Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 173: bhīmeśvaratīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Bhīmeśvara-Tīrtha (Das Ṛṣisattra der sieben Weisen, Viśvāmitras Lehre vom Karma und Viśvarūpas furchtbare Askese)

Am Ort des Ṛṣisattra, wo die sieben Ṛṣis zur Askese weilten, teilen diese die Gaṅgā siebenfach und benennen die Ströme nach sich selbst (Vāsiṣṭhī, Vaiśvāmitrī, Vāmadevī, die mittlere und glückverheißende Gautamī, Bhāradvājī, Ātreyī, Jāmadagnī) und vollenden eine große Opfersitzung. Der Götterfeind Viśvarūpa erscheint, verehrt die Weisen und bittet um die Mittel, einen selbst den Göttern unbezwingbaren Sohn zu erlangen. Viśvāmitra hält eine ausführliche philosophische Lehrrede über Karma: nicht die Handlung selbst, sondern die ihr zugrundeliegende Gesinnung (bhāva - sattvisch, rajasisch oder tamasisch) bestimmt die Frucht des Handelns. Von dieser Lehre bewegt, übt Viśvarūpa aus tamasischer Gesinnung eine furchtbare, gegen den Rat der Weisen fortgesetzte Askese: In einer Feuergrube visualisiert er sich selbst als schreckliche Rudra-Gestalt und opfert sich dem Feuer dar, wobei ihn eine körperlose Stimme in dunklen, an den Vṛtra-Mythos anklingenden Worten anspricht. Die Weisen verehren den so entstandenen furchtbaren Gott als Bhīmeśvara. Ein abschließender Hymnus (im Versmaß, pādaweise gezählt) preist Bhīmeśvara und die am Zusammenfluss von Godāvarī und Ozean gelegene Stätte als Quelle der Sündentilgung und Erlösung.

{brahmovāca:} ṛṣisattram iti khyātam ṛṣayaḥ sapta nārada / niṣedus tapase yatra yatra bhīmeśvaraḥ śivaḥ // 173.1 //

Brahmā sprach: [Jener Ort], der als Ṛṣisattra bekannt ist, wo die sieben Ṛṣis sich zur Askese niederließen, wo auch Bhīmeśvara-Śiva weilt, o Nārada -

Wort für Wort
ṛṣisattram iti khyātam
als Ṛṣisattra bekannt
ṛṣayaḥ sapta nārada
die sieben Ṛṣis, o Nārada
niṣedus tapase yatra
ließen sich dort zur Askese nieder
yatra bhīmeśvaraḥ śivaḥ
wo auch Bhīmeśvara-Śiva weilt

tatredaṃ vṛttam ākhyāsye devarṣipitṛbṛṃhitam / śṛṇu yatnena vakṣyāmi sarvakāmapradaṃ śubham // 173.2 //

- dort will ich dieses Geschehen verkünden, das von Göttern, Ṛṣis und Ahnen gepriesen wird; höre es aufmerksam, ich will das Verheißungsvolle verkünden, das alle Wünsche gewährt.

Wort für Wort
tatredaṃ vṛttam ākhyāsye
dort will ich dieses Geschehen verkünden
devarṣipitṛbṛṃhitam
das von Göttern, Ṛṣis und Ahnen gepriesen wird
śṛṇu yatnena vakṣyāmi
höre es aufmerksam, ich will es verkünden
sarvakāmapradaṃ śubham
das Verheißungsvolle, das alle Wünsche gewährt

saptadhā vyabhajan gaṅgām ṛṣayaḥ sapta nārada / vāsiṣṭhī dākṣiṇeyī syād vaiśvāmitrī taduttarā // 173.3 //

Siebenfach teilten die sieben Ṛṣis die Gaṅgā, o Nārada: die Vāsiṣṭhī sei die südliche, die Vaiśvāmitrī jene nördlich davon;

Wort für Wort
saptadhā vyabhajan gaṅgām
siebenfach teilten sie die Gaṅgā
ṛṣayaḥ sapta nārada
die sieben Ṛṣis, o Nārada
vāsiṣṭhī dākṣiṇeyī syād
die Vāsiṣṭhī sei die südliche
vaiśvāmitrī taduttarā
die Vaiśvāmitrī liege nördlich davon

vāmadevy aparā jñeyā gautamī madhyataḥ śubhā / bhāradvājī smṛtā cānyā ātreyī cety athāparā // 173.4 //

die andere sei als Vāmadevī bekannt, die glückverheißende Gautamī liege in der Mitte; eine weitere ist als Bhāradvājī überliefert, und eine andere wiederum als Ātreyī;

