Quellen der Menschheit

Brahma-Purāṇa

Kapitel 225: dānahiṃsādikarmaphalavarṇanam (umāmaheśvarasaṃvādaḥ) Die Darlegung der Früchte von Spende, Gewalt und anderen Taten (Fortsetzung des Dialogs von Umā und Maheśvara)

Umā fragt weiter, welcher Wandel, welche Taten und welche Art von Spende zum Himmel führen. Maheśvara antwortet zunächst mit einer ausführlichen Schilderung der Freigebigen, die zum Himmel und dann in reiche Familien wiedergeboren werden (V.2-9), im Gegensatz zu den Geizigen und Hochmütigen, die zur Hölle und dann in mittellose bzw. verachtete Familien geraten (V.10-23), sowie den Demütigen und Gastfreundlichen, die ebenfalls zum Himmel gelangen (V.24-30). Ein zweiter Abschnitt (V.31-41) behandelt Gewalttätigkeit gegenüber Lebewesen als Höllenursache und Gewaltlosigkeit als Himmelsursache. Ein dritter Frageblock (V.42-52) behandelt die Ursachen von Weisheit/Dummheit sowie von Blindheit, Krankheit und Unmännlichkeit (Klībatva) als Folgen bestimmter sexueller Verfehlungen. Ein vierter Block (V.53-56) behandelt tadelhafte und tadellose Taten allgemein, ein fünfter (V.57-63) die Ursachen für Gelübdetreue, Gelübdebruch (Brahmarākṣasa-Werdung) und bloß äußerliches Opferwesen. Das Kapitel schließt mit Maheśvaras zusammenfassender Erklärung, den 'Ozean des Dharmas' hinsichtlich Gut und Böse dargelegt zu haben.

{umovāca:} kiṃśīlaḥ kiṃsamācāraḥ puruṣaḥ kaiś ca karmabhiḥ / svargaṃ samabhipadyeta saṃpradānena kena vā //

Umā sprach: Von welcher Sittlichkeit, von welchem Wandel und durch welche Taten gelangt ein Mensch zum Himmel, und wodurch, durch welche Art von Spende?

Wort für Wort
{umovāca:} kiṃśīlaḥ kiṃsamācāraḥ puruṣaḥ kaiś ca karmabhiḥ /
Umā sprach: Von welcher Sittlichkeit, von welchem Wandel und durch welche Taten,
svargaṃ samabhipadyeta saṃpradānena kena vā //
gelangt ein Mensch zum Himmel, und wodurch, durch welche Art von Spende?

Fortsetzung der Frage Umās aus Kap.224, hier mit neuem Adhyāya-Zählwerk als BrP_225.1 markiert.

{maheśvara uvāca:} dātā brāhmaṇasatkartā dīnārtakṛpaṇādiṣu / bhakṣabhojyānnapānānāṃ vāsasāṃ ca mahāmatiḥ //

Maheśvara sprach: Wer ein Geber ist, ein Ehrer der Brahmanen, hochgesinnt gegenüber Elenden, Leidenden und Bedürftigen, wer Speisen zum Kauen und zum Essen, Reis, Getränke und Kleider spendet,

Wort für Wort
{maheśvara uvāca:} dātā brāhmaṇasatkartā dīnārtakṛpaṇādiṣu /
Maheśvara sprach: Wer ein Geber ist, ein Ehrer der Brahmanen, hochgesinnt gegenüber Elenden, Leidenden und Bedürftigen,
bhakṣabhojyānnapānānāṃ vāsasāṃ ca mahāmatiḥ //
wer Speisen zum Kauen und zum Essen, Reis, Getränke und Kleider spendet,

pratiśrayān sabhāḥ kuryāt prapāḥ puṣkariṇīs tathā / nityakādīni karmāṇi karoti prayataḥ śuciḥ //

wer Herbergen, Versammlungshallen, Trinkwasserstellen und Lotusteiche errichtet, wer rein und eifrig die täglichen Pflichten und andere Werke verrichtet,

Wort für Wort
pratiśrayān sabhāḥ kuryāt prapāḥ puṣkariṇīs tathā /
wer Herbergen, Versammlungshallen, Trinkwasserstellen und Lotusteiche errichtet,
nityakādīni karmāṇi karoti prayataḥ śuciḥ //
wer rein und eifrig die täglichen Pflichten und andere Werke verrichtet,

āsanaṃ śayanaṃ yānaṃ gṛhaṃ ratnaṃ dhanaṃ tathā / sasyajātāni sarvāṇi sakṣetrāṇy atha yoṣitaḥ //

Sitz, Lager, Fahrzeug, Haus, Juwel und Reichtum, alle Arten von Getreide samt den Feldern und Frauen (als Gabe für die Ehe) —

Wort für Wort
āsanaṃ śayanaṃ yānaṃ gṛhaṃ ratnaṃ dhanaṃ tathā /
Sitz, Lager, Fahrzeug, Haus, Juwel und Reichtum,
sasyajātāni sarvāṇi sakṣetrāṇy atha yoṣitaḥ //
alle Arten von Getreide samt den Feldern und Frauen —

supraśāntamanā nityaṃ yaḥ prayacchati mānavaḥ / evaṃbhūto naro devi devaloke 'bhijāyate //

welcher Mensch, stets von ruhigem Sinn, dies alles hingibt — ein solcher Mensch, o Göttin, wird in der Götterwelt wiedergeboren.

Wort für Wort
supraśāntamanā nityaṃ yaḥ prayacchati mānavaḥ /
welcher Mensch, stets von ruhigem Sinn, dies alles hingibt —
evaṃbhūto naro devi devaloke 'bhijāyate //
ein solcher Mensch, o Göttin, wird in der Götterwelt wiedergeboren.

tatroṣya suciraṃ kālaṃ bhuktvā bhogān anuttamān / sahāpsarobhir mudito ramitvā nandanādiṣu //

Dort weilt er sehr lange Zeit, genießt unübertreffliche Genüsse, erfreut sich mit den Apsaras und ergötzt sich in Nandana und ähnlichen Himmelsgärten.

