Kapitel 221: Mahiṣāsuravadhaḥ
Der Auszug Rudras und die Tötung des Büffeldämons Mahiṣa
Nach Skandas Weihe zum Feldherrn zieht Rudra in feierlichem Zug (mit Umā, Kubera, Indra, den Weltenhütern, Waffen- und Elementgottheiten als personifizierten Begleitern) nach Bhadravaṭa; Rudra beauftragt Skanda mit der Bewachung der siebten Marut-Abteilung und verspricht ihm sein Heil bei steter Verehrung. Ein plötzliches kosmisches Unheilszeichen kündigt den Angriff eines gewaltigen Dānava-Heeres an, das die Götter zunächst in die Flucht schlägt; erst Indras Ansporn und dann das Erscheinen des Dānava-Anführers Mahiṣa (des ‚Büffels‘ - hier in seiner frühesten überlieferten Gestalt, Jahrhunderte vor seiner späteren Berühmtheit als Gegner der Göttin Durgā) bringt die Wende. Rudra selbst verschont Mahiṣa und überlässt die entscheidende Tat bewusst Skanda, der ihn mit seinem Speer (der nach dem Wurf stets in seine Hand zurückkehrt) erschlägt und das gesamte Dānava-Heer vernichtet. Indra preist dies als Skandas erste ruhmreiche Tat; Rudra erklärt ihn den Göttern gleichrangig. Das Kapitel schließt mit einer klassischen Phalaśruti (Verheißung von Segen für die Lesenden) und beendet damit den gesamten, seit Kap.213 entfalteten Geburts- und Werdegang-Zyklus Skandas.
Mārkaṇḍeya sprach: „Als der Erhabene, der Sohn Agnis, mit der Feldherrnwürde geweiht worden war, brach da Hara, der Glanzvolle, hocherfreut, nach Bhadravaṭa auf, auf einem Wagen von der Farbe der Sonne, zusammen mit Pārvatī, er, der Herr.
Mārkaṇḍeya sprach: „Als der Erhabene, der Sohn Agnis, mit der Feldherrnwürde geweiht worden war, brach da Hara, der Glanzvolle, hocherfreut, nach Bhadravaṭa auf, auf einem Wagen von der Farbe der Sonne, zusammen mit Pārvatī, er, der Herr.
te pibanta ivākāśaṃ trāsayantaś carācarān siṃhā nabhasy agacchanta nadantaś cārukesarāḥ
Jene Löwen, gleichsam den Himmel verschlingend, die beweglichen und unbeweglichen Wesen erschreckend, zogen brüllend, mit schönen Mähnen, durch die Luft.
Wort für Wort
te pibanta ivākāśaṃ trāsayantaś carācarān siṃhā nabhasy agacchanta nadantaś cārukesarāḥ
Jene Löwen, gleichsam den Himmel verschlingend, die beweglichen und unbeweglichen Wesen erschreckend, zogen brüllend, mit schönen Mähnen, durch die Luft.
paṭṭiśaṃ tv anvagād rājaṃś chatraṃ raudraṃ mahāprabham kamaṇḍaluś cāpy anu taṃ maharṣigaṇasaṃvṛtaḥ
Dem Paṭṭiśa aber folgte, o König, der furchtbare, überaus glanzvolle Sonnenschirm Rudras, und diesem folgte auch der Wasserkrug, umgeben von der Schar der großen Seher.
Wort für Wort
paṭṭiśaṃ tv anvagād rājaṃś chatraṃ raudraṃ mahāprabham kamaṇḍaluś cāpy anu taṃ maharṣigaṇasaṃvṛtaḥ
Dem Paṭṭiśa aber folgte, o König, der furchtbare, überaus glanzvolle Sonnenschirm Rudras, und diesem folgte auch der Wasserkrug, umgeben von der Schar der großen Seher.
nakṣatrāṇi grahāś caiva devānāṃ śiśavaś ca ye striyaś ca vividhākārā yānti rudrasya pṛṣṭhataḥ sṛjantyaḥ puṣpavarṣāṇi cārurūpā varāṅganāḥ
die Mondhäuser und die Planeten, sowie die Kinder der Götter, und die Frauen von mannigfaltiger Gestalt zogen hinter Rudra her, indem die schönen, vorzüglichen Frauen Blütenregen herabstreuten.
