'
Wort für Wort
putrau daśarathasyāvāṃ tavāpi balam īdṛśam
'wir beide sind Söhne Daśarathas, und auch deine Kraft ist so beschaffen'
nāsti bhojyam athāsmākaṃ gaṅgātīranivāsinām
'dennoch gibt es für uns, die wir am Ufer der Gaṅgā wohnen, keine Speise'
Rāma sprach: 'Bruder, was durch das Schicksal bestimmt ist, kann nicht anders sein; auf einer Erde voller Nahrung sind wir (dennoch) nach Nahrung Verlangende.'
Wort für Wort
bhrātar yad vihitaṃ karma naiva tac cānyathā bhavet
'Bruder, was durch das Schicksal bestimmt ist, kann nicht anders sein'
pṛthivyām annapūrṇāyāṃ vayam annābhilāṣiṇaḥ
'auf einer Erde voller Nahrung sind wir (dennoch) nach Nahrung Verlangende'
saumitre nūnam asmābhir na brāhmaṇamukhe hutam /
avajñayā mahīdevāṃs tarpayanty arcayanti na // BrP_123.145 //
'O Sohn Sumitrās, gewiss haben wir nicht in den Mund eines Brahmanen geopfert; aus Geringschätzung erfreuen (manche) die Erdengötter (Brahmanen) nicht und verehren sie nicht.'
Wort für Wort
saumitre nūnam asmābhir na brāhmaṇamukhe hutam
'o Sohn Sumitrās, gewiss haben wir nicht in den Mund eines Brahmanen geopfert'
avajñayā mahīdevāṃs tarpayanty arcayanti na
'aus Geringschätzung erfreuen (manche) die Erdengötter nicht und verehren sie nicht'
te ye lakṣmaṇa jāyante sarvadaiva bubhukṣitāḥ /
snātvā devān athābhyarcya hotavyaś ca hutāśanaḥ /
tataḥ svasamaye devo vidhāsyaty aśanaṃ tu nau // BrP_123.146 //
'Diejenigen, o Lakṣmaṇa, die (so handeln), werden immer wieder hungrig geboren; nach dem Baden und der Verehrung der Götter ist das Opferfeuer zu speisen - dann wird die Gottheit zu ihrer Zeit uns beiden Speise gewähren.'
Wort für Wort
te ye lakṣmaṇa jāyante sarvadaiva bubhukṣitāḥ
'diejenigen, o Lakṣmaṇa, die (so handeln), werden immer wieder hungrig geboren'
snātvā devān athābhyarcya hotavyaś ca hutāśanaḥ
'nach dem Baden und der Verehrung der Götter ist das Opferfeuer zu speisen'
tataḥ svasamaye devo vidhāsyaty aśanaṃ tu nau
'dann wird die Gottheit zu ihrer Zeit uns beiden Speise gewähren'
'Und, ihn nochmals herannahen sehend: 'Geh, geh von hier, du Verdienstvoller! Sieh, hier weilt König Rāma, der Sohn Daśarathas, der Dharma-Teilhaftige.''
Wort für Wort
āsannaṃ ca punar dṛṣṭvā yāhi yāhy atra puṇyabhāk
'ihn nochmals herannahen sehend: geh, geh von hier, du Verdienstvoller'
rāmo dāśarathī rājā dharmabhāk paśya vartate
'sieh, hier weilt König Rāma, der Sohn Daśarathas, der Dharma-Teilhaftige'
Dieses Wort seines Sohnes hörend, langsam mit (schwacher) Stimme rufend, sprach er, das Gesicht gesenkt, mit gefalteten Händen vor Schwiegertochter und Söhnen, wiederholt innerlich über den Lauf seiner bösen Tat nachsinnend.
Wort für Wort
tat putravacanaṃ śrutvā śanair āhūya vācayā
dieses Wort seines Sohnes hörend, langsam mit (schwacher) Stimme rufend
uvācādhomukho bhūtvā snuṣāṃ putrau kṛtāñjaliḥ
sprach er, das Gesicht gesenkt, mit gefalteten Händen vor Schwiegertochter und Söhnen
muhur antar vinidhyāyan gatiṃ duṣkṛtakarmaṇaḥ
wiederholt innerlich über den Lauf seiner bösen Tat nachsinnend
{rājovāca: }
ahaṃ daśaratho rājā putrau me śṛṇutaṃ vacaḥ /
tisṛbhir brahmahatyābhir vṛto 'haṃ duḥkham āgataḥ /
chinnaṃ paśyata me dehaṃ narakeṣu ca pātitam // BrP_123.153 //
Der König sprach: 'Ich bin König Daśaratha; ihr beiden Söhne, hört mein Wort: von drei Brahmanenmorden umschlungen, bin ich in Leid geraten; seht meinen zerschnittenen Leib, in die Höllen gestürzt.'