Wort für Wort
tatroṣya suciraṃ kālaṃ bhuktvā bhogān anuttamān /
Dort weilt er sehr lange Zeit und genießt unübertreffliche Genüsse,
sahāpsarobhir mudito ramitvā nandanādiṣu //
erfreut sich mit den Apsaras und ergötzt sich in Nandana und ähnlichen Gärten.

tasmāc cyuto maheśāni mānuṣeṣūpajāyate / mahābhāgakule devi dhanadhānyasamācite //

Von dort gefallen, o große Herrin, wird er unter den Menschen wiedergeboren, o Göttin, in einer hochglückhaften Familie, reich an Gut und Korn.

Wort für Wort
tasmāc cyuto maheśāni mānuṣeṣūpajāyate /
Von dort gefallen, o große Herrin, wird er unter den Menschen wiedergeboren,
mahābhāgakule devi dhanadhānyasamācite //
o Göttin, in einer hochglückhaften Familie, reich an Gut und Korn.

tatra kāmaguṇaiḥ sarvaiḥ samupeto mudānvitaḥ / mahākāryo mahābhogo dhanī bhavati mānavaḥ //

Dort, mit allen Sinnesgenüssen ausgestattet und voller Freude, wird der Mensch ein Mann großer Werke, großen Genusses und reich.

Wort für Wort
tatra kāmaguṇaiḥ sarvaiḥ samupeto mudānvitaḥ /
Dort, mit allen Sinnesgenüssen ausgestattet und voller Freude,
mahākāryo mahābhogo dhanī bhavati mānavaḥ //
wird der Mensch ein Mann großer Werke, großen Genusses und reich.

ete devi mahābhāgāḥ prāṇino dānaśālinaḥ / brahmaṇā vai purā proktāḥ sarvasya priyadarśanāḥ //

Diese hochglückhaften, freigebigen Lebewesen, o Göttin, wurden einst von Brahmā so verkündet — allen ein lieber Anblick.

Wort für Wort
ete devi mahābhāgāḥ prāṇino dānaśālinaḥ /
Diese hochglückhaften, freigebigen Lebewesen, o Göttin,
brahmaṇā vai purā proktāḥ sarvasya priyadarśanāḥ //
wurden einst von Brahmā so verkündet — allen ein lieber Anblick.

apare mānavā devi pradānakṛpaṇā dvijāḥ / ye 'nnāni na prayacchanti vidyamāne 'py abuddhayaḥ //

Andere Menschen aber, o Göttin, geizige Zweifachgeborene, die trotz Vorhandensein von Mitteln unklug keine Speisen hingeben,

Wort für Wort
apare mānavā devi pradānakṛpaṇā dvijāḥ /
Andere Menschen aber, o Göttin, geizige Zweifachgeborene,
ye 'nnāni na prayacchanti vidyamāne 'py abuddhayaḥ //
die trotz Vorhandensein von Mitteln unklug keine Speisen hingeben,

dīnāndhakṛpaṇān dṛṣṭvā bhikṣukān atithīn api / yācyamānā nivartante jihvālobhasamanvitāḥ //

die, wenn sie Elende, Blinde, Bedürftige, Bettler und auch Gäste sehen und um Gabe gebeten werden, sich abwenden, von Gier nach dem eigenen Genuss erfüllt,

Wort für Wort
dīnāndhakṛpaṇān dṛṣṭvā bhikṣukān atithīn api /
die, wenn sie Elende, Blinde, Bedürftige, Bettler und auch Gäste sehen,
yācyamānā nivartante jihvālobhasamanvitāḥ //
sich beim Bitten abwenden, von Gier nach dem eigenen Genuss erfüllt,

na dhanāni na vāsāṃsi na bhogān na ca kāñcanam / na gāś ca nānnavikṛtiṃ prayacchanti kadācana //

die niemals Reichtümer, Kleider, Genussmittel noch Gold, noch Kühe noch zubereitete Speisen hingeben,

Wort für Wort
na dhanāni na vāsāṃsi na bhogān na ca kāñcanam /
die niemals Reichtümer, Kleider, Genussmittel noch Gold,
na gāś ca nānnavikṛtiṃ prayacchanti kadācana //
noch Kühe noch zubereitete Speisen hingeben,

apralubdhāś ca ye lubdhā nāstikā dānavarjitaḥ / evaṃbhūtā narā devi nirayaṃ yānty abuddhayaḥ //

die überaus geizigen, gottlosen, freigebigkeitslosen Menschen solcher Art, o Göttin, unklug, gehen zur Hölle.

Wort für Wort
apralubdhāś ca ye lubdhā nāstikā dānavarjitaḥ /
Die überaus geizigen, gottlosen, freigebigkeitslosen Menschen [?],
evaṃbhūtā narā devi nirayaṃ yānty abuddhayaḥ //
solcher Art, o Göttin, gehen unklug zur Hölle.

[Anm.] 'apralubdhāś ca ye lubdhā' ist wörtlich widersprüchlich ('die Nicht-Gierigen, die gierig sind'); sinngemäß als Steigerung ('die überaus Gierigen') übersetzt.

te vai manuṣyatāṃ yānti yadā kālasya paryayāt / dhanarikte kule janma labhante svalpabuddhayaḥ //

Wenn sie, sobald die Zeit sich wendet, zur Menschheit zurückkehren, erlangen sie, von geringem Verstand, Geburt in einer mittellosen Familie.

