Kapitel 3: Sūryāṣṭottaraśatanāmastotram
Dhaumyas Lehre von der nährenden Sonne und der Hymnus der hundertacht Namen der Sonne
Dhaumya erklärt Yudhiṣṭhira die Theologie der Sonne als Ernährerin aller Wesen (durch Pflanzen und Jahreszeiten) und verweist auf frühere Herrscher, die durch Askese ihre Untertanen retteten. Yudhiṣṭhira übt daraufhin Askese am Gaṅgā-Ufer. Auf Janamejayas Frage rezitiert Vaiśaṃpāyana den vollständigen, von Śakra über Nārada und Dhaumya überlieferten Hymnus der 108 Namen der Sonne (Sūrya-nāmāṣṭaśata), gefolgt von einer Verheißung des Segens, den seine tägliche Rezitation bei Sonnenaufgang bringt.
Nachdem er einen Augenblick nachgedacht und mit Bedacht auf den rechten Weg gesonnen hatte, sprach Dhaumya, der Beste der Rechtschaffenen, zu Yudhiṣṭhira dies:
Nachdem er einen Augenblick nachgedacht und mit Bedacht auf den rechten Weg gesonnen hatte, sprach Dhaumya, der Beste der Rechtschaffenen, zu Yudhiṣṭhira dies:
„Einst, als die Geschöpfe erschaffen waren, wurden sie heftig vom Hunger gequält; da half ihnen aus Mitleid Savitṛ, die Sonne, wie ihr eigener Vater.
[Anm.: „svapitā iva“, wörtlich “wie ihr eigener Vater“ - die genaue syntaktische Beziehung dieses Halbverses zum vorangehenden ist im Sanskrit knapp und leicht mehrdeutig; die Übersetzung folgt der naheliegendsten Lesart.]
Nachdem sie zur nördlichen Sonnenwende gegangen ist und mit ihren Strahlen die feurigen Säfte heraufgezogen hat, kehrt die Sonne zur südlichen Sonnenwende zurück und dringt in die Erde ein.
Nachdem sie zur nördlichen Sonnenwende gegangen ist und mit ihren Strahlen die feurigen Säfte heraufgezogen hat, kehrt die Sonne zur südlichen Sonnenwende zurück und dringt in die Erde ein.
In jenem [Erdreich], das zum Ackerfeld geworden ist, erzeugte darauf der Herr der Kräuter [der Mond], nachdem er die Glut des Himmels heraufgezogen hatte, mittels Wasser die Heilkräuter.
In jenem [Erdreich], das zum Ackerfeld geworden ist, erzeugte darauf der Herr der Kräuter [der Mond], nachdem er die Glut des Himmels heraufgezogen hatte, mittels Wasser die Heilkräuter.
Benetzt von den Kräften des Mondlichts, wird, während die Sonne in die Erde eingegangen ist, [dies] hervorgebracht: die Kräuter mit den sechs Geschmacksrichtungen, rein - das ist die Speise der Lebewesen auf Erden.
Benetzt von den Kräften des Mondlichts, wird, während die Sonne in die Erde eingegangen ist, [dies] hervorgebracht: die Kräuter mit den sechs Geschmacksrichtungen, rein - das ist die Speise der Lebewesen auf Erden.
[Anm.: Der Vers verknüpft in knapper Bildsprache Sonnen- und Mondkraft als gemeinsamen Ursprung der Pflanzennahrung; die Satzfügung ist im Sanskrit verdichtet.]
bhīmena kārtavīryeṇa vainyena nahuṣeṇa ca tapoyogasamādhisthair uddhṛtā hy āpadaḥ prajāḥ
Durch Bhīma, durch Kārtavīrya, durch den Sohn der Venā [Pṛthu] und durch Nahuṣa, die in Askese, Yoga und Versenkung standen, wurden die Untertanen aus der Not errettet.
Wort für Wort
bhīmena kārtavīryeṇa vainyena nahuṣeṇa ca tapoyogasamādhisthair uddhṛtā hy āpadaḥ prajāḥ
Durch Bhīma, durch Kārtavīrya, durch den Sohn der Venā [Pṛthu] und durch Nahuṣa, die in Askese, Yoga und Versenkung standen, wurden die Untertanen aus der Not errettet.