Wort für Wort
vāmadevy aparā jñeyā
die andere sei als Vāmadevī bekannt
gautamī madhyataḥ śubhā
die glückverheißende Gautamī liege in der Mitte
bhāradvājī smṛtā cānyā
eine weitere ist als Bhāradvājī überliefert
ātreyī cety athāparā
und eine andere wiederum als Ātreyī

jāmadagnī tathā cānyā vyapadiṣṭā tu saptadhā / taiḥ sarvair ṛṣibhis tatra yaṣṭum iṣṭair mahātmabhiḥ // 173.5 //

und ebenso eine weitere als Jāmadagnī - so wurde sie siebenfach bezeichnet; von all jenen hochseeligen, verehrten Ṛṣis, um dort zu opfern,

Wort für Wort
jāmadagnī tathā cānyā
und ebenso eine weitere als Jāmadagnī
vyapadiṣṭā tu saptadhā
so wurde sie siebenfach bezeichnet
taiḥ sarvair ṛṣibhis tatra
von all jenen Ṛṣis dort
yaṣṭum iṣṭair mahātmabhiḥ
um zu opfern, den hochseeligen, verehrten

niṣpāditaṃ mahāsattram ṛṣibhiḥ pāradarśibhiḥ / etasminn antare tatra devānāṃ prabalo ripuḥ // 173.6 //

wurde die große Opfersitzung (Mahāsattra) von den das Ziel erkennenden Ṛṣis vollendet. Unterdessen kam dorthin ein mächtiger Feind der Götter,

Wort für Wort
niṣpāditaṃ mahāsattram
wurde die große Opfersitzung vollendet
ṛṣibhiḥ pāradarśibhiḥ
von den das Ziel erkennenden Ṛṣis
etasminn antare tatra
unterdessen dorthin
devānāṃ prabalo ripuḥ
ein mächtiger Feind der Götter

viśvarūpa iti khyāto munīnāṃ sattram abhyagāt / brahmacaryeṇa tapasā tān ārādhya yathāvidhi / vinayenātha papraccha ṛṣīn sarvān anukramāt // 173.7 //

bekannt als Viśvarūpa, der zur Opfersitzung der Weisen kam; nachdem er sie durch Keuschheit und Askese vorschriftsmäßig verehrt hatte, befragte er darauf demütig alle Ṛṣis der Reihe nach.

Wort für Wort
viśvarūpa iti khyāto
bekannt als Viśvarūpa
munīnāṃ sattram abhyagāt
kam zur Opfersitzung der Weisen
brahmacaryeṇa tapasā tān ārādhya yathāvidhi
nachdem er sie durch Keuschheit und Askese vorschriftsmäßig verehrt hatte
vinayenātha papraccha ṛṣīn sarvān anukramāt
befragte er darauf demütig alle Ṛṣis der Reihe nach

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{viśvarūpa uvāca:} dhruvaṃ sarve yathākāmaṃ mama svāsthyena hetunā / yathā syād balavān putro devānām api durdharaḥ / yajñair vā tapasā vāpi munayo vaktum arhatha // 173.8 //

Viśvarūpa sprach: 'Gewiss, alle - wie es meinem Wunsche entspricht, mir zum Wohlergehen, aus diesem Grund - wie mir ein kraftvoller Sohn zuteilwerde, unbezwingbar selbst für die Götter, sei es durch Opfer oder durch Askese - das möget ihr, o Weise, zu sagen geruhen.'

Wort für Wort
dhruvaṃ sarve yathākāmaṃ
'gewiss, alle, wie es meinem Wunsche entspricht'
mama svāsthyena hetunā
'mir zum Wohlergehen, aus diesem Grund'
yathā syād balavān putro devānām api durdharaḥ
'wie mir ein kraftvoller Sohn zuteilwerde, unbezwingbar selbst für die Götter'
yajñair vā tapasā vāpi munayo vaktum arhatha
'sei es durch Opfer oder durch Askese - das möget ihr, o Weise, sagen'

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{brahmovāca:} tatra prāha mahābuddhir viśvāmitro mahāmanāḥ // 173.9 //

Brahmā sprach: Da sprach der hochweise, hochgesinnte Viśvāmitra.

