Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 176: anantavāsudevamāhātmyavarṇanam Die Größe des Ananta-Vāsudeva und der Ursprung des Puruṣottama-Kṣetra

Auf Nachfrage der Munis schildert Brahmā ausführlich die Geschichte des Ananta-Vāsudeva-Standbildes: Brahmā selbst lässt es von Viśvakarman fertigen und weiht es; Indra verehrt es lange Zeit auf dem Sumeru und besiegt dadurch Vṛtra u.a. Dämonen; im Tretā-Yuga erwirkt Rāvaṇa durch Askese Unverwundbarkeit, besiegt Indra und raubt das Standbild nach Laṅkā; sein Bruder Vibhīṣaṇa, ergriffen von dessen Anblick, erbittet und erhält es von Rāvaṇa (der es für wertlos hält) und erlangt durch 108-jährige Verehrung Unsterblichkeit. Es folgt eine stark komprimierte Zusammenfassung der Rāma-Erzählung (Rāvaṇas Raub der Sītā, Bündnis mit den Affen, Brückenbau, Kampf und Tötung der Rākṣasas, Vibhīṣaṇas Krönung, Rückkehr nach Ayodhyā, Bharata und Śatrughna als Unterkönige). Am Ende seiner Herrschaft übergibt Rāma das Standbild dem Ozean; im Dvāpara-Yuga, nach Kṛṣṇas Herabkunft, birgt der Ozean es schließlich am heiligen, seltenen Kṣetra des Puruṣottama, wo der Gott seither dauerhaft weilt und dessen Verehrung als äußerst verdienstvoll gepriesen wird (u.a. Erlangung der ,Stadt Viṣṇus').

{munaya ūcuḥ:} nahi nas tṛptir astīha śṛṇvatāṃ bhagavatkathām / punar eva paraṃ guhyaṃ vaktum arhasy aśeṣataḥ //

Die Munis sprachen: Nicht ist uns hier Sättigung, da wir die Erzählung des Erhabenen hören; abermals sollst du das höchste Geheimnis vollständig verkünden.

Wort für Wort
nahi nas tṛptir astīha śṛṇvatāṃ bhagavatkathām
nicht ist uns hier Sättigung, da wir die Erzählung des Erhabenen hören
punar eva paraṃ guhyaṃ vaktum arhasy aśeṣataḥ
abermals sollst du das höchste Geheimnis vollständig verkünden

anantavāsudevasya na samyag varṇitaṃ tvayā / śrotum icchāmahe deva vistareṇa vadasva naḥ //

Von Ananta-Vāsudeva wurde von dir nicht vollständig berichtet; wir wollen es hören, o Gott — sprich es uns ausführlich.

Wort für Wort
anantavāsudevasya na samyag varṇitaṃ tvayā
von Ananta-Vāsudeva wurde von dir nicht vollständig berichtet
śrotum icchāmahe deva vistareṇa vadasva naḥ
wir wollen es hören, o Gott — sprich es uns ausführlich

{brahmovāca:} pravakṣyāmi muniśreṣṭhāḥ sārāt sārataraṃ param / anantavāsudevasya māhātmyaṃ bhuvi durlabham //

Brahmā sprach: Ich werde verkünden, ihr besten der Munis, das Erhabenste noch über das Erhabene hinaus — die auf Erden seltene Größe des Ananta-Vāsudeva.

Wort für Wort
pravakṣyāmi muniśreṣṭhāḥ sārāt sārataraṃ param
ich werde verkünden, ihr besten der Munis, das Erhabenste noch über das Erhabene hinaus
anantavāsudevasya māhātmyaṃ bhuvi durlabham
die auf Erden seltene Größe des Ananta-Vāsudeva

ādikalpe purā viprās tv aham avyaktajanmavān / viśvakarmāṇam āhūya vacanaṃ proktavān idam //

Einst, im Anfangs-Kalpa, ihr Brahmanen, rief ich, dessen Geburt unentfaltet ist, Viśvakarman herbei und sprach dieses Wort:

Wort für Wort
ādikalpe purā viprās tv aham avyaktajanmavān
einst, im Anfangs-Kalpa, ihr Brahmanen, [rief] ich, dessen Geburt unentfaltet ist
viśvakarmāṇam āhūya vacanaṃ proktavān idam
[ich rief] Viśvakarman herbei und sprach dieses Wort

variṣṭhaṃ devaśilpīndraṃ viśvakarmāgrakarmiṇam / pratimāṃ vāsudevasya kuru śailamayīṃ bhuvi //

[Zu ihm, dem] Trefflichsten, dem Indra der Götter-Werkmeister, dem Ersten unter den Schöpfern: ,Fertige ein Standbild des Vāsudeva, aus Gestein, auf Erden.'

Wort für Wort
variṣṭhaṃ devaśilpīndraṃ viśvakarmāgrakarmiṇam
[zu ihm, dem] Trefflichsten, dem Indra der Götter-Werkmeister, dem Ersten unter den Schöpfern
pratimāṃ vāsudevasya kuru śailamayīṃ bhuvi
fertige ein Standbild des Vāsudeva, aus Gestein, auf Erden

[Anm.: die Akkusativ-Epitheta in Z.1 setzen die Beschreibung Viśvakarmans aus V.4 fort; darauf folgt in Z.2 die wörtliche Rede.]

yāṃ prekṣya vidhivad bhaktāḥ sendrā vai mānuṣādayaḥ / yena dānavarakṣobhyo vijñāya sumahad bhayam //

[ein Standbild,] das schauend, die Menschen samt Indra [und den Göttern] vorschriftsgemäß hingegeben sind, durch welches sie, nachdem sie die gewaltige Furcht vor Dānavas und Rākṣasas erkannt haben,

Wort für Wort
yāṃ prekṣya vidhivad bhaktāḥ sendrā vai mānuṣādayaḥ
das schauend, sind die Menschen samt Indra [und den Göttern] vorschriftsgemäß hingegeben
yena dānavarakṣobhyo vijñāya sumahad bhayam
durch welches sie, die gewaltige Furcht vor Dānavas und Rākṣasas erkennend

[Anm.: Relativsatz-Konstruktion, die sich über V.6-7 erstreckt.]

tridivaṃ samanuprāpya sumeruśikharaṃ ciram / vāsudevaṃ samārādhya nirātaṅkā vasanti te //

zum Himmel gelangend, [auf] dem Gipfel des Sumeru, lange Zeit, den Vāsudeva verehrend, wohnen sie dort furchtlos.

