Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 264: Rāmopākhyānam (7) Das Bündnis mit Sugrīva, Vālins Tod und Trijaṭās Traum

Lakṣmaṇa tröstet den trauernden Rāma und drängt ihn zum Handeln; sie schließen ein Bündnis mit Sugrīva, dem Rāma im Gegenzug den Tod seines Bruders Vālin im Kampf verspricht. Nach Vālins Tod durch Rāmas Pfeil wird Sugrīva König der Affen. Parallel dazu wird Sītās Gefangenschaft in Laṅkā geschildert: von grausigen Rākṣasī-Wächterinnen bedroht, bleibt sie standhaft und bereit zu sterben, ehe sie Rāma untreu würde. Die Rākṣasī Trijaṭā tröstet sie mit dem Bericht eines ausführlichen, vielfach durch Farbsymbolik (rot für Tod, weiß für Rettung) gedeuteten Traumes, der Rāvaṇas Untergang und Rāmas Sieg verheißt.

mārkaṇḍeya uvāca tato 'vidūre nalinīṃ prabhūtakamalotpalām sītāharaṇaduḥkhārtaḥ pampāṃ rāmaḥ samāsadat

Mārkaṇḍeya sprach: „Darauf erreichte Rāma, vom Schmerz über Sītās Entführung gequält, nicht weit von dort einen Lotusteich mit zahlreichen Lotos- und Seerosenblüten, den Pampā-See.

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca tato 'vidūre nalinīṃ prabhūtakamalotpalām sītāharaṇaduḥkhārtaḥ pampāṃ rāmaḥ samāsadat
Mārkaṇḍeya sprach: „Darauf erreichte Rāma, vom Schmerz über Sītās Entführung gequält, nicht weit von dort einen Lotusteich mit zahlreichen Lotos- und Seerosenblüten, den Pampā-See.

mārutena suśītena sukhenāmṛtagandhinā sevyamāno vane tasmiñ jagāma manasā priyām

Von einem überaus kühlen, angenehmen, nach Amṛta duftenden Wind umweht, dachte er in jenem Wald in Gedanken an seine Geliebte.

Wort für Wort
mārutena suśītena sukhenāmṛtagandhinā sevyamāno vane tasmiñ jagāma manasā priyām
Von einem überaus kühlen, angenehmen, nach Amṛta duftenden Wind umweht, dachte er in jenem Wald in Gedanken an seine Geliebte.

vilalāpa sa rājendras tatra kāntām anusmaran kāmabāṇābhisaṃtaptaḥ saumitris tam athābravīt

Er, der König der Könige, klagte dort, seine Geliebte erinnernd, von den Pfeilen des Liebesgottes gequält; der Sohn der Sumitrā sprach da zu ihm: ‚Solch ein Zustand sollte dich nicht berühren, Ehrenspender,

Wort für Wort
vilalāpa sa rājendras tatra kāntām anusmaran kāmabāṇābhisaṃtaptaḥ saumitris tam athābravīt
Er, der König der Könige, klagte dort, seine Geliebte erinnernd, von den Pfeilen des Liebesgottes gequält; der Sohn der Sumitrā sprach da zu ihm: ‚Solch ein Zustand sollte dich nicht berühren, Ehrenspender,

na tvām evaṃvidho bhāvaḥ spraṣṭum arhati mānada ātmavantam iva vyādhiḥ puruṣaṃ vṛddhaśīlinam

so wie eine Krankheit einen selbstbeherrschten Mann von gereiftem Charakter nicht berühren sollte.

Wort für Wort
na tvām evaṃvidho bhāvaḥ spraṣṭum arhati mānada ātmavantam iva vyādhiḥ puruṣaṃ vṛddhaśīlinam
so wie eine Krankheit einen selbstbeherrschten Mann von gereiftem Charakter nicht berühren sollte.

pravṛttir upalabdhā te vaidehyā rāvaṇasya ca tāṃ tvaṃ puruṣakāreṇa buddhyā caivopapādaya

Kunde von der Tochter Videhas und von Rāvaṇa hast du erlangt; diese verfolge mit männlicher Tatkraft und mit Verstand.

Wort für Wort
pravṛttir upalabdhā te vaidehyā rāvaṇasya ca tāṃ tvaṃ puruṣakāreṇa buddhyā caivopapādaya
Kunde von der Tochter Videhas und von Rāvaṇa hast du erlangt; diese verfolge mit männlicher Tatkraft und mit Verstand.

abhigacchāva sugrīvaṃ śailasthaṃ haripuṃgavam mayi śiṣye ca bhṛtye ca sahāye ca samāśvasa

Laß uns zu Sugrīva gehen, dem auf dem Berg weilenden Stier unter den Affen; verlaß dich auf mich als deinen Schüler, Diener und Helfer.‘

Wort für Wort
abhigacchāva sugrīvaṃ śailasthaṃ haripuṃgavam mayi śiṣye ca bhṛtye ca sahāye ca samāśvasa
Laß uns zu Sugrīva gehen, dem auf dem Berg weilenden Stier unter den Affen; verlaß dich auf mich als deinen Schüler, Diener und Helfer.‘

evaṃ bahuvidhair vākyair lakṣmaṇena sa rāghavaḥ uktaḥ prakṛtim āpede kārye cānantaro 'bhavat

So auf vielfache Weise von Lakṣmaṇa angesprochen, gewann der Sproß Raghus seine Fassung wieder und wandte sich unmittelbar der Aufgabe zu.

Wort für Wort
evaṃ bahuvidhair vākyair lakṣmaṇena sa rāghavaḥ uktaḥ prakṛtim āpede kārye cānantaro 'bhavat
So auf vielfache Weise von Lakṣmaṇa angesprochen, gewann der Sproß Raghus seine Fassung wieder und wandte sich unmittelbar der Aufgabe zu.

niṣevya vāri pampāyās tarpayitvā pitṝn api pratasthatur ubhau vīrau bhrātarau rāmalakṣmaṇau

Nachdem sie das Wasser des Pampā-Sees genutzt und auch die Vorväter mit Wasser erquickt hatten, machten sich die beiden heldenhaften Brüder, Rāma und Lakṣmaṇa, auf den Weg.

Wort für Wort
niṣevya vāri pampāyās tarpayitvā pitṝn api pratasthatur ubhau vīrau bhrātarau rāmalakṣmaṇau
Nachdem sie das Wasser des Pampā-Sees genutzt und auch die Vorväter mit Wasser erquickt hatten, machten sich die beiden heldenhaften Brüder, Rāma und Lakṣmaṇa, auf den Weg.

tāv ṛśyamūkam abhyetya bahumūlaphalaṃ girim giryagre vānarān pañca vīrau dadṛśatus tadā

Als sie zum Ṛśyamūka gelangten, dem an Wurzeln und Früchten reichen Berg, erblickten die beiden Helden da auf dem Gipfel des Berges fünf Affen.