Wort für Wort
tatra prāha mahābuddhir
da sprach der hochweise
viśvāmitro mahāmanāḥ
der hochgesinnte Viśvāmitra

[Anm.: Unvollständiger Halbvers (nur eine Zeile) im Original.]

{viśvāmitra uvāca:} karmaṇā tāta labhyante phalāni vividhāni ca / trayāṇāṃ kāraṇānāṃ ca karma prathamakāraṇam // 173.10 //

Viśvāmitra sprach: 'Durch das Handeln, mein Kind, werden mannigfache Früchte erlangt; von den drei Ursachen ist das Handeln (Karma) die erste Ursache.'

Wort für Wort
karmaṇā tāta labhyante
'durch das Handeln, mein Kind, werden erlangt'
phalāni vividhāni ca
'mannigfache Früchte'
trayāṇāṃ kāraṇānāṃ ca
'von den drei Ursachen'
karma prathamakāraṇam
'ist das Handeln die erste Ursache'

tataś ca kāraṇaṃ kartā tataś cānyat prakīrtitam / upādānaṃ tathā bījaṃ na ca karma vidur budhāḥ // 173.11 //

'Sodann ist der Handelnde selbst eine Ursache, und wiederum eine andere wird genannt: das Substrat sowie der Same - das Handeln selbst aber erkennen die Weisen darin nicht.'

Wort für Wort
tataś ca kāraṇaṃ kartā
'sodann ist der Handelnde selbst eine Ursache'
tataś cānyat prakīrtitam
'und wiederum eine andere wird genannt'
upādānaṃ tathā bījaṃ
'das Substrat sowie der Same'
na ca karma vidur budhāḥ
'das Handeln selbst aber erkennen die Weisen darin nicht'

[?: Die genaue Struktur der drei Ursachen bleibt im Original knapp und ist nicht restlos eindeutig.]

karmaṇāṃ kāraṇatvaṃ ca kāraṇe puṣkale sati / bhāvābhāvau phale dṛṣṭau tasmāt karmāśritaṃ phalam // 173.12 //

'Die Ursächlichkeit der Handlungen besteht, wenn die Ursache vollständig vorhanden ist; Vorhandensein und Nichtvorhandensein werden an der Frucht ersichtlich - daher ist die Frucht vom Handeln abhängig.'

Wort für Wort
karmaṇāṃ kāraṇatvaṃ ca
'die Ursächlichkeit der Handlungen'
kāraṇe puṣkale sati
'besteht, wenn die Ursache vollständig vorhanden ist'
bhāvābhāvau phale dṛṣṭau
'Vorhandensein und Nichtvorhandensein werden an der Frucht ersichtlich'
tasmāt karmāśritaṃ phalam
'daher ist die Frucht vom Handeln abhängig'

karmāpi dvividhaṃ jñeyaṃ kriyamāṇaṃ tathā kṛtam / kartavyaṃ kriyamāṇasya sādhanaṃ yad yad ucyate // 173.13 //

'Auch das Handeln ist als zweifach zu erkennen: als gerade Geschehendes und als Vollendetes; was auch immer als Mittel des Zu-vollziehenden für das gerade Geschehende bezeichnet wird -'

Wort für Wort
karmāpi dvividhaṃ jñeyaṃ
'auch das Handeln ist als zweifach zu erkennen'
kriyamāṇaṃ tathā kṛtam
'als gerade Geschehendes und als Vollendetes'
kartavyaṃ kriyamāṇasya
'des zu Vollziehenden, des gerade Geschehenden'
sādhanaṃ yad yad ucyate
'was auch immer als Mittel dafür bezeichnet wird'

tadbhāvāḥ karmasiddhau ca ubhayatrāpi kāraṇam / yad yad bhāvayate jantuḥ karma kurvan vicakṣaṇaḥ // 173.14 //

- dessen innere Zustände sind auch bei der Vollendung des Handelns in beiderlei Hinsicht die Ursache. Was auch immer ein Wesen sich vorstellt, während es, klugsinnig, eine Handlung vollzieht -

