Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 76: Ṛtuparṇasya Ca Kṣamāpaṇam Die Versöhnung mit Ṛtuparṇa

Am Morgen begrüßen Nala und Damayantī Bhīma, und die ganze Stadt Kuṇḍina feiert die Rückkehr des Königs mit Blumenschmuck und Festlichkeit. Ṛtuparṇa, von der Nachricht erfreut, wird herbeigeholt; er und Nala bitten einander um Verzeihung - Ṛtuparṇa für die unwissentliche Beherbergung, Nala für seine Verstellung. Wie versprochen gibt Nala ihm das Geheimnis der Rosselenkkunst zurück, woraufhin Ṛtuparṇa in seine eigene Stadt zurückkehrt.

bṛhadaśva uvāca atha tāṃ vyuṣito rātriṃ nalo rājā svalaṃkṛtaḥ vaidarbhyā sahitaḥ kālyaṃ dadarśa vasudhādhipam

Bṛhadaśva sprach: Nachdem er jene Nacht verbracht hatte, sah König Nala, wohlgeschmückt, zusammen mit der Vaidarbhī, am Morgen den Herrscher der Erde.

Wort für Wort
bṛhadaśva uvāca atha tāṃ vyuṣito rātriṃ nalo rājā svalaṃkṛtaḥ vaidarbhyā sahitaḥ kālyaṃ dadarśa vasudhādhipam
Bṛhadaśva sprach: Nachdem er jene Nacht verbracht hatte, sah König Nala, wohlgeschmückt, zusammen mit der Vaidarbhī, am Morgen den Herrscher der Erde.

tato 'bhivādayām āsa prayataḥ śvaśuraṃ nalaḥ tasyānu damayantī ca vavande pitaraṃ śubhā

Da grüßte Nala ehrfurchtsvoll seinen Schwiegervater, und nach ihm verehrte auch die holde Damayantī ihren Vater.

Wort für Wort
tato 'bhivādayām āsa prayataḥ śvaśuraṃ nalaḥ tasyānu damayantī ca vavande pitaraṃ śubhā
Da grüßte Nala ehrfurchtsvoll seinen Schwiegervater, und nach ihm verehrte auch die holde Damayantī ihren Vater.

taṃ bhīmaḥ pratijagrāha putravat parayā mudā yathārhaṃ pūjayitvā tu samāśvāsayata prabhuḥ nalena sahitāṃ tatra damayantīṃ pativratām

Bhīma empfing ihn wie einen Sohn mit höchster Freude, und nachdem er ihn gebührend geehrt hatte, tröstete der Herrscher die dort mit Nala vereinte, ihrem Gatten ergebene Damayantī.

Wort für Wort
taṃ bhīmaḥ pratijagrāha putravat parayā mudā yathārhaṃ pūjayitvā tu samāśvāsayata prabhuḥ nalena sahitāṃ tatra damayantīṃ pativratām
Bhīma empfing ihn wie einen Sohn mit höchster Freude, und nachdem er ihn gebührend geehrt hatte, tröstete der Herrscher die dort mit Nala vereinte, ihrem Gatten ergebene Damayantī.

tām arhaṇāṃ nalo rājā pratigṛhya yathāvidhi paricaryāṃ svakāṃ tasmai yathāvat pratyavedayat

Nachdem König Nala jene Ehrerbietung nach Vorschrift entgegengenommen hatte, berichtete er ihm gebührend von seinem eigenen Dienst bei Ṛtuparṇa.

Wort für Wort
tām arhaṇāṃ nalo rājā pratigṛhya yathāvidhi paricaryāṃ svakāṃ tasmai yathāvat pratyavedayat
Nachdem König Nala jene Ehrerbietung nach Vorschrift entgegengenommen hatte, berichtete er ihm gebührend von seinem eigenen Dienst bei Ṛtuparṇa.

tato babhūva nagare sumahān harṣanisvanaḥ janasya saṃprahṛṣṭasya nalaṃ dṛṣṭvā tathāgatam

Da erhob sich in der Stadt ein überaus großer Jubelruf des hocherfreuten Volkes, als es Nala so wiedergekehrt sah.

Wort für Wort
tato babhūva nagare sumahān harṣanisvanaḥ janasya saṃprahṛṣṭasya nalaṃ dṛṣṭvā tathāgatam
Da erhob sich in der Stadt ein überaus großer Jubelruf des hocherfreuten Volkes, als es Nala so wiedergekehrt sah.

aśobhayac ca nagaraṃ patākādhvajamālinam siktasaṃmṛṣṭapuṣpāḍhyā rājamārgāḥ kṛtās tadā

Man schmückte die Stadt mit Bannern und Fahnenreihen, und die Königsstraßen wurden da besprengt, gefegt und reich mit Blumen versehen.

