Kapitel 264: Rāmopākhyānam (7)
Das Bündnis mit Sugrīva, Vālins Tod und Trijaṭās Traum
Lakṣmaṇa tröstet den trauernden Rāma und drängt ihn zum Handeln; sie schließen ein Bündnis mit Sugrīva, dem Rāma im Gegenzug den Tod seines Bruders Vālin im Kampf verspricht. Nach Vālins Tod durch Rāmas Pfeil wird Sugrīva König der Affen. Parallel dazu wird Sītās Gefangenschaft in Laṅkā geschildert: von grausigen Rākṣasī-Wächterinnen bedroht, bleibt sie standhaft und bereit zu sterben, ehe sie Rāma untreu würde. Die Rākṣasī Trijaṭā tröstet sie mit dem Bericht eines ausführlichen, vielfach durch Farbsymbolik (rot für Tod, weiß für Rettung) gedeuteten Traumes, der Rāvaṇas Untergang und Rāmas Sieg verheißt.
mārkaṇḍeya uvāca tato 'vidūre nalinīṃ prabhūtakamalotpalām sītāharaṇaduḥkhārtaḥ pampāṃ rāmaḥ samāsadat
Mārkaṇḍeya sprach: „Darauf erreichte Rāma, vom Schmerz über Sītās Entführung gequält, nicht weit von dort einen Lotusteich mit zahlreichen Lotos- und Seerosenblüten, den Pampā-See.
Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca tato 'vidūre nalinīṃ prabhūtakamalotpalām sītāharaṇaduḥkhārtaḥ pampāṃ rāmaḥ samāsadat
Mārkaṇḍeya sprach: „Darauf erreichte Rāma, vom Schmerz über Sītās Entführung gequält, nicht weit von dort einen Lotusteich mit zahlreichen Lotos- und Seerosenblüten, den Pampā-See.
vilalāpa sa rājendras tatra kāntām anusmaran kāmabāṇābhisaṃtaptaḥ saumitris tam athābravīt
Er, der König der Könige, klagte dort, seine Geliebte erinnernd, von den Pfeilen des Liebesgottes gequält; der Sohn der Sumitrā sprach da zu ihm: ‚Solch ein Zustand sollte dich nicht berühren, Ehrenspender,
Wort für Wort
vilalāpa sa rājendras tatra kāntām anusmaran kāmabāṇābhisaṃtaptaḥ saumitris tam athābravīt
Er, der König der Könige, klagte dort, seine Geliebte erinnernd, von den Pfeilen des Liebesgottes gequält; der Sohn der Sumitrā sprach da zu ihm: ‚Solch ein Zustand sollte dich nicht berühren, Ehrenspender,
Nachdem sie das Wasser des Pampā-Sees genutzt und auch die Vorväter mit Wasser erquickt hatten, machten sich die beiden heldenhaften Brüder, Rāma und Lakṣmaṇa, auf den Weg.
Nachdem sie das Wasser des Pampā-Sees genutzt und auch die Vorväter mit Wasser erquickt hatten, machten sich die beiden heldenhaften Brüder, Rāma und Lakṣmaṇa, auf den Weg.
Nachdem sie dies gesagt, ein Abkommen getroffen und sich gegenseitig Vertrauen geschenkt hatten, kamen alle nach Kiṣkindhā und verweilten dort, den Kampf begehrend.
Nachdem sie dies gesagt, ein Abkommen getroffen und sich gegenseitig Vertrauen geschenkt hatten, kamen alle nach Kiṣkindhā und verweilten dort, den Kampf begehrend.
Nachdem sie einen Augenblick nachgedacht hatte, sprach Tārā, von leuchtender Schönheit wie der Mondherr, die Kluge, zu ihrem Gatten: ‚Höre alles, Herr der Affen.
Nachdem sie einen Augenblick nachgedacht hatte, sprach Tārā, von leuchtender Schönheit wie der Mondherr, die Kluge, zu ihrem Gatten: ‚Höre alles, Herr der Affen.
Rāma, der Sohn Daśarathas, von großer Kraft, dessen Gattin geraubt wurde, der Bogenträger, ist mit Sugrīva ein Bündnis gleicher Feinde und Freunde eingegangen.
Rāma, der Sohn Daśarathas, von großer Kraft, dessen Gattin geraubt wurde, der Bogenträger, ist mit Sugrīva ein Bündnis gleicher Feinde und Freunde eingegangen.
‚Mehr als einmal, Tor, wurdest du von mir besiegt und, weil dir das Leben lieb war, freigelassen, da ich wusste, du seist mein Verwandter - wozu diese Eile zum erneuten Sterben?‘
‚Mehr als einmal, Tor, wurdest du von mir besiegt und, weil dir das Leben lieb war, freigelassen, da ich wusste, du seist mein Verwandter - wozu diese Eile zum erneuten Sterben?‘
hṛtadārasya me rājan hṛtarājyasya ca tvayā kiṃ nu jīvitasāmarthyam iti viddhi samāgatam
‚Für mich, König, dem die Gattin geraubt und dem von dir das Königreich geraubt wurde - welchen Sinn hätte da das Leben? Wisse, dass die Stunde gekommen ist.‘
Wort für Wort
hṛtadārasya me rājan hṛtarājyasya ca tvayā kiṃ nu jīvitasāmarthyam iti viddhi samāgatam
‚Für mich, König, dem die Gattin geraubt und dem von dir das Königreich geraubt wurde - welchen Sinn hätte da das Leben? Wisse, dass die Stunde gekommen ist.‘
evam uktvā bahuvidhaṃ tatas tau saṃnipetatuḥ samare vālisugrīvau śālatālaśilāyudhau
Nachdem sie sich so auf vielfache Weise Worte gesagt hatten, stürzten sich Vālin und Sugrīva darauf im Kampf aufeinander, Śāla-Bäume, Palmen und Felsen als Waffen führend.
Wort für Wort
evam uktvā bahuvidhaṃ tatas tau saṃnipetatuḥ samare vālisugrīvau śālatālaśilāyudhau
Nachdem sie sich so auf vielfache Weise Worte gesagt hatten, stürzten sich Vālin und Sugrīva darauf im Kampf aufeinander, Śāla-Bäume, Palmen und Felsen als Waffen führend.
sa bhinnamarmābhihato vaktrāc choṇitam udvaman dadarśāvasthitaṃ rāmam ārāt saumitriṇā saha
Er, an einer lebenswichtigen Stelle getroffen und durchbohrt, Blut aus dem Mund speiend, erblickte Rāma, der aus der Nähe dastand, zusammen mit dem Sohn der Sumitrā.
Wort für Wort
sa bhinnamarmābhihato vaktrāc choṇitam udvaman dadarśāvasthitaṃ rāmam ārāt saumitriṇā saha
Er, an einer lebenswichtigen Stelle getroffen und durchbohrt, Blut aus dem Mund speiend, erblickte Rāma, der aus der Nähe dastand, zusammen mit dem Sohn der Sumitrā.
Rāvaṇa aber, in seine Stadt Laṅkā zurückgekehrt, von Begierde überwältigt, ließ Sītā in einem Gebäude wohnen, dem Nandana-Garten gleich, in der Nähe des Aśoka-Hains, einem Asketen-Āśrama ähnlich.
Rāvaṇa aber, in seine Stadt Laṅkā zurückgekehrt, von Begierde überwältigt, ließ Sītā in einem Gebäude wohnen, dem Nandana-Garten gleich, in der Nähe des Aśoka-Hains, einem Asketen-Āśrama ähnlich.
bhartṛsmaraṇatanvaṅgī tāpasīveṣadhāriṇī upavāsatapaḥśīlā tatra sā pṛthulekṣaṇā uvāsa duḥkhavasatīḥ phalamūlakṛtāśanā
Sie, die Schlankgliedrige, ständig an ihren Gatten denkend, die Tracht einer Asketin tragend, dem Fasten und der Askese zugetan, die Großäugige, verbrachte dort qualvolle Tage, sich von Früchten und Wurzeln nährend.
Wort für Wort
bhartṛsmaraṇatanvaṅgī tāpasīveṣadhāriṇī upavāsatapaḥśīlā tatra sā pṛthulekṣaṇā uvāsa duḥkhavasatīḥ phalamūlakṛtāśanā
Sie, die Schlankgliedrige, ständig an ihren Gatten denkend, die Tracht einer Asketin tragend, dem Fasten und der Askese zugetan, die Großäugige, verbrachte dort qualvolle Tage, sich von Früchten und Wurzeln nährend.
dvyakṣīṃ tryakṣīṃ lalāṭākṣīṃ dīrghajihvām ajihvikām tristanīm ekapādāṃ ca trijaṭām ekalocanām
Eine Zweiäugige, eine Dreiäugige, eine mit einem Auge auf der Stirn, eine mit langer Zunge, eine ohne Zunge, eine Dreibrüstige, eine Einbeinige, eine mit drei Haarsträhnen [Trijaṭā], eine Einäugige,
Wort für Wort
dvyakṣīṃ tryakṣīṃ lalāṭākṣīṃ dīrghajihvām ajihvikām tristanīm ekapādāṃ ca trijaṭām ekalocanām
Eine Zweiäugige, eine Dreiäugige, eine mit einem Auge auf der Stirn, eine mit langer Zunge, eine ohne Zunge, eine Dreibrüstige, eine Einbeinige, eine mit drei Haarsträhnen [Trijaṭā], eine Einäugige,
tasyās tad vacanaṃ śrutvā rākṣasyas tāḥ kharasvanāḥ ākhyātuṃ rākṣasendrāya jagmus tat sarvam āditaḥ
Nachdem sie dieses ihr Wort vernommen hatten, gingen jene Rākṣasī-Frauen mit den rauhen Stimmen, um dem Herrscher der Rākṣasas alles von Anfang an zu berichten.
Wort für Wort
tasyās tad vacanaṃ śrutvā rākṣasyas tāḥ kharasvanāḥ ākhyātuṃ rākṣasendrāya jagmus tat sarvam āditaḥ
Nachdem sie dieses ihr Wort vernommen hatten, gingen jene Rākṣasī-Frauen mit den rauhen Stimmen, um dem Herrscher der Rākṣasas alles von Anfang an zu berichten.
sakhyaṃ vānararājena śakrapratimatejasā kṛtavān rāghavaḥ śrīmāṃs tvadarthe ca samudyataḥ
Freundschaft mit dem Affenkönig, der an Glanz Śakra gleicht, hat der glanzvolle Sproß Raghus geschlossen, und er ist um deinetwillen zum Handeln bereit.
Wort für Wort
sakhyaṃ vānararājena śakrapratimatejasā kṛtavān rāghavaḥ śrīmāṃs tvadarthe ca samudyataḥ
Freundschaft mit dem Affenkönig, der an Glanz Śakra gleicht, hat der glanzvolle Sproß Raghus geschlossen, und er ist um deinetwillen zum Handeln bereit.
mā ca te 'stu bhayaṃ bhīru rāvaṇāl lokagarhitāt nalakūbaraśāpena rakṣitā hy asy anindite
Und keine Furcht sollst du vor Rāvaṇa haben, dem von der Welt Verachteten, du Furchtsame - durch Nalakūbaras Fluch bist du geschützt, du Untadelige.
Wort für Wort
mā ca te 'stu bhayaṃ bhīru rāvaṇāl lokagarhitāt nalakūbaraśāpena rakṣitā hy asy anindite
Und keine Furcht sollst du vor Rāvaṇa haben, dem von der Welt Verachteten, du Furchtsame - durch Nalakūbaras Fluch bist du geschützt, du Untadelige.
Anspielung auf den Fluch, den Nalakūbara (Sohn Kuberas) über Rāvaṇa aussprach, nachdem dieser sich der Apsaras Rambhā gegen ihren Willen genähert hatte: Rāvaṇa könne sich fortan keiner unwilligen Frau mehr nähern, ohne zu sterben.
śapto hy eṣa purā pāpo vadhūṃ rambhāṃ parāmṛśan na śakto vivaśāṃ nārīm upaitum ajitendriyaḥ
Denn dieser Sünder wurde einst verflucht, als er sich der jungen Frau Rambhā unziemlich näherte: er, der seine Sinne nicht bezwungen hat, ist nicht imstande, sich einer widerstrebenden Frau zu nähern.
Wort für Wort
śapto hy eṣa purā pāpo vadhūṃ rambhāṃ parāmṛśan na śakto vivaśāṃ nārīm upaitum ajitendriyaḥ
Denn dieser Sünder wurde einst verflucht, als er sich der jungen Frau Rambhā unziemlich näherte: er, der seine Sinne nicht bezwungen hat, ist nicht imstande, sich einer widerstrebenden Frau zu nähern.
svapnā hi sumahāghorā dṛṣṭā me 'niṣṭadarśanāḥ vināśāyāsya durbuddheḥ paulastyakulaghātinaḥ
Denn überaus schreckliche Träume, von unheilvollem Anblick, habe ich gesehen, die den Untergang dieses Bösgesinnten ankündigen, der [durch seine eigenen Taten zum] Vernichter des Geschlechts des Pulastya [wird].
Wort für Wort
svapnā hi sumahāghorā dṛṣṭā me 'niṣṭadarśanāḥ vināśāyāsya durbuddheḥ paulastyakulaghātinaḥ
Denn überaus schreckliche Träume, von unheilvollem Anblick, habe ich gesehen, die den Untergang dieses Bösgesinnten ankündigen, der [durch seine eigenen Taten zum] Vernichter des Geschlechts des Pulastya [wird].
Gemeint ist, dass Rāvaṇa durch sein eigenes Verhalten zum Verderben seines eigenen, von Pulastya abstammenden Geschlechts wird.
spardhate sarvadevair yaḥ kālopahatacetanaḥ mayā vināśaliṅgāni svapne dṛṣṭāni tasya vai
Er, der mit allen Göttern wetteifert, dessen Geist von der Zeit [dem Schicksal] getroffen ist - von mir wurden im Traum fürwahr die Zeichen seines Untergangs gesehen:
Wort für Wort
spardhate sarvadevair yaḥ kālopahatacetanaḥ mayā vināśaliṅgāni svapne dṛṣṭāni tasya vai
Er, der mit allen Göttern wetteifert, dessen Geist von der Zeit [dem Schicksal] getroffen ist - von mir wurden im Traum fürwahr die Zeichen seines Untergangs gesehen:
Und Kumbhakarṇa und die anderen, nackt, mit ausgefallenem Haar, werden nach Süden gezerrt, mit roten Girlanden und roter Salbe versehen.
Die Südrichtung, rote Girlanden und rote Salbe sind traditionell mit Yama, dem Gott des Todes, und dem Totenreich verbunden - ein Vorzeichen ihres bevorstehenden Todes.
asthisaṃcayam ārūḍho bhuñjāno madhupāyasam lakṣmaṇaś ca mayā dṛṣṭo nirīkṣan sarvatodiśaḥ
Und Lakṣmaṇa wurde von mir gesehen, wie er, auf einen Knochenhaufen gestiegen, honigsüßen Milchreis verzehrte, nach allen Richtungen blickend.
Wort für Wort
asthisaṃcayam ārūḍho bhuñjāno madhupāyasam lakṣmaṇaś ca mayā dṛṣṭo nirīkṣan sarvatodiśaḥ
Und Lakṣmaṇa wurde von mir gesehen, wie er, auf einen Knochenhaufen gestiegen, honigsüßen Milchreis verzehrte, nach allen Richtungen blickend.
Ein scheinbar unheimliches Traumbild (Sitzen auf einem Knochenhaufen), das jedoch, verbunden mit dem Verzehr der süßen Speise, in der Traumdeutung als Zeichen künftigen Sieges und Wohlstands gilt.
Weinend, deinen Körper blutfeucht, von einem Tiger beschützt, wurdest du wiederholt von mir gesehen, wie du in die nördliche Richtung zogst.
Auch dieses Bild - Weinen und ein blutbenetzter Körper - gilt in der Traumdeutung, trotz seines düsteren Anscheins, als Vorzeichen bevorstehender Freude.
So, nachdem sie Trijaṭās Worte vernommen hatte, wurde sie, die Rehäugige, die junge Frau, wieder hoffnungsvoll auf die Wiedervereinigung mit ihrem Gatten.
So, nachdem sie Trijaṭās Worte vernommen hatte, wurde sie, die Rehäugige, die junge Frau, wieder hoffnungsvoll auf die Wiedervereinigung mit ihrem Gatten.