Wort für Wort
tadbhāvāḥ karmasiddhau ca
dessen innere Zustände sind auch bei der Vollendung des Handelns
ubhayatrāpi kāraṇam
in beiderlei Hinsicht die Ursache
yad yad bhāvayate jantuḥ
was auch immer ein Wesen sich vorstellt
karma kurvan vicakṣaṇaḥ
während es, klugsinnig, eine Handlung vollzieht

tadbhāvanānurūpeṇa phalaniṣpattir ucyate / karoti karma vidhivad vinā bhāvanayā yadi // 173.15 //

- dem entsprechend, was es sich vorstellt, wird, so heißt es, die Frucht bewirkt. Wenn jemand die Handlung vorschriftsmäßig, aber ohne rechte Gesinnung, vollzieht -

Wort für Wort
tadbhāvanānurūpeṇa
dem entsprechend, was es sich vorstellt
phalaniṣpattir ucyate
wird, so heißt es, die Frucht bewirkt
karoti karma vidhivad
wenn jemand die Handlung vorschriftsmäßig vollzieht
vinā bhāvanayā yadi
aber ohne rechte Gesinnung

anyathā syāt phalaṃ sarvaṃ tasya bhāvānurūpataḥ / tasmāt tapo vrataṃ dānaṃ japayajñādikāḥ kriyāḥ // 173.16 //

- so wird die ganze Frucht für ihn anders ausfallen, entsprechend seiner tatsächlichen Gesinnung. Darum gilt für Askese, Gelübde, Spende, Gebetsmurmeln, Opfer und dergleichen Handlungen:

Wort für Wort
anyathā syāt phalaṃ sarvaṃ
so wird die ganze Frucht anders ausfallen
tasya bhāvānurūpataḥ
entsprechend seiner tatsächlichen Gesinnung
tasmāt tapo vrataṃ dānaṃ
darum gilt für Askese, Gelübde, Spende
japayajñādikāḥ kriyāḥ
Gebetsmurmeln, Opfer und dergleichen Handlungen

karmaṇas tv anurūpeṇa phalaṃ dāsyanti bhāvataḥ / tasmād bhāvānurūpeṇa karma vai dāsyate phalam // 173.17 //

- diese werden die Frucht entsprechend der zugrundeliegenden Gesinnung geben, nicht entsprechend der Handlung. Darum gewährt das Handeln die Frucht wahrlich entsprechend der Gesinnung.

Wort für Wort
karmaṇas tv anurūpeṇa phalaṃ dāsyanti bhāvataḥ
diese werden die Frucht entsprechend der Gesinnung geben, nicht entsprechend der Handlung
tasmād bhāvānurūpeṇa
darum, entsprechend der Gesinnung
karma vai dāsyate phalam
gewährt das Handeln wahrlich die Frucht

bhāvas tu trividho jñeyaḥ sāttviko rājasas tathā / tāmasas tu tathā jñeyaḥ phalaṃ karmānusārataḥ // 173.18 //

'Die Gesinnung aber ist als dreifach zu erkennen: sattvisch, ebenso rajasisch, und ebenso ist die tamasische zu erkennen; die Frucht richtet sich nach der Handlung.'

Wort für Wort
bhāvas tu trividho jñeyaḥ
'die Gesinnung aber ist als dreifach zu erkennen'
sāttviko rājasas tathā
'sattvisch, ebenso rajasisch'
tāmasas tu tathā jñeyaḥ
'und ebenso ist die tamasische zu erkennen'
phalaṃ karmānusārataḥ
'die Frucht richtet sich nach der Handlung'

bhāvanānuguṇaṃ ceti vicitrā karmaṇāṃ sthitiḥ / tasmād icchānusāreṇa bhāvaṃ kuryād vicakṣaṇaḥ // 173.19 //

'Und so, der Gesinnung entsprechend, ist die Beschaffenheit der Handlungen mannigfaltig; darum möge der Kluge seine Gesinnung entsprechend seinem Wunsch gestalten.'

Wort für Wort
bhāvanānuguṇaṃ ceti
'und so, der Gesinnung entsprechend'
vicitrā karmaṇāṃ sthitiḥ
'ist die Beschaffenheit der Handlungen mannigfaltig'
tasmād icchānusāreṇa
'darum, entsprechend seinem Wunsch'
bhāvaṃ kuryād vicakṣaṇaḥ
'möge der Kluge seine Gesinnung gestalten'

paścāt karmāpi kartavyaṃ phaladātāpi tadvidham / phalaṃ dadāti phalināṃ phale yadi pravartate // 173.20 //

'Danach ist auch die Handlung zu vollziehen, die von entsprechender Art die Frucht gibt; sie gewährt den Fruchtsuchenden die Frucht, wenn sie sich auf die Frucht richtet.'

