Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 191: akrūragamanam akrūrastutiś ca Akrūras Fahrt und Akrūras Lobpreis

Auf der Fahrt nach Gokula preist Akrūra in einem ausführlichen Hymnus Viṣṇu-Kṛṣṇa als das höchste, alldurchdringende Wesen und bekennt seine Freude, ihn zu sehen. Bei der Ankunft erblickt er Kṛṣṇa beim Melken der Kühe und Balarāma an seiner Seite, in ausführlicher Schönheitsschilderung, und wird von Ehrfurcht und Gänsehaut ergriffen.

akrūro 'pi viniṣkramya syandanenāśugāminā / kṛṣṇasaṃdarśanāsaktaḥ prayayau nandagokule //

Vyāsa sprach: Auch Akrūra zog aus mit einem schnellfahrenden Wagen und begab sich, ganz auf den Anblick Kṛṣṇas bedacht, zu Nandas Gokula.

Wort für Wort
akrūro 'pi viniṣkramya
auch Akrūra zog aus
syandanenāśugāminā
mit einem schnellfahrenden Wagen
kṛṣṇasaṃdarśanāsaktaḥ
ganz auf den Anblick Kṛṣṇas bedacht
prayayau nandagokule
begab er sich zu Nandas Gokula

cintayām āsa cākrūro nāsti dhanyataro mayā / yo 'ham aṃśāvatīrṇasya mukhaṃ drakṣyāmi cakriṇaḥ //

Und Akrūra dachte: Es gibt keinen Glücklicheren als mich, der ich das Antlitz des Diskusträgers sehen werde, der in einem [bloßen] Teil herabgestiegen ist.

Wort für Wort
cintayām āsa cākrūro
und Akrūra dachte
nāsti dhanyataro mayā
es gibt keinen Glücklicheren als mich
yo 'ham aṃśāvatīrṇasya
der ich [das Antlitz] dessen, der in einem Teil herabgestiegen ist
mukhaṃ drakṣyāmi cakriṇaḥ
das Antlitz des Diskusträgers sehen werde

adya me saphalaṃ janma suprabhātā ca me niśā / yad unnidrābjapattrākṣaṃ viṣṇor drakṣyāmy aham mukham //

Heute ist meine Geburt fruchtbar geworden, und meine Nacht hat gut geendet, da ich Viṣṇus Antlitz sehen werde, dessen Augen den Blättern einer aufblühenden Lotusblume gleichen.

Wort für Wort
adya me saphalaṃ janma
heute ist meine Geburt fruchtbar geworden
suprabhātā ca me niśā
und meine Nacht hat gut geendet
yad unnidrābjapattrākṣaṃ
da [ich sehen werde], dessen Augen den Blättern einer aufblühenden Lotusblume gleichen
viṣṇor drakṣyāmy aham mukham
ich werde Viṣṇus Antlitz sehen

pāpaṃ harati yat puṃsāṃ smṛtaṃ saṃkalpanāmayam / tat puṇḍarīkanayanaṃ viṣṇor drakṣyāmy ahaṃ mukham //

Jenes lotusäugige Antlitz Viṣṇus, das, allein schon in bloßer Gedankenabsicht erinnert, die Sünde der Menschen hinwegnimmt, das werde ich sehen.

Wort für Wort
pāpaṃ harati yat puṃsāṃ
das die Sünde der Menschen hinwegnimmt
smṛtaṃ saṃkalpanāmayam
allein schon in bloßer Gedankenabsicht erinnert
tat puṇḍarīkanayanaṃ
jenes lotusäugige
viṣṇor drakṣyāmy ahaṃ mukham
Antlitz Viṣṇus werde ich sehen

nirjagmuś ca yato vedā vedāṅgāny akhilāni ca / drakṣyāmi yat paraṃ dhāma devānāṃ bhagavanmukham //

Ich werde das Antlitz des Herrn sehen, aus dem die Veden und alle Vedāṅgas hervorgegangen sind, jenen höchsten Glanz der Götter.