Wort für Wort
tridivaṃ samanuprāpya sumeruśikharaṃ ciram
zum Himmel gelangend, [auf] dem Gipfel des Sumeru, lange Zeit
vāsudevaṃ samārādhya nirātaṅkā vasanti te
den Vāsudeva verehrend, wohnen sie dort furchtlos

mama tad vacanaṃ śrutvā viśvakarmā tu tatkṣaṇāt / cakāra pratimāṃ śuddhāṃ śaṅkhacakragadādharām //

Nachdem er mein Wort gehört hatte, fertigte Viśvakarman sogleich ein reines Standbild, das Muschelhorn, Diskus und Keule trägt.

Wort für Wort
mama tad vacanaṃ śrutvā viśvakarmā tu tatkṣaṇāt
nachdem er mein Wort gehört hatte, [fertigte] Viśvakarman sogleich
cakāra pratimāṃ śuddhāṃ śaṅkhacakragadādharām
[er] fertigte ein reines Standbild, das Muschelhorn, Diskus und Keule trägt

sarvalakṣaṇasaṃyuktāṃ puṇḍarīkāyatekṣaṇām / śrīvatsalakṣmasaṃyuktām atyugrāṃ pratimottamām //

versehen mit allen [günstigen] Merkmalen, mit lotusgleich-langen Augen, versehen mit dem Śrīvatsa-Zeichen, überaus gewaltig, das vortrefflichste Standbild,

Wort für Wort
sarvalakṣaṇasaṃyuktāṃ puṇḍarīkāyatekṣaṇām
versehen mit allen Merkmalen, mit lotusgleich-langen Augen
śrīvatsalakṣmasaṃyuktām atyugrāṃ pratimottamām
versehen mit dem Śrīvatsa-Zeichen, überaus gewaltig, das vortrefflichste Standbild

vanamālāvṛtoraskāṃ mukuṭāṅgadadhāriṇīm / pītavastrāṃ supīnāṃsāṃ kuṇḍalābhyām alaṃkṛtām //

die Brust umhüllt von der Waldblumengirlande, Diadem und Armreif tragend, gelb gewandet, mit vollen Schultern, mit einem Paar Ohrringen geschmückt.

Wort für Wort
vanamālāvṛtoraskāṃ mukuṭāṅgadadhāriṇīm
die Brust umhüllt von der Waldblumengirlande, Diadem und Armreif tragend
pītavastrāṃ supīnāṃsāṃ kuṇḍalābhyām alaṃkṛtām
gelb gewandet, mit vollen Schultern, mit einem Paar Ohrringen geschmückt

evaṃ sā pratimā divyā guhyamantrais tadā svayam / pratiṣṭhākālam āsādya mayāsau nirmitā purā //

So wurde jenes göttliche Standbild dann, als die Zeit der Weihe gekommen war, von mir selbst einst mit geheimen Mantras geweiht.

Wort für Wort
evaṃ sā pratimā divyā guhyamantrais tadā svayam
so wurde jenes göttliche Standbild dann von mir selbst mit geheimen Mantras
pratiṣṭhākālam āsādya mayāsau nirmitā purā
als die Zeit der Weihe gekommen war, einst geweiht

[Anm.: 'nirmitā' (,gefertigt') dürfte hier im Sinne von ,geweiht/vollendet' (Konsekration durch Mantras) zu verstehen sein, da das Bildwerk selbst bereits in V.8 von Viśvakarman gefertigt wurde.]

tasmin kāle tadā śakro devarāṭ khecaraiḥ saha / jagāma brahmasadanam āruhya gajam uttamam //

Zu jener Zeit begab sich Śakra, der Götterkönig, zusammen mit den Himmelswandlern, auf seinem vortrefflichen Elefanten reitend, zu Brahmās Wohnstatt.

Wort für Wort
tasmin kāle tadā śakro devarāṭ khecaraiḥ saha
zu jener Zeit [begab sich] Śakra, der Götterkönig, zusammen mit den Himmelswandlern
jagāma brahmasadanam āruhya gajam uttamam
er begab sich zu Brahmās Wohnstatt, auf seinem vortrefflichen Elefanten reitend

prasādya pratimāṃ śakraḥ snānadānaiḥ punaḥ punaḥ / pratimāṃ tāṃ samārādhya svapuraṃ punar āgamat //

Śakra, nachdem er das Standbild durch Bad-Spenden immer wieder gnädig gestimmt hatte, verehrte jenes Standbild und kehrte dann wieder in seine eigene Stadt zurück.

Wort für Wort
prasādya pratimāṃ śakraḥ snānadānaiḥ punaḥ punaḥ
Śakra, nachdem er das Standbild durch Bad-Spenden immer wieder gnädig gestimmt hatte
pratimāṃ tāṃ samārādhya svapuraṃ punar āgamat
verehrte jenes Standbild und kehrte dann wieder in seine eigene Stadt zurück

tāṃ samārādhya suciraṃ yatavākkāyamānasaḥ / vṛtrādyān asurān krūrān namucipramukhān sa ca //

Nachdem er jenes [Standbild] lange Zeit verehrt hatte, mit gezügelter Rede, Körper und Geist, [besiegte] er die grausamen Asuras, angeführt von Vṛtra und Namuci,

Wort für Wort
tāṃ samārādhya suciraṃ yatavākkāyamānasaḥ
nachdem er jenes lange Zeit verehrt hatte, mit gezügelter Rede, Körper und Geist
vṛtrādyān asurān krūrān namucipramukhān sa ca
[besiegte] er die grausamen Asuras, angeführt von Vṛtra und Namuci

nihatya dānavān bhīmān bhuktavān bhuvanatrayam / dvitīye ca yuge prāpte tretāyāṃ rākṣasādhipaḥ //

nachdem er die furchtbaren Dānavas erschlagen hatte, genoss er die drei Welten. Und als das zweite Zeitalter, das Tretā, gekommen war, [wurde] ein Rākṣasa-Herrscher —