Wort für Wort
nakṣatrāṇi grahāś caiva devānāṃ śiśavaś ca ye striyaś ca vividhākārā yānti rudrasya pṛṣṭhataḥ sṛjantyaḥ puṣpavarṣāṇi cārurūpā varāṅganāḥ
die Mondhäuser und die Planeten, sowie die Kinder der Götter, und die Frauen von mannigfaltiger Gestalt zogen hinter Rudra her, indem die schönen, vorzüglichen Frauen Blütenregen herabstreuten.
parjanyaś cāpy anuyayau namaskṛtya pinākinam chatraṃ tu pāṇḍuraṃ somas tasya mūrdhany adhārayat cāmare cāpi vāyuś ca gṛhītvāgniś ca viṣṭhitau
Auch Parjanya folgte, nachdem er sich vor dem Pinākaträger verneigt hatte; Soma aber hielt über dessen Haupt den weißen Sonnenschirm; und Vāyu und Agni standen da, die Wedel ergriffen habend.
Wort für Wort
parjanyaś cāpy anuyayau namaskṛtya pinākinam chatraṃ tu pāṇḍuraṃ somas tasya mūrdhany adhārayat cāmare cāpi vāyuś ca gṛhītvāgniś ca viṣṭhitau
Auch Parjanya folgte, nachdem er sich vor dem Pinākaträger verneigt hatte; Soma aber hielt über dessen Haupt den weißen Sonnenschirm; und Vāyu und Agni standen da, die Wedel ergriffen habend.
tatra vidyāgaṇāḥ sarve ye ke cit kavibhiḥ kṛtāḥ yasya kurvanti vacanaṃ sendrā devāś camūmukhe
Dort waren alle Scharen der Wissenskräfte (Vidyās), welche auch immer von den Weisen geschaffen wurden, dessen Geheiß die Götter samt Indra an der Spitze des Heeres befolgen. [?]
Wort für Wort
tatra vidyāgaṇāḥ sarve ye ke cit kavibhiḥ kṛtāḥ yasya kurvanti vacanaṃ sendrā devāś camūmukhe
Dort waren alle Scharen der Wissenskräfte (Vidyās), welche auch immer von den Weisen geschaffen wurden, dessen Geheiß die Götter samt Indra an der Spitze des Heeres befolgen. [?]
Der Bezug von ‚dessen‘ (yasya) bleibt im Sanskrit unbestimmt; vermutlich ist Rudra gemeint, dem an der Spitze des Zuges auch die Vidyā-Scharen und die Götter Gefolgschaft leisten.
sa gṛhītvā patākāṃ tu yāty agre rākṣaso grahaḥ vyāpṛtas tu śmaśāne yo nityaṃ rudrasya vai sakhā piṅgalo nāma yakṣendro lokasyānandadāyakaḥ
Er, ein Banner tragend, zog an der Spitze - der Rākṣasa-Graha, der beständig auf dem Leichenfeld tätig ist, der wahrhaft immerwährende Freund Rudras, mit Namen Piṅgala, der Yakṣa-Fürst, der Freudenspender der Welt.
Wort für Wort
sa gṛhītvā patākāṃ tu yāty agre rākṣaso grahaḥ vyāpṛtas tu śmaśāne yo nityaṃ rudrasya vai sakhā piṅgalo nāma yakṣendro lokasyānandadāyakaḥ
Er, ein Banner tragend, zog an der Spitze - der Rākṣasa-Graha, der beständig auf dem Leichenfeld tätig ist, der wahrhaft immerwährende Freund Rudras, mit Namen Piṅgala, der Yakṣa-Fürst, der Freudenspender der Welt.
rudraṃ satkarmabhir martyāḥ pūjayantīha daivatam śivam ity eva yaṃ prāhur īśaṃ rudraṃ pinākinam bhāvais tu vividhākāraiḥ pūjayanti maheśvaram
Die Sterblichen verehren hier Rudra, den Gott, mit guten Werken - ihn, den sie eben Śiva nennen, den Herrn, Rudra, den Pinākaträger; mit mannigfaltig gestalteten Gesinnungen verehren sie den großen Herrn.
