'In diesem sehr schrecklichen Saṃsāra, der allen Wesen Furcht bringt, der für die Menschen große Verblendung erzeugt, der von hunderten mancherlei Leiden erfüllt ist,'
Wort für Wort
saṃsāre 'smin mahāghore sarvabhūtabhayāvahe /
'In diesem sehr schrecklichen Saṃsāra, der allen Wesen Furcht bringt,'
mahāmohakare nṝṇāṃ nānāduḥkhaśatākule //
'der für die Menschen große Verblendung erzeugt, der von hunderten mancherlei Leiden erfüllt ist,'
mānuṣatve 'pi vipratvaṃ vipratve 'pi vivekitā /
vivekād dharmabuddhis tu buddhyā tu śreyasāṃ grahaḥ //
'Auch im Menschsein ist Brahmanentum (selten), auch im Brahmanentum ist Urteilskraft (selten); aus Urteilskraft (entsteht) Dharma-Sinn, durch (diesen) Verstand aber das Erfassen dessen, was heilsam ist.'
Wort für Wort
mānuṣatve 'pi vipratvaṃ vipratve 'pi vivekitā /
'Auch im Menschsein ist Brahmanentum selten, auch im Brahmanentum ist Urteilskraft selten;'
vivekād dharmabuddhis tu buddhyā tu śreyasāṃ grahaḥ //
'aus Urteilskraft entsteht Dharma-Sinn, durch diesen Verstand aber das Erfassen dessen, was heilsam ist.'
yāvat pāpakṣayaṃ puṃsāṃ na bhavej janma saṃcitam /
tāvan na jāyate bhaktir vāsudeve jaganmaye //
'Solange für die Menschen nicht die Vernichtung der durch (viele) Geburten angehäuften Sünde eintritt, so lange entsteht keine Hingabe zu Vāsudeva, der die Welt durchdringt.'
Wort für Wort
yāvat pāpakṣayaṃ puṃsāṃ na bhavej janma saṃcitam /
'Solange für die Menschen nicht die Vernichtung der durch Geburt(en) angehäuften Sünde eintritt,'
tāvan na jāyate bhaktir vāsudeve jaganmaye //
'so lange entsteht keine Hingabe zu Vāsudeva, der die Welt durchdringt.'
[Anm.] 'janma saṃcitam' (die durch Geburt(en) angehäufte Sünde) ist textlich knapp; sinngemäß übersetzt.
'durch Handeln, durch Denken, durch Sprechen, mit einem darauf gerichteten inneren Selbst — dadurch entsteht seine Hingabe im Opferdienst, o Beste der Munis.'
Wort für Wort
karmaṇā manasā vācā tadgatenāntarātmanā /
'durch Handeln, durch Denken, durch Sprechen, mit einem darauf gerichteten inneren Selbst —'
tena tasya bhaved bhaktir yajane munisattamāḥ //
'dadurch entsteht seine Hingabe im Opferdienst, o Beste der Munis.'
saṃpūjya taṃ jagannāthaṃ vāsudevākhyam avyayam /
tato bhuktiṃ ca muktiṃ ca sa prāpnoti dvijottamāḥ //
'Nachdem er jenen Herrn der Welt, den unvergänglichen, Vāsudeva genannten, verehrt hat, erlangt er darauf sowohl Genuss als auch Erlösung, o Beste der Zweifachgeborenen.'
Wort für Wort
saṃpūjya taṃ jagannāthaṃ vāsudevākhyam avyayam /
'Nachdem er jenen Herrn der Welt, den unvergänglichen, Vāsudeva genannten, verehrt hat,'
tato bhuktiṃ ca muktiṃ ca sa prāpnoti dvijottamāḥ //
'erlangt er darauf sowohl Genuss als auch Erlösung, o Beste der Zweifachgeborenen.'
[Anm.] V.10-13 legen eine Stufenleiter der Hingabe dar: von Agni über Sūrya und Śiva führt sie schließlich zu Viṣṇu/Keśava/Vāsudeva.
{munaya ūcuḥ:} avaiṣṇavā narā ye tu dṛśyante ca mahāmune /
kiṃ te viṣṇuṃ nārcayanti brūhi tatkāraṇaṃ dvija //
Die Munis sprachen: 'Die Menschen aber, die als Nicht-Vaiṣṇavas erscheinen, o großer Muni — warum verehren sie Viṣṇu nicht? Sage den Grund dafür, o Zweifachgeborener.'
Wort für Wort
{munaya ūcuḥ:} avaiṣṇavā narā ye tu dṛśyante ca mahāmune /
Die Munis sprachen: 'Die Menschen aber, die als Nicht-Vaiṣṇavas erscheinen, o großer Muni —'
kiṃ te viṣṇuṃ nārcayanti brūhi tatkāraṇaṃ dvija //
'warum verehren sie Viṣṇu nicht? Sage den Grund dafür, o Zweifachgeborener.'
Vyāsa sprach: 'Zwei Schöpfungen von Wesen sind in dieser Welt bekannt, o Beste der Munis: die dämonische und ebenso die göttliche, vormals vom Selbstentstandenen geschaffen.'
māyayā hatavijñānā viṣṇos te tu narādhamāḥ /
aprāpya taṃ hariṃ viprās tato yānty adhamāṃ gatim //
'Diese niedrigsten Menschen, durch Viṣṇus Māyā ihres Erkennens beraubt, gelangen, ohne jenen Hari zu erreichen, o Brahmanen, darauf auf einen niederen Weg.'
Wort für Wort
māyayā hatavijñānā viṣṇos te tu narādhamāḥ /
'Diese niedrigsten Menschen, durch Viṣṇus Māyā ihres Erkennens beraubt,'
aprāpya taṃ hariṃ viprās tato yānty adhamāṃ gatim //
'gelangen, ohne jenen Hari zu erreichen, o Brahmanen, darauf auf einen niederen Weg.'
'Seine abgründige Māyā, schwer erkennbar für Götter und Dämonen, große Verblendung erzeugend für die Menschen, schwer überwindbar für die, deren Selbst nicht geläutert ist,'
Wort für Wort
tasya yā gahvarī māyā durvijñeyā surāsuraiḥ /
'Seine abgründige Māyā, schwer erkennbar für Götter und Dämonen,'
mahāmohakarī nṝṇāṃ dustarā cākṛtātmabhiḥ //
'große Verblendung erzeugend für die Menschen, schwer überwindbar für die, deren Selbst nicht geläutert ist,'
Die Munis sprachen: 'Wir wünschen jene große, sehr schwer überwindbare Māyā Viṣṇus zu erkennen; du sollst (sie) darlegen, o Kenner des Dharma, denn wir haben großes Verlangen (danach).'
'am Dharma erfreut, geduldigen Wesens, dem Dienst am Vater ergeben, die Untertanen erfreuend, tüchtig, sich um das Studium der heiligen Schriften bemühend.'
