Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 141: kapilāsaṃgamatīrthamāhātmyavarṇanam Die Größe des Kapilā-Saṃgama-Tīrtha (Der Weise Kapila, der Tod Venas und König Pṛthu, der die Erde als Kuh melkt)

Nach der Ermordung des unrechtmäßigen Königs Vena durch die Flüche der Brahmanen herrscht Anarchie. Die Weisen bitten den vollkommenen Weisen Kapila um Rat; auf sein Geheiß quirlen sie Venas Schenkel, woraus der dunkle Niṣāda entsteht (Ursprung dieses Volkes), und seinen rechten Arm, woraus der glanzvolle Pṛthu hervorgeht, der zum König gekrönt wird. Als die Erde die Nahrung/Kräuter der Geschöpfe verschlungen hat, zwingt Pṛthu sie mit dem Bogen, ihm die Kräuter in Gestalt von Milch zu geben; sie erhält dafür Kuhgestalt, und Pṛthu melkt sie zusammen mit Kapila und den Göttern an mehreren heiligen Flüssen, darunter besonders an der Godāvarī, wo die dabei entstehende Flut sich mit der Gautamī vereinigt. Daraus entsteht das Kapilā-Saṃgama-Tīrtha mit 88.000 weiteren Tīrthas.

kapilāsaṃgamaṃ nāma tīrthaṃ trailokyaviśrutam / tatra nārada vakṣyāmi kathāṃ puṇyām anuttamām //

Es gibt eine Tīrtha namens Kapilā-Saṃgama, berühmt in den drei Welten. Darüber, Nārada, will ich eine höchst heilige, unübertreffliche Erzählung berichten.

Wort für Wort
kapilāsaṃgamaṃ nāma tīrthaṃ trailokyaviśrutam
Kapilā-Saṃgama genannt (ist) die Tīrtha, berühmt in den drei Welten
tatra nārada vakṣyāmi kathāṃ puṇyām anuttamām
darüber, Nārada, werde ich eine heilige, unübertreffliche Erzählung berichten

kapilo nāma tattvajño munir āsīn mahāyaśāḥ / krūraś cāpi prasannaś ca tapovrataparāyaṇaḥ //

Es gab einen hochberühmten Weisen namens Kapila, kundig der Wahrheit, der zugleich streng und gütig war, ganz den Gelübden der Askese hingegeben.

Wort für Wort
kapilo nāma tattvajño munir āsīn mahāyaśāḥ
Kapila genannt war ein wahrheitskundiger, hochberühmter Weiser
krūraś cāpi prasannaś ca tapovrataparāyaṇaḥ
streng und zugleich gütig, ganz den Askese-Gelübden hingegeben

tapasyantaṃ muniśreṣṭhaṃ gautamītīram āśritam / tam āgatya mahātmānaṃ vāmadevādayo 'bruvan //

Zu diesem besten der Weisen, der am Ufer der Gautamī Askese übte, kamen Vāmadeva und andere Weise und sprachen zu dem Großmütigen:

Wort für Wort
tapasyantaṃ muniśreṣṭhaṃ gautamītīram āśritam
zu dem Askese übenden besten Weisen, der sich ans Ufer der Gautamī begeben hatte
tam āgatya mahātmānaṃ vāmadevādayo 'bruvan
zu diesem Großmütigen kamen Vāmadeva und andere und sprachen

hatvā venaṃ brahmaśāpair naṣṭadharme tv arājake / kapilaṃ siddham ācāryam ūcur munigaṇās tadā //

Nachdem Vena durch die Flüche der Brahmanen getötet worden war und, da kein König mehr da war, das Dharma zugrunde gegangen war, sprachen die Scharen der Weisen zu dem vollkommenen Meister Kapila:

Wort für Wort
hatvā venaṃ brahmaśāpair naṣṭadharme tv arājake
da Vena durch die Flüche der Brahmanen getötet und, ohne König, das Dharma zugrunde gegangen war
kapilaṃ siddham ācāryam ūcur munigaṇās tadā
sprachen die Scharen der Weisen da zu dem vollkommenen Meister Kapila

[Anm.: Der Tod Venas durch den Fluch der Brahmanen wird hier als bereits geschehen vorausgesetzt und nicht eigens erzählt.]

{munigaṇā ūcuḥ:} gate vede gate dharme kiṃ kartavyaṃ munīśvara //

Die Scharen der Weisen sprachen: Da die Veden verloren, das Dharma verloren ist, was ist zu tun, o Herr der Weisen?

