Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 123: rāmatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Rāma-Tīrtha (Daśaratha, die Śravaṇa-Episode und Rāmas Errettung des Vaters)

Die längste bisher übersetzte Einzelerzählung (217 Verseinheiten): König Daśaratha aus dem Ikṣvāku-Geschlecht hilft im Götter-Dämonen-Krieg den Göttern zum Sieg; auf der Jagd erschießt er versehentlich in der Dunkelheit den Sohn eines blinden Waldeinsiedlerpaares (hier 'Śravaṇa'/'Vaiśravaṇa' genannt), das daraufhin ebenfalls stirbt und ihn mit drei Brahmanenmorden belädt (V.33-77). Durch Aśvamedha-Opfer gereinigt, erhält er die Söhne Rāma, Lakṣmaṇa, Bharata und Śatrughna (V.78-85); Rāma und Lakṣmaṇa beschützen Viśvāmitras Opfer, töten Tāṭakā, erlösen Ahalyā und gewinnen in Mithilā Sītā (V.86-105). Nach Kaikeyīs Intrige wird Rāma verbannt; Daśaratha stirbt an Kummer und gelangt, durch die drei Brahmanenmorde belastet, in die Höllen (V.106-115). Während Rāma durch den Daṇḍaka-Wald zur Gautamī (Godāvarī) zieht, wird der Vater durch die bloße Nähe des Sohnes aus der Hölle gezogen (V.116-138) und erscheint Rāma, Sītā und Lakṣmaṇa leibhaftig am Flussufer, wo er von seiner Lage berichtet (V.139-165). Auf Sītās und Rāmas Vorschlag sühnen alle drei gemeinsam durch Bad, Reisopfergaben (piṇḍa) und Śiva-Verehrung die drei Brahmanenmorde; Daśaratha wird sichtbar von den Göttern zum Himmel geleitet (V.166-193). Rāma preist Śiva mit einer zwölfstrophigen Hymne in besonderem Versmaß (V.195-206) und erhält von ihm Gnaden für alle künftigen Verehrer und für die Errettung fremder Vorfahren aus der Hölle (V.207-211). Ursprung des Rāma-, Bāṇa- (Pfeil-), Lakṣmaṇa- und Sītā-Tīrtha an der Gautamī. [Anm.: V.75 nennt den alten Vater selbst 'Śravaṇa' - abweichend von der bekannteren Rāmāyaṇa-Tradition, wo dieser Name dem erschossenen Sohn zukommt; V.40, V.47, V.56, V.176, V.203 und V.205 mit [?]/[Anm.]-Vermerken zu unsicheren Konstruktionen und Anspielungen.]

{brahmovāca: } rāmatīrtham iti khyātaṃ bhrūṇahatyāvināśanam / tasya śravaṇamātreṇa sarvapāpaiḥ pramucyate // BrP_123.1 //

Brahmā sprach: 'Es wird Rāma-Tīrtha genannt, das die Sünde der Embryotötung vernichtet; durch bloßes Hören davon wird man von allen Sünden befreit.'

Wort für Wort
rāmatīrtham iti khyātaṃ bhrūṇahatyāvināśanam
es wird Rāma-Tīrtha genannt, das die Sünde der Embryotötung vernichtet
tasya śravaṇamātreṇa sarvapāpaiḥ pramucyate
durch bloßes Hören davon wird man von allen Sünden befreit

[Anm.: Beginn der langen Daśaratha-Rāma-Erzählung (Śravaṇa-Kumāra-Episode, Geburt und Exil Rāmas, Errettung des Vaters durch die Gautamī); Kap.123 umfasst 217 Einheiten.]

ikṣvākuvaṃśaprabhavaḥ kṣatriyo lokaviśrutaḥ / balavān matimāñ śūro yathā śakraḥ puraṃdaraḥ // BrP_123.2 //

Ein aus dem Ikṣvāku-Geschlecht entsprungener Kṣatriya, in der Welt berühmt, mächtig, klug, ein Held wie Śakra Puraṃdara (Indra) -

Wort für Wort
ikṣvākuvaṃśaprabhavaḥ kṣatriyo lokaviśrutaḥ
ein aus dem Ikṣvāku-Geschlecht entsprungener Kṣatriya, in der Welt berühmt
balavān matimāñ śūro yathā śakraḥ puraṃdaraḥ
mächtig, klug, ein Held wie Śakra Puraṃdara

pitṛpaitāmahaṃ rājyaṃ kurvann āste yathā baliḥ / tasya tisro mahiṣyaḥ syū rājño daśarathasya hi // BrP_123.3 //

- er herrschte über das Reich seiner Väter und Vorväter wie Bali; dieser König Daśaratha hatte drei Hauptgemahlinnen.

Wort für Wort
pitṛpaitāmahaṃ rājyaṃ kurvann āste yathā baliḥ
er herrschte über das Reich seiner Väter und Vorväter wie Bali
tasya tisro mahiṣyaḥ syū rājño daśarathasya hi
dieser König Daśaratha hatte drei Hauptgemahlinnen

kauśalyā ca sumitrā ca kaikeyī ca mahāmate / etāḥ kulīnāḥ subhagā rūpalakṣaṇasaṃyutāḥ // BrP_123.4 //

Kausalyā, Sumitrā und Kaikeyī, o Großgesinnter; diese waren wohlgeboren, glückverheißend, mit Schönheit und günstigen Merkmalen versehen.

Wort für Wort
kauśalyā ca sumitrā ca kaikeyī ca mahāmate
Kausalyā, Sumitrā und Kaikeyī, o Großgesinnter
etāḥ kulīnāḥ subhagā rūpalakṣaṇasaṃyutāḥ
diese waren wohlgeboren, glückverheißend, mit Schönheit und günstigen Merkmalen versehen

tasmin rājani rājye tu sthite 'yodhyāpatau mune / vasiṣṭhe brahmavicchreṣṭhe purodhasi viśeṣataḥ // BrP_123.5 //

Während jener König im Reich herrschte, der Herr von Ayodhyā, o Weiser, mit Vasiṣṭha, dem besten Brahmankenner, insbesondere als Hofpriester -

Wort für Wort
tasmin rājani rājye tu sthite 'yodhyāpatau mune
während jener König im Reich herrschte, der Herr von Ayodhyā, o Weiser
vasiṣṭhe brahmavicchreṣṭhe purodhasi viśeṣataḥ
mit Vasiṣṭha, dem besten Brahmankenner, insbesondere als Hofpriester

na ca vyādhir na durbhikṣaṃ na cāvṛṣṭir na cādhayaḥ / brahmakṣatraviśāṃ nityaṃ śūdrāṇāṃ ca viśeṣataḥ // BrP_123.6 //

- gab es weder Krankheit noch Hungersnot, weder Regenmangel noch seelische Nöte, stets bei Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas, und besonders bei den Śūdras.

Wort für Wort
na ca vyādhir na durbhikṣaṃ na cāvṛṣṭir na cādhayaḥ
es gab weder Krankheit noch Hungersnot, weder Regenmangel noch seelische Nöte
brahmakṣatraviśāṃ nityaṃ śūdrāṇāṃ ca viśeṣataḥ
stets bei Brahmanen, Kṣatriyas und Vaiśyas, und besonders bei den Śūdras

āśramāṇāṃ tu sarveṣām ānando 'bhūt pṛthak pṛthak / tasmiñ śāsati rājendra ikṣvākūṇāṃ kulodvahe // BrP_123.7 //

In allen Lebensstadien herrschte je eigene Freude, während jener regierte, o Fürst, der Erste des Ikṣvāku-Geschlechts.

Wort für Wort
āśramāṇāṃ tu sarveṣām ānando 'bhūt pṛthak pṛthak
in allen Lebensstadien herrschte je eigene Freude
tasmiñ śāsati rājendra ikṣvākūṇāṃ kulodvahe
während jener regierte, o Fürst, der Erste des Ikṣvāku-Geschlechts

devānāṃ dānavānāṃ tu rājyārthe vigraho 'bhavat / kvāpi tatra jayaṃ prāpur devāḥ kvāpi tathetare // BrP_123.8 //

Zwischen Göttern und Dānavas entstand ein Streit um die Herrschaft; hier erlangten die Götter den Sieg, dort wiederum die anderen.

Wort für Wort
devānāṃ dānavānāṃ tu rājyārthe vigraho 'bhavat
zwischen Göttern und Dānavas entstand ein Streit um die Herrschaft
kvāpi tatra jayaṃ prāpur devāḥ kvāpi tathetare
hier erlangten die Götter den Sieg, dort wiederum die anderen

evaṃ pravartamāne tu trailokyam atipīḍitam / abhūn nārada tatrāham avadaṃ daityadānavān // BrP_123.9 //

Während dies so fortdauerte, wurden die drei Welten schwer bedrängt, o Nārada; da sprach ich zu den Daityas und Dānavas.

Wort für Wort
evaṃ pravartamāne tu trailokyam atipīḍitam
während dies so fortdauerte, wurden die drei Welten schwer bedrängt, o Nārada
abhūn nārada tatrāham avadaṃ daityadānavān
da sprach ich zu den Daityas und Dānavas

devāṃś cāpi viśeṣeṇa na kṛtaṃ tair madīritam / punaś ca saṃgaras teṣāṃ babhūva sumahān mithaḥ // BrP_123.10 //

- und besonders auch zu den Göttern; doch was ich sagte, wurde von ihnen nicht befolgt, und wieder entstand zwischen ihnen ein sehr großer gegenseitiger Kampf.

Wort für Wort
devāṃś cāpi viśeṣeṇa na kṛtaṃ tair madīritam
und besonders auch zu den Göttern; doch was ich sagte, wurde von ihnen nicht befolgt
punaś ca saṃgaras teṣāṃ babhūva sumahān mithaḥ
und wieder entstand zwischen ihnen ein sehr großer gegenseitiger Kampf

viṣṇuṃ gatvā surāḥ procus tatheśānaṃ jaganmayam / tāv ūcatur ubhau devān asurān daityadānavān // BrP_123.11 //

Die Götter gingen zu Viṣṇu und sprachen ebenso zu Īśāna, dem das Weltall durchdringenden; beide sprachen zu den Göttern, Asuras, Daityas und Dānavas.

Wort für Wort
viṣṇuṃ gatvā surāḥ procus tatheśānaṃ jaganmayam
die Götter gingen zu Viṣṇu und sprachen ebenso zu Īśāna, dem das Weltall durchdringenden
tāv ūcatur ubhau devān asurān daityadānavān
beide sprachen zu den Göttern, Asuras, Daityas und Dānavas

tapasā balino yāntu punaḥ kurvantu saṃgaram / tathety āhur yayuḥ sarve tapase niyatavratāḥ // BrP_123.12 //

'Werdet durch Askese stark, dann führt den Kampf erneut.' 'So sei es', sagten alle und gingen zur Askese, in feste Gelübde gebunden.

Wort für Wort
tapasā balino yāntu punaḥ kurvantu saṃgaram
'werdet durch Askese stark, dann führt den Kampf erneut'
tathety āhur yayuḥ sarve tapase niyatavratāḥ
'so sei es', sagten alle und gingen zur Askese, in feste Gelübde gebunden

yayus tu rākṣasān devāḥ punas te matsarānvitāḥ / devānāṃ dānavānāṃ ca saṃgaro 'bhūt sudāruṇaḥ // BrP_123.13 //

Doch die Götter gingen wieder, von Neid erfüllt, zu den Rākṣasas; ein sehr schrecklicher Kampf entstand zwischen Göttern und Dānavas.

Wort für Wort
yayus tu rākṣasān devāḥ punas te matsarānvitāḥ
doch die Götter gingen wieder, von Neid erfüllt, zu den Rākṣasas
devānāṃ dānavānāṃ ca saṃgaro 'bhūt sudāruṇaḥ
ein sehr schrecklicher Kampf entstand zwischen Göttern und Dānavas

na tatra devā jetāro naiva daityāś ca dānavāḥ / saṃyuge vartamāne tu vāg uvācāśarīriṇī // BrP_123.14 //

Weder wurden dort die Götter Sieger, noch die Daityas und Dānavas; während die Schlacht im Gange war, sprach eine körperlose Stimme.

Wort für Wort
na tatra devā jetāro naiva daityāś ca dānavāḥ
weder wurden dort die Götter Sieger, noch die Daityas und Dānavas
saṃyuge vartamāne tu vāg uvācāśarīriṇī
während die Schlacht im Gange war, sprach eine körperlose Stimme

{ākāśavāg uvāca: } yeṣāṃ daśaratho rājā te jetāro na cetare //* BrP_123.15 //

Die Himmelsstimme sprach: 'Auf wessen Seite König Daśaratha ist, jene werden Sieger sein, nicht die anderen.'

Wort für Wort
yeṣāṃ daśaratho rājā te jetāro
auf wessen Seite König Daśaratha ist, jene werden Sieger sein
na cetare
nicht die anderen

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } iti śrutvā jayāyobhau jagmatur devadānavau / tatra vāyus tvaran prāpto rājānam avadat tadā // BrP_123.16 //

Brahmā sprach: Dies hörend, gingen beide, Götter und Dānavas, um des Sieges willen; dort eilte Vāyu herbei und sprach da zum König.

Wort für Wort
iti śrutvā jayāyobhau jagmatur devadānavau
dies hörend, gingen beide, Götter und Dānavas, um des Sieges willen
tatra vāyus tvaran prāpto rājānam avadat tadā
dort eilte Vāyu herbei und sprach da zum König

{vāyur uvāca: } āgantavyaṃ tvayā rājan devadānavasaṃgare / yatra rājā daśaratho jayas tatreti viśrutam // BrP_123.17 //

Vāyu sprach: 'Du musst kommen, o König, zur Schlacht zwischen Göttern und Dānavas; wo König Daśaratha ist, dort ist, wie bekannt ist, der Sieg.'

Wort für Wort
āgantavyaṃ tvayā rājan devadānavasaṃgare
du musst kommen, o König, zur Schlacht zwischen Göttern und Dānavas
yatra rājā daśaratho jayas tatreti viśrutam
wo König Daśaratha ist, dort ist, wie bekannt ist, der Sieg

tasmāt tvaṃ devapakṣe syā bhaveyur jayinaḥ surāḥ //* BrP_123.18 //

'Darum sei du auf der Seite der Götter, damit die Götter Sieger werden.'

Wort für Wort
tasmāt tvaṃ devapakṣe syā
darum sei du auf der Seite der Götter
bhaveyur jayinaḥ surāḥ
damit die Götter Sieger werden

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } tad vāyuvacanaṃ śrutvā rājā daśaratho nṛpaḥ / āgamyate mayā satyaṃ gaccha vāyo yathāsukham // BrP_123.19 //

Brahmā sprach: Dieses Wort Vāyus hörend, sprach König Daśaratha, der Herrscher: 'Ich werde kommen, das ist wahr; geh, Vāyu, wie es dir beliebt.'

Wort für Wort
tad vāyuvacanaṃ śrutvā rājā daśaratho nṛpaḥ
dieses Wort Vāyus hörend, sprach König Daśaratha, der Herrscher
āgamyate mayā satyaṃ gaccha vāyo yathāsukham
'ich werde kommen, das ist wahr; geh, Vāyu, wie es dir beliebt'

gate vāyau tadā daityā ājagmur bhūpatiṃ prati / te 'py ūcur bhagavann asmat- sāhāyyaṃ kartum arhasi // BrP_123.20 //

Als Vāyu gegangen war, kamen da die Daityas zum König; auch sie sprachen: 'O Herr, du sollst uns Beistand leisten.'

Wort für Wort
gate vāyau tadā daityā ājagmur bhūpatiṃ prati
als Vāyu gegangen war, kamen da die Daityas zum König
te 'py ūcur bhagavann asmat-sāhāyyaṃ kartum arhasi
auch sie sprachen: 'o Herr, du sollst uns Beistand leisten'

rājan daśaratha śrīman vijayas tvayi saṃsthitaḥ / tasmāt tvaṃ daityapateḥ sāhāyyaṃ kartum arhasi // BrP_123.21 //

'O König Daśaratha, Glanzvoller, der Sieg beruht auf dir; darum sollst du dem Herrn der Daityas Beistand leisten.'

Wort für Wort
rājan daśaratha śrīman vijayas tvayi saṃsthitaḥ
'o König Daśaratha, Glanzvoller, der Sieg beruht auf dir'
tasmāt tvaṃ daityapateḥ sāhāyyaṃ kartum arhasi
'darum sollst du dem Herrn der Daityas Beistand leisten'

tataḥ provāca nṛpatir vāyunā prārthitaḥ purā / pratijñātaṃ mayā tac ca yāntu daityāś ca dānavāḥ // BrP_123.22 //

Da sprach der König, zuvor von Vāyu gebeten: 'Ich habe es zugesagt' - so mögen die Daityas und Dānavas gehen.

Wort für Wort
tataḥ provāca nṛpatir vāyunā prārthitaḥ purā
da sprach der König, zuvor von Vāyu gebeten
pratijñātaṃ mayā tac ca yāntu daityāś ca dānavāḥ
'ich habe es zugesagt' - so mögen die Daityas und Dānavas gehen

sa tu rājā tathā cakre gatvā caiva triviṣṭapam / yuddhaṃ cakre tathā daityair dānavaiḥ saha rākṣasaiḥ // BrP_123.23 //

So tat der König, und, zum Himmel gegangen, führte er Krieg mit den Daityas, zusammen mit den Dānavas und Rākṣasas.

Wort für Wort
sa tu rājā tathā cakre gatvā caiva triviṣṭapam
so tat der König, und, zum Himmel gegangen
yuddhaṃ cakre tathā daityair dānavaiḥ saha rākṣasaiḥ
führte er Krieg mit den Daityas, zusammen mit den Dānavas und Rākṣasas

paśyatsu devasaṃgheṣu namucer bhrātaras tadā / vividhur niśitair bāṇair athākṣaṃ nṛpates tathā // BrP_123.24 //

Während die Götterscharen zusahen, durchbohrten da die Brüder Namucis mit scharfen Pfeilen die Achse des Wagens des Königs.

Wort für Wort
paśyatsu devasaṃgheṣu namucer bhrātaras tadā
während die Götterscharen zusahen, (durchbohrten) da die Brüder Namucis
vividhur niśitair bāṇair athākṣaṃ nṛpates tathā
mit scharfen Pfeilen die Achse des Wagens des Königs

bhinnākṣaṃ taṃ rathaṃ rājā na jānāti sa saṃbhramāt / rājāntike sthitā subhrūḥ kaikeyyājñāyi nārada // BrP_123.25 //

Der König bemerkte in seiner Verwirrung nicht, dass die Achse jenes Wagens gebrochen war; die schönbrauige Kaikeyī, die nahe beim König stand, bemerkte es, o Nārada.

Wort für Wort
bhinnākṣaṃ taṃ rathaṃ rājā na jānāti sa saṃbhramāt
der König bemerkte in seiner Verwirrung nicht, dass die Achse jenes Wagens gebrochen war
rājāntike sthitā subhrūḥ kaikeyyājñāyi nārada
die schönbrauige Kaikeyī, die nahe beim König stand, bemerkte es, o Nārada

na jñāpitaṃ tayā rājñe svayam ālokya suvratā / bhagnam akṣaṃ samālakṣya cakre hastaṃ tadā svakam // BrP_123.26 //

Sie teilte es dem König nicht mit, sondern die Tugendhafte, selbst hinblickend, bemerkte die gebrochene Achse und legte da ihre eigene Hand (an ihre Stelle).

Wort für Wort
na jñāpitaṃ tayā rājñe svayam ālokya suvratā
sie teilte es dem König nicht mit, sondern die Tugendhafte, selbst hinblickend
bhagnam akṣaṃ samālakṣya cakre hastaṃ tadā svakam
bemerkte die gebrochene Achse und legte da ihre eigene Hand (an ihre Stelle)

akṣavan muniśārdūla tad etan mahad adbhutam / rathena rathināṃ śreṣṭhas tayā dattakareṇa ca // BrP_123.27 //

O Tiger unter den Weisen, dies war ein großes Wunder: mit jenem Wagen, dessen Achse durch die von ihr dargebotene Hand (ersetzt war), (fuhr) der Beste der Wagenlenker -

Wort für Wort
akṣavan muniśārdūla tad etan mahad adbhutam
o Tiger unter den Weisen, dies war ein großes Wunder
rathena rathināṃ śreṣṭhas tayā dattakareṇa ca
mit jenem Wagen, dessen Achse durch die von ihr dargebotene Hand (ersetzt war), (fuhr) der Beste der Wagenlenker

jitavān daityadanujān devaiḥ prāpya varān bahūn / tato devair anujñātas tv ayodhyāṃ punar abhyagāt // BrP_123.28 //

- besiegte er die Daitya-Dämonen, nachdem er von den Göttern viele Gaben erhalten hatte; dann, von den Göttern entlassen, kehrte er wieder nach Ayodhyā zurück.