Wort für Wort
te vai manuṣyatāṃ yānti yadā kālasya paryayāt /
Wenn sie, sobald die Zeit sich wendet, zur Menschheit zurückkehren,
dhanarikte kule janma labhante svalpabuddhayaḥ //
erlangen sie, von geringem Verstand, Geburt in einer mittellosen Familie.

kṣutpipāsāparītāś ca sarvalokabahiṣkṛtāḥ / nirāśāḥ sarvabhogebhyo jīvanty adharmajīvikāḥ //

Von Hunger und Durst geplagt, von aller Welt ausgestoßen, aller Genüsse beraubt, fristen sie ein Leben nach unrechtem Broterwerb.

Wort für Wort
kṣutpipāsāparītāś ca sarvalokabahiṣkṛtāḥ /
Von Hunger und Durst geplagt, von aller Welt ausgestoßen,
nirāśāḥ sarvabhogebhyo jīvanty adharmajīvikāḥ //
aller Genüsse beraubt, fristen sie ein Leben nach unrechtem Broterwerb.

alpabhogakule jātā alpabhogaratā narāḥ / anena karmaṇā devi bhavanty adhanino narāḥ //

In einer genussarmen Familie geboren, an geringen Genüssen erfreut, werden die Menschen durch diese Tat, o Göttin, mittellos.

Wort für Wort
alpabhogakule jātā alpabhogaratā narāḥ /
In einer genussarmen Familie geboren, an geringen Genüssen erfreut,
anena karmaṇā devi bhavanty adhanino narāḥ //
werden die Menschen durch diese Tat, o Göttin, mittellos.

apare dambhino nityaṃ māninaḥ parato ratāḥ / āsanārhasya ye pīṭhaṃ na yacchanty alpacetasaḥ //

Andere, stets heuchlerisch und hochmütig, an Überheblichkeit gegen andere erfreut, die einem Sitzwürdigen nicht den Ehrensitz geben, von geringem Sinn,

Wort für Wort
apare dambhino nityaṃ māninaḥ parato ratāḥ /
Andere, stets heuchlerisch und hochmütig, an Überheblichkeit gegen andere erfreut,
āsanārhasya ye pīṭhaṃ na yacchanty alpacetasaḥ //
die einem Sitzwürdigen nicht den Ehrensitz geben, von geringem Sinn,

mārgārhasya ca ye mārgaṃ na prayacchanty abuddhayaḥ / arghārhān na ca saṃskārair arcayanti yathāvidhi //

die einem Wegwürdigen nicht den Weg freimachen, unklug, und die Ehrwürdigen nicht mit den vorschriftsgemäßen Ehrenriten verehren,

Wort für Wort
mārgārhasya ca ye mārgaṃ na prayacchanty abuddhayaḥ /
die einem Wegwürdigen nicht den Weg freimachen, unklug,
arghārhān na ca saṃskārair arcayanti yathāvidhi //
und die Ehrwürdigen nicht mit den vorschriftsgemäßen Ehrenriten verehren,

pādyam ācamanīyaṃ vā prayacchanty abhibuddhayaḥ / śubhaṃ cābhimataṃ premṇā guruṃ nābhivadanti ye //

die weder Fußwaschwasser noch Mundspülwasser darreichen, unbedacht, und die den verehrungswürdigen, geliebten Lehrer nicht liebevoll begrüßen,

Wort für Wort
pādyam ācamanīyaṃ vā prayacchanty abhibuddhayaḥ /
die weder Fußwaschwasser noch Mundspülwasser darreichen, unbedacht [?],
śubhaṃ cābhimataṃ premṇā guruṃ nābhivadanti ye //
und die den verehrungswürdigen, geliebten Lehrer nicht liebevoll begrüßen,

[Anm.] 'abhibuddhayaḥ' hier im Sinne von 'unbedacht/hochmütig' verstanden, im Kontext der umgebenden Verse mit 'abuddhayaḥ'.

abhimānapravṛddhena lobhena samam āsthitāḥ / saṃmānyāṃś cāvamanyante vṛddhān paribhavanti ca //

die, von wachsendem Dünkel und Gier erfüllt, Ehrwürdige verachten und Alte herabsetzen —

Wort für Wort
abhimānapravṛddhena lobhena samam āsthitāḥ /
die, von wachsendem Dünkel und Gier erfüllt,
saṃmānyāṃś cāvamanyante vṛddhān paribhavanti ca //
Ehrwürdige verachten und Alte herabsetzen —

evaṃvidhā narā devi sarve nirayagāminaḥ / te ced yadi narās tasmān nirayād uttaranti ca //

solche Menschen, o Göttin, gehen alle zur Hölle. Wenn diese Menschen aus jener Hölle wieder emporsteigen,

Wort für Wort
evaṃvidhā narā devi sarve nirayagāminaḥ /
solche Menschen, o Göttin, gehen alle zur Hölle.
te ced yadi narās tasmān nirayād uttaranti ca //
Wenn diese Menschen aus jener Hölle wieder emporsteigen,

varṣapūgais tato janma labhante kutsite kule / śvapākapulkasādīnāṃ kutsitānām acetasām //

erlangen sie nach vielen Jahren Geburt in einer verachteten Familie, unter den Verachteten und Unverständigen wie Hundekochern (Śvapāka) und Pulkasa.