Wort für Wort
nirjagmuś ca yato vedā
aus dem die Veden hervorgegangen sind
vedāṅgāny akhilāni ca
und alle Vedāṅgas
drakṣyāmi yat paraṃ dhāma
das werde ich sehen, den höchsten Glanz
devānāṃ bhagavanmukham
der Götter, das Antlitz des Herrn

yajñeṣu yajñapuruṣaḥ puruṣaiḥ puruṣottamaḥ / ijyate yo 'khilādhāras taṃ drakṣyāmi jagatpatim //

Den, der als Opferwesen in den Opfern, als höchster Geist von den Menschen verehrt wird, die Stütze von allem – ihn, den Herrn der Welt, werde ich sehen.

Wort für Wort
yajñeṣu yajñapuruṣaḥ
als Opferwesen in den Opfern
puruṣaiḥ puruṣottamaḥ
als höchster Geist von den Menschen
ijyate yo 'khilādhāras
der verehrt wird, die Stütze von allem
taṃ drakṣyāmi jagatpatim
ihn werde ich sehen, den Herrn der Welt

iṣṭvā yam indro yajñānāṃ śatenāmararājatām / avāpa tam anantādim ahaṃ drakṣyāmi keśavam //

Den, durch dessen Verehrung mit hundert Opfern Indra die Königsherrschaft der Unsterblichen erlangte – ihn, den anfanglosen und endlosen Keśava, werde ich sehen.

Wort für Wort
iṣṭvā yam indro yajñānāṃ
durch dessen Verehrung mit Opfern Indra
śatenāmararājatām
mit hundert [Opfern] die Königsherrschaft der Unsterblichen
avāpa tam anantādim
erlangte, ihn, den anfanglosen und endlosen
ahaṃ drakṣyāmi keśavam
werde ich sehen, Keśava

na brahmā nendrarudrāśvi-vasvādityamarudgaṇāḥ / yasya svarūpaṃ jānanti spṛśaty adya sa me hariḥ //

Nicht Brahmā, nicht Indra, Rudra, die Aśvins, die Vasus, die Ādityas und die Scharen der Marut kennen sein wahres Wesen – doch er, Hari, berührt mich heute.

Wort für Wort
na brahmā nendrarudrāśvi-
nicht Brahmā, nicht Indra, Rudra, die Aśvins
vasvādityamarudgaṇāḥ
die Vasus, die Ādityas und die Scharen der Marut
yasya svarūpaṃ jānanti
kennen sein wahres Wesen
spṛśaty adya sa me hariḥ
[doch] er, Hari, berührt mich heute

sarvātmā sarvagaḥ sarvaḥ sarvabhūteṣu saṃsthitaḥ / yo bhavaty avyayo vyāpī sa vīkṣyate mayādya ha //

Ihn, das Selbst von allem, alldurchdringend, alles, in allen Wesen gegenwärtig, den unvergänglichen, alldurchdringenden – ihn werde ich heute wahrlich erblicken.

Wort für Wort
sarvātmā sarvagaḥ sarvaḥ
das Selbst von allem, alldurchdringend, alles
sarvabhūteṣu saṃsthitaḥ
in allen Wesen gegenwärtig
yo bhavaty avyayo vyāpī
der unvergänglich und alldurchdringend ist
sa vīkṣyate mayādya ha
ihn werde ich heute wahrlich erblicken

matsyakūrmavarāhādyaiḥ siṃharūpādibhiḥ sthitam / cakāra yogato yogaṃ sa mām ālāpayiṣyati //

Er, der, dastehend in Gestalten wie Fisch, Schildkröte, Eber und Löwenform, durch seine Yogakraft [solche] Verbindungen bewirkte – er wird mit mir sprechen.

Wort für Wort
matsyakūrmavarāhādyaiḥ
in Gestalten wie Fisch, Schildkröte, Eber
siṃharūpādibhiḥ sthitam
und dergleichen, dastehend in Löwenform
cakāra yogato yogaṃ
bewirkte durch seine Yogakraft [solche] Verbindungen
sa mām ālāpayiṣyati
er wird mit mir sprechen

sāṃprataṃ ca jagatsvāmī kāryajāte vraje sthitim / kartuṃ manuṣyatāṃ prāptaḥ svecchādehadhṛg avyayaḥ //

Und jetzt hat der Herr der Welt, um eines aufgekommenen Anliegens willen, um in Vraja zu weilen, Menschengestalt angenommen – der Unvergängliche, der nach eigenem Willen einen Körper trägt.