Wort für Wort
nihatya dānavān bhīmān bhuktavān bhuvanatrayam
nachdem er die furchtbaren Dānavas erschlagen hatte, genoss er die drei Welten
dvitīye ca yuge prāpte tretāyāṃ rākṣasādhipaḥ
und als das zweite Zeitalter, das Tretā, gekommen war, [wurde] ein Rākṣasa-Herrscher

babhūva sumahāvīryo daśagrīvaḥ pratāpavān / daśa varṣasahasrāṇi nirāhāro jitendriyaḥ //

von gewaltiger Kraft, der Zehnhalsige [Rāvaṇa], voller Glanz. Zehntausend Jahre, ohne Nahrung, mit gebändigten Sinnen,

Wort für Wort
babhūva sumahāvīryo daśagrīvaḥ pratāpavān
es entstand [ein Herrscher] von gewaltiger Kraft, der Zehnhalsige, voller Glanz
daśa varṣasahasrāṇi nirāhāro jitendriyaḥ
zehntausend Jahre, ohne Nahrung, mit gebändigten Sinnen

cacāra vratam atyugraṃ tapaḥ paramaduścaram / tapasā tena tuṣṭo 'haṃ varaṃ tasmai pradattavān //

übte er ein überaus strenges Gelübde, eine höchst schwer zu vollziehende Askese. Durch jene Askese zufriedengestellt, gewährte ich ihm einen Wunsch.

Wort für Wort
cacāra vratam atyugraṃ tapaḥ paramaduścaram
er übte ein überaus strenges Gelübde, eine höchst schwer zu vollziehende Askese
tapasā tena tuṣṭo 'haṃ varaṃ tasmai pradattavān
durch jene Askese zufriedengestellt, gewährte ich ihm einen Wunsch

avadhyaḥ sarvadevānāṃ sa daityoragarakṣasām / śāpapraharaṇair ugrair avadhyo yamakiṃkaraiḥ //

[Er wünschte:] unverwundbar für alle Götter, Daityas, Schlangenwesen und Rākṣasas zu sein; unverwundbar durch grausame Verfluchungswaffen und Yamas Diener.

Wort für Wort
avadhyaḥ sarvadevānāṃ sa daityoragarakṣasām
unverwundbar für alle Götter, Daityas, Schlangenwesen und Rākṣasas [zu sein]
śāpapraharaṇair ugrair avadhyo yamakiṃkaraiḥ
unverwundbar durch grausame Verfluchungswaffen und durch Yamas Diener

varaṃ prāpya tadā rakṣo yakṣān sarvagaṇān imān / dhanādhyakṣaṃ vinirjitya śakraṃ jetuṃ samudyataḥ //

Nachdem der Rākṣasa jenen Wunsch erlangt hatte, besiegte er die Yakṣas, alle diese Scharen, und den Herrn der Reichtümer [Kubera], und machte sich bereit, Śakra zu besiegen.

Wort für Wort
varaṃ prāpya tadā rakṣo yakṣān sarvagaṇān imān
nachdem der Rākṣasa jenen Wunsch erlangt hatte, [besiegte er] die Yakṣas, alle diese Scharen
dhanādhyakṣaṃ vinirjitya śakraṃ jetuṃ samudyataḥ
nachdem er den Herrn der Reichtümer besiegt hatte, machte er sich bereit, Śakra zu besiegen

saṃgrāmaṃ sumahāghoraṃ kṛtvā devaiḥ sa rākṣasaḥ / devarājaṃ vinirjitya tadā indrajiteti vai //

Nachdem jener Rākṣasa einen überaus furchtbaren Kampf mit den Göttern geführt und den Götterkönig besiegt hatte, [erhielt sein Sohn] damals [den Namen] ,Indrajit'.

Wort für Wort
saṃgrāmaṃ sumahāghoraṃ kṛtvā devaiḥ sa rākṣasaḥ
nachdem jener Rākṣasa einen überaus furchtbaren Kampf mit den Göttern geführt hatte
devarājaṃ vinirjitya tadā indrajiteti vai
und den Götterkönig besiegt hatte, [erhielt sein Sohn] damals [den Namen] ,Indrajit'

rākṣasas tatsuto nāma meghanādaḥ pralabdhavān / amarāvatīṃ tataḥ prāpya devarājagṛhe śubhe //

Der Rākṣasa[-Sohn] namens Meghanāda erhielt [diesen Namen]. Danach gelangte er [Rāvaṇa] zu Amarāvatī, in das prächtige Haus des Götterkönigs,

Wort für Wort
rākṣasas tatsuto nāma meghanādaḥ pralabdhavān
der Rākṣasa[-Sohn] namens Meghanāda erhielt [diesen Namen]
amarāvatīṃ tataḥ prāpya devarājagṛhe śubhe
danach gelangte er zu Amarāvatī, in das prächtige Haus des Götterkönigs

dadarśāñjanasaṃkāśāṃ rāvaṇas tu balānvitaḥ / pratimāṃ vāsudevasya sarvalakṣaṇasaṃyutām //

und Rāvaṇa, von Kraft begleitet, erblickte [dort] das kohlschwarz-schimmernde Standbild des Vāsudeva, versehen mit allen [günstigen] Merkmalen,

Wort für Wort
dadarśāñjanasaṃkāśāṃ rāvaṇas tu balānvitaḥ
Rāvaṇa, von Kraft begleitet, erblickte [dort] das kohlschwarz-schimmernde [Standbild]
pratimāṃ vāsudevasya sarvalakṣaṇasaṃyutām
das Standbild des Vāsudeva, versehen mit allen Merkmalen

śrīvatsalakṣmasaṃyuktāṃ padmapattrāyatekṣaṇām / vanamālāvṛtoraskāṃ mukuṭāṅgadabhūṣitām //

versehen mit dem Śrīvatsa-Zeichen, mit lotusblattlang-gedehnten Augen, die Brust von der Waldblumengirlande umhüllt, mit Diadem und Armreif geschmückt,

Wort für Wort
śrīvatsalakṣmasaṃyuktāṃ padmapattrāyatekṣaṇām
versehen mit dem Śrīvatsa-Zeichen, mit lotusblattlang-gedehnten Augen
vanamālāvṛtoraskāṃ mukuṭāṅgadabhūṣitām
die Brust von der Waldblumengirlande umhüllt, mit Diadem und Armreif geschmückt

śaṅkhacakragadāhastāṃ pītavastrāṃ caturbhujām / sarvābharaṇasaṃyuktāṃ sarvakāmaphalapradām //

mit Muschelhorn, Diskus und Keule in den Händen, gelb gewandet, vierarmig, versehen mit allem Schmuck, die Frucht aller Wünsche gewährend.