[Anm.: Der hier genannte König „Bhīma“ ist eine legendäre Herrschergestalt und nicht mit dem Pāṇḍava-Bruder Bhīma zu verwechseln.]
tathā tvam api dharmātman karmaṇā ca viśodhitaḥ tapa āsthāya dharmeṇa dvijātīn bhara bhārata
So sollst auch du, Rechtschaffener, durch deine Tat geläutert, dich der Askese hingeben und, o Bhārata, gemäß dem Recht die Zweifachgeborenen versorgen.“
Wort für Wort
tathā tvam api dharmātman karmaṇā ca viśodhitaḥ tapa āsthāya dharmeṇa dvijātīn bhara bhārata
So sollst auch du, Rechtschaffener, durch deine Tat geläutert, dich der Askese hingeben und, o Bhārata, gemäß dem Recht die Zweifachgeborenen versorgen.“
Nachdem er die Sonne mit Blumenopfern und Opfergaben verehrt hatte, verharrte der Rechtschaffene, dem Yoga hingegeben, nur von Luft lebend, seine Sinne bezwungen, im Wasser der Gaṅgā stehend, in Atemzurückhaltung.
Nachdem er die Sonne mit Blumenopfern und Opfergaben verehrt hatte, verharrte der Rechtschaffene, dem Yoga hingegeben, nur von Luft lebend, seine Sinne bezwungen, im Wasser der Gaṅgā stehend, in Atemzurückhaltung.
vaiśaṃpāyana uvāca śṛṇuṣvāvahito rājañ śucir bhūtvā samāhitaḥ kṣaṇaṃ ca kuru rājendra sarvaṃ vakṣyāmy aśeṣataḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: „Höre aufmerksam zu, o König, werde rein und gesammelt, und nimm dir einen Augenblick Zeit, o Herrscher der Könige - ich werde alles vollständig erzählen.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca śṛṇuṣvāvahito rājañ śucir bhūtvā samāhitaḥ kṣaṇaṃ ca kuru rājendra sarvaṃ vakṣyāmy aśeṣataḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: „Höre aufmerksam zu, o König, werde rein und gesammelt, und nimm dir einen Augenblick Zeit, o Herrscher der Könige - ich werde alles vollständig erzählen.
das Blitzfeuer, das Verdauungsfeuer und das gewöhnliche Feuer, der aus Brennstoff Entstehende, der Herr der Glutkräfte, das Banner des Rechts, der Schöpfer der Veden, der die Vedenglieder Umfassende, der Träger der Veden,
das Blitzfeuer, das Verdauungsfeuer und das gewöhnliche Feuer, der aus Brennstoff Entstehende, der Herr der Glutkräfte, das Banner des Rechts, der Schöpfer der Veden, der die Vedenglieder Umfassende, der Träger der Veden,
kṛtaṃ tretā dvāparaś ca kaliḥ sarvāmarāśrayaḥ kalā kāṣṭhā muhūrtāś ca pakṣā māsā ṛtus tathā
Kṛta, Tretā, Dvāpara und Kali [die vier Weltzeitalter], die Zuflucht aller Unsterblichen, Kalā, Kāṣṭhā und Muhūrta [die feinen Zeitmaße], die Monatshälften, die Monate und ebenso die Jahreszeiten,
Wort für Wort
kṛtaṃ tretā dvāparaś ca kaliḥ sarvāmarāśrayaḥ kalā kāṣṭhā muhūrtāś ca pakṣā māsā ṛtus tathā
Kṛta, Tretā, Dvāpara und Kali [die vier Weltzeitalter], die Zuflucht aller Unsterblichen, Kalā, Kāṣṭhā und Muhūrta [die feinen Zeitmaße], die Monatshälften, die Monate und ebenso die Jahreszeiten,
der Schöpfer des Jahres, der heilige Feigenbaum, das Rad der Zeit, Vibhāvasu, der Puruṣa, der Ewige, der Yogin, der Offenbare und Unoffenbare, der Immerwährende,
der Schöpfer des Jahres, der heilige Feigenbaum, das Rad der Zeit, Vibhāvasu, der Puruṣa, der Ewige, der Yogin, der Offenbare und Unoffenbare, der Immerwährende,
der Aufseher der Welten, der Aufseher der Geschöpfe, der Allschöpfer, der Vertreiber der Finsternis, Varuṇa, der Ozean, der Lichtstrahl, die Wolke, der Lebenspender, der Feindetöter,
der Aufseher der Welten, der Aufseher der Geschöpfe, der Allschöpfer, der Vertreiber der Finsternis, Varuṇa, der Ozean, der Lichtstrahl, die Wolke, der Lebenspender, der Feindetöter,
die Zuflucht der Wesen, der Herr der Wesen, der von allen Wesen Verehrte, das Juwel, der Goldglänzende, der Anfang der Wesen, der Wunscherfüller, der nach allen Seiten Gewandte,