Wort für Wort
varṣapūgais tato janma labhante kutsite kule /
erlangen sie nach vielen Jahren Geburt in einer verachteten Familie,
śvapākapulkasādīnāṃ kutsitānām acetasām //
unter den Verachteten und Unverständigen wie Hundekochern (Śvapāka) und Pulkasa.

kuleṣu te 'bhijāyante guruvṛddhopatāpinaḥ / na dambhī na ca mānī yo devatātithipūjakaḥ //

Sie, die Lehrer und Alte quälten, werden in solchen Familien geboren. — Wer aber nicht heuchlerisch und nicht hochmütig ist, wer Götter und Gäste verehrt,

Wort für Wort
kuleṣu te 'bhijāyante guruvṛddhopatāpinaḥ /
Sie, die Lehrer und Alte quälten, werden in solchen Familien geboren.
na dambhī na ca mānī yo devatātithipūjakaḥ //
— Wer aber nicht heuchlerisch und nicht hochmütig ist, wer Götter und Gäste verehrt,

[Anm.] Der Vers wechselt hier von der Schilderung der Übeltäter zur positiven Gegenfigur, die in den folgenden Versen fortgeführt wird; sinngemäß übersetzt.

lokapūjyo namaskartā prasūto madhuraṃ vacaḥ / sarvakarmapriyakaraḥ sarvabhūtapriyaḥ sadā //

von der Welt verehrt, ehrerbietig, süße Worte hervorbringend, bei allem Tun freundlich, allen Wesen stets lieb,

Wort für Wort
lokapūjyo namaskartā prasūto madhuraṃ vacaḥ /
von der Welt verehrt, ehrerbietig, süße Worte hervorbringend,
sarvakarmapriyakaraḥ sarvabhūtapriyaḥ sadā //
bei allem Tun freundlich, allen Wesen stets lieb,

adveṣī sumukhaḥ ślakṣṇaḥ snigdhavāṇīpradaḥ sadā / svāgatenaiva sarveṣāṃ bhūtānām avihiṃsakaḥ //

frei von Hass, freundlichen Antlitzes, sanft, stets liebevolle Worte spendend, alle Wesen schon durch den Gruß 'Willkommen' nicht verletzend,

Wort für Wort
adveṣī sumukhaḥ ślakṣṇaḥ snigdhavāṇīpradaḥ sadā /
frei von Hass, freundlichen Antlitzes, sanft, stets liebevolle Worte spendend,
svāgatenaiva sarveṣāṃ bhūtānām avihiṃsakaḥ //
alle Wesen schon durch den Gruß 'Willkommen' nicht verletzend,

yathārthaṃ satkriyāpūrvam arcayann avatiṣṭhate / mārgārhāya dadan mārgaṃ gurum abhyarcayan sadā //

der wahrheitsgemäß, mit guten Handlungen vorangehend, verehrend dasteht, der dem Wegwürdigen den Weg freigibt, den Lehrer stets verehrend,

Wort für Wort
yathārthaṃ satkriyāpūrvam arcayann avatiṣṭhate /
der wahrheitsgemäß, mit guten Handlungen vorangehend, verehrend dasteht,
mārgārhāya dadan mārgaṃ gurum abhyarcayan sadā //
der dem Wegwürdigen den Weg freigibt, den Lehrer stets verehrend,

atithipragraharatas tathābhyāgatapūjakaḥ / evaṃbhūto naro devi svargatiṃ pratipadyate //

der sich an der Aufnahme von Gästen erfreut und Ankömmlinge ehrt — ein solcher Mensch, o Göttin, gelangt zum Himmel.

Wort für Wort
atithipragraharatas tathābhyāgatapūjakaḥ /
der sich an der Aufnahme von Gästen erfreut und Ankömmlinge ehrt —
evaṃbhūto naro devi svargatiṃ pratipadyate //
ein solcher Mensch, o Göttin, gelangt zum Himmel.

tato mānuṣyam āsādya viśiṣṭakulajo bhavet / tatrāsau vipulair bhogaiḥ sarvaratnasamāyutaḥ //

Von dort zur Menschheit zurückgekehrt, wird er in einer ausgezeichneten Familie geboren; dort ist er mit reichlichen Genüssen und allen Juwelen ausgestattet.

Wort für Wort
tato mānuṣyam āsādya viśiṣṭakulajo bhavet /
Von dort zur Menschheit zurückgekehrt, wird er in einer ausgezeichneten Familie geboren;
tatrāsau vipulair bhogaiḥ sarvaratnasamāyutaḥ //
dort ist er mit reichlichen Genüssen und allen Juwelen ausgestattet.

yathārhadātā cārheṣu dharmacaryāparo bhavet / saṃmataḥ sarvabhūtānāṃ sarvalokanamaskṛtaḥ //

Er gibt den Würdigen angemessen, ist der Dharma-Übung hingegeben, von allen Wesen geachtet und von aller Welt verehrt.

Wort für Wort
yathārhadātā cārheṣu dharmacaryāparo bhavet /
Er gibt den Würdigen angemessen, ist der Dharma-Übung hingegeben,
saṃmataḥ sarvabhūtānāṃ sarvalokanamaskṛtaḥ //
von allen Wesen geachtet und von aller Welt verehrt.

svakarmaphalam āpnoti svayam eva naraḥ sadā / eṣa dharmo mayā prokto vidhātrā svayam īritaḥ //

Stets erlangt der Mensch selbst die Frucht seiner eigenen Tat. Dies ist der Dharma, den ich verkündet habe — vom Schöpfer selbst geäußert.

Wort für Wort
svakarmaphalam āpnoti svayam eva naraḥ sadā /
Stets erlangt der Mensch selbst die Frucht seiner eigenen Tat.
eṣa dharmo mayā prokto vidhātrā svayam īritaḥ //
Dies ist der Dharma, den ich verkündet habe — vom Schöpfer selbst geäußert.

yas tu raudrasamācāraḥ sarvasattvabhayaṃkaraḥ / hastābhyāṃ yadi vā padbhyāṃ rajjvā daṇḍena vā punaḥ //

Wer aber von grausamem Wandel ist, allen Wesen Furcht einflößend, sei es mit den Händen oder Füßen, mit Strick oder Stock,