Wort für Wort
jitavān daityadanujān devaiḥ prāpya varān bahūn
besiegte er die Daitya-Dämonen, nachdem er von den Göttern viele Gaben erhalten hatte
tato devair anujñātas tv ayodhyāṃ punar abhyagāt
dann, von den Göttern entlassen, kehrte er wieder nach Ayodhyā zurück

sa tu madhye mahārājo mārge vīkṣya tadā priyām / kaikeyyāḥ karma tad dṛṣṭvā vismayaṃ paramaṃ gataḥ // BrP_123.29 //

Der große König, mitten auf dem Weg seine Geliebte betrachtend und jene Tat Kaikeyīs sehend, geriet da in höchstes Erstaunen.

Wort für Wort
sa tu madhye mahārājo mārge vīkṣya tadā priyām
der große König, mitten auf dem Weg seine Geliebte betrachtend
kaikeyyāḥ karma tad dṛṣṭvā vismayaṃ paramaṃ gataḥ
und jene Tat Kaikeyīs sehend, geriet da in höchstes Erstaunen

tatas tasyai varān prādāt trīṃs tu nārada sā api / anumānya nṛpaproktaṃ kaikeyī vākyam abravīt // BrP_123.30 //

Dann gewährte er ihr drei Wünsche, o Nārada; und sie, Kaikeyī, das vom König Gesagte bedenkend, sprach diese Worte.

Wort für Wort
tatas tasyai varān prādāt trīṃs tu nārada sā api
dann gewährte er ihr drei Wünsche, o Nārada
anumānya nṛpaproktaṃ kaikeyī vākyam abravīt
und sie, Kaikeyī, das vom König Gesagte bedenkend, sprach diese Worte

{kaikeyy uvāca: } tvayi tiṣṭhantu rājendra tvayā dattā varā amī //* BrP_123.31 //

Kaikeyī sprach: 'Bei dir mögen diese von dir gewährten Wünsche verbleiben, o Fürst.'

Wort für Wort
tvayi tiṣṭhantu rājendra
bei dir mögen verbleiben, o Fürst
tvayā dattā varā amī
diese von dir gewährten Wünsche

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } vibhūṣaṇāni rājendro dattvā sa priyayā saha / rathena vijayī rājā yayau svanagaraṃ sukhī // BrP_123.32 //

Brahmā sprach: Nachdem der Fürst Schmuckstücke gegeben hatte, fuhr der siegreiche König zusammen mit seiner Geliebten glücklich mit dem Wagen in seine eigene Stadt.

Wort für Wort
vibhūṣaṇāni rājendro dattvā sa priyayā saha
nachdem der Fürst Schmuckstücke gegeben hatte, (fuhr) er zusammen mit seiner Geliebten
rathena vijayī rājā yayau svanagaraṃ sukhī
fuhr der siegreiche König glücklich mit dem Wagen in seine eigene Stadt

yoṣitāṃ kim adeyaṃ hi priyāṇām ucitāgame / sa kadācid daśaratho mṛgayāśīlibhir vṛtaḥ // BrP_123.33 //

Was ist geliebten Frauen bei passender Gelegenheit nicht zu geben? Einst war Daśaratha von jagdliebenden (Gefährten) umgeben,

Wort für Wort
yoṣitāṃ kim adeyaṃ hi priyāṇām ucitāgame
was ist geliebten Frauen bei passender Gelegenheit nicht zu geben
sa kadācid daśaratho mṛgayāśīlibhir vṛtaḥ
einst war Daśaratha von jagdliebenden (Gefährten) umgeben

aṭann araṇye śarvaryāṃ vāribandham athākarot / saptavyasanahīnena bhavitavyaṃ tu bhūbhujā // BrP_123.34 //

und, im Wald bei Nacht umherstreifend, legte er einen Hinterhalt am Wasser an; ein König muss doch frei sein von den sieben Lastern (Untugenden).

Wort für Wort
aṭann araṇye śarvaryāṃ vāribandham athākarot
und, im Wald bei Nacht umherstreifend, legte er einen Hinterhalt am Wasser an
saptavyasanahīnena bhavitavyaṃ tu bhūbhujā
ein König muss doch frei sein von den sieben Lastern

[Anm.: Sprichwortartiger Einschub über die 'sieben Laster' eines Herrschers.]

iti jānann api ca tac cakāra tu vidher vaśāt / gartaṃ praviśya pānārtham āgatān niśitaiḥ śaraiḥ // BrP_123.35 //

Dies wissend, tat er es dennoch, durch die Macht des Schicksals; in eine Grube eindringend, (schoss er) mit scharfen Pfeilen auf die zum Trinken Herangekommenen -

Wort für Wort
iti jānann api ca tac cakāra tu vidher vaśāt
dies wissend, tat er es dennoch, durch die Macht des Schicksals
gartaṃ praviśya pānārtham āgatān niśitaiḥ śaraiḥ
in eine Grube eindringend, (schoss er) mit scharfen Pfeilen auf die zum Trinken Herangekommenen

mṛgān hanti mahābāhuḥ śṛṇu kālaviparyayam / gartaṃ praviṣṭe nṛpatau tasminn eva nagottame // BrP_123.36 //

- tötet der Starkarmige die Rehe; höre die Wendung des Schicksals! Als der König in die Grube eingedrungen war, in ebendieser besten Stadt (Gegend) -

Wort für Wort
mṛgān hanti mahābāhuḥ śṛṇu kālaviparyayam
tötet der Starkarmige die Rehe; höre die Wendung des Schicksals
gartaṃ praviṣṭe nṛpatau tasminn eva nagottame
als der König in die Grube eingedrungen war, in ebendieser besten Stadt (Gegend)

vṛddho vaiśravaṇo nāma na śṛṇoti na paśyati / tasya bhāryā tathābhūtā tāv abrūtāṃ tadā sutam // BrP_123.37 //

- (lebte) ein Alter namens Vaiśravaṇa, der weder hört noch sieht; seine Frau war ebenso; beide sprachen da zu ihrem Sohn.

Wort für Wort
vṛddho vaiśravaṇo nāma na śṛṇoti na paśyati
(lebte) ein Alter namens Vaiśravaṇa, der weder hört noch sieht
tasya bhāryā tathābhūtā tāv abrūtāṃ tadā sutam
seine Frau war ebenso; beide sprachen da zu ihrem Sohn

[Anm.: Der blinde und taube Waldeinsiedler wird hier 'Vaiśravaṇa' genannt; sein Sohn - in der bekannteren Rāmāyaṇa-Tradition meist 'Śravaṇa Kumāra' - bleibt hier namenlos, siehe aber V.75 zur Bezeichnung 'Śravaṇa' für den Vater.]

{mātāpitarāv ūcatuḥ: } āvāṃ tṛṣārtau rātriś ca kṛṣṇā cāpi pravartate / vṛddhānāṃ jīvitaṃ kṛtsnaṃ bālas tvam asi putraka // BrP_123.38 //

Vater und Mutter sprachen: 'Wir beide sind von Durst gequält, und die dunkle Nacht bricht auch herein; das ganze Leben der Alten (liegt bei dir) - du bist (unser) Kind, o Söhnchen.'

Wort für Wort
āvāṃ tṛṣārtau rātriś ca kṛṣṇā cāpi pravartate
'wir beide sind von Durst gequält, und die dunkle Nacht bricht auch herein'
vṛddhānāṃ jīvitaṃ kṛtsnaṃ bālas tvam asi putraka
'das ganze Leben der Alten (liegt bei dir) - du bist (unser) Kind, o Söhnchen'

andhānāṃ badhirāṇāṃ ca vṛddhānāṃ dhik ca jīvitam / jarājarjaradehānāṃ dhig dhik putraka jīvitam // BrP_123.39 //

'Verflucht sei das Leben der Blinden, der Tauben, der Alten! Verflucht, verflucht sei das Leben derer, deren Körper vom Alter zermürbt ist, o Söhnchen!'

Wort für Wort
andhānāṃ badhirāṇāṃ ca vṛddhānāṃ dhik ca jīvitam
'verflucht sei das Leben der Blinden, der Tauben, der Alten'
jarājarjaradehānāṃ dhig dhik putraka jīvitam
'verflucht, verflucht sei das Leben derer, deren Körper vom Alter zermürbt ist, o Söhnchen'

tāvat puṃbhir jīvitavyaṃ yāval lakṣmīr dṛḍhaṃ vapuḥ / yāvad ājñāpratihatā tīrthādāv anyathā mṛtiḥ // BrP_123.40 //

'So lange sollen Männer leben, wie Glück und ein fester Körper (bestehen), so lange ihr Befehl unangefochten ist; andernfalls (ist) der Tod, am besten an einem Tīrtha (u.ä.), (vorzuziehen).'

Wort für Wort
tāvat puṃbhir jīvitavyaṃ yāval lakṣmīr dṛḍhaṃ vapuḥ
'so lange sollen Männer leben, wie Glück und ein fester Körper (bestehen)'
yāvad ājñāpratihatā tīrthādāv anyathā mṛtiḥ
'so lange ihr Befehl unangefochten ist; andernfalls (ist) der Tod, am besten an einem Tīrtha, (vorzuziehen)'

[Anm.: Sprachlich verdichteter, sprichwortartiger Vers über die Würde des Alters; Konstruktion unsicher.]

{brahmovāca: } ity etad vacanaṃ śrutvā vṛddhayor guruvatsalaḥ / putraḥ provāca tad duḥkhaṃ girā madhurayā haran // BrP_123.41 //

Brahmā sprach: Dieses Wort der beiden Alten hörend, sprach der seinen Eltern zugetane Sohn und nahm jenen Schmerz mit süßer Stimme hinweg.

Wort für Wort
ity etad vacanaṃ śrutvā vṛddhayor guruvatsalaḥ
dieses Wort der beiden Alten hörend, der seinen Eltern zugetane
putraḥ provāca tad duḥkhaṃ girā madhurayā haran
Sohn sprach und nahm jenen Schmerz mit süßer Stimme hinweg

{putra uvāca: } mayi jīvati kiṃ nāma yuvayor duḥkham īdṛśam / na haraty ātmajaḥ pitror yaś caritrair manorujam // BrP_123.42 //

Der Sohn sprach: 'Solange ich lebe, warum sollte euch beiden solches Leid widerfahren? Kein Sohn ist es, der durch sein Verhalten nicht den Seelenschmerz der Eltern hinwegnimmt.'

Wort für Wort
mayi jīvati kiṃ nāma yuvayor duḥkham īdṛśam
'solange ich lebe, warum sollte euch beiden solches Leid widerfahren'
na haraty ātmajaḥ pitror yaś caritrair manorujam
'kein (wahrer) Sohn ist es, der durch sein Verhalten nicht den Seelenschmerz der Eltern hinwegnimmt'

tena kiṃ tanujeneha kulodvegavidhāyinā //* BrP_123.43 //

'Was nützt hier ein solcher Sohn, der der Familie nur Unruhe bereitet?'

Wort für Wort
tena kiṃ tanujeneha
was nützt hier ein solcher Sohn
kulodvegavidhāyinā
der der Familie nur Unruhe bereitet

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } ity uktvā pitarau natvā tāv āśvāsya mahāmanāḥ / taruskandhe samāropya vṛddhau ca pitarau tadā // BrP_123.44 //

Brahmā sprach: Dies gesagt habend, sich vor den Eltern verneigend, sie tröstend, der Großgesinnte, nachdem er die beiden alten Eltern auf einen Baumstamm (eine Trage) gesetzt hatte -

Wort für Wort
ity uktvā pitarau natvā tāv āśvāsya mahāmanāḥ
dies gesagt habend, sich vor den Eltern verneigend, sie tröstend, der Großgesinnte
taruskandhe samāropya vṛddhau ca pitarau tadā
nachdem er die beiden alten Eltern auf einen Baumstamm (eine Trage) gesetzt hatte

haste gṛhītvā kalaśaṃ jagāma ṛṣiputrakaḥ / sa ṛṣir na tu rājānaṃ jānāti nṛpatir dvijam // BrP_123.45 //

- ging der Sohn des Weisen, einen Krug in der Hand haltend; der Weise kannte nicht den König, noch kannte der König den Zweifachgeborenen (Brahmanen).

Wort für Wort
haste gṛhītvā kalaśaṃ jagāma ṛṣiputrakaḥ
der Sohn des Weisen ging, einen Krug in der Hand haltend
sa ṛṣir na tu rājānaṃ jānāti nṛpatir dvijam
der Weise kannte nicht den König, noch kannte der König den Zweifachgeborenen

ubhau sarabhasau tatra dvijo vāri samāviśat / satvaraṃ kalaśe nyubje vāri gṛhṇantam āśugaiḥ // BrP_123.46 //

Beide eilten dort; der Zweifachgeborene stieg ins Wasser, um rasch mit dem umgestürzten Krug Wasser zu schöpfen -

Wort für Wort
ubhau sarabhasau tatra dvijo vāri samāviśat
der Zweifachgeborene eilte dort und stieg ins Wasser
satvaraṃ kalaśe nyubje vāri gṛhṇantam āśugaiḥ
um rasch mit dem umgestürzten Krug Wasser zu schöpfen; mit schnellen (Pfeilen)

dvijaṃ rājā dvipaṃ matvā vivyādha niśitaiḥ śaraiḥ / vanadvipo 'pi bhūpānām avadhyas tad vidann api // BrP_123.47 //

durchbohrte der König den Zweifachgeborenen, ihn für einen Elefanten haltend, mit scharfen Pfeilen; selbst ein Waldelefant ist für Könige unverletzlich - dies wissend, dennoch -

Wort für Wort
dvijaṃ rājā dvipaṃ matvā vivyādha niśitaiḥ śaraiḥ
durchbohrte der König den Zweifachgeborenen, ihn für einen Elefanten haltend, mit scharfen Pfeilen
vanadvipo 'pi bhūpānām avadhyas tad vidann api
selbst ein Waldelefant ist für Könige unverletzlich - dies wissend, dennoch

[Anm.: Sinn des zweiten Halbverses unsicher; evtl. Hinweis auf das jagdliche Tabu, selbst Elefanten grundlos zu töten.]

vivyādha taṃ nṛpaḥ kuryān na kiṃ kiṃ vidhivañcitaḥ / sa viddho marmadeśe tu duḥkhito vākyam abravīt // BrP_123.48 //

durchbohrte ihn der König - was würde einer, vom Schicksal getäuscht, nicht tun? Er, an einer lebenswichtigen Stelle getroffen, sprach schmerzerfüllt diese Worte.

Wort für Wort
vivyādha taṃ nṛpaḥ kuryān na kiṃ kiṃ vidhivañcitaḥ
durchbohrte ihn der König - was würde einer, vom Schicksal getäuscht, nicht tun
sa viddho marmadeśe tu duḥkhito vākyam abravīt
er, an einer lebenswichtigen Stelle getroffen, sprach schmerzerfüllt diese Worte

{dvija uvāca: } kenedaṃ duḥkhadaṃ karma kṛtaṃ sadbrāhmaṇasya me / maitro brāhmaṇa ity ukto nāparādho 'sti kaścana // BrP_123.49 //

Der Zweifachgeborene sprach: 'Von wem wurde mir, einem rechtschaffenen Brahmanen, diese schmerzbringende Tat angetan? Ein freundlich gesinnter Brahmane genannt, gibt es keinerlei Verfehlung (meinerseits).'

Wort für Wort
kenedaṃ duḥkhadaṃ karma kṛtaṃ sadbrāhmaṇasya me
'von wem wurde mir, einem rechtschaffenen Brahmanen, diese schmerzbringende Tat angetan'
maitro brāhmaṇa ity ukto nāparādho 'sti kaścana
'ein freundlich gesinnter Brahmane genannt, gibt es keinerlei Verfehlung (meinerseits)'

{brahmovāca: } tad etad vacanaṃ śrutvā muner ārtasya bhūpatiḥ / niśceṣṭaś ca nirutsāho śanais taṃ deśam abhyagāt // BrP_123.50 //

Brahmā sprach: Dieses Wort des gequälten Weisen hörend, ging der König, regungslos und mutlos, langsam zu jener Stelle.

Wort für Wort
tad etad vacanaṃ śrutvā muner ārtasya bhūpatiḥ
dieses Wort des gequälten Weisen hörend, der König
niśceṣṭaś ca nirutsāho śanais taṃ deśam abhyagāt
regungslos und mutlos, ging langsam zu jener Stelle

taṃ tu dṛṣṭvā dvijavaraṃ jvalantam iva tejasā / asāv apy abhavat tatra saśalya iva mūrcchitaḥ // BrP_123.51 //

Als er jenen besten Zweifachgeborenen sah, der gleichsam vor Glanz erstrahlte, wurde er selbst dort gleichsam von einem Pfeil getroffen und ohnmächtig.

Wort für Wort
taṃ tu dṛṣṭvā dvijavaraṃ jvalantam iva tejasā
als er jenen besten Zweifachgeborenen sah, der gleichsam vor Glanz erstrahlte
asāv apy abhavat tatra saśalya iva mūrcchitaḥ
wurde er selbst dort gleichsam von einem Pfeil getroffen und ohnmächtig

ātmānam ātmanā kṛtvā sthiraṃ rājābravīd idam //* BrP_123.52 //

Sich selbst durch sich selbst gefasst machend, sprach der König dies.

Wort für Wort
ātmānam ātmanā kṛtvā sthiraṃ
sich selbst durch sich selbst gefasst machend
rājābravīd idam
sprach der König dies

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{rājovāca: } ko bhavān dvijaśārdūla kimartham iha cāgataḥ / vada pāpakṛte mahyaṃ vada me niṣkṛtiṃ parām // BrP_123.53 //

Der König sprach: 'Wer bist du, Tiger unter den Zweifachgeborenen, und wozu bist du hierher gekommen? Sage mir, dem Sünder, sage mir die höchste Sühne.'

Wort für Wort
ko bhavān dvijaśārdūla kimartham iha cāgataḥ
'wer bist du, Tiger unter den Zweifachgeborenen, und wozu bist du hierher gekommen'
vada pāpakṛte mahyaṃ vada me niṣkṛtiṃ parām
'sage mir, dem Sünder, sage mir die höchste Sühne'

brahmahā varṇibhiḥ kiṃtu śvapacair api jātucit / na spraṣṭavyo mahābuddhe draṣṭavyo na kadācana // BrP_123.54 //

'Ein Brahmanenmörder darf jedoch niemals von den (Angehörigen der) Kasten, selbst nicht von Hundekochern (Ausgestoßenen), berührt werden, o Großverständiger, noch je angeschaut werden.'

Wort für Wort
brahmahā varṇibhiḥ kiṃtu śvapacair api jātucit
'ein Brahmanenmörder darf jedoch niemals von den Angehörigen der Kasten, selbst nicht von Hundekochern (Ausgestoßenen)'
na spraṣṭavyo mahābuddhe draṣṭavyo na kadācana
'berührt werden, o Großverständiger, noch je angeschaut werden'

{brahmovāca: } tad rājavacanaṃ śrutvā muniputro 'bravīd vacaḥ //* BrP_123.55 //

Brahmā sprach: Dieses Wort des Königs hörend, sprach der Sohn des Weisen diese Worte.

Wort für Wort
tad rājavacanaṃ śrutvā
dieses Wort des Königs hörend
muniputro 'bravīd vacaḥ
sprach der Sohn des Weisen diese Worte

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{muniputra uvāca: } utkramiṣyanti me prāṇā ato vakṣyāmi kiṃcana / svacchandavṛttitājñāne viddhi pākaṃ ca karmaṇām // BrP_123.56 //

Der Sohn des Weisen sprach: 'Meine Lebensatmen werden bald entweichen, darum will ich etwas sagen: erkenne die Reifung der Taten im Nichtwissen des eigenwilligen Handelns.'