die Zuflucht der Wesen, der Herr der Wesen, der von allen Wesen Verehrte, das Juwel, der Goldglänzende, der Anfang der Wesen, der Wunscherfüller, der nach allen Seiten Gewandte,
der Sieg, der Erhabene, der Segenspender, der Schnelldahineilende, der Lebenserhalter, Dhanvantari, Dhūmaketu [der Komet], der Urgott, der Sohn der Aditi,
der Sieg, der Erhabene, der Segenspender, der Schnelldahineilende, der Lebenserhalter, Dhanvantari, Dhūmaketu [der Komet], der Urgott, der Sohn der Aditi,
der Zwölfgestaltige, der Lotusäugige, Vater, Mutter, Großvater, das Tor zum Himmel, das Tor zu den Geschöpfen, das Tor zur Erlösung, der dreifache Himmel,
der Zwölfgestaltige, der Lotusäugige, Vater, Mutter, Großvater, das Tor zum Himmel, das Tor zu den Geschöpfen, das Tor zur Erlösung, der dreifache Himmel,
der Schöpfer des Leibes, der Friedvoll-Gesinnte, die Seele des Alls, der nach allen Seiten Gewandte, die Seele des Beweglichen und Unbeweglichen, die Seele des Feinstofflichen, der mit einem Leib voller Freundlichkeit Begabte.“
der Schöpfer des Leibes, der Friedvoll-Gesinnte, die Seele des Alls, der nach allen Seiten Gewandte, die Seele des Beweglichen und Unbeweglichen, die Seele des Feinstofflichen, der mit einem Leib voller Freundlichkeit Begabte.“
surapitṛgaṇayakṣasevitaṃ hy asuraniśācarasiddhavanditam varakanakahutāśanaprabhaṃ tvam api manasy abhidhehi bhāskaram
„Ihn, der von der Schar der Götter, der Ahnen und Yakṣas verehrt wird, der von Asuras, Nachtwandlern und Siddhas gepriesen wird, der in Glanz wie erlesenes Gold und wie Feuer erstrahlt - auch du sollst den Lichtbringer im Geiste anrufen.
Wort für Wort
surapitṛgaṇayakṣasevitaṃ hy asuraniśācarasiddhavanditam varakanakahutāśanaprabhaṃ tvam api manasy abhidhehi bhāskaram
„Ihn, der von der Schar der Götter, der Ahnen und Yakṣas verehrt wird, der von Asuras, Nachtwandlern und Siddhas gepriesen wird, der in Glanz wie erlesenes Gold und wie Feuer erstrahlt - auch du sollst den Lichtbringer im Geiste anrufen.
sūryodaye yas tu samāhitaḥ paṭhet sa putralābhaṃ dhanaratnasaṃcayān labheta jātismaratāṃ sadā naraḥ smṛtiṃ ca medhāṃ ca sa vindate parām
Wer bei Sonnenaufgang gesammelt diesen Hymnus rezitiert, der erlangt den Gewinn von Söhnen und die Anhäufung von Reichtum und Juwelen; ein solcher Mensch erlangt stets die Erinnerung an frühere Geburten, und höchstes Gedächtnis und höchste Geistesschärfe gewinnt er.
Wort für Wort
sūryodaye yas tu samāhitaḥ paṭhet sa putralābhaṃ dhanaratnasaṃcayān labheta jātismaratāṃ sadā naraḥ smṛtiṃ ca medhāṃ ca sa vindate parām
Wer bei Sonnenaufgang gesammelt diesen Hymnus rezitiert, der erlangt den Gewinn von Söhnen und die Anhäufung von Reichtum und Juwelen; ein solcher Mensch erlangt stets die Erinnerung an frühere Geburten, und höchstes Gedächtnis und höchste Geistesschärfe gewinnt er.
imaṃ stavaṃ devavarasya yo naraḥ prakīrtayec chucisumanāḥ samāhitaḥ sa mucyate śokadavāgnisāgarāl labheta kāmān manasā yathepsitān
Welcher Mensch diesen Lobpreis des höchsten Gottes verkündet, rein und wohlgesinnt und gesammelt, der wird aus dem Feuer- und Ozeanmeer des Leids befreit und erlangt die Wünsche, wie er sie sich im Geiste ersehnt.“
Wort für Wort
imaṃ stavaṃ devavarasya yo naraḥ prakīrtayec chucisumanāḥ samāhitaḥ sa mucyate śokadavāgnisāgarāl labheta kāmān manasā yathepsitān
Welcher Mensch diesen Lobpreis des höchsten Gottes verkündet, rein und wohlgesinnt und gesammelt, der wird aus dem Feuer- und Ozeanmeer des Leids befreit und erlangt die Wünsche, wie er sie sich im Geiste ersehnt.“