Wort für Wort
yas tu raudrasamācāraḥ sarvasattvabhayaṃkaraḥ /
Wer aber von grausamem Wandel ist, allen Wesen Furcht einflößend,
hastābhyāṃ yadi vā padbhyāṃ rajjvā daṇḍena vā punaḥ //
sei es mit den Händen oder Füßen, mit Strick oder Stock,

loṣṭaiḥ stambhair upāyair vā jantūn bādheta śobhane / hiṃsārthaṃ niṣkṛtiprajñaḥ prodvejayati caiva hi //

mit Erdklumpen, Pfählen oder anderen Mitteln Geschöpfe quält, o Schöne, und, auf Verletzung bedacht, sie in Schrecken versetzt,

Wort für Wort
loṣṭaiḥ stambhair upāyair vā jantūn bādheta śobhane /
mit Erdklumpen, Pfählen oder anderen Mitteln Geschöpfe quält, o Schöne,
hiṃsārthaṃ niṣkṛtiprajñaḥ prodvejayati caiva hi //
und, auf Verletzung bedacht [?], sie in Schrecken versetzt,

[Anm.] 'niṣkṛtiprajñaḥ' textlich unsicher; sinngemäß als 'auf Schädigung bedacht' übersetzt.

upakrāmati jantūṃś ca udvegajananaḥ sadā / evaṃ śīlasamācāro nirayaṃ pratipadyate //

und Geschöpfe angreift, stets Schrecken erregend — wer solchen Wandel der Sitte hat, gelangt zur Hölle.

Wort für Wort
upakrāmati jantūṃś ca udvegajananaḥ sadā /
und Geschöpfe angreift, stets Schrecken erregend —
evaṃ śīlasamācāro nirayaṃ pratipadyate //
wer solchen Wandel der Sitte hat, gelangt zur Hölle.

sa cen manuṣyatāṃ gacched yadi kālasya paryayāt / bahvābādhāparikliṣṭe kule jayati so 'dhame //

Kehrt er, sobald die Zeit sich wendet, zur Menschheit zurück, so wird dieser Niedrige in einer von vielen Plagen gequälten Familie geboren.

Wort für Wort
sa cen manuṣyatāṃ gacched yadi kālasya paryayāt /
Kehrt er, sobald die Zeit sich wendet, zur Menschheit zurück,
bahvābādhāparikliṣṭe kule jayati so 'dhame //
so wird dieser Niedrige in einer von vielen Plagen gequälten Familie geboren.

lokadviṣṭo 'dhamaḥ puṃsāṃ svayaṃ karmakṛtaiḥ phalaiḥ / eṣa devi manuṣyeṣu boddhavyo jñātibandhuṣu //

Von der Welt gehasst, der Niedrigste der Menschen, durch die selbstgeschaffenen Früchte seiner Tat — dies ist, o Göttin, unter den Menschen, unter Verwandten und Freunden, zu erkennen.

Wort für Wort
lokadviṣṭo 'dhamaḥ puṃsāṃ svayaṃ karmakṛtaiḥ phalaiḥ /
Von der Welt gehasst, der Niedrigste der Menschen, durch die selbstgeschaffenen Früchte seiner Tat —
eṣa devi manuṣyeṣu boddhavyo jñātibandhuṣu //
dies ist, o Göttin, unter den Menschen, unter Verwandten und Freunden, zu erkennen.

aparaḥ sarvabhūtāni dayāvān anupaśyati / maitrī dṛṣṭiḥ pitṛsamo nirvairo niyatendriyaḥ //

Ein anderer aber betrachtet mitleidsvoll alle Wesen, mit freundlichem Blick, einem Vater gleich, frei von Feindschaft, mit gezügelten Sinnen.

Wort für Wort
aparaḥ sarvabhūtāni dayāvān anupaśyati /
Ein anderer aber betrachtet mitleidsvoll alle Wesen,
maitrī dṛṣṭiḥ pitṛsamo nirvairo niyatendriyaḥ //
mit freundlichem Blick, einem Vater gleich, frei von Feindschaft, mit gezügelten Sinnen.

nodvejayati bhūtāni na ca hanti dayāparaḥ / hastapādaiś ca niyatair viśvāsyaḥ sarvajantuṣu //

Er erschreckt die Wesen nicht und tötet nicht, dem Mitleid hingegeben; mit gezügelten Händen und Füßen ist er für alle Geschöpfe vertrauenswürdig.

Wort für Wort
nodvejayati bhūtāni na ca hanti dayāparaḥ /
Er erschreckt die Wesen nicht und tötet nicht, dem Mitleid hingegeben;
hastapādaiś ca niyatair viśvāsyaḥ sarvajantuṣu //
mit gezügelten Händen und Füßen ist er für alle Geschöpfe vertrauenswürdig.

na rajjvā na ca daṇḍena na loṣṭair nāyudhena ca / udvejayati bhūtāni śubhakarmā dayāparaḥ //

Weder mit Strick noch mit Stock, weder mit Erdklumpen noch mit Waffe erschreckt er die Wesen — von guter Tat, dem Mitleid hingegeben.

Wort für Wort
na rajjvā na ca daṇḍena na loṣṭair nāyudhena ca /
Weder mit Strick noch mit Stock, weder mit Erdklumpen noch mit Waffe
udvejayati bhūtāni śubhakarmā dayāparaḥ //
erschreckt er die Wesen — von guter Tat, dem Mitleid hingegeben.

evaṃ śīlasamācāraḥ svarge samupajāyate / tatrāsau bhavane divye mudā vasati devavat //

Wer solchen Wandel der Sitte hat, wird im Himmel wiedergeboren; dort wohnt er voller Freude in einer göttlichen Wohnstatt, einem Gott gleich.

Wort für Wort
evaṃ śīlasamācāraḥ svarge samupajāyate /
Wer solchen Wandel der Sitte hat, wird im Himmel wiedergeboren;
tatrāsau bhavane divye mudā vasati devavat //
dort wohnt er voller Freude in einer göttlichen Wohnstatt, einem Gott gleich.

sa cet svargakṣayān martyo manuṣyeṣūpajāyate / alpāyāso nirātaṅkaḥ sa jātaḥ sukham edhate //

Wird dieser Sterbliche, sobald der Himmel erschöpft ist, unter den Menschen wiedergeboren, so gedeiht er, geboren, mit geringer Mühsal und ohne Krankheit, im Glück.