Wort für Wort
aśobhayac ca nagaraṃ patākādhvajamālinam siktasaṃmṛṣṭapuṣpāḍhyā rājamārgāḥ kṛtās tadā
Man schmückte die Stadt mit Bannern und Fahnenreihen, und die Königsstraßen wurden da besprengt, gefegt und reich mit Blumen versehen.

dvāri dvāri ca paurāṇāṃ puṣpabhaṅgaḥ prakalpitaḥ arcitāni ca sarvāṇi devatāyatanāni ca

An jeder Tür der Stadtbewohner wurden Blumensträuße aufgestellt, und alle Tempel der Götter wurden verehrt.

Wort für Wort
dvāri dvāri ca paurāṇāṃ puṣpabhaṅgaḥ prakalpitaḥ arcitāni ca sarvāṇi devatāyatanāni ca
An jeder Tür der Stadtbewohner wurden Blumensträuße aufgestellt, und alle Tempel der Götter wurden verehrt.

ṛtuparṇo 'pi śuśrāva bāhukacchadminaṃ nalam damayantyā samāyuktaṃ jahṛṣe ca narādhipaḥ

Auch Ṛtuparṇa hörte, dass Nala, der sich hinter Bāhuka verborgen hatte, mit Damayantī vereint war, und der Herrscher der Menschen freute sich.

Wort für Wort
ṛtuparṇo 'pi śuśrāva bāhukacchadminaṃ nalam damayantyā samāyuktaṃ jahṛṣe ca narādhipaḥ
Auch Ṛtuparṇa hörte, dass Nala, der sich hinter Bāhuka verborgen hatte, mit Damayantī vereint war, und der Herrscher der Menschen freute sich.

tam ānāyya nalo rājā kṣamayām āsa pārthivam sa ca taṃ kṣamayām āsa hetubhir buddhisaṃmataḥ

König Nala ließ ihn holen und bat den Herrscher um Verzeihung; und jener, von kluger Einsicht, bat ihn seinerseits mit guten Gründen um Verzeihung.

Wort für Wort
tam ānāyya nalo rājā kṣamayām āsa pārthivam sa ca taṃ kṣamayām āsa hetubhir buddhisaṃmataḥ
König Nala ließ ihn holen und bat den Herrscher um Verzeihung; und jener, von kluger Einsicht, bat ihn seinerseits mit guten Gründen um Verzeihung.

sa satkṛto mahīpālo naiṣadhaṃ vismayānvitaḥ diṣṭyā sameto dāraiḥ svair bhavān ity abhyanandata

Jener geehrte Herrscher, von Staunen erfüllt, beglückwünschte den Naiṣadha: „Zum Glück bist du mit deiner eigenen Gattin wiedervereint.

Wort für Wort
sa satkṛto mahīpālo naiṣadhaṃ vismayānvitaḥ diṣṭyā sameto dāraiḥ svair bhavān ity abhyanandata
Jener geehrte Herrscher, von Staunen erfüllt, beglückwünschte den Naiṣadha: „Zum Glück bist du mit deiner eigenen Gattin wiedervereint.

kaccit tu nāparādhaṃ te kṛtavān asmi naiṣadha ajñātavāsaṃ vasato madgṛhe niṣadhādhipa

Habe ich dir wohl kein Unrecht getan, Naiṣadha, während du unerkannt in meinem Hause weiltest, Herrscher der Niṣadhas?

Wort für Wort
kaccit tu nāparādhaṃ te kṛtavān asmi naiṣadha ajñātavāsaṃ vasato madgṛhe niṣadhādhipa
Habe ich dir wohl kein Unrecht getan, Naiṣadha, während du unerkannt in meinem Hause weiltest, Herrscher der Niṣadhas?

yadi vā buddhipūrvāṇi yady abuddhāni kāni cit mayā kṛtāny akāryāṇi tāni me kṣantum arhasi

Und was auch immer ich Unrechtes getan haben mag, sei es absichtlich oder unabsichtlich - das solltest du mir verzeihen.“

Wort für Wort
yadi vā buddhipūrvāṇi yady abuddhāni kāni cit mayā kṛtāny akāryāṇi tāni me kṣantum arhasi
Und was auch immer ich Unrechtes getan haben mag, sei es absichtlich oder unabsichtlich - das solltest du mir verzeihen.“

nala uvāca na me 'parādhaṃ kṛtavāṃs tvaṃ svalpam api pārthiva kṛte 'pi ca na me kopaḥ kṣantavyaṃ hi mayā tava

Nala sprach: „Nicht das Geringste an Unrecht hast du mir getan, o Herrscher; und selbst wenn du es getan hättest, würde ich nicht zürnen, denn ich muss dir ja vergeben.

