Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 241: vasiṣṭhakarālajanakasaṃvādaḥ kṣarākṣaravivekaś ca Das Gespräch zwischen Vasiṣṭha und Karālajanaka und die Unterscheidung von Vergänglichem und Unvergänglichem

{munaya ūcuḥ: } kiṃ tad akṣaram ity uktaṃ yasmān nāvartate punaḥ / kiṃsvit tat kṣaram ity uktaṃ yasmād āvartate punaḥ //

Die Weisen sprachen: Was ist das, was Akṣara [das Unvergängliche] genannt wird, von wo aus man nicht wieder zurückkehrt? Und was ist das, was Kṣara [das Vergängliche] genannt wird, von wo aus man wieder zurückkehrt?

Wort für Wort
kiṃ tad akṣaram ity uktaṃ
was ist das, was Akṣara genannt wird
yasmān nāvartate punaḥ
von wo aus man nicht wieder zurückkehrt
kiṃsvit tat kṣaram ity uktaṃ
und was ist das, was Kṣara genannt wird
yasmād āvartate punaḥ
von wo aus man wieder zurückkehrt

akṣarākṣarayor vyaktiṃ pṛcchāmas tvāṃ mahāmune / upalabdhuṃ muniśreṣṭha tattvena munipuṃgava //

Nach der Erscheinungsform von Akṣara und Kṣara fragen wir dich, o großer Weiser, um sie wahrhaftig zu erfassen, o bester der Weisen, o Stier unter den Weisen.

Wort für Wort
akṣarākṣarayor vyaktiṃ
nach der Erscheinungsform von Akṣara und Kṣara
pṛcchāmas tvāṃ mahāmune
fragen wir dich, o großer Weiser
upalabdhuṃ muniśreṣṭha
um zu erfassen, o bester der Weisen
tattvena munipuṃgava
wahrhaftig, o Stier unter den Weisen

tvaṃ hi jñānavidāṃ śreṣṭhaḥ procyase vedapāragaiḥ / ṛṣibhiś ca mahābhāgair yatibhiś ca mahātmabhiḥ //

Denn du wirst von denen, die die Veden durchdrungen haben, von den hochgesegneten Weisen und den großen Asketen als der Beste der Wissenskenner bezeichnet.

Wort für Wort
tvaṃ hi jñānavidāṃ śreṣṭhaḥ
denn du, der Beste der Wissenskenner
procyase vedapāragaiḥ
wirst bezeichnet von denen, die die Veden durchdrungen haben
ṛṣibhiś ca mahābhāgair
und von den hochgesegneten Weisen
yatibhiś ca mahātmabhiḥ
und den großen Asketen

tad etac chrotum icchāmas tvattaḥ sarvaṃ mahāmate / na tṛptim adhigacchāmaḥ śṛṇvanto 'mṛtam uttamam //

Dies alles wollen wir daher von dir hören, o Großgesinnter; wir werden nicht satt, wenn wir den höchsten Unsterblichkeitstrank [deine Worte] hören.

Wort für Wort
tad etac chrotum icchāmas
dies wollen wir hören
tvattaḥ sarvaṃ mahāmate
von dir, alles, o Großgesinnter
na tṛptim adhigacchāmaḥ
wir werden nicht satt
śṛṇvanto 'mṛtam uttamam
wenn wir den höchsten Unsterblichkeitstrank hören

{vyāsa uvāca: } atra vo varṇayiṣyāmi itihāsaṃ purātanam / vasiṣṭhasya ca saṃvādaṃ karālajanakasya ca //

Vyāsa sprach: Hierzu werde ich euch die uralte Geschichte erzählen, und das Gespräch zwischen Vasiṣṭha und Karālajanaka.

Wort für Wort
atra vo varṇayiṣyāmi
hierzu werde ich euch erzählen
itihāsaṃ purātanam
die uralte Geschichte
vasiṣṭhasya ca saṃvādaṃ
und das Gespräch des Vasiṣṭha
karālajanakasya ca
und des Karālajanaka

vasiṣṭhaṃ śreṣṭham āsīnam ṛṣīṇāṃ bhāskaradyutim / papraccha janako rājā jñānaṃ naiḥśreyasaṃ param //

Den Vasiṣṭha, den besten der Weisen, der dort saß, strahlend wie die Sonne, befragte König Janaka nach dem höchsten, zum Heil führenden Wissen,