Wort für Wort
ahaṃ daśaratho rājā putrau me śṛṇutaṃ vacaḥ
'ich bin König Daśaratha; ihr beiden Söhne, hört mein Wort'
tisṛbhir brahmahatyābhir vṛto 'haṃ duḥkham āgataḥ
'von drei Brahmanenmorden umschlungen, bin ich in Leid geraten'
chinnaṃ paśyata me dehaṃ narakeṣu ca pātitam
'seht meinen zerschnittenen Leib, in die Höllen gestürzt'
an das Kommen des Leids, den Lauf des Schicksals, den Sturz in die Hölle - all dies sich erinnernd, wurde der Sohn des Königs ohnmächtig; den bewusstlosen König sehend, sprach Sītā da diese Worte.
Wort für Wort
duḥkhāgamaṃ karmagatiṃ narake pātanaṃ tathā
an das Kommen des Leids, den Lauf des Schicksals, den Sturz in die Hölle
evamādy atha saṃsmṛtya mumoha nṛpateḥ sutaḥ
all dies sich erinnernd, wurde der Sohn des Königs ohnmächtig
visaṃjñaṃ nṛpatiṃ dṛṣṭvā sītā vākyam athābravīt
den bewusstlosen König (Rāma, hier fälschlich 'nṛpati' - der Königssohn) sehend, sprach Sītā da diese Worte
'Für jenen dem Vater ergebenen, tugendhaften, in Veda und Vedāṅga bewanderten, schuldlosen Brahmanen, der getötet wurde - für die Sühne jener Sünde hier -'
Wort für Wort
pitṛbhaktaḥ puṇyaśīlo vedavedāṅgapāragaḥ
'jenen dem Vater ergebenen, tugendhaften, in Veda und Vedāṅga bewanderten'
anāgā yo hato vipras tatpāpasyātra niṣkṛtim
'schuldlosen Brahmanen, der getötet wurde - für die Sühne jener Sünde hier'
{daśaratha uvāca: }
tvaṃ hi brahmavidaḥ kanyā janakasya tv ayonijā /
bhāryā rāmasya kiṃ citraṃ yad yuktam anubhāṣase // BrP_123.166 //
Daśaratha sprach: 'Du bist ja die Tochter des Brahman-Kenners Janaka, nicht aus einem Schoß geboren, Rāmas Gattin - was ist verwunderlich, dass du Angemessenes sprichst?'
Wort für Wort
tvaṃ hi brahmavidaḥ kanyā janakasya tv ayonijā
'du bist ja die Tochter des Brahman-Kenners Janaka, nicht aus einem Schoß geboren'
bhāryā rāmasya kiṃ citraṃ yad yuktam anubhāṣase
'Rāmas Gattin - was ist verwunderlich, dass du Angemessenes sprichst?'
na kopi bhavatāṃ kiṃtu śramaḥ svalpo 'pi vidyate /
gautamyāṃ snānadānena piṇḍanirvapaṇena ca // BrP_123.167 //
'Es gibt keinen Fehler bei euch, doch besteht auch nur geringe Mühe: durch Baden und Geben an der Gautamī und durch das Darbringen einer Reisopfergabe -'
Wort für Wort
na kopi bhavatāṃ kiṃtu śramaḥ svalpo 'pi vidyate
'es gibt keinen Fehler bei euch, doch besteht auch nur geringe Mühe'
gautamyāṃ snānadānena piṇḍanirvapaṇena ca
'durch Baden und Geben an der Gautamī und durch das Darbringen einer Reisopfergabe'
'Frauen von guter Familie führen (ihre Gatten) zum jenseitigen Ufer des Daseinsozeans; durch die Gnade der Godāvarī, was gäbe es hier, das schwer erreichbar wäre?'
Wort für Wort
prāpayanti paraṃ pāraṃ bhavābdheḥ kulayoṣitaḥ
'Frauen von guter Familie führen (ihre Gatten) zum jenseitigen Ufer des Daseinsozeans'
godāvaryāḥ prasādena kiṃ nāmāsty atra durlabham
'durch die Gnade der Godāvarī, was gäbe es hier, das schwer erreichbar wäre?'