Wort für Wort
paścāt karmāpi kartavyaṃ
'danach ist auch die Handlung zu vollziehen'
phaladātāpi tadvidham
'die von entsprechender Art die Frucht gibt'
phalaṃ dadāti phalināṃ
'sie gewährt den Fruchtsuchenden die Frucht'
phale yadi pravartate
'wenn sie sich auf die Frucht richtet'

karmakāro na tatrāsti kuryāt karma svabhāvataḥ / tad eva copadānādi sattvādiguṇabhedataḥ // 173.21 //

'Ein gesonderter Handlungsbewirker gibt es dabei nicht - man vollziehe die Handlung gemäß der eigenen Natur; ebendieses wird, je nach dem Unterschied der Eigenschaften Sattva und der anderen, zu Substrat und dergleichen -'

Wort für Wort
karmakāro na tatrāsti
'ein gesonderter Handlungsbewirker gibt es dabei nicht'
kuryāt karma svabhāvataḥ
'man vollziehe die Handlung gemäß der eigenen Natur'
tad eva copadānādi
'ebendieses wird zu Substrat und dergleichen'
sattvādiguṇabhedataḥ
'je nach dem Unterschied der Eigenschaften Sattva und der anderen'

bhāvāt prārabhate tadvad bhāvaiḥ phalam avāpyate / dharmārthakāmamokṣāṇāṃ karma caiva hi kāraṇam // 173.22 //

- ausgehend von der Gesinnung beginnt es ebenso, durch die Gesinnungen wird die Frucht erlangt. Von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa ist ja das Handeln die Ursache.

Wort für Wort
bhāvāt prārabhate tadvad
ausgehend von der Gesinnung beginnt es ebenso
bhāvaiḥ phalam avāpyate
durch die Gesinnungen wird die Frucht erlangt
dharmārthakāmamokṣāṇāṃ
von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa
karma caiva hi kāraṇam
ist ja das Handeln die Ursache

bhāvasthitaṃ bhavet karma muktidaṃ bandhakāraṇam / svabhāvānuguṇaṃ karma svasyaiveha paratra ca // 173.23 //

'Das in der Gesinnung begründete Handeln kann Erlösung gewähren oder Ursache der Bindung sein; die der eigenen Natur entsprechende Handlung bringt hier und im Jenseits das dem eigenen Wesen Entsprechende -'

Wort für Wort
bhāvasthitaṃ bhavet karma
'das in der Gesinnung begründete Handeln kann sein'
muktidaṃ bandhakāraṇam
'Erlösung gewährend oder Ursache der Bindung'
svabhāvānuguṇaṃ karma
'die der eigenen Natur entsprechende Handlung'
svasyaiveha paratra ca
'bringt hier und im Jenseits das eigene Wesen entsprechend'

phalāni vividhāny āśu karoti samatānugam / eka eva padārtho 'sau bhāvair bhedaḥ pradṛśyate // 173.24 //

- bewirkt rasch mannigfache Früchte, dem Gleichmaß folgend. Ein und dasselbe Ding ist dies, nur durch die Gesinnungen erscheint der Unterschied.

Wort für Wort
phalāni vividhāny āśu
bewirkt rasch mannigfache Früchte
karoti samatānugam
dem Gleichmaß folgend
eka eva padārtho 'sau
ein und dasselbe Ding ist dies
bhāvair bhedaḥ pradṛśyate
nur durch die Gesinnungen erscheint der Unterschied

kriyate bhujyate vāpi tasmād bhāvo viśiṣyate / yathābhāvaṃ karma kuru yathepsitam avāpsyasi // 173.25 //

'Es wird vollzogen oder auch genossen - darum ist die Gesinnung das Entscheidende. Vollziehe die Handlung entsprechend deiner Gesinnung, dann wirst du erlangen, was du wünschst.'