Wort für Wort
utkramiṣyanti me prāṇā ato vakṣyāmi kiṃcana
'meine Lebensatmen werden bald entweichen, darum will ich etwas sagen'
svacchandavṛttitājñāne viddhi pākaṃ ca karmaṇām
'erkenne die Reifung der Taten im Nichtwissen des eigenwilligen Handelns'

[Anm.: Sinn des zweiten Halbverses unsicher; wörtlich etwa 'erkenne die Reifung der Taten in der Unkenntnis (der Folgen) eigenwilligen Verhaltens'.]

ātmārthaṃ tu na śocāmi vṛddhau tu pitarau mama / tayoḥ śuśrūṣakaḥ kaḥ syād andhayor ekaputrayoḥ // BrP_123.57 //

'Um meinetwillen trauere ich nicht, doch um meine alten Eltern; wer wird ihr Diener sein, den beiden Blinden mit nur einem Sohn?'

Wort für Wort
ātmārthaṃ tu na śocāmi vṛddhau tu pitarau mama
'um meinetwillen trauere ich nicht, doch um meine alten Eltern'
tayoḥ śuśrūṣakaḥ kaḥ syād andhayor ekaputrayoḥ
'wer wird ihr Diener sein, den beiden Blinden mit nur einem Sohn'

vinā mayā mahāraṇye kathaṃ tau jīvayiṣyataḥ / mamābhāgyam aho kīdṛk pitṛśuśrūṣaṇe kṣatiḥ // BrP_123.58 //

'Ohne mich, im großen Wald, wie werden die beiden am Leben bleiben? Ach, welch Unglück ist mein - ein Versagen im Dienst an den Eltern!'

Wort für Wort
vinā mayā mahāraṇye kathaṃ tau jīvayiṣyataḥ
'ohne mich, im großen Wald, wie werden die beiden am Leben bleiben'
mamābhāgyam aho kīdṛk pitṛśuśrūṣaṇe kṣatiḥ
'ach, welch Unglück ist mein - ein Versagen im Dienst an den Eltern'

jātā me 'dya vinā prāṇair hā vidhe kiṃ kṛtaṃ tvayā / tathāpi gaccha tatra tvaṃ gṛhītakalaśas tvaran // BrP_123.59 //

'Heute bin ich ohne Lebensatem geworden - ach Schicksal, was hast du getan! Dennoch geh eilends dorthin, den Krug ergreifend -'

Wort für Wort
jātā me 'dya vinā prāṇair hā vidhe kiṃ kṛtaṃ tvayā
'heute bin ich ohne Lebensatem geworden - ach Schicksal, was hast du getan'
tathāpi gaccha tatra tvaṃ gṛhītakalaśas tvaran
'dennoch geh eilends dorthin, den Krug ergreifend'

tābhyāṃ dehy udapānaṃ tvaṃ yathā tau na mariṣyataḥ //* BrP_123.60 //

'Gib den beiden Trinkwasser, damit sie beide nicht sterben.'

Wort für Wort
tābhyāṃ dehy udapānaṃ tvaṃ
'gib den beiden Trinkwasser'
yathā tau na mariṣyataḥ
'damit sie beide nicht sterben'

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } ity evaṃ bruvatas tasya gatāḥ prāṇā mahāvane / visṛjya saśaraṃ cāpam ādāya kalaśaṃ nṛpaḥ // BrP_123.61 //

Brahmā sprach: Während er so sprach, entwichen seine Lebensatmen im großen Wald; der König, Bogen und Pfeil weglegend, den Krug ergreifend -

Wort für Wort
ity evaṃ bruvatas tasya gatāḥ prāṇā mahāvane
während er so sprach, entwichen seine Lebensatmen im großen Wald
visṛjya saśaraṃ cāpam ādāya kalaśaṃ nṛpaḥ
der König, Bogen und Pfeil weglegend, den Krug ergreifend

tatrāgāt sa tu vegena yatra vṛddhau mahāvane / vṛddhau cāpi tadā rātrau tāv anyonyaṃ samūcatuḥ // BrP_123.62 //

- ging eilig dorthin, wo die beiden Alten im großen Wald waren; und die beiden Alten sprachen da, in der Nacht, zueinander.

Wort für Wort
tatrāgāt sa tu vegena yatra vṛddhau mahāvane
ging eilig dorthin, wo die beiden Alten im großen Wald waren
vṛddhau cāpi tadā rātrau tāv anyonyaṃ samūcatuḥ
und die beiden Alten sprachen da, in der Nacht, zueinander

{vṛddhāv ūcatuḥ: } udvignaḥ kupito vā syād athavā bhakṣitaḥ katham / na prāptaś cāvayor yaṣṭiḥ kiṃ kurmaḥ kā gatir bhavet // BrP_123.63 //

Die beiden Alten sprachen: 'Ist er bekümmert oder zornig, oder ist er etwa verschlungen worden? Unser Stab (Stütze) ist nicht zurückgekehrt - was sollen wir tun, welchen Ausweg gibt es?'

Wort für Wort
udvignaḥ kupito vā syād athavā bhakṣitaḥ katham
'ist er bekümmert oder zornig, oder ist er etwa verschlungen worden'
na prāptaś cāvayor yaṣṭiḥ kiṃ kurmaḥ kā gatir bhavet
'unser Stab (Stütze) ist nicht zurückgekehrt - was sollen wir tun, welchen Ausweg gibt es'

na kopi tādṛśaḥ putro vidyate sacarācare / yaḥ pitror anyathā vākyaṃ na karoty api ninditaḥ // BrP_123.64 //

'Es gibt keinen solchen Sohn in der beweglichen und unbeweglichen (Welt), der nicht, selbst getadelt, das Wort seiner Eltern anders (als befohlen) ausführen würde.'

Wort für Wort
na kopi tādṛśaḥ putro vidyate sacarācare
'es gibt keinen solchen Sohn in der beweglichen und unbeweglichen Welt'
yaḥ pitror anyathā vākyaṃ na karoty api ninditaḥ
'der nicht, selbst getadelt, das Wort seiner Eltern anders (als befohlen) ausführen würde'

vajrād api kaṭhoraṃ vā jīvitaṃ tam apaśyatoḥ / śīghraṃ na yānti yat prāṇās tadekāyattajīvayoḥ // BrP_123.65 //

'Härter noch als der Donnerkeil ist das Leben derer, die ihn nicht sehend, deren Lebensatmen nicht rasch entweichen, obwohl ihr Leben allein von ihm abhängt.'

Wort für Wort
vajrād api kaṭhoraṃ vā jīvitaṃ tam apaśyatoḥ
'härter noch als der Donnerkeil ist das Leben derer, die ihn nicht sehend'
śīghraṃ na yānti yat prāṇās tadekāyattajīvayoḥ
'deren Lebensatmen nicht rasch entweichen, obwohl ihr Leben allein von ihm abhängt'

{brahmovāca: } evaṃ bahuvidhā vāco vṛddhayor vadator vane / tadā daśaratho rājā śanais taṃ deśam abhyagāt // BrP_123.66 //

Brahmā sprach: Während die beiden Alten so vielerlei Worte im Wald sprachen, näherte sich da König Daśaratha langsam jenem Ort.

Wort für Wort
evaṃ bahuvidhā vāco vṛddhayor vadator vane
während die beiden Alten so vielerlei Worte im Wald sprachen
tadā daśaratho rājā śanais taṃ deśam abhyagāt
näherte sich da König Daśaratha langsam jenem Ort

pādasaṃcāraśabdena menāte sutam āgatam //* BrP_123.67 //

Am Geräusch der Fußschritte glaubten die beiden, ihr Sohn sei angekommen.

Wort für Wort
pādasaṃcāraśabdena
am Geräusch der Fußschritte
menāte sutam āgatam
glaubten die beiden, ihr Sohn sei angekommen

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{vṛddhāv ūcatuḥ: } kuto vatsa cirāt prāptas tvaṃ dṛṣṭis tvaṃ parāyaṇam / na brūṣe kiṃtu ruṣṭo 'si vṛddhayor andhayoḥ sutaḥ // BrP_123.68 //

Die beiden Alten sprachen: 'Woher kommst du, Kind, so spät angekommen? Du bist unser Augenlicht, unsere höchste Zuflucht; du sprichst nicht - bist du etwa zornig, Sohn der alten Blinden?'

Wort für Wort
kuto vatsa cirāt prāptas tvaṃ dṛṣṭis tvaṃ parāyaṇam
'woher kommst du, Kind, so spät angekommen? Du bist unser Augenlicht, unsere höchste Zuflucht'
na brūṣe kiṃtu ruṣṭo 'si vṛddhayor andhayoḥ sutaḥ
'du sprichst nicht - bist du etwa zornig, Sohn der alten Blinden'

{brahmovāca: } saśalya iva duḥkhārtaḥ śocan duṣkṛtam ātmanaḥ / sa bhīta iva rājendras tāv uvācātha nārada // BrP_123.69 //

Brahmā sprach: Wie von einem Pfeil getroffen, von Schmerz gequält, seine eigene böse Tat betrauernd, sprach der Fürst, wie erschrocken, zu den beiden, o Nārada.

Wort für Wort
saśalya iva duḥkhārtaḥ śocan duṣkṛtam ātmanaḥ
wie von einem Pfeil getroffen, von Schmerz gequält, seine eigene böse Tat betrauernd
sa bhīta iva rājendras tāv uvācātha nārada
sprach der Fürst, wie erschrocken, zu den beiden, o Nārada

udapānaṃ ca kurutāṃ tac chrutvā nṛpabhāṣitam / nāyaṃ vaktā suto 'smākaṃ ko bhavāṃs tat purā vada // BrP_123.70 //

'Trinkwasser sollt ihr nehmen' - dies Wort des Königs hörend (sprachen sie): 'Dies ist nicht die Stimme unseres Sohnes; wer bist du - das sage zuerst.'

Wort für Wort
udapānaṃ ca kurutāṃ tac chrutvā nṛpabhāṣitam
'trinkwasser sollt ihr nehmen' - dies Wort des Königs hörend (sprachen sie)
nāyaṃ vaktā suto 'smākaṃ ko bhavāṃs tat purā vada
'dies ist nicht die Stimme unseres Sohnes; wer bist du - das sage zuerst'

paścāt pibāvaḥ pānīyaṃ tato rājābravīc ca tau //* BrP_123.71 //

'Danach werden wir beide das Wasser trinken.' Da sprach der König zu den beiden.

Wort für Wort
paścāt pibāvaḥ pānīyaṃ
'danach werden wir beide das Wasser trinken'
tato rājābravīc ca tau
da sprach der König zu den beiden

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{rājovāca: } tatra tiṣṭhati vāṃ putro yatra vārisamāśrayaḥ //* BrP_123.72 //

Der König sprach: 'Dort weilt euer Sohn, wo die Wasserstelle ist.'

Wort für Wort
tatra tiṣṭhati vāṃ putro
'dort weilt euer Sohn'
yatra vārisamāśrayaḥ
'wo die Wasserstelle ist'

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } tac chrutvocatur ārtau tau satyaṃ brūhi na cānyathā / ācacakṣe tato rājā sarvam eva yathātatham // BrP_123.73 //

Brahmā sprach: Dies hörend, sprachen die beiden Gequälten: 'Sage die Wahrheit, nicht anders!' Da berichtete der König alles genau, wie es sich zugetragen hatte.

Wort für Wort
tac chrutvocatur ārtau tau satyaṃ brūhi na cānyathā
dies hörend, sprachen die beiden Gequälten: 'sage die Wahrheit, nicht anders'
ācacakṣe tato rājā sarvam eva yathātatham
da berichtete der König alles genau, wie es sich zugetragen hatte

tatas tu patitau vṛddhau tatrāvāṃ naya mā spṛśa / brahmaghnasparśanaṃ pāpaṃ na kadācid vinaśyati // BrP_123.74 //

Da fielen die beiden Alten (nieder): 'Führe uns dorthin, berühre uns nicht! Die Sünde der Berührung eines Brahmanenmörders vergeht niemals.'

Wort für Wort
tatas tu patitau vṛddhau tatrāvāṃ naya mā spṛśa
da fielen die beiden Alten (nieder): 'führe uns dorthin, berühre uns nicht'
brahmaghnasparśanaṃ pāpaṃ na kadācid vinaśyati
'die Sünde der Berührung eines Brahmanenmörders vergeht niemals'

ninye vai śravaṇaṃ vṛddhaṃ sabhāryaṃ nṛpasattamaḥ / yatrāsau patitaḥ putras taṃ spṛṣṭvā tau vilepatuḥ // BrP_123.75 //

Der beste der Könige führte den alten Śravaṇa samt seiner Frau (dorthin); wo jener Sohn gefallen war, dort berührten ihn die beiden und klagten.

Wort für Wort
ninye vai śravaṇaṃ vṛddhaṃ sabhāryaṃ nṛpasattamaḥ
der beste der Könige führte den alten Śravaṇa samt seiner Frau (dorthin)
yatrāsau patitaḥ putras taṃ spṛṣṭvā tau vilepatuḥ
wo jener Sohn gefallen war, dort berührten ihn die beiden und klagten

[Anm.: Hier erscheint der Name 'Śravaṇa' für den alten Vater selbst (vgl. V.37 'Vaiśravaṇa'), abweichend von der geläufigeren Tradition, in der 'Śravaṇa Kumāra' der Name des erschossenen Sohnes ist.]

{vṛddhāv ūcatuḥ: } yathā putraviyogena mṛtyur nau vihitas tathā / tvaṃ cāpi pāpa putrasya viyogān mṛtyum āpsyasi // BrP_123.76 //

Die beiden Alten sprachen: 'Wie uns beiden durch die Trennung vom Sohn der Tod bestimmt wurde, so wirst auch du, Sünder, durch die Trennung von einem Sohn den Tod erlangen.'

Wort für Wort
yathā putraviyogena mṛtyur nau vihitas tathā
'wie uns beiden durch die Trennung vom Sohn der Tod bestimmt wurde'
tvaṃ cāpi pāpa putrasya viyogān mṛtyum āpsyasi
'so wirst auch du, Sünder, durch die Trennung von einem Sohn den Tod erlangen'

{brahmovāca: } evaṃ tu jalpator brahman gatāḥ prāṇās tato nṛpaḥ / agninā yojayām āsa vṛddhau ca ṛṣiputrakam // BrP_123.77 //

Brahmā sprach: Während sie so klagten, o Brahmane, entwichen ihre Lebensatmen; da vereinigte der König die beiden Alten und den Sohn des Weisen mit dem Feuer (verbrannte sie).

Wort für Wort
evaṃ tu jalpator brahman gatāḥ prāṇās tato nṛpaḥ
während sie so klagten, o Brahmane, entwichen ihre Lebensatmen
agninā yojayām āsa vṛddhau ca ṛṣiputrakam
da vereinigte der König die beiden Alten und den Sohn des Weisen mit dem Feuer

tato jagāma nagaraṃ duḥkhito nṛpatir mune / vasiṣṭhāya ca tat sarvaṃ nyavedayad aśeṣataḥ // BrP_123.78 //

Dann ging der Herrscher betrübt in die Stadt, o Weiser, und berichtete Vasiṣṭha alles vollständig.

Wort für Wort
tato jagāma nagaraṃ duḥkhito nṛpatir mune
dann ging der Herrscher betrübt in die Stadt, o Weiser
vasiṣṭhāya ca tat sarvaṃ nyavedayad aśeṣataḥ
und berichtete Vasiṣṭha alles vollständig

nṛpāṇāṃ sūryavaṃśyānāṃ vasiṣṭho hi parā gatiḥ / vasiṣṭho 'pi dvijaśreṣṭhaiḥ saṃmantryāha ca niṣkṛtim // BrP_123.79 //

Für die Könige des Sonnengeschlechts ist Vasiṣṭha die höchste Zuflucht; auch Vasiṣṭha beriet sich mit den besten Zweifachgeborenen und verkündete die Sühne.

Wort für Wort
nṛpāṇāṃ sūryavaṃśyānāṃ vasiṣṭho hi parā gatiḥ
für die Könige des Sonnengeschlechts ist Vasiṣṭha die höchste Zuflucht
vasiṣṭho 'pi dvijaśreṣṭhaiḥ saṃmantryāha ca niṣkṛtim
auch Vasiṣṭha beriet sich mit den besten Zweifachgeborenen und verkündete die Sühne

{vasiṣṭha uvāca: } gālavaṃ vāmadevaṃ ca jābālim atha kaśyapam / etān anyān samāhūya hayamedhāya yatnataḥ // BrP_123.80 //

Vasiṣṭha sprach: 'Gālava, Vāmadeva, Jābāli und auch Kaśyapa - diese und andere herbeirufend, eifrig für ein Pferdeopfer -'

Wort für Wort
gālavaṃ vāmadevaṃ ca jābālim atha kaśyapam
'Gālava, Vāmadeva, Jābāli und auch Kaśyapa'
etān anyān samāhūya hayamedhāya yatnataḥ
'diese und andere herbeirufend, eifrig für ein Pferdeopfer'

yajasva hayamedhaiś ca bahubhir bahudakṣiṇaiḥ //* BrP_123.81 //

'opfere mit vielen Pferdeopfern, reich an Priesterlohn.'

Wort für Wort
yajasva hayamedhaiś ca bahubhir
'opfere mit vielen Pferdeopfern'
bahudakṣiṇaiḥ
'reich an Priesterlohn'

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } akarod dhayamedhāṃś ca rājā daśaratho dvijaiḥ / etasminn antare tatra vāg uvācāśarīriṇī // BrP_123.82 //

Brahmā sprach: König Daśaratha vollzog mit den Zweifachgeborenen Pferdeopfer; währenddessen sprach dort eine körperlose Stimme.

Wort für Wort
akarod dhayamedhāṃś ca rājā daśaratho dvijaiḥ
König Daśaratha vollzog mit den Zweifachgeborenen Pferdeopfer
etasminn antare tatra vāg uvācāśarīriṇī
währenddessen sprach dort eine körperlose Stimme

{ākāśavāṇy uvāca: } pūtaṃ śarīram abhavad rājño daśarathasya hi / vyavahāryaś ca bhavitā bhaviṣyanti tathā sutāḥ / jyeṣṭhaputraprasādena rājāpāpo bhaviṣyati // BrP_123.83 //

Die Himmelsstimme sprach: 'Rein ist der Körper des Königs Daśaratha geworden, und er wird wieder handlungsfähig sein; ebenso werden Söhne (ihm geboren) werden; durch die Gnade des ältesten Sohnes wird der König sündlos werden.'

Wort für Wort
pūtaṃ śarīram abhavad rājño daśarathasya hi
'rein ist der Körper des Königs Daśaratha geworden'
vyavahāryaś ca bhavitā bhaviṣyanti tathā sutāḥ
'und er wird wieder handlungsfähig sein; ebenso werden Söhne (ihm geboren) werden'
jyeṣṭhaputraprasādena rājāpāpo bhaviṣyati
'durch die Gnade des ältesten Sohnes wird der König sündlos werden'

[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original.]

{brahmovāca: } tato bahutithe kāle ṛṣyaśṛṅgān munīśvarāt / devānāṃ kāryasiddhyarthaṃ sutā āsan suropamāḥ // BrP_123.84 //

Brahmā sprach: Dann, nach langer Zeit, wurden durch Ṛṣyaśṛṅga, den Herrn der Weisen, zur Erfüllung des Zwecks der Götter, den Göttern gleiche Söhne (geboren).

Wort für Wort
tato bahutithe kāle ṛṣyaśṛṅgān munīśvarāt
dann, nach langer Zeit, durch Ṛṣyaśṛṅga, den Herrn der Weisen
devānāṃ kāryasiddhyarthaṃ sutā āsan suropamāḥ
wurden zur Erfüllung des Zwecks der Götter den Göttern gleiche Söhne (geboren)

kauśalyāyāṃ tathā rāmaḥ sumitrāyāṃ ca lakṣmaṇaḥ / śatrughnaś cāpi kaikeyyāṃ bharato matimattaraḥ // BrP_123.85 //

In Kausalyā (wurde geboren) Rāma, in Sumitrā Lakṣmaṇa; in Kaikeyī auch Śatrughna und der sehr kluge Bharata.

