Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 277: Pativratāmāhātmyam / Sāvitryupākhyānam (1) Beginn der Sāvitrī-Erzählung: Aśvapatis Buße und Sāvitrīs Geburt

Yudhiṣṭhira fragt, ob es je eine Frau von solcher Gattentreue wie Draupadī gegeben habe; Mārkaṇḍeya beginnt daraufhin die berühmte Erzählung von Sāvitrī. König Aśvapati von Madra erlangt durch achtzehnjährige strenge Buße und Opfer an die Gottheit Sāvitrī (Personifikation des vedischen Sāvitrī-Mantras) die Gunst einer Tochter, die nach ihr benannt wird. Die herangewachsene Sāvitrī, von übermächtigem Glanz umgeben, findet keinen Freier; ihr Vater schickt sie daher aus, sich selbst einen ebenbürtigen Gatten zu suchen. Mārkaṇḍeyas Erzählung (curly-Zitatrahmen) bleibt am Kapitelende bewusst offen, da sie sich in den folgenden Kapiteln fortsetzt.

yudhiṣṭhira uvāca nātmānam anuśocāmi nemān bhrātṝn mahāmune haraṇaṃ cāpi rājyasya yathemāṃ drupadātmajām

Yudhiṣṭhira sprach: „Weder um mich selbst gräme ich mich, noch um diese meine Brüder, großer Weiser, noch auch um den Raub des Königreichs, so sehr wie um diese Tochter Drupadas.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca nātmānam anuśocāmi nemān bhrātṝn mahāmune haraṇaṃ cāpi rājyasya yathemāṃ drupadātmajām
Yudhiṣṭhira sprach: „Weder um mich selbst gräme ich mich, noch um diese meine Brüder, großer Weiser, noch auch um den Raub des Königreichs, so sehr wie um diese Tochter Drupadas.

dyūte durātmabhiḥ kliṣṭāḥ kṛṣṇayā tāritā vayam jayadrathena ca punar vanād apahṛtā balāt

Beim Würfelspiel wurden wir von den Bösgesinnten bedrängt, doch durch Kṛṣṇā gerettet; und abermals wurde sie von Jayadratha mit Gewalt aus dem Wald entführt.

Wort für Wort
dyūte durātmabhiḥ kliṣṭāḥ kṛṣṇayā tāritā vayam jayadrathena ca punar vanād apahṛtā balāt
Beim Würfelspiel wurden wir von den Bösgesinnten bedrängt, doch durch Kṛṣṇā gerettet; und abermals wurde sie von Jayadratha mit Gewalt aus dem Wald entführt.

asti sīmantinī kā cid dṛṣṭapūrvātha vā śrutā pativratā mahābhāgā yatheyaṃ drupadātmajā

Gibt es irgendeine Frau, sei es früher gesehen oder gehört, die ihrem Gatten so ergeben und so hochgesegnet ist wie diese Tochter Drupadas?“

Wort für Wort
asti sīmantinī kā cid dṛṣṭapūrvātha vā śrutā pativratā mahābhāgā yatheyaṃ drupadātmajā
Gibt es irgendeine Frau, sei es früher gesehen oder gehört, die ihrem Gatten so ergeben und so hochgesegnet ist wie diese Tochter Drupadas?“

mārkaṇḍeya uvāca śṛṇu rājan kulastrīṇāṃ mahābhāgyaṃ yudhiṣṭhira sarvam etad yathā prāptaṃ sāvitryā rājakanyayā

Mārkaṇḍeya sprach: „Höre, König Yudhiṣṭhira, von dem hohen Glück der Frauen guten Geschlechts, wie es alles von der Königstochter Sāvitrī erlangt wurde.

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca śṛṇu rājan kulastrīṇāṃ mahābhāgyaṃ yudhiṣṭhira sarvam etad yathā prāptaṃ sāvitryā rājakanyayā
Mārkaṇḍeya sprach: „Höre, König Yudhiṣṭhira, von dem hohen Glück der Frauen guten Geschlechts, wie es alles von der Königstochter Sāvitrī erlangt wurde.

āsīn madreṣu dharmātmā rājā paramadhārmikaḥ brahmaṇyaś ca śaraṇyaś ca satyasaṃdho jitendriyaḥ

Bei den Madras lebte ein König von gerechter Seele, überaus rechtschaffen, den Brahmanen zugetan, ein Zufluchtsort für Schutzsuchende, wahrhaftig im Bunde, seine Sinne beherrschend,

Wort für Wort
āsīn madreṣu dharmātmā rājā paramadhārmikaḥ brahmaṇyaś ca śaraṇyaś ca satyasaṃdho jitendriyaḥ
Bei den Madras lebte ein König von gerechter Seele, überaus rechtschaffen, den Brahmanen zugetan, ein Zufluchtsort für Schutzsuchende, wahrhaftig im Bunde, seine Sinne beherrschend,

yajvā dānapatir dakṣaḥ paurajānapadapriyaḥ pārthivo 'śvapatir nāma sarvabhūtahite rataḥ

ein Opferer, ein Herr der Freigebigkeit, tüchtig, beliebt bei den Bewohnern der Stadt und des Landes - ein Fürst namens Aśvapati, dem Wohl aller Wesen zugetan.