{brahmovāca: }
tatheti kriyamāṇe tu piṇḍadānāya śatruhā /
naivāpaśyad bhakṣyabhojyaṃ tato lakṣmaṇam abravīt // BrP_123.170 //
Brahmā sprach: 'So sei es', sagend, während er (die Vorbereitung) für die Reisopfergabe traf, fand der Feindebezwinger (Rāma) keine Nahrung oder Speise; da sprach er zu Lakṣmaṇa.
Wort für Wort
tatheti kriyamāṇe tu piṇḍadānāya śatruhā
'so sei es', sagend, während er (die Vorbereitung) für die Reisopfergabe traf, der Feindebezwinger
naivāpaśyad bhakṣyabhojyaṃ tato lakṣmaṇam abravīt
fand keine Nahrung oder Speise; da sprach er zu Lakṣmaṇa
daivī vāg abhavat tatra duḥkhaṃ tyaja nṛpātmaja /
rājyabhraṣṭo vanaṃ prāptaḥ kiṃ vai niṣkiṃcano bhavān // BrP_123.173 //
Eine göttliche Stimme erhob sich dort: 'Lass den Schmerz, o Königssohn! Der Herrschaft entfallen, in den Wald gelangt - was macht es, dass du ohne Besitz bist?'
Wort für Wort
daivī vāg abhavat tatra duḥkhaṃ tyaja nṛpātmaja
eine göttliche Stimme erhob sich dort: 'lass den Schmerz, o Königssohn'
rājyabhraṣṭo vanaṃ prāptaḥ kiṃ vai niṣkiṃcano bhavān
'der Herrschaft entfallen, in den Wald gelangt - was macht es, dass du ohne Besitz bist?'
'Was in allen Lehrschriften gehört wird, o Rāma, höre aufmerksam: von welcher Speise ein Mensch (lebt), o König, von derselben Speise (leben) seine Gottheiten (Ahnen).'
Wort für Wort
śrūyate sarvaśāstreṣu yad rāma śṛṇu yatnataḥ
'was in allen Lehrschriften gehört wird, o Rāma, höre aufmerksam'
yadannaḥ puruṣo rājaṃs tadannās tasya devatāḥ
'von welcher Speise ein Mensch (lebt), o König, von derselben Speise (leben) seine Gottheiten (Ahnen)'
Als die Reisopfergabe zu Boden fiel, sah er da seinen Vater nicht; und wo der Leichnam (śava) niedergefallen war, (entstand) das unübertreffliche Śava-Tīrtha.
Wort für Wort
piṇḍe nipatite bhūmau nāpaśyat pitaraṃ tadā
als die Reisopfergabe zu Boden fiel, sah er da seinen Vater nicht
śavaṃ ca patitaṃ yatra śavatīrtham anuttamam
und wo der Leichnam niedergefallen war, (entstand) das unübertreffliche Śava-Tīrtha
[Anm.: Bezug des 'śava' ('Leichnam') an dieser Stelle unklar - möglicherweise bildlicher Ausdruck für die niedersinkende Opfergabe, evtl. auch namensgebend für das 'Śava-Tīrtha'.]
- dessen Erinnerung die Vernichtung der Gesamtheit großer Sünden bewirkt; dorthin kamen die Weltenhüter, die Rudras und Ādityas, und ebenso die beiden Aśvins,
Wort für Wort
mahāpātakasaṃghātavighātakṛd anusmṛtiḥ
dessen Erinnerung die Vernichtung der Gesamtheit großer Sünden bewirkt
tatrāgacchaṃl lokapālā rudrādityās tathāśvinau
dorthin kamen die Weltenhüter, die Rudras und Ādityas, und ebenso die beiden Aśvins
- jeweils auf ihr eigenes Himmelsgefährt gestiegen; in ihrer Mitte, überaus strahlend, auf das beste Himmelsgefährt gestiegen und von Kinnaras besungen,
- erstrahlte in ihrer Mitte der Vater, von sonnengleicher Gestalt; ihn, seinen eigenen Vater, nicht erblickend, (aber) die Götter auf ihren Himmelsgefährten erblickend,
Wort für Wort
ādityasadṛśākāras teṣāṃ madhye babhau pitā
in ihrer Mitte erstrahlte der Vater, von sonnengleicher Gestalt
tam adṛṣṭvā svapitaraṃ devān dṛṣṭvā vimāninaḥ
ihn, seinen eigenen Vater, nicht erblickend, (aber) die Götter auf ihren Himmelsgefährten erblickend
Die Götter sprachen: 'Gesegnet bist du, dein Ziel ist erreicht, o Rāma; dein Vater ist zum Himmel gegangen. Wer seine Vorfahren aus der Gesamtheit der mannigfachen Höllen errettet -'
Wort für Wort
dhanyo 'si kṛtakṛtyo 'si rāma svargaṃ gataḥ pitā
'gesegnet bist du, dein Ziel ist erreicht, o Rāma; dein Vater ist zum Himmel gegangen'
nānānirayasaṃghātāt pūrvajān uddharet tu yaḥ
'wer seine Vorfahren aus der Gesamtheit der mannigfachen Höllen errettet'
sa dhanyo 'laṃkṛtaṃ tena kṛtinā bhuvanatrayam /
enaṃ paśya mahābāho muktapāpaṃ raviprabham // BrP_123.183 //
'- der ist gesegnet; durch einen solchen Verdienstvollen sind die drei Welten geschmückt. Sieh diesen hier, o Starkarmiger, von Sünde befreit, sonnengleich strahlend.'