Wort für Wort
sāṃprataṃ ca jagatsvāmī
und jetzt hat der Herr der Welt
kāryajāte vraje sthitim
um eines aufgekommenen Anliegens willen, um in Vraja zu weilen
kartuṃ manuṣyatāṃ prāptaḥ
Menschengestalt angenommen
svecchādehadhṛg avyayaḥ
der Unvergängliche, der nach eigenem Willen einen Körper trägt

yo 'nantaḥ pṛthivīṃ dhatte śikharasthitisaṃsthitām / so 'vatīrṇo jagatyarthe mām akrūreti vakṣyati //

Er, der als Ananta die auf seinem Haupt ruhende Erde trägt – er, um der Welt willen herabgestiegen, wird zu mir sagen: 'Akrūra...'

Wort für Wort
yo 'nantaḥ pṛthivīṃ dhatte
er, der als Ananta die Erde trägt
śikharasthitisaṃsthitām
die auf seinem Haupt ruhende
so 'vatīrṇo jagatyarthe
er, um der Welt willen herabgestiegen
mām akrūreti vakṣyati
wird zu mir sagen: 'Akrūra...'

pitṛbandhusuhṛdbhrātṛ-mātṛbandhumayīm imām / yanmāyāṃ nālam uddhartuṃ jagat tasmai namo namaḥ //

Ihm, dessen Māyā diese aus Vater, Verwandten, Freund, Bruder, Mutter und Verwandtschaft bestehende [Verstrickung] ist, aus der sich die Welt nicht zu befreien vermag – ihm Verehrung, Verehrung!

Wort für Wort
pitṛbandhusuhṛdbhrātṛ-
aus Vater, Verwandten, Freund, Bruder
mātṛbandhumayīm imām
Mutter und Verwandtschaft bestehende [Verstrickung]
yanmāyāṃ nālam uddhartuṃ jagat
dessen Māyā ist, aus der sich die Welt nicht zu befreien vermag
tasmai namo namaḥ
ihm Verehrung, Verehrung

taranty avidyāṃ vitatāṃ hṛdi yasmin niveśite / yogamāyām imāṃ martyās tasmai vidyātmane namaḥ //

Wenn er im Herzen niedergelassen ist, überwinden die Sterblichen die weitausgebreitete Unwissenheit, diese Yogamāyā – ihm, dessen Wesen Erkenntnis ist, Verehrung!

Wort für Wort
taranty avidyāṃ vitatāṃ
überwinden sie die weitausgebreitete Unwissenheit
hṛdi yasmin niveśite
wenn er im Herzen niedergelassen ist
yogamāyām imāṃ martyās
diese Yogamāyā, die Sterblichen
tasmai vidyātmane namaḥ
ihm, dessen Wesen Erkenntnis ist, Verehrung

yajvabhir yajñapuruṣo vāsudevaś ca śāśvataiḥ / vedāntavedibhir viṣṇuḥ procyate yo nato 'smi tam //

Er, der von den Opfernden 'Opferwesen', von den Ewigen 'Vāsudeva' und von den Kennern des Vedānta 'Viṣṇu' genannt wird – ihm bin ich zugeneigt.

Wort für Wort
yajvabhir yajñapuruṣo
von den Opfernden 'Opferwesen'
vāsudevaś ca śāśvataiḥ
und von den Ewigen 'Vāsudeva'
vedāntavedibhir viṣṇuḥ procyate
von den Kennern des Vedānta 'Viṣṇu' genannt
yo nato 'smi tam
ihm, dem ich zugeneigt bin

tathā yatra jagad dhāmni dhāryate ca pratiṣṭhitam / sadasattvaṃ sa sattvena mayy asau yātu saumyatām //

Und in dem, als der Wohnstätte der Welt, das Sein und Nichtsein gehalten und gegründet ist – er möge durch sein wahres Sein mir gegenüber Milde walten lassen.