Wort für Wort
śaṅkhacakragadāhastāṃ pītavastrāṃ caturbhujām
mit Muschelhorn, Diskus und Keule in den Händen, gelb gewandet, vierarmig
sarvābharaṇasaṃyuktāṃ sarvakāmaphalapradām
versehen mit allem Schmuck, die Frucht aller Wünsche gewährend

vihāya ratnasaṃghāṃś ca pratimāṃ śubhalakṣaṇām / puṣpakeṇa vimānena laṅkāṃ prāsthāpayad drutam //

Die Juwelenhaufen zurücklassend, ließ er das Standbild mit den günstigen Merkmalen auf dem Puṣpaka-Flugwagen eilends nach Laṅkā bringen.

Wort für Wort
vihāya ratnasaṃghāṃś ca pratimāṃ śubhalakṣaṇām
die Juwelenhaufen zurücklassend, [nahm er] das Standbild mit den günstigen Merkmalen
puṣpakeṇa vimānena laṅkāṃ prāsthāpayad drutam
auf dem Puṣpaka-Flugwagen ließ er es eilends nach Laṅkā bringen

purādhyakṣaḥ sthitaḥ śrīmān dharmātmā sa vibhīṣaṇaḥ / rāvaṇasyānujo mantrī nārāyaṇaparāyaṇaḥ //

Als Stadtvorsteher [dort] eingesetzt war der glanzvolle, gerechtgesinnte Vibhīṣaṇa, Rāvaṇas jüngerer Bruder und Ratgeber, dem Nārāyaṇa Ergebene.

Wort für Wort
purādhyakṣaḥ sthitaḥ śrīmān dharmātmā sa vibhīṣaṇaḥ
als Stadtvorsteher eingesetzt war der glanzvolle, gerechtgesinnte Vibhīṣaṇa
rāvaṇasyānujo mantrī nārāyaṇaparāyaṇaḥ
Rāvaṇas jüngerer Bruder und Ratgeber, dem Nārāyaṇa Ergebene

dṛṣṭvā tāṃ pratimāṃ divyāṃ devendrabhavanacyutām / romāñcitatanur bhūtvā vismayaṃ samapadyata //

Als er jenes göttliche Standbild erblickte, das aus dem Haus des Götterherrn [Indra] entführt worden war, wurde sein Körper von Haarsträuben ergriffen, und er geriet in Staunen.

Wort für Wort
dṛṣṭvā tāṃ pratimāṃ divyāṃ devendrabhavanacyutām
als er jenes göttliche Standbild erblickte, das aus dem Haus des Götterherrn entführt worden war
romāñcitatanur bhūtvā vismayaṃ samapadyata
wurde sein Körper von Haarsträuben ergriffen, und er geriet in Staunen

praṇamya śirasā devaṃ prahṛṣṭenāntarātmanā / adya me saphalaṃ janma adya me saphalaṃ tapaḥ //

Nachdem er sich mit dem Haupt vor dem Gott verneigt hatte, [sprach er] mit erfreutem innerem Selbst: ,Heute ist meine Geburt fruchtbar geworden, heute ist meine Askese fruchtbar geworden.'

Wort für Wort
praṇamya śirasā devaṃ prahṛṣṭenāntarātmanā
nachdem er sich mit dem Haupt vor dem Gott verneigt hatte, mit erfreutem innerem Selbst
adya me saphalaṃ janma adya me saphalaṃ tapaḥ
[sprach er:] heute ist meine Geburt fruchtbar geworden, heute ist meine Askese fruchtbar geworden

ity uktvā sa tu dharmātmā praṇipatya muhur muhuḥ / jyeṣṭhaṃ bhrātaram āsādya kṛtāñjalir abhāṣata //

Nachdem der Gerechtgesinnte dies gesagt und sich immer wieder niedergeworfen hatte, ging er zu seinem älteren Bruder und sprach mit gefalteten Händen:

Wort für Wort
ity uktvā sa tu dharmātmā praṇipatya muhur muhuḥ
nachdem der Gerechtgesinnte dies gesagt und sich immer wieder niedergeworfen hatte
jyeṣṭhaṃ bhrātaram āsādya kṛtāñjalir abhāṣata
ging er zu seinem älteren Bruder und sprach mit gefalteten Händen

rājan pratimayā tvaṃ me prasādaṃ kartum arhasi / yām ārādhya jagannātha nistareyaṃ bhavārṇavam //

[Vibhīṣaṇa sprach:] ,O König, du sollst mir die Gnade dieses Standbildes erweisen, durch dessen Verehrung ich, o Herr der Welt, den Ozean des [weltlichen] Daseins überqueren möchte.'

Wort für Wort
rājan pratimayā tvaṃ me prasādaṃ kartum arhasi
o König, du sollst mir die Gnade dieses Standbildes erweisen
yām ārādhya jagannātha nistareyaṃ bhavārṇavam
durch dessen Verehrung ich, o Herr der Welt, den Ozean des Daseins überqueren möchte

bhrātur vacanam ākarṇya rāvaṇas taṃ tadābravīt / gṛhāṇa pratimāṃ vīra tv anayā kiṃ karomy aham //

Nachdem Rāvaṇa das Wort seines Bruders vernommen hatte, sprach er zu ihm: ,Nimm das Standbild, Held — was soll ich denn damit anfangen?