Wort für Wort
kriyate bhujyate vāpi
'es wird vollzogen oder auch genossen'
tasmād bhāvo viśiṣyate
'darum ist die Gesinnung das Entscheidende'
yathābhāvaṃ karma kuru
'vollziehe die Handlung entsprechend deiner Gesinnung'
yathepsitam avāpsyasi
'dann wirst du erlangen, was du wünschst'

{brahmovāca:} etac chrutvā ṛṣer vākyaṃ viśvāmitrasya dhīmataḥ / tapas taptvā bahukālaṃ tāmasaṃ bhāvam āśritaḥ // 173.26 //

Brahmā sprach: Nachdem er dieses Wort des weisen Ṛṣi Viśvāmitra gehört hatte, übte er (Viśvarūpa), sich auf die tamasische Gesinnung stützend, lange Zeit Askese;

Wort für Wort
etac chrutvā ṛṣer vākyaṃ
nachdem er dieses Wort des Ṛṣi gehört hatte
viśvāmitrasya dhīmataḥ
des weisen Viśvāmitra
tapas taptvā bahukālaṃ
übte er lange Zeit Askese
tāmasaṃ bhāvam āśritaḥ
sich auf die tamasische Gesinnung stützend

viśvarūpaḥ karma bhīmaṃ cakāra surabhīṣaṇam / paśyatsu ṛṣimukhyeṣu vāryamāṇo 'pi nityaśaḥ // 173.27 //

Viśvarūpa vollzog eine furchtbare, den Göttern schreckenerregende Handlung, während die vornehmsten Ṛṣis zusahen, obwohl er stets zurückgehalten wurde.

Wort für Wort
viśvarūpaḥ karma bhīmaṃ cakāra surabhīṣaṇam
Viśvarūpa vollzog eine furchtbare, den Göttern schreckenerregende Handlung
paśyatsu ṛṣimukhyeṣu
während die vornehmsten Ṛṣis zusahen
vāryamāṇo 'pi nityaśaḥ
obwohl er stets zurückgehalten wurde

ātmakopānusāreṇa bhīmaṃ karma tathākarot / bhīṣaṇe kuṇḍakhāte tu bhīṣaṇe jātavedasi // 173.28 //

Getrieben von seinem eigenen Zorn vollzog er die furchtbare Handlung ebenso in der schrecklichen ausgehobenen Feuergrube, im schrecklichen Feuer (Jātavedas),

Wort für Wort
ātmakopānusāreṇa
getrieben von seinem eigenen Zorn
bhīmaṃ karma tathākarot
vollzog er die furchtbare Handlung ebenso
bhīṣaṇe kuṇḍakhāte tu
in der schrecklichen ausgehobenen Feuergrube
bhīṣaṇe jātavedasi
im schrecklichen Feuer

bhīṣaṇaṃ raudrapuruṣaṃ dhyātvātmānaṃ guhāśayam / evaṃ tapantam ālakṣya vāg uvācāśarīriṇī // 173.29 //

indem er sich selbst als schrecklichen, in der Höhle des Herzens wohnenden Rudra-Menschen visualisierte. Als man ihn so Askese üben sah, sprach eine körperlose Stimme:

Wort für Wort
bhīṣaṇaṃ raudrapuruṣaṃ
als schrecklichen Rudra-Menschen
dhyātvātmānaṃ guhāśayam
sich selbst visualisierend, in der Höhle wohnend
evaṃ tapantam ālakṣya
als man ihn so Askese üben sah
vāg uvācāśarīriṇī
sprach eine körperlose Stimme

jaṭājūṭaṃ vinātmānaṃ na ca vṛtro vyajīyata / vṛthātmānaṃ viśvarūpo juhuyāj jātavedasi // 173.30 //

'Ohne den Haarschopf der Askese wurde selbst Vṛtra nicht besiegt; vergeblich würde Viśvarūpa sich selbst dem Opferfeuer darbringen -'

Wort für Wort
jaṭājūṭaṃ vinātmānaṃ
'ohne den eigenen Haarschopf der Askese'
na ca vṛtro vyajīyata
'wurde selbst Vṛtra nicht besiegt'
vṛthātmānaṃ viśvarūpo
'vergeblich würde Viśvarūpa sich selbst'
juhuyāj jātavedasi
'dem Opferfeuer darbringen'

[?: Diese und die beiden folgenden Verse sind im Original stark verdichtet und mythologisch dunkel; die Verbindung zwischen dem Haarschopf, Vṛtra und Viśvarūpas Selbstopfer bleibt unklar und wird möglichst wörtlich wiedergegeben.]

sa evendraḥ sa varuṇaḥ sa ca syāt sarvam eva ca / tyaktvātmānaṃ jaṭāmātraṃ hutavān vṛjinodbhavaḥ // 173.31 //

- er (der Haarschopf) ist selbst Indra, er ist Varuṇa, er ist auch alles zugleich. Doch Viśvarūpa, aus Falschheit entstanden, opferte sich selbst dar, nur den Haarschopf zurücklassend.