Wort für Wort
dharmārāmaḥ kṣamāśīlaḥ pitṛśuśrūṣaṇe rataḥ /
'am Dharma erfreut, geduldigen Wesens, dem Dienst am Vater ergeben,'
prajānurañjako dakṣaḥ śrutiśāstrakṛtaśramaḥ //
'die Untertanen erfreuend, tüchtig, sich um das Studium der heiligen Schriften bemühend.'
pitāsya tv akarod yatnaṃ vivāhāya na caicchata /
taṃ pitā prāha kim iti necchase dārasaṃgraham //
'Sein Vater aber bemühte sich um (seine) Verheiratung, doch er wollte nicht. Der Vater sprach zu ihm: 'Warum willst du nicht die Aufnahme einer Ehefrau?''
Wort für Wort
pitāsya tv akarod yatnaṃ vivāhāya na caicchata /
'Sein Vater aber bemühte sich um seine Verheiratung, doch er wollte nicht.'
taṃ pitā prāha kim iti necchase dārasaṃgraham //
'Der Vater sprach zu ihm: Warum willst du nicht die Aufnahme einer Ehefrau?'
sarvam etat sukhārthaṃ hi vāñchanti manujāḥ kila /
sukhamūlā hi dārāś ca tasmāt taṃ tvaṃ samācara //
''All dies wünschen sich ja die Menschen um des Glückes willen; die Ehefrau ist ja die Wurzel des Glückes, deshalb übe du dieses (Wesen der Ehe) aus.''
Wort für Wort
sarvam etat sukhārthaṃ hi vāñchanti manujāḥ kila /
''All dies wünschen sich ja die Menschen um des Glückes willen;'
sukhamūlā hi dārāś ca tasmāt taṃ tvaṃ samācara //
'die Ehefrau ist ja die Wurzel des Glückes, deshalb übe du dieses aus.''
'Da sprach er zum Vater: 'Vater, die Entsprechung zum Namen ist von mir offenkundig als schützende, dem Viṣṇu-Weg gemäße (Verpflichtung) angenommen worden.''
Wort für Wort
athāsau pitaraṃ prāha tāta nāmānurūpatā /
'Da sprach er zum Vater: 'Vater, die Entsprechung zum Namen'
mayā samāśritā vyaktā vaiṣṇavī paripālinī //
'ist von mir offenkundig als schützende, dem Viṣṇu-Weg gemäße Verpflichtung angenommen worden.''
[Anm.] 'Kāmadamana' bedeutet 'Bezwinger des Begehrens'; sein Name selbst verpflichtet ihn zur Enthaltsamkeit — daher lehnt er die Heirat ab.
sa hi taṃ pitur ādeśaṃ śrutvā prāha suto vaśī /
prītaḥ saṃsmṛtya paurāṇīṃ saṃsārasya vicitratām //
'Er, der selbstbeherrschte Sohn, sprach, nachdem er jenen Befehl des Vaters gehört hatte, erfreut, indem er sich der uralten Mannigfaltigkeit des Saṃsāra erinnerte:'
Wort für Wort
sa hi taṃ pitur ādeśaṃ śrutvā prāha suto vaśī /
'Er, der selbstbeherrschte Sohn, sprach, nachdem er jenen Befehl des Vaters gehört hatte,'
'Gräser, Sträucher, Schlingpflanzen, Ranken, Kriechtiere, Wildtiere, Vögel, Vieh, Frauen, Männer und dergleichen sind von mir hundertfach erlangt worden.'
nadīśvarasahasraṃ ca prāptaṃ tāta punaḥ punaḥ /
sṛṣṭas tu bahuśaḥ sṛṣṭau saṃhāre cāpi saṃhṛtaḥ //
'auch tausendfach Flussherrschaft ist, Vater, immer wieder erlangt worden; vielfach wurde ich bei der Schöpfung erschaffen und ebenso bei der Auflösung aufgelöst.'
Wort für Wort
nadīśvarasahasraṃ ca prāptaṃ tāta punaḥ punaḥ /
'auch tausendfach Flussherrschaft ist, Vater, immer wieder erlangt worden;'
sṛṣṭas tu bahuśaḥ sṛṣṭau saṃhāre cāpi saṃhṛtaḥ //
'vielfach wurde ich bei der Schöpfung erschaffen und ebenso bei der Auflösung aufgelöst.'
dārasaṃyogayuktasya tātedṛṅ me viḍambanā /
itas tṛtīye yad vṛttaṃ mama janmani tac chṛṇu /
kathayāmi samāsena tīrthamāhātmyasaṃbhavam //
'So ist, Vater, meine Verwirrung, die mit der Vereinigung mit Ehefrauen verknüpft ist. Was sich in meiner Geburt vor zwei (Leben) ereignete, das höre; ich erzähle in Kürze die Entstehung der Größe eines Tīrtha.'
Wort für Wort
dārasaṃyogayuktasya tātedṛṅ me viḍambanā /
'So ist, Vater, meine Verwirrung, die mit der Vereinigung mit Ehefrauen verknüpft ist.'
itas tṛtīye yad vṛttaṃ mama janmani tac chṛṇu /
'Was sich in meiner Geburt vor zwei Leben ereignete, das höre;'
kathayāmi samāsena tīrthamāhātmyasaṃbhavam //
'ich erzähle in Kürze die Entstehung der Größe eines Tīrtha.'
[Anm.] Dreizeiliger Vers im Original. 'itas tṛtīye' ('von hier aus als drittes'), d.h. zwei Geburten zurück.
'Nachdem ich, Vater, viele Geburten als Menschen, Götter, Gandharvas, große Schlangenwesen, Vidyādharas, Vögel und Kiṃnaras durchlaufen hatte, wurde ich als großer Weiser von großer Askese in einer (Brahmanen-)Sippe geboren.'
'Nachdem ich, Vater, viele Geburten als Menschen, Götter, Gandharvas, große Schlangenwesen durchlaufen hatte,'
vidyādharāṇāṃ khagakiṃnarāṇāṃ jāto hi vaṃśe sutapā maharṣiḥ //
'als Vidyādharas, Vögel und Kiṃnaras, wurde ich als großer Weiser von großer Askese in einer Sippe geboren.'
[Anm.] Vierzeiliger Hymnenvers (ab hier bis V.88 durchgehend in einem anderen Versmaß, im Original ohne '/' bzw. '//'-Satzzeichen, hier zur Einheitlichkeit ergänzt).
tato mahābhūd acalā hi bhaktir
janārdane lokapatau madhughne /
vratopavāsair vividhaiś ca bhaktyā
saṃtoṣitaś cakragadāstradhārī //
'Da entstand große, unerschütterliche Hingabe zu Janārdana, dem Weltenherrn, dem Töter des (Dämons) Madhu; durch mancherlei Gelübde und Fasten und durch Hingabe wurde der Träger von Diskus, Keule und Waffe erfreut.'