Wort für Wort
tathā yatra jagad dhāmni
und in dem, als der Wohnstätte der Welt
dhāryate ca pratiṣṭhitam
gehalten und gegründet ist
sadasattvaṃ sa sattvena
das Sein und Nichtsein, er durch [sein] wahres Sein
mayy asau yātu saumyatām
möge er mir gegenüber Milde walten lassen

[?] Komplexe Konstruktion; sinngemäß übersetzt: der Träger von Sein und Nichtsein möge gnädig gestimmt sein.

smṛte sakalakalyāṇa-bhājanaṃ yatra jāyate / puruṣapravaraṃ nityaṃ vrajāmi śaraṇaṃ harim //

Zu Hari, dem ewigen, vorzüglichsten Geist, in dem, wenn er erinnert wird, das Gefäß allen Heils entsteht, nehme ich Zuflucht.

Wort für Wort
smṛte sakalakalyāṇa-
wenn er erinnert wird, [entsteht] das [Gefäß] allen Heils
bhājanaṃ yatra jāyate
das Gefäß entsteht, in dem
puruṣapravaraṃ nityaṃ
zu dem ewigen, vorzüglichsten Geist
vrajāmi śaraṇaṃ harim
nehme ich Zuflucht, zu Hari

itthaṃ sa cintayan viṣṇuṃ bhaktinamrātmamānasaḥ / akrūro gokulaṃ prāptaḥ kiṃcit sūrye virājati //

Vyāsa sprach: So über Viṣṇu nachsinnend, sein Gemüt in Hingabe geneigt, erreichte Akrūra Gokula, während die Sonne noch ein wenig schien.

Wort für Wort
itthaṃ sa cintayan viṣṇuṃ
so über Viṣṇu nachsinnend
bhaktinamrātmamānasaḥ
sein Gemüt in Hingabe geneigt
akrūro gokulaṃ prāptaḥ
erreichte Akrūra Gokula
kiṃcit sūrye virājati
während die Sonne noch ein wenig schien

sa dadarśa tadā tatra kṛṣṇam ādohane gavām / vatsamadhyagataṃ phulla-nīlotpaladalacchavim //

Er sah dort dann Kṛṣṇa beim Melken der Kühe, inmitten der Kälber stehend, von der Farbe eines aufgeblühten blauen Lotusblattes.

Wort für Wort
sa dadarśa tadā tatra
er sah dort dann
kṛṣṇam ādohane gavām
Kṛṣṇa beim Melken der Kühe
vatsamadhyagataṃ
inmitten der Kälber stehend
phulla-nīlotpaladalacchavim
von der Farbe eines aufgeblühten blauen Lotusblattes

praphullapadmapattrākṣaṃ śrīvatsāṅkitavakṣasam / pralambabāhum āyāma-tuṅgorasthalam unnasam //

mit Augen wie aufgeblühte Lotusblätter, die Brust mit dem Śrīvatsa-Zeichen versehen, mit langen, herabhängenden Armen, breiter, hoher Brust und vorspringender Nase,

Wort für Wort
praphullapadmapattrākṣaṃ
mit Augen wie aufgeblühte Lotusblätter
śrīvatsāṅkitavakṣasam
die Brust mit dem Śrīvatsa-Zeichen versehen
pralambabāhum
mit langen, herabhängenden Armen
āyāma-tuṅgorasthalam unnasam
mit breiter, hoher Brust und vorspringender Nase

savilāsasmitādhāraṃ bibhrāṇaṃ mukhapaṅkajam / tuṅgaraktanakhaṃ padbhyāṃ dharaṇyāṃ supratiṣṭhitam //

ein spielerisches Lächeln tragend, sein Lotosgesicht darbietend, mit hohen, rötlichen Nägeln, mit den Füßen fest auf der Erde stehend,