Wort für Wort
sa dhanyo 'laṃkṛtaṃ tena kṛtinā bhuvanatrayam
'der ist gesegnet; durch einen solchen Verdienstvollen sind die drei Welten geschmückt'
enaṃ paśya mahābāho muktapāpaṃ raviprabham
'sieh diesen hier, o Starkarmiger, von Sünde befreit, sonnengleich strahlend'
'Selbst mit allem Reichtum ausgestattet, gleicht der Sünder einem verbrannten Baum; selbst besitzlos erscheint der Tugendhafte wie der Mondbekrönte (Śiva).'
Wort für Wort
sarvasaṃpattiyukto 'pi pāpī dagdhadrumopamaḥ
'selbst mit allem Reichtum ausgestattet, gleicht der Sünder einem verbrannten Baum'
niṣkiṃcano 'pi sukṛtī dṛśyate candramaulivat
'selbst besitzlos erscheint der Tugendhafte wie der Mondbekrönte'
{rājovāca: }
kṛtakṛtyo 'si bhadraṃ te tārito 'haṃ tvayānagha /
dhanyaḥ sa putro loke 'smin pitṝṇāṃ yas tu tārakaḥ // BrP_123.186 //
Der König sprach: 'Dein Ziel ist erreicht, Segen über dich; ich bin von dir errettet worden, du Schuldloser. Gesegnet ist in dieser Welt jener Sohn, der ein Erretter seiner Vorfahren ist.'
Wort für Wort
kṛtakṛtyo 'si bhadraṃ te tārito 'haṃ tvayānagha
'dein Ziel ist erreicht, Segen über dich; ich bin von dir errettet worden, du Schuldloser'
dhanyaḥ sa putro loke 'smin pitṝṇāṃ yas tu tārakaḥ
'gesegnet ist in dieser Welt jener Sohn, der ein Erretter seiner Vorfahren ist'
Brahmā sprach: Dann sprachen die Götterscharen, zur Erfüllung des Zwecks der Götter, zu Rāma, dem besten der Männer: 'Geh, Kind, wie es dir beliebt.' Da, dieses Wort hörend, sprach Rāma zu jenen Göttern.
Wort für Wort
tataḥ suragaṇāḥ procur devānāṃ kāryasiddhaye
dann sprachen die Götterscharen, zur Erfüllung des Zwecks der Götter
rāmaṃ ca puruṣaśreṣṭhaṃ gaccha tāta yathāsukham
zu Rāma, dem besten der Männer: 'geh, Kind, wie es dir beliebt'
tatas tadvacanaṃ śrutvā rāmas tān abravīt surān
da, dieses Wort hörend, sprach Rāma zu jenen Göttern
{devā ūcuḥ: }
nadī na gaṅgayā tulyā na tvayā sadṛśaḥ sutaḥ /
na śivena samo devo na tāreṇa samo manuḥ // BrP_123.189 //
Die Götter sprachen: 'Kein Fluss ist der Gaṅgā gleich, kein Sohn ist dir gleich; kein Gott ist Śiva gleich, kein Mensch ist einem Erretter (tāra) gleich.'
Wort für Wort
nadī na gaṅgayā tulyā na tvayā sadṛśaḥ sutaḥ
'kein Fluss ist der Gaṅgā gleich, kein Sohn ist dir gleich'
na śivena samo devo na tāreṇa samo manuḥ
'kein Gott ist Śiva gleich, kein Mensch ist einem Erretter gleich'
[Anm.: 'tāreṇa' ('Erretter/Überführer') hier wohl als allgemeiner Begriff für einen Erlöser aus Not, nicht als Eigenname.]
'Von dir, o Rāma, ist alle Pflicht gegenüber den Lehrern (Eltern) erfüllt worden; deine Vorfahren sind, o Rāma, von dir als Sohn errettet worden, o Ehrenspender. Alle mögen zu ihrem eigenen Ort gehen, und auch du geh, wie es dir beliebt.'