Wort für Wort
yajvā dānapatir dakṣaḥ paurajānapadapriyaḥ pārthivo 'śvapatir nāma sarvabhūtahite rataḥ
ein Opferer, ein Herr der Freigebigkeit, tüchtig, beliebt bei den Bewohnern der Stadt und des Landes - ein Fürst namens Aśvapati, dem Wohl aller Wesen zugetan.

kṣamāvān anapatyaś ca satyavāg vijitendriyaḥ atikrāntena vayasā saṃtāpam upajagmivān

Geduldig, doch ohne Nachkommen, wahrhaftig redend, seine Sinne bezwungen, geriet er, da seine Jugend vorüber war, in Kummer.

Wort für Wort
kṣamāvān anapatyaś ca satyavāg vijitendriyaḥ atikrāntena vayasā saṃtāpam upajagmivān
Geduldig, doch ohne Nachkommen, wahrhaftig redend, seine Sinne bezwungen, geriet er, da seine Jugend vorüber war, in Kummer.

apatyotpādanārthaṃ sa tīvraṃ niyamam āsthitaḥ kāle parimitāhāro brahmacārī jitendriyaḥ

Um Nachkommenschaft zu erlangen, unterzog er sich einer strengen Regel: zur rechten Zeit nur beschränkte Nahrung, keusch lebend, seine Sinne bezwingend.

Wort für Wort
apatyotpādanārthaṃ sa tīvraṃ niyamam āsthitaḥ kāle parimitāhāro brahmacārī jitendriyaḥ
Um Nachkommenschaft zu erlangen, unterzog er sich einer strengen Regel: zur rechten Zeit nur beschränkte Nahrung, keusch lebend, seine Sinne bezwingend.

hutvā śatasahasraṃ sa sāvitryā rājasattama ṣaṣṭhe ṣaṣṭhe tadā kāle babhūva mitabhojanaḥ

Hunderttausendmal brachte er der Sāvitrī [dem Mantra bzw. der Gottheit] Opferspenden dar, bester der Könige, und nahm dabei jeweils nur an jedem sechsten Zeitabschnitt beschränkte Nahrung zu sich.

Wort für Wort
hutvā śatasahasraṃ sa sāvitryā rājasattama ṣaṣṭhe ṣaṣṭhe tadā kāle babhūva mitabhojanaḥ
Hunderttausendmal brachte er der Sāvitrī [dem Mantra bzw. der Gottheit] Opferspenden dar, bester der Könige, und nahm dabei jeweils nur an jedem sechsten Zeitabschnitt beschränkte Nahrung zu sich.

Sāvitrī ist hier zunächst der berühmte vedische Sāvitrī-Mantra bzw. dessen personifizierte Gottheit (an die das Opfer gerichtet ist) - erst ab Vers 10 erscheint sie leibhaftig und schenkt dem König später eine Tochter, die ihretwegen ebenfalls Sāvitrī genannt wird (V.24).

etena niyamenāsīd varṣāṇy aṣṭādaśaiva tu pūrṇe tv aṣṭādaśe varṣe sāvitrī tuṣṭim abhyagāt svarūpiṇī tadā rājan darśayām āsa taṃ nṛpam

Mit dieser Regel verharrte er volle achtzehn Jahre; als das achtzehnte Jahr erfüllt war, wurde Sāvitrī zufrieden und zeigte sich, o König, dem Fürsten in ihrer eigenen Gestalt.

Wort für Wort
etena niyamenāsīd varṣāṇy aṣṭādaśaiva tu pūrṇe tv aṣṭādaśe varṣe sāvitrī tuṣṭim abhyagāt svarūpiṇī tadā rājan darśayām āsa taṃ nṛpam
Mit dieser Regel verharrte er volle achtzehn Jahre; als das achtzehnte Jahr erfüllt war, wurde Sāvitrī zufrieden und zeigte sich, o König, dem Fürsten in ihrer eigenen Gestalt.

agnihotrāt samutthāya harṣeṇa mahatānvitā uvāca cainaṃ varadā vacanaṃ pārthivaṃ tadā

Sich von der Feueropferstätte erhebend, von großer Freude erfüllt, sprach die Gabenspenderin darauf dieses Wort zu dem Fürsten:

Wort für Wort
agnihotrāt samutthāya harṣeṇa mahatānvitā uvāca cainaṃ varadā vacanaṃ pārthivaṃ tadā
Sich von der Feueropferstätte erhebend, von großer Freude erfüllt, sprach die Gabenspenderin darauf dieses Wort zu dem Fürsten:

brahmacaryeṇa śuddhena damena niyamena ca sarvātmanā ca madbhaktyā tuṣṭāsmi tava pārthiva

‚Durch deine reine Keuschheit, deine Selbstbeherrschung, deine Regeltreue und deine Hingabe an mich mit ganzer Seele bin ich zufrieden mit dir, Fürst.

Wort für Wort
brahmacaryeṇa śuddhena damena niyamena ca sarvātmanā ca madbhaktyā tuṣṭāsmi tava pārthiva
‚Durch deine reine Keuschheit, deine Selbstbeherrschung, deine Regeltreue und deine Hingabe an mich mit ganzer