Wort für Wort
tato mahābhūd acalā hi bhaktir janārdane lokapatau madhughne /
'Da entstand große, unerschütterliche Hingabe zu Janārdana, dem Weltenherrn, dem Töter des Madhu;'
vratopavāsair vividhaiś ca bhaktyā saṃtoṣitaś cakragadāstradhārī //
'durch mancherlei Gelübde und Fasten und durch Hingabe wurde der Träger von Diskus, Keule und Waffe erfreut.'
tuṣṭo 'bhyagāt pakṣipatiṃ mahātmā
viṣṇuḥ samāruhya varaprado me /
prāhoccaśabdaṃ vriyatāṃ dvijāte
varo hi yaṃ vāñchasi taṃ pradāsye //
'Zufrieden kam der großmütige Viṣṇu, den Herrn der Vögel (Garuḍa) besteigend, zu mir als Gewährer eines Wunsches; mit lauter Stimme sprach er: 'Wähle, o Zweifachgeborener; welchen Wunsch du auch begehrst, den werde ich gewähren.''
Wort für Wort
tuṣṭo 'bhyagāt pakṣipatiṃ mahātmā viṣṇuḥ samāruhya varaprado me /
'Zufrieden kam der großmütige Viṣṇu, den Herrn der Vögel besteigend, zu mir als Gewährer eines Wunsches;'
prāhoccaśabdaṃ vriyatāṃ dvijāte varo hi yaṃ vāñchasi taṃ pradāsye //
'mit lauter Stimme sprach er: Wähle, o Zweifachgeborener; welchen Wunsch du auch begehrst, den werde ich gewähren.'
tato 'ham ūce harim īśitāraṃ
tuṣṭo 'si cet keśava tad vṛṇomi /
yā sā tvadīyā paramā hi māyā
tāṃ vettum icchāmi janārdano 'ham //
'Da sprach ich zu Hari, dem Gebieter: 'Wenn du zufrieden bist, Keśava, so wähle ich dies: jene deine höchste Māyā — sie zu erkennen wünsche ich, o Janārdana.''
Wort für Wort
tato 'ham ūce harim īśitāraṃ tuṣṭo 'si cet keśava tad vṛṇomi /
'Da sprach ich zu Hari, dem Gebieter: Wenn du zufrieden bist, Keśava, so wähle ich dies:'
athābravīn me madhukaiṭabhāriḥ
kiṃ te tayā brahman māyayā vai /
dharmārthakāmāni dadāni tubhyaṃ
putrāṇi mukhyāni nirāmayatvam //
'Da sprach der Feind von Madhu und Kaiṭabha zu mir: 'Was nützt dir jene Māyā, o Brahmane? Ich gebe dir Dharma, Artha und Kāma, ausgezeichnete Söhne, Gesundheit.''
Wort für Wort
athābravīn me madhukaiṭabhāriḥ kiṃ te tayā brahman māyayā vai /
'Da sprach der Feind von Madhu und Kaiṭabha zu mir: Was nützt dir jene Māyā, o Brahmane?'
'Da sprach ich abermals zum Feind Muras: 'Was auch immer durch das Streben nach Artha und Dharma (zu gewinnen wäre) — diese deine Māyā hier wünsche ich zu erkennen; zeige sie mir heute, o Lotusäugiger.''
Wort für Wort
tato murāriṃ punar uktavān ahaṃ bhūyo 'rthadharmārthajigīṣitaiva yat /
'Da sprach ich abermals zum Feind Muras: Was auch immer durch das Streben nach Artha und Dharma zu gewinnen wäre —'
tato 'bhyuvācātha nṛsiṃhamukhyaḥ
śrīśaḥ prabhur viṣṇur idaṃ vaco me /
{viṣṇur uvāca:} māyāṃ madīyāṃ nahi vetti kaścin
na cāpi vā vetsyati kaścid eva //
'Da sprach darauf der Erste unter den Nṛsiṃhas, der Gemahl der Śrī, Herr Viṣṇu, dieses Wort zu mir. Viṣṇu sprach: 'Meine Māyā kennt niemand, und auch niemand wird sie je erkennen.''
Wort für Wort
tato 'bhyuvācātha nṛsiṃhamukhyaḥ śrīśaḥ prabhur viṣṇur idaṃ vaco me /
'Da sprach darauf der Erste unter den Nṛsiṃhas, der Gemahl der Śrī, Herr Viṣṇu, dieses Wort zu mir.'
{viṣṇur uvāca:} māyāṃ madīyāṃ nahi vetti kaścin na cāpi vā vetsyati kaścid eva //
Viṣṇu sprach: 'Meine Māyā kennt niemand, und auch niemand wird sie je erkennen.'
pūrvaṃ surarṣir dvija nāradākhyo
brahmātmajo 'bhūn mama bhaktiyuktaḥ /
tenāpi pūrvaṃ bhavatā yathaiva
saṃtoṣito bhaktimatā hi tadvat //
''Vormals, o Zweifachgeborener, war der Götterweise namens Nārada, der Sohn Brahmās, mir hingabevoll ergeben; von ihm auch wurde ich vormals, ebenso wie von dir, dem Hingabevollen, in gleicher Weise erfreut.''
Wort für Wort
pūrvaṃ surarṣir dvija nāradākhyo brahmātmajo 'bhūn mama bhaktiyuktaḥ /
''Vormals, o Zweifachgeborener, war der Götterweise namens Nārada, der Sohn Brahmās, mir hingabevoll ergeben;'
tenāpi pūrvaṃ bhavatā yathaiva saṃtoṣito bhaktimatā hi tadvat //
'von ihm auch wurde ich vormals, ebenso wie von dir, dem Hingabevollen, in gleicher Weise erfreut.'
varaṃ ca dattaṃ gatavān ahaṃ ca
sa cāpi vavre varam etad eva /
nivārito mām atimūḍhabhāvād
bhavān yathaivaṃ vṛtavān varaṃ ca //
''Und ich hatte ihm einen Wunsch gewährt, und auch er wählte eben diesen selben Wunsch; von mir abgewiesen, aus großer Torheit — ebenso wie du diesen Wunsch gewählt hast.''
Wort für Wort
varaṃ ca dattaṃ gatavān ahaṃ ca sa cāpi vavre varam etad eva /
''Und ich hatte ihm einen Wunsch gewährt, und auch er wählte eben diesen selben Wunsch;'
nivārito mām atimūḍhabhāvād bhavān yathaivaṃ vṛtavān varaṃ ca //
'von mir abgewiesen, aus großer Torheit — ebenso wie du diesen Wunsch gewählt hast.'
[Anm.] 'nivārito mām' textlich uneben; sinngemäß als 'von mir abgewiesen' übersetzt.
tato mayokto 'mbhasi nārada tvaṃ
māyāṃ hi me vetsyasi saṃnimagnaḥ /
tato nimagno 'mbhasi nārado 'sau
kanyā babhau kāśipateḥ suśīlā //
''Da sprach ich zu ihm: 'Nārada, tauche du in das Wasser; meine Māyā wirst du (dann), untergetaucht, erkennen.' Da, in das Wasser untergetaucht, erschien jener Nārada als Mädchen, Suśīlā, die Tochter des Herrn von Kāśī.''