Wort für Wort
savilāsasmitādhāraṃ
ein spielerisches Lächeln tragend
bibhrāṇaṃ mukhapaṅkajam
sein Lotosgesicht darbietend
tuṅgaraktanakhaṃ
mit hohen, rötlichen Nägeln
padbhyāṃ dharaṇyāṃ supratiṣṭhitam
mit den Füßen fest auf der Erde stehend

bibhrāṇaṃ vāsasī pīte vanyapuṣpavibhūṣitam / sāndranīlalatāhastaṃ sitāmbhojāvataṃsakam //

gelbe Gewänder tragend, mit Waldblumen geschmückt, in der Hand eine dichte, dunkelblaue Ranke, mit einer weißen Lotusblüte als Ohrschmuck,

Wort für Wort
bibhrāṇaṃ vāsasī pīte
gelbe Gewänder tragend
vanyapuṣpavibhūṣitam
mit Waldblumen geschmückt
sāndranīlalatāhastaṃ
in der Hand eine dichte, dunkelblaue Ranke
sitāmbhojāvataṃsakam
mit einer weißen Lotusblüte als Ohrschmuck

haṃsendukundadhavalaṃ nīlāmbaradharaṃ dvijāḥ / tasyānu balabhadraṃ ca dadarśa yadunandanam //

– O Zweifachgeborene, nach ihm sah er Balabhadra, die Freude der Yadus, weiß wie ein Schwan, der Mond oder eine Jasminblüte, ein dunkelblaues Gewand tragend.

Wort für Wort
haṃsendukundadhavalaṃ
weiß wie ein Schwan, der Mond, eine Jasminblüte
nīlāmbaradharaṃ dvijāḥ
ein dunkelblaues Gewand tragend, o Zweifachgeborene
tasyānu balabhadraṃ ca dadarśa
nach ihm sah er Balabhadra
yadunandanam
die Freude der Yadus

prāṃśum uttuṅgabāhuṃ ca vikāśimukhapaṅkajam / meghamālāparivṛtaṃ kailāsādrim ivāparam //

hochgewachsen, mit hoch aufgerichteten Armen, mit strahlendem Lotosgesicht – er erschien wie ein anderer, von einem Wolkenkranz umgebener Berg Kailāsa.

Wort für Wort
prāṃśum uttuṅgabāhuṃ ca
hochgewachsen, mit hoch aufgerichteten Armen
vikāśimukhapaṅkajam
mit strahlendem Lotosgesicht
meghamālāparivṛtaṃ
von einem Wolkenkranz umgeben
kailāsādrim ivāparam
wie ein anderer Berg Kailāsa

tau dṛṣṭvā vikasadvaktra-sarojaḥ sa mahāmatiḥ / pulakāñcitasarvāṅgas tadākrūro 'bhavad dvijāḥ //

Als er die beiden gesehen hatte, wurde jener großgesinnte Akrūra, sein Gesichtslotus erblühend, an allen Gliedern mit Gänsehaut bedeckt, o Zweifachgeborene.

Wort für Wort
tau dṛṣṭvā vikasadvaktra-sarojaḥ
als er die beiden gesehen hatte, sein Gesichtslotus erblühend
sa mahāmatiḥ
jener großgesinnte
pulakāñcitasarvāṅgas
an allen Gliedern mit Gänsehaut bedeckt
tadākrūro 'bhavad dvijāḥ
wurde da Akrūra, o Zweifachgeborene

ya etat paramaṃ dhāma etat tat paramaṃ padam / abhavad vāsudevo 'sau dvidhā yo 'yaṃ vyavasthitaḥ //

Der, der diese höchste Wohnstätte, dieser jener höchste Ort ist – jener Vāsudeva ist es, der hier zweifach gestaltet dasteht.