Wort für Wort
gate vede gate dharme
da die Veden verloren, das Dharma verloren ist
kiṃ kartavyaṃ munīśvara
was ist zu tun, o Herr der Weisen?

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{brahmovāca:} tato 'bravīn munir dhyātvā kapilas tv āgatān munīn //

Brahmā sprach: Da sann der Weise Kapila nach und sprach zu den herbeigekommenen Weisen:

Wort für Wort
tato 'bravīn munir dhyātvā
da sprach der Weise, nachdem er nachgesonnen hatte
kapilas tv āgatān munīn
Kapila zu den herbeigekommenen Weisen

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{kapila uvāca:} venasyorur vimathyo 'bhūt tataḥ kaścid bhaviṣyati //

Kapila sprach: Venas Schenkel soll gequirlt werden, daraus wird jemand entstehen.

Wort für Wort
venasyorur vimathyo 'bhūt
Venas Schenkel soll gequirlt werden
tataḥ kaścid bhaviṣyati
daraus wird jemand entstehen

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

tathaiva cakrur munayo venasyoruṃ vimathya vai / tatrotpanno mahāpāpaḥ kṛṣṇo raudraparākramaḥ //

So taten die Weisen es auch und quirlten Venas Schenkel; daraus entstand ein großer Sünder, schwarz, von schrecklicher Kraft.

Wort für Wort
tathaiva cakrur munayo venasyoruṃ vimathya vai
so auch taten es die Weisen, indem sie Venas Schenkel quirlten
tatrotpanno mahāpāpaḥ kṛṣṇo raudraparākramaḥ
daraus entstand ein großer Sünder, schwarz, von schrecklicher Kraft

taṃ dṛṣṭvā munayo bhītā niṣīdasveti cābruvan / niṣādaḥ so 'bhavat tasmān niṣādāś cābhavaṃs tataḥ //

Als die Weisen ihn sahen, erschraken sie und sprachen: 'Setz dich nieder (niṣīda)!' Daraus wurde er zum Niṣāda, und von ihm stammen seither die Niṣādas.

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā munayo bhītā niṣīdasveti cābruvan
als sie ihn sahen, erschraken die Weisen und sprachen: 'Setz dich nieder!'
niṣādaḥ so 'bhavat tasmān niṣādāś cābhavaṃs tataḥ
daraus wurde er zum Niṣāda, und von ihm stammen seither die Niṣādas

[Anm.: volksetymologische Ableitung von 'Niṣāda' aus 'niṣīda' (setz dich).]

venabāhuṃ mamanthus te dakṣiṇaṃ dharmasaṃhitam / tataḥ pṛthusvaraś caiva sarvalakṣaṇalakṣitaḥ //

Sie quirlten Venas rechten, mit Dharma verbundenen Arm; daraus entstand Pṛthu, von klarer/weithin tönender Stimme, gezeichnet mit allen günstigen Merkmalen.

Wort für Wort
venabāhuṃ mamanthus te dakṣiṇaṃ dharmasaṃhitam
sie quirlten Venas rechten, mit Dharma verbundenen Arm
tataḥ pṛthusvaraś caiva sarvalakṣaṇalakṣitaḥ
daraus (entstand) Pṛthu von weithin tönender Stimme, mit allen Merkmalen gezeichnet

[Anm.: 'pṛthusvara' könnte wörtlich 'von weithin tönender Stimme' bedeuten oder bereits den Namen Pṛthu andeuten; hier als dessen Entstehungsbezeichnung wiedergegeben, da die Erzählung ihn fortan Pṛthu nennt.]

rājābhavat pṛthuḥ śrīmān brahmasāmarthyasaṃyutaḥ / tam āgatya surāḥ sarve abhinandya varāñ śubhān //

Pṛthu, der Glanzvolle, mit der Kraft Brahmas ausgestattet, wurde König. Alle Götter kamen zu ihm, beglückwünschten ihn und (gaben ihm) günstige Gaben.