Wort für Wort
tato mayokto 'mbhasi nārada tvaṃ māyāṃ hi me vetsyasi saṃnimagnaḥ /
''Da sprach ich zu ihm: Nārada, tauche du in das Wasser; meine Māyā wirst du dann, untergetaucht, erkennen.'
tato nimagno 'mbhasi nārado 'sau kanyā babhau kāśipateḥ suśīlā //
'Da, in das Wasser untergetaucht, erschien jener Nārada als Mädchen, Suśīlā, die Tochter des Herrn von Kāśī.'
tāṃ yauvanāḍhyām atha cārudharmiṇe
vidarbharājñas tanayāya vai dadau /
svadharmaṇe so 'pi tayā sametaḥ
siṣeva kāmān atulān maharṣiḥ //
''Sie, reich an Jugend, gab er darauf dem Sohn des Königs von Vidarbha, dem von schönem Dharma; auch er, mit dem eigenen Dharma verbunden, mit ihr vereint, genoss unvergleichliche Freuden, der große Weise.''
Wort für Wort
tāṃ yauvanāḍhyām atha cārudharmiṇe vidarbharājñas tanayāya vai dadau /
''Sie, reich an Jugend, gab er darauf dem Sohn des Königs von Vidarbha, dem von schönem Dharma;'
svadharmaṇe so 'pi tayā sametaḥ siṣeva kāmān atulān maharṣiḥ //
'auch er, mit dem eigenen Dharma verbunden, mit ihr vereint, genoss unvergleichliche Freuden, der große Weise.'
[Anm.] Ab hier wird die vollständige Lebensgeschichte der 'Suśīlā' (des verwandelten Nārada) als Frau erzählt.
''Als der Vater in den Himmel gegangen war, erhielt er, der Mächtige, erfreut das der Reihe nach zugefallene Königreich, und schützte, umgeben von vielen Söhnen und Enkeln, das Reich von Vidarbha.''
athābhavad bhūmipateḥ sudharmaṇaḥ
kāśīśvareṇātha samaṃ suyuddham /
tatra kṣayaṃ prāpya saputrapautraṃ
vidarbharāṭ kāśipatiś ca yuddhe //
''Da entstand für den Herrscher Sudharman ein heftiger Kampf mit dem Herrn von Kāśī; darin fanden, mitsamt Söhnen und Enkeln, der König von Vidarbha und der Herr von Kāśī im Kampf ihren Untergang.''
''Da erfuhr Suśīlā vom Vater samt Söhnen und ebenso vom Gatten samt Söhnen und Enkeln; aus der Stadt hervortretend, ging sie zum Schlachtfeld, und Suśīlā erblickte das große Gemetzel.''
bhartur bale tatra pitur bale ca
duḥkhānvitā sā suciraṃ vilapya /
jagāma sā mātaram ārtarūpā
bhrātṝn sutān bhrātṛsutān sapautrān //
''Beim Heer des Gatten und beim Heer des Vaters klagte sie, von Leid erfüllt, dort sehr lange; dann ging sie, von Schmerz gequält, zur Mutter, zu den Brüdern, den Söhnen, den Neffen und Enkeln.''
Wort für Wort
bhartur bale tatra pitur bale ca duḥkhānvitā sā suciraṃ vilapya /
''Beim Heer des Gatten und beim Heer des Vaters klagte sie, von Leid erfüllt, dort sehr lange;'
bhartāram eṣā pitaraṃ ca gṛhya
mahāśmaśāne ca mahācitiṃ sā /
kṛtvā hutāśaṃ pradadau svayaṃ ca
yadā samiddho hutabhug babhūva //
''Sie nahm den Gatten und den Vater, errichtete auf dem großen Leichenfeld einen großen Scheiterhaufen und entzündete selbst das Feuer; als das Opferfeuer entfacht war,'
Wort für Wort
bhartāram eṣā pitaraṃ ca gṛhya mahāśmaśāne ca mahācitiṃ sā /
''Sie nahm den Gatten und den Vater, errichtete auf dem großen Leichenfeld einen großen Scheiterhaufen'
kṛtvā hutāśaṃ pradadau svayaṃ ca yadā samiddho hutabhug babhūva //
'und entzündete selbst das Feuer; als das Opferfeuer entfacht war,'
tadā suśīlā praviveśa vegād
dhā putra hā putra iti bruvāṇā /
tadā punaḥ sā munir nārado 'bhūt
sa cāpi vahniḥ sphaṭikāmalābhaḥ //
''da eilte Suśīlā hinein und rief: 'Ach Sohn, ach Sohn!' Da wurde jene (Frau) wieder zum Weisen Nārada, und auch jenes Feuer wurde rein wie Kristall.''
Wort für Wort
tadā suśīlā praviveśa vegād dhā putra hā putra iti bruvāṇā /
''da eilte Suśīlā hinein und rief: Ach Sohn, ach Sohn!'
''Der (Scheiterhaufen) wurde zu einem vollen See, und sie/er stieg heraus; vor ihm (stand) aber Keśava, der Beste der Götter, und sprach lachend zum Götterweisen Nārada:''
Wort für Wort
pūrṇaṃ saro 'bhūd atha cottatāra
''Der Scheiterhaufen wurde zu einem vollen See, und sie/er stieg heraus;'
tasyāgrato devavaras tu keśavaḥ
'vor ihm stand aber Keśava, der Beste der Götter,'
prahasya devarṣim uvāca nāradam //
'und sprach lachend zum Götterweisen Nārada:'
[Anm.] Dreizeiliger Vers im Original; im Sanskrit-Text fehlt hier die dritte Versfüßzeile (Pāda 'c'), sodass der Vers nur aus den Pādas a, b, d besteht — vermutlich eine Textlücke.
kas te tu putro vada me maharṣe
mṛtaṃ ca kaṃ śocasi naṣṭabuddhiḥ /
vrīḍānvito 'bhūd atha nārado 'sau
tato 'ham enaṃ punar eva cāha //
''Wer ist denn dein Sohn, sage mir, o großer Weiser? Und um wen Verstorbenen trauerst du, deines Verstandes beraubt?' Da wurde jener Nārada von Scham erfüllt; darauf sprach ich (Viṣṇu) abermals zu ihm:''
Wort für Wort
kas te tu putro vada me maharṣe mṛtaṃ ca kaṃ śocasi naṣṭabuddhiḥ /
''Wer ist denn dein Sohn, sage mir, o großer Weiser? Und um wen Verstorbenen trauerst du, deines Verstandes beraubt?'
vrīḍānvito 'bhūd atha nārado 'sau tato 'ham enaṃ punar eva cāha //
'Da wurde jener Nārada von Scham erfüllt; darauf sprach ich abermals zu ihm:'
''Solcherart und von solch schwieriger Gestalt, Nārada, ist meine Māyā; selbst vom Lotusthronenden (Brahmā) und den anderen, samt Indra und Rudra, kann sie nicht erkannt werden — wie solltest du, du (allein), diese schwer zu erfassende (Māyā) erkennen?''
sa vākyam ākarṇya mahāmaharṣir
uvāca bhaktiṃ mama dehi viṣṇo /
prāpte 'tha kāle smaraṇaṃ tathaiva
sadā ca saṃdarśanam īśa te 'stu //
''Er, der große Weise, sprach, nachdem er (dieses) Wort vernommen hatte: 'Gib mir Hingabe zu dir, Viṣṇu; und wenn die Zeit (des Todes) gekommen ist, ebenso Erinnerung, und stets, o Herr, sei mir dein Anblick zuteil.''
