Kapitel 156: śaṅkhatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Śaṅkha-Tīrtha (Viṣṇus Rettung Brahmās vor den Rākṣasas)
[Anm.: Brahmā erzählt in eigener Person (Ich-Erzählung) ein Ereignis aus dem Kṛtayuga: Rākṣasas aus dem Weltei-Haus wollten ihn verschlingen, Viṣṇu rettete ihn mit Diskus und Muschelhorn (Śaṅkha) – Ursprung des Śaṅkhahrada/Śaṅkha-Tīrtha, dem 10.000 weitere Tīrthas gleichgesetzt werden.]
{brahmovāca:} śaṅkhahradaṃ nāma tīrthaṃ yatra śaṅkhagadādharaḥ /
tatra snātvā ca taṃ dṛṣṭvā mucyate bhavabandhanāt //
{Brahmā sprach:} Es gibt ein Tīrtha namens Śaṅkhahrada, wo der Träger von Muschelhorn und Keule [Viṣṇu weilt]; wer dort badet und ihn erblickt, wird von der Fessel des [weltlichen] Daseins befreit.
Wort für Wort
śaṅkhahradaṃ nāma tīrthaṃ yatra śaṅkhagadādharaḥ
Es gibt ein Tīrtha namens Śaṅkhahrada, wo der Träger von Muschelhorn und Keule [weilt];
tatra snātvā ca taṃ dṛṣṭvā mucyate bhavabandhanāt
wer dort badet und ihn erblickt, wird von der Fessel des [weltlichen] Daseins befreit.
Ich will das dortige Geschehen erzählen, das Genuss und Erlösung verleiht: einst, zu Beginn des Kṛtayuga, während Brahmā, der Sāman-Sänger, [sang, geschah Folgendes] [Anm.: Satz setzt sich syntaktisch in V.3 fort].
Wort für Wort
tatredaṃ vṛttam ākhyāsye bhuktimuktipradāyakam
Ich will das dortige Geschehen erzählen, das Genuss und Erlösung verleiht,
purā kṛtayugasyādau brahmaṇaḥ sāmagāyinaḥ
einst, zu Beginn des Kṛtayuga, während Brahmā, der Sāman-Sänger, [sang] –
[Anm.: Genitivkonstruktion 'brahmaṇaḥ sāmagāyinaḥ' hier als genitivus absolutus ('während Brahmā sang') gedeutet; der Satz läuft über V.2-3 hinweg.]
Da sprach ich [Brahmā] zu Viṣṇu, dem Lehrer der Welt, um Schutz [zu erbitten]; jener Viṣṇu machte sich, mit [seinem] Diskus [bewaffnet], daran, jene Rākṣasas zu töten.
Wort für Wort
tadāham abravaṃ viṣṇuṃ rakṣaṇāya jagadgurum
Da sprach ich [Brahmā] zu Viṣṇu, dem Lehrer der Welt, um Schutz [zu erbitten];
sa viṣṇus tāni rakṣāṃsi hantuṃ cakreṇa codyataḥ
jener Viṣṇu machte sich, mit [seinem] Diskus [bewaffnet], daran, jene Rākṣasas zu töten.
chittvā cakreṇa rakṣāṃsi śaṅkham āpūrayat tadā /
niṣkaṇṭakaṃ talaṃ kṛtvā svargaṃ nirvairam eva ca //
Nachdem er die Rākṣasas mit dem Diskus zerschnitten hatte, blies er da in das Muschelhorn, nachdem er die Erde von [ihren] Dornen [Bedrohungen] und den Himmel von Feindschaft befreit hatte.
Wort für Wort
chittvā cakreṇa rakṣāṃsi śaṅkham āpūrayat tadā
Nachdem er die Rākṣasas mit dem Diskus zerschnitten hatte, blies er da in das Muschelhorn,
niṣkaṇṭakaṃ talaṃ kṛtvā svargaṃ nirvairam eva ca
nachdem er die Erde von [ihren] Dornen und den Himmel von Feindschaft befreit hatte.
Alle Wünsche gewährend, verdienstvoll, schon durch [bloße] Erinnerung Segen spendend, Langlebigkeit und Gesundheit hervorbringend, Reichtum (Lakṣmī) und Söhne mehrend.
Wort für Wort
sarvābhīṣṭapradaṃ puṇyaṃ smaraṇān maṅgalapradam
Alle Wünsche gewährend, verdienstvoll, schon durch [bloße] Erinnerung Segen spendend,
āyurārogyajananaṃ lakṣmīputrapravardhanam
Langlebigkeit und Gesundheit hervorbringend, Reichtum (Lakṣmī) und Söhne mehrend.