Wort für Wort
kauśalyāyāṃ tathā rāmaḥ sumitrāyāṃ ca lakṣmaṇaḥ
in Kausalyā (wurde geboren) Rāma, in Sumitrā Lakṣmaṇa
śatrughnaś cāpi kaikeyyāṃ bharato matimattaraḥ
in Kaikeyī auch Śatrughna und der sehr kluge Bharata

te sarve matimantaś ca priyā rājño vaśe sthitāḥ / taṃ rājānam ṛṣiḥ prāpya viśvāmitraḥ prajāpatiḥ // BrP_123.86 //

Alle diese, klug und geliebt, standen unter der Herrschaft des Königs; der Weise Viśvāmitra, ein Herr der Geschöpfe, jenen König aufsuchend -

Wort für Wort
te sarve matimantaś ca priyā rājño vaśe sthitāḥ
alle diese, klug und geliebt, standen unter der Herrschaft des Königs
taṃ rājānam ṛṣiḥ prāpya viśvāmitraḥ prajāpatiḥ
der Weise Viśvāmitra, ein Herr der Geschöpfe, jenen König aufsuchend

rāmaṃ ca lakṣmaṇaṃ cāpi ayācata mahāmate / yajñasaṃrakṣaṇārthāya jñātatanmahimā muniḥ // BrP_123.87 //

- erbat sich Rāma und auch Lakṣmaṇa, o Großgesinnter, zum Schutz seines Opfers, der Weise, dessen Größe bekannt war.

Wort für Wort
rāmaṃ ca lakṣmaṇaṃ cāpi ayācata mahāmate
erbat sich Rāma und auch Lakṣmaṇa, o Großgesinnter
yajñasaṃrakṣaṇārthāya jñātatanmahimā muniḥ
zum Schutz seines Opfers, der Weise, dessen Größe bekannt war

ciraprāptasuto vṛddho rājā naivety abhāṣata //* BrP_123.88 //

Der alte König, dem seine Söhne erst nach langer Zeit geschenkt worden waren, sprach: 'Nein.'

Wort für Wort
ciraprāptasuto vṛddho rājā
der alte König, dem seine Söhne erst nach langer Zeit geschenkt worden waren
naivety abhāṣata
sprach: 'nein'

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{rājovāca: } mahatā daivayogena kathaṃcid vārdhake mune / jātāv ānandasaṃdoha- dāyakau mama bālakau // BrP_123.89 //

Der König sprach: 'Durch große göttliche Fügung, kaum, im Alter, o Weiser, wurden mir meine beiden Knaben geboren, die eine Flut von Freude bringen.'

Wort für Wort
mahatā daivayogena kathaṃcid vārdhake mune
'durch große göttliche Fügung, kaum, im Alter, o Weiser'
jātāv ānandasaṃdohadāyakau mama bālakau
'wurden mir meine beiden Knaben geboren, die eine Flut von Freude bringen'

saśarīram idaṃ rājyaṃ dāsye naiva sutāv imau //* BrP_123.90 //

'Eher gebe ich dieses Reich samt meinem Leib hin, als diese beiden Söhne.'

Wort für Wort
saśarīram idaṃ rājyaṃ dāsye
'eher gebe ich dieses Reich samt meinem Leib hin'
naiva sutāv imau
'als diese beiden Söhne'

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } vasiṣṭhena tadā prokto rājā daśarathas tv iti //* BrP_123.91 //

Brahmā sprach: Da sprach Vasiṣṭha so zu König Daśaratha.

Wort für Wort
vasiṣṭhena tadā prokto
da sprach Vasiṣṭha
rājā daśarathas tv iti
so zu König Daśaratha

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{vasiṣṭha uvāca: } raghavaḥ prārthanābhaṅgaṃ na rājan kvāpi śikṣitāḥ //* BrP_123.92 //

Vasiṣṭha sprach: 'Die Nachkommen Raghus, o König, sind nirgends darin geübt, eine Bitte abzuweisen.'

Wort für Wort
raghavaḥ prārthanābhaṅgaṃ na rājan
'die Nachkommen Raghus, o König, (kennen) keine Ablehnung einer Bitte'
kvāpi śikṣitāḥ
'sind nirgends darin geübt'

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } rāmaṃ ca lakṣmaṇaṃ caiva kathaṃcid avadan nṛpaḥ //* BrP_123.93 //

Brahmā sprach: Kaum gab der König Rāma und Lakṣmaṇa (frei).

Wort für Wort
rāmaṃ ca lakṣmaṇaṃ caiva
Rāma und Lakṣmaṇa
kathaṃcid avadan nṛpaḥ
gab der König kaum (frei)

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{rājovāca: } viśvāmitrasya brahmarṣeḥ kurutāṃ yajñarakṣaṇam //* BrP_123.94 //

Der König sprach: 'Sie sollen den Opferschutz des Brahmanenweisen Viśvāmitra ausführen.'

Wort für Wort
viśvāmitrasya brahmarṣeḥ
'des Brahmanenweisen Viśvāmitra'
kurutāṃ yajñarakṣaṇam
'sie sollen den Opferschutz ausführen'

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } vadann iti sutau soṣṇaṃ niśvasan glapitādharaḥ / putrau samarpayām āsa viśvāmitrasya śāstrakṛt // BrP_123.95 //

Brahmā sprach: Dies sagend, heiß seufzend, mit erblassten Lippen, übergab der Verfasser der Lehrschriften (Vasiṣṭha) die beiden Söhne dem Viśvāmitra.

Wort für Wort
vadann iti sutau soṣṇaṃ niśvasan glapitādharaḥ
dies sagend, heiß seufzend, mit erblassten Lippen
putrau samarpayām āsa viśvāmitrasya śāstrakṛt
übergab der Verfasser der Lehrschriften die beiden Söhne dem Viśvāmitra

[Anm.: 'śāstrakṛt' ('Verfasser der Lehrschriften') bezieht sich hier wohl auf Vasiṣṭha als vermittelnden Sprecher, nicht auf den König selbst.]

tathety uktvā daśarathaṃ namasya ca punaḥ punaḥ / jagmatū rakṣaṇārthāya viśvāmitreṇa tau mudā // BrP_123.96 //

'So sei es', sagend und Daśaratha immer wieder verehrend, gingen die beiden mit Viśvāmitra freudig zum Zweck des Schutzes.

Wort für Wort
tathety uktvā daśarathaṃ namasya ca punaḥ punaḥ
'so sei es', sagend und Daśaratha immer wieder verehrend
jagmatū rakṣaṇārthāya viśvāmitreṇa tau mudā
gingen die beiden mit Viśvāmitra freudig zum Zweck des Schutzes

tataḥ prahṛṣṭaḥ sa munir mudā prādāt tadobhayoḥ / māheśvarīṃ mahāvidyāṃ dhanurvidyāpuraḥsarām // BrP_123.97 //

Dann gab jener hocherfreute Weise beiden freudig die große Māheśvarī-Wissenschaft, der die Bogenwissenschaft vorausging,

Wort für Wort
tataḥ prahṛṣṭaḥ sa munir mudā prādāt tadobhayoḥ
dann gab jener hocherfreute Weise beiden freudig
māheśvarīṃ mahāvidyāṃ dhanurvidyāpuraḥsarām
die große Māheśvarī-Wissenschaft, der die Bogenwissenschaft vorausging

śāstrīm āstrīṃ laukikīṃ ca rathavidyāṃ gajodbhavām / aśvavidyāṃ gadāvidyāṃ mantrāhvānavisarjane // BrP_123.98 //

die Schrift-, die Waffen-, die weltliche (Wissenschaft), die Wagenwissenschaft, die von den Elefanten stammende, die Pferdewissenschaft, die Keulenwissenschaft, das Herbeirufen und Entlassen von Mantras -

Wort für Wort
śāstrīm āstrīṃ laukikīṃ ca rathavidyāṃ gajodbhavām
die Schrift-, die Waffen-, die weltliche Wissenschaft, die Wagenwissenschaft, die von den Elefanten stammende
aśvavidyāṃ gadāvidyāṃ mantrāhvānavisarjane
die Pferdewissenschaft, die Keulenwissenschaft, das Herbeirufen und Entlassen von Mantras

sarvavidyām athāvāpya ubhau tau rāmalakṣmaṇau / vanaukasāṃ hitārthāya jaghnatus tāṭakāṃ vane // BrP_123.99 //

- nachdem sie alle Wissenschaften erlangt hatten, töteten die beiden, Rāma und Lakṣmaṇa, zum Wohl der Waldbewohner die Tāṭakā im Wald.

Wort für Wort
sarvavidyām athāvāpya ubhau tau rāmalakṣmaṇau
nachdem sie alle Wissenschaften erlangt hatten, die beiden, Rāma und Lakṣmaṇa
vanaukasāṃ hitārthāya jaghnatus tāṭakāṃ vane
töteten zum Wohl der Waldbewohner die Tāṭakā im Wald

ahalyāṃ śāpanirmuktāṃ pādasparśāc ca cakratuḥ / yajñavidhvaṃsanāyātāñ jaghnatus tatra rākṣasān // BrP_123.100 //

Sie machten Ahalyā durch die Berührung mit dem Fuß frei vom Fluch; die Rākṣasas, die gekommen waren, um das Opfer zu zerstören, töteten sie dort.

Wort für Wort
ahalyāṃ śāpanirmuktāṃ pādasparśāc ca cakratuḥ
sie machten Ahalyā durch die Berührung mit dem Fuß frei vom Fluch
yajñavidhvaṃsanāyātāñ jaghnatus tatra rākṣasān
die Rākṣasas, die gekommen waren, um das Opfer zu zerstören, töteten sie dort

kṛtavidyau dhanuṣpāṇī cakratur yajñarakṣaṇam / tato mahāmakhe vṛtte viśvāmitro munīśvaraḥ // BrP_123.101 //

Die beiden, in den Wissenschaften ausgebildet, mit Bogen in der Hand, vollzogen den Opferschutz; als dann das große Opfer vollendet war, ging Viśvāmitra, der Herr der Weisen,

Wort für Wort
kṛtavidyau dhanuṣpāṇī cakratur yajñarakṣaṇam
die beiden, in den Wissenschaften ausgebildet, mit Bogen in der Hand, vollzogen den Opferschutz
tato mahāmakhe vṛtte viśvāmitro munīśvaraḥ
als dann das große Opfer vollendet war, (ging) Viśvāmitra, der Herr der Weisen

putrābhyāṃ sahito rājño janakaṃ draṣṭum abhyagāt / citrām adarśayat tatra rājamadhye nṛpātmajaḥ // BrP_123.102 //

- zusammen mit den beiden Söhnen des Königs, um Janaka zu sehen; dort zeigte der Königssohn inmitten der Könige das wunderbare (Bogen-Kunststück).

Wort für Wort
putrābhyāṃ sahito rājño janakaṃ draṣṭum abhyagāt
zusammen mit den beiden Söhnen des Königs, um Janaka zu sehen (ging er)
citrām adarśayat tatra rājamadhye nṛpātmajaḥ
dort zeigte der Königssohn inmitten der Könige das wunderbare (Bogen-Kunststück)

rāmaḥ saumitrisahito dhanurvidyāṃ guror matām / tatprīto janakaḥ prādāt sītāṃ lakṣmīm ayonijām // BrP_123.103 //

Rāma, zusammen mit dem Sohn Sumitrās, (zeigte) die vom Lehrer geschätzte Bogenwissenschaft; darüber erfreut, gab Janaka Sītā, die nicht aus einem Mutterschoß geborene Lakṣmī.

Wort für Wort
rāmaḥ saumitrisahito dhanurvidyāṃ guror matām
Rāma, zusammen mit dem Sohn Sumitrās, (zeigte) die vom Lehrer geschätzte Bogenwissenschaft
tatprīto janakaḥ prādāt sītāṃ lakṣmīm ayonijām
darüber erfreut, gab Janaka Sītā, die nicht aus einem Mutterschoß geborene Lakṣmī

tathaiva lakṣmaṇasyāpi bharatasyānujasya ca / śatrughnabharatādīnāṃ vasiṣṭhādimate sthitaḥ // BrP_123.104 //

Ebenso auch für Lakṣmaṇa und für dessen jüngeren Bruder Bharata, für Śatrughna, Bharata und die anderen, dem Rat Vasiṣṭhas und der anderen folgend -

Wort für Wort
tathaiva lakṣmaṇasyāpi bharatasyānujasya ca
ebenso auch für Lakṣmaṇa und für dessen jüngeren Bruder Bharata
śatrughnabharatādīnāṃ vasiṣṭhādimate sthitaḥ
für Śatrughna, Bharata und die anderen, dem Rat Vasiṣṭhas und der anderen folgend

rājā daśarathaḥ śrīmān vivāham akaron mune / tato bahutithe kāle rājyaṃ tasya prayacchati // BrP_123.105 //

- vollzog König Daśaratha, der Glanzvolle, die Hochzeit, o Weiser; dann, nach langer Zeit, übergab er ihm (Rāma) das Königreich,

Wort für Wort
rājā daśarathaḥ śrīmān vivāham akaron mune
vollzog König Daśaratha, der Glanzvolle, die Hochzeit, o Weiser
tato bahutithe kāle rājyaṃ tasya prayacchati
dann, nach langer Zeit, übergab er ihm (Rāma) das Königreich

nṛpatau sarvalokānām anumatyā guror api / mantharātmakadurdaiva- preritā matsarākulā // BrP_123.106 //

als König, mit Zustimmung aller Menschen und auch des Lehrers; (doch) getrieben von dem in Mantharā verkörperten bösen Geschick, von Neid erfüllt,

Wort für Wort
nṛpatau sarvalokānām anumatyā guror api
als König, mit Zustimmung aller Menschen und auch des Lehrers
mantharātmakadurdaivapreritā matsarākulā
getrieben von dem in Mantharā verkörperten bösen Geschick, von Neid erfüllt

kaikeyī vighnam ātasthe vanapravrājanaṃ tathā / bharatasya ca tad rājyaṃ rājā naiva ca dattavān // BrP_123.107 //

erhob Kaikeyī ein Hindernis: die Verbannung in den Wald; und jenes Königreich gab der König auch nicht dem Bharata.

Wort für Wort
kaikeyī vighnam ātasthe vanapravrājanaṃ tathā
erhob Kaikeyī ein Hindernis: die Verbannung in den Wald
bharatasya ca tad rājyaṃ rājā naiva ca dattavān
und jenes Königreich gab der König auch nicht dem Bharata

pitaraṃ satyavākyaṃ taṃ kurvan rāmo mahāvanam / viveśa sītayā sārdhaṃ tathā saumitriṇā saha // BrP_123.108 //

Um seinen Vater wahr an seinem Wort zu machen, betrat Rāma den großen Wald, zusammen mit Sītā und ebenso mit dem Sohn Sumitrās.

Wort für Wort
pitaraṃ satyavākyaṃ taṃ kurvan rāmo mahāvanam
um seinen Vater wahr an seinem Wort zu machen, (betrat) Rāma den großen Wald
viveśa sītayā sārdhaṃ tathā saumitriṇā saha
er betrat (ihn) zusammen mit Sītā und ebenso mit dem Sohn Sumitrās

satāṃ ca mānasaṃ śuddhaṃ sa viveśa svakair guṇaiḥ / tasmin vinirgate rāme vanavāsāya dīkṣite // BrP_123.109 //

Und er betrat durch seine eigenen Tugenden das reine Gemüt der Rechtschaffenen; als jener Rāma fortgegangen war, geweiht für das Waldleben,

Wort für Wort
satāṃ ca mānasaṃ śuddhaṃ sa viveśa svakair guṇaiḥ
und er betrat durch seine eigenen Tugenden das reine Gemüt der Rechtschaffenen
tasmin vinirgate rāme vanavāsāya dīkṣite
als jener Rāma fortgegangen war, geweiht für das Waldleben

samaṃ lakṣmaṇasītābhyāṃ rājyatṛṣṇāvivarjite / taṃ rāmaṃ cāpi saumitriṃ sītāṃ ca guṇaśālinīm // BrP_123.110 //

zusammen mit Lakṣmaṇa und Sītā, frei von Herrschaftsgier - jenen Rāma und auch den Sohn Sumitrās und Sītā, die Tugendreiche -

Wort für Wort
samaṃ lakṣmaṇasītābhyāṃ rājyatṛṣṇāvivarjite
zusammen mit Lakṣmaṇa und Sītā, frei von Herrschaftsgier
taṃ rāmaṃ cāpi saumitriṃ sītāṃ ca guṇaśālinīm
jenen Rāma und auch den Sohn Sumitrās und Sītā, die Tugendreiche

duḥkhena mahatāviṣṭo brahmaśāpaṃ ca saṃsmaran / tadā daśaratho rājā prāṇāṃs tatyāja duḥkhitaḥ // BrP_123.111 //

- von großem Schmerz überwältigt und sich an den Brahmanenfluch erinnernd, gab da König Daśaratha, betrübt, seine Lebensatmen auf.

Wort für Wort
duḥkhena mahatāviṣṭo brahmaśāpaṃ ca saṃsmaran
von großem Schmerz überwältigt und sich an den Brahmanenfluch erinnernd
tadā daśaratho rājā prāṇāṃs tatyāja duḥkhitaḥ
gab da König Daśaratha, betrübt, seine Lebensatmen auf

kṛtakarmavipākena rājā nīto yamānugaiḥ / tasmai rājñe mahāprājña yāvat sthāvarajaṅgame // BrP_123.112 //

Durch die Reifung der vollbrachten Tat wurde der König von den Dienern Yamas fortgeführt; für jenen König gibt es, o Hochweiser, solange es Unbewegliches und Bewegliches gibt -

Wort für Wort
kṛtakarmavipākena rājā nīto yamānugaiḥ
durch die Reifung der vollbrachten Tat wurde der König von den Dienern Yamas fortgeführt
tasmai rājñe mahāprājña yāvat sthāvarajaṅgame
für jenen König gibt es, o Hochweiser, solange es Unbewegliches und Bewegliches gibt

yamasadmany anekāni tāmisrādīni nārada / narakāṇy atha ghorāṇi bhīṣaṇāni bahūni ca // BrP_123.113 //

- im Haus Yamas viele, mit Tāmisra beginnende, o Nārada, schreckliche, furchtbare Höllen, viele.

Wort für Wort
yamasadmany anekāni tāmisrādīni nārada
im Haus Yamas viele, mit Tāmisra beginnende, o Nārada
narakāṇy atha ghorāṇi bhīṣaṇāni bahūni ca
schreckliche, furchtbare Höllen, viele

tatra kṣiptas tadā rājā narakeṣu pṛthak pṛthak / pacyate chidyate rājā piṣyate cūrṇyate tathā // BrP_123.114 //

Dort wurde der König in die Höllen einzeln geworfen; der König wird gekocht, zerschnitten, zermahlen und zerstoßen,

Wort für Wort
tatra kṣiptas tadā rājā narakeṣu pṛthak pṛthak
dort wurde der König in die Höllen einzeln geworfen
pacyate chidyate rājā piṣyate cūrṇyate tathā
der König wird gekocht, zerschnitten, zermahlen und zerstoßen

śoṣyate daśyate bhūyo dahyate ca nimajjyate / evamādiṣu ghoreṣu narakeṣu sa pacyate // BrP_123.115 //

ausgetrocknet, wiederum gebissen, verbrannt und untergetaucht; in solchen und ähnlichen schrecklichen Höllen wird er gekocht.

Wort für Wort
śoṣyate daśyate bhūyo dahyate ca nimajjyate
ausgetrocknet, wiederum gebissen, verbrannt und untergetaucht
evamādiṣu ghoreṣu narakeṣu sa pacyate
in solchen und ähnlichen schrecklichen Höllen wird er gekocht

rāmo 'pi gacchann adhvānaṃ citrakūṭam athāgamat / tatraiva trīṇi varṣāṇi vyatītāni mahāmate // BrP_123.116 //

Rāma aber, seinen Weg fortsetzend, gelangte zum Citrakūṭa; ebendort vergingen drei Jahre, o Großgesinnter.

Wort für Wort
rāmo 'pi gacchann adhvānaṃ citrakūṭam athāgamat
Rāma aber, seinen Weg fortsetzend, gelangte zum Citrakūṭa
tatraiva trīṇi varṣāṇi vyatītāni mahāmate
ebendort vergingen drei Jahre, o Großgesinnter

punaḥ sa dakṣiṇām āśām ākrāmad daṇḍakaṃ vanam / vikhyātaṃ triṣu lokeṣu deśānāṃ tad dhi puṇyadam // BrP_123.117 //

Wieder betrat er die südliche Himmelsrichtung, den Daṇḍaka-Wald, der in den drei Welten berühmt ist, jener verdienstspendende unter den Landschaften.

Wort für Wort
punaḥ sa dakṣiṇām āśām ākrāmad daṇḍakaṃ vanam
wieder betrat er die südliche Himmelsrichtung, den Daṇḍaka-Wald
vikhyātaṃ triṣu lokeṣu deśānāṃ tad dhi puṇyadam
der in den drei Welten berühmt ist, jener verdienstspendende unter den Landschaften

prāviśat tan mahāraṇyaṃ bhīṣaṇaṃ daityasevitam / tadbhayād ṛṣibhis tyaktaṃ hatvā daityāṃs tu rākṣasān // BrP_123.118 //

Er betrat jenen großen Wald, schrecklich, von Daityas bewohnt, aus Furcht davor von den Weisen verlassen; nachdem er die Daityas und Rākṣasas getötet hatte -

Wort für Wort
prāviśat tan mahāraṇyaṃ bhīṣaṇaṃ daityasevitam
er betrat jenen großen Wald, schrecklich, von Daityas bewohnt
tadbhayād ṛṣibhis tyaktaṃ hatvā daityāṃs tu rākṣasān
aus Furcht davor von den Weisen verlassen; nachdem er die Daityas und Rākṣasas getötet hatte

vicaran daṇḍakāraṇye ṛṣisevyam athākarot / tatredaṃ vṛttam ākhyāsye śṛṇu nārada yatnataḥ // BrP_123.119 //

- machte er, im Daṇḍaka-Wald umherziehend, ihn für die Weisen bewohnbar; ich werde erzählen, was sich dort ereignete - höre aufmerksam zu, Nārada.

Wort für Wort
vicaran daṇḍakāraṇye ṛṣisevyam athākarot
er machte, im Daṇḍaka-Wald umherziehend, ihn für die Weisen bewohnbar
tatredaṃ vṛttam ākhyāsye śṛṇu nārada yatnataḥ
ich werde erzählen, was sich dort ereignete - höre aufmerksam zu, Nārada

tāvac chanais tv agād rāmo yāvad yojanapañcakam / gautamīṃ samanuprāpto rājāpi narake sthitaḥ // BrP_123.120 //

So lange ging Rāma langsam, bis er die Gautamī erreichte, eine Strecke von fünf Yojanas, während der König noch in der Hölle weilte.

Wort für Wort
tāvac chanais tv agād rāmo yāvad yojanapañcakam
so lange ging Rāma langsam, eine Strecke von fünf Yojanas
gautamīṃ samanuprāpto rājāpi narake sthitaḥ
bis er die Gautamī erreichte, während der König noch in der Hölle weilte

yamaḥ svakiṃkarān āha rāmo daśarathātmajaḥ / gautamīm abhito yāti pitaraṃ tasya dhīmataḥ // BrP_123.121 //

Yama sprach zu seinen eigenen Dienern: 'Rāma, der Sohn Daśarathas, der Kluge, nähert sich der Gautamī, im Gedenken an seinen Vater -'

Wort für Wort
yamaḥ svakiṃkarān āha rāmo daśarathātmajaḥ
Yama sprach zu seinen eigenen Dienern: 'Rāma, der Sohn Daśarathas'
gautamīm abhito yāti pitaraṃ tasya dhīmataḥ
'der Kluge, nähert sich der Gautamī, im Gedenken an seinen Vater'

ākarṣantv atha rājānaṃ narakān nātra saṃśayaḥ / uttīrya gautamīṃ yāti yāvad yojanapañcakam // BrP_123.122 //

'so zieht den König aus den Höllen heraus, daran ist kein Zweifel; sobald er die Gautamī überschreitet und (weiter) geht, bis fünf Yojanas -'

Wort für Wort
ākarṣantv atha rājānaṃ narakān nātra saṃśayaḥ
'so zieht den König aus den Höllen heraus, daran ist kein Zweifel'
uttīrya gautamīṃ yāti yāvad yojanapañcakam
'sobald er die Gautamī überschreitet und (weiter) geht, bis fünf Yojanas'

rāmas tāvat tasya pitā narake naiva pacyatām / yad etan madvacaḥ puṇyaṃ na kuryur yadi dūtakāḥ // BrP_123.123 //

'- so lange Rāma (dort weilt), soll sein Vater keineswegs in der Hölle gekocht werden; wenn die Boten dieses mein heiliges Wort nicht befolgen -'

Wort für Wort
rāmas tāvat tasya pitā narake naiva pacyatām
'so lange Rāma (dort weilt), soll sein Vater keineswegs in der Hölle gekocht werden'
yad etan madvacaḥ puṇyaṃ na kuryur yadi dūtakāḥ
'wenn die Boten dieses mein heiliges Wort nicht befolgen'

tataś ca narake ghore yūyaṃ sarve nimajjatha / yā kāpy uktā parā śaktiḥ śivasya samavāyinī // BrP_123.124 //

'- dann werdet ihr alle in die schreckliche Hölle versinken. Jene höchste Macht, die als mit Śiva verbunden bezeichnet wird -'

Wort für Wort
tataś ca narake ghore yūyaṃ sarve nimajjatha
'dann werdet ihr alle in die schreckliche Hölle versinken'
yā kāpy uktā parā śaktiḥ śivasya samavāyinī
'jene höchste Macht, die als mit Śiva verbunden bezeichnet wird'

tām eva gautamīṃ santo vadanty ambhaḥsvarūpiṇīm / haribrahmamaheśānāṃ mānyā vandyā ca saiva yat // BrP_123.125 //

'- ebendiese nennen die Guten Gautamī, von der Natur des Wassers; sie ist von Hari, Brahmā und Maheśa geehrt und verehrt.'

Wort für Wort
tām eva gautamīṃ santo vadanty ambhaḥsvarūpiṇīm
'ebendiese nennen die Guten Gautamī, von der Natur des Wassers'
haribrahmamaheśānāṃ mānyā vandyā ca saiva yat
'sie ist von Hari, Brahmā und Maheśa geehrt und verehrt'

nistīryate na kenāpi tad atikramajaṃ tv agham / pāpino 'py ātmajaḥ kaścid yaś ca gaṅgām anusmaret // BrP_123.126 //

'Von niemandem sonst wird jene durch Übertretung entstandene Sünde überwunden. Selbst irgendein Sohn eines Sünders, der sich der Gaṅgā erinnert -'

Wort für Wort
nistīryate na kenāpi tad atikramajaṃ tv agham
'von niemandem sonst wird jene durch Übertretung entstandene Sünde überwunden'
pāpino 'py ātmajaḥ kaścid yaś ca gaṅgām anusmaret
'selbst irgendein Sohn eines Sünders, der sich der Gaṅgā erinnert'

so 'nekadurganirayān nirgato muktatāṃ vrajet / kiṃ punas tādṛśaḥ putro gautamīnikaṭe sthitaḥ // BrP_123.127 //

'- der gelangt, aus vielen schwer zugänglichen Höllen befreit, zur Erlösung; wie viel mehr erst ein solcher Sohn, der in der Nähe der Gautamī weilt -'

Wort für Wort
so 'nekadurganirayān nirgato muktatāṃ vrajet
'der gelangt, aus vielen schwer zugänglichen Höllen befreit, zur Erlösung'
kiṃ punas tādṛśaḥ putro gautamīnikaṭe sthitaḥ
'wie viel mehr erst ein solcher Sohn, der in der Nähe der Gautamī weilt'

yasyāsau narake paktuṃ na kairapi hi śakyate / dakṣiṇāśāpater vākyaṃ niśamya yamakiṃkarāḥ // BrP_123.128 //

'- dessen (Vater) in der Hölle von niemandem gekocht werden kann.' Das Wort des Herrn der südlichen Himmelsrichtung (Yama) vernehmend, die Diener Yamas -

Wort für Wort
yasyāsau narake paktuṃ na kairapi hi śakyate
'dessen (Vater) in der Hölle von niemandem gekocht werden kann'
dakṣiṇāśāpater vākyaṃ niśamya yamakiṃkarāḥ
das Wort des Herrn der südlichen Himmelsrichtung vernehmend, die Diener Yamas

narake pacyamānaṃ tam ayodhyādhipatiṃ nṛpam / uttārya ghoranarakād vacanaṃ cedam abruvan // BrP_123.129 //

- zogen jenen in der Hölle gekochten König, den Herrn von Ayodhyā, aus der schrecklichen Hölle heraus und sprachen diese Worte.

Wort für Wort
narake pacyamānaṃ tam ayodhyādhipatiṃ nṛpam
jenen in der Hölle gekochten König, den Herrn von Ayodhyā
uttārya ghoranarakād vacanaṃ cedam abruvan
zogen sie aus der schrecklichen Hölle heraus und sprachen diese Worte

{yamakiṃkarā ūcuḥ: } dhanyo 'si nṛpaśārdūla yasya putraḥ sa tādṛśaḥ / iha cāmutra viśrāntiḥ suputraḥ kena labhyate // BrP_123.130 //

Die Diener Yamas sprachen: 'Gesegnet bist du, Tiger unter den Königen, dessen Sohn so beschaffen ist; Ruhe hier und im Jenseits - durch wen wird ein guter Sohn erlangt?'

Wort für Wort
dhanyo 'si nṛpaśārdūla yasya putraḥ sa tādṛśaḥ
'gesegnet bist du, Tiger unter den Königen, dessen Sohn so beschaffen ist'
iha cāmutra viśrāntiḥ suputraḥ kena labhyate
'Ruhe hier und im Jenseits - durch wen wird ein guter Sohn erlangt'

{brahmovāca: } sa viśrāntaḥ śanai rājā kiṃkarān vākyam abravīt //* BrP_123.131 //

Brahmā sprach: Der König, ein wenig ausgeruht, sprach zu den Dienern diese Worte.

Wort für Wort
sa viśrāntaḥ śanai rājā
der König, ein wenig ausgeruht
kiṃkarān vākyam abravīt
sprach zu den Dienern diese Worte

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{rājovāca: } narakeṣv atha ghoreṣu pacyamānaḥ punaḥ punaḥ / kathaṃ tv ākarṣitaḥ śīghraṃ tan me vaktum ihārhatha // BrP_123.132 //

Der König sprach: 'Da ich in den schrecklichen Höllen immer wieder gekocht wurde, wie bin ich so schnell herausgezogen worden? Das sollt ihr mir hier erklären.'

Wort für Wort
narakeṣv atha ghoreṣu pacyamānaḥ punaḥ punaḥ
'da ich in den schrecklichen Höllen immer wieder gekocht wurde'
kathaṃ tv ākarṣitaḥ śīghraṃ tan me vaktum ihārhatha
'wie bin ich so schnell herausgezogen worden? Das sollt ihr mir hier erklären'

{brahmovāca: } tatra kaścic chāntamanā rājānam idam abravīt //* BrP_123.133 //

Brahmā sprach: Da sprach einer von ihnen, ruhigen Sinnes, dies zum König.

Wort für Wort
tatra kaścic chāntamanā
da (sprach) einer von ihnen, ruhigen Sinnes
rājānam idam abravīt
dies zum König

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{yamadūta uvāca: } vedaśāstrapurāṇādāv etad gopyaṃ prayatnataḥ / prakāśyate tad api te sāmarthyaṃ putratīrthayoḥ // BrP_123.134 //

Der Bote Yamas sprach: 'In Veda, Lehrschriften, Purāṇa und dergleichen ist dies eifrig geheim zu halten; dennoch wird dir nun die Macht von Sohn und Tīrtha offenbart.'

Wort für Wort
vedaśāstrapurāṇādāv etad gopyaṃ prayatnataḥ
'in Veda, Lehrschriften, Purāṇa und dergleichen ist dies eifrig geheim zu halten'
prakāśyate tad api te sāmarthyaṃ putratīrthayoḥ
'dennoch wird dir nun die Macht von Sohn und Tīrtha offenbart'

rāmas tava sutaḥ śrīmān gautamītīram āgataḥ / tasmāt tvaṃ narakād ghorād ākṛṣṭo 'si narottama // BrP_123.135 //

'Rāma, dein glanzvoller Sohn, ist an das Ufer der Gautamī gelangt; deshalb bist du aus der schrecklichen Hölle herausgezogen worden, o bester der Männer.'

Wort für Wort
rāmas tava sutaḥ śrīmān gautamītīram āgataḥ
'Rāma, dein glanzvoller Sohn, ist an das Ufer der Gautamī gelangt'
tasmāt tvaṃ narakād ghorād ākṛṣṭo 'si narottama
'deshalb bist du aus der schrecklichen Hölle herausgezogen worden, o bester der Männer'

yadi tvāṃ tatra gautamyāṃ smared rāmaḥ salakṣmaṇaḥ / snānaṃ kṛtvātha piṇḍādi te dadyāt sa nṛpottama / tatas tvaṃ sarvapāpebhyo mukto yāsi triviṣṭapam // BrP_123.136 //

'Wenn Rāma, zusammen mit Lakṣmaṇa, dort an der Gautamī deiner gedenkt, gebadet hat und dir dann eine Reisopfergabe (piṇḍa) und dergleichen darbringt, o bester der Könige, dann wirst du, von allen Sünden befreit, zum Himmel gehen.'

Wort für Wort
yadi tvāṃ tatra gautamyāṃ smared rāmaḥ salakṣmaṇaḥ
'wenn Rāma, zusammen mit Lakṣmaṇa, dort an der Gautamī deiner gedenkt'
snānaṃ kṛtvātha piṇḍādi te dadyāt sa nṛpottama
'gebadet hat und dir dann eine Reisopfergabe und dergleichen darbringt, o bester der Könige'
tatas tvaṃ sarvapāpebhyo mukto yāsi triviṣṭapam
'dann wirst du, von allen Sünden befreit, zum Himmel gehen'

[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original.]

{rājovāca: } tatra gatvā bhavadvākyam ākhyāsye svasutau prati / bhavanta eva śaraṇam anujñāṃ dātum arhatha // BrP_123.137 //

Der König sprach: 'Dorthin gegangen, werde ich eure Worte meinen beiden Söhnen mitteilen; ihr allein seid meine Zuflucht - ihr sollt (mir) die Erlaubnis geben.'

Wort für Wort
tatra gatvā bhavadvākyam ākhyāsye svasutau prati
'dorthin gegangen, werde ich eure Worte meinen beiden Söhnen mitteilen'
bhavanta eva śaraṇam anujñāṃ dātum arhatha
'ihr allein seid meine Zuflucht - ihr sollt (mir) die Erlaubnis geben'

{brahmovāca: } tad rājavacanaṃ śrutvā kṛpayā yamakiṃkarāḥ / ājñāṃ ca pradadus tasmai rājā prāgāt sutau prati // BrP_123.138 //

Brahmā sprach: Dieses Wort des Königs hörend, gaben die Diener Yamas aus Mitleid ihm die Erlaubnis; der König ging zu seinen beiden Söhnen.

Wort für Wort
tad rājavacanaṃ śrutvā kṛpayā yamakiṃkarāḥ
dieses Wort des Königs hörend, aus Mitleid, die Diener Yamas
ājñāṃ ca pradadus tasmai rājā prāgāt sutau prati
gaben ihm die Erlaubnis; der König ging zu seinen beiden Söhnen

bhīṣaṇaṃ yātanādeham āpanno niḥśvasan muhuḥ / nirīkṣya svaṃ lajjamānaḥ kṛtaṃ karma ca saṃsmaran // BrP_123.139 //

- einen schrecklichen, gequälten Körper angenommen habend, wiederholt seufzend, sich selbst betrachtend, beschämt, und sich an die vollbrachte Tat erinnernd -

Wort für Wort
bhīṣaṇaṃ yātanādeham āpanno niḥśvasan muhuḥ
einen schrecklichen, gequälten Körper angenommen habend, wiederholt seufzend
nirīkṣya svaṃ lajjamānaḥ kṛtaṃ karma ca saṃsmaran
sich selbst betrachtend, beschämt, und sich an die vollbrachte Tat erinnernd

svecchayā viharan gaṅgām āsasāda ca rāghavaḥ / gautamyās taṭam āśritya rāmo lakṣmaṇa eva ca // BrP_123.140 //

- nach eigenem Belieben wandernd, erreichte Rāghava (Rāma) die Gaṅgā; das Ufer der Gautamī aufsuchend, Rāma und ebenso Lakṣmaṇa,

Wort für Wort
svecchayā viharan gaṅgām āsasāda ca rāghavaḥ
nach eigenem Belieben wandernd, erreichte Rāghava die Gaṅgā
gautamyās taṭam āśritya rāmo lakṣmaṇa eva ca
das Ufer der Gautamī aufsuchend, Rāma und ebenso Lakṣmaṇa

sītayā saha vaidehyā sasnau caiva yathāvidhi / naiva tatrābhavad bhojyaṃ bhakṣyaṃ vā gautamītaṭe // BrP_123.141 //

zusammen mit Sītā, der Videha-Prinzessin, badeten sie vorschriftsgemäß; es gab dort am Ufer der Gautamī jedoch weder Speise noch Nahrung.

Wort für Wort
sītayā saha vaidehyā sasnau caiva yathāvidhi
zusammen mit Sītā, der Videha-Prinzessin, badeten sie vorschriftsgemäß
naiva tatrābhavad bhojyaṃ bhakṣyaṃ vā gautamītaṭe
es gab dort am Ufer der Gautamī jedoch weder Speise noch Nahrung

taddine tatra vasatāṃ gautamītīravāsinām / tad dṛṣṭvā duḥkhito bhrātā lakṣmaṇo rāmam abravīt // BrP_123.142 //

An jenem Tag, während sie dort weilten, als Bewohner des Gautamī-Ufers, sah dies der betrübte Bruder Lakṣmaṇa und sprach zu Rāma.

Wort für Wort
taddine tatra vasatāṃ gautamītīravāsinām
an jenem Tag, während sie dort weilten, als Bewohner des Gautamī-Ufers
tad dṛṣṭvā duḥkhito bhrātā lakṣmaṇo rāmam abravīt
sah dies der betrübte Bruder Lakṣmaṇa und sprach zu Rāma

{lakṣmaṇa uvāca: } putrau daśarathasyāvāṃ tavāpi balam īdṛśam / nāsti bhojyam athāsmākaṃ gaṅgātīranivāsinām // BrP_123.143 //

Lakṣmaṇa sprach: 'Wir beide sind Söhne Daśarathas, und auch deine Kraft ist so beschaffen; dennoch gibt es für uns, die wir am Ufer der Gaṅgā wohnen, keine Speise.'

Wort für Wort
putrau daśarathasyāvāṃ tavāpi balam īdṛśam
'wir beide sind Söhne Daśarathas, und auch deine Kraft ist so beschaffen'
nāsti bhojyam athāsmākaṃ gaṅgātīranivāsinām
'dennoch gibt es für uns, die wir am Ufer der Gaṅgā wohnen, keine Speise'

{rāma uvāca: } bhrātar yad vihitaṃ karma naiva tac cānyathā bhavet / pṛthivyām annapūrṇāyāṃ vayam annābhilāṣiṇaḥ // BrP_123.144 //

Rāma sprach: 'Bruder, was durch das Schicksal bestimmt ist, kann nicht anders sein; auf einer Erde voller Nahrung sind wir (dennoch) nach Nahrung Verlangende.'

Wort für Wort
bhrātar yad vihitaṃ karma naiva tac cānyathā bhavet
'Bruder, was durch das Schicksal bestimmt ist, kann nicht anders sein'
pṛthivyām annapūrṇāyāṃ vayam annābhilāṣiṇaḥ
'auf einer Erde voller Nahrung sind wir (dennoch) nach Nahrung Verlangende'

saumitre nūnam asmābhir na brāhmaṇamukhe hutam / avajñayā mahīdevāṃs tarpayanty arcayanti na // BrP_123.145 //

'O Sohn Sumitrās, gewiss haben wir nicht in den Mund eines Brahmanen geopfert; aus Geringschätzung erfreuen (manche) die Erdengötter (Brahmanen) nicht und verehren sie nicht.'

Wort für Wort
saumitre nūnam asmābhir na brāhmaṇamukhe hutam
'o Sohn Sumitrās, gewiss haben wir nicht in den Mund eines Brahmanen geopfert'
avajñayā mahīdevāṃs tarpayanty arcayanti na
'aus Geringschätzung erfreuen (manche) die Erdengötter nicht und verehren sie nicht'

te ye lakṣmaṇa jāyante sarvadaiva bubhukṣitāḥ / snātvā devān athābhyarcya hotavyaś ca hutāśanaḥ / tataḥ svasamaye devo vidhāsyaty aśanaṃ tu nau // BrP_123.146 //

'Diejenigen, o Lakṣmaṇa, die (so handeln), werden immer wieder hungrig geboren; nach dem Baden und der Verehrung der Götter ist das Opferfeuer zu speisen - dann wird die Gottheit zu ihrer Zeit uns beiden Speise gewähren.'

Wort für Wort
te ye lakṣmaṇa jāyante sarvadaiva bubhukṣitāḥ
'diejenigen, o Lakṣmaṇa, die (so handeln), werden immer wieder hungrig geboren'
snātvā devān athābhyarcya hotavyaś ca hutāśanaḥ
'nach dem Baden und der Verehrung der Götter ist das Opferfeuer zu speisen'
tataḥ svasamaye devo vidhāsyaty aśanaṃ tu nau
'dann wird die Gottheit zu ihrer Zeit uns beiden Speise gewähren'

[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original.]

{brahmovāca: } bhrātroḥ saṃjalpator evaṃ paśyatoḥ karmaṇo gatim / śanair daśaratho rājā taṃ deśam upajagmivān // BrP_123.147 //

Brahmā sprach: Während die beiden Brüder so sprachen und den Lauf des Schicksals betrachteten, näherte sich langsam König Daśaratha jenem Ort.

Wort für Wort
bhrātroḥ saṃjalpator evaṃ paśyatoḥ karmaṇo gatim
während die beiden Brüder so sprachen und den Lauf des Schicksals betrachteten
śanair daśaratho rājā taṃ deśam upajagmivān
näherte sich langsam König Daśaratha jenem Ort

taṃ dṛṣṭvā lakṣmaṇaḥ śīghraṃ tiṣṭha tiṣṭheti cābravīt / dhanur ākṛṣya kopena rakṣas tvaṃ dānavo 'thavā // BrP_123.148 //

Als er ihn sah, rief Lakṣmaṇa schnell: 'Halt, halt!', und, den Bogen im Zorn spannend: 'Bist du ein Rākṣasa oder ein Dānava?'

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā lakṣmaṇaḥ śīghraṃ tiṣṭha tiṣṭheti cābravīt
als er ihn sah, rief Lakṣmaṇa schnell: 'halt, halt!'
dhanur ākṛṣya kopena rakṣas tvaṃ dānavo 'thavā
und, den Bogen im Zorn spannend: 'bist du ein Rākṣasa oder ein Dānava?'

āsannaṃ ca punar dṛṣṭvā yāhi yāhy atra puṇyabhāk / rāmo dāśarathī rājā dharmabhāk paśya vartate // BrP_123.149 //

'Und, ihn nochmals herannahen sehend: 'Geh, geh von hier, du Verdienstvoller! Sieh, hier weilt König Rāma, der Sohn Daśarathas, der Dharma-Teilhaftige.''

Wort für Wort
āsannaṃ ca punar dṛṣṭvā yāhi yāhy atra puṇyabhāk
'ihn nochmals herannahen sehend: geh, geh von hier, du Verdienstvoller'
rāmo dāśarathī rājā dharmabhāk paśya vartate
'sieh, hier weilt König Rāma, der Sohn Daśarathas, der Dharma-Teilhaftige'

gurubhaktaḥ satyasaṃdho devabrāhmaṇasevakaḥ / trailokyarakṣādakṣo 'sau vartate yatra rāghavaḥ // BrP_123.150 //

'- dem Lehrer ergeben, wahrhaft in seinen Gelübden, Diener von Göttern und Brahmanen, geschickt im Schutz der drei Welten - dort, wo Rāghava weilt,'

Wort für Wort
gurubhaktaḥ satyasaṃdho devabrāhmaṇasevakaḥ
'dem Lehrer ergeben, wahrhaft in seinen Gelübden, Diener von Göttern und Brahmanen'
trailokyarakṣādakṣo 'sau vartate yatra rāghavaḥ
'geschickt im Schutz der drei Welten - dort, wo Rāghava weilt'

na tatra tvādṛśām asti praveśaḥ pāpakarmaṇām / yadi praviśase pāpa tato vadham avāpsyasi // BrP_123.151 //

'- dort gibt es keinen Zutritt für solche wie dich, Täter böser Taten; wenn du eindringst, Sünder, wirst du den Tod erleiden.'

Wort für Wort
na tatra tvādṛśām asti praveśaḥ pāpakarmaṇām
'dort gibt es keinen Zutritt für solche wie dich, Täter böser Taten'
yadi praviśase pāpa tato vadham avāpsyasi
'wenn du eindringst, Sünder, wirst du den Tod erleiden'

tat putravacanaṃ śrutvā śanair āhūya vācayā / uvācādhomukho bhūtvā snuṣāṃ putrau kṛtāñjaliḥ / muhur antar vinidhyāyan gatiṃ duṣkṛtakarmaṇaḥ // BrP_123.152 //

Dieses Wort seines Sohnes hörend, langsam mit (schwacher) Stimme rufend, sprach er, das Gesicht gesenkt, mit gefalteten Händen vor Schwiegertochter und Söhnen, wiederholt innerlich über den Lauf seiner bösen Tat nachsinnend.

Wort für Wort
tat putravacanaṃ śrutvā śanair āhūya vācayā
dieses Wort seines Sohnes hörend, langsam mit (schwacher) Stimme rufend
uvācādhomukho bhūtvā snuṣāṃ putrau kṛtāñjaliḥ
sprach er, das Gesicht gesenkt, mit gefalteten Händen vor Schwiegertochter und Söhnen
muhur antar vinidhyāyan gatiṃ duṣkṛtakarmaṇaḥ
wiederholt innerlich über den Lauf seiner bösen Tat nachsinnend

[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original.]

{rājovāca: } ahaṃ daśaratho rājā putrau me śṛṇutaṃ vacaḥ / tisṛbhir brahmahatyābhir vṛto 'haṃ duḥkham āgataḥ / chinnaṃ paśyata me dehaṃ narakeṣu ca pātitam // BrP_123.153 //

Der König sprach: 'Ich bin König Daśaratha; ihr beiden Söhne, hört mein Wort: von drei Brahmanenmorden umschlungen, bin ich in Leid geraten; seht meinen zerschnittenen Leib, in die Höllen gestürzt.'

Wort für Wort
ahaṃ daśaratho rājā putrau me śṛṇutaṃ vacaḥ
'ich bin König Daśaratha; ihr beiden Söhne, hört mein Wort'
tisṛbhir brahmahatyābhir vṛto 'haṃ duḥkham āgataḥ
'von drei Brahmanenmorden umschlungen, bin ich in Leid geraten'
chinnaṃ paśyata me dehaṃ narakeṣu ca pātitam
'seht meinen zerschnittenen Leib, in die Höllen gestürzt'

[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original.]

{brahmovāca: } tataḥ kṛtāñjalī rāmaḥ sītayā lakṣmaṇena ca / bhūmau praṇemus te sarve vacanaṃ caitad abruvan // BrP_123.154 //

Brahmā sprach: Da verneigten sich Rāma, mit gefalteten Händen, zusammen mit Sītā und Lakṣmaṇa, alle zur Erde und sprachen diese Worte.

Wort für Wort
tataḥ kṛtāñjalī rāmaḥ sītayā lakṣmaṇena ca
da (verneigten sich) Rāma, mit gefalteten Händen, zusammen mit Sītā und Lakṣmaṇa
bhūmau praṇemus te sarve vacanaṃ caitad abruvan
alle zur Erde, und sprachen diese Worte

{sītārāmalakṣmaṇā ūcuḥ: } kasyedaṃ karmaṇas tāta phalaṃ nṛpatisattama //* BrP_123.155 //

Sītā, Rāma und Lakṣmaṇa sprachen: 'Wessen Tat ist dies die Frucht, Vater, o bester der Könige?'

Wort für Wort
kasyedaṃ karmaṇas tāta
'wessen Tat ist dies die Frucht, Vater'
phalaṃ nṛpatisattama
'o bester der Könige'

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } sa ca prāha yathāvṛttaṃ brahmahatyātrayaṃ tathā //* BrP_123.156 //

Brahmā sprach: Und er erzählte, wie es sich zugetragen hatte, die dreifache Brahmanentötung.

Wort für Wort
sa ca prāha yathāvṛttaṃ
und er erzählte, wie es sich zugetragen hatte
brahmahatyātrayaṃ tathā
die dreifache Brahmanentötung

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{rājovāca: } niṣkṛtir brahmahantṝṇāṃ putrau kvāpi na vidyate //* BrP_123.157 //

Der König sprach: 'Für Brahmanenmörder gibt es nirgends eine Sühne, meine Söhne.'

Wort für Wort
niṣkṛtir brahmahantṝṇāṃ
'für Brahmanenmörder gibt es eine Sühne'
putrau kvāpi na vidyate
'meine Söhne, gibt es nirgends'

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{brahmovāca: } tato duḥkhena mahatā- vṛtāḥ sarve bhuvaṃ gatāḥ / rājānaṃ vanavāsaṃ ca mātaraṃ pitaraṃ tathā // BrP_123.158 //

Brahmā sprach: Dann, von großem Schmerz erfasst, sanken alle zu Boden; (denkend an) den König, das Waldleben, an Mutter und Vater ebenso,

Wort für Wort
tato duḥkhena mahatāvṛtāḥ sarve bhuvaṃ gatāḥ
dann, von großem Schmerz erfasst, sanken alle zu Boden
rājānaṃ vanavāsaṃ ca mātaraṃ pitaraṃ tathā
(denkend an) den König, das Waldleben, an Mutter und Vater ebenso

duḥkhāgamaṃ karmagatiṃ narake pātanaṃ tathā / evamādy atha saṃsmṛtya mumoha nṛpateḥ sutaḥ / visaṃjñaṃ nṛpatiṃ dṛṣṭvā sītā vākyam athābravīt // BrP_123.159 //

an das Kommen des Leids, den Lauf des Schicksals, den Sturz in die Hölle - all dies sich erinnernd, wurde der Sohn des Königs ohnmächtig; den bewusstlosen König sehend, sprach Sītā da diese Worte.

Wort für Wort
duḥkhāgamaṃ karmagatiṃ narake pātanaṃ tathā
an das Kommen des Leids, den Lauf des Schicksals, den Sturz in die Hölle
evamādy atha saṃsmṛtya mumoha nṛpateḥ sutaḥ
all dies sich erinnernd, wurde der Sohn des Königs ohnmächtig
visaṃjñaṃ nṛpatiṃ dṛṣṭvā sītā vākyam athābravīt
den bewusstlosen König (Rāma, hier fälschlich 'nṛpati' - der Königssohn) sehend, sprach Sītā da diese Worte

[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original.]

{sītovāca: } na śocanti mahātmānas tvādṛśā vyasanāgame / cintayanti pratīkāraṃ daivyam apy atha mānuṣam // BrP_123.160 //

Sītā sprach: 'Großmütige wie du trauern nicht beim Eintreten des Unglücks; sie ersinnen ein Gegenmittel, sei es göttlich oder menschlich.'

Wort für Wort
na śocanti mahātmānas tvādṛśā vyasanāgame
'Großmütige wie du trauern nicht beim Eintreten des Unglücks'
cintayanti pratīkāraṃ daivyam apy atha mānuṣam
'sie ersinnen ein Gegenmittel, sei es göttlich oder menschlich'

śocadbhir yugasāhasraṃ vipattir naiva tīryate / vyāmoham āpnuvantīha na kadācid vicakṣaṇāḥ // BrP_123.161 //

'Selbst durch tausend Weltalter des Trauerns wird das Unglück nicht überwunden; die Weisen geraten niemals hier in Verwirrung.'

Wort für Wort
śocadbhir yugasāhasraṃ vipattir naiva tīryate
'selbst durch tausend Weltalter des Trauerns wird das Unglück nicht überwunden'
vyāmoham āpnuvantīha na kadācid vicakṣaṇāḥ
'die Weisen geraten niemals hier in Verwirrung'

kim anenātra duḥkhena niṣphalena janeśvara / dehi hatyāṃ prathamato yā jātā hy atibhīṣaṇā // BrP_123.162 //

'Was nützt dieser fruchtlose Schmerz hier, o Herr der Menschen? Weihe dich zuerst der (Sühne für die) Tötung, die höchst schrecklich geschah.'

Wort für Wort
kim anenātra duḥkhena niṣphalena janeśvara
'was nützt dieser fruchtlose Schmerz hier, o Herr der Menschen'
dehi hatyāṃ prathamato yā jātā hy atibhīṣaṇā
'weihe dich zuerst der (Sühne für die) Tötung, die höchst schrecklich geschah'

pitṛbhaktaḥ puṇyaśīlo vedavedāṅgapāragaḥ / anāgā yo hato vipras tatpāpasyātra niṣkṛtim // BrP_123.163 //

'Für jenen dem Vater ergebenen, tugendhaften, in Veda und Vedāṅga bewanderten, schuldlosen Brahmanen, der getötet wurde - für die Sühne jener Sünde hier -'

Wort für Wort
pitṛbhaktaḥ puṇyaśīlo vedavedāṅgapāragaḥ
'jenen dem Vater ergebenen, tugendhaften, in Veda und Vedāṅga bewanderten'
anāgā yo hato vipras tatpāpasyātra niṣkṛtim
'schuldlosen Brahmanen, der getötet wurde - für die Sühne jener Sünde hier'

ācarāmi yathāśāstraṃ mā śokaṃ kurutaṃ yuvām / dvitīyāṃ lakṣmaṇo hatyāṃ gṛhṇātu tv aparāṃ bhavān // BrP_123.164 //

'- will ich vorschriftsgemäß handeln; ihr beide sollt nicht trauern; Lakṣmaṇa möge die zweite Tötung übernehmen, du (Rāma) die andere (dritte).'

Wort für Wort
ācarāmi yathāśāstraṃ mā śokaṃ kurutaṃ yuvām
'ich will vorschriftsgemäß handeln; ihr beide sollt nicht trauern'
dvitīyāṃ lakṣmaṇo hatyāṃ gṛhṇātu tv aparāṃ bhavān
'Lakṣmaṇa möge die zweite Tötung übernehmen, du die andere (dritte)'

{brahmovāca: } etad dharmayutaṃ vākyaṃ sītayā bhāṣitaṃ dṛḍham / tatheti cāhatur ubhau tato daśaratho 'bravīt // BrP_123.165 //

Brahmā sprach: Dieses dharmagemäße, feste Wort, von Sītā gesprochen - 'so sei es', sagten beide; da sprach Daśaratha.

Wort für Wort
etad dharmayutaṃ vākyaṃ sītayā bhāṣitaṃ dṛḍham
dieses dharmagemäße, feste Wort, von Sītā gesprochen
tatheti cāhatur ubhau tato daśaratho 'bravīt
'so sei es', sagten beide; da sprach Daśaratha

{daśaratha uvāca: } tvaṃ hi brahmavidaḥ kanyā janakasya tv ayonijā / bhāryā rāmasya kiṃ citraṃ yad yuktam anubhāṣase // BrP_123.166 //

Daśaratha sprach: 'Du bist ja die Tochter des Brahman-Kenners Janaka, nicht aus einem Schoß geboren, Rāmas Gattin - was ist verwunderlich, dass du Angemessenes sprichst?'

Wort für Wort
tvaṃ hi brahmavidaḥ kanyā janakasya tv ayonijā
'du bist ja die Tochter des Brahman-Kenners Janaka, nicht aus einem Schoß geboren'
bhāryā rāmasya kiṃ citraṃ yad yuktam anubhāṣase
'Rāmas Gattin - was ist verwunderlich, dass du Angemessenes sprichst?'

na kopi bhavatāṃ kiṃtu śramaḥ svalpo 'pi vidyate / gautamyāṃ snānadānena piṇḍanirvapaṇena ca // BrP_123.167 //

'Es gibt keinen Fehler bei euch, doch besteht auch nur geringe Mühe: durch Baden und Geben an der Gautamī und durch das Darbringen einer Reisopfergabe -'

Wort für Wort
na kopi bhavatāṃ kiṃtu śramaḥ svalpo 'pi vidyate
'es gibt keinen Fehler bei euch, doch besteht auch nur geringe Mühe'
gautamyāṃ snānadānena piṇḍanirvapaṇena ca
'durch Baden und Geben an der Gautamī und durch das Darbringen einer Reisopfergabe'

tisṛbhir brahmahatyābhir mukto yāmi triviṣṭapam / tvayā janakasaṃbhūte svakulocitam īritam // BrP_123.168 //

'- werde ich, von den drei Brahmanenmorden befreit, zum Himmel gehen; von dir, der Tochter Janakas, wurde das deiner Familie Angemessene gesagt.'

Wort für Wort
tisṛbhir brahmahatyābhir mukto yāmi triviṣṭapam
'werde ich, von den drei Brahmanenmorden befreit, zum Himmel gehen'
tvayā janakasaṃbhūte svakulocitam īritam
'von dir, der Tochter Janakas, wurde das deiner Familie Angemessene gesagt'

prāpayanti paraṃ pāraṃ bhavābdheḥ kulayoṣitaḥ / godāvaryāḥ prasādena kiṃ nāmāsty atra durlabham // BrP_123.169 //

'Frauen von guter Familie führen (ihre Gatten) zum jenseitigen Ufer des Daseinsozeans; durch die Gnade der Godāvarī, was gäbe es hier, das schwer erreichbar wäre?'

Wort für Wort
prāpayanti paraṃ pāraṃ bhavābdheḥ kulayoṣitaḥ
'Frauen von guter Familie führen (ihre Gatten) zum jenseitigen Ufer des Daseinsozeans'
godāvaryāḥ prasādena kiṃ nāmāsty atra durlabham
'durch die Gnade der Godāvarī, was gäbe es hier, das schwer erreichbar wäre?'

{brahmovāca: } tatheti kriyamāṇe tu piṇḍadānāya śatruhā / naivāpaśyad bhakṣyabhojyaṃ tato lakṣmaṇam abravīt // BrP_123.170 //

Brahmā sprach: 'So sei es', sagend, während er (die Vorbereitung) für die Reisopfergabe traf, fand der Feindebezwinger (Rāma) keine Nahrung oder Speise; da sprach er zu Lakṣmaṇa.

Wort für Wort
tatheti kriyamāṇe tu piṇḍadānāya śatruhā
'so sei es', sagend, während er (die Vorbereitung) für die Reisopfergabe traf, der Feindebezwinger
naivāpaśyad bhakṣyabhojyaṃ tato lakṣmaṇam abravīt
fand keine Nahrung oder Speise; da sprach er zu Lakṣmaṇa

lakṣmaṇaḥ prāha vinayād iṅgudyāś ca phalāni ca / santi teṣāṃ ca piṇyākam ānītaṃ tatkṣaṇād iva // BrP_123.171 //

Lakṣmaṇa sprach demütig: 'Es gibt die Früchte des Iṅgudī-Baumes'; und deren Ölkuchen wurde augenblicklich herbeigebracht.

Wort für Wort
lakṣmaṇaḥ prāha vinayād iṅgudyāś ca phalāni ca
Lakṣmaṇa sprach demütig: 'es gibt die Früchte des Iṅgudī-Baumes'
santi teṣāṃ ca piṇyākam ānītaṃ tatkṣaṇād iva
und deren Ölkuchen wurde augenblicklich herbeigebracht

piṇyākenātha gaṅgāyāṃ piṇḍaṃ dātuṃ tathā pituḥ / manaḥ kurvaṃs tato rāmo mando 'bhūd duḥkhitas tadā // BrP_123.172 //

Mit dem Ölkuchen dann, um in der Gaṅgā die Reisopfergabe für den Vater darzubringen, den Sinn richtend, wurde Rāma da bedrückt und betrübt.

Wort für Wort
piṇyākenātha gaṅgāyāṃ piṇḍaṃ dātuṃ tathā pituḥ
mit dem Ölkuchen dann, um in der Gaṅgā die Reisopfergabe für den Vater darzubringen
manaḥ kurvaṃs tato rāmo mando 'bhūd duḥkhitas tadā
den Sinn richtend, wurde Rāma da bedrückt und betrübt

daivī vāg abhavat tatra duḥkhaṃ tyaja nṛpātmaja / rājyabhraṣṭo vanaṃ prāptaḥ kiṃ vai niṣkiṃcano bhavān // BrP_123.173 //

Eine göttliche Stimme erhob sich dort: 'Lass den Schmerz, o Königssohn! Der Herrschaft entfallen, in den Wald gelangt - was macht es, dass du ohne Besitz bist?'

Wort für Wort
daivī vāg abhavat tatra duḥkhaṃ tyaja nṛpātmaja
eine göttliche Stimme erhob sich dort: 'lass den Schmerz, o Königssohn'
rājyabhraṣṭo vanaṃ prāptaḥ kiṃ vai niṣkiṃcano bhavān
'der Herrschaft entfallen, in den Wald gelangt - was macht es, dass du ohne Besitz bist?'

aśaṭho dharmanirato na śocitum ihārhasi / vittaśāṭhyena yo dharmaṃ karoti sa tu pātakī // BrP_123.174 //

'Du, arglos, dem Dharma zugetan, brauchst hier nicht zu trauern; wer mit betrügerischem Reichtum Dharma vollzieht, der ist ein Sünder.'

Wort für Wort
aśaṭho dharmanirato na śocitum ihārhasi
'du, arglos, dem Dharma zugetan, brauchst hier nicht zu trauern'
vittaśāṭhyena yo dharmaṃ karoti sa tu pātakī
'wer mit betrügerischem Reichtum Dharma vollzieht, der ist ein Sünder'

śrūyate sarvaśāstreṣu yad rāma śṛṇu yatnataḥ / yadannaḥ puruṣo rājaṃs tadannās tasya devatāḥ // BrP_123.175 //

'Was in allen Lehrschriften gehört wird, o Rāma, höre aufmerksam: von welcher Speise ein Mensch (lebt), o König, von derselben Speise (leben) seine Gottheiten (Ahnen).'

Wort für Wort
śrūyate sarvaśāstreṣu yad rāma śṛṇu yatnataḥ
'was in allen Lehrschriften gehört wird, o Rāma, höre aufmerksam'
yadannaḥ puruṣo rājaṃs tadannās tasya devatāḥ
'von welcher Speise ein Mensch (lebt), o König, von derselben Speise (leben) seine Gottheiten (Ahnen)'

piṇḍe nipatite bhūmau nāpaśyat pitaraṃ tadā / śavaṃ ca patitaṃ yatra śavatīrtham anuttamam // BrP_123.176 //

Als die Reisopfergabe zu Boden fiel, sah er da seinen Vater nicht; und wo der Leichnam (śava) niedergefallen war, (entstand) das unübertreffliche Śava-Tīrtha.

Wort für Wort
piṇḍe nipatite bhūmau nāpaśyat pitaraṃ tadā
als die Reisopfergabe zu Boden fiel, sah er da seinen Vater nicht
śavaṃ ca patitaṃ yatra śavatīrtham anuttamam
und wo der Leichnam niedergefallen war, (entstand) das unübertreffliche Śava-Tīrtha

[Anm.: Bezug des 'śava' ('Leichnam') an dieser Stelle unklar - möglicherweise bildlicher Ausdruck für die niedersinkende Opfergabe, evtl. auch namensgebend für das 'Śava-Tīrtha'.]

mahāpātakasaṃghāta- vighātakṛd anusmṛtiḥ / tatrāgacchaṃl lokapālā rudrādityās tathāśvinau // BrP_123.177 //

- dessen Erinnerung die Vernichtung der Gesamtheit großer Sünden bewirkt; dorthin kamen die Weltenhüter, die Rudras und Ādityas, und ebenso die beiden Aśvins,

Wort für Wort
mahāpātakasaṃghātavighātakṛd anusmṛtiḥ
dessen Erinnerung die Vernichtung der Gesamtheit großer Sünden bewirkt
tatrāgacchaṃl lokapālā rudrādityās tathāśvinau
dorthin kamen die Weltenhüter, die Rudras und Ādityas, und ebenso die beiden Aśvins

svaṃ svaṃ vimānam ārūḍhās teṣāṃ madhye 'tidīptimān / vimānavaram ārūḍhaḥ stūyamānaś ca kiṃnaraiḥ // BrP_123.178 //

- jeweils auf ihr eigenes Himmelsgefährt gestiegen; in ihrer Mitte, überaus strahlend, auf das beste Himmelsgefährt gestiegen und von Kinnaras besungen,

Wort für Wort
svaṃ svaṃ vimānam ārūḍhās teṣāṃ madhye 'tidīptimān
jeweils auf ihr eigenes Himmelsgefährt gestiegen; in ihrer Mitte, überaus strahlend
vimānavaram ārūḍhaḥ stūyamānaś ca kiṃnaraiḥ
auf das beste Himmelsgefährt gestiegen und von Kinnaras besungen

ādityasadṛśākāras teṣāṃ madhye babhau pitā / tam adṛṣṭvā svapitaraṃ devān dṛṣṭvā vimāninaḥ // BrP_123.179 //

- erstrahlte in ihrer Mitte der Vater, von sonnengleicher Gestalt; ihn, seinen eigenen Vater, nicht erblickend, (aber) die Götter auf ihren Himmelsgefährten erblickend,

Wort für Wort
ādityasadṛśākāras teṣāṃ madhye babhau pitā
in ihrer Mitte erstrahlte der Vater, von sonnengleicher Gestalt
tam adṛṣṭvā svapitaraṃ devān dṛṣṭvā vimāninaḥ
ihn, seinen eigenen Vater, nicht erblickend, (aber) die Götter auf ihren Himmelsgefährten erblickend

kṛtāñjalipuṭo rāmaḥ pitā me kvety abhāṣata / iti divyābhavad vāṇī rāmaṃ saṃbodhya sītayā // BrP_123.180 //

sprach Rāma mit gefalteten Händen: 'Wo ist mein Vater?' So erging eine göttliche Stimme, Rāma und Sītā ansprechend:

Wort für Wort
kṛtāñjalipuṭo rāmaḥ pitā me kvety abhāṣata
sprach Rāma mit gefalteten Händen: 'wo ist mein Vater?'
iti divyābhavad vāṇī rāmaṃ saṃbodhya sītayā
so erging eine göttliche Stimme, Rāma und Sītā ansprechend

tisṛbhir brahmahatyābhir mukto daśaratho nṛpaḥ / vṛtaṃ paśya surais tāta devā apy ūcire ca tam // BrP_123.181 //

'König Daśaratha ist von den drei Brahmanenmorden befreit; sieh ihn, von Göttern umgeben, Kind!' Und auch die Götter sprachen zu ihm.

Wort für Wort
tisṛbhir brahmahatyābhir mukto daśaratho nṛpaḥ
'König Daśaratha ist von den drei Brahmanenmorden befreit'
vṛtaṃ paśya surais tāta devā apy ūcire ca tam
'sieh ihn, von Göttern umgeben, Kind!' Und auch die Götter sprachen zu ihm

{devā ūcuḥ: } dhanyo 'si kṛtakṛtyo 'si rāma svargaṃ gataḥ pitā / nānānirayasaṃghātāt pūrvajān uddharet tu yaḥ // BrP_123.182 //

Die Götter sprachen: 'Gesegnet bist du, dein Ziel ist erreicht, o Rāma; dein Vater ist zum Himmel gegangen. Wer seine Vorfahren aus der Gesamtheit der mannigfachen Höllen errettet -'

Wort für Wort
dhanyo 'si kṛtakṛtyo 'si rāma svargaṃ gataḥ pitā
'gesegnet bist du, dein Ziel ist erreicht, o Rāma; dein Vater ist zum Himmel gegangen'
nānānirayasaṃghātāt pūrvajān uddharet tu yaḥ
'wer seine Vorfahren aus der Gesamtheit der mannigfachen Höllen errettet'

sa dhanyo 'laṃkṛtaṃ tena kṛtinā bhuvanatrayam / enaṃ paśya mahābāho muktapāpaṃ raviprabham // BrP_123.183 //

'- der ist gesegnet; durch einen solchen Verdienstvollen sind die drei Welten geschmückt. Sieh diesen hier, o Starkarmiger, von Sünde befreit, sonnengleich strahlend.'

Wort für Wort
sa dhanyo 'laṃkṛtaṃ tena kṛtinā bhuvanatrayam
'der ist gesegnet; durch einen solchen Verdienstvollen sind die drei Welten geschmückt'
enaṃ paśya mahābāho muktapāpaṃ raviprabham
'sieh diesen hier, o Starkarmiger, von Sünde befreit, sonnengleich strahlend'

sarvasaṃpattiyukto 'pi pāpī dagdhadrumopamaḥ / niṣkiṃcano 'pi sukṛtī dṛśyate candramaulivat // BrP_123.184 //

'Selbst mit allem Reichtum ausgestattet, gleicht der Sünder einem verbrannten Baum; selbst besitzlos erscheint der Tugendhafte wie der Mondbekrönte (Śiva).'

Wort für Wort
sarvasaṃpattiyukto 'pi pāpī dagdhadrumopamaḥ
'selbst mit allem Reichtum ausgestattet, gleicht der Sünder einem verbrannten Baum'
niṣkiṃcano 'pi sukṛtī dṛśyate candramaulivat
'selbst besitzlos erscheint der Tugendhafte wie der Mondbekrönte'

{brahmovāca: } dṛṣṭvābravīt sutaṃ rājā āśīrbhir abhinandya ca //* BrP_123.185 //

Brahmā sprach: Als er (ihn) sah, sprach der König zu seinem Sohn, ihn mit Segenssprüchen beglückwünschend.

Wort für Wort
dṛṣṭvābravīt sutaṃ rājā
als er (ihn) sah, sprach der König zu seinem Sohn
āśīrbhir abhinandya ca
ihn mit Segenssprüchen beglückwünschend

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{rājovāca: } kṛtakṛtyo 'si bhadraṃ te tārito 'haṃ tvayānagha / dhanyaḥ sa putro loke 'smin pitṝṇāṃ yas tu tārakaḥ // BrP_123.186 //

Der König sprach: 'Dein Ziel ist erreicht, Segen über dich; ich bin von dir errettet worden, du Schuldloser. Gesegnet ist in dieser Welt jener Sohn, der ein Erretter seiner Vorfahren ist.'

Wort für Wort
kṛtakṛtyo 'si bhadraṃ te tārito 'haṃ tvayānagha
'dein Ziel ist erreicht, Segen über dich; ich bin von dir errettet worden, du Schuldloser'
dhanyaḥ sa putro loke 'smin pitṝṇāṃ yas tu tārakaḥ
'gesegnet ist in dieser Welt jener Sohn, der ein Erretter seiner Vorfahren ist'

{brahmovāca: } tataḥ suragaṇāḥ procur devānāṃ kāryasiddhaye / rāmaṃ ca puruṣaśreṣṭhaṃ gaccha tāta yathāsukham / tatas tadvacanaṃ śrutvā rāmas tān abravīt surān // BrP_123.187 //

Brahmā sprach: Dann sprachen die Götterscharen, zur Erfüllung des Zwecks der Götter, zu Rāma, dem besten der Männer: 'Geh, Kind, wie es dir beliebt.' Da, dieses Wort hörend, sprach Rāma zu jenen Göttern.

Wort für Wort
tataḥ suragaṇāḥ procur devānāṃ kāryasiddhaye
dann sprachen die Götterscharen, zur Erfüllung des Zwecks der Götter
rāmaṃ ca puruṣaśreṣṭhaṃ gaccha tāta yathāsukham
zu Rāma, dem besten der Männer: 'geh, Kind, wie es dir beliebt'
tatas tadvacanaṃ śrutvā rāmas tān abravīt surān
da, dieses Wort hörend, sprach Rāma zu jenen Göttern

[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original.]

{rāma uvāca: } gurau pitari me devāḥ kiṃ kṛtyam avaśiṣyate //* BrP_123.188 //

Rāma sprach: 'O Götter, welche Pflicht bleibt mir gegenüber meinem Lehrer, dem Vater, noch übrig?'

Wort für Wort
gurau pitari me devāḥ
'o Götter, meinem Lehrer, dem Vater, gegenüber'
kiṃ kṛtyam avaśiṣyate
'welche Pflicht bleibt mir noch übrig?'

[Anm.: einzeiliger, asterisk-markierter Halbvers.]

{devā ūcuḥ: } nadī na gaṅgayā tulyā na tvayā sadṛśaḥ sutaḥ / na śivena samo devo na tāreṇa samo manuḥ // BrP_123.189 //

Die Götter sprachen: 'Kein Fluss ist der Gaṅgā gleich, kein Sohn ist dir gleich; kein Gott ist Śiva gleich, kein Mensch ist einem Erretter (tāra) gleich.'

Wort für Wort
nadī na gaṅgayā tulyā na tvayā sadṛśaḥ sutaḥ
'kein Fluss ist der Gaṅgā gleich, kein Sohn ist dir gleich'
na śivena samo devo na tāreṇa samo manuḥ
'kein Gott ist Śiva gleich, kein Mensch ist einem Erretter gleich'

[Anm.: 'tāreṇa' ('Erretter/Überführer') hier wohl als allgemeiner Begriff für einen Erlöser aus Not, nicht als Eigenname.]

tvayā rāma gurūṇāṃ ca kāryaṃ sarvam anuṣṭhitam / tāritāḥ pitaro rāma tvayā putreṇa mānada / gacchantu sarve svasthānaṃ tvaṃ ca gaccha yathāsukham // BrP_123.190 //

'Von dir, o Rāma, ist alle Pflicht gegenüber den Lehrern (Eltern) erfüllt worden; deine Vorfahren sind, o Rāma, von dir als Sohn errettet worden, o Ehrenspender. Alle mögen zu ihrem eigenen Ort gehen, und auch du geh, wie es dir beliebt.'

Wort für Wort
tvayā rāma gurūṇāṃ ca kāryaṃ sarvam anuṣṭhitam
'von dir, o Rāma, ist alle Pflicht gegenüber den Lehrern erfüllt worden'
tāritāḥ pitaro rāma tvayā putreṇa mānada
'deine Vorfahren sind, o Rāma, von dir als Sohn errettet worden, o Ehrenspender'
gacchantu sarve svasthānaṃ tvaṃ ca gaccha yathāsukham
'alle mögen zu ihrem eigenen Ort gehen, und auch du geh, wie es dir beliebt'

[Anm.: Vers mit drei Zeilen im Original.]

{brahmovāca: } tad devavacanād dhṛṣṭaḥ sītayā lakṣmaṇāgrajaḥ / tad dṛṣṭvā gaṅgāmāhātmyaṃ vismito vākyam abravīt // BrP_123.191 //

Brahmā sprach: Durch dieses Wort der Götter erfreut, sprach der ältere Bruder Lakṣmaṇas, zusammen mit Sītā, jene Größe der Gaṅgā sehend, erstaunt diese Worte.

Wort für Wort
tad devavacanād dhṛṣṭaḥ sītayā lakṣmaṇāgrajaḥ
durch dieses Wort der Götter erfreut, der ältere Bruder Lakṣmaṇas, zusammen mit Sītā
tad dṛṣṭvā gaṅgāmāhātmyaṃ vismito vākyam abravīt
jene Größe der Gaṅgā sehend, sprach er erstaunt diese Worte

{rāma uvāca: } aho gaṅgāprabhāvo 'yaṃ trailokye nopamīyate / vayaṃ dhanyā yato gaṅgā dṛṣṭāsmābhis tripāvanī // BrP_123.192 //

Rāma sprach: 'Ach, diese Macht der Gaṅgā ist in den drei Welten unvergleichlich; wir sind gesegnet, da die Gaṅgā, Reinigerin der drei (Welten), von uns geschaut wurde.'

Wort für Wort
aho gaṅgāprabhāvo 'yaṃ trailokye nopamīyate
'ach, diese Macht der Gaṅgā ist in den drei Welten unvergleichlich'
vayaṃ dhanyā yato gaṅgā dṛṣṭāsmābhis tripāvanī
'wir sind gesegnet, da die Gaṅgā, Reinigerin der drei Welten, von uns geschaut wurde'

{brahmovāca: } harṣeṇa mahatā yukto devaṃ sthāpya maheśvaram / taṃ ṣoḍaśabhir īśānam upacāraiḥ prayatnataḥ // BrP_123.193 //

Brahmā sprach: Von großer Freude erfüllt, nachdem er den Gott Maheśvara aufgestellt hatte, (verehrte er) jenen Īśāna eifrig mit den sechzehn Diensten (upacāras),

Wort für Wort
harṣeṇa mahatā yukto devaṃ sthāpya maheśvaram
von großer Freude erfüllt, nachdem er den Gott Maheśvara aufgestellt hatte
taṃ ṣoḍaśabhir īśānam upacāraiḥ prayatnataḥ
(verehrte er) jenen Īśāna eifrig mit den sechzehn Diensten

saṃpūjyāvaraṇair yuktaṃ ṣaṭtriṃśatkalam īśvaram / kṛtāñjalipuṭo bhūtvā rāmas tuṣṭāva śaṃkaram // BrP_123.194 //

- und, nachdem er (ihn), den mit den Umhüllungsgottheiten versehenen, sechsunddreißigfältigen Herrn verehrt hatte, pries Rāma, die Hände gefaltet, den Śaṅkara.

Wort für Wort
saṃpūjyāvaraṇair yuktaṃ ṣaṭtriṃśatkalam īśvaram
nachdem er (ihn), den mit den Umhüllungsgottheiten versehenen, sechsunddreißigfältigen Herrn verehrt hatte
kṛtāñjalipuṭo bhūtvā rāmas tuṣṭāva śaṃkaram
pries Rāma, die Hände gefaltet, den Śaṅkara

{rāma uvāca: } namāmi śaṃbhuṃ puruṣaṃ purāṇaṃ BrP_123.195a namāmi sarvajñam apārabhāvam BrP_123.195b namāmi rudraṃ prabhum akṣayaṃ taṃ BrP_123.195c namāmi śarvaṃ śirasā namāmi BrP_123.195d

Rāma sprach: 'Ich verneige mich vor Śambhu, dem uralten Puruṣa; ich verneige mich vor dem Allwissenden, von grenzenlosem Wesen; ich verneige mich vor Rudra, dem unvergänglichen Herrn; ich verneige mich vor Śarva, mit dem Haupt verneige ich mich.'

Wort für Wort
namāmi śaṃbhuṃ puruṣaṃ purāṇaṃ
'ich verneige mich vor Śambhu, dem uralten Puruṣa'
namāmi sarvajñam apārabhāvam
'ich verneige mich vor dem Allwissenden, von grenzenlosem Wesen'
namāmi rudraṃ prabhum akṣayaṃ taṃ
'ich verneige mich vor Rudra, dem unvergänglichen Herrn'
namāmi śarvaṃ śirasā namāmi
'ich verneige mich vor Śarva, mit dem Haupt verneige ich mich'

[Anm.: Ab hier V.195-206 Rāmas Śiva-Hymne in besonderem, padaweise gezähltem Hymnenmetrum.]

namāmi devaṃ param avyayaṃ tam BrP_123.196a umāpatiṃ lokaguruṃ namāmi BrP_123.196b namāmi dāridryavidāraṇaṃ taṃ BrP_123.196c namāmi rogāpaharaṃ namāmi BrP_123.196d

'Ich verneige mich vor dem höchsten, unvergänglichen Gott; ich verneige mich vor Umās Gatten, dem Lehrer der Welt; ich verneige mich vor ihm, der die Armut zerreißt; ich verneige mich vor dem Krankheitsnehmer, ich verneige mich.'