Wort für Wort
sa cet svargakṣayān martyo manuṣyeṣūpajāyate /
Wird dieser Sterbliche, sobald der Himmel erschöpft ist, unter den Menschen wiedergeboren,
alpāyāso nirātaṅkaḥ sa jātaḥ sukham edhate //
so gedeiht er, geboren, mit geringer Mühsal und ohne Krankheit, im Glück.

sukhabhāgī nirāyāso nirudvegaḥ sadā naraḥ / eṣa devi satāṃ mārgo bādhā yatra na vidyate //

Glücksteilhaftig, mühelos, stets ohne Beunruhigung ist dieser Mensch — dies, o Göttin, ist der Weg der Guten, auf dem es kein Hindernis gibt.

Wort für Wort
sukhabhāgī nirāyāso nirudvegaḥ sadā naraḥ /
Glücksteilhaftig, mühelos, stets ohne Beunruhigung ist dieser Mensch —
eṣa devi satāṃ mārgo bādhā yatra na vidyate //
dies, o Göttin, ist der Weg der Guten, auf dem es kein Hindernis gibt.

{umovāca:} ime manuṣyā dṛśyante ūhāpohaviśāradāḥ / jñānavijñānasaṃpannāḥ prajñāvanto 'rthakovidāḥ //

Umā sprach: Man sieht Menschen, die in Erwägen und Verwerfen (im logischen Schließen) bewandert sind, mit Wissen und Erkenntnis begabt, weise und sachkundig in weltlichen Angelegenheiten,

Wort für Wort
{umovāca:} ime manuṣyā dṛśyante ūhāpohaviśāradāḥ /
Umā sprach: Man sieht Menschen, die im Erwägen und Verwerfen (im logischen Schließen) bewandert sind,
jñānavijñānasaṃpannāḥ prajñāvanto 'rthakovidāḥ //
mit Wissen und Erkenntnis begabt, weise und sachkundig in weltlichen Angelegenheiten,

duṣprajñāś cāpare deva jñānavijñānavarjitāḥ / kena karmavipākena prajñāvān puruṣo bhavet //

und andere, o Gott, von schlechtem Verstand, ohne Wissen und Erkenntnis. Durch welche Reifung welcher Tat wird ein Mensch weise?

Wort für Wort
duṣprajñāś cāpare deva jñānavijñānavarjitāḥ /
und andere, o Gott, von schlechtem Verstand, ohne Wissen und Erkenntnis.
kena karmavipākena prajñāvān puruṣo bhavet //
Durch welche Reifung welcher Tat wird ein Mensch weise?

alpaprajño virūpākṣa kathaṃ bhavati mānavaḥ / evaṃ tvaṃ saṃśayaṃ chindhi sarvadharmabhṛtāṃ vara //

Wie wird ein Mensch von geringem Verstand, o Ungleichäugiger (Virūpākṣa)? Zerschneide du so meinen Zweifel, o Bester aller Dharmaträger.

Wort für Wort
alpaprajño virūpākṣa kathaṃ bhavati mānavaḥ /
Wie wird ein Mensch von geringem Verstand, o Ungleichäugiger (Virūpākṣa)?
evaṃ tvaṃ saṃśayaṃ chindhi sarvadharmabhṛtāṃ vara //
Zerschneide du so meinen Zweifel, o Bester aller Dharmaträger.

jātyandhāś cāpare deva rogārtāś cāpare tathā / narāḥ klībāś ca dṛśyante kāraṇaṃ brūhi tatra vai //

Und andere Menschen sieht man von Geburt an blind, o Gott, andere wiederum krankheitsgeplagt, und andere unmännlich (klība) — nenne mir dafür den Grund.

Wort für Wort
jātyandhāś cāpare deva rogārtāś cāpare tathā /
Und andere Menschen sieht man von Geburt an blind, o Gott, andere wiederum krankheitsgeplagt,
narāḥ klībāś ca dṛśyante kāraṇaṃ brūhi tatra vai //
und andere unmännlich (klība) — nenne mir dafür den Grund.

{maheśvara uvāca:} brāhmaṇān vedaviduṣaḥ siddhān dharmavidas tathā / paripṛcchanty aharahaḥ kuśalākuśalaṃ sadā //

Maheśvara sprach: Die Brahmanen, die den Veda kennen, die Vollendeten und die Dharmakundigen, befragen sie Tag für Tag stets nach Gut und Böse,

Wort für Wort
{maheśvara uvāca:} brāhmaṇān vedaviduṣaḥ siddhān dharmavidas tathā /
Maheśvara sprach: Die Brahmanen, die den Veda kennen, die Vollendeten und die Dharmakundigen,
paripṛcchanty aharahaḥ kuśalākuśalaṃ sadā //
befragen sie Tag für Tag stets nach Gut und Böse,

varjayanto 'śubhaṃ karma sevamānāḥ śubhaṃ tathā / labhante svargatiṃ nityam iha loke yathāsukham //

meiden sie üble Tat und üben stattdessen gute Tat, so erlangen sie stets den Weg zum Himmel und leben in dieser Welt nach Belieben glücklich.

Wort für Wort
varjayanto 'śubhaṃ karma sevamānāḥ śubhaṃ tathā /
meiden sie üble Tat und üben stattdessen gute Tat,
labhante svargatiṃ nityam iha loke yathāsukham //
so erlangen sie stets den Weg zum Himmel und leben in dieser Welt nach Belieben glücklich.

sa cen manuṣyatāṃ yāti medhāvī tatra jāyate / śrutaṃ yajñānugaṃ yasya kalyāṇam upajāyate //

Kehrt er zur Menschheit zurück, so wird er dort klug geboren; wessen Wissen dem Opfer entspricht, dem wird Heil zuteil.