Wort für Wort
bhrātur vacanam ākarṇya rāvaṇas taṃ tadābravīt
nachdem Rāvaṇa das Wort seines Bruders vernommen hatte, sprach er zu ihm
gṛhāṇa pratimāṃ vīra tv anayā kiṃ karomy aham
nimm das Standbild, Held — was soll ich denn damit anfangen

svayaṃbhuvaṃ samārādhya trailokyaṃ vijaye tv aham / nānāścaryamayaṃ devaṃ sarvabhūtabhavodbhavam //

Ich habe den Selbstentstandenen [Brahmā] verehrt [und werde] die drei Welten im Sieg [unterwerfen] — was [brauche] ich [da] den aus mancherlei Wundern bestehenden Gott, den Ursprung des Werdens aller Wesen?'

Wort für Wort
svayaṃbhuvaṃ samārādhya trailokyaṃ vijaye tv aham
ich habe den Selbstentstandenen verehrt [und werde] die drei Welten [im Sieg unterwerfen]
nānāścaryamayaṃ devaṃ sarvabhūtabhavodbhavam
was [brauche ich] den aus mancherlei Wundern bestehenden Gott, den Ursprung des Werdens aller Wesen

[?: die Konstruktion 'trailokyaṃ vijaye' (wörtl. ,die drei Welten im Sieg') ist grammatisch unklar; möglicherweise elliptisch für ein finites Verb wie ,vijeṣye' (,ich werde besiegen').]

vibhīṣaṇo mahābuddhis tadā tāṃ pratimāṃ śubhām / śatam aṣṭottaraṃ cābdaṃ samārādhya janārdanam //

Vibhīṣaṇa, von großer Weisheit, verehrte darauf jenes günstige Standbild — hundertundacht Jahre lang den Janārdana verehrend —

Wort für Wort
vibhīṣaṇo mahābuddhis tadā tāṃ pratimāṃ śubhām
Vibhīṣaṇa, von großer Weisheit, [verehrte] darauf jenes günstige Standbild
śatam aṣṭottaraṃ cābdaṃ samārādhya janārdanam
hundertundacht Jahre lang den Janārdana verehrend

ajarāmaraṇaṃ prāptam aṇimādiguṇair yutam / rājyaṃ laṅkādhipatyaṃ ca bhogān bhuṅkte yathepsitān //

erlangte er Alterlosigkeit und Todlosigkeit, versehen mit den [übernatürlichen] Eigenschaften wie Aṇimā [u.a.], sowie die Königsherrschaft über Laṅkā, und genießt Genüsse nach Wunsch.

Wort für Wort
ajarāmaraṇaṃ prāptam aṇimādiguṇair yutam
erlangte er Alterlosigkeit und Todlosigkeit, versehen mit den Eigenschaften wie Aṇimā
rājyaṃ laṅkādhipatyaṃ ca bhogān bhuṅkte yathepsitān
sowie die Königsherrschaft über Laṅkā, und genießt Genüsse nach Wunsch

{munaya ūcuḥ:} aho no vismayo jātaḥ śrutvedaṃ paramāmṛtam / anantavāsudevasya saṃbhavaṃ bhuvi durlabham //

Die Munis sprachen: Ach, Staunen ist in uns entstanden, da wir dieses höchste Amṛta gehört haben — das auf Erden seltene Entstehen des Ananta-Vāsudeva.

Wort für Wort
aho no vismayo jātaḥ śrutvedaṃ paramāmṛtam
ach, Staunen ist in uns entstanden, da wir dieses höchste Amṛta gehört haben
anantavāsudevasya saṃbhavaṃ bhuvi durlabham
das auf Erden seltene Entstehen des Ananta-Vāsudeva

śrotum icchāmahe deva vistareṇa yathātatham / tasya devasya māhātmyaṃ vaktum arhasy aśeṣataḥ //

Wir wollen es hören, o Gott, ausführlich, der Wahrheit gemäß; die Größe jenes Gottes sollst du vollständig verkünden.

Wort für Wort
śrotum icchāmahe deva vistareṇa yathātatham
wir wollen es hören, o Gott, ausführlich, der Wahrheit gemäß
tasya devasya māhātmyaṃ vaktum arhasy aśeṣataḥ
die Größe jenes Gottes sollst du vollständig verkünden

{brahmovāca:} tadā sa rākṣasaḥ krūro devagandharvakiṃnarān / lokapālān samanujān munisiddhāṃś ca pāpakṛt //

Brahmā sprach: Damals unterwarf jener grausame, sündenbeladene Rākṣasa die Götter, Gandharvas, Kiṃnaras, Weltenhüter samt den Menschen, sowie Munis und Siddhas,

Wort für Wort
tadā sa rākṣasaḥ krūro devagandharvakiṃnarān
damals [unterwarf] jener grausame Rākṣasa die Götter, Gandharvas, Kiṃnaras
lokapālān samanujān munisiddhāṃś ca pāpakṛt
der sündenbeladene [Rākṣasa unterwarf] die Weltenhüter samt den Menschen, sowie Munis und Siddhas

vijitya samare sarvān ājahāra tadaṅganāḥ / saṃsthāpya nagarīṃ laṅkāṃ punaḥ sītārthamohitaḥ //

nachdem er alle im Kampf besiegt hatte, entführte er deren Frauen; nachdem er die Stadt Laṅkā [wieder] befestigt hatte, wurde er erneut durch das Verlangen nach Sītā verblendet.