Wort für Wort
ya etat paramaṃ dhāma
der, der diese höchste Wohnstätte ist
etat tat paramaṃ padam
dieser jener höchste Ort
abhavad vāsudevo 'sau
jener Vāsudeva ist es
dvidhā yo 'yaṃ vyavasthitaḥ
der hier zweifach gestaltet dasteht

sāphalyam akṣṇor yugapan mamāstu dṛṣṭe jagaddhātari hāsam uccaiḥ / apy aṅgam etad bhagavatprasādād dattāṅgasaṅge phalavartma tat syāt //

Möge mir zugleich die Fruchtbarkeit beider Augen zuteilwerden beim Anblick des Weltenlenkers mit seinem strahlenden Lächeln; und möge auch dieser mein Leib, wenn durch die Gnade des Herrn Körperberührung gewährt wird, darin den Pfad zur [wahren] Frucht finden.

Wort für Wort
sāphalyam akṣṇor yugapan mamāstu
möge mir zugleich die Fruchtbarkeit beider Augen zuteilwerden
dṛṣṭe jagaddhātari hāsam uccaiḥ
beim Anblick des Weltenlenkers mit seinem strahlenden Lächeln
apy aṅgam etad bhagavatprasādād
und möge auch dieser mein Leib durch die Gnade des Herrn
dattāṅgasaṅge phalavartma tat syāt
wenn Körperberührung gewährt wird, darin den Pfad zur Frucht finden

[?] Komplexe Syntax; Akrūra erhofft sowohl den Anblick als auch die körperliche Berührung Kṛṣṇas als doppelte Erfüllung.

adyaiva spṛṣṭvā mama hastapadmaṃ kariṣyati śrīmadanantamūrtiḥ / yasyāṅgulisparśahatākhilāghair avāpyate siddhir anuttamā naraiḥ //

Noch heute wird der glorreiche, unendlich gestaltete [Herr] meine Lotoshand berühren – er, durch dessen bloße Fingerberührung alle Sünden vernichtet werden und die Menschen die unübertreffliche Vollendung erlangen.

Wort für Wort
adyaiva spṛṣṭvā mama hastapadmaṃ
noch heute wird er meine Lotoshand berühren
kariṣyati śrīmadanantamūrtiḥ
der glorreiche, unendlich gestaltete [Herr] wird [dies] tun
yasyāṅgulisparśahatākhilāghair
durch dessen bloße Fingerberührung alle Sünden vernichtet werden
avāpyate siddhir anuttamā naraiḥ
und die Menschen die unübertreffliche Vollendung erlangen

tathāśvirudrendravasupraṇītā devāḥ prayacchanti varaṃ prahṛṣṭāḥ / cakraṃ ghnatā daityapater hṛtāni daityāṅganānāṃ nayanāntarāṇi //

Und ebenso gewähren die von den Aśvins, Rudra, Indra und den Vasus angeführten Götter, hoch erfreut, [ihm] einen Segen – ihm, der, den Fürsten der Daityas mit dem Diskus erschlagend, den Daitya-Frauen das Augenlicht [durch Tränen] nahm.

Wort für Wort
tathāśvirudrendravasupraṇītā
die von den Aśvins, Rudra, Indra und den Vasus angeführten
devāḥ prayacchanti varaṃ prahṛṣṭāḥ
Götter gewähren, hoch erfreut, [ihm] einen Segen
cakraṃ ghnatā daityapater hṛtāni
ihm, der, den Fürsten der Daityas mit dem Diskus erschlagend, nahm
daityāṅganānāṃ nayanāntarāṇi
den Daitya-Frauen das Augenlicht [durch Tränen]

[?] Genauer mythologischer Bezug und Konstruktion von 'nayanāntarāṇi' unsicher; sinngemäß als Anspielung auf die Verwitwung der Daitya-Frauen gedeutet.

yatrāmbu vinyasya balir manobhyām avāpa bhogān vasudhātalasthaḥ / tathāmareśas tridaśādhipatyaṃ manvantaraṃ pūrṇam avāpa śakraḥ //

wo Bali, nachdem er Wasser [als Gabe] dargebracht hatte, am Grunde der Erde weilend seine Genüsse erlangte; und ebenso erlangte Śakra, der Herr der Unsterblichen, die Herrschaft über die dreißig [Götter] für ein volles Manvantara.