Wort für Wort
nala uvāca na me 'parādhaṃ kṛtavāṃs tvaṃ svalpam api pārthiva kṛte 'pi ca na me kopaḥ kṣantavyaṃ hi mayā tava
Nala sprach: „Nicht das Geringste an Unrecht hast du mir getan, o Herrscher; und selbst wenn du es getan hättest, würde ich nicht zürnen, denn ich muss dir ja vergeben.

pūrvaṃ hy asi sakhā me 'si saṃbandhī ca narādhipa ata ūrdhvaṃ tu bhūyas tvaṃ prītim āhartum arhasi

Warst du doch zuvor mein Freund, und bist mir nun auch verbunden, Herrscher der Menschen; von nun an solltest du mir noch mehr Zuneigung entgegenbringen.

Wort für Wort
pūrvaṃ hy asi sakhā me 'si saṃbandhī ca narādhipa ata ūrdhvaṃ tu bhūyas tvaṃ prītim āhartum arhasi
Warst du doch zuvor mein Freund, und bist mir nun auch verbunden, Herrscher der Menschen; von nun an solltest du mir noch mehr Zuneigung entgegenbringen.

sarvakāmaiḥ suvihitaḥ sukham asmy uṣitas tvayi na tathā svagṛhe rājan yathā tava gṛhe sadā

Mit allem Erwünschten wohl versorgt, habe ich glücklich bei dir gewohnt; nicht einmal im eigenen Haus, o König, war es mir je so wohl wie stets in deinem Hause.

Wort für Wort
sarvakāmaiḥ suvihitaḥ sukham asmy uṣitas tvayi na tathā svagṛhe rājan yathā tava gṛhe sadā
Mit allem Erwünschten wohl versorgt, habe ich glücklich bei dir gewohnt; nicht einmal im eigenen Haus, o König, war es mir je so wohl wie stets in deinem Hause.

idaṃ caiva hayajñānaṃ tvadīyaṃ mayi tiṣṭhati tad upākartum icchāmi manyase yadi pārthiva

Und dieses dein Wissen um die Pferde weilt noch bei mir; ich möchte es dir zurückgeben, wenn du es für gut hältst, o Herrscher.“

Wort für Wort
idaṃ caiva hayajñānaṃ tvadīyaṃ mayi tiṣṭhati tad upākartum icchāmi manyase yadi pārthiva
Und dieses dein Wissen um die Pferde weilt noch bei mir; ich möchte es dir zurückgeben, wenn du es für gut hältst, o Herrscher.“

bṛhadaśva uvāca evam uktvā dadau vidyām ṛtuparṇāya naiṣadhaḥ sa ca tāṃ pratijagrāha vidhidṛṣṭena karmaṇā

Bṛhadaśva sprach: So sprechend, gab der Naiṣadha dem Ṛtuparṇa die Kunst; und jener empfing sie nach der vorgeschriebenen Zeremonie.

Wort für Wort
bṛhadaśva uvāca evam uktvā dadau vidyām ṛtuparṇāya naiṣadhaḥ sa ca tāṃ pratijagrāha vidhidṛṣṭena karmaṇā
Bṛhadaśva sprach: So sprechend, gab der Naiṣadha dem Ṛtuparṇa die Kunst; und jener empfing sie nach der vorgeschriebenen Zeremonie.

tato gṛhyāśvahṛdayaṃ tadā bhāṅgasvarir nṛpaḥ sūtam anyam upādāya yayau svapuram eva hi

Da, nachdem er das Geheimnis der Rosselenkkunst empfangen hatte, nahm der König Bhāṅgāsvari einen anderen Wagenlenker und zog fürwahr zu seiner eigenen Stadt.

Wort für Wort
tato gṛhyāśvahṛdayaṃ tadā bhāṅgasvarir nṛpaḥ sūtam anyam upādāya yayau svapuram eva hi
Da, nachdem er das Geheimnis der Rosselenkkunst empfangen hatte, nahm der König Bhāṅgāsvari einen anderen Wagenlenker und zog fürwahr zu seiner eigenen Stadt.

ṛtuparṇe pratigate nalo rājā viśāṃ pate nagare kuṇḍine kālaṃ nātidīrgham ivāvasat

Nachdem Ṛtuparṇa zurückgekehrt war, verweilte König Nala, o Herr der Völker, nicht allzu lange in der Stadt Kuṇḍina.

Wort für Wort
ṛtuparṇe pratigate nalo rājā viśāṃ pate nagare kuṇḍine kālaṃ nātidīrgham ivāvasat
Nachdem Ṛtuparṇa zurückgekehrt war, verweilte König Nala, o Herr der Völker, nicht allzu lange in der Stadt Kuṇḍina.

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