Wort für Wort
rājābhavat pṛthuḥ śrīmān brahmasāmarthyasaṃyutaḥ
Pṛthu, der Glanzvolle, mit Brahmas Kraft ausgestattet, wurde König
tam āgatya surāḥ sarve abhinandya varāñ śubhān
alle Götter kamen zu ihm, beglückwünschten ihn mit günstigen Gaben

tasmai dadus tathāstrāṇi mantrāṇi guṇavanti ca / tato 'bruvan munigaṇās taṃ pṛthuṃ kapilena ca //

Sie gaben ihm Waffen und kraftvolle Mantras. Danach sprachen die Scharen der Weisen zusammen mit Kapila zu Pṛthu:

Wort für Wort
tasmai dadus tathāstrāṇi mantrāṇi guṇavanti ca
sie gaben ihm Waffen und kraftvolle Mantras
tato 'bruvan munigaṇās taṃ pṛthuṃ kapilena ca
danach sprachen die Scharen der Weisen zusammen mit Kapila zu Pṛthu

{munaya ūcuḥ:} āhāraṃ dehi jīvebhyo bhuvā grastauṣadhīr api //

Die Weisen sprachen: Gib den Lebewesen Nahrung, auch die von der Erde verschlungenen Kräuter.

Wort für Wort
āhāraṃ dehi jīvebhyo
gib Nahrung den Lebewesen
bhuvā grastauṣadhīr api
auch die von der Erde verschlungenen Kräuter

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{brahmovāca:} tataḥ sa dhanur ādāya bhuvam āha nṛpottamaḥ //

Brahmā sprach: Da ergriff der beste der Könige seinen Bogen und sprach zur Erde:

Wort für Wort
tataḥ sa dhanur ādāya
da, den Bogen ergreifend
bhuvam āha nṛpottamaḥ
sprach der beste der Könige zur Erde

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{pṛthur uvāca:} oṣadhīr dehi yā grastāḥ prajānāṃ hitakāmyayā //

Pṛthu sprach: Gib die Kräuter heraus, die du verschlungen hast, zum Wohl der Geschöpfe.

Wort für Wort
oṣadhīr dehi yā grastāḥ
gib die Kräuter heraus, die (du) verschlungen hast
prajānāṃ hitakāmyayā
aus Verlangen nach dem Wohl der Geschöpfe

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{brahmovāca:} tam uvāca mahī bhītā pṛthuṃ taṃ pṛthulocanam //

Brahmā sprach: Da sprach die erschrockene Erde zu jenem breitäugigen Pṛthu:

Wort für Wort
tam uvāca mahī bhītā
zu ihm sprach die erschrockene Erde
pṛthuṃ taṃ pṛthulocanam
zu jenem breitäugigen Pṛthu

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{mahy uvāca:} mayi jīrṇā mahauṣadhyaḥ kathaṃ dātum ahaṃ kṣamā //

Die Erde sprach: Die großen Kräuter sind in mir verwest/vergangen; wie sollte ich imstande sein, sie herzugeben?

Wort für Wort
mayi jīrṇā mahauṣadhyaḥ
in mir sind die großen Kräuter verwest/aufgezehrt
kathaṃ dātum ahaṃ kṣamā
wie wäre ich imstande, sie zu geben?

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{brahmovāca:} tataḥ sakopo nṛpatis tām āha pṛthivīṃ punaḥ //

Brahmā sprach: Da sprach der zornige König wiederum zur Erde:

Wort für Wort
tataḥ sakopo nṛpatis
da der zornige König
tām āha pṛthivīṃ punaḥ
sprach wiederum zu jener Erde

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert).]

{pṛthur uvāca:} no ced dadāsy adya tvāṃ vai hatvā dāsye mahauṣadhīḥ //

Pṛthu sprach: Wenn du sie heute nicht gibst, werde ich dich töten und (dennoch) die großen Kräuter hervorbringen.

Wort für Wort
no ced dadāsy adya
wenn du (sie) heute nicht gibst
tvāṃ vai hatvā dāsye mahauṣadhīḥ
werde ich dich töten und (dennoch) die großen Kräuter geben

[Anm.: Unvollständiger Halbvers im Original (mit * markiert); die Logik (nach ihrem Tod dennoch Kräuter zu erhalten) klärt sich erst im Folgenden durch die Kuh-Melk-Metapher.]

{bhūmir uvāca:} kathaṃ haṃsi striyaṃ rājañ jñānī bhūtvā nṛpottama / vinā mayā kathaṃ cemāḥ prajāḥ saṃdhārayiṣyasi //

Die Erde sprach: Wie kannst du, ein weiser König, eine Frau töten, o bester der Könige? Und wie willst du ohne mich diese Geschöpfe erhalten?