Wort für Wort
sa vākyam ākarṇya mahāmaharṣir uvāca bhaktiṃ mama dehi viṣṇo /
''Er, der große Weise, sprach, nachdem er dieses Wort vernommen hatte: Gib mir Hingabe zu dir, Viṣṇu;'
prāpte 'tha kāle smaraṇaṃ tathaiva sadā ca saṃdarśanam īśa te 'stu //
'und wenn die Zeit gekommen ist, ebenso Erinnerung, und stets, o Herr, sei mir dein Anblick zuteil.'
yatrāham ārtaś citim adya rūḍhas
tat tīrtham astv acyutapāpahantrā /
adhiṣṭhitaṃ keśava nityam eva
tvayā sahāsaṃ kamalodbhavena //
''Wo ich, gequält, heute den Scheiterhaufen bestiegen habe — das sei ein Tīrtha, o Unvergänglicher, Sündenvernichter, ewig bewohnt von dir, Keśava, zusammen mit dem Lotusgeborenen (Brahmā).''
Wort für Wort
yatrāham ārtaś citim adya rūḍhas tat tīrtham astv acyutapāpahantrā /
''Wo ich, gequält, heute den Scheiterhaufen bestiegen habe — das sei ein Tīrtha, o Unvergänglicher, Sündenvernichter,'
adhiṣṭhitaṃ keśava nityam eva tvayā sahāsaṃ kamalodbhavena //
'ewig bewohnt von dir, Keśava, zusammen mit dem Lotusgeborenen.'
tato mayokto dvija nārado 'sau
tīrthaṃ sitode hi citis tavāstu /
sthāsyāmy ahaṃ cātra sadaiva viṣṇur
maheśvaraḥ sthāsyati cottareṇa //
''Da sprach ich zu jenem Zweifachgeborenen Nārada: 'Dein Scheiterhaufen sei ein Tīrtha im Sitoda (weißen Ozean); ich, Viṣṇu, werde hier stets weilen, und Maheśvara wird zur Nordseite weilen.''
Wort für Wort
tato mayokto dvija nārado 'sau tīrthaṃ sitode hi citis tavāstu /
''Da sprach ich zu jenem Zweifachgeborenen Nārada: Dein Scheiterhaufen sei ein Tīrtha im Sitoda;'
yadā virañcer vadanaṃ trinetraḥ
sa cchetsyateyaṃ ca mamogravācam /
tadā kapālasya tu mocanāya
sameṣyate tīrtham idaṃ tvadīyam //
''Wenn der Dreiäugige (Rudra) dereinst das Haupt des Virañci (Brahmā) abschlagen wird — und (damit) diesen meinen furchtbaren Fluch (auf sich lädt) — dann wird er zur Befreiung vom Schädel zu diesem deinem Tīrtha kommen.''
Wort für Wort
yadā virañcer vadanaṃ trinetraḥ sa cchetsyateyaṃ ca mamogravācam /
''Wenn der Dreiäugige dereinst das Haupt des Virañci abschlagen wird — und damit diesen meinen furchtbaren Fluch auf sich lädt —'
tadā kapālasya tu mocanāya sameṣyate tīrtham idaṃ tvadīyam //
'dann wird er zur Befreiung vom Schädel zu diesem deinem Tīrtha kommen.'
[Anm.] Diese Verse (60-63) legen die Ätiologie des Tīrtha 'Kapālamocana' ('Schädel-Befreiung') dar, verknüpft mit dem Mythos von Rudras Brahmahatyā (Brahmanenmord durch das Abschlagen von Brahmās Haupt); die Zeitfolge bleibt im Text eigentümlich prophetisch-verschränkt.
snātasya tīrthe tripurāntakasya
patiṣyate bhūmitale kapālam /
tatas tu tīrtheti kapālamocanaṃ
khyātaṃ pṛthivyāṃ ca bhaviṣyate tat //
''Wenn der Bezwinger der drei Städte (Tripurāntaka) im Tīrtha gebadet hat, wird der Schädel auf den Erdboden fallen; von da an wird jenes Tīrtha unter dem Namen 'Kapālamocana' auf Erden berühmt sein.''
tadā prabhṛty ambudavāhano 'sau
na mokṣyate tīrthavaraṃ supuṇyam /
na caiva tasmin dvija saṃpracakṣate
tat kṣetram ugraṃ tv atha brahmavadhyā //
''Von da an wird jener (Rudra) dieses höchst heilige, vortreffliche Tīrtha nicht mehr verlassen; und man wird jenes Gebiet, o Zweifachgeborener, dann nicht mehr als das 'schreckliche, brahmanenmörderische' bezeichnen.''
Wort für Wort
tadā prabhṛty ambudavāhano 'sau na mokṣyate tīrthavaraṃ supuṇyam /
''Von da an wird jener dieses höchst heilige, vortreffliche Tīrtha nicht mehr verlassen;'
na caiva tasmin dvija saṃpracakṣate tat kṣetram ugraṃ tv atha brahmavadhyā //
'und man wird jenes Gebiet, o Zweifachgeborener, dann nicht mehr als das schreckliche, brahmanenmörderische bezeichnen.'
yadā na mokṣaty amarārihantā
tat kṣetramukhyaṃ mahad āptapuṇyam /
tadā vimukteti surai rahasyaṃ
tīrthaṃ stutaṃ puṇyadam avyayākhyam //
''Solange der Töter der Götterfeinde jenes vorzügliche, große, verdienstreiche Gebiet nicht verlässt, gilt es unter den Göttern geheim als 'befreit'; das Tīrtha, verdienstspendend, mit dem unvergänglichen Namen, wird gepriesen.''
Wort für Wort
yadā na mokṣaty amarārihantā tat kṣetramukhyaṃ mahad āptapuṇyam /
''Solange der Töter der Götterfeinde jenes vorzügliche, große, verdienstreiche Gebiet nicht verlässt,'
kṛtvā tu pāpāni naro mahānti
tasmin praviṣṭaḥ śucir apramādī /
yadā tu māṃ cintayate sa śuddhaḥ
prayāti mokṣaṃ bhagavatprasādāt //
''Ein Mensch, der große Sünden begangen hat, der, rein und unachtsamkeitslos, dorthin eingetreten ist — wenn er dann, gereinigt, an mich denkt, geht er durch die Gnade des Erhabenen zur Erlösung ein.''