Wort für Wort
namāmi devaṃ param avyayaṃ tam
'ich verneige mich vor dem höchsten, unvergänglichen Gott'
umāpatiṃ lokaguruṃ namāmi
'ich verneige mich vor Umās Gatten, dem Lehrer der Welt'
namāmi dāridryavidāraṇaṃ taṃ
'ich verneige mich vor ihm, der die Armut zerreißt'
namāmi rogāpaharaṃ namāmi
'ich verneige mich vor dem Krankheitsnehmer, ich verneige mich'

namāmi kalyāṇam acintyarūpaṃ BrP_123.197a namāmi viśvodbhavabījarūpam BrP_123.197b namāmi viśvasthitikāraṇaṃ taṃ BrP_123.197c namāmi saṃhārakaraṃ namāmi BrP_123.197d

'Ich verneige mich vor dem Heilsamen von unfassbarer Gestalt; ich verneige mich vor der Samen-Gestalt des Weltenursprungs; ich verneige mich vor ihm, der Ursache des Weltenbestandes; ich verneige mich vor dem Zerstörer, ich verneige mich.'

Wort für Wort
namāmi kalyāṇam acintyarūpaṃ
'ich verneige mich vor dem Heilsamen von unfassbarer Gestalt'
namāmi viśvodbhavabījarūpam
'ich verneige mich vor der Samen-Gestalt des Weltenursprungs'
namāmi viśvasthitikāraṇaṃ taṃ
'ich verneige mich vor ihm, der Ursache des Weltenbestandes'
namāmi saṃhārakaraṃ namāmi
'ich verneige mich vor dem Zerstörer, ich verneige mich'

namāmi gaurīpriyam avyayaṃ taṃ BrP_123.198a namāmi nityaṃ kṣaram akṣaraṃ tam BrP_123.198b namāmi cidrūpam ameyabhāvaṃ BrP_123.198c trilocanaṃ taṃ śirasā namāmi BrP_123.198d

'Ich verneige mich vor dem Geliebten Gaurīs, dem Unvergänglichen; ich verneige mich vor dem ewigen, (zugleich) vergänglichen und unvergänglichen; ich verneige mich vor der Gestalt des Bewusstseins, von unermesslichem Wesen; den Dreiäugigen, mit dem Haupt verneige ich mich vor ihm.'

Wort für Wort
namāmi gaurīpriyam avyayaṃ taṃ
'ich verneige mich vor dem Geliebten Gaurīs, dem Unvergänglichen'
namāmi nityaṃ kṣaram akṣaraṃ tam
'ich verneige mich vor dem ewigen, (zugleich) vergänglichen und unvergänglichen'
namāmi cidrūpam ameyabhāvaṃ
'ich verneige mich vor der Gestalt des Bewusstseins, von unermesslichem Wesen'
trilocanaṃ taṃ śirasā namāmi
'den Dreiäugigen, mit dem Haupt verneige ich mich vor ihm'

namāmi kāruṇyakaraṃ bhavasya BrP_123.199a bhayaṃkaraṃ vāpi sadā namāmi BrP_123.199b namāmi dātāram abhīpsitānāṃ BrP_123.199c namāmi someśam umeśam ādau BrP_123.199d

'Ich verneige mich vor dem Erbarmer der Weltexistenz, und auch vor dem Furchtbaren verneige ich mich stets; ich verneige mich vor dem Geber der Wünsche; ich verneige mich vor Someśa, dem Herrn Umās, dem Uranfänglichen.'

Wort für Wort
namāmi kāruṇyakaraṃ bhavasya
'ich verneige mich vor dem Erbarmer der Weltexistenz'
bhayaṃkaraṃ vāpi sadā namāmi
'und auch vor dem Furchtbaren verneige ich mich stets'
namāmi dātāram abhīpsitānāṃ
'ich verneige mich vor dem Geber der Wünsche'
namāmi someśam umeśam ādau
'ich verneige mich vor Someśa, dem Herrn Umās, dem Uranfänglichen'

namāmi vedatrayalocanaṃ taṃ BrP_123.200a namāmi mūrtitrayavarjitaṃ tam BrP_123.200b namāmi puṇyaṃ sadasadvyatītaṃ BrP_123.200c namāmi taṃ pāpaharaṃ namāmi BrP_123.200d

'Ich verneige mich vor ihm, dessen Augen die drei Veden sind; ich verneige mich vor ihm, der frei ist von den drei Gestalten (Trimūrti); ich verneige mich vor dem Heiligen, jenseits von Sein und Nichtsein; ich verneige mich vor ihm, dem Sündennehmer, ich verneige mich.'

Wort für Wort
namāmi vedatrayalocanaṃ taṃ
'ich verneige mich vor ihm, dessen Augen die drei Veden sind'
namāmi mūrtitrayavarjitaṃ tam
'ich verneige mich vor ihm, der frei ist von den drei Gestalten'
namāmi puṇyaṃ sadasadvyatītaṃ
'ich verneige mich vor dem Heiligen, jenseits von Sein und Nichtsein'
namāmi taṃ pāpaharaṃ namāmi
'ich verneige mich vor ihm, dem Sündennehmer, ich verneige mich'

namāmi viśvasya hite rataṃ taṃ BrP_123.201a namāmi rūpāṇi bahūni dhatte BrP_123.201b yo viśvagoptā sadasatpraṇetā BrP_123.201c namāmi taṃ viśvapatiṃ namāmi BrP_123.201d

'Ich verneige mich vor ihm, der am Wohl des Weltalls Freude hat; ich verneige mich vor ihm, der viele Gestalten annimmt; der Beschützer des Weltalls, der Lenker von Sein und Nichtsein - ich verneige mich vor ihm, dem Herrn des Weltalls, ich verneige mich.'

Wort für Wort
namāmi viśvasya hite rataṃ taṃ
'ich verneige mich vor ihm, der am Wohl des Weltalls Freude hat'
namāmi rūpāṇi bahūni dhatte
'ich verneige mich vor ihm, der viele Gestalten annimmt'
yo viśvagoptā sadasatpraṇetā
'der Beschützer des Weltalls, der Lenker von Sein und Nichtsein'
namāmi taṃ viśvapatiṃ namāmi
'ich verneige mich vor ihm, dem Herrn des Weltalls, ich verneige mich'

yajñeśvaraṃ saṃprati havyakavyaṃ BrP_123.202a tathā gatiṃ lokasadāśivo yaḥ BrP_123.202b ārādhito yaś ca dadāti sarvaṃ BrP_123.202c namāmi dānapriyam iṣṭadevam BrP_123.202d

'Den Herrn des Opfers, gegenwärtig (Empfänger von) Götter- und Ahnenopfer, ebenso das (letzte) Ziel, der er, der ewige Śiva der Welt, ist; der, wenn verehrt, alles gewährt - ich verneige mich vor dem gabenliebenden, erwählten Gott.'

Wort für Wort
yajñeśvaraṃ saṃprati havyakavyaṃ
'den Herrn des Opfers, gegenwärtig (Empfänger von) Götter- und Ahnenopfer'
tathā gatiṃ lokasadāśivo yaḥ
'ebenso das (letzte) Ziel, der er, der ewige Śiva der Welt, ist'
ārādhito yaś ca dadāti sarvaṃ
'der, wenn verehrt, alles gewährt'
namāmi dānapriyam iṣṭadevam
'ich verneige mich vor dem gabenliebenden, erwählten Gott'

namāmi someśvaram asvatantram BrP_123.203a umāpatiṃ taṃ vijayaṃ namāmi BrP_123.203b namāmi vighneśvaranandināthaṃ BrP_123.203c putrapriyaṃ taṃ śirasā namāmi BrP_123.203d

'Ich verneige mich vor Someśvara, dem nicht Eigenständigen (der sich seinem Geliebten fügt); ich verneige mich vor ihm, dem Gatten Umās, dem Siegreichen; ich verneige mich vor dem Herrn Vighneśvaras (Gaṇeśas) und Nandins; den seine Söhne Liebenden, mit dem Haupt verneige ich mich vor ihm.'

Wort für Wort
namāmi someśvaram asvatantram
'ich verneige mich vor Someśvara, dem nicht Eigenständigen'
umāpatiṃ taṃ vijayaṃ namāmi
'ich verneige mich vor ihm, dem Gatten Umās, dem Siegreichen'
namāmi vighneśvaranandināthaṃ
'ich verneige mich vor dem Herrn Vighneśvaras und Nandins'
putrapriyaṃ taṃ śirasā namāmi
'den seine Söhne Liebenden, mit dem Haupt verneige ich mich vor ihm'

[Anm.: 'asvatantram' ('nicht eigenständig') als ungewöhnliches Śiva-Epitheton - evtl. im Sinne von 'sich der Hingabe seiner Verehrer fügend'; Deutung unsicher.]

namāmi devaṃ bhavaduḥkhaśoka- BrP_123.204a vināśanaṃ candradharaṃ namāmi BrP_123.204b namāmi gaṅgādharam īśam īḍyam BrP_123.204c umādhavaṃ devavaraṃ namāmi BrP_123.204d

'Ich verneige mich vor dem Gott, dem Vernichter von Leid und Kummer der Weltexistenz; ich verneige mich vor dem Mondträger; ich verneige mich vor dem Gaṅgāträger, dem preiswürdigen Herrn; ich verneige mich vor dem Gatten Umās, dem besten der Götter.'

Wort für Wort
namāmi devaṃ bhavaduḥkhaśokavināśanaṃ
'ich verneige mich vor dem Gott, dem Vernichter von Leid und Kummer der Weltexistenz'
candradharaṃ namāmi
'ich verneige mich vor dem Mondträger'
namāmi gaṅgādharam īśam īḍyam
'ich verneige mich vor dem Gaṅgāträger, dem preiswürdigen Herrn'
umādhavaṃ devavaraṃ namāmi
'ich verneige mich vor dem Gatten Umās, dem besten der Götter'

namāmy ajādīśapuraṃdarādi- BrP_123.205a surāsurair arcitapādapadmam BrP_123.205b namāmi devīmukhavādanānām BrP_123.205c īkṣārtham akṣitritayaṃ ya aicchat BrP_123.205d

'Ich verneige mich vor ihm, dessen Lotosfüße von den Göttern und Dämonen, angefangen mit dem Ungeborenen (Brahmā) und Puraṃdara (Indra), verehrt werden; ich verneige mich vor ihm, der, um das Antlitz und die Worte der Göttin sehen zu können, die Dreiheit der Augen (das dritte Auge) begehrte.'

Wort für Wort
namāmy ajādīśapuraṃdarādisurāsurair arcitapādapadmam
'ich verneige mich vor ihm, dessen Lotosfüße von den Göttern und Dämonen, angefangen mit dem Ungeborenen und Puraṃdara, verehrt werden'
namāmi devīmukhavādanānām
'ich verneige mich vor ihm, (der) das Antlitz und die Worte der Göttin (begehrte zu sehen)'
īkṣārtham akṣitritayaṃ ya aicchat
'der, um sehen zu können, die Dreiheit der Augen begehrte'

[Anm.: V.205cd bezieht sich vermutlich auf eine Episode, in der Śiva, durch Pārvatīs Verhüllung seiner Augen im Dunkeln, ein drittes Auge wünschte, um ihr Antlitz weiterhin zu sehen; Konstruktion und genauer Bezug unsicher.]

pañcāmṛtair gandhasudhūpadīpair BrP_123.206a vicitrapuṣpair vividhaiś ca mantraiḥ BrP_123.206b annaprakāraiḥ sakalopacāraiḥ BrP_123.206c saṃpūjitaṃ somam ahaṃ namāmi BrP_123.206d

'Mit den fünf Nektarspeisen, mit Duftstoff, feinem Räucherwerk und Lampen, mit bunten Blumen und mannigfachen Mantras, mit Arten von Speise und allen (rituellen) Diensten verehrt - vor Soma (dem Mond-Herrn, Śiva) verneige ich mich.'

Wort für Wort
pañcāmṛtair gandhasudhūpadīpair
'mit den fünf Nektarspeisen, mit Duftstoff, feinem Räucherwerk und Lampen'
vicitrapuṣpair vividhaiś ca mantraiḥ
'mit bunten Blumen und mannigfachen Mantras'
annaprakāraiḥ sakalopacāraiḥ
'mit Arten von Speise und allen rituellen Diensten'
saṃpūjitaṃ somam ahaṃ namāmi
'verehrt - vor Soma verneige ich mich'

{brahmovāca: } tataḥ sa bhagavān āha rāmaṃ śaṃbhuḥ salakṣmaṇam / varān vṛṇīṣva bhadraṃ te rāmaḥ prāha vṛṣadhvajam // BrP_123.207 //

Brahmā sprach: Dann sprach der erhabene Śambhu zu Rāma zusammen mit Lakṣmaṇa: 'Wähle Gaben, Segen über dich' - Rāma sprach zum Stier-Bannerträger.

Wort für Wort
tataḥ sa bhagavān āha rāmaṃ śaṃbhuḥ salakṣmaṇam
dann sprach der erhabene Śambhu zu Rāma zusammen mit Lakṣmaṇa
varān vṛṇīṣva bhadraṃ te rāmaḥ prāha vṛṣadhvajam
'wähle Gaben, Segen über dich' - Rāma sprach zum Stier-Bannerträger

{rāma uvāca: } stotreṇānena ye bhaktyā toṣyanti tvāṃ surottama / teṣāṃ sarvāṇi kāryāṇi siddhiṃ yāntu maheśvara // BrP_123.208 //

Rāma sprach: 'Diejenigen, die dich, o bester der Götter, mit Hingabe durch diese Hymne erfreuen werden - all ihre Unternehmungen mögen zum Gelingen führen, o großer Herr.'

Wort für Wort
stotreṇānena ye bhaktyā toṣyanti tvāṃ surottama
'diejenigen, die dich, o bester der Götter, mit Hingabe durch diese Hymne erfreuen werden'
teṣāṃ sarvāṇi kāryāṇi siddhiṃ yāntu maheśvara
'all ihre Unternehmungen mögen zum Gelingen führen, o großer Herr'

yeṣāṃ ca pitaraḥ śaṃbho patitā narakārṇave / teṣāṃ piṇḍādidānena pūtā yāntu triviṣṭapam // BrP_123.209 //

'Und diejenigen, deren Vorfahren, o Śambhu, in den Höllenozean gefallen sind - durch das Darbringen von Reisopfergaben u.ä. für sie mögen diese, gereinigt, zum Himmel gehen.'

Wort für Wort
yeṣāṃ ca pitaraḥ śaṃbho patitā narakārṇave
'und diejenigen, deren Vorfahren, o Śambhu, in den Höllenozean gefallen sind'
teṣāṃ piṇḍādidānena pūtā yāntu triviṣṭapam
'durch das Darbringen von Reisopfergaben u.ä. für sie mögen diese, gereinigt, zum Himmel gehen'

janmaprabhṛti pāpāni manovākkāyikaṃ tv agham / atra tu snānamātreṇa tat sadyo nāśam āpnuyāt // BrP_123.210 //

'Sünden von Geburt an, Vergehen in Gedanke, Wort und Tat - diese mögen hier durch bloßes Baden sofortige Vernichtung erlangen.'

Wort für Wort
janmaprabhṛti pāpāni manovākkāyikaṃ tv agham
'Sünden von Geburt an, Vergehen in Gedanke, Wort und Tat'
atra tu snānamātreṇa tat sadyo nāśam āpnuyāt
'diese mögen hier durch bloßes Baden sofortige Vernichtung erlangen'

atra ye bhaktitaḥ śaṃbho dadaty arthibhya aṇv api / sarvaṃ tad akṣayaṃ śaṃbho dātṝṇāṃ phalakṛd bhavet // BrP_123.211 //

'Diejenigen, die hier, o Śambhu, aus Hingabe den Bittenden auch nur ein Weniges geben - all das möge, o Śambhu, unvergänglich werden und den Gebenden Frucht bringen.'

Wort für Wort
atra ye bhaktitaḥ śaṃbho dadaty arthibhya aṇv api
'diejenigen, die hier, o Śambhu, aus Hingabe den Bittenden auch nur ein Weniges geben'
sarvaṃ tad akṣayaṃ śaṃbho dātṝṇāṃ phalakṛd bhavet
'all das möge, o Śambhu, unvergänglich werden und den Gebenden Frucht bringen'

{brahmovāca: } evam astv iti taṃ rāmaṃ śaṃkaro hṛṣito 'bravīt / gate tasmin suraśreṣṭhe rāmo 'py anucaraiḥ saha // BrP_123.212 //

Brahmā sprach: 'So sei es', sprach Śaṅkara erfreut zu jenem Rāma; als jener beste der Götter gegangen war, ging auch Rāma, zusammen mit seinen Gefährten,

Wort für Wort
evam astv iti taṃ rāmaṃ śaṃkaro hṛṣito 'bravīt
'so sei es', sprach Śaṅkara erfreut zu jenem Rāma
gate tasmin suraśreṣṭhe rāmo 'py anucaraiḥ saha
als jener beste der Götter gegangen war, ging auch Rāma, zusammen mit seinen Gefährten

gautamī yatra cotpannā śanais taṃ deśam abhyagāt / tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ rāmatīrtham udāhṛtam // BrP_123.213 //

- langsam zu jener Stelle, wo die Gautamī entstanden ist; von da an wurde jenes Tīrtha 'Rāma-Tīrtha' genannt.

Wort für Wort
gautamī yatra cotpannā śanais taṃ deśam abhyagāt
langsam zu jener Stelle, wo die Gautamī entstanden ist
tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ rāmatīrtham udāhṛtam
von da an wurde jenes Tīrtha 'Rāma-Tīrtha' genannt

dayālor apatat tatra lakṣmaṇasya karāc charaḥ / tad bāṇatīrtham abhavat sarvāpadvinivāraṇam // BrP_123.214 //

Dort fiel aus der Hand des mitfühlenden Lakṣmaṇa ein Pfeil; dies wurde zum Bāṇa-Tīrtha (Pfeil-Tīrtha), das alle Not abwendet.

Wort für Wort
dayālor apatat tatra lakṣmaṇasya karāc charaḥ
dort fiel aus der Hand des mitfühlenden Lakṣmaṇa ein Pfeil
tad bāṇatīrtham abhavat sarvāpadvinivāraṇam
dies wurde zum Bāṇa-Tīrtha, das alle Not abwendet

yatra saumitriṇā snānaṃ śaṃkarasyārcanaṃ kṛtam / tat tīrthaṃ lakṣmaṇaṃ jātaṃ tathā sītāsamudbhavam // BrP_123.215 //

Wo vom Sohn Sumitrās das Bad und die Verehrung Śaṅkaras vollzogen wurde, jenes Tīrtha wurde als 'von Lakṣmaṇa entstanden' bekannt, ebenso das 'von Sītā hervorgegangene',

Wort für Wort
yatra saumitriṇā snānaṃ śaṃkarasyārcanaṃ kṛtam
wo vom Sohn Sumitrās das Bad und die Verehrung Śaṅkaras vollzogen wurde
tat tīrthaṃ lakṣmaṇaṃ jātaṃ tathā sītāsamudbhavam
jenes Tīrtha wurde als 'von Lakṣmaṇa entstanden' bekannt, ebenso das 'von Sītā hervorgegangene'

nānāvidhāśeṣapāpa- saṃghanirmūlanakṣamam / yad aṅghrisaṃgād abhavad gaṅgā trailokyapāvanī // BrP_123.216 //

- fähig, die Gesamtheit mannigfacher, restloser Sünden zu entwurzeln, welches durch die Berührung mit dem Fuß entstand, die Gaṅgā, Reinigerin der drei Welten -

Wort für Wort
nānāvidhāśeṣapāpasaṃghanirmūlanakṣamam
fähig, die Gesamtheit mannigfacher, restloser Sünden zu entwurzeln
yad aṅghrisaṃgād abhavad gaṅgā trailokyapāvanī
welches durch die Berührung mit dem Fuß entstand, die Gaṅgā, Reinigerin der drei Welten

[Anm.: Vers mit ungewöhnlicher Zeilenaufteilung im Original.]

sa yatra snānam akarot tad vaiśiṣṭyaṃ kim ucyate / tad rāmatīrthasadṛśaṃ tīrthaṃ kvāpi na vidyate // BrP_123.217 //

- wo sie (Sītā) badete: was ließe sich über dessen Besonderheit noch sagen? Ein Tīrtha, dem Rāma-Tīrtha gleich, gibt es nirgends.

Wort für Wort
sa yatra snānam akarot tad vaiśiṣṭyaṃ kim ucyate
wo sie badete: was ließe sich über dessen Besonderheit noch sagen
tad rāmatīrthasadṛśaṃ tīrthaṃ kvāpi na vidyate
ein Tīrtha, dem Rāma-Tīrtha gleich, gibt es nirgends

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