Wort für Wort
kathaṃ haṃsi striyaṃ rājañ jñānī bhūtvā nṛpottama
wie tötest du eine Frau, o König, obwohl du weise bist, bester der Könige?
vinā mayā kathaṃ cemāḥ prajāḥ saṃdhārayiṣyasi
wie wirst du ohne mich diese Geschöpfe erhalten?

{pṛthur uvāca:} yatropakāro 'nekānām ekanāśe bhaviṣyati / na doṣas tatra pṛthivi tapasā dhāraye prajāḥ //

Pṛthu sprach: Wo durch den Untergang eines Einzelnen der Nutzen vieler entsteht, dort ist keine Schuld, o Erde. Ich werde die Geschöpfe (auch) durch Askese erhalten.

Wort für Wort
yatropakāro 'nekānām ekanāśe bhaviṣyati
wo durch den Untergang eines Einzelnen der Nutzen vieler entsteht
na doṣas tatra pṛthivi tapasā dhāraye prajāḥ
dort ist keine Schuld, o Erde; durch Askese werde ich die Geschöpfe erhalten

na doṣam atra paśyāmi nācakṣe 'narthakaṃ vacaḥ / yasmin nipātite saukhyaṃ bahūnām upajāyate / munayas tadvadhaṃ prāhur aśvamedhaśatādhikam //

Ich sehe darin keine Schuld, ich spreche kein sinnloses Wort. Wenn durch das Fällen von jemandem das Glück vieler entsteht, so nennen die Weisen dessen Tötung höher als hundert Roßopfer.

Wort für Wort
na doṣam atra paśyāmi nācakṣe 'narthakaṃ vacaḥ
ich sehe darin keine Schuld, ich spreche kein sinnloses Wort
yasmin nipātite saukhyaṃ bahūnām upajāyate
wenn durch dessen Fällen das Glück vieler entsteht
munayas tadvadhaṃ prāhur aśvamedhaśatādhikam
nennen die Weisen dessen Tötung höher als hundert Roßopfer

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{brahmovāca:} tato devāś ca ṛṣayaḥ sāntvayitvā nṛpottamam / mahīṃ ca mātaraṃ devīm ūcuḥ suragaṇās tadā //

Brahmā sprach: Da besänftigten die Götter und Weisen den besten der Könige, und die Scharen der Götter sprachen zur Erde, der Göttin Mutter:

Wort für Wort
tato devāś ca ṛṣayaḥ sāntvayitvā nṛpottamam
da, nachdem Götter und Weise den besten der Könige besänftigt hatten
mahīṃ ca mātaraṃ devīm ūcuḥ suragaṇās tadā
sprachen die Scharen der Götter da zur Erde, der Göttin Mutter

{devā ūcuḥ:} bhūme gorūpiṇī bhūtvā payorūpā mahauṣadhīḥ / dehi tvaṃ pṛthave rājñe tataḥ prīto bhaven nṛpaḥ / prajāsaṃrakṣaṇaṃ ca syāt tataḥ kṣemaṃ bhaviṣyati //

Die Götter sprachen: O Erde, nimm die Gestalt einer Kuh an und gib dem König Pṛthu die großen Kräuter in Gestalt von Milch; dann wird der König zufrieden sein, der Schutz der Geschöpfe wird gewährleistet sein, und Wohlergehen wird entstehen.

Wort für Wort
bhūme gorūpiṇī bhūtvā payorūpā mahauṣadhīḥ
o Erde, indem du die Gestalt einer Kuh annimmst, die großen Kräuter in Gestalt von Milch
dehi tvaṃ pṛthave rājñe tataḥ prīto bhaven nṛpaḥ
gib sie dem König Pṛthu; dann wird der König zufrieden sein
prajāsaṃrakṣaṇaṃ ca syāt tataḥ kṣemaṃ bhaviṣyati
und der Schutz der Geschöpfe wird sein, dann wird Wohlergehen entstehen

[Anm.: Dreizeiliger Vers im Original.]

{brahmovāca:} tato gorūpam āsthāya bhūmy āsīt kapilāntike / dudoha ca mahauṣadhyo rājā venakarodbhavaḥ //

Brahmā sprach: Da nahm die Erde die Gestalt einer Kuh an und stand nahe bei Kapila; und der König, der aus Venas Arm entstanden war, molk die großen Kräuter aus ihr.