Wort für Wort
sa evendraḥ sa varuṇaḥ
'er ist selbst Indra, er ist Varuṇa'
sa ca syāt sarvam eva ca
'er ist auch alles zugleich'
tyaktvātmānaṃ jaṭāmātraṃ
sich selbst preisgebend, nur den Haarschopf zurücklassend
hutavān vṛjinodbhavaḥ
opferte er sich dar, der aus Falschheit Entstandene

vṛtra ity ucyate vede sa cāpi vṛjino 'bhavat / bhīmasya mahimānaṃ ko jānāti jagadīśituḥ // 173.32 //

Im Veda wird er 'Vṛtra' genannt, und auch er wurde zum Falschen (Vṛjina). Wer kennt die Größe des Bhīma (des Furchtbaren), des Herrschers der Welt?

Wort für Wort
vṛtra ity ucyate vede
im Veda wird er 'Vṛtra' genannt
sa cāpi vṛjino 'bhavat
und auch er wurde zum Falschen
bhīmasya mahimānaṃ ko jānāti
wer kennt die Größe des Bhīma
jagadīśituḥ
des Herrschers der Welt

sṛjaty aśeṣam api yo na ca saṅgena lipyate / virarāmeti saṃkīrtya sā vāṇy enaṃ munīśvarāḥ // 173.33 //

Er, der alles erschafft und dennoch nicht von Anhaftung befleckt wird - so sprach die Stimme zu ihm und verstummte. [Da] die Herren der Weisen [verneigten sich, siehe folgender Vers] -

Wort für Wort
sṛjaty aśeṣam api yo
er, der alles erschafft
na ca saṅgena lipyate
und dennoch nicht von Anhaftung befleckt wird
virarāmeti saṃkīrtya sā vāṇy enaṃ
so sprach die Stimme zu ihm und verstummte
munīśvarāḥ
die Herren der Weisen

bhīmeśvaraṃ namaskṛtya jagmuḥ svaṃ svam athāśramam / viśvarūpo mahābhīmo bhīmakarmā tathākṛtiḥ // 173.34 //

- verneigten sich vor Bhīmeśvara und gingen darauf, ein jeder, zu seiner eigenen Einsiedelei. Viśvarūpa, der überaus Furchtbare, von furchtbarer Tat und ebensolcher Gestalt,

Wort für Wort
bhīmeśvaraṃ namaskṛtya
verneigten sich vor Bhīmeśvara
jagmuḥ svaṃ svam athāśramam
gingen darauf, ein jeder, zu seiner eigenen Einsiedelei
viśvarūpo mahābhīmo
Viśvarūpa, der überaus Furchtbare
bhīmakarmā tathākṛtiḥ
von furchtbarer Tat und ebensolcher Gestalt

bhīmabhāvo bhīmatanuṃ dhyātvātmānaṃ juhāva ha / tasmād bhīmeśvaro devaḥ purāṇe paripaṭhyate / tatra snānaṃ ca dānaṃ ca muktidaṃ nātra saṃśayaḥ // 173.35 //

von furchtbarem Wesen, opferte, indem er sich selbst als furchtbaren Körper visualisierte, sich selbst dar; deshalb wird der Gott im Purāṇa als Bhīmeśvara überliefert. Bad und Spende dort gewähren, ohne Zweifel, Erlösung.

Wort für Wort
bhīmabhāvo bhīmatanuṃ dhyātvātmānaṃ juhāva ha
von furchtbarem Wesen opferte er sich, sich selbst als furchtbaren Körper visualisierend
tasmād bhīmeśvaro devaḥ purāṇe paripaṭhyate
deshalb wird der Gott im Purāṇa als Bhīmeśvara überliefert
tatra snānaṃ ca dānaṃ ca
Bad und Spende dort
muktidaṃ nātra saṃśayaḥ
gewähren, ohne Zweifel, Erlösung

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

iti paṭhati śṛṇoti yaś ca bhaktyā vibudhapatiṃ śivam atra bhīmarūpam jagati viditam aśeṣapāpahāri smṛtipadaśaraṇena muktidaś ca // 173.36 //