Wort für Wort
tvayā rāma gurūṇāṃ ca kāryaṃ sarvam anuṣṭhitam
'von dir, o Rāma, ist alle Pflicht gegenüber den Lehrern erfüllt worden'
tāritāḥ pitaro rāma tvayā putreṇa mānada
'deine Vorfahren sind, o Rāma, von dir als Sohn errettet worden, o Ehrenspender'
gacchantu sarve svasthānaṃ tvaṃ ca gaccha yathāsukham
'alle mögen zu ihrem eigenen Ort gehen, und auch du geh, wie es dir beliebt'
{brahmovāca: }
tad devavacanād dhṛṣṭaḥ sītayā lakṣmaṇāgrajaḥ /
tad dṛṣṭvā gaṅgāmāhātmyaṃ vismito vākyam abravīt // BrP_123.191 //
Brahmā sprach: Durch dieses Wort der Götter erfreut, sprach der ältere Bruder Lakṣmaṇas, zusammen mit Sītā, jene Größe der Gaṅgā sehend, erstaunt diese Worte.
Wort für Wort
tad devavacanād dhṛṣṭaḥ sītayā lakṣmaṇāgrajaḥ
durch dieses Wort der Götter erfreut, der ältere Bruder Lakṣmaṇas, zusammen mit Sītā
tad dṛṣṭvā gaṅgāmāhātmyaṃ vismito vākyam abravīt
jene Größe der Gaṅgā sehend, sprach er erstaunt diese Worte
Rāma sprach: 'Ach, diese Macht der Gaṅgā ist in den drei Welten unvergleichlich; wir sind gesegnet, da die Gaṅgā, Reinigerin der drei (Welten), von uns geschaut wurde.'
Wort für Wort
aho gaṅgāprabhāvo 'yaṃ trailokye nopamīyate
'ach, diese Macht der Gaṅgā ist in den drei Welten unvergleichlich'
vayaṃ dhanyā yato gaṅgā dṛṣṭāsmābhis tripāvanī
'wir sind gesegnet, da die Gaṅgā, Reinigerin der drei Welten, von uns geschaut wurde'
Brahmā sprach: Von großer Freude erfüllt, nachdem er den Gott Maheśvara aufgestellt hatte, (verehrte er) jenen Īśāna eifrig mit den sechzehn Diensten (upacāras),
Wort für Wort
harṣeṇa mahatā yukto devaṃ sthāpya maheśvaram
von großer Freude erfüllt, nachdem er den Gott Maheśvara aufgestellt hatte
taṃ ṣoḍaśabhir īśānam upacāraiḥ prayatnataḥ
(verehrte er) jenen Īśāna eifrig mit den sechzehn Diensten
- und, nachdem er (ihn), den mit den Umhüllungsgottheiten versehenen, sechsunddreißigfältigen Herrn verehrt hatte, pries Rāma, die Hände gefaltet, den Śaṅkara.
Wort für Wort
saṃpūjyāvaraṇair yuktaṃ ṣaṭtriṃśatkalam īśvaram
nachdem er (ihn), den mit den Umhüllungsgottheiten versehenen, sechsunddreißigfältigen Herrn verehrt hatte
Rāma sprach: 'Ich verneige mich vor Śambhu, dem uralten Puruṣa; ich verneige mich vor dem Allwissenden, von grenzenlosem Wesen; ich verneige mich vor Rudra, dem unvergänglichen Herrn; ich verneige mich vor Śarva, mit dem Haupt verneige ich mich.'
Wort für Wort
namāmi śaṃbhuṃ puruṣaṃ purāṇaṃ
'ich verneige mich vor Śambhu, dem uralten Puruṣa'
namāmi sarvajñam apārabhāvam
'ich verneige mich vor dem Allwissenden, von grenzenlosem Wesen'
namāmi rudraṃ prabhum akṣayaṃ taṃ
'ich verneige mich vor Rudra, dem unvergänglichen Herrn'
namāmi śarvaṃ śirasā namāmi
'ich verneige mich vor Śarva, mit dem Haupt verneige ich mich'
[Anm.: Ab hier V.195-206 Rāmas Śiva-Hymne in besonderem, padaweise gezähltem Hymnenmetrum.]
'Ich verneige mich vor dem höchsten, unvergänglichen Gott; ich verneige mich vor Umās Gatten, dem Lehrer der Welt; ich verneige mich vor ihm, der die Armut zerreißt; ich verneige mich vor dem Krankheitsnehmer, ich verneige mich.'