Wort für Wort
kṛtvā tu pāpāni naro mahānti tasmin praviṣṭaḥ śucir apramādī /
''Ein Mensch, der große Sünden begangen hat, der, rein und unachtsamkeitslos, dorthin eingetreten ist —'
yadā tu māṃ cintayate sa śuddhaḥ prayāti mokṣaṃ bhagavatprasādāt //
'wenn er dann, gereinigt, an mich denkt, geht er durch die Gnade des Erhabenen zur Erlösung ein.'
''(Wer jedoch nicht so gereinigt eintritt,) wird dort zeitweilig ein sogenannter Rudra-Piśāca und erleidet Leid in einem anderen Schoß; von Sünde befreit nach vielen hundert Jahren, wird er (dann erst) Geburt im Hause eines Brahmanen erlangen.''
'von Sünde befreit nach vielen hundert Jahren, wird er dann erst Geburt im Hause eines Brahmanen erlangen.'
[Anm.] Der genaue Zusammenhang dieses Verses mit dem vorherigen (V.64) bleibt textlich unklar; sinngemäß als Gegenfall (unzureichend geläuterter Sünder) ergänzt und übersetzt.
śucir yatātmāsya tato 'ntakāle
rudro hitaṃ tārakam asya kīrtayet /
ity evam uktvā dvijavarya nāradaṃ
gato 'smi dugdhārṇavam ātmageham //
''Rein und selbstbeherrscht, wird ihm dann, an seinem Lebensende, Rudra das heilsame, rettende (Tāraka-)Wort verkünden.' Nachdem ich, o Bester der Zweifachgeborenen, dies zu Nārada gesagt hatte, ging ich zu meinem eigenen Heim, dem Milchozean.''
Wort für Wort
śucir yatātmāsya tato 'ntakāle rudro hitaṃ tārakam asya kīrtayet /
''Rein und selbstbeherrscht, wird ihm dann, an seinem Lebensende, Rudra das heilsame, rettende Wort verkünden.'
sa cāpi vipras tridivaṃ cacāra
gandharvarājena samarcyamānaḥ /
etat tavoktaṃ nanu bodhanāya
māyā madīyā nahi śakyate sā //
''Und auch jener Brahmane (Nārada) durchwanderte den Himmel, verehrt vom König der Gandharvas. Dies ist dir nun zur Belehrung gesagt worden: meine Māyā, sie kann nicht (von jedem) erfasst werden.''
Wort für Wort
sa cāpi vipras tridivaṃ cacāra gandharvarājena samarcyamānaḥ /
''Und auch jener Brahmane durchwanderte den Himmel, verehrt vom König der Gandharvas.'
etat tavoktaṃ nanu bodhanāya māyā madīyā nahi śakyate sā //
'Dies ist dir nun zur Belehrung gesagt worden: meine Māyā, sie kann nicht von jedem erfasst werden.'
[Anm.] Viṣṇu (weiterhin sprechend) schließt hier seine Nārada-Erzählung ab und wendet sich wieder direkt an den 'sutapā'-Weisen (den früheren Kāmadamana).
jñātuṃ bhavān icchati cet tato 'dya
evaṃ viśasvāpsu ca vetsi yena /
evaṃ dvijātir hariṇā prabodhito
bhāvyarthayogān nimamajja toye //
''Wenn du sie erkennen willst, so tauche auch du jetzt ebenso in das Wasser ein, wodurch du sie erkennen wirst.' So von Hari belehrt, tauchte der Zweifachgeborene, dem, was geschehen musste, entsprechend, in das Wasser ein.''
Wort für Wort
jñātuṃ bhavān icchati cet tato 'dya evaṃ viśasvāpsu ca vetsi yena /
''Wenn du sie erkennen willst, so tauche auch du jetzt ebenso in das Wasser ein, wodurch du sie erkennen wirst.'
kokāmukhe tāta tato hi kanyā
cāṇḍālaveśmany abhavad dvijaḥ saḥ /
rūpānvitā śīlaguṇopapannā
avāpa sā yauvanam āsasāda //
'Da wurde, Vater, jener Zweifachgeborene bei Kokāmukha zu einem Mädchen im Hause eines Cāṇḍāla — von Schönheit begabt, mit Charakter und guten Eigenschaften ausgestattet; sie erlangte die Jugendreife.'
Wort für Wort
kokāmukhe tāta tato hi kanyā cāṇḍālaveśmany abhavad dvijaḥ saḥ /
'Da wurde, Vater, jener Zweifachgeborene bei Kokāmukha zu einem Mädchen im Hause eines Cāṇḍāla —'
cāṇḍālaputreṇa subāhunāpi
vivāhitā rūpavivarjitena /
patir na tasyā hi mato babhūva
sā tasya caivābhimatā babhūva //
'Sie wurde mit Subāhu, dem Sohn eines Cāṇḍāla, verheiratet, obwohl er der Schönheit entbehrte; er war ihr zwar als Gatte nicht genehm, doch sie wurde ihm zugetan.'
putradvayaṃ netrahīnaṃ babhūva
kanyā ca paścād badhirā tathānyā /
patir daridras tv atha sāpi mugdhā
nadīgatā roditi tatra nityam //
'Ein Paar Söhne wurde augenlos (geboren), und danach eine Tochter, ebenso taub; der Gatte war zudem arm; und sie, bekümmert, geht zum Fluss und weint dort ständig.'
Wort für Wort
putradvayaṃ netrahīnaṃ babhūva kanyā ca paścād badhirā tathānyā /
'Ein Paar Söhne wurde augenlos geboren, und danach eine Tochter, ebenso taub;'
patir daridras tv atha sāpi mugdhā nadīgatā roditi tatra nityam //
'der Gatte war zudem arm; und sie, bekümmert, geht zum Fluss und weint dort ständig.'
'Einst ging sie, einen Wasserkrug ergreifend, dorthin, und trat in das Wasser hinein, um zu baden; sobald (dies geschah), war jener Zweifachgeborene sogleich wieder erstanden — dem Ritualhandeln ergeben, von gutem Wesen.'
'Einst ging sie, einen Wasserkrug ergreifend, dorthin, und trat in das Wasser hinein, um zu baden;'
yāvad dvijo 'sau punar eva tāvaj jātaḥ kriyāyogarataḥ suśīlaḥ //
'sobald dies geschah, war jener Zweifachgeborene sogleich wieder erstanden — dem Ritualhandeln ergeben, von gutem Wesen.'
[Anm.] Der genaue Mechanismus des Rückverwandlungsaugenblicks bleibt, wie schon bei Nāradas Geschichte, textlich unausgesprochen; die Frauengestalt scheint im Wasser zu verschwinden, während der Weise andernorts wiedererwacht.
tasyāḥ sa bhartātha ciraṃgateti
draṣṭuṃ jagāmātha nadīṃ supuṇyām /
dadarśa kumbhaṃ na ca tāṃ taṭasthāṃ
tato 'tiduḥkhāt praruroda nādayan //
'Ihr Gatte aber, denkend, sie sei lange fort, ging darauf, um nachzusehen, zu dem sehr heiligen Fluss; er sah den Wasserkrug, aber nicht sie am Ufer stehend; da weinte er, von sehr großem Leid (ergriffen), laut aufschreiend.'