Wort für Wort
tāv ṛśyamūkam abhyetya bahumūlaphalaṃ girim giryagre vānarān pañca vīrau dadṛśatus tadā
Als sie zum Ṛśyamūka gelangten, dem an Wurzeln und Früchten reichen Berg, erblickten die beiden Helden da auf dem Gipfel des Berges fünf Affen.

sugrīvaḥ preṣayām āsa sacivaṃ vānaraṃ tayoḥ buddhimantaṃ hanūmantaṃ himavantam iva sthitam

Sugrīva schickte zu ihnen beiden seinen Minister, den Affen Hanumant, den Klugen, der dastand wie der Himavant.

Wort für Wort
sugrīvaḥ preṣayām āsa sacivaṃ vānaraṃ tayoḥ buddhimantaṃ hanūmantaṃ himavantam iva sthitam
Sugrīva schickte zu ihnen beiden seinen Minister, den Affen Hanumant, den Klugen, der dastand wie der Himavant.

tena saṃbhāṣya pūrvaṃ tau sugrīvam abhijagmatuḥ sakhyaṃ vānararājena cakre rāmas tato nṛpa

Nachdem sie sich zuvor mit ihm besprochen hatten, begaben sich die beiden zu Sugrīva; Rāma schloss darauf Freundschaft mit dem Affenkönig, o König.

Wort für Wort
tena saṃbhāṣya pūrvaṃ tau sugrīvam abhijagmatuḥ sakhyaṃ vānararājena cakre rāmas tato nṛpa
Nachdem sie sich zuvor mit ihm besprochen hatten, begaben sich die beiden zu Sugrīva; Rāma schloss darauf Freundschaft mit dem Affenkönig, o König.

tad vāso darśayām āsus tasya kārye nivedite vānarāṇāṃ tu yat sītā hriyamāṇābhyavāsṛjat

Nachdem ihm sein Anliegen dargelegt worden war, zeigten sie ihm jenes Gewand, das Sītā, während sie entführt wurde, für die Affen hatte fallen lassen.

Wort für Wort
tad vāso darśayām āsus tasya kārye nivedite vānarāṇāṃ tu yat sītā hriyamāṇābhyavāsṛjat
Nachdem ihm sein Anliegen dargelegt worden war, zeigten sie ihm jenes Gewand, das Sītā, während sie entführt wurde, für die Affen hatte fallen lassen.

tat pratyayakaraṃ labdhvā sugrīvaṃ plavagādhipam pṛthivyāṃ vānaraiśvarye svayaṃ rāmo 'bhyaṣecayat

Nachdem er dieses als Beweis erhalten hatte, weihte Rāma selbst Sugrīva, den Herrscher der Affen, zur Herrschaft über die Affen auf Erden.

Wort für Wort
tat pratyayakaraṃ labdhvā sugrīvaṃ plavagādhipam pṛthivyāṃ vānaraiśvarye svayaṃ rāmo 'bhyaṣecayat
Nachdem er dieses als Beweis erhalten hatte, weihte Rāma selbst Sugrīva, den Herrscher der Affen, zur Herrschaft über die Affen auf Erden.

pratijajñe ca kākutsthaḥ samare vālino vadham sugrīvaś cāpi vaidehyāḥ punar ānayanaṃ nṛpa

Und der Sproß des Kakutstha gelobte, Vālin im Kampf zu töten, und Sugrīva gelobte seinerseits, die Tochter Videhas zurückzubringen, o König.

Wort für Wort
pratijajñe ca kākutsthaḥ samare vālino vadham sugrīvaś cāpi vaidehyāḥ punar ānayanaṃ nṛpa
Und der Sproß des Kakutstha gelobte, Vālin im Kampf zu töten, und Sugrīva gelobte seinerseits, die Tochter Videhas zurückzubringen, o König.

ity uktvā samayaṃ kṛtvā viśvāsya ca parasparam abhyetya sarve kiṣkindhāṃ tasthur yuddhābhikāṅkṣiṇaḥ

Nachdem sie dies gesagt, ein Abkommen getroffen und sich gegenseitig Vertrauen geschenkt hatten, kamen alle nach Kiṣkindhā und verweilten dort, den Kampf begehrend.

Wort für Wort
ity uktvā samayaṃ kṛtvā viśvāsya ca parasparam abhyetya sarve kiṣkindhāṃ tasthur yuddhābhikāṅkṣiṇaḥ
Nachdem sie dies gesagt, ein Abkommen getroffen und sich gegenseitig Vertrauen geschenkt hatten, kamen alle nach Kiṣkindhā und verweilten dort, den Kampf begehrend.

sugrīvaḥ prāpya kiṣkindhāṃ nanādaughanibhasvanaḥ nāsya tan mamṛṣe vālī taṃ tārā pratyaṣedhayat

Sugrīva, in Kiṣkindhā angekommen, brüllte mit einem Laut gleich einer Flutwelle; Vālin ertrug dies nicht, doch Tārā hielt ihn zurück:

Wort für Wort
sugrīvaḥ prāpya kiṣkindhāṃ nanādaughanibhasvanaḥ nāsya tan mamṛṣe vālī taṃ tārā pratyaṣedhayat
Sugrīva, in Kiṣkindhā angekommen, brüllte mit einem Laut gleich einer Flutwelle; Vālin ertrug dies nicht, doch Tārā hielt ihn zurück:

yathā nadati sugrīvo balavān eṣa vānaraḥ manye cāśrayavān prāpto na tvaṃ nirgantum arhasi

‚So wie dieser kraftvolle Affe Sugrīva brüllt, so vermute ich, dass er einen Rückhalt gefunden hat; du solltest nicht hinausgehen.‘

Wort für Wort
yathā nadati sugrīvo balavān eṣa vānaraḥ manye cāśrayavān prāpto na tvaṃ nirgantum arhasi
‚So wie dieser kraftvolle Affe Sugrīva brüllt, so vermute ich, dass er einen Rückhalt gefunden hat; du solltest nicht hinausgehen.‘

hemamālī tato vālī tārāṃ tārādhipānanām provāca vacanaṃ vāgmī tāṃ vānarapatiḥ patiḥ

Vālin, mit der goldenen Girlande, der Herr und Gatte der Affen, der Redegewandte, sprach darauf zu Tārā, deren Antlitz dem Mond gleicht, dieses Wort:

Wort für Wort
hemamālī tato vālī tārāṃ tārādhipānanām provāca vacanaṃ vāgmī tāṃ vānarapatiḥ patiḥ
Vālin, mit der goldenen Girlande, der Herr und Gatte der Affen, der Redegewandte, sprach darauf zu Tārā, deren Antlitz dem Mond gleicht, dieses Wort:

sarvabhūtarutajñā tvaṃ paśya buddhyā samanvitā kenāpāśrayavān prāpto mamaiṣa bhrātṛgandhikaḥ

‚Du kennst die Laute aller Wesen; sieh mit deinem Verstand nach, durch wen dieser, der nur den Geruch meines Bruders trägt, Rückhalt gefunden hat.‘

Wort für Wort
sarvabhūtarutajñā tvaṃ paśya buddhyā samanvitā kenāpāśrayavān prāpto mamaiṣa bhrātṛgandhikaḥ
‚Du kennst die Laute aller Wesen; sieh mit deinem Verstand nach, durch wen dieser, der nur den Geruch meines Bruders trägt, Rückhalt gefunden hat.‘

cintayitvā muhūrtaṃ tu tārā tārādhipaprabhā patim ity abravīt prājñā śṛṇu sarvaṃ kapīśvara

Nachdem sie einen Augenblick nachgedacht hatte, sprach Tārā, von leuchtender Schönheit wie der Mondherr, die Kluge, zu ihrem Gatten: ‚Höre alles, Herr der Affen.