Wer dies mit Hingabe liest oder hört - von Śiva, dem Herrn der Weisen, hier in furchtbarer Gestalt, der in der Welt bekannt ist als Vernichter aller Sünde und der schon durch die Zuflucht der bloßen Erinnerung Erlösung gewährt -

Wort für Wort
iti paṭhati śṛṇoti yaś ca bhaktyā
wer dies mit Hingabe liest oder hört
vibudhapatiṃ śivam atra bhīmarūpam
von Śiva, dem Herrn der Weisen, hier in furchtbarer Gestalt
jagati viditam aśeṣapāpahāri
der in der Welt bekannt ist als Vernichter aller Sünde
smṛtipadaśaraṇena muktidaś ca
und der schon durch die Zuflucht der bloßen Erinnerung Erlösung gewährt

[Anm.: Ab hier V.36-39 im Hymnenmetrum (Upajāti-artiger Vers), pādaweise gezählt (a/b/c/d); die vier Pādas bilden syntaktisch einen fortlaufenden, über mehrere Verse reichenden Lobpreis.]

godāvarī tāvad aśeṣapāpa samūhahantrī paramārthadātrī sadaiva sarvatra viśeṣatas tu yatrāmburāśiṃ samanupraviṣṭā // 173.37 //

- die Godāvarī, welche die gesamte Sündenmasse vernichtet, die Geberin des höchsten Gutes, stets und überall, besonders aber dort, wo sie in die Wassermasse des Ozeans eintritt -

Wort für Wort
godāvarī tāvad aśeṣapāpa
die Godāvarī, welche die gesamte Sünde
samūhahantrī paramārthadātrī
als Masse vernichtet, die Geberin des höchsten Gutes
sadaiva sarvatra viśeṣatas tu
stets und überall, besonders aber
yatrāmburāśiṃ samanupraviṣṭā
dort, wo sie in die Wassermasse des Ozeans eintritt

[Anm.: Vierzeiliger Hymnenvers, pādaweise gezählt.]

snātvā tu tasmin sukṛtī śarīrī godāvarīvāridhisaṃgame yaḥ uddhṛtya tīvrān nirayād aśeṣāt sa pūrvajān yāti puraṃ purāreḥ // 173.38 //

- wer, verkörpert und tugendhaft, dort am Zusammenfluss von Godāvarī und Meer badet, wird aus der gesamten furchtbaren Hölle emporgehoben und geht, samt seinen Vorfahren, zur Stadt des Purāri (Śiva, des Zerstörers der Dreifach-Burg).

Wort für Wort
snātvā tu tasmin sukṛtī śarīrī
wer, verkörpert und tugendhaft, dort badet
godāvarīvāridhisaṃgame yaḥ
am Zusammenfluss von Godāvarī und Meer
uddhṛtya tīvrān nirayād aśeṣāt
aus der gesamten furchtbaren Hölle emporgehoben
sa pūrvajān yāti puraṃ purāreḥ
geht er, samt seinen Vorfahren, zur Stadt des Purāri

[Anm.: Vierzeiliger Hymnenvers, pādaweise gezählt.]

vedāntavedyaṃ yad upāsitavyaṃ tad brahma sākṣāt khalu bhīmanāthaḥ dṛṣṭe hi tasmin na punar viśanti śarīriṇaḥ saṃsmṛtim ugraduḥkhām // 173.39 //

Was durch Vedānta erkennbar und zu verehren ist - jenes Brahman, das ist wahrlich unmittelbar der Herr Bhīma; denn wenn man ihn geschaut hat, gehen die Verkörperten nicht wieder in den schrecklich-leidvollen Kreislauf der Wiedergeburt ein.

Wort für Wort
vedāntavedyaṃ yad upāsitavyaṃ
was durch Vedānta erkennbar, was zu verehren ist
tad brahma sākṣāt khalu bhīmanāthaḥ
jenes Brahman - das ist wahrlich unmittelbar der Herr Bhīma
dṛṣṭe hi tasmin na punar viśanti
denn wenn man ihn geschaut hat, gehen sie nicht wieder ein
śarīriṇaḥ saṃsmṛtim ugraduḥkhām
die Verkörperten, in den schrecklich-leidvollen Kreislauf der Wiedergeburt

[Anm.: Vierzeiliger Hymnenvers, pādaweise gezählt; letzter Vers des Kapitels.]

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