Wort für Wort
sa cen manuṣyatāṃ yāti medhāvī tatra jāyate /
Kehrt er zur Menschheit zurück, so wird er dort klug geboren;
śrutaṃ yajñānugaṃ yasya kalyāṇam upajāyate //
wessen Wissen dem Opfer entspricht, dem wird Heil zuteil.

paradāreṣu ye cāpi cakṣur duṣṭaṃ prayuñjate / tena duṣṭasvabhāvena jātyandhās te bhavanti hi //

Diejenigen aber, die auf fremde Ehefrauen einen lüsternen Blick werfen, werden eben durch diese verdorbene Wesensart von Geburt an blind.

Wort für Wort
paradāreṣu ye cāpi cakṣur duṣṭaṃ prayuñjate /
Diejenigen aber, die auf fremde Ehefrauen einen lüsternen Blick werfen,
tena duṣṭasvabhāvena jātyandhās te bhavanti hi //
werden eben durch diese verdorbene Wesensart von Geburt an blind.

manasāpi praduṣṭena nagnāṃ paśyanti ye striyam / rogārtās te bhavantīha narā duṣkṛtakāriṇaḥ //

Die, welche mit verdorbenem Geist eine nackte Frau betrachten, werden als Übeltäter hier krankheitsgeplagte Menschen.

Wort für Wort
manasāpi praduṣṭena nagnāṃ paśyanti ye striyam /
Die, welche mit verdorbenem Geist eine nackte Frau betrachten,
rogārtās te bhavantīha narā duṣkṛtakāriṇaḥ //
werden als Übeltäter hier krankheitsgeplagte Menschen.

ye tu mūḍhā durācārā viyonau maithune ratāḥ / puruṣeṣu suduṣprajñāḥ klībatvam upayānti te //

Die aber, die töricht und übel im Wandel sind, sich am Geschlechtsverkehr in einem unpassenden Schoß (widernatürlichem Verkehr) erfreuen, von sehr schlechtem Verstand, mit Männern — sie erlangen Unmännlichkeit (Klībatva).

Wort für Wort
ye tu mūḍhā durācārā viyonau maithune ratāḥ /
Die aber, die töricht und übel im Wandel sind, sich am Geschlechtsverkehr in einem unpassenden Schoß erfreuen,
puruṣeṣu suduṣprajñāḥ klībatvam upayānti te //
von sehr schlechtem Verstand, mit Männern — sie erlangen Unmännlichkeit (Klībatva).

paśūṃś ca ye vai badhnanti ye caiva gurutalpagāḥ / prakīrṇamaithunā ye ca klībā jāyanti vai narāḥ //

Und die, welche sich an Tieren vergehen, und die, welche das Bett des Lehrers (dessen Frau) besudeln, und die, welche wahllosen Geschlechtsverkehr treiben — solche Menschen werden unmännlich geboren.

Wort für Wort
paśūṃś ca ye vai badhnanti ye caiva gurutalpagāḥ /
Und die, welche sich an Tieren vergehen [?], und die, welche das Bett des Lehrers besudeln,
prakīrṇamaithunā ye ca klībā jāyanti vai narāḥ //
und die, welche wahllosen Geschlechtsverkehr treiben — solche Menschen werden unmännlich geboren.

[Anm.] 'badhnanti' hier im Kontext der umgebenden Verse als sexueller Missbrauch von Tieren (Bestialität) verstanden.

{umovāca:} avadyaṃ kiṃ tu vai karma niravadyaṃ tathaiva ca / śreyaḥ kurvann avāpnoti mānavo devasattama //

Umā sprach: Welche Tat aber ist tadelhaft, und welche ebenso tadellos, durch deren Verrichtung ein Mensch das Bessere erlangt, o Bester der Götter?

Wort für Wort
{umovāca:} avadyaṃ kiṃ tu vai karma niravadyaṃ tathaiva ca /
Umā sprach: Welche Tat aber ist tadelhaft, und welche ebenso tadellos,
śreyaḥ kurvann avāpnoti mānavo devasattama //
durch deren Verrichtung ein Mensch das Bessere erlangt, o Bester der Götter?

{maheśvara uvāca:} śreyāṃsaṃ mārgam anvicchan sadā yaḥ pṛcchati dvijān / dharmānveṣī guṇākāṅkṣī sa svargaṃ samupāśnute //

Maheśvara sprach: Wer, stets den besseren Weg suchend, die Zweifachgeborenen befragt, den Dharma erforscht und nach Tugend verlangt, der erlangt den Himmel.

Wort für Wort
{maheśvara uvāca:} śreyāṃsaṃ mārgam anvicchan sadā yaḥ pṛcchati dvijān /
Maheśvara sprach: Wer, stets den besseren Weg suchend, die Zweifachgeborenen befragt,
dharmānveṣī guṇākāṅkṣī sa svargaṃ samupāśnute //
den Dharma erforscht und nach Tugend verlangt, der erlangt den Himmel.

yadi mānuṣyatāṃ devi kadācit saṃniyacchati / medhāvī dhāraṇāyuktaḥ prājñas tatrāpi jāyate //

Kehrt er, o Göttin, irgendwann zur Menschheit zurück, so wird er auch dort klug geboren, mit gutem Gedächtnis begabt und weise.

Wort für Wort
yadi mānuṣyatāṃ devi kadācit saṃniyacchati /
Kehrt er, o Göttin, irgendwann zur Menschheit zurück,
medhāvī dhāraṇāyuktaḥ prājñas tatrāpi jāyate //
so wird er auch dort klug geboren, mit gutem Gedächtnis begabt und weise.

eṣa devi satāṃ dharmo gantavyo bhūtikārakaḥ / nṛṇāṃ hitārthāya sadā mayā caivam udāhṛtaḥ //

Dies, o Göttin, ist der zu beschreitende Dharma der Guten, der Wohlstand bewirkt; zum Wohl der Menschen habe ich ihn stets so dargelegt.