Wort für Wort
rudraṃ satkarmabhir martyāḥ pūjayantīha daivatam śivam ity eva yaṃ prāhur īśaṃ rudraṃ pinākinam bhāvais tu vividhākāraiḥ pūjayanti maheśvaram
Die Sterblichen verehren hier Rudra, den Gott, mit guten Werken - ihn, den sie eben Śiva nennen, den Herrn, Rudra, den Pinākaträger; mit mannigfaltig gestalteten Gesinnungen verehren sie den großen Herrn.
rudra uvāca kāryeṣv ahaṃ tvayā putra saṃdraṣṭavyaḥ sadaiva hi darśanān mama bhaktyā ca śreyaḥ param avāpsyasi
Rudra sprach: ‚Bei allen Aufgaben, mein Sohn, sollst du mich stets aufsuchen; durch den Anblick von mir und durch Hingabe wirst du das höchste Heil erlangen.‘
Wort für Wort
rudra uvāca kāryeṣv ahaṃ tvayā putra saṃdraṣṭavyaḥ sadaiva hi darśanān mama bhaktyā ca śreyaḥ param avāpsyasi
Rudra sprach: ‚Bei allen Aufgaben, mein Sohn, sollst du mich stets aufsuchen; durch den Anblick von mir und durch Hingabe wirst du das höchste Heil erlangen.‘
Mārkaṇḍeya sprach: So sprechend, umarmte der große Herr ihn und entließ ihn; als Skanda entlassen worden war, geschah da plötzlich ein großes Unheilszeichen, o Großkönig, das alle Götter in Verwirrung stürzte.
Mārkaṇḍeya sprach: So sprechend, umarmte der große Herr ihn und entließ ihn; als Skanda entlassen worden war, geschah da plötzlich ein großes Unheilszeichen, o Großkönig, das alle Götter in Verwirrung stürzte.
Der Himmel samt den Sternen loderte auf, die Welt war heftig verwirrt; die Erde erbebte und dröhnte, und die Welt wurde von Finsternis erfüllt, o Herr.
Der Himmel samt den Sternen loderte auf, die Welt war heftig verwirrt; die Erde erbebte und dröhnte, und die Welt wurde von Finsternis erfüllt, o Herr.
Mit zerhauenen Kriegern, Elefanten und Pferden, mit zerschlagenen Waffen und großen Wagen, von den Dānavas gequält, erschien das Heer der Götter abgewandt.
Mit zerhauenen Kriegern, Elefanten und Pferden, mit zerschlagenen Waffen und großen Wagen, von den Dānavas gequält, erschien das Heer der Götter abgewandt.
te vibhinnaśirodehāḥ pracyavante divaukasaḥ na nātham adhyagacchanta vadhyamānā mahāraṇe
Sie, mit gespaltenen Köpfen und Körpern, die Himmelsbewohner, stürzten dahin; sie fanden, während sie in der großen Schlacht niedergemetzelt wurden, keinen Beschützer.
Wort für Wort
te vibhinnaśirodehāḥ pracyavante divaukasaḥ na nātham adhyagacchanta vadhyamānā mahāraṇe
Sie, mit gespaltenen Köpfen und Körpern, die Himmelsbewohner, stürzten dahin; sie fanden, während sie in der großen Schlacht niedergemetzelt wurden, keinen Beschützer.
tair visṛṣṭāny anīkeṣu kruddhaiḥ śastrāṇi saṃyuge śarāś ca daityakāyeṣu pibanti smāsṛgulbaṇam
Von ihnen, den Erzürnten, wurden im Kampf gegen die Heerscharen Waffen geschleudert, und die Pfeile tranken in den Körpern der Daityas das reichlich fließende Blut.
Wort für Wort
tair visṛṣṭāny anīkeṣu kruddhaiḥ śastrāṇi saṃyuge śarāś ca daityakāyeṣu pibanti smāsṛgulbaṇam
Von ihnen, den Erzürnten, wurden im Kampf gegen die Heerscharen Waffen geschleudert, und die Pfeile tranken in den Körpern der Daityas das reichlich fließende Blut.
Da stürmte Mahiṣa vorwärts und schleuderte jenen Berg auf die Götter; durch jenen herabfallenden, furchtbar gestalteten Berg wurden, o Herrscher, zehntausend vom Götterheer erschlagen und fielen zu Boden.