Wort für Wort
namāmi devaṃ param avyayaṃ tam
'ich verneige mich vor dem höchsten, unvergänglichen Gott'
umāpatiṃ lokaguruṃ namāmi
'ich verneige mich vor Umās Gatten, dem Lehrer der Welt'
namāmi dāridryavidāraṇaṃ taṃ
'ich verneige mich vor ihm, der die Armut zerreißt'
namāmi rogāpaharaṃ namāmi
'ich verneige mich vor dem Krankheitsnehmer, ich verneige mich'
'Ich verneige mich vor dem Heilsamen von unfassbarer Gestalt; ich verneige mich vor der Samen-Gestalt des Weltenursprungs; ich verneige mich vor ihm, der Ursache des Weltenbestandes; ich verneige mich vor dem Zerstörer, ich verneige mich.'
Wort für Wort
namāmi kalyāṇam acintyarūpaṃ
'ich verneige mich vor dem Heilsamen von unfassbarer Gestalt'
namāmi viśvodbhavabījarūpam
'ich verneige mich vor der Samen-Gestalt des Weltenursprungs'
namāmi viśvasthitikāraṇaṃ taṃ
'ich verneige mich vor ihm, der Ursache des Weltenbestandes'
namāmi saṃhārakaraṃ namāmi
'ich verneige mich vor dem Zerstörer, ich verneige mich'
'Ich verneige mich vor dem Geliebten Gaurīs, dem Unvergänglichen; ich verneige mich vor dem ewigen, (zugleich) vergänglichen und unvergänglichen; ich verneige mich vor der Gestalt des Bewusstseins, von unermesslichem Wesen; den Dreiäugigen, mit dem Haupt verneige ich mich vor ihm.'
Wort für Wort
namāmi gaurīpriyam avyayaṃ taṃ
'ich verneige mich vor dem Geliebten Gaurīs, dem Unvergänglichen'
namāmi nityaṃ kṣaram akṣaraṃ tam
'ich verneige mich vor dem ewigen, (zugleich) vergänglichen und unvergänglichen'
namāmi cidrūpam ameyabhāvaṃ
'ich verneige mich vor der Gestalt des Bewusstseins, von unermesslichem Wesen'
trilocanaṃ taṃ śirasā namāmi
'den Dreiäugigen, mit dem Haupt verneige ich mich vor ihm'
'Ich verneige mich vor dem Erbarmer der Weltexistenz, und auch vor dem Furchtbaren verneige ich mich stets; ich verneige mich vor dem Geber der Wünsche; ich verneige mich vor Someśa, dem Herrn Umās, dem Uranfänglichen.'
Wort für Wort
namāmi kāruṇyakaraṃ bhavasya
'ich verneige mich vor dem Erbarmer der Weltexistenz'
bhayaṃkaraṃ vāpi sadā namāmi
'und auch vor dem Furchtbaren verneige ich mich stets'
namāmi dātāram abhīpsitānāṃ
'ich verneige mich vor dem Geber der Wünsche'
namāmi someśam umeśam ādau
'ich verneige mich vor Someśa, dem Herrn Umās, dem Uranfänglichen'
'Ich verneige mich vor ihm, dessen Augen die drei Veden sind; ich verneige mich vor ihm, der frei ist von den drei Gestalten (Trimūrti); ich verneige mich vor dem Heiligen, jenseits von Sein und Nichtsein; ich verneige mich vor ihm, dem Sündennehmer, ich verneige mich.'
Wort für Wort
namāmi vedatrayalocanaṃ taṃ
'ich verneige mich vor ihm, dessen Augen die drei Veden sind'
namāmi mūrtitrayavarjitaṃ tam
'ich verneige mich vor ihm, der frei ist von den drei Gestalten'
namāmi puṇyaṃ sadasadvyatītaṃ
'ich verneige mich vor dem Heiligen, jenseits von Sein und Nichtsein'
namāmi taṃ pāpaharaṃ namāmi
'ich verneige mich vor ihm, dem Sündennehmer, ich verneige mich'
'Ich verneige mich vor ihm, der am Wohl des Weltalls Freude hat; ich verneige mich vor ihm, der viele Gestalten annimmt; der Beschützer des Weltalls, der Lenker von Sein und Nichtsein - ich verneige mich vor ihm, dem Herrn des Weltalls, ich verneige mich.'