Wort für Wort
eṣa devi satāṃ dharmo gantavyo bhūtikārakaḥ /
Dies, o Göttin, ist der zu beschreitende Dharma der Guten, der Wohlstand bewirkt;
nṛṇāṃ hitārthāya sadā mayā caivam udāhṛtaḥ //
zum Wohl der Menschen habe ich ihn stets so dargelegt.

{umovāca:} apare svalpavijñānā dharmavidveṣiṇo narāḥ / brāhmaṇān vedaviduṣo necchanti parisarpitum //

Umā sprach: Andere Menschen, von geringer Erkenntnis und dem Dharma feindlich gesinnt, wollen sich den vedakundigen Brahmanen nicht nähern.

Wort für Wort
{umovāca:} apare svalpavijñānā dharmavidveṣiṇo narāḥ /
Umā sprach: Andere Menschen, von geringer Erkenntnis und dem Dharma feindlich gesinnt,
brāhmaṇān vedaviduṣo necchanti parisarpitum //
wollen sich den vedakundigen Brahmanen nicht nähern.

vratavanto narāḥ kecic chraddhādamaparāyaṇāḥ / avratā bhraṣṭaniyamās tathānye rākṣasopamāḥ //

Manche Menschen halten Gelübde, dem Glauben und der Selbstbeherrschung hingegeben; andere aber sind gelübdelos, von den Regeln abgefallen, den Rākṣasas gleich.

Wort für Wort
vratavanto narāḥ kecic chraddhādamaparāyaṇāḥ /
Manche Menschen halten Gelübde, dem Glauben und der Selbstbeherrschung hingegeben;
avratā bhraṣṭaniyamās tathānye rākṣasopamāḥ //
andere aber sind gelübdelos, von den Regeln abgefallen, den Rākṣasas gleich.

yajvānaś ca tathaivānye nirmohāś ca tathā pare / kena karmavipākena bhavantīha vadasva me //

Andere wiederum sind Opferer, und andere frei von Verblendung — durch welche Reifung welcher Tat werden sie so? Sage es mir.

Wort für Wort
yajvānaś ca tathaivānye nirmohāś ca tathā pare /
Andere wiederum sind Opferer, und andere frei von Verblendung —
kena karmavipākena bhavantīha vadasva me //
durch welche Reifung welcher Tat werden sie so? Sage es mir.

{maheśvara uvāca:} āgamālokadharmāṇāṃ maryādāḥ pūrvanirmitāḥ / pramāṇenānuvartante dṛśyante ha dṛḍhavratāḥ //

Maheśvara sprach: Diejenigen, die den von der Überlieferung, der allgemeinen Sitte und dem Dharma einst festgesetzten Grenzen gemäß der heiligen Autorität folgen, erweisen sich als fest in ihren Gelübden.

Wort für Wort
{maheśvara uvāca:} āgamālokadharmāṇāṃ maryādāḥ pūrvanirmitāḥ /
Maheśvara sprach: Diejenigen, die den von der Überlieferung, der allgemeinen Sitte und dem Dharma einst festgesetzten Grenzen,
pramāṇenānuvartante dṛśyante ha dṛḍhavratāḥ //
gemäß der heiligen Autorität folgen, erweisen sich als fest in ihren Gelübden.

adharmaṃ dharmam ity āhur ye ca mohavaśaṃ gatāḥ / avratā naṣṭamaryādās te narā brahmarākṣasāḥ //

Die aber, der Verblendung verfallen, das Unrecht Dharma nennen, gelübdelos, mit zerstörten Grenzen — diese Menschen werden zu Brahmarākṣasas (Brahmanen-Dämonen).

Wort für Wort
adharmaṃ dharmam ity āhur ye ca mohavaśaṃ gatāḥ /
Die aber, der Verblendung verfallen, das Unrecht Dharma nennen,
avratā naṣṭamaryādās te narā brahmarākṣasāḥ //
gelübdelos, mit zerstörten Grenzen — diese Menschen werden zu Brahmarākṣasas.

ye vai kālakṛtodyogāt saṃbhavantīha mānavāḥ / nirhomā nirvaṣaṭkārās te bhavanti narādhamāḥ //

Die Menschen, die hier durch bloß zeitbedingtes Bemühen entstehen, ohne Feueropfer, ohne den Vaṣaṭ-Ruf — sie werden zu den niedrigsten Menschen.

Wort für Wort
ye vai kālakṛtodyogāt saṃbhavantīha mānavāḥ /
Die Menschen, die hier durch bloß zeitbedingtes Bemühen [?] entstehen,
nirhomā nirvaṣaṭkārās te bhavanti narādhamāḥ //
ohne Feueropfer, ohne den Vaṣaṭ-Ruf — sie werden zu den niedrigsten Menschen.

[Anm.] 'kālakṛtodyogāt' textlich unsicher; sinngemäß als 'durch bloß äußerliches, zeitbedingtes Bemühen ohne inneren Antrieb' übersetzt.

eṣa devi mayā sarva- saṃśayacchedanāya te / kuśalākuśalo nṝṇāṃ vyākhyāto dharmasāgaraḥ //

Dies, o Göttin, ist von mir dir zur Zerschneidung aller Zweifel der Ozean des Dharma dargelegt worden, das Gute und Böse der Menschen betreffend.

Wort für Wort
eṣa devi mayā sarva- saṃśayacchedanāya te /
Dies, o Göttin, ist von mir dir zur Zerschneidung aller Zweifel
kuśalākuśalo nṝṇāṃ vyākhyāto dharmasāgaraḥ //
der Ozean des Dharma dargelegt worden, das Gute und Böse der Menschen betreffend.

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