Wort für Wort
cintayitvā muhūrtaṃ tu tārā tārādhipaprabhā patim ity abravīt prājñā śṛṇu sarvaṃ kapīśvara
Nachdem sie einen Augenblick nachgedacht hatte, sprach Tārā, von leuchtender Schönheit wie der Mondherr, die Kluge, zu ihrem Gatten: ‚Höre alles, Herr der Affen.

hṛtadāro mahāsattvo rāmo daśarathātmajaḥ tulyārimitratāṃ prāptaḥ sugrīveṇa dhanurdharaḥ

Rāma, der Sohn Daśarathas, von großer Kraft, dessen Gattin geraubt wurde, der Bogenträger, ist mit Sugrīva ein Bündnis gleicher Feinde und Freunde eingegangen.

Wort für Wort
hṛtadāro mahāsattvo rāmo daśarathātmajaḥ tulyārimitratāṃ prāptaḥ sugrīveṇa dhanurdharaḥ
Rāma, der Sohn Daśarathas, von großer Kraft, dessen Gattin geraubt wurde, der Bogenträger, ist mit Sugrīva ein Bündnis gleicher Feinde und Freunde eingegangen.

bhrātā cāsya mahābāhuḥ saumitrir aparājitaḥ lakṣmaṇo nāma medhāvī sthitaḥ kāryārthasiddhaye

Und sein starkarmiger, unbesiegter Bruder, der Sohn der Sumitrā, mit Namen Lakṣmaṇa, der Kluge, steht bereit, um das Ziel zu erreichen.

Wort für Wort
bhrātā cāsya mahābāhuḥ saumitrir aparājitaḥ lakṣmaṇo nāma medhāvī sthitaḥ kāryārthasiddhaye
Und sein starkarmiger, unbesiegter Bruder, der Sohn der Sumitrā, mit Namen Lakṣmaṇa, der Kluge, steht bereit, um das Ziel zu erreichen.

maindaś ca dvividaś caiva hanūmāṃś cānilātmajaḥ jāmbavān ṛkṣarājaś ca sugrīvasacivāḥ sthitāḥ

Und Mainda und Dvivida, und Hanumant, der Sohn des Windes, und Jāmbavān, der König der Bären, stehen als Minister Sugrīvas bereit.

Wort für Wort
maindaś ca dvividaś caiva hanūmāṃś cānilātmajaḥ jāmbavān ṛkṣarājaś ca sugrīvasacivāḥ sthitāḥ
Und Mainda und Dvivida, und Hanumant, der Sohn des Windes, und Jāmbavān, der König der Bären, stehen als Minister Sugrīvas bereit.

sarva ete mahātmāno buddhimanto mahābalāḥ alaṃ tava vināśāya rāmavīryavyapāśrayāt

All diese Hochherzigen, Klugen, überaus Kraftvollen genügen zu deinem Verderben, gestützt auf Rāmas Tapferkeit.‘

Wort für Wort
sarva ete mahātmāno buddhimanto mahābalāḥ alaṃ tava vināśāya rāmavīryavyapāśrayāt
All diese Hochherzigen, Klugen, überaus Kraftvollen genügen zu deinem Verderben, gestützt auf Rāmas Tapferkeit.‘

tasyās tad ākṣipya vaco hitam uktaṃ kapīśvaraḥ paryaśaṅkata tām īrṣuḥ sugrīvagatamānasām

Ihr heilsames Wort verwerfend, verdächtigte der Herr der Affen sie, eifersüchtig, ihr Herz sei Sugrīva zugeneigt.

Wort für Wort
tasyās tad ākṣipya vaco hitam uktaṃ kapīśvaraḥ paryaśaṅkata tām īrṣuḥ sugrīvagatamānasām
Ihr heilsames Wort verwerfend, verdächtigte der Herr der Affen sie, eifersüchtig, ihr Herz sei Sugrīva zugeneigt.

tārāṃ paruṣam uktvā sa nirjagāma guhāmukhāt sthitaṃ mālyavato 'bhyāśe sugrīvaṃ so 'bhyabhāṣata

Nachdem er zu Tārā harsche Worte gesprochen hatte, trat er aus der Höhlenmündung hinaus; er sprach zu Sugrīva, der in der Nähe des Mālyavat stand:

Wort für Wort
tārāṃ paruṣam uktvā sa nirjagāma guhāmukhāt sthitaṃ mālyavato 'bhyāśe sugrīvaṃ so 'bhyabhāṣata
Nachdem er zu Tārā harsche Worte gesprochen hatte, trat er aus der Höhlenmündung hinaus; er sprach zu Sugrīva, der in der Nähe des Mālyavat stand:

asakṛt tvaṃ mayā mūḍha nirjito jīvitapriyaḥ mukto jñātir iti jñātvā kā tvarā maraṇe punaḥ

‚Mehr als einmal, Tor, wurdest du von mir besiegt und, weil dir das Leben lieb war, freigelassen, da ich wusste, du seist mein Verwandter - wozu diese Eile zum erneuten Sterben?‘

Wort für Wort
asakṛt tvaṃ mayā mūḍha nirjito jīvitapriyaḥ mukto jñātir iti jñātvā kā tvarā maraṇe punaḥ
‚Mehr als einmal, Tor, wurdest du von mir besiegt und, weil dir das Leben lieb war, freigelassen, da ich wusste, du seist mein Verwandter - wozu diese Eile zum erneuten Sterben?‘

ity uktaḥ prāha sugrīvo bhrātaraṃ hetumad vacaḥ prāptakālam amitraghno rāmaṃ saṃbodhayann iva

So angesprochen, sprach Sugrīva, der Feindevernichter, zu seinem Bruder ein begründetes, zeitgemäßes Wort, gleichsam auch Rāma darauf hinweisend:

Wort für Wort
ity uktaḥ prāha sugrīvo bhrātaraṃ hetumad vacaḥ prāptakālam amitraghno rāmaṃ saṃbodhayann iva
So angesprochen, sprach Sugrīva, der Feindevernichter, zu seinem Bruder ein begründetes, zeitgemäßes Wort, gleichsam auch Rāma darauf hinweisend:

hṛtadārasya me rājan hṛtarājyasya ca tvayā kiṃ nu jīvitasāmarthyam iti viddhi samāgatam

‚Für mich, König, dem die Gattin geraubt und dem von dir das Königreich geraubt wurde - welchen Sinn hätte da das Leben? Wisse, dass die Stunde gekommen ist.‘

Wort für Wort
hṛtadārasya me rājan hṛtarājyasya ca tvayā kiṃ nu jīvitasāmarthyam iti viddhi samāgatam
‚Für mich, König, dem die Gattin geraubt und dem von dir das Königreich geraubt wurde - welchen Sinn hätte da das Leben? Wisse, dass die Stunde gekommen ist.‘

evam uktvā bahuvidhaṃ tatas tau saṃnipetatuḥ samare vālisugrīvau śālatālaśilāyudhau

Nachdem sie sich so auf vielfache Weise Worte gesagt hatten, stürzten sich Vālin und Sugrīva darauf im Kampf aufeinander, Śāla-Bäume, Palmen und Felsen als Waffen führend.

Wort für Wort
evam uktvā bahuvidhaṃ tatas tau saṃnipetatuḥ samare vālisugrīvau śālatālaśilāyudhau
Nachdem sie sich so auf vielfache Weise Worte gesagt hatten, stürzten sich Vālin und Sugrīva darauf im Kampf aufeinander, Śāla-Bäume, Palmen und Felsen als Waffen führend.

ubhau jaghnatur anyonyam ubhau bhūmau nipetatuḥ ubhau vavalgatuś citraṃ muṣṭibhiś ca nijaghnatuḥ

Beide schlugen einander, beide fielen zu Boden, beide sprangen auf wundersame Weise umher und schlugen sich mit den Fäusten.

Wort für Wort
ubhau jaghnatur anyonyam ubhau bhūmau nipetatuḥ ubhau vavalgatuś citraṃ muṣṭibhiś ca nijaghnatuḥ
Beide schlugen einander, beide fielen zu Boden, beide sprangen auf wundersame Weise umher und schlugen sich mit den Fäusten.

ubhau rudhirasaṃsiktau nakhadantaparikṣatau śuśubhāte tadā vīrau puṣpitāv iva kiṃśukau

Beide, von Blut bespritzt, von Krallen und Zähnen verwundet, erstrahlten da, die beiden Helden, wie zwei blühende Kiṃśuka-Bäume.

Wort für Wort
ubhau rudhirasaṃsiktau nakhadantaparikṣatau śuśubhāte tadā vīrau puṣpitāv iva kiṃśukau
Beide, von Blut bespritzt, von Krallen und Zähnen verwundet, erstrahlten da, die beiden Helden, wie zwei blühende Kiṃśuka-Bäume.

na viśeṣas tayor yuddhe tadā kaś cana dṛśyate sugrīvasya tadā mālāṃ hanūmān kaṇṭha āsajat

Kein Unterschied zwischen ihnen war in jenem Kampf zu erkennen; da legte Hanumant Sugrīva eine Girlande um den Hals,

Wort für Wort
na viśeṣas tayor yuddhe tadā kaś cana dṛśyate sugrīvasya tadā mālāṃ hanūmān kaṇṭha āsajat
Kein Unterschied zwischen ihnen war in jenem Kampf zu erkennen; da legte Hanumant Sugrīva eine Girlande um den Hals,

sa mālayā tadā vīraḥ śuśubhe kaṇṭhasaktayā śrīmān iva mahāśailo malayo meghamālayā

und mit der um den Hals gelegten Girlande erstrahlte da der Held, wie der glanzvolle, große Berg Malaya mit einem Kranz von Wolken.

Wort für Wort
sa mālayā tadā vīraḥ śuśubhe kaṇṭhasaktayā śrīmān iva mahāśailo malayo meghamālayā
und mit der um den Hals gelegten Girlande erstrahlte da der Held, wie der glanzvolle, große Berg Malaya mit einem Kranz von Wolken.

kṛtacihnaṃ tu sugrīvaṃ rāmo dṛṣṭvā mahādhanuḥ vicakarṣa dhanuḥśreṣṭhaṃ vālim uddiśya lakṣyavat

Rāma, den so gekennzeichneten Sugrīva erblickend, spannte den vortrefflichsten großen Bogen, auf Vālin zielend wie auf ein Ziel.

Wort für Wort
kṛtacihnaṃ tu sugrīvaṃ rāmo dṛṣṭvā mahādhanuḥ vicakarṣa dhanuḥśreṣṭhaṃ vālim uddiśya lakṣyavat
Rāma, den so gekennzeichneten Sugrīva erblickend, spannte den vortrefflichsten großen Bogen, auf Vālin zielend wie auf ein Ziel.

visphāras tasya dhanuṣo yantrasyeva tadā babhau vitatrāsa tadā vālī śareṇābhihato hṛdi

Der Schwirrlaut seines Bogens erklang da wie der einer Maschine; da erschrak Vālin, von einem Pfeil ins Herz getroffen.

Wort für Wort
visphāras tasya dhanuṣo yantrasyeva tadā babhau vitatrāsa tadā vālī śareṇābhihato hṛdi
Der Schwirrlaut seines Bogens erklang da wie der einer Maschine; da erschrak Vālin, von einem Pfeil ins Herz getroffen.

sa bhinnamarmābhihato vaktrāc choṇitam udvaman dadarśāvasthitaṃ rāmam ārāt saumitriṇā saha

Er, an einer lebenswichtigen Stelle getroffen und durchbohrt, Blut aus dem Mund speiend, erblickte Rāma, der aus der Nähe dastand, zusammen mit dem Sohn der Sumitrā.

Wort für Wort
sa bhinnamarmābhihato vaktrāc choṇitam udvaman dadarśāvasthitaṃ rāmam ārāt saumitriṇā saha
Er, an einer lebenswichtigen Stelle getroffen und durchbohrt, Blut aus dem Mund speiend, erblickte Rāma, der aus der Nähe dastand, zusammen mit dem Sohn der Sumitrā.

garhayitvā sa kākutsthaṃ papāta bhuvi mūrchitaḥ tārā dadarśa taṃ bhūmau tārāpatim iva cyutam

Nachdem er den Sproß des Kakutstha getadelt hatte, fiel er bewusstlos zu Boden; Tārā erblickte ihn auf der Erde, wie den vom Himmel gefallenen Mond.

Wort für Wort
garhayitvā sa kākutsthaṃ papāta bhuvi mūrchitaḥ tārā dadarśa taṃ bhūmau tārāpatim iva cyutam
Nachdem er den Sproß des Kakutstha getadelt hatte, fiel er bewusstlos zu Boden; Tārā erblickte ihn auf der Erde, wie den vom Himmel gefallenen Mond.

hate vālini sugrīvaḥ kiṣkindhāṃ pratyapadyata tāṃ ca tārāpatimukhīṃ tārāṃ nipatiteśvarām

Als Vālin erschlagen war, gelangte Sugrīva in den Besitz von Kiṣkindhā, und ebenso der Tārā, deren Antlitz dem Mond glich, deren Herr gefallen war.

Wort für Wort
hate vālini sugrīvaḥ kiṣkindhāṃ pratyapadyata tāṃ ca tārāpatimukhīṃ tārāṃ nipatiteśvarām
Als Vālin erschlagen war, gelangte Sugrīva in den Besitz von Kiṣkindhā, und ebenso der Tārā, deren Antlitz dem Mond glich, deren Herr gefallen war.

rāmas tu caturo māsān pṛṣṭhe mālyavataḥ śubhe nivāsam akarod dhīmān sugrīveṇābhyupasthitaḥ

Rāma aber, der Kluge, verweilte vier Monate auf dem schönen Rücken des Mālyavat, von Sugrīva versorgt.

Wort für Wort
rāmas tu caturo māsān pṛṣṭhe mālyavataḥ śubhe nivāsam akarod dhīmān sugrīveṇābhyupasthitaḥ
Rāma aber, der Kluge, verweilte vier Monate auf dem schönen Rücken des Mālyavat, von Sugrīva versorgt.

rāvaṇo 'pi purīṃ gatvā laṅkāṃ kāmabalātkṛtaḥ sītāṃ niveśayām āsa bhavane nandanopame aśokavanikābhyāśe tāpasāśramasaṃnibhe

Rāvaṇa aber, in seine Stadt Laṅkā zurückgekehrt, von Begierde überwältigt, ließ Sītā in einem Gebäude wohnen, dem Nandana-Garten gleich, in der Nähe des Aśoka-Hains, einem Asketen-Āśrama ähnlich.

Wort für Wort
rāvaṇo 'pi purīṃ gatvā laṅkāṃ kāmabalātkṛtaḥ sītāṃ niveśayām āsa bhavane nandanopame aśokavanikābhyāśe tāpasāśramasaṃnibhe
Rāvaṇa aber, in seine Stadt Laṅkā zurückgekehrt, von Begierde überwältigt, ließ Sītā in einem Gebäude wohnen, dem Nandana-Garten gleich, in der Nähe des Aśoka-Hains, einem Asketen-Āśrama ähnlich.

bhartṛsmaraṇatanvaṅgī tāpasīveṣadhāriṇī upavāsatapaḥśīlā tatra sā pṛthulekṣaṇā uvāsa duḥkhavasatīḥ phalamūlakṛtāśanā

Sie, die Schlankgliedrige, ständig an ihren Gatten denkend, die Tracht einer Asketin tragend, dem Fasten und der Askese zugetan, die Großäugige, verbrachte dort qualvolle Tage, sich von Früchten und Wurzeln nährend.

Wort für Wort
bhartṛsmaraṇatanvaṅgī tāpasīveṣadhāriṇī upavāsatapaḥśīlā tatra sā pṛthulekṣaṇā uvāsa duḥkhavasatīḥ phalamūlakṛtāśanā
Sie, die Schlankgliedrige, ständig an ihren Gatten denkend, die Tracht einer Asketin tragend, dem Fasten und der Askese zugetan, die Großäugige, verbrachte dort qualvolle Tage, sich von Früchten und Wurzeln nährend.

dideśa rākṣasīs tatra rakṣaṇe rākṣasādhipaḥ prāsāsiśūlaparaśumudgarālātadhāriṇīḥ

Der Herrscher der Rākṣasas setzte dort Rākṣasī-Frauen zur Bewachung ein, die Speere, Schwerter, Dreizacke, Äxte, Keulen und brennende Scheite trugen.

Wort für Wort
dideśa rākṣasīs tatra rakṣaṇe rākṣasādhipaḥ prāsāsiśūlaparaśumudgarālātadhāriṇīḥ
Der Herrscher der Rākṣasas setzte dort Rākṣasī-Frauen zur Bewachung ein, die Speere, Schwerter, Dreizacke, Äxte, Keulen und brennende Scheite trugen.

dvyakṣīṃ tryakṣīṃ lalāṭākṣīṃ dīrghajihvām ajihvikām tristanīm ekapādāṃ ca trijaṭām ekalocanām

Eine Zweiäugige, eine Dreiäugige, eine mit einem Auge auf der Stirn, eine mit langer Zunge, eine ohne Zunge, eine Dreibrüstige, eine Einbeinige, eine mit drei Haarsträhnen [Trijaṭā], eine Einäugige,

Wort für Wort
dvyakṣīṃ tryakṣīṃ lalāṭākṣīṃ dīrghajihvām ajihvikām tristanīm ekapādāṃ ca trijaṭām ekalocanām
Eine Zweiäugige, eine Dreiäugige, eine mit einem Auge auf der Stirn, eine mit langer Zunge, eine ohne Zunge, eine Dreibrüstige, eine Einbeinige, eine mit drei Haarsträhnen [Trijaṭā], eine Einäugige,

etāś cānyāś ca dīptākṣyaḥ karabhotkaṭamūrdhajāḥ parivāryāsate sītāṃ divārātram atandritāḥ

diese und andere, mit glühenden Augen, mit struppigem, kamelhöckerartigem Haar, saßen unermüdlich Tag und Nacht um Sītā herum.

Wort für Wort
etāś cānyāś ca dīptākṣyaḥ karabhotkaṭamūrdhajāḥ parivāryāsate sītāṃ divārātram atandritāḥ
diese und andere, mit glühenden Augen, mit struppigem, kamelhöckerartigem Haar, saßen unermüdlich Tag und Nacht um Sītā herum.

tās tu tām āyatāpāṅgīṃ piśācyo dāruṇasvanāḥ tarjayanti sadā raudrāḥ paruṣavyañjanākṣarāḥ

Jene Piśācī-Frauen mit schrecklichen Stimmen, stets grausig, mit harten, verzerrten Silben, bedrohten sie, die Langäugige, unablässig:

Wort für Wort
tās tu tām āyatāpāṅgīṃ piśācyo dāruṇasvanāḥ tarjayanti sadā raudrāḥ paruṣavyañjanākṣarāḥ
Jene Piśācī-Frauen mit schrecklichen Stimmen, stets grausig, mit harten, verzerrten Silben, bedrohten sie, die Langäugige, unablässig:

khādāma pāṭayāmaināṃ tilaśaḥ pravibhajya tām yeyaṃ bhartāram asmākam avamanyeha jīvati

‚Lasst uns sie verspeisen, lasst uns sie zerreißen, sie in sesamkorngroße Stücke zerteilend - sie, die unseren Herrn verachtet und hier weiterlebt!‘

Wort für Wort
khādāma pāṭayāmaināṃ tilaśaḥ pravibhajya tām yeyaṃ bhartāram asmākam avamanyeha jīvati
‚Lasst uns sie verspeisen, lasst uns sie zerreißen, sie in sesamkorngroße Stücke zerteilend - sie, die unseren Herrn verachtet und hier weiterlebt!‘

ity evaṃ paribhartsantīs trāsyamānā punaḥ punaḥ bhartṛśokasamāviṣṭā niḥśvasyedam uvāca tāḥ

So immer wieder bedroht und erschreckt, von Kummer um ihren Gatten erfüllt, sprach sie seufzend zu ihnen dies:

Wort für Wort
ity evaṃ paribhartsantīs trāsyamānā punaḥ punaḥ bhartṛśokasamāviṣṭā niḥśvasyedam uvāca tāḥ
So immer wieder bedroht und erschreckt, von Kummer um ihren Gatten erfüllt, sprach sie seufzend zu ihnen dies:

āryāḥ khādata māṃ śīghraṃ na me lobho 'sti jīvite vinā taṃ puṇḍarīkākṣaṃ nīlakuñcitamūrdhajam

‚Edle, verspeist mich schnell - kein Verlangen habe ich nach dem Leben ohne jenen Lotosäugigen mit dem dunklen, gelockten Haar.

Wort für Wort
āryāḥ khādata māṃ śīghraṃ na me lobho 'sti jīvite vinā taṃ puṇḍarīkākṣaṃ nīlakuñcitamūrdhajam
‚Edle, verspeist mich schnell - kein Verlangen habe ich nach dem Leben ohne jenen Lotosäugigen mit dem dunklen, gelockten Haar.

apy evāhaṃ nirāhārā jīvitapriyavarjitā śoṣayiṣyāmi gātrāṇi vyālī tālagatā yathā

Oder ich werde, ohne Nahrung, der Freude am Leben beraubt, meine Glieder verdorren lassen, wie eine Schlange, die auf einer Palme gefangen ist.

Wort für Wort
apy evāhaṃ nirāhārā jīvitapriyavarjitā śoṣayiṣyāmi gātrāṇi vyālī tālagatā yathā
Oder ich werde, ohne Nahrung, der Freude am Leben beraubt, meine Glieder verdorren lassen, wie eine Schlange, die auf einer Palme gefangen ist.

na tv anyam abhigaccheyaṃ pumāṃsaṃ rāghavād ṛte iti jānīta satyaṃ me kriyatāṃ yad anantaram

Doch niemals werde ich mich einem anderen Mann zuwenden außer dem Sproß Raghus - wisset dies als meine Wahrheit; tut, was euch danach beliebt.‘

Wort für Wort
na tv anyam abhigaccheyaṃ pumāṃsaṃ rāghavād ṛte iti jānīta satyaṃ me kriyatāṃ yad anantaram
Doch niemals werde ich mich einem anderen Mann zuwenden außer dem Sproß Raghus - wisset dies als meine Wahrheit; tut, was euch danach beliebt.‘

tasyās tad vacanaṃ śrutvā rākṣasyas tāḥ kharasvanāḥ ākhyātuṃ rākṣasendrāya jagmus tat sarvam āditaḥ

Nachdem sie dieses ihr Wort vernommen hatten, gingen jene Rākṣasī-Frauen mit den rauhen Stimmen, um dem Herrscher der Rākṣasas alles von Anfang an zu berichten.

Wort für Wort
tasyās tad vacanaṃ śrutvā rākṣasyas tāḥ kharasvanāḥ ākhyātuṃ rākṣasendrāya jagmus tat sarvam āditaḥ
Nachdem sie dieses ihr Wort vernommen hatten, gingen jene Rākṣasī-Frauen mit den rauhen Stimmen, um dem Herrscher der Rākṣasas alles von Anfang an zu berichten.

gatāsu tāsu sarvāsu trijaṭā nāma rākṣasī sāntvayām āsa vaidehīṃ dharmajñā priyavādinī

Als sie alle gegangen waren, tröstete eine Rākṣasī namens Trijaṭā, dharmakundig und freundlich redend, die Tochter Videhas:

Wort für Wort
gatāsu tāsu sarvāsu trijaṭā nāma rākṣasī sāntvayām āsa vaidehīṃ dharmajñā priyavādinī
Als sie alle gegangen waren, tröstete eine Rākṣasī namens Trijaṭā, dharmakundig und freundlich redend, die Tochter Videhas:

sīte vakṣyāmi te kiṃ cid viśvāsaṃ kuru me sakhi bhayaṃ te vyetu vāmoru śṛṇu cedaṃ vaco mama

‚Sītā, ich will dir etwas sagen; schenke mir Vertrauen, Freundin; deine Furcht möge weichen, Schönhüftige - höre dieses mein Wort.

Wort für Wort
sīte vakṣyāmi te kiṃ cid viśvāsaṃ kuru me sakhi bhayaṃ te vyetu vāmoru śṛṇu cedaṃ vaco mama
‚Sītā, ich will dir etwas sagen; schenke mir Vertrauen, Freundin; deine Furcht möge weichen, Schönhüftige - höre dieses mein Wort.

avindhyo nāma medhāvī vṛddho rākṣasapuṃgavaḥ sa rāmasya hitānveṣī tvadarthe hi sa māvadat

Es gibt einen kundigen, alten Stier unter den Rākṣasas namens Avindhya; er, Rāmas Wohl suchend, sprach zu mir um deinetwillen:

Wort für Wort
avindhyo nāma medhāvī vṛddho rākṣasapuṃgavaḥ sa rāmasya hitānveṣī tvadarthe hi sa māvadat
Es gibt einen kundigen, alten Stier unter den Rākṣasas namens Avindhya; er, Rāmas Wohl suchend, sprach zu mir um deinetwillen:

sītā madvacanād vācyā samāśvāsya prasādya ca bhartā te kuśalī rāmo lakṣmaṇānugato balī

Sītā soll auf mein Wort hin, nachdem sie getröstet und beruhigt wurde, [wissen]: dein Gatte Rāma ist wohlauf, der Starke, begleitet von Lakṣmaṇa.

Wort für Wort
sītā madvacanād vācyā samāśvāsya prasādya ca bhartā te kuśalī rāmo lakṣmaṇānugato balī
Sītā soll auf mein Wort hin, nachdem sie getröstet und beruhigt wurde, [wissen]: dein Gatte Rāma ist wohlauf, der Starke, begleitet von Lakṣmaṇa.

sakhyaṃ vānararājena śakrapratimatejasā kṛtavān rāghavaḥ śrīmāṃs tvadarthe ca samudyataḥ

Freundschaft mit dem Affenkönig, der an Glanz Śakra gleicht, hat der glanzvolle Sproß Raghus geschlossen, und er ist um deinetwillen zum Handeln bereit.

Wort für Wort
sakhyaṃ vānararājena śakrapratimatejasā kṛtavān rāghavaḥ śrīmāṃs tvadarthe ca samudyataḥ
Freundschaft mit dem Affenkönig, der an Glanz Śakra gleicht, hat der glanzvolle Sproß Raghus geschlossen, und er ist um deinetwillen zum Handeln bereit.

mā ca te 'stu bhayaṃ bhīru rāvaṇāl lokagarhitāt nalakūbaraśāpena rakṣitā hy asy anindite

Und keine Furcht sollst du vor Rāvaṇa haben, dem von der Welt Verachteten, du Furchtsame - durch Nalakūbaras Fluch bist du geschützt, du Untadelige.

Wort für Wort
mā ca te 'stu bhayaṃ bhīru rāvaṇāl lokagarhitāt nalakūbaraśāpena rakṣitā hy asy anindite
Und keine Furcht sollst du vor Rāvaṇa haben, dem von der Welt Verachteten, du Furchtsame - durch Nalakūbaras Fluch bist du geschützt, du Untadelige.

Anspielung auf den Fluch, den Nalakūbara (Sohn Kuberas) über Rāvaṇa aussprach, nachdem dieser sich der Apsaras Rambhā gegen ihren Willen genähert hatte: Rāvaṇa könne sich fortan keiner unwilligen Frau mehr nähern, ohne zu sterben.

śapto hy eṣa purā pāpo vadhūṃ rambhāṃ parāmṛśan na śakto vivaśāṃ nārīm upaitum ajitendriyaḥ

Denn dieser Sünder wurde einst verflucht, als er sich der jungen Frau Rambhā unziemlich näherte: er, der seine Sinne nicht bezwungen hat, ist nicht imstande, sich einer widerstrebenden Frau zu nähern.

Wort für Wort
śapto hy eṣa purā pāpo vadhūṃ rambhāṃ parāmṛśan na śakto vivaśāṃ nārīm upaitum ajitendriyaḥ
Denn dieser Sünder wurde einst verflucht, als er sich der jungen Frau Rambhā unziemlich näherte: er, der seine Sinne nicht bezwungen hat, ist nicht imstande, sich einer widerstrebenden Frau zu nähern.

kṣipram eṣyati te bhartā sugrīveṇābhirakṣitaḥ saumitrisahito dhīmāṃs tvāṃ ceto mokṣayiṣyati

Bald wird dein Gatte kommen, von Sugrīva beschützt, zusammen mit dem Sohn der Sumitrā, der Kluge; er wird dein Herz von seiner Sorge befreien.

Wort für Wort
kṣipram eṣyati te bhartā sugrīveṇābhirakṣitaḥ saumitrisahito dhīmāṃs tvāṃ ceto mokṣayiṣyati
Bald wird dein Gatte kommen, von Sugrīva beschützt, zusammen mit dem Sohn der Sumitrā, der Kluge; er wird dein Herz von seiner Sorge befreien.

svapnā hi sumahāghorā dṛṣṭā me 'niṣṭadarśanāḥ vināśāyāsya durbuddheḥ paulastyakulaghātinaḥ

Denn überaus schreckliche Träume, von unheilvollem Anblick, habe ich gesehen, die den Untergang dieses Bösgesinnten ankündigen, der [durch seine eigenen Taten zum] Vernichter des Geschlechts des Pulastya [wird].

Wort für Wort
svapnā hi sumahāghorā dṛṣṭā me 'niṣṭadarśanāḥ vināśāyāsya durbuddheḥ paulastyakulaghātinaḥ
Denn überaus schreckliche Träume, von unheilvollem Anblick, habe ich gesehen, die den Untergang dieses Bösgesinnten ankündigen, der [durch seine eigenen Taten zum] Vernichter des Geschlechts des Pulastya [wird].

Gemeint ist, dass Rāvaṇa durch sein eigenes Verhalten zum Verderben seines eigenen, von Pulastya abstammenden Geschlechts wird.

dāruṇo hy eṣa duṣṭātmā kṣudrakarmā niśācaraḥ svabhāvāc chīladoṣeṇa sarveṣāṃ bhayavardhanaḥ

Denn dieser grausame, bösartige, niederträchtig handelnde Nachtwandler mehrt von Natur aus, durch den Fehler seines Charakters, bei allen die Furcht.

Wort für Wort
dāruṇo hy eṣa duṣṭātmā kṣudrakarmā niśācaraḥ svabhāvāc chīladoṣeṇa sarveṣāṃ bhayavardhanaḥ
Denn dieser grausame, bösartige, niederträchtig handelnde Nachtwandler mehrt von Natur aus, durch den Fehler seines Charakters, bei allen die Furcht.

spardhate sarvadevair yaḥ kālopahatacetanaḥ mayā vināśaliṅgāni svapne dṛṣṭāni tasya vai

Er, der mit allen Göttern wetteifert, dessen Geist von der Zeit [dem Schicksal] getroffen ist - von mir wurden im Traum fürwahr die Zeichen seines Untergangs gesehen:

Wort für Wort
spardhate sarvadevair yaḥ kālopahatacetanaḥ mayā vināśaliṅgāni svapne dṛṣṭāni tasya vai
Er, der mit allen Göttern wetteifert, dessen Geist von der Zeit [dem Schicksal] getroffen ist - von mir wurden im Traum fürwahr die Zeichen seines Untergangs gesehen:

tailābhiṣikto vikaco majjan paṅke daśānanaḥ asakṛt kharayukte tu rathe nṛtyann iva sthitaḥ

mit Öl gesalbt, kahlgeschoren, im Schlamm versinkend, der Zehnköpfige; wiederholt, auf einem mit Eseln bespannten Wagen stehend, wie tanzend.

Wort für Wort
tailābhiṣikto vikaco majjan paṅke daśānanaḥ asakṛt kharayukte tu rathe nṛtyann iva sthitaḥ
mit Öl gesalbt, kahlgeschoren, im Schlamm versinkend, der Zehnköpfige; wiederholt, auf einem mit Eseln bespannten Wagen stehend, wie tanzend.

Ein von Eseln gezogener Wagen gilt in der altindischen Traumdeutung als Vorzeichen von Tod und Unglück.

kumbhakarṇādayaś ceme nagnāḥ patitamūrdhajāḥ kṛṣyante dakṣiṇām āśāṃ raktamālyānulepanāḥ

Und Kumbhakarṇa und die anderen, nackt, mit ausgefallenem Haar, werden nach Süden gezerrt, mit roten Girlanden und roter Salbe versehen.

Wort für Wort
kumbhakarṇādayaś ceme nagnāḥ patitamūrdhajāḥ kṛṣyante dakṣiṇām āśāṃ raktamālyānulepanāḥ
Und Kumbhakarṇa und die anderen, nackt, mit ausgefallenem Haar, werden nach Süden gezerrt, mit roten Girlanden und roter Salbe versehen.

Die Südrichtung, rote Girlanden und rote Salbe sind traditionell mit Yama, dem Gott des Todes, und dem Totenreich verbunden - ein Vorzeichen ihres bevorstehenden Todes.

śvetātapatraḥ soṣṇīṣaḥ śuklamālyavibhūṣaṇaḥ śvetaparvatam ārūḍha eka eva vibhīṣaṇaḥ

Mit einem weißen Sonnenschirm, mit einem Turban, mit weißen Girlanden geschmückt, allein auf einen weißen Berg gestiegen, [erschien] Vibhīṣaṇa,

Wort für Wort
śvetātapatraḥ soṣṇīṣaḥ śuklamālyavibhūṣaṇaḥ śvetaparvatam ārūḍha eka eva vibhīṣaṇaḥ
Mit einem weißen Sonnenschirm, mit einem Turban, mit weißen Girlanden geschmückt, allein auf einen weißen Berg gestiegen, [erschien] Vibhīṣaṇa,

sacivāś cāsya catvāraḥ śuklamālyānulepanāḥ śvetaparvatam ārūḍhā mokṣyante 'smān mahābhayāt

und seine vier Minister, mit weißen Girlanden und Salbe, auf den weißen Berg gestiegen - sie werden aus dieser großen Gefahr befreit werden.

Wort für Wort
sacivāś cāsya catvāraḥ śuklamālyānulepanāḥ śvetaparvatam ārūḍhā mokṣyante 'smān mahābhayāt
und seine vier Minister, mit weißen Girlanden und Salbe, auf den weißen Berg gestiegen - sie werden aus dieser großen Gefahr befreit werden.

Die weiße Farbe steht hier im Gegensatz zur roten Farbe der zum Tode Bestimmten und kündigt Rettung und Wohlergehen an.

rāmasyāstreṇa pṛthivī parikṣiptā sasāgarā yaśasā pṛthivīṃ kṛtsnāṃ pūrayiṣyati te patiḥ

Die vom Ozean umschlossene Erde ist von Rāmas Waffe umfasst; mit Ruhm wird dein Gatte die gesamte Erde erfüllen.

Wort für Wort
rāmasyāstreṇa pṛthivī parikṣiptā sasāgarā yaśasā pṛthivīṃ kṛtsnāṃ pūrayiṣyati te patiḥ
Die vom Ozean umschlossene Erde ist von Rāmas Waffe umfasst; mit Ruhm wird dein Gatte die gesamte Erde erfüllen.

asthisaṃcayam ārūḍho bhuñjāno madhupāyasam lakṣmaṇaś ca mayā dṛṣṭo nirīkṣan sarvatodiśaḥ

Und Lakṣmaṇa wurde von mir gesehen, wie er, auf einen Knochenhaufen gestiegen, honigsüßen Milchreis verzehrte, nach allen Richtungen blickend.

Wort für Wort
asthisaṃcayam ārūḍho bhuñjāno madhupāyasam lakṣmaṇaś ca mayā dṛṣṭo nirīkṣan sarvatodiśaḥ
Und Lakṣmaṇa wurde von mir gesehen, wie er, auf einen Knochenhaufen gestiegen, honigsüßen Milchreis verzehrte, nach allen Richtungen blickend.

Ein scheinbar unheimliches Traumbild (Sitzen auf einem Knochenhaufen), das jedoch, verbunden mit dem Verzehr der süßen Speise, in der Traumdeutung als Zeichen künftigen Sieges und Wohlstands gilt.

rudatī rudhirārdrāṅgī vyāghreṇa parirakṣitā asakṛt tvaṃ mayā dṛṣṭā gacchantī diśam uttarām

Weinend, deinen Körper blutfeucht, von einem Tiger beschützt, wurdest du wiederholt von mir gesehen, wie du in die nördliche Richtung zogst.

Wort für Wort
rudatī rudhirārdrāṅgī vyāghreṇa parirakṣitā asakṛt tvaṃ mayā dṛṣṭā gacchantī diśam uttarām
Weinend, deinen Körper blutfeucht, von einem Tiger beschützt, wurdest du wiederholt von mir gesehen, wie du in die nördliche Richtung zogst.

Auch dieses Bild - Weinen und ein blutbenetzter Körper - gilt in der Traumdeutung, trotz seines düsteren Anscheins, als Vorzeichen bevorstehender Freude.

harṣam eṣyasi vaidehi kṣipraṃ bhartṛsamanvitā rāghaveṇa saha bhrātrā sīte tvam acirād iva

Freude wirst du empfangen, Tochter Videhas, bald, mit deinem Gatten vereint - mit dem Sproß Raghus zusammen mit seinem Bruder, Sītā, gewiss in Kürze.‘

Wort für Wort
harṣam eṣyasi vaidehi kṣipraṃ bhartṛsamanvitā rāghaveṇa saha bhrātrā sīte tvam acirād iva
Freude wirst du empfangen, Tochter Videhas, bald, mit deinem Gatten vereint - mit dem Sproß Raghus zusammen mit seinem Bruder, Sītā, gewiss in Kürze.‘

iti sā mṛgaśāvākṣī tac chrutvā trijaṭāvacaḥ babhūvāśāvatī bālā punar bhartṛsamāgame

So, nachdem sie Trijaṭās Worte vernommen hatte, wurde sie, die Rehäugige, die junge Frau, wieder hoffnungsvoll auf die Wiedervereinigung mit ihrem Gatten.

Wort für Wort
iti sā mṛgaśāvākṣī tac chrutvā trijaṭāvacaḥ babhūvāśāvatī bālā punar bhartṛsamāgame
So, nachdem sie Trijaṭās Worte vernommen hatte, wurde sie, die Rehäugige, die junge Frau, wieder hoffnungsvoll auf die Wiedervereinigung mit ihrem Gatten.

yāvad abhyāgatā raudrāḥ piśācyas tāḥ sudāruṇāḥ dadṛśus tāṃ trijaṭayā sahāsīnāṃ yathā purā

Da kehrten die grausigen, überaus schrecklichen Piśācī-Frauen zurück und sahen sie, zusammen mit Trijaṭā sitzend, wie zuvor.“

Wort für Wort
yāvad abhyāgatā raudrāḥ piśācyas tāḥ sudāruṇāḥ dadṛśus tāṃ trijaṭayā sahāsīnāṃ yathā purā
Da kehrten die grausigen, überaus schrecklichen Piśācī-Frauen zurück und sahen sie, zusammen mit Trijaṭā sitzend, wie zuvor.“

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