Wort für Wort
tasyāḥ sa bhartātha ciraṃgateti draṣṭuṃ jagāmātha nadīṃ supuṇyām /
'Ihr Gatte aber, denkend, sie sei lange fort, ging darauf, um nachzusehen, zu dem sehr heiligen Fluss;'
dadarśa kumbhaṃ na ca tāṃ taṭasthāṃ tato 'tiduḥkhāt praruroda nādayan //
'er sah den Wasserkrug, aber nicht sie am Ufer stehend; da weinte er, von sehr großem Leid ergriffen, laut aufschreiend.'
tato 'ndhayugmaṃ badhirā ca kanyā
duḥkhānvitāsau samupājagāma /
te vai rudantaṃ pitaraṃ ca dṛṣṭvā
duḥkhānvitā vai rurudur bhṛśārtāḥ //
'Da kamen das blinde Zwillingspaar (Söhne) und die taube Tochter, von Leid erfüllt, dorthin; sie, als sie den weinenden Vater sahen, weinten auch, von Leid erfüllt, heftig gequält.'
Wort für Wort
tato 'ndhayugmaṃ badhirā ca kanyā duḥkhānvitāsau samupājagāma /
'Da kamen das blinde Zwillingspaar und die taube Tochter, von Leid erfüllt, dorthin;'
te vai rudantaṃ pitaraṃ ca dṛṣṭvā duḥkhānvitā vai rurudur bhṛśārtāḥ //
'sie, als sie den weinenden Vater sahen, weinten auch, von Leid erfüllt, heftig gequält.'
tataḥ sa papraccha nadītaṭasthān
dvijān bhavadbhir yadi yoṣid ekā /
dṛṣṭā tu toyārtham upādravantī
ākhyāta te procur imāṃ praviṣṭāṃ //
'Da fragte er die am Flussufer stehenden Brahmanen: 'Wenn von euch eine einzelne Frau gesehen wurde, die des Wassers wegen herbeieilte, so sagt (es mir).' Sie sagten: 'Sie ist (dort) hineingegangen —'
Wort für Wort
tataḥ sa papraccha nadītaṭasthān dvijān bhavadbhir yadi yoṣid ekā /
'Da fragte er die am Flussufer stehenden Brahmanen: Wenn von euch eine einzelne Frau gesehen wurde,'
dṛṣṭā tu toyārtham upādravantī ākhyāta te procur imāṃ praviṣṭāṃ //
'die des Wassers wegen herbeieilte, so sagt es mir.' Sie sagten: 'Sie ist dort hineingegangen —'
nadīṃ na bhūyas tu samuttatāra
etāvad eveha samīhitaṃ naḥ /
sa tadvaco ghorataraṃ niśamya
ruroda śokāśrupariplutākṣaḥ //
'in den Fluss, aber sie ist nicht wieder herausgekommen; so viel nur ist hier unser Wissen.' Er, nachdem er jene sehr schreckliche Rede vernommen hatte, weinte, seine Augen von Tränen des Kummers überflutet.'
Wort für Wort
nadīṃ na bhūyas tu samuttatāra etāvad eveha samīhitaṃ naḥ /
'in den Fluss, aber sie ist nicht wieder herausgekommen; so viel nur ist hier unser Wissen.'
sa tadvaco ghorataraṃ niśamya ruroda śokāśrupariplutākṣaḥ //
'Er, nachdem er jene sehr schreckliche Rede vernommen hatte, weinte, seine Augen von Tränen des Kummers überflutet.'
taṃ vai rudantaṃ sasutaṃ sakanyaṃ
dṛṣṭvāham ārtaḥ sutarāṃ babhūva /
ārtiś ca me 'bhūd atha saṃsmṛtiś ca
cāṇḍālayoṣāham iti kṣitīśa //
'Als ich ihn weinend sah, samt Söhnen und Tochter, wurde ich, (der wiedererstandene Weise,) noch heftiger von Schmerz ergriffen; und es entstand in mir Schmerz, und zugleich die Erinnerung: 'Ich bin die Cāṇḍāla-Frau', o Herrscher der Erde.'
Wort für Wort
taṃ vai rudantaṃ sasutaṃ sakanyaṃ dṛṣṭvāham ārtaḥ sutarāṃ babhūva /
'Als ich ihn weinend sah, samt Söhnen und Tochter, wurde ich noch heftiger von Schmerz ergriffen;'
ārtiś ca me 'bhūd atha saṃsmṛtiś ca cāṇḍālayoṣāham iti kṣitīśa //
'und es entstand in mir Schmerz, und zugleich die Erinnerung: Ich bin die Cāṇḍāla-Frau, o Herrscher der Erde.'
[Anm.] Der Erzähler (Kāmadamana, als der 'sutapā'-Weise) berichtet hier, wie sich beim Anblick des Leids seine beiden Identitäten (Weiser und Cāṇḍāla-Frau) in der Erinnerung überschneiden.
tato 'bravaṃ taṃ nṛpate mataṅgaṃ
kimartham ārtena hi rudyate tvayā /
tasyā na lābho bhavitātimaurkhyād
ākranditeneha vṛthā hi kiṃ te //
'Da sprach ich zu jenem Mataṅga (Cāṇḍāla), o König: 'Warum weinst du so gequält? Aus großer Torheit wird es für sie keinen Gewinn (mehr) geben — was nützt dir hier dein vergebliches Wehklagen?''
Wort für Wort
tato 'bravaṃ taṃ nṛpate mataṅgaṃ kimartham ārtena hi rudyate tvayā /
'Da sprach ich zu jenem Mataṅga, o König: Warum weinst du so gequält?'
tasyā na lābho bhavitātimaurkhyād ākranditeneha vṛthā hi kiṃ te //
'Aus großer Torheit wird es für sie keinen Gewinn mehr geben — was nützt dir hier dein vergebliches Wehklagen?'
'Er sprach zu mir: 'Mein blindes Söhnepaar, und ebenso diese eine taube Tochter — wie, o Zweifachgeborener, soll ich diese jetzt betrübten (Kinder) trösten und ernähren?''
Wort für Wort
sa mām uvācātmajayugmam andhaṃ kanyā caikā badhireyaṃ tathaiva /
'Er sprach zu mir: Mein blindes Söhnepaar, und ebenso diese eine taube Tochter —'
ity evam uktvā sa sutaiś ca sārdhaṃ
phūtkṛtya phūtkṛtya ca roditi sma /
yathā yathā roditi sa śvapākas
tathā tathā me hy abhavat kṛtāpi //
'Nachdem er dies gesagt hatte, weinte er zusammen mit den Kindern, immer wieder aufschluchzend; je mehr jener Hundekocher (Cāṇḍāla) weinte, desto mehr wuchs auch in mir (ein entsprechendes Mitgefühl).'