Wort für Wort
vijitya samare sarvān ājahāra tadaṅganāḥ
nachdem er alle im Kampf besiegt hatte, entführte er deren Frauen
saṃsthāpya nagarīṃ laṅkāṃ punaḥ sītārthamohitaḥ
nachdem er die Stadt Laṅkā befestigt hatte, wurde er erneut durch das Verlangen nach Sītā verblendet

śaṅkito mṛgarūpeṇa sauvarṇena ca rāvaṇaḥ / tataḥ kruddhena rāmeṇa raṇe saumitriṇā saha //

Rāvaṇa täuschte [Rāma] mittels der goldenen Gazellengestalt [des Mārīca]; daraufhin, [im Bunde] mit dem Saumitri [Lakṣmaṇa], [wurde er] von dem erzürnten Rāma im Kampf [bedrängt] —

Wort für Wort
śaṅkito mṛgarūpeṇa sauvarṇena ca rāvaṇaḥ
Rāvaṇa täuschte [Rāma] mittels der goldenen Gazellengestalt
tataḥ kruddhena rāmeṇa raṇe saumitriṇā saha
daraufhin, [im Bunde] mit dem Saumitri, [wurde er] von dem erzürnten Rāma im Kampf [bedrängt]

[Anm.: stark verdichtete, elliptische Zusammenfassung der Rāmāyaṇa-Handlung (Mārīca-Episode); Konstruktion setzt sich bis V.40 fort.]

rāvaṇasya vadhārthāya hatvā vāliṃ manojavam / abhiṣiktaś ca sugrīvo yuvarājo 'ṅgadas tathā //

um Rāvaṇas Tod [vorzubereiten], erschlug [Rāma] den geistesschnellen Vālin, und Sugrīva wurde [zum König] geweiht, ebenso Aṅgada zum Kronprinzen.

Wort für Wort
rāvaṇasya vadhārthāya hatvā vāliṃ manojavam
um Rāvaṇas Tod vorzubereiten, erschlug [Rāma] den geistesschnellen Vālin
abhiṣiktaś ca sugrīvo yuvarājo 'ṅgadas tathā
und Sugrīva wurde zum König geweiht, ebenso Aṅgada zum Kronprinzen

hanumān nalanīlaś ca jāmbavān panasas tathā / gavayaś ca gavākṣaś ca pāṭhīnaḥ paramaujasaḥ //

Hanumān, Nala und Nīla, Jāmbavān, ebenso Panasa, Gavaya und Gavākṣa, sowie der überaus kraftvolle Pāṭhīna,

Wort für Wort
hanumān nalanīlaś ca jāmbavān panasas tathā
Hanumān, Nala und Nīla, Jāmbavān, ebenso Panasa
gavayaś ca gavākṣaś ca pāṭhīnaḥ paramaujasaḥ
Gavaya und Gavākṣa, sowie der überaus kraftvolle Pāṭhīna

etaiś cānyaiś ca bahubhir vānaraiḥ samahābalaiḥ / samāvṛto mahāghorai rāmo rājīvalocanaḥ //

von diesen und vielen anderen mächtigen, höchst furchtbaren Affen umgeben, [zog] Rāma, der Lotusäugige, [aus];

Wort für Wort
etaiś cānyaiś ca bahubhir vānaraiḥ samahābalaiḥ
von diesen und vielen anderen mächtigen Affen
samāvṛto mahāghorai rāmo rājīvalocanaḥ
von höchst furchtbaren [Affen] umgeben, [zog] Rāma, der Lotusäugige, [aus]

girīṇāṃ sarvasaṃghātaiḥ setuṃ baddhvā mahodadhau / balena mahatā rāmaḥ samuttīrya mahodadhim //

nachdem er mit allen Bergmassen eine Brücke über den großen Ozean gebaut hatte, überquerte Rāma mit großer Kraft den großen Ozean,

Wort für Wort
girīṇāṃ sarvasaṃghātaiḥ setuṃ baddhvā mahodadhau
nachdem er mit allen Bergmassen eine Brücke über den großen Ozean gebaut hatte
balena mahatā rāmaḥ samuttīrya mahodadhim
überquerte Rāma mit großer Kraft den großen Ozean

saṃgrāmam atulaṃ cakre rakṣogaṇasamanvitaḥ / yamahastaṃ prahastaṃ ca nikumbhaṃ kumbham eva ca //

und führte, den Rākṣasa-Scharen gegenüberstehend, einen unvergleichlichen Kampf; Yamahasta, Prahasta, Nikumbha, sowie Kumbha,

Wort für Wort
saṃgrāmam atulaṃ cakre rakṣogaṇasamanvitaḥ
er führte, den Rākṣasa-Scharen gegenüberstehend, einen unvergleichlichen Kampf
yamahastaṃ prahastaṃ ca nikumbhaṃ kumbham eva ca
Yamahasta, Prahasta, Nikumbha, sowie Kumbha

[?: 'rakṣogaṇasamanvitaḥ' (wörtl. ,von den Rākṣasa-Scharen begleitet') steht befremdlich, da Rāma gegen sie kämpft, nicht mit ihnen verbündet ist; hier im Sinne von ,ihnen gegenüberstehend/mit ihnen im Kampf verbunden' übersetzt.]

narāntakaṃ mahāvīryaṃ tathā caiva yamāntakam / mālāḍhyaṃ mālikāḍhyaṃ ca hatvā rāmas tu vīryavān //

Narāntaka von großer Kraft, ebenso Yamāntaka, Mālādhya und Mālikādhya erschlagend, [besiegte sie] der kraftvolle Rāma;

Wort für Wort
narāntakaṃ mahāvīryaṃ tathā caiva yamāntakam
Narāntaka von großer Kraft, ebenso Yamāntaka
mālāḍhyaṃ mālikāḍhyaṃ ca hatvā rāmas tu vīryavān
Mālādhya und Mālikādhya erschlagend, [tat dies] der kraftvolle Rāma

punar indrajitaṃ hatvā kumbhakarṇaṃ sarāvaṇam / vaidehīṃ cāgnināśodhya dattvā rājyaṃ vibhīṣaṇe //

nachdem er wiederum Indrajit erschlagen hatte, sowie Kumbhakarṇa samt Rāvaṇa, und die Vaidehī [Sītā] durch Feuer gereinigt hatte, und dem Vibhīṣaṇa die Königsherrschaft gegeben hatte,

Wort für Wort
punar indrajitaṃ hatvā kumbhakarṇaṃ sarāvaṇam
nachdem er wiederum Indrajit erschlagen hatte, sowie Kumbhakarṇa samt Rāvaṇa
vaidehīṃ cāgnināśodhya dattvā rājyaṃ vibhīṣaṇe
und die Vaidehī durch Feuer gereinigt, und dem Vibhīṣaṇa die Königsherrschaft gegeben hatte

vāsudevaṃ samādāya yānaṃ puṣpakam āruhat / līlayā samanuprāpad ayodhyāṃ pūrvapālitām //

nahm er den Vāsudeva [d.h. das Standbild] mit sich, bestieg den Puṣpaka-Wagen und gelangte spielend leicht nach Ayodhyā, das er zuvor beherrscht hatte.