Wort für Wort
namāmi viśvasya hite rataṃ taṃ
'ich verneige mich vor ihm, der am Wohl des Weltalls Freude hat'
namāmi rūpāṇi bahūni dhatte
'ich verneige mich vor ihm, der viele Gestalten annimmt'
yo viśvagoptā sadasatpraṇetā
'der Beschützer des Weltalls, der Lenker von Sein und Nichtsein'
namāmi taṃ viśvapatiṃ namāmi
'ich verneige mich vor ihm, dem Herrn des Weltalls, ich verneige mich'
'Den Herrn des Opfers, gegenwärtig (Empfänger von) Götter- und Ahnenopfer, ebenso das (letzte) Ziel, der er, der ewige Śiva der Welt, ist; der, wenn verehrt, alles gewährt - ich verneige mich vor dem gabenliebenden, erwählten Gott.'
Wort für Wort
yajñeśvaraṃ saṃprati havyakavyaṃ
'den Herrn des Opfers, gegenwärtig (Empfänger von) Götter- und Ahnenopfer'
tathā gatiṃ lokasadāśivo yaḥ
'ebenso das (letzte) Ziel, der er, der ewige Śiva der Welt, ist'
ārādhito yaś ca dadāti sarvaṃ
'der, wenn verehrt, alles gewährt'
namāmi dānapriyam iṣṭadevam
'ich verneige mich vor dem gabenliebenden, erwählten Gott'
'Ich verneige mich vor Someśvara, dem nicht Eigenständigen (der sich seinem Geliebten fügt); ich verneige mich vor ihm, dem Gatten Umās, dem Siegreichen; ich verneige mich vor dem Herrn Vighneśvaras (Gaṇeśas) und Nandins; den seine Söhne Liebenden, mit dem Haupt verneige ich mich vor ihm.'
Wort für Wort
namāmi someśvaram asvatantram
'ich verneige mich vor Someśvara, dem nicht Eigenständigen'
umāpatiṃ taṃ vijayaṃ namāmi
'ich verneige mich vor ihm, dem Gatten Umās, dem Siegreichen'
namāmi vighneśvaranandināthaṃ
'ich verneige mich vor dem Herrn Vighneśvaras und Nandins'
putrapriyaṃ taṃ śirasā namāmi
'den seine Söhne Liebenden, mit dem Haupt verneige ich mich vor ihm'
[Anm.: 'asvatantram' ('nicht eigenständig') als ungewöhnliches Śiva-Epitheton - evtl. im Sinne von 'sich der Hingabe seiner Verehrer fügend'; Deutung unsicher.]
'Ich verneige mich vor dem Gott, dem Vernichter von Leid und Kummer der Weltexistenz; ich verneige mich vor dem Mondträger; ich verneige mich vor dem Gaṅgāträger, dem preiswürdigen Herrn; ich verneige mich vor dem Gatten Umās, dem besten der Götter.'
Wort für Wort
namāmi devaṃ bhavaduḥkhaśokavināśanaṃ
'ich verneige mich vor dem Gott, dem Vernichter von Leid und Kummer der Weltexistenz'
candradharaṃ namāmi
'ich verneige mich vor dem Mondträger'
namāmi gaṅgādharam īśam īḍyam
'ich verneige mich vor dem Gaṅgāträger, dem preiswürdigen Herrn'
umādhavaṃ devavaraṃ namāmi
'ich verneige mich vor dem Gatten Umās, dem besten der Götter'
'Ich verneige mich vor ihm, dessen Lotosfüße von den Göttern und Dämonen, angefangen mit dem Ungeborenen (Brahmā) und Puraṃdara (Indra), verehrt werden; ich verneige mich vor ihm, der, um das Antlitz und die Worte der Göttin sehen zu können, die Dreiheit der Augen (das dritte Auge) begehrte.'
'ich verneige mich vor ihm, dessen Lotosfüße von den Göttern und Dämonen, angefangen mit dem Ungeborenen und Puraṃdara, verehrt werden'
namāmi devīmukhavādanānām
'ich verneige mich vor ihm, (der) das Antlitz und die Worte der Göttin (begehrte zu sehen)'
īkṣārtham akṣitritayaṃ ya aicchat
'der, um sehen zu können, die Dreiheit der Augen begehrte'
[Anm.: V.205cd bezieht sich vermutlich auf eine Episode, in der Śiva, durch Pārvatīs Verhüllung seiner Augen im Dunkeln, ein drittes Auge wünschte, um ihr Antlitz weiterhin zu sehen; Konstruktion und genauer Bezug unsicher.]
'Mit den fünf Nektarspeisen, mit Duftstoff, feinem Räucherwerk und Lampen, mit bunten Blumen und mannigfachen Mantras, mit Arten von Speise und allen (rituellen) Diensten verehrt - vor Soma (dem Mond-Herrn, Śiva) verneige ich mich.'
