Kapitel 10: Surabhyupākhyānam
Die Erzählung von Surabhi und Indra: Vyāsas Gleichnis vom größeren Mitleid mit dem Schwächeren
Dhṛtarāṣṭra gesteht, das Würfelspiel selbst missbilligt zu haben, könne sich aber aus väterlicher Liebe nicht von Duryodhana lossagen. Vyāsa erzählt ihm daraufhin die Geschichte der Himmelskuh Surabhi, die Indra ihr Mitleid mit einem einzigen bedrängten Sohn unter tausenden erklärt: Zuneigung sei zu allen Kindern gleich, doch für das leidende, schwächere Kind wachse das Mitleid. Ebenso, so schließt Vyāsa, solle Dhṛtarāṣṭra angesichts der leidenden, in der Minderzahl befindlichen Pāṇḍavas besonderes Erbarmen zeigen und Duryodhana zur Versöhnung mit ihnen bewegen.
dhṛtarāṣṭra uvāca bhagavan nāham apy etad rocaye dyūtasaṃstavam manye tad vidhinākramya kārito 'smīti vai mune
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Erhabener, auch ich billige diese Verabredung des Würfelspiels nicht; ich meine, ich wurde dazu vom Schicksal überwältigt gebracht, o Weiser.
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca bhagavan nāham apy etad rocaye dyūtasaṃstavam manye tad vidhinākramya kārito 'smīti vai mune
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Erhabener, auch ich billige diese Verabredung des Würfelspiels nicht; ich meine, ich wurde dazu vom Schicksal überwältigt gebracht, o Weiser.
Vyāsa sprach: „Sohn des Vicitravīrya, o König, du sprichst wahrhaftig; fest weiß ich: nichts geht einem Vater über den Sohn, nichts ist höher als der Sohn.
Vyāsa sprach: „Sohn des Vicitravīrya, o König, du sprichst wahrhaftig; fest weiß ich: nichts geht einem Vater über den Sohn, nichts ist höher als der Sohn.
Selbst Indra wurde durch den Tränenfall der Surabhi belehrt: Auch bei anderen, noch so reichen Gütern gibt es nichts, das höher wäre als der eigene Sohn.
Selbst Indra wurde durch den Tränenfall der Surabhi belehrt: Auch bei anderen, noch so reichen Gütern gibt es nichts, das höher wäre als der eigene Sohn.
Indra sprach: „Was weinst du da, du Holde? Steht es wohl gut um die Himmelsbewohner, um die Menschen oder um die Rinder? Dies wird nicht ohne Grund sein.“
Indra sprach: „Was weinst du da, du Holde? Steht es wohl gut um die Himmelsbewohner, um die Menschen oder um die Rinder? Dies wird nicht ohne Grund sein.“
ekas tatra balopeto dhuram udvahate 'dhikām aparo 'lpabalaprāṇaḥ kṛśo dhamanisaṃtataḥ kṛcchrād udvahate bhāraṃ taṃ vai śocāmi vāsava
Der eine dort, mit Kraft ausgestattet, trägt die größere Last; der andere, von geringer Kraft und Lebenshauch, abgemagert, von Adern durchzogen, trägt die Last nur mit Mühe - um diesen gräme ich mich, o Vāsava.
Wort für Wort
ekas tatra balopeto dhuram udvahate 'dhikām aparo 'lpabalaprāṇaḥ kṛśo dhamanisaṃtataḥ kṛcchrād udvahate bhāraṃ taṃ vai śocāmi vāsava
Der eine dort, mit Kraft ausgestattet, trägt die größere Last; der andere, von geringer Kraft und Lebenshauch, abgemagert, von Adern durchzogen, trägt die Last nur mit Mühe - um diesen gräme ich mich, o Vāsava.
Indra sprach: „Unter deinen tausend Söhnen, du Schöne, wenn welche bedrängt werden - was für Mitleid ist da besonders, wenn hier nur ein Sohn bedrängt wird?“
Indra sprach: „Unter deinen tausend Söhnen, du Schöne, wenn welche bedrängt werden - was für Mitleid ist da besonders, wenn hier nur ein Sohn bedrängt wird?“
surabhir uvāca yadi putrasahasraṃ me sarvatra samam eva me dīnasya tu sataḥ śakra putrasyābhyadhikā kṛpā
Surabhi sprach: „Auch wenn ich tausend Söhne habe, sind sie mir überall gleich lieb; doch für einen Sohn, der elend ist, o Śakra, ist das Mitleid größer.“
Wort für Wort
surabhir uvāca yadi putrasahasraṃ me sarvatra samam eva me dīnasya tu sataḥ śakra putrasyābhyadhikā kṛpā
Surabhi sprach: „Auch wenn ich tausend Söhne habe, sind sie mir überall gleich lieb; doch für einen Sohn, der elend ist, o Śakra, ist das Mitleid größer.“
Vyāsa sprach: Als Indra dieses Wort der Surabhi vernommen hatte, höchst erstaunt, erachtete er, o Kaurava, den Sohn für höher als selbst das eigene Leben.
Vyāsa sprach: Als Indra dieses Wort der Surabhi vernommen hatte, höchst erstaunt, erachtete er, o Kaurava, den Sohn für höher als selbst das eigene Leben.
cirāya tava putrāṇāṃ śatam ekaś ca pārthiva pāṇḍoḥ pañcaiva lakṣyante te 'pi mandāḥ suduḥkhitāḥ
Seit langem sind es, o König, hundertundein deiner Söhne, und nur fünf Söhne des Pāṇḍu, wie man sieht; und diese sind zudem unglücklich und schwer leidend.
Wort für Wort
cirāya tava putrāṇāṃ śatam ekaś ca pārthiva pāṇḍoḥ pañcaiva lakṣyante te 'pi mandāḥ suduḥkhitāḥ
Seit langem sind es, o König, hundertundein deiner Söhne, und nur fünf Söhne des Pāṇḍu, wie man sieht; und diese sind zudem unglücklich und schwer leidend.