Wort für Wort
vāsudevaṃ samādāya yānaṃ puṣpakam āruhat
nahm er den Vāsudeva mit sich, bestieg den Puṣpaka-Wagen
līlayā samanuprāpad ayodhyāṃ pūrvapālitām
und gelangte spielend leicht nach Ayodhyā, das er zuvor beherrscht hatte

kaniṣṭhaṃ bharataṃ snehāc chatrughnaṃ bhaktavatsalaḥ / abhiṣicya tadā rāmaḥ sarvarājye 'dhirājavat //

Rāma, den Ergebenen zugetan, weihte darauf aus Zuneigung den jüngeren Bharata und Śatrughna gleich Oberkönigen über [ihre jeweiligen] Reiche.

Wort für Wort
kaniṣṭhaṃ bharataṃ snehāc chatrughnaṃ bhaktavatsalaḥ
Rāma, den Ergebenen zugetan, [weihte] aus Zuneigung den jüngeren Bharata und Śatrughna
abhiṣicya tadā rāmaḥ sarvarājye 'dhirājavat
darauf weihte Rāma [sie] gleich Oberkönigen über die Reiche

purātanīṃ svamūrtiṃ ca samārādhya tato hariḥ / daśa varṣasahasrāṇi daśa varṣaśatāni ca //

Und nachdem Hari seine eigene, uralte Gestalt [wieder] verehrt hatte, [herrschte er] danach zehntausend Jahre und zehnhundert Jahre,

Wort für Wort
purātanīṃ svamūrtiṃ ca samārādhya tato hariḥ
und nachdem Hari seine eigene, uralte Gestalt verehrt hatte, danach
daśa varṣasahasrāṇi daśa varṣaśatāni ca
zehntausend Jahre und zehnhundert Jahre

bhuktvā sāgaraparyantāṃ medinīṃ sa tu rāghavaḥ / rājyam āsādya sugatiṃ vaiṣṇavaṃ padam āviśat //

Nachdem der Rāghava [Rāma] die bis zum Ozean reichende Erde genossen und die Königsherrschaft innegehabt hatte, ging er in den guten Zustand ein und betrat den Viṣṇu-Sitz.

Wort für Wort
bhuktvā sāgaraparyantāṃ medinīṃ sa tu rāghavaḥ
nachdem der Rāghava die bis zum Ozean reichende Erde genossen hatte
rājyam āsādya sugatiṃ vaiṣṇavaṃ padam āviśat
und die Königsherrschaft innegehabt hatte, ging er in den guten Zustand ein und betrat den Viṣṇu-Sitz

tāṃ cāpi pratimāṃ rāmaḥ samudreśāya dattavān / dhanyo rakṣayitāsi tvaṃ toyaratnasamanvitaḥ //

Und jenes Standbild übergab Rāma dem Herrn des Ozeans [mit den Worten]: ,Gesegnet bist du, [du] Beschützer, [der du] mit Wasserjuwelen versehen bist.'

Wort für Wort
tāṃ cāpi pratimāṃ rāmaḥ samudreśāya dattavān
und jenes Standbild übergab Rāma dem Herrn des Ozeans
dhanyo rakṣayitāsi tvaṃ toyaratnasamanvitaḥ
[mit den Worten:] gesegnet bist du, Beschützer, der du mit Wasserjuwelen versehen bist

dvāparaṃ yugam āsādya yadā devo jagatpatiḥ / dharaṇyāś cānurodhena bhāvaśaithilyakāraṇāt //

Als das Dvāpara-Zeitalter gekommen war und als der Gott, der Herr der Welt, auf Bitten der Erde, aus dem Grund der Nachlässigkeit des [religiösen] Zustands,

Wort für Wort
dvāparaṃ yugam āsādya yadā devo jagatpatiḥ
als das Dvāpara-Zeitalter gekommen war und der Gott, der Herr der Welt
dharaṇyāś cānurodhena bhāvaśaithilyakāraṇāt
auf Bitten der Erde, aus dem Grund der Nachlässigkeit des religiösen Zustands

avatīrṇaḥ sa bhagavān vasudevakule prabhuḥ / kaṃsādīnāṃ vadhārthāya saṃkarṣaṇasahāyavān //

herabstieg, jener Erhabene, der Herr, in die Familie des Vasudeva, um Kaṃsa und andere zu töten, begleitet von Saṃkarṣaṇa [Balarāma],

Wort für Wort
avatīrṇaḥ sa bhagavān vasudevakule prabhuḥ
herabstieg jener Erhabene, der Herr, in die Familie des Vasudeva
kaṃsādīnāṃ vadhārthāya saṃkarṣaṇasahāyavān
um Kaṃsa und andere zu töten, begleitet von Saṃkarṣaṇa

tadā tāṃ pratimāṃ viprāḥ sarvavāñchāphalapradām / sarvalokahitārthāya kasyacit kāraṇāntare //

da [ließ er] jenes Standbild, ihr Brahmanen, das die Frucht aller Wünsche gewährt, zum Wohl aller Welten, aus einem gewissen anderen Grund,

Wort für Wort
tadā tāṃ pratimāṃ viprāḥ sarvavāñchāphalapradām
da [ließ er] jenes Standbild, ihr Brahmanen, das die Frucht aller Wünsche gewährt
sarvalokahitārthāya kasyacit kāraṇāntare
zum Wohl aller Welten, aus einem gewissen anderen Grund

tasmin kṣetravare puṇye durlabhe puruṣottame / ujjahāra svayaṃ toyāt samudraḥ saritāṃ patiḥ //

an jenem vortrefflichen, heiligen, seltenen Kṣetra des Puruṣottama — der Ozean, der Herr der Flüsse, holte es selbst aus dem Wasser hervor.