Wort für Wort
pañcāmṛtair gandhasudhūpadīpair
'mit den fünf Nektarspeisen, mit Duftstoff, feinem Räucherwerk und Lampen'
vicitrapuṣpair vividhaiś ca mantraiḥ
'mit bunten Blumen und mannigfachen Mantras'
annaprakāraiḥ sakalopacāraiḥ
'mit Arten von Speise und allen rituellen Diensten'
Rāma sprach: 'Diejenigen, die dich, o bester der Götter, mit Hingabe durch diese Hymne erfreuen werden - all ihre Unternehmungen mögen zum Gelingen führen, o großer Herr.'
Wort für Wort
stotreṇānena ye bhaktyā toṣyanti tvāṃ surottama
'diejenigen, die dich, o bester der Götter, mit Hingabe durch diese Hymne erfreuen werden'
teṣāṃ sarvāṇi kāryāṇi siddhiṃ yāntu maheśvara
'all ihre Unternehmungen mögen zum Gelingen führen, o großer Herr'
'Und diejenigen, deren Vorfahren, o Śambhu, in den Höllenozean gefallen sind - durch das Darbringen von Reisopfergaben u.ä. für sie mögen diese, gereinigt, zum Himmel gehen.'
Wort für Wort
yeṣāṃ ca pitaraḥ śaṃbho patitā narakārṇave
'und diejenigen, deren Vorfahren, o Śambhu, in den Höllenozean gefallen sind'
teṣāṃ piṇḍādidānena pūtā yāntu triviṣṭapam
'durch das Darbringen von Reisopfergaben u.ä. für sie mögen diese, gereinigt, zum Himmel gehen'
atra ye bhaktitaḥ śaṃbho dadaty arthibhya aṇv api /
sarvaṃ tad akṣayaṃ śaṃbho dātṝṇāṃ phalakṛd bhavet // BrP_123.211 //
'Diejenigen, die hier, o Śambhu, aus Hingabe den Bittenden auch nur ein Weniges geben - all das möge, o Śambhu, unvergänglich werden und den Gebenden Frucht bringen.'
Wort für Wort
atra ye bhaktitaḥ śaṃbho dadaty arthibhya aṇv api
'diejenigen, die hier, o Śambhu, aus Hingabe den Bittenden auch nur ein Weniges geben'
sarvaṃ tad akṣayaṃ śaṃbho dātṝṇāṃ phalakṛd bhavet
'all das möge, o Śambhu, unvergänglich werden und den Gebenden Frucht bringen'
Brahmā sprach: 'So sei es', sprach Śaṅkara erfreut zu jenem Rāma; als jener beste der Götter gegangen war, ging auch Rāma, zusammen mit seinen Gefährten,
Wort für Wort
evam astv iti taṃ rāmaṃ śaṃkaro hṛṣito 'bravīt
'so sei es', sprach Śaṅkara erfreut zu jenem Rāma
gate tasmin suraśreṣṭhe rāmo 'py anucaraiḥ saha
als jener beste der Götter gegangen war, ging auch Rāma, zusammen mit seinen Gefährten
Wo vom Sohn Sumitrās das Bad und die Verehrung Śaṅkaras vollzogen wurde, jenes Tīrtha wurde als 'von Lakṣmaṇa entstanden' bekannt, ebenso das 'von Sītā hervorgegangene',
Wort für Wort
yatra saumitriṇā snānaṃ śaṃkarasyārcanaṃ kṛtam
wo vom Sohn Sumitrās das Bad und die Verehrung Śaṅkaras vollzogen wurde
tat tīrthaṃ lakṣmaṇaṃ jātaṃ tathā sītāsamudbhavam
jenes Tīrtha wurde als 'von Lakṣmaṇa entstanden' bekannt, ebenso das 'von Sītā hervorgegangene'
- fähig, die Gesamtheit mannigfacher, restloser Sünden zu entwurzeln, welches durch die Berührung mit dem Fuß entstand, die Gaṅgā, Reinigerin der drei Welten -
Wort für Wort
nānāvidhāśeṣapāpasaṃghanirmūlanakṣamam
fähig, die Gesamtheit mannigfacher, restloser Sünden zu entwurzeln
yad aṅghrisaṃgād abhavad gaṅgā trailokyapāvanī
welches durch die Berührung mit dem Fuß entstand, die Gaṅgā, Reinigerin der drei Welten
[Anm.: Vers mit ungewöhnlicher Zeilenaufteilung im Original.]