Wort für Wort
ity evam uktvā sa sutaiś ca sārdhaṃ phūtkṛtya phūtkṛtya ca roditi sma /
'Nachdem er dies gesagt hatte, weinte er zusammen mit den Kindern, immer wieder aufschluchzend;'
yathā yathā roditi sa śvapākas tathā tathā me hy abhavat kṛtāpi //
'je mehr jener Hundekocher weinte, desto mehr wuchs auch in mir ein entsprechendes Mitgefühl.'
[Anm.] 'kṛtāpi' textlich unklar (vermutlich verderbt, etwa für 'kṛpāpi', 'auch Mitleid'); sinngemäß übersetzt.
tato 'ham ārtaṃ tu nivārya taṃ vai
svavaṃśavṛttāntam athācacakṣe /
tataḥ sa duḥkhāt saha putrakaiḥ
saṃviveśa kokāmukham ārtarūpaḥ //
'Da beruhigte ich den Gequälten und erzählte ihm darauf die Geschichte seines eigenen Geschlechts; da ging er, vor Leid gequält, zusammen mit den Kindern nach Kokāmukha hinein.'
Wort für Wort
tato 'ham ārtaṃ tu nivārya taṃ vai svavaṃśavṛttāntam athācacakṣe /
'Da beruhigte ich den Gequälten und erzählte ihm darauf die Geschichte seines eigenen Geschlechts;'
tataḥ sa duḥkhāt saha putrakaiḥ saṃviveśa kokāmukham ārtarūpaḥ //
'da ging er, vor Leid gequält, zusammen mit den Kindern nach Kokāmukha hinein.'
'Sobald der Mataṅga in das Wasser eingetreten war, von Sünde befreit durch die Macht des Tīrtha, bestieg er einen mondhell strahlenden Himmelswagen und fuhr, Vater, vor meinen Augen zum Himmel.'
Wort für Wort
praviṣṭamātre salile mataṅgas tīrthaprabhāvāc ca vimuktapāpaḥ /
'Sobald der Mataṅga in das Wasser eingetreten war, von Sünde befreit durch die Macht des Tīrtha,'
tasmin praviṣṭe salile mṛte ca
mamārtir āsīd atimohakartrī /
tato 'tipuṇye nṛpavarya kokājale
praviṣṭas tridivaṃ gataś ca //
'Als jener eingetreten und (im Wasser) gestorben war, entstand in mir großer, verwirrender Schmerz; da trat, o Bester der Könige, auch ich in das höchst heilige Wasser von Kokā ein und ging (gleichfalls) zum Himmel.'
Wort für Wort
tasmin praviṣṭe salile mṛte ca mamārtir āsīd atimohakartrī /
'Als jener eingetreten und im Wasser gestorben war, entstand in mir großer, verwirrender Schmerz;'
tato 'tipuṇye nṛpavarya kokājale praviṣṭas tridivaṃ gataś ca //
'da trat, o Bester der Könige, auch ich in das höchst heilige Wasser von Kokā ein und ging gleichfalls zum Himmel.'
[Anm.] Wer hier als 'ich' spricht (der wiedererstandene Weise selbst, oder eines der Kinder), bleibt textlich unklar; sinngemäß in der ununterbrochenen Ich-Erzählung belassen.
'Wieder wurde ich, leidgeplagt, in einer Vaiśya-Sippe geboren, durch die Gnade des vortrefflichen Tīrtha meiner früheren Geburten eingedenk (jātismara); da ging ich, meines Geistes gänzlich überdrüssig, mit gezügelter Rede und gezügeltem Sinn, nach Kokāmukha.'
'Nachdem ich ein Gelübde übernommen und meinen eigenen Leib ausgetrocknet hatte, stieg ich zum Himmel auf; von dort gefallen, wurde ich in deinem Hause geboren, Vater, durch Haris Gnade meiner früheren Geburten eingedenk.'
'Ich nun, indem ich den Gott, den Feind Muras, bei Kokāmukha verehre, habe das Begehren nach Gutem und Schlechtem aufgegeben.' Nachdem er (Kāmadamana) dies gesagt und den Vater verehrt hatte, ging er zum vorzüglichen Tīrtha Kokāmukha, verehrte Viṣṇu in seiner Eber-Gestalt (Varāha), und jener Stier unter den Menschen erlangte die Vollendung (Siddhi).
Wort für Wort
so 'haṃ samārādhya murāridevaṃ kokāmukhe tyaktaśubhāśubhecchaḥ /
'Ich nun, indem ich den Gott, den Feind Muras, bei Kokāmukha verehre, habe das Begehren nach Gutem und Schlechtem aufgegeben.'
ity evam uktvā pitaraṃ praṇamya gatvā ca kokāmukham agratīrtham
Nachdem er dies gesagt und den Vater verehrt hatte, ging er zum vorzüglichen Tīrtha Kokāmukha,
verehrte Viṣṇu in seiner Eber-Gestalt, und jener Stier unter den Menschen erlangte die Vollendung.
[Anm.] Sechszeiliger Vers im Original (Pādas a-f), im Sanskrit-Text mit fortlaufender, nicht auf sechs begrenzter Pāda-Zählung (die Zählung springt von 'f' direkt zu V.87 'a', ohne eigene Kennzeichnung); hier als ein zusammenhängender Vers V.86 wiedergegeben. Ab Pāda 'c' wechselt die Erzählperspektive von der wörtlichen Rede des Sohnes zurück zur Rahmenerzählung.
itthaṃ sa kāmadamanaḥ sahaputrapautraḥ
kokāmukhe tīrthavare supuṇye /
tyaktvā tanuṃ doṣamayīṃ tatas tu
gato divaṃ sūryasamair vimānaiḥ //
So verließ Kāmadamana, zusammen mit Söhnen und Enkeln, bei Kokāmukha, dem vortrefflichen und höchst heiligen Tīrtha, seinen fehlerbehafteten Körper und fuhr darauf in sonnengleichen Himmelswagen zum Himmel.
Wort für Wort
itthaṃ sa kāmadamanaḥ sahaputrapautraḥ kokāmukhe tīrthavare supuṇye /
So verließ Kāmadamana, zusammen mit Söhnen und Enkeln, bei Kokāmukha, dem vortrefflichen und höchst heiligen Tīrtha,
tyaktvā tanuṃ doṣamayīṃ tatas tu gato divaṃ sūryasamair vimānaiḥ //
seinen fehlerbehafteten Körper und fuhr darauf in sonnengleichen Himmelswagen zum Himmel.
So habe ich (Vyāsa) die Māyā des höchsten Herrn dargelegt, die selbst für die Götter schwer zu begreifen ist, einem Traum oder einem Zauberspiel gleich, die Māyā des Murāri, durch die die Welt der Verblendung anheimfällt, o Brahmanen.
Wort für Wort
evaṃ mayoktā parameśvarasya māyā surāṇām api durvicintyā /
So habe ich die Māyā des höchsten Herrn dargelegt, die selbst für die Götter schwer zu begreifen ist,