Kapitel 84: paiśācatīrthamāhātmyavarṇanam
Die Größe des Paiśāca-Tīrtha (Hanumāns Geburt)
Am Berg Añjana bei Brahmagiri leben zwei durch Fluch aus dem Himmel gefallene Apsaras, Añjanā (mit Affenkopf) und Adrikā (mit Katzenkopf), beide Gattinnen Kesarīs. Agastya gewährt ihnen auf ihre Bitte je einen starken, den Welten nützlichen Sohn. Vāyu (der Wind) und Nirṛti, von den beiden Frauen bezaubert, zeugen mit ihnen Hanumān (mit Añjanā) und Adri, den Piśāca-Fürsten (mit Adrikā). Die entstellte Gestalt der Mütter – Folge eines Fluches Indras – kann laut Vāyu und Nirṛti nur durch Baden und Geben an der Gautamī aufgehoben werden. Die beiden Söhne bringen daraufhin wechselseitig die Mutter des anderen zum Baden an die Gautamī. Seitdem heißt die Pilgerstätte sowohl 'Paiśāca' als auch 'Āñjana'; weitere, nur knapp beschriebene Orte in der Nähe (Mārjāra, der 'Schaum-Zusammenfluss' Phenāsaṃgama) werden mit Hanumān in Verbindung gebracht.
{Brahmā sprach:} Ein weiteres Tīrtha, das Paiśāca, von den Brahma-Kundigen verehrt – seine Beschaffenheit will ich verkünden, am südlichen Ufer der Gautamī.
Wort für Wort
paiśācam tīrtham aparam pūjitam brahmavādibhiḥ
ein weiteres Tīrtha, das Paiśāca, von den Brahma-Kundigen verehrt
tasya svarūpam vakṣyāmi gautamyāḥ dakṣiṇe taṭe
seine Beschaffenheit will ich verkünden, am südlichen Ufer der Gautamī
An der Seite des Brahmagiri liegt ein Berg namens Añjana, o Nārada; auf jenem Berg lebte, o bester der Weisen, eine durch einen Fluch gefallene treffliche Apsaras,
Wort für Wort
giriḥ brahmagireḥ pārśve añjanaḥ nāma nārada
an der Seite des Brahmagiri liegt ein Berg namens Añjana, o Nārada
tasmin śaile munivara śāpa-bhraṣṭā vara-apsarā
auf jenem Berg lebte, o bester der Weisen, eine durch Fluch gefallene treffliche Apsaras
Wiederum sprachen die beiden: 'Geboren sind unsere Söhne durch die Gnade des Weisen; doch unserer beider Gestalt ist entstellt, durch den Kopf verunstaltet,'
Wort für Wort
punaḥ te āhatuḥ ubhe putrau jātau muneḥ varāt
wiederum sprachen die beiden: geboren sind unsere Söhne durch die Gnade des Weisen
āvayoḥ vikṛtam rūpam uttama-aṅgena dūṣitam
doch unserer beider Gestalt ist entstellt, durch den Kopf verunstaltet
Ebenso holte Hanumān eilends die Gaṅgā herbei und brachte Adri(kā), die in Katzengestalt (befindliche Mutter des Bruders), zum Ufer der Gautamī.
Wort für Wort
tathā eva hanumān gaṅgām ādāya adrim atitvaran
ebenso holte Hanumān eilends die Gaṅgā herbei und führte Adri(kā)
mārjāra-rūpiṇīm nītvā gautamyāḥ tīram āptavān
die in Katzengestalt Befindliche führend, erreichte er das Ufer der Gautamī
[Anm.: 'adrim' steht grammatisch maskulin (wie der Sohn Adri), doch das begleitende 'mārjārarūpiṇīm' ist feminin und passt zur katzenköpfigen Mutter Adrikā; vermutlich ist hier – parallel zu V16, wo Adri seinem Bruder zuliebe dessen Mutter Añjanā badet – Hanumān gemeint, der umgekehrt Adris Mutter Adrikā zur Gautamī bringt.]
(dorthin,) wo der 'Schaum-Zusammenfluss' (Phenāsaṃgama) genannt wird, verheißungsvoll und alle Wünsche gewährend; seine Beschaffenheit und sein günstiges Gedeihen wird eben dort verkündet.
Wort für Wort
phena-saṃgamam ākhyātam sarva-kāma-pradam śubham
der 'Schaum-Zusammenfluss' genannt, verheißungsvoll und alle Wünsche gewährend
tasya svarūpam vyuṣṭiḥ ca tatra eva procyate śubhā
seine Beschaffenheit und sein günstiges Gedeihen wird eben dort verkündet
[Anm.: 'vyuṣṭi' ist lexikalisch unsicher (u.a. 'Morgendämmerung', 'Gedeihen/Erfolg'); der Gesamtsinn von V19-20 bleibt unsicher.]