Wort für Wort
vasiṣṭhaṃ śreṣṭham āsīnam
den Vasiṣṭha, den besten [der Weisen], der dort saß
ṛṣīṇāṃ bhāskaradyutim
unter den Weisen, strahlend wie die Sonne
papraccha janako rājā
befragte König Janaka
jñānaṃ naiḥśreyasaṃ param
nach dem höchsten, zum Heil führenden Wissen

paramātmani kuśalam adhyātmagatiniścayam / maitrāvaruṇim āsīnam abhivādya kṛtāñjaliḥ //

nach dem Heilvollen im höchsten Selbst, der Gewissheit über den Gang der Selbst-Erkenntnis - nachdem er den Sohn von Mitra und Varuṇa, der dort saß, verehrt hatte, mit gefalteten Händen,

Wort für Wort
paramātmani kuśalam
nach dem Heilvollen im höchsten Selbst
adhyātmagatiniścayam
der Gewissheit über den Gang der Selbst-Erkenntnis
maitrāvaruṇim āsīnam
den Sohn von Mitra und Varuṇa [Vasiṣṭha], der dort saß
abhivādya kṛtāñjaliḥ
verehrt habend, mit gefalteten Händen

svacchandaṃ sukṛtaṃ caiva madhuraṃ cāpy anulbaṇam / papraccharṣivaraṃ rājā karālajanakaḥ purā //

frei heraus, wohlgetan, und auch mild und nicht heftig, befragte einst König Karālajanaka den besten der Weisen,

Wort für Wort
svacchandaṃ sukṛtaṃ caiva
frei heraus und wohlgetan
madhuraṃ cāpy anulbaṇam
und auch mild und nicht heftig
papraccharṣivaraṃ rājā
befragte den besten der Weisen, [der] König
karālajanakaḥ purā
Karālajanaka, einst

{karālajanaka uvāca: } bhagavañ śrotum icchāmi paraṃ brahma sanātanam / yasmin na punarāvṛttiṃ prāpnuvanti manīṣiṇaḥ //

Karālajanaka sprach: O Erhabener, ich möchte das höchste, ewige Brahman hören, in welchem die Weisen keine Wiederkehr [in den Saṃsāra] mehr erlangen,

Wort für Wort
bhagavañ śrotum icchāmi
o Erhabener, ich möchte hören
paraṃ brahma sanātanam
das höchste, ewige Brahman
yasmin na punarāvṛttiṃ
in welchem keine Wiederkehr
prāpnuvanti manīṣiṇaḥ
die Weisen erlangen

yac ca tat kṣaram ity uktaṃ yatredaṃ kṣarate jagat / yac cākṣaram iti proktaṃ śivaṃ kṣemam anāmayam //

und was als Kṣara bezeichnet wird, worin diese Welt vergeht, und was als Akṣara genannt wird, das Heilvolle, Sichere, Leidlose.

Wort für Wort
yac ca tat kṣaram ity uktaṃ
und was als Kṣara bezeichnet wird
yatredaṃ kṣarate jagat
worin diese Welt vergeht
yac cākṣaram iti proktaṃ
und was als Akṣara genannt wird
śivaṃ kṣemam anāmayam
das Heilvolle, Sichere, Leidlose

{vasiṣṭha uvāca: } śrūyatāṃ pṛthivīpāla kṣaratīdaṃ yathā jagat / yatra kṣarati pūrveṇa yāvatkālena cāpy atha //

Vasiṣṭha sprach: Es höre, o Beschützer der Erde, wie diese Welt vergeht - worin sie zuvor vergeht, und in welcher Zeitdauer auch,

Wort für Wort
śrūyatāṃ pṛthivīpāla
es höre, o Beschützer der Erde
kṣaratīdaṃ yathā jagat
wie diese Welt vergeht
yatra kṣarati pūrveṇa
worin sie zuvor vergeht
yāvatkālena cāpy atha
und in welcher Zeitdauer auch

yugaṃ dvādaśasāhasryaṃ kalpaṃ viddhi caturyugam / daśakalpaśatāvartam ahas tad brāhmam ucyate //

ein Zeitalter von zwölftausend [Jahren], wisse, ein Kalpa ist [tausend solcher] vier Zeitalter; einen Umlauf von tausend Kalpas nennt man den Tag Brahmans,

Wort für Wort
yugaṃ dvādaśasāhasryaṃ
ein Zeitalter von zwölftausend [Jahren]
kalpaṃ viddhi caturyugam
ein Kalpa, wisse, [ist] vier Zeitalter
daśakalpaśatāvartam
ein Umlauf von tausend Kalpas
ahas tad brāhmam ucyate
das wird der Tag Brahmans genannt

rātriś caitāvatī rājan yasyānte pratibudhyate / sṛjaty anantakarmāṇi mahāntaṃ bhūtam agrajam //

und ebenso lang ist die Nacht, o König, an deren Ende er erwacht und die endlosen Tätigkeiten wieder erschafft - das große, erstgeborene Wesen,

Wort für Wort
rātriś caitāvatī rājan
und ebenso lang ist die Nacht, o König
yasyānte pratibudhyate
an deren Ende er erwacht
sṛjaty anantakarmāṇi
er erschafft die endlosen Tätigkeiten
mahāntaṃ bhūtam agrajam
das große, erstgeborene Wesen

mūrtimantam amūrtātmā viśvaṃ śaṃbhuḥ svayaṃbhuvaḥ / yatrotpattiṃ pravakṣyāmi mūlato nṛpasattama //

das Gestaltete, obwohl er selbst gestaltlosen Wesens ist, das All, der Wohltäter, der Selbstentstandene - dessen Entstehung ich von Grund auf darlegen werde, o bester der Könige.

Wort für Wort
mūrtimantam amūrtātmā
das Gestaltete, [obwohl er] gestaltlosen Wesens [ist]
viśvaṃ śaṃbhuḥ svayaṃbhuvaḥ
das All, der Wohltäter, der Selbstentstandene
yatrotpattiṃ pravakṣyāmi
dessen Entstehung ich darlegen werde
mūlato nṛpasattama
von Grund auf, o bester der Könige

aṇimā laghimā prāptir īśānaṃ jyotir avyayam / sarvataḥpāṇipādāntaṃ sarvatokṣiśiromukham //

[Er ist] Aṇimā, Laghimā, Prāpti [die Yoga-Kräfte], der Herrschende, das unvergängliche Licht, überall Hände und Füße als Enden habend, überall Augen, Häupter und Münder habend,

Wort für Wort
aṇimā laghimā prāptir
Aṇimā, Laghimā, Prāpti
īśānaṃ jyotir avyayam
der Herrschende, das unvergängliche Licht
sarvataḥpāṇipādāntaṃ
überall Hände und Füße als Enden habend
sarvatokṣiśiromukham
überall Augen, Häupter und Münder habend

[Anm.] Diese und die folgende Beschreibung (V.15-16) knüpft an die bekannte vedische Puruṣa-Schilderung an (vgl. Bhagavadgītā 13.13-14: 'sarvataḥ pāṇipādaṃ tat sarvato 'kṣiśiromukham...').

sarvataḥśrutimal loke sarvam āvṛtya tiṣṭhati / hiraṇyagarbho bhagavān eṣa buddhir iti smṛtiḥ //

überall mit Ohren [Wahrnehmung] versehen in der Welt, alles umhüllend steht er da; er, der erhabene Hiraṇyagarbha, wird [in der Überlieferung] als Buddhi bezeichnet,

Wort für Wort
sarvataḥśrutimal loke
überall mit Ohren versehen in der Welt
sarvam āvṛtya tiṣṭhati
alles umhüllend steht er da
hiraṇyagarbho bhagavān eṣa
er, der erhabene Hiraṇyagarbha
buddhir iti smṛtiḥ
wird als Buddhi überliefert

mahān iti ca yogeṣu viriñcir iti cāpy atha / sāṃkhye ca paṭhyate śāstre nāmabhir bahudhātmakaḥ //

und in den Yoga-Lehren wird er 'Mahān' genannt, und auch 'Viriñci' [Brahmā], und in der Sāṃkhya-Lehrschrift wird er mit vielen Namen gelesen, vielgestaltigen Wesens,

Wort für Wort
mahān iti ca yogeṣu
'Mahān' [genannt] in den Yoga-Lehren
viriñcir iti cāpy atha
und auch 'Viriñci'
sāṃkhye ca paṭhyate śāstre
und in der Sāṃkhya-Lehrschrift wird gelesen
nāmabhir bahudhātmakaḥ
mit vielen Namen, vielgestaltigen Wesens

vicitrarūpo viśvātmā ekākṣara iti smṛtaḥ / dhṛtam ekātmakaṃ yena kṛtsnaṃ trailokyam ātmanā //

von mannigfaltiger Gestalt, die Allseele, als 'das eine Unvergängliche' überliefert, durch den, als eins mit sich selbst, die gesamte Dreiwelt durch [sein eigenes] Selbst gehalten wird,

Wort für Wort
vicitrarūpo viśvātmā
von mannigfaltiger Gestalt, die Allseele
ekākṣara iti smṛtaḥ
als 'das eine Unvergängliche' überliefert
dhṛtam ekātmakaṃ yena
durch den, als eins mit sich selbst, gehalten
kṛtsnaṃ trailokyam ātmanā
die gesamte Dreiwelt durch [sein eigenes] Selbst

tathaiva bahurūpatvād viśvarūpa iti śrutaḥ / eṣa vai vikriyāpannaḥ sṛjaty ātmānam ātmanā //

und ebenso wird er wegen seiner Vielgestaltigkeit 'Viśvarūpa' genannt; er, in Wandlung übergegangen, erschafft sich selbst durch sich selbst,

Wort für Wort
tathaiva bahurūpatvād
und ebenso wegen seiner Vielgestaltigkeit
viśvarūpa iti śrutaḥ
wird er 'Viśvarūpa' genannt
eṣa vai vikriyāpannaḥ
er, in Wandlung übergegangen
sṛjaty ātmānam ātmanā
erschafft sich selbst durch sich selbst

pradhānaṃ tasya saṃyogād utpannaṃ sumahat puram / ahaṃkāraṃ mahātejāḥ prajāpatinamaskṛtam //

aus seiner Verbindung mit dem Pradhāna [Urstoff] entstand die überaus große Stadt [Residenz] - der Ahaṃkāra, von großem Glanz, von den Prajāpatis verehrt,

Wort für Wort
pradhānaṃ tasya saṃyogād
aus seiner Verbindung mit dem Pradhāna
utpannaṃ sumahat puram
entstand die überaus große Stadt
ahaṃkāraṃ mahātejāḥ
der Ahaṃkāra, von großem Glanz
prajāpatinamaskṛtam
von den Prajāpatis verehrt

avyaktād vyaktim āpannaṃ vidyāsargaṃ vadanti tam / mahāntaṃ cāpy ahaṃkāram avidyāsarga eva ca //

aus dem Unmanifesten ins Manifeste übergegangen - diesen [Mahat] nennen sie die 'Wissens-Schöpfung', und ebenso den großen Ahaṃkāra die 'Unwissens-Schöpfung',

Wort für Wort
avyaktād vyaktim āpannaṃ
aus dem Unmanifesten ins Manifeste übergegangen
vidyāsargaṃ vadanti tam
diesen nennen sie die Wissens-Schöpfung
mahāntaṃ cāpy ahaṃkāram
und ebenso den großen Ahaṃkāra
avidyāsarga eva ca
die Unwissens-Schöpfung

acaraś ca caraś caiva samutpannau tathaikataḥ / vidyāvidyeti vikhyāte śrutiśāstrānucintakaiḥ //

und das Unbewegliche und das Bewegliche, beide zugleich entstanden, werden von denen, die Śruti und Śāstra erwägen, als 'Vidyā' und 'Avidyā' bekannt gemacht,

Wort für Wort
acaraś ca caraś caiva
das Unbewegliche und das Bewegliche
samutpannau tathaikataḥ
beide zugleich entstanden
vidyāvidyeti vikhyāte
als 'Vidyā' und 'Avidyā' bekannt gemacht
śrutiśāstrānucintakaiḥ
von denen, die Śruti und Śāstra erwägen

bhūtasargam ahaṃkārāt tṛtīyaṃ viddhi pārthiva / ahaṃkāreṣu nṛpate caturthaṃ viddhi vaikṛtam //

die Elementen-Schöpfung aus dem Ahaṃkāra wisse als dritte, o Erdenherrscher; unter den Ahaṃkāras wisse die vierte als die 'gewandelte' [Vaikṛta-]Schöpfung, o König,

Wort für Wort
bhūtasargam ahaṃkārāt
die Elementen-Schöpfung aus dem Ahaṃkāra
tṛtīyaṃ viddhi pārthiva
wisse als dritte, o Erdenherrscher
ahaṃkāreṣu nṛpate
unter den Ahaṃkāras, o König
caturthaṃ viddhi vaikṛtam
wisse die vierte als die 'gewandelte'

vāyur jyotir athākāśam āpo 'tha pṛthivī tathā / śabdasparśau ca rūpaṃ ca raso gandhas tathaiva ca //

Wind, Feuer, dann Äther, Wasser, dann ebenso Erde; Ton und Berührung, und Form, und Geschmack, und ebenso Geruch -

Wort für Wort
vāyur jyotir athākāśam
Wind, Feuer, dann Äther
āpo 'tha pṛthivī tathā
Wasser, dann ebenso Erde
śabdasparśau ca rūpaṃ ca
Ton und Berührung, und Form
raso gandhas tathaiva ca
Geschmack, und ebenso Geruch

evaṃ yugapad utpannaṃ daśavargam asaṃśayam / pañcamaṃ viddhi rājendra bhautikaṃ sargam arthakṛt //

so entstand gleichzeitig, ohne Zweifel, die Zehnergruppe; die fünfte, wisse, o Fürst der Könige, ist die aus den Elementen [bestehende], sinnschaffende Schöpfung,

Wort für Wort
evaṃ yugapad utpannaṃ
so entstand gleichzeitig
daśavargam asaṃśayam
die Zehnergruppe, ohne Zweifel
pañcamaṃ viddhi rājendra
die fünfte wisse, o Fürst der Könige
bhautikaṃ sargam arthakṛt
die aus den Elementen bestehende, sinnschaffende Schöpfung

śrotraṃ tvak cakṣuṣī jihvā ghrāṇam eva ca pañcamam / vāg hastau caiva pādau ca pāyur meḍhraṃ tathaiva ca //

Gehör, Haut, die beiden Augen, Zunge, und als fünftes der Geruchssinn; Sprache, die beiden Hände, und die beiden Füße, After, und ebenso das Glied,

Wort für Wort
śrotraṃ tvak cakṣuṣī jihvā
Gehör, Haut, die beiden Augen, Zunge
ghrāṇam eva ca pañcamam
und als fünftes der Geruchssinn
vāg hastau caiva pādau ca
Sprache, die beiden Hände, und die beiden Füße
pāyur meḍhraṃ tathaiva ca
After, und ebenso das Glied

buddhīndriyāṇi caitāni tathā karmendriyāṇi ca / saṃbhūtānīha yugapan manasā saha pārthiva //

dies sind die Erkenntnis-Sinnesorgane, und ebenso die Handlungs-Sinnesorgane, die hier gleichzeitig zusammen mit dem Manas entstanden sind, o Erdenherrscher,

Wort für Wort
buddhīndriyāṇi caitāni
dies sind die Erkenntnis-Sinnesorgane
tathā karmendriyāṇi ca
und ebenso die Handlungs-Sinnesorgane
saṃbhūtānīha yugapan
die hier gleichzeitig entstanden sind
manasā saha pārthiva
zusammen mit dem Manas, o Erdenherrscher

eṣā tattvacaturviṃśā sarvākṛtiḥ pravartate / yāṃ jñātvā nābhiśocanti brāhmaṇās tattvadarśinaḥ //

diese vierundzwanzigfache Prinzipien-Gruppe bildet die gesamte Gestalt; nachdem sie diese erkannt haben, trauern die wahrheitsschauenden Brahmanen nicht mehr,

Wort für Wort
eṣā tattvacaturviṃśā
diese vierundzwanzigfache Prinzipien-Gruppe
sarvākṛtiḥ pravartate
bildet die gesamte Gestalt
yāṃ jñātvā nābhiśocanti
nachdem sie diese erkannt haben, trauern sie nicht mehr
brāhmaṇās tattvadarśinaḥ
die wahrheitsschauenden Brahmanen

evam etat samutpannaṃ trailokyam idam uttamam / veditavyaṃ naraśreṣṭha sadaiva narakārṇave //

so ist dies entstanden, diese höchste Dreiwelt; sie ist zu erkennen, o bester der Menschen, als stets [gegenwärtig] im Ozean der Hölle [des Saṃsāra],

Wort für Wort
evam etat samutpannaṃ
so ist dies entstanden
trailokyam idam uttamam
diese höchste Dreiwelt
veditavyaṃ naraśreṣṭha
sie ist zu erkennen, o bester der Menschen
sadaiva narakārṇave
als stets [gegenwärtig] im Ozean der Hölle

sayakṣabhūtagandharve sakiṃnaramahorage / sacāraṇapiśāce vai sadevarṣiniśācare //

[in der Welt] samt den Yakṣas, Bhūtas und Gandharvas, samt den Kiṃnaras und großen Schlangen, samt den Cāraṇas und Piśācas, samt den Götterweisen und Nachtwandlern,

Wort für Wort
sayakṣabhūtagandharve
samt den Yakṣas, Bhūtas und Gandharvas
sakiṃnaramahorage
samt den Kiṃnaras und großen Schlangen
sacāraṇapiśāce vai
samt den Cāraṇas und Piśācas
sadevarṣiniśācare
samt den Götterweisen und Nachtwandlern

sadaṃśakīṭamaśake sapūtikṛmimūṣake / śuni śvapāke caiṇeye sacāṇḍāle sapulkase //

samt Bremsen, Insekten und Mücken, samt fauligen Würmern und Mäusen, im Hund, beim Hundekocher [Śvapāka], beim Antilopenbock, samt dem Caṇḍāla, samt dem Pulkasa,

Wort für Wort
sadaṃśakīṭamaśake
samt Bremsen, Insekten und Mücken
sapūtikṛmimūṣake
samt fauligen Würmern und Mäusen
śuni śvapāke caiṇeye
im Hund, beim Hundekocher, beim Antilopenbock
sacāṇḍāle sapulkase
samt dem Caṇḍāla, samt dem Pulkasa

hastyaśvakharaśārdūle savṛke gavi caiva ha / yā ca mūrtiś ca yat kiṃcit sarvatraitan nidarśanam //

im Elefanten, Pferd, Esel, Tiger, samt dem Wolf, und in der Kuh - und welche Gestalt auch immer es sei, überall ist dies [Prinzip] aufweisbar,

Wort für Wort
hastyaśvakharaśārdūle
im Elefanten, Pferd, Esel, Tiger
savṛke gavi caiva ha
samt dem Wolf, und in der Kuh
yā ca mūrtiś ca yat kiṃcit
und welche Gestalt auch immer es sei
sarvatraitan nidarśanam
überall ist dies aufweisbar

jale bhuvi tathākāśe nānyatreti viniścayaḥ / sthānaṃ dehavatām āsīd ity evam anuśuśruma //

im Wasser, auf der Erde, ebenso im Äther, nirgends anderswo - so lautet die Gewissheit; das war die Wohnstätte der verkörperten Wesen - so haben wir es überliefert vernommen.

Wort für Wort
jale bhuvi tathākāśe
im Wasser, auf der Erde, ebenso im Äther
nānyatreti viniścayaḥ
nirgends anderswo - so die Gewissheit
sthānaṃ dehavatām āsīd
das war die Wohnstätte der verkörperten Wesen
ity evam anuśuśruma
so haben wir es überliefert vernommen

kṛtsnam etāvatas tāta kṣarate vyaktasaṃjñakaḥ / ahany ahani bhūtātmā yac cākṣara iti smṛtam //

Das ganze [Universum] von diesem Ausmaß, o Sohn, vergeht - das 'Manifest-Genannte'; Tag für Tag [vergeht] die Wesensseele, während das, was als Akṣara überliefert ist, [nicht vergeht],

Wort für Wort
kṛtsnam etāvatas tāta
das ganze [Universum] von diesem Ausmaß, o Sohn
kṣarate vyaktasaṃjñakaḥ
vergeht, das 'Manifest-Genannte'
ahany ahani bhūtātmā
Tag für Tag die Wesensseele
yac cākṣara iti smṛtam
während das, was als Akṣara überliefert ist

tatas tat kṣaram ity uktaṃ kṣaratīdaṃ yathā jagat / jagan mohātmakaṃ cāhur avyaktād vyaktasaṃjñakam //

deshalb wird jenes Kṣara genannt, [entsprechend] wie diese Welt vergeht; die Welt nennen sie von der Natur der Verblendung, aus dem Unmanifesten das 'Manifest-Genannte',

Wort für Wort
tatas tat kṣaram ity uktaṃ
deshalb wird jenes Kṣara genannt
kṣaratīdaṃ yathā jagat
wie diese Welt vergeht
jagan mohātmakaṃ cāhur
die Welt nennen sie von der Natur der Verblendung
avyaktād vyaktasaṃjñakam
aus dem Unmanifesten das 'Manifest-Genannte'

mahāṃś caivākṣaro nityam etat kṣaravivarjanam / kathitaṃ te mahārāja yasmān nāvartate punaḥ //

und das Große ist ewig unvergänglich, frei vom Vergänglichen - dies ist dir erklärt worden, o großer König, von wo aus man nicht wieder zurückkehrt.

Wort für Wort
mahāṃś caivākṣaro nityam
und das Große ist ewig unvergänglich
etat kṣaravivarjanam
dies, frei vom Vergänglichen
kathitaṃ te mahārāja
ist dir erklärt worden, o großer König
yasmān nāvartate punaḥ
von wo aus man nicht wieder zurückkehrt

pañcaviṃśatiko 'mūrtaḥ sa nityas tattvasaṃjñakaḥ / sattvasaṃśrayaṇāt tattvaṃ sattvam āhur manīṣiṇaḥ //

Der Fünfundzwanzigste, gestaltlos, er, der ewige, 'Wesenheit-Genannte' - wegen seines Ruhens im [reinen] Sein nennen ihn die Weisen 'Tattva' und 'Sattva',

Wort für Wort
pañcaviṃśatiko 'mūrtaḥ
der Fünfundzwanzigste, gestaltlos
sa nityas tattvasaṃjñakaḥ
er, der ewige, 'Wesenheit-Genannte'
sattvasaṃśrayaṇāt tattvaṃ
wegen seines Ruhens im [reinen] Sein, 'Tattva'
sattvam āhur manīṣiṇaḥ
und 'Sattva' nennen ihn die Weisen

[Anm.] Hier erscheint die klassische Sāṃkhya-Lehre vom Puruṣa als dem 'Fünfundzwanzigsten Prinzip' (pañcaviṃśaka), das jenseits der 24 Prinzipien der Prakṛti (vgl. V.28, 'tattvacaturviṃśā') steht.

yad amūrtiḥ sṛjad vyaktaṃ tan mūrtim adhitiṣṭhati / caturviṃśatimo vyakto hy amūrtiḥ pañcaviṃśakaḥ //

was gestaltlos ist und dennoch das Manifeste erschafft, das steht über der Gestalt; das Manifeste ist das Vierundzwanzigste, das Gestaltlose ist das Fünfundzwanzigste,

Wort für Wort
yad amūrtiḥ sṛjad vyaktaṃ
was gestaltlos ist und das Manifeste erschafft
tan mūrtim adhitiṣṭhati
das steht über der Gestalt
caturviṃśatimo vyakto
das Manifeste ist das Vierundzwanzigste
hy amūrtiḥ pañcaviṃśakaḥ
das Gestaltlose ist das Fünfundzwanzigste

sa eva hṛdi sarvāsu mūrtiṣv ātiṣṭhatātmavān / cetayaṃś cetano nityaṃ sarvamūrtir amūrtimān //

er selbst, der Selbstbesitzende, weilt im Herzen in allen Gestalten, ewig bewusst-machend und bewusst, in allen Gestalten gegenwärtig und doch gestaltlos,

Wort für Wort
sa eva hṛdi sarvāsu
er selbst im Herzen, in allen
mūrtiṣv ātiṣṭhatātmavān
Gestalten weilt der Selbstbesitzende
cetayaṃś cetano nityaṃ
ewig bewusst-machend und bewusst
sarvamūrtir amūrtimān
in allen Gestalten gegenwärtig und doch gestaltlos

sargapralayadharmeṇa sa sargapralayātmakaḥ / gocare vartate nityaṃ nirguṇo guṇasaṃjñitaḥ //

durch das Gesetz von Schöpfung und Auflösung ist er selbst von der Natur der Schöpfung und Auflösung; im sinnlich Wahrnehmbaren weilt er ewig, eigenschaftslos, doch als 'mit Eigenschaften versehen' bezeichnet,

Wort für Wort
sargapralayadharmeṇa
durch das Gesetz von Schöpfung und Auflösung
sa sargapralayātmakaḥ
ist er von der Natur der Schöpfung und Auflösung
gocare vartate nityaṃ
im Wahrnehmbaren weilt er ewig
nirguṇo guṇasaṃjñitaḥ
eigenschaftslos, doch als 'mit Eigenschaften versehen' bezeichnet

evam eṣa mahātmā ca sargapralayakoṭiśaḥ / vikurvāṇaḥ prakṛtimān nābhimanyeta buddhimān //

so wandelt sich diese große Seele durch Millionen von Schöpfungen und Auflösungen, mit Prakṛti [verbunden] - doch der Weise sollte sich damit nicht identifizieren,

Wort für Wort
evam eṣa mahātmā ca
so [wandelt sich] diese große Seele
sargapralayakoṭiśaḥ
durch Millionen von Schöpfungen und Auflösungen
vikurvāṇaḥ prakṛtimān
sich wandelnd, mit Prakṛti [verbunden]
nābhimanyeta buddhimān
doch der Weise sollte sich damit nicht identifizieren

tamaḥsattvarajoyuktas tāsu tāsv iha yoniṣu / līyate pratibuddhatvād abuddhajanasevanāt //

verbunden mit Tamas, Sattva und Rajas, löst er sich in diesen und jenen Mutterschößen hier auf - aus mangelndem Erwachen [?], aus dem Umgang mit unerwachten Menschen,

Wort für Wort
tamaḥsattvarajoyuktas
verbunden mit Tamas, Sattva und Rajas
tāsu tāsv iha yoniṣu
in diesen und jenen Mutterschößen hier
līyate pratibuddhatvād
löst er sich auf aus mangelndem Erwachen
abuddhajanasevanāt
aus dem Umgang mit unerwachten Menschen

[?] Die Lesung 'pratibuddhatvāt' ('aus dem Zustand des Erwachtseins') widerspricht dem Sinn des Verses; da Kap.242, V.1 wörtlich 'apratibuddhatvād abuddham anuvartate' liest, dürfte hier ebenso 'apratibuddhatvāt' ('aus dem Zustand des Nicht-Erwachtseins') gemeint sein, was der Übersetzung zugrunde gelegt wurde.

sahavāsanivāsatvād bālo 'ham iti manyate / yo 'haṃ na so 'ham ity ukto guṇān evānuvartate //

aus dem Zusammenleben und Wohnen [mit Unwissenden] denkt er 'ich bin unwissend'; obwohl gesagt wird 'der ich [wirklich] bin, der bin ich nicht [derjenige, für den ich mich halte]', folgt er doch nur den Guṇas,

Wort für Wort
sahavāsanivāsatvād
aus dem Zusammenleben und Wohnen [mit Unwissenden]
bālo 'ham iti manyate
denkt er 'ich bin unwissend'
yo 'haṃ na so 'ham ity ukto
obwohl gesagt wird 'der ich bin, der bin ich nicht'
guṇān evānuvartate
folgt er doch nur den Guṇas

tamasā tāmasān bhāvān vividhān pratipadyate / rajasā rājasāṃś caiva sāttvikān sattvasaṃśrayāt //

durch Tamas erlangt er die mannigfachen tamasischen Zustände, durch Rajas die rajasischen, und durch die Zuflucht zum Sattva die sattvischen,

Wort für Wort
tamasā tāmasān bhāvān
durch Tamas die tamasischen Zustände
vividhān pratipadyate
die mannigfachen erlangt er
rajasā rājasāṃś caiva
durch Rajas die rajasischen
sāttvikān sattvasaṃśrayāt
und durch die Zuflucht zum Sattva die sattvischen

śuklalohitakṛṣṇāni rūpāṇy etāni trīṇi tu / sarvāṇy etāni rūpāṇi jānīhi prākṛtāni tu //

weiß, rot und schwarz - diese drei Farben; wisse, dass alle diese Farben aus der Prakṛti [stammen],

Wort für Wort
śuklalohitakṛṣṇāni
weiß, rot und schwarz
rūpāṇy etāni trīṇi tu
diese drei Farben
sarvāṇy etāni rūpāṇi
alle diese Farben
jānīhi prākṛtāni tu
wisse, [stammen] aus der Prakṛti

[Anm.] Die drei Farben Weiß, Rot und Schwarz als Erscheinungsformen der Prakṛti/Guṇas erinnern an das berühmte Bild der 'einen ungeborenen Ziege, weiß-rot-schwarz' in der Śvetāśvatara-Upaniṣad 4.5.

tāmasā nirayaṃ yānti rājasā mānuṣān atha / sāttvikā devalokāya gacchanti sukhabhāginaḥ //

die tamasischen gehen zur Hölle, die rajasischen dann zu den Menschen, die sattvischen gehen zur Götterwelt, als Teilhaber des Glücks,

Wort für Wort
tāmasā nirayaṃ yānti
die tamasischen gehen zur Hölle
rājasā mānuṣān atha
die rajasischen dann zu den Menschen
sāttvikā devalokāya gacchanti
die sattvischen gehen zur Götterwelt
sukhabhāginaḥ
als Teilhaber des Glücks

niṣkevalena pāpena tiryagyonim avāpnuyāt / puṇyapāpeṣu mānuṣyaṃ puṇyamātreṇa devatāḥ //

durch ausschließlich [begangene] Sünde erlangt man das Tierdasein, bei [gemischtem] Verdienst und Sünde das Menschsein, durch bloßes Verdienst die Gottheit,

Wort für Wort
niṣkevalena pāpena
durch ausschließlich [begangene] Sünde
tiryagyonim avāpnuyāt
erlangt man das Tierdasein
puṇyapāpeṣu mānuṣyaṃ
bei Verdienst und Sünde das Menschsein
puṇyamātreṇa devatāḥ
durch bloßes Verdienst die Gottheit

evam avyaktaviṣayaṃ mokṣam āhur manīṣiṇaḥ / pañcaviṃśatimo yo 'yaṃ jñānād eva pravartate //

so nennen die Weisen die Erlösung, deren Bereich das Unmanifeste ist; dieser Fünfundzwanzigste [Puruṣa] tritt allein durch Erkenntnis hervor.

Wort für Wort
evam avyaktaviṣayaṃ
so, deren Bereich das Unmanifeste ist
mokṣam āhur manīṣiṇaḥ
nennen die Weisen die Erlösung
pañcaviṃśatimo yo 'yaṃ
dieser Fünfundzwanzigste
jñānād eva pravartate
tritt allein durch Erkenntnis hervor

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