Da stürmte Mahiṣa vorwärts und schleuderte jenen Berg auf die Götter; durch jenen herabfallenden, furchtbar gestalteten Berg wurden, o Herrscher, zehntausend vom Götterheer erschlagen und fielen zu Boden.
Die übrigen furchtbaren Daitya-Scharen, größtenteils von dem weisen Mahāsena mit Pfeilen niedergestreckt, erschrocken und verängstigt, wurden von Skandas unbezwingbaren Gefolgsleuten zu Hunderten erschlagen und verzehrt.
Die übrigen furchtbaren Daitya-Scharen, größtenteils von dem weisen Mahāsena mit Pfeilen niedergestreckt, erschrocken und verängstigt, wurden von Skandas unbezwingbaren Gefolgsleuten zu Hunderten erschlagen und verzehrt.
Wie die Sonne die Finsternis, wie das Feuer die Bäume, wie der Vogel die Wolken - so besiegte Skanda, der Ruhmreiche, durch seine eigene Kraft die Feinde.
Wie die Sonne die Finsternis, wie das Feuer die Bäume, wie der Vogel die Wolken - so besiegte Skanda, der Ruhmreiche, durch seine eigene Kraft die Feinde.
Von den Göttern geehrt, nachdem er den großen Herrn ehrfürchtig gegrüßt hatte, erstrahlte der Sohn der Kṛttikās wie die Sonne mit ausgebreiteten Strahlen.
Von den Göttern geehrt, nachdem er den großen Herrn ehrfürchtig gegrüßt hatte, erstrahlte der Sohn der Kṛttikās wie die Sonne mit ausgebreiteten Strahlen.
brahmadattavaraḥ skanda tvayāyaṃ mahiṣo hataḥ devās tṛṇamayā yasya babhūvur jayatāṃ vara so 'yaṃ tvayā mahābāho śamito devakaṇṭakaḥ
‚Skanda, dem von Brahmā eine Gunst verliehen wurde - von dir ist dieser Mahiṣa getötet worden, für den die Götter wie Strohhalme waren; dieser Dorn der Götter ist von dir, o Starkarmiger, Bester der Sieger, zur Ruhe gebracht worden.
Wort für Wort
brahmadattavaraḥ skanda tvayāyaṃ mahiṣo hataḥ devās tṛṇamayā yasya babhūvur jayatāṃ vara so 'yaṃ tvayā mahābāho śamito devakaṇṭakaḥ
‚Skanda, dem von Brahmā eine Gunst verliehen wurde - von dir ist dieser Mahiṣa getötet worden, für den die Götter wie Strohhalme waren; dieser Dorn der Götter ist von dir, o Starkarmiger, Bester der Sieger, zur Ruhe gebracht worden.
etat te prathamaṃ deva khyātaṃ karma bhaviṣyati triṣu lokeṣu kīrtiś ca tavākṣayyā bhaviṣyati vaśagāś ca bhaviṣyanti surās tava surātmaja
Dies wird deine erste berühmte Tat sein, o Gott; und dein Ruhm wird in den drei Welten unvergänglich sein, und die Götter werden dir untertan sein, o Sohn der Götter.‘
Wort für Wort
etat te prathamaṃ deva khyātaṃ karma bhaviṣyati triṣu lokeṣu kīrtiś ca tavākṣayyā bhaviṣyati vaśagāś ca bhaviṣyanti surās tava surātmaja
Dies wird deine erste berühmte Tat sein, o Gott; und dein Ruhm wird in den drei Welten unvergänglich sein, und die Götter werden dir untertan sein, o Sohn der Götter.‘
sa hatvā dānavagaṇān pūjyamāno maharṣibhiḥ ekāhnaivājayat sarvaṃ trailokyaṃ vahninandanaḥ
Er, nachdem er die Dānava-Scharen getötet hatte, von den großen Sehern verehrt, eroberte der Sohn Agnis an einem einzigen Tag die gesamten drei Welten.
Wort für Wort
sa hatvā dānavagaṇān pūjyamāno maharṣibhiḥ ekāhnaivājayat sarvaṃ trailokyaṃ vahninandanaḥ
Er, nachdem er die Dānava-Scharen getötet hatte, von den großen Sehern verehrt, eroberte der Sohn Agnis an einem einzigen Tag die gesamten drei Welten.