Kapitel 103: śamītīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Śamī-Tīrtha (und der sechs weiteren Baum-/Wasser-Tīrthas)
König Priyavrata vollzieht am Südufer der Gautamī ein Pferdeopfer unter Vasiṣṭhas Priesteramt. Als der Dānava Hiraṇyaka den Opferplatz bedroht, fliehen die Götter erschrocken und nehmen in verschiedenen Bäumen und Gewässern Zuflucht (Agni/Havyavāṭ im Śamī-Baum, Viṣṇu im Aśvattha, die Sonne im Arka-Baum, Śiva im Banyan, Soma im Palāśa, Havyavāhana im Gaṅgā-Wasser, die Aśvins mit dem Opferpferd, Yama als Krähe), bis Vasiṣṭha den Dānava zurückhält und das Opfer fortgesetzt werden kann. Ursprung von sieben Tīrthas (Śamī-, Vaiṣṇava-, Ārka-, Śaiva-, Saumya-, Vāsiṣṭha- u.a.), die zusammen die Frucht von zehn Aśvamedha-Opfern gewähren.
aus Furcht; manche gingen zum Himmel, Havyavāṭ ging in den Śamī-Baum ein, Viṣṇu ging zum Aśvattha, Bhānu (die Sonne) zum Arka-Baum, Śiva zum Vaṭa (Banyanbaum).
Soma ging zum Palāśa-Baum, Havyavāhana in das Wasser der Gaṅgā; die beiden Aśvins aber flohen mit dem Opferpferd, und Yama selbst wurde zu einer Krähe.
Wort für Wort
somaḥ palāśam agamad
Soma ging zum Palāśa-Baum
gaṅgāmbho havyavāhanaḥ
Havyavāhana (ging) in das Wasser der Gaṅgā
aśvinau tu hayaṃ gṛhya
die beiden Aśvins aber, das (Opfer-)Pferd ergreifend
vāyaso 'bhūd yamaḥ svayam
und Yama selbst wurde zu einer Krähe
[Anm.: 'Havyavāṭ' (V5) und 'Havyavāhana' (V6) erscheinen hier als zwei getrennt fliehende Gestalten, was zur in Kap.98 eingeführten Unterscheidung zwischen Agni und seinem Bruder Jātavedas/Havyavāṭ passt; das Verb zu 'aśvinau ... hayaṃ gṛhya' ist im Sanskrit elliptisch und wird hier sinngemäß als 'fliehen' ergänzt.]
Da setzte sich das Opfer wieder fort; der Daitya ging, von seiner eigenen Kraft begleitet, davon. Diese heilvollen Tīrthas gewähren seitdem die Frucht von zehn Aśvamedha-Opfern.
Wort für Wort
tataḥ pravṛttaḥ punar eva yajño
da setzte sich das Opfer wieder fort
daityo gataḥ svena balena yuktaḥ
der Daitya ging, von seiner eigenen Kraft begleitet, davon
imāni tīrthāni tataḥ śubhāni
diese heilvollen Tīrthas seitdem
daśāśvamedhasya phalāni dadyuḥ
gewähren die Frucht von zehn Aśvamedha-Opfern
[Anm.: Vierzeiliger Hymnenvers in eigenem Versmaß (Pādas a-d).]
prathamaṃ tu śamītīrthaṃ dvitīyaṃ vaiṣṇavaṃ viduḥ /
ārkaṃ śaivaṃ ca saumyaṃ ca vāsiṣṭhaṃ sarvakāmadam //
Das erste kennt man als Śamī-Tīrtha, das zweite als Vaiṣṇava; dazu das Ārka-, das Śaiva- und das Saumya-, und das Vāsiṣṭha-Tīrtha, das alle Wünsche gewährt.
'mögen diese Tīrthas die Frucht des Pferdeopfers gewähren' – so sprachen die Götter. Deshalb erlangt man durch Bad und Gabe an jenen Tīrthas, o Nārada, die heilvolle Frucht des Pferdeopfers – dies ist kein leeres Wort.
Wort für Wort
hayamedhaphalaṃ dadyus tīrthāni
'mögen diese Tīrthas die Frucht des Pferdeopfers gewähren'
ity avadan surāḥ
so sprachen die Götter
tasmāt snānena dānena teṣu tīrtheṣu nārada
deshalb erlangt man durch Bad und Gabe an jenen Tīrthas, o Nārada