Wort für Wort
tato gorūpam āsthāya bhūmy āsīt kapilāntike
da, die Gestalt einer Kuh annehmend, stand die Erde nahe bei Kapila
dudoha ca mahauṣadhyo rājā venakarodbhavaḥ
und der König, aus Venas Arm entstanden, molk die großen Kräuter

yatra devāḥ sagandharvā ṛṣayaḥ kapilo muniḥ / mahīṃ gorūpam āpannāṃ narmadāyāṃ mahāmune //

Dort, wo die Götter mit den Gandharvas, die Weisen und der Weise Kapila waren, molk man an der Narmadā die Erde, die die Gestalt einer Kuh angenommen hatte, o großer Weiser,

Wort für Wort
yatra devāḥ sagandharvā ṛṣayaḥ kapilo muniḥ
wo die Götter mit den Gandharvas, die Weisen (und) der Weise Kapila waren
mahīṃ gorūpam āpannāṃ narmadāyāṃ mahāmune
(dort molk man) die Erde, die Kuhgestalt angenommen hatte, an der Narmadā, o großer Weiser

[Anm.: Der Satz setzt sich über V.26-27 fort ('duduhe' in V.27 ist das Verb zu diesem Satz).]

sarasvatyāṃ bhāgīrathyāṃ godāvaryāṃ viśeṣataḥ / mahānadīṣu sarvāsu duduhe 'sau payo mahat //

an der Sarasvatī, der Bhāgīrathī, besonders an der Godāvarī, und an allen großen Flüssen molk man von ihr die große Milch.

Wort für Wort
sarasvatyāṃ bhāgīrathyāṃ godāvaryāṃ viśeṣataḥ
an der Sarasvatī, der Bhāgīrathī, besonders an der Godāvarī
mahānadīṣu sarvāsu duduhe 'sau payo mahat
an allen großen Flüssen molk man von ihr die große Milch

sā duhyamānā pṛthunā puṇyatoyābhavan nadī / gautamyā saṃgatā cābhūt tad adbhutam ivābhavat //

Diese (Erde/Milch), von Pṛthu gemolken, wurde (an der Godāvarī) zu einem Fluss mit heiligem Wasser und vereinigte sich mit der Gautamī; das war gleichsam ein Wunder.

Wort für Wort
sā duhyamānā pṛthunā puṇyatoyābhavan nadī
diese, von Pṛthu gemolken, wurde zu einem Fluss mit heiligem Wasser
gautamyā saṃgatā cābhūt tad adbhutam ivābhavat
und vereinigte sich mit der Gautamī; das war gleichsam ein Wunder

[Anm.: Bezug von 'sā' nicht ganz eindeutig - ob auf die Kuh/Erde selbst oder auf die beim Melken freigesetzte Flüssigkeit, die zum Fluss wird; sinngemäß übersetzt, im Zusammenhang mit der Ätiologie des Kapilā-Saṃgama-Tīrtha an der Godāvarī.]

tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ kapilāsaṃgamaṃ viduḥ / tatrāṣṭāśītiḥ pūjyāni sahasrāṇi mahāmate //

Seitdem kennt man diese Tīrtha als Kapilā-Saṃgama; dort gibt es, o Hochgesinnter, achtundachtzigtausend verehrungswürdige (Tīrthas).

Wort für Wort
tataḥ prabhṛti tat tīrthaṃ kapilāsaṃgamaṃ viduḥ
seitdem kennt man diese Tīrtha als Kapilā-Saṃgama
tatrāṣṭāśītiḥ pūjyāni sahasrāṇi mahāmate
dort gibt es, o Hochgesinnter, achtundachtzigtausend verehrungswürdige (Tīrthas)

tīrthāny āhur munigaṇāḥ smaraṇād api nārada / pāvanāni jagaty asmiṃs tāni sarvāṇy anukramāt //

Die Scharen der Weisen sagen, dass diese Tīrthas, o Nārada, schon durch bloßes Gedenken läuternd sind in dieser Welt, allesamt der Reihe nach.

Wort für Wort
tīrthāny āhur munigaṇāḥ smaraṇād api nārada
die Scharen der Weisen sagen, dass diese Tīrthas, o Nārada, schon durch Gedenken (wirken)
pāvanāni jagaty asmiṃs tāni sarvāṇy anukramāt
sie alle sind läuternd in dieser Welt, der Reihe nach

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks