Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 262: Rāmopākhyānam (5) Der goldene Hirsch und der Beginn von Sītās Entführung

Rāvaṇa gewinnt den widerstrebenden Mārīca für seinen Plan: als juwelenglänzender Hirsch soll er Sītā verlocken, damit Rāma sich von ihr entfernt. Rāma erlegt den Hirsch, der sterbend mit seiner eigenen Stimme um Hilfe ruft; Sītā, in Sorge, schickt den widerstrebenden Lakṣmaṇa fort und weist seinen Verdacht scharf zurück. Rāvaṇa, als Asket verkleidet, nähert sich Sītā, wirft die Verkleidung ab, wirbt vergeblich um sie und entführt sie schließlich mit Gewalt durch die Luft, während der Geier Jaṭāyu Zeuge wird.

mārkaṇḍeya uvāca mārīcas tv atha saṃbhrānto dṛṣṭvā rāvaṇam āgatam pūjayām āsa satkāraiḥ phalamūlādibhis tathā

Mārkaṇḍeya sprach: „Mārīca aber, bestürzt, als er Rāvaṇa ankommen sah, verehrte ihn mit Ehrerbietungen, mit Früchten, Wurzeln und dergleichen.

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca mārīcas tv atha saṃbhrānto dṛṣṭvā rāvaṇam āgatam pūjayām āsa satkāraiḥ phalamūlādibhis tathā
Mārkaṇḍeya sprach: „Mārīca aber, bestürzt, als er Rāvaṇa ankommen sah, verehrte ihn mit Ehrerbietungen, mit Früchten, Wurzeln und dergleichen.

viśrāntaṃ cainam āsīnam anvāsīnaḥ sa rākṣasaḥ uvāca praśritaṃ vākyaṃ vākyajño vākyakovidam

Als jener sich ausgeruht hatte und saß, setzte sich der Rākṣasa neben ihn und sprach, redekundig, ein höfliches Wort zu dem redegewandten [Rāvaṇa]:

Wort für Wort
viśrāntaṃ cainam āsīnam anvāsīnaḥ sa rākṣasaḥ uvāca praśritaṃ vākyaṃ vākyajño vākyakovidam
Als jener sich ausgeruht hatte und saß, setzte sich der Rākṣasa neben ihn und sprach, redekundig, ein höfliches Wort zu dem redegewandten [Rāvaṇa]:

na te prakṛtimān varṇaḥ kaccit kṣemaṃ pure tava kaccit prakṛtayaḥ sarvā bhajante tvāṃ yathā purā

‚Nicht ist deine Gesichtsfarbe wie gewohnt - geht es deiner Stadt wohl? Sind dir alle Untertanen ergeben wie zuvor?

Wort für Wort
na te prakṛtimān varṇaḥ kaccit kṣemaṃ pure tava kaccit prakṛtayaḥ sarvā bhajante tvāṃ yathā purā
‚Nicht ist deine Gesichtsfarbe wie gewohnt - geht es deiner Stadt wohl? Sind dir alle Untertanen ergeben wie zuvor?

kim ihāgamane cāpi kāryaṃ te rākṣaseśvara kṛtam ity eva tad viddhi yady api syāt suduṣkaram

Was auch für ein Anliegen dich hierher geführt hat, Herrscher der Rākṣasas - betrachte es als schon vollbracht, auch wenn es überaus schwierig wäre.‘

Wort für Wort
kim ihāgamane cāpi kāryaṃ te rākṣaseśvara kṛtam ity eva tad viddhi yady api syāt suduṣkaram
Was auch für ein Anliegen dich hierher geführt hat, Herrscher der Rākṣasas - betrachte es als schon vollbracht, auch wenn es überaus schwierig wäre.‘

śaśaṃsa rāvaṇas tasmai tat sarvaṃ rāmaceṣṭitam mārīcas tv abravīc chrutvā samāsenaiva rāvaṇam

Rāvaṇa berichtete ihm das Ganze über Rāmas Taten; Mārīca aber sprach, nachdem er es vernommen hatte, in Kürze zu Rāvaṇa:

Wort für Wort
śaśaṃsa rāvaṇas tasmai tat sarvaṃ rāmaceṣṭitam mārīcas tv abravīc chrutvā samāsenaiva rāvaṇam
Rāvaṇa berichtete ihm das Ganze über Rāmas Taten; Mārīca aber sprach, nachdem er es vernommen hatte, in Kürze zu Rāvaṇa:

alaṃ te rāmam āsādya vīryajño hy asmi tasya vai bāṇavegaṃ hi kas tasya śaktaḥ soḍhuṃ mahātmanaḥ

‚Genug damit, dich an Rāma heranzuwagen - ich kenne ja seine Tapferkeit; wer wäre imstande, die Wucht seiner Pfeile zu ertragen, des Hochherzigen?

Wort für Wort
alaṃ te rāmam āsādya vīryajño hy asmi tasya vai bāṇavegaṃ hi kas tasya śaktaḥ soḍhuṃ mahātmanaḥ
‚Genug damit, dich an Rāma heranzuwagen - ich kenne ja seine Tapferkeit; wer wäre imstande, die Wucht seiner Pfeile zu ertragen, des Hochherzigen?

pravrajyāyāṃ hi me hetuḥ sa eva puruṣarṣabhaḥ vināśamukham etat te kenākhyātaṃ durātmanā

Er, dieser Stier der Männer, ist ja der Grund für mein Asketentum; dies ist der Rachen des Verderbens für dich - welcher Übelgesinnte hat dir davon erzählt?‘

Wort für Wort
pravrajyāyāṃ hi me hetuḥ sa eva puruṣarṣabhaḥ vināśamukham etat te kenākhyātaṃ durātmanā
Er, dieser Stier der Männer, ist ja der Grund für mein Asketentum; dies ist der Rachen des Verderbens für dich - welcher Übelgesinnte hat dir davon erzählt?‘

tam uvācātha sakrodho rāvaṇaḥ paribhartsayan akurvato 'smadvacanaṃ syān mṛtyur api te dhruvam

Zu ihm sprach darauf der zornige Rāvaṇa, ihn bedrohend: ‚Tust du nicht, was ich sage, so ist dir der Tod gewiss.‘

Wort für Wort
tam uvācātha sakrodho rāvaṇaḥ paribhartsayan akurvato 'smadvacanaṃ syān mṛtyur api te dhruvam
Zu ihm sprach darauf der zornige Rāvaṇa, ihn bedrohend: ‚Tust du nicht, was ich sage, so ist dir der Tod gewiss.‘

mārīcaś cintayām āsa viśiṣṭān maraṇaṃ varam avaśyaṃ maraṇe prāpte kariṣyāmy asya yan matam

Mārīca dachte bei sich, dass der Tod einer Schande vorzuziehen sei; da der Tod ohnehin unausweichlich bevorstehe, werde er tun, was jener wünsche.

Wort für Wort
mārīcaś cintayām āsa viśiṣṭān maraṇaṃ varam avaśyaṃ maraṇe prāpte kariṣyāmy asya yan matam
Mārīca dachte bei sich, dass der Tod einer Schande vorzuziehen sei; da der Tod ohnehin unausweichlich bevorstehe, werde er tun, was jener wünsche.

Der Sanskrit-Text gibt Mārīcas Überlegung als inneren Gedanken (cintayām āsa) ohne Redeeinleitung 'iti' wieder; sie wurde daher als indirekte Rede und nicht als wörtliches Zitat übersetzt.

tatas taṃ pratyuvācātha mārīco rākṣaseśvaram kiṃ te sāhyaṃ mayā kāryaṃ kariṣyāmy avaśo 'pi tat

Darauf antwortete Mārīca dem Herrscher der Rākṣasas: ‚Welche Hilfe wird von mir benötigt? Ich werde sie leisten, auch wenn ich es widerwillig tue.‘

Wort für Wort
tatas taṃ pratyuvācātha mārīco rākṣaseśvaram kiṃ te sāhyaṃ mayā kāryaṃ kariṣyāmy avaśo 'pi tat
Darauf antwortete Mārīca dem Herrscher der Rākṣasas: ‚Welche Hilfe wird von mir benötigt? Ich werde sie leisten, auch wenn ich es widerwillig tue.‘

tam abravīd daśagrīvo gaccha sītāṃ pralobhaya ratnaśṛṅgo mṛgo bhūtvā ratnacitratanūruhaḥ

Zu ihm sprach Daśagrīva: ‚Geh, verlocke Sītā, indem du zu einem Reh mit juwelenbesetztem Geweih wirst, mit juwelenbunt schimmerndem Fell.

Wort für Wort
tam abravīd daśagrīvo gaccha sītāṃ pralobhaya ratnaśṛṅgo mṛgo bhūtvā ratnacitratanūruhaḥ
Zu ihm sprach Daśagrīva: ‚Geh, verlocke Sītā, indem du zu einem Reh mit juwelenbesetztem Geweih wirst, mit juwelenbunt schimmerndem Fell.

dhruvaṃ sītā samālakṣya tvāṃ rāmaṃ codayiṣyati apakrānte ca kākutsthe sītā vaśyā bhaviṣyati

Gewiss wird Sītā, sobald sie dich erblickt, Rāma dazu antreiben, [dich zu jagen]; und ist der Sproß des Kakutstha fortgegangen, wird Sītā mir gefügig sein.

Wort für Wort
dhruvaṃ sītā samālakṣya tvāṃ rāmaṃ codayiṣyati apakrānte ca kākutsthe sītā vaśyā bhaviṣyati
Gewiss wird Sītā, sobald sie dich erblickt, Rāma dazu antreiben, [dich zu jagen]; und ist der Sproß des Kakutstha fortgegangen, wird Sītā mir gefügig sein.

tām ādāyāpaneṣyāmi tataḥ sa na bhaviṣyati bhāryāviyogād durbuddhir etat sāhyaṃ kuruṣva me

Sie werde ich mir nehmen und entführen; er selbst wird dann, durch die Trennung von seiner Gattin, um seinen klaren Verstand kommen - leiste mir diese Hilfe.‘

Wort für Wort
tām ādāyāpaneṣyāmi tataḥ sa na bhaviṣyati bhāryāviyogād durbuddhir etat sāhyaṃ kuruṣva me
Sie werde ich mir nehmen und entführen; er selbst wird dann, durch die Trennung von seiner Gattin, um seinen klaren Verstand kommen - leiste mir diese Hilfe.‘

ity evam ukto mārīcaḥ kṛtvodakam athātmanaḥ rāvaṇaṃ purato yāntam anvagacchat suduḥkhitaḥ

So angesprochen, vollzog Mārīca für sich selbst das Wasseropfer der Totenriten und folgte, überaus betrübt, Rāvaṇa, der vorausging.

Wort für Wort
ity evam ukto mārīcaḥ kṛtvodakam athātmanaḥ rāvaṇaṃ purato yāntam anvagacchat suduḥkhitaḥ
So angesprochen, vollzog Mārīca für sich selbst das Wasseropfer der Totenriten und folgte, überaus betrübt, Rāvaṇa, der vorausging.

Mārīca, der seinen eigenen Tod durch Rāmas Hand voraussieht, vollzieht für sich selbst schon vorab das rituelle Wasseropfer, wie es sonst den Verstorbenen dargebracht wird.

tatas tasyāśramaṃ gatvā rāmasyākliṣṭakarmaṇaḥ cakratus tat tathā sarvam ubhau yat pūrvamantritam

Darauf, zum Āśrama jenes in seinem Tun Unermüdlichen [Rāma] gehend, führten die beiden alles das aus, was zuvor beraten worden war.

Wort für Wort
tatas tasyāśramaṃ gatvā rāmasyākliṣṭakarmaṇaḥ cakratus tat tathā sarvam ubhau yat pūrvamantritam
Darauf, zum Āśrama jenes in seinem Tun Unermüdlichen [Rāma] gehend, führten die beiden alles das aus, was zuvor beraten worden war.

rāvaṇas tu yatir bhūtvā muṇḍaḥ kuṇḍī tridaṇḍadhṛk mṛgaś ca bhūtvā mārīcas taṃ deśam upajagmatuḥ

Rāvaṇa aber, zu einem Asketen geworden, kahlgeschoren, mit Wasserkrug und Dreistab, und Mārīca, zu einem Reh geworden, näherten sich jenem Ort.

Wort für Wort
rāvaṇas tu yatir bhūtvā muṇḍaḥ kuṇḍī tridaṇḍadhṛk mṛgaś ca bhūtvā mārīcas taṃ deśam upajagmatuḥ
Rāvaṇa aber, zu einem Asketen geworden, kahlgeschoren, mit Wasserkrug und Dreistab, und Mārīca, zu einem Reh geworden, näherten sich jenem Ort.

darśayām āsa vaidehīṃ mārīco mṛgarūpadhṛk codayām āsa tasyārthe sā rāmaṃ vidhicoditā

Mārīca, die Rehgestalt tragend, zeigte sich der Tochter Videhas; sie, vom Schicksal getrieben, drängte Rāma seinetwegen.

Wort für Wort
darśayām āsa vaidehīṃ mārīco mṛgarūpadhṛk codayām āsa tasyārthe sā rāmaṃ vidhicoditā
Mārīca, die Rehgestalt tragend, zeigte sich der Tochter Videhas; sie, vom Schicksal getrieben, drängte Rāma seinetwegen.

rāmas tasyāḥ priyaṃ kurvan dhanur ādāya satvaraḥ rakṣārthe lakṣmaṇaṃ nyasya prayayau mṛgalipsayā

Rāma, ihr zuliebe, ergriff eilends den Bogen, setzte Lakṣmaṇa zu ihrem Schutz ein und zog los, um das Reh zu erlangen.

Wort für Wort
rāmas tasyāḥ priyaṃ kurvan dhanur ādāya satvaraḥ rakṣārthe lakṣmaṇaṃ nyasya prayayau mṛgalipsayā
Rāma, ihr zuliebe, ergriff eilends den Bogen, setzte Lakṣmaṇa zu ihrem Schutz ein und zog los, um das Reh zu erlangen.

sa dhanvī baddhatūṇīraḥ khaḍgagodhāṅgulitravān anvadhāvan mṛgaṃ rāmo rudras tārāmṛgaṃ yathā

Er, der Bogenträger, mit angelegtem Köcher, mit Schwert und Fingerschutz aus Eidechsenleder, verfolgte das Reh, Rāma, wie [einst] Rudra den Sternen-Hirsch [verfolgte].

Wort für Wort
sa dhanvī baddhatūṇīraḥ khaḍgagodhāṅgulitravān anvadhāvan mṛgaṃ rāmo rudras tārāmṛgaṃ yathā
Er, der Bogenträger, mit angelegtem Köcher, mit Schwert und Fingerschutz aus Eidechsenleder, verfolgte das Reh, Rāma, wie [einst] Rudra den Sternen-Hirsch [verfolgte].

Anspielung auf die Erzählung, wie Rudra den in einen Hirsch verwandelten Prajāpati verfolgte - dieser wurde später als Sternbild (Mṛgaśiras) an den Himmel versetzt.

so 'ntarhitaḥ punas tasya darśanaṃ rākṣaso vrajan cakarṣa mahad adhvānaṃ rāmas taṃ bubudhe tataḥ

Er, der Rākṣasa, sich verbergend und sich dann wieder zeigend, zog ihn, weiterziehend, einen weiten Weg fort; Rāma erkannte ihn darauf [als Rākṣasa].

Wort für Wort
so 'ntarhitaḥ punas tasya darśanaṃ rākṣaso vrajan cakarṣa mahad adhvānaṃ rāmas taṃ bubudhe tataḥ
Er, der Rākṣasa, sich verbergend und sich dann wieder zeigend, zog ihn, weiterziehend, einen weiten Weg fort; Rāma erkannte ihn darauf [als Rākṣasa].

niśācaraṃ viditvā taṃ rāghavaḥ pratibhānavān amoghaṃ śaram ādāya jaghāna mṛgarūpiṇam

Als er ihn als Nachtwandler erkannt hatte, ergriff der geistesgegenwärtige Sproß Raghus einen unfehlbaren Pfeil und erschlug den in Rehgestalt Befindlichen.

Wort für Wort
niśācaraṃ viditvā taṃ rāghavaḥ pratibhānavān amoghaṃ śaram ādāya jaghāna mṛgarūpiṇam
Als er ihn als Nachtwandler erkannt hatte, ergriff der geistesgegenwärtige Sproß Raghus einen unfehlbaren Pfeil und erschlug den in Rehgestalt Befindlichen.

sa rāmabāṇābhihataḥ kṛtvā rāmasvaraṃ tadā hā sīte lakṣmaṇety evaṃ cukrośārtasvareṇa ha

Er, von Rāmas Pfeil getroffen, nahm da Rāmas Stimme an und schrie mit schmerzerfüllter Stimme: ‚Ha, Sītā! Lakṣmaṇa!‘

Wort für Wort
sa rāmabāṇābhihataḥ kṛtvā rāmasvaraṃ tadā hā sīte lakṣmaṇety evaṃ cukrośārtasvareṇa ha
Er, von Rāmas Pfeil getroffen, nahm da Rāmas Stimme an und schrie mit schmerzerfüllter Stimme: ‚Ha, Sītā! Lakṣmaṇa!‘

śuśrāva tasya vaidehī tatas tāṃ karuṇāṃ giram sā prādravad yataḥ śabdas tām uvācātha lakṣmaṇaḥ

Die Tochter Videhas hörte darauf jenen klagenden Ruf; sie eilte dorthin, woher der Laut kam. Zu ihr sprach darauf Lakṣmaṇa:

Wort für Wort
śuśrāva tasya vaidehī tatas tāṃ karuṇāṃ giram sā prādravad yataḥ śabdas tām uvācātha lakṣmaṇaḥ
Die Tochter Videhas hörte darauf jenen klagenden Ruf; sie eilte dorthin, woher der Laut kam. Zu ihr sprach darauf Lakṣmaṇa:

alaṃ te śaṅkayā bhīru ko rāmaṃ viṣahiṣyati muhūrtād drakṣyase rāmam āgataṃ taṃ śucismite

‚Genug der Furcht, Furchtsame - wer könnte Rāma widerstehen? In einem Augenblick wirst du Rāma zurückkommen sehen, du mit dem reinen Lächeln.‘

Wort für Wort
alaṃ te śaṅkayā bhīru ko rāmaṃ viṣahiṣyati muhūrtād drakṣyase rāmam āgataṃ taṃ śucismite
‚Genug der Furcht, Furchtsame - wer könnte Rāma widerstehen? In einem Augenblick wirst du Rāma zurückkommen sehen, du mit dem reinen Lächeln.‘

ity uktvā sā prarudatī paryaśaṅkata devaram hatā vai strīsvabhāvena śuddhacāritrabhūṣaṇam

Nachdem er dies gesagt hatte, verdächtigte sie, weinend, den Schwager - getroffen fürwahr von der Natur der Frauen, ihn, der durch reine Sittsamkeit geschmückt war.

Wort für Wort
ity uktvā sā prarudatī paryaśaṅkata devaram hatā vai strīsvabhāvena śuddhacāritrabhūṣaṇam
Nachdem er dies gesagt hatte, verdächtigte sie, weinend, den Schwager - getroffen fürwahr von der Natur der Frauen, ihn, der durch reine Sittsamkeit geschmückt war.

sā taṃ paruṣam ārabdhā vaktuṃ sādhvī pativratā naiṣa kālo bhaven mūḍha yaṃ tvaṃ prārthayase hṛdā

Sie, die Tugendhafte, ihrem Gatten Ergebene, begann, harsche Worte zu ihm zu sprechen: ‚Dies ist nicht die Zeit, du Tor, auf die du in deinem Herzen hoffst.

Wort für Wort
sā taṃ paruṣam ārabdhā vaktuṃ sādhvī pativratā naiṣa kālo bhaven mūḍha yaṃ tvaṃ prārthayase hṛdā
Sie, die Tugendhafte, ihrem Gatten Ergebene, begann, harsche Worte zu ihm zu sprechen: ‚Dies ist nicht die Zeit, du Tor, auf die du in deinem Herzen hoffst.

apy ahaṃ śastram ādāya hanyām ātmānam ātmanā pateyaṃ giriśṛṅgād vā viśeyaṃ vā hutāśanam

Eher würde ich, eine Waffe ergreifend, mich selbst mit eigener Hand töten, oder von einem Berggipfel stürzen, oder ins Feuer gehen,

Wort für Wort
apy ahaṃ śastram ādāya hanyām ātmānam ātmanā pateyaṃ giriśṛṅgād vā viśeyaṃ vā hutāśanam
Eher würde ich, eine Waffe ergreifend, mich selbst mit eigener Hand töten, oder von einem Berggipfel stürzen, oder ins Feuer gehen,

rāmaṃ bhartāram utsṛjya na tv ahaṃ tvāṃ kathaṃ cana nihīnam upatiṣṭheyaṃ śārdūlī kroṣṭukaṃ yathā

als Rāma, meinen Gatten, zu verlassen; niemals würde ich mich dir, dem Niedrigen, zuwenden, so wenig wie eine Tigerin sich einem Schakal zuwendet.‘

Wort für Wort
rāmaṃ bhartāram utsṛjya na tv ahaṃ tvāṃ kathaṃ cana nihīnam upatiṣṭheyaṃ śārdūlī kroṣṭukaṃ yathā
als Rāma, meinen Gatten, zu verlassen; niemals würde ich mich dir, dem Niedrigen, zuwenden, so wenig wie eine Tigerin sich einem Schakal zuwendet.‘

etādṛśaṃ vacaḥ śrutvā lakṣmaṇaḥ priyarāghavaḥ pidhāya karṇau sadvṛttaḥ prasthito yena rāghavaḥ sa rāmasya padaṃ gṛhya prasasāra dhanurdharaḥ

Nachdem er solch ein Wort vernommen hatte, hielt sich Lakṣmaṇa, dem Rāghava ergeben, von guter Sitte, die Ohren zu und machte sich dorthin auf, wohin der Sproß Raghus [gegangen war]; Rāmas Spur folgend, eilte der Bogenträger davon.

Wort für Wort
etādṛśaṃ vacaḥ śrutvā lakṣmaṇaḥ priyarāghavaḥ pidhāya karṇau sadvṛttaḥ prasthito yena rāghavaḥ sa rāmasya padaṃ gṛhya prasasāra dhanurdharaḥ
Nachdem er solch ein Wort vernommen hatte, hielt sich Lakṣmaṇa, dem Rāghava ergeben, von guter Sitte, die Ohren zu und machte sich dorthin auf, wohin der Sproß Raghus [gegangen war]; Rāmas Spur folgend, eilte der Bogenträger davon.

etasminn antare rakṣo rāvaṇaḥ pratyadṛśyata abhavyo bhavyarūpeṇa bhasmacchanna ivānalaḥ yativeṣapraticchanno jihīrṣus tām aninditām

In diesem Augenblick zeigte sich der Rākṣasa Rāvaṇa, der Unheilvolle in heilvoller Gestalt, wie ein von Asche verhülltes Feuer, verborgen in der Tracht eines Asketen, begierig, die Untadelige zu rauben.

Wort für Wort
etasminn antare rakṣo rāvaṇaḥ pratyadṛśyata abhavyo bhavyarūpeṇa bhasmacchanna ivānalaḥ yativeṣapraticchanno jihīrṣus tām aninditām
In diesem Augenblick zeigte sich der Rākṣasa Rāvaṇa, der Unheilvolle in heilvoller Gestalt, wie ein von Asche verhülltes Feuer, verborgen in der Tracht eines Asketen, begierig, die Untadelige zu rauben.

sā tam ālakṣya saṃprāptaṃ dharmajñā janakātmajā nimantrayām āsa tadā phalamūlāśanādibhiḥ

Sie, ihn ankommen sehend, die dharmakundige Tochter Janakas, lud ihn da ein mit Früchten, Wurzeln, Speisen und dergleichen.

Wort für Wort
sā tam ālakṣya saṃprāptaṃ dharmajñā janakātmajā nimantrayām āsa tadā phalamūlāśanādibhiḥ
Sie, ihn ankommen sehend, die dharmakundige Tochter Janakas, lud ihn da ein mit Früchten, Wurzeln, Speisen und dergleichen.

avamanya sa tat sarvaṃ svarūpaṃ pratipadya ca sāntvayām āsa vaidehīm iti rākṣasapuṃgavaḥ

Er, das alles verschmähend, nahm seine wahre Gestalt an und begann, die Tochter Videhas zu besänftigen, der Stier der Rākṣasas, mit diesen Worten:

Wort für Wort
avamanya sa tat sarvaṃ svarūpaṃ pratipadya ca sāntvayām āsa vaidehīm iti rākṣasapuṃgavaḥ
Er, das alles verschmähend, nahm seine wahre Gestalt an und begann, die Tochter Videhas zu besänftigen, der Stier der Rākṣasas, mit diesen Worten:

sīte rākṣasarājo 'haṃ rāvaṇo nāma viśrutaḥ mama laṅkā purī nāmnā ramyā pāre mahodadheḥ

‚Sītā, ich bin der König der Rākṣasas, berühmt unter dem Namen Rāvaṇa; meine Stadt, mit Namen Laṅkā, die liebliche, liegt jenseits des großen Ozeans.

Wort für Wort
sīte rākṣasarājo 'haṃ rāvaṇo nāma viśrutaḥ mama laṅkā purī nāmnā ramyā pāre mahodadheḥ
‚Sītā, ich bin der König der Rākṣasas, berühmt unter dem Namen Rāvaṇa; meine Stadt, mit Namen Laṅkā, die liebliche, liegt jenseits des großen Ozeans.

tatra tvaṃ varanārīṣu śobhiṣyasi mayā saha bhāryā me bhava suśroṇi tāpasaṃ tyaja rāghavam

Dort wirst du unter den vortrefflichsten Frauen glänzen, zusammen mit mir; werde meine Gattin, du Schönhüftige, verlasse den Asketen, den Sproß Raghus.‘

Wort für Wort
tatra tvaṃ varanārīṣu śobhiṣyasi mayā saha bhāryā me bhava suśroṇi tāpasaṃ tyaja rāghavam
Dort wirst du unter den vortrefflichsten Frauen glänzen, zusammen mit mir; werde meine Gattin, du Schönhüftige, verlasse den Asketen, den Sproß Raghus.‘

evamādīni vākyāni śrutvā sītātha jānakī pidhāya karṇau suśroṇī maivam ity abravīd vacaḥ

Als sie solche und ähnliche Worte vernommen hatte, hielt sich Sītā, die Tochter Janakas, die Schönhüftige, die Ohren zu und sprach dieses Wort: ‚Nicht so!

Wort für Wort
evamādīni vākyāni śrutvā sītātha jānakī pidhāya karṇau suśroṇī maivam ity abravīd vacaḥ
Als sie solche und ähnliche Worte vernommen hatte, hielt sich Sītā, die Tochter Janakas, die Schönhüftige, die Ohren zu und sprach dieses Wort: ‚Nicht so!

prapated dyauḥ sanakṣatrā pṛthivī śakalībhavet śaityam agnir iyān nāhaṃ tyajeyaṃ raghunandanam

Der Himmel mitsamt den Sternen möge herabstürzen, die Erde in Stücke zerfallen, das Feuer Kälte annehmen - eher als dass ich den Freudenbringer der Raghus verließe.

Wort für Wort
prapated dyauḥ sanakṣatrā pṛthivī śakalībhavet śaityam agnir iyān nāhaṃ tyajeyaṃ raghunandanam
Der Himmel mitsamt den Sternen möge herabstürzen, die Erde in Stücke zerfallen, das Feuer Kälte annehmen - eher als dass ich den Freudenbringer der Raghus verließe.

kathaṃ hi bhinnakaraṭaṃ padminaṃ vanagocaram upasthāya mahānāgaṃ kareṇuḥ sūkaraṃ spṛśet

Wie sollte denn eine Elefantenkuh, nachdem sie sich einem großen, lotusartig duftenden, im Wald weilenden Elefanten mit rinnenden Schläfendrüsen genähert hat, ein Schwein berühren?

Wort für Wort
kathaṃ hi bhinnakaraṭaṃ padminaṃ vanagocaram upasthāya mahānāgaṃ kareṇuḥ sūkaraṃ spṛśet
Wie sollte denn eine Elefantenkuh, nachdem sie sich einem großen, lotusartig duftenden, im Wald weilenden Elefanten mit rinnenden Schläfendrüsen genähert hat, ein Schwein berühren?

kathaṃ hi pītvā mādhvīkaṃ pītvā ca madhumādhavīm lobhaṃ sauvīrake kuryān nārī kā cid iti smare

Wie sollte wohl, nachdem sie Honigwein getrunken und den süßen Mādhavī-Trank getrunken hat, irgendeine Frau Verlangen nach saurem Reisbrei empfinden - so denke ich mir.‘

Wort für Wort
kathaṃ hi pītvā mādhvīkaṃ pītvā ca madhumādhavīm lobhaṃ sauvīrake kuryān nārī kā cid iti smare
Wie sollte wohl, nachdem sie Honigwein getrunken und den süßen Mādhavī-Trank getrunken hat, irgendeine Frau Verlangen nach saurem Reisbrei empfinden - so denke ich mir.‘

Bildvergleich: wie eine Elefantenkuh sich keinem Schwein und eine Weintrinkerin keinem sauren Reisbrei-Getränk (sauvīraka) zuwenden würde, so wenig könnte Sītā sich Rāvaṇa zuwenden.

iti sā taṃ samābhāṣya praviveśāśramaṃ punaḥ tām anudrutya suśroṇīṃ rāvaṇaḥ pratyaṣedhayat

Nachdem sie so zu ihm gesprochen hatte, ging sie wieder in den Āśrama hinein; ihr, der Schönhüftigen, nacheilend, hielt Rāvaṇa sie zurück.

Wort für Wort
iti sā taṃ samābhāṣya praviveśāśramaṃ punaḥ tām anudrutya suśroṇīṃ rāvaṇaḥ pratyaṣedhayat
Nachdem sie so zu ihm gesprochen hatte, ging sie wieder in den Āśrama hinein; ihr, der Schönhüftigen, nacheilend, hielt Rāvaṇa sie zurück.

bhartsayitvā tu rūkṣeṇa svareṇa gatacetanām mūrdhajeṣu nijagrāha kham upācakrame tataḥ

Nachdem er sie mit rauher Stimme bedroht hatte, die Besinnungslose, packte er sie an den Haaren und erhob sich darauf in die Luft.

Wort für Wort
bhartsayitvā tu rūkṣeṇa svareṇa gatacetanām mūrdhajeṣu nijagrāha kham upācakrame tataḥ
Nachdem er sie mit rauher Stimme bedroht hatte, die Besinnungslose, packte er sie an den Haaren und erhob sich darauf in die Luft.

tāṃ dadarśa tadā gṛdhro jaṭāyur girigocaraḥ rudatīṃ rāma rāmeti hriyamāṇāṃ tapasvinīm

Da erblickte sie der Geier Jaṭāyu, der auf dem Berg weilte, wie sie, ‚Rāma, Rāma!‘ weinend, fortgeschleppt wurde, die Büßerin.“

Wort für Wort
tāṃ dadarśa tadā gṛdhro jaṭāyur girigocaraḥ rudatīṃ rāma rāmeti hriyamāṇāṃ tapasvinīm
Da erblickte sie der Geier Jaṭāyu, der auf dem Berg weilte, wie sie, ‚Rāma, Rāma!‘ weinend, fortgeschleppt wurde, die Büßerin.“

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