Wort für Wort
yatrāmbu vinyasya balir manobhyām
wo Bali, nachdem er Wasser [als Gabe] dargebracht hatte
avāpa bhogān vasudhātalasthaḥ
am Grunde der Erde weilend, seine Genüsse erlangte
tathāmareśas tridaśādhipatyaṃ
und ebenso der Herr der Unsterblichen die Herrschaft über die dreißig [Götter]
manvantaraṃ pūrṇam avāpa śakraḥ
Śakra erlangte für ein volles Manvantara

[Anm.: Anspielung auf den Vāmana-Bali-Mythos: König Bali gewährte durch eine Wasserspende [symbolisch] Land und erhielt dafür die Herrschaft über die Unterwelt, während Indra/Śakra die Königsherrschaft über die Götter für ein volles Manvantara zurückerhielt.]

atheśa māṃ kaṃsaparigraheṇa doṣāspadībhūtam adoṣayuktam / kartā na mānopahitaṃ dhig astu yasmān manaḥ sādhubahiṣkṛto yaḥ //

Nun, o Herr, wirst du mich nicht – der ich durch den Dienst bei Kaṃsa zu einem Sitz des Fehlers geworden bin, obgleich ohne wirkliche Schuld – wieder mit Würde versehen? Schande über [diesen Zustand], durch den [mein] Geist aus dem Kreis der Guten ausgeschlossen wurde!

Wort für Wort
atheśa māṃ kaṃsaparigraheṇa
nun, o Herr, mich, durch den Dienst bei Kaṃsa
doṣāspadībhūtam adoṣayuktam
der ich zu einem Sitz des Fehlers geworden bin, obgleich ohne wirkliche Schuld
kartā na mānopahitaṃ dhig astu
wirst du nicht wieder mit Würde versehen? Schande [darüber]
yasmān manaḥ sādhubahiṣkṛto yaḥ
durch den [mein] Geist aus dem Kreis der Guten ausgeschlossen wurde

[?] Sprachlich stark verdichteter Vers; sinngemäß als Akrūras Klage über seinen erzwungenen Dienst bei Kaṃsa gedeutet.

jñānātmakasyākhilasattvarāśer vyāvṛttadoṣasya sadāsphuṭasya / kiṃ vā jagaty atra samastapuṃsām ajñātam asyāsti hṛdi sthitasya //

Was gibt es wohl in dieser Welt, von allen Menschen, das ihm unbekannt wäre – ihm, dessen Wesen Erkenntnis ist, der die ganze Fülle des Seins ist, dem alle Fehler fernstehen, der stets offenbar ist und im Herzen [eines jeden] weilt?

Wort für Wort
jñānātmakasyākhilasattvarāśer
dem, dessen Wesen Erkenntnis ist, der die ganze Fülle des Seins ist
vyāvṛttadoṣasya sadāsphuṭasya
dem alle Fehler fernstehen, der stets offenbar ist
kiṃ vā jagaty atra samastapuṃsām
was gibt es wohl in dieser Welt, von allen Menschen
ajñātam asyāsti hṛdi sthitasya
das ihm unbekannt wäre, der im Herzen [eines jeden] weilt

tasmād ahaṃ bhaktivinamragātro vrajāmi viśveśvaram īśvarāṇām / aṃśāvatāraṃ puruṣottamasya anādimadhyāntam ajasya viṣṇoḥ //

Darum gehe ich, mein Leib in Hingabe geneigt, zu ihm, dem Herrn des Weltalls, dem Herrn der Herren, der Teilinkarnation des höchsten Geistes, des anfang-, mittel- und endlosen, ungeborenen Viṣṇu.

Wort für Wort
tasmād ahaṃ bhaktivinamragātro
darum gehe ich, mein Leib in Hingabe geneigt
vrajāmi viśveśvaram īśvarāṇām
zu ihm, dem Herrn des Weltalls, dem Herrn der Herren
aṃśāvatāraṃ puruṣottamasya
der Teilinkarnation des höchsten Geistes
anādimadhyāntam ajasya viṣṇoḥ
des anfang-, mittel- und endlosen, ungeborenen Viṣṇu

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