Wort für Wort
tasmin kṣetravare puṇye durlabhe puruṣottame
an jenem vortrefflichen, heiligen, seltenen Kṣetra des Puruṣottama
ujjahāra svayaṃ toyāt samudraḥ saritāṃ patiḥ
holte der Ozean, der Herr der Flüsse, [es] selbst aus dem Wasser hervor

tadā prabhṛti tatraiva kṣetre muktiprade dvijāḥ / āste sa devo devānāṃ sarvakāmaphalapradaḥ //

Von da an weilt jener Gott der Götter, der die Frucht aller Wünsche gewährt, eben an jenem erlösungsspendenden Kṣetra, ihr Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
tadā prabhṛti tatraiva kṣetre muktiprade dvijāḥ
von da an, eben an jenem erlösungsspendenden Kṣetra, ihr Zweifachgeborenen
āste sa devo devānāṃ sarvakāmaphalapradaḥ
weilt jener Gott der Götter, der die Frucht aller Wünsche gewährt

ye saṃśrayanti cānantaṃ bhaktyā sarveśvaraṃ prabhum / vāṅmanaḥkarmabhir nityaṃ te yānti paramaṃ padam //

Diejenigen, die sich mit Hingabe dem Ananta zuwenden, dem Herrn aller, dem Gebieter, stets durch Rede, Geist und Tat [ihm ergeben], sie gehen zum höchsten Zustand ein.

Wort für Wort
ye saṃśrayanti cānantaṃ bhaktyā sarveśvaraṃ prabhum
diejenigen, die sich mit Hingabe dem Ananta zuwenden, dem Herrn aller, dem Gebieter
vāṅmanaḥkarmabhir nityaṃ te yānti paramaṃ padam
stets durch Rede, Geist und Tat [ihm ergeben], gehen sie zum höchsten Zustand ein

dṛṣṭvānantaṃ sakṛd bhaktyā saṃpūjya praṇipatya ca / rājasūyāśvamedhābhyāṃ phalaṃ daśaguṇaṃ labhet //

Wer den Ananta auch nur einmal mit Hingabe erblickt, verehrt und sich [vor ihm] niederwirft, erlangt die zehnfache Frucht von Rājasūya- und Aśvamedha-Opfern.

Wort für Wort
dṛṣṭvānantaṃ sakṛd bhaktyā saṃpūjya praṇipatya ca
wer den Ananta auch nur einmal mit Hingabe erblickt, verehrt und sich niederwirft
rājasūyāśvamedhābhyāṃ phalaṃ daśaguṇaṃ labhet
erlangt die zehnfache Frucht von Rājasūya- und Aśvamedha-Opfern

sarvakāmasamṛddhena kāmagena suvarcasā / vimānenārkavarṇena kiṅkiṇījālamālinā //

Auf einem mit allen Wünschen reich versehenen, nach Belieben fahrenden, glanzvollen, sonnenfarbenen Flugwagen, der mit einem Netz von Glöckchen geschmückt ist,

Wort für Wort
sarvakāmasamṛddhena kāmagena suvarcasā
auf einem mit allen Wünschen reich versehenen, nach Belieben fahrenden, glanzvollen [Flugwagen]
vimānenārkavarṇena kiṅkiṇījālamālinā
auf einem sonnenfarbenen Flugwagen, der mit einem Netz von Glöckchen geschmückt ist

triḥsaptakulam uddhṛtya divyastrīgaṇasevitaḥ / upagīyamāno gandharvair naro viṣṇupuraṃ vrajet //

gelangt der Mensch, nachdem er dreimal sieben Geschlechter [seiner Vorfahren] emporgehoben hat, bedient von Scharen himmlischer Frauen, von Gandharvas besungen, in die Stadt Viṣṇus.

Wort für Wort
triḥsaptakulam uddhṛtya divyastrīgaṇasevitaḥ
nachdem er dreimal sieben Geschlechter emporgehoben hat, bedient von Scharen himmlischer Frauen
upagīyamāno gandharvair naro viṣṇupuraṃ vrajet
von Gandharvas besungen, gelangt der Mensch in die Stadt Viṣṇus

tatra bhuktvā varān bhogāñ jarāmaraṇavarjitaḥ / divyarūpadharaḥ śrīmān yāvad ābhūtasaṃplavam //

Dort genießt er, frei von Alter und Tod, in göttlicher Gestalt, glanzvoll, vortreffliche Genüsse, bis zur [kosmischen] Auflösung aller Wesen,

Wort für Wort
tatra bhuktvā varān bhogāñ jarāmaraṇavarjitaḥ
dort genießt er, frei von Alter und Tod, vortreffliche Genüsse
divyarūpadharaḥ śrīmān yāvad ābhūtasaṃplavam
in göttlicher Gestalt, glanzvoll, bis zur kosmischen Auflösung aller Wesen

puṇyakṣayād ihāyātaś caturvedī dvijottamaḥ / vaiṣṇavaṃ yogam āsthāya tato mokṣam avāpnuyāt //

und wenn er nach Erschöpfung seines Verdienstes hierher zurückgekehrt ist, wird er, als ein die vier Veden kennender, vortrefflicher Zweifachgeborener, indem er sich dem Viṣṇu-Yoga zuwendet, danach die Erlösung erlangen.

Wort für Wort
puṇyakṣayād ihāyātaś caturvedī dvijottamaḥ
wenn er nach Erschöpfung seines Verdienstes hierher zurückgekehrt ist, als ein die vier Veden kennender, vortrefflicher Zweifachgeborener
vaiṣṇavaṃ yogam āsthāya tato mokṣam avāpnuyāt
indem er sich dem Viṣṇu-Yoga zuwendet, wird er danach die Erlösung erlangen

evaṃ mayā tv ananto 'sau kīrtito munisattamāḥ / kaḥ śaknoti guṇān vaktuṃ tasya varṣaśatair api //

So wurde von mir jener Ananta gepriesen, ihr besten der Munis — wer vermöchte auch mit hundert Jahren [Zeit] seine Eigenschaften vollständig zu verkünden?

Wort für Wort
evaṃ mayā tv ananto 'sau kīrtito munisattamāḥ
so wurde von mir jener Ananta gepriesen, ihr besten der Munis
kaḥ śaknoti guṇān vaktuṃ tasya varṣaśatair api
wer vermöchte auch mit hundert Jahren seine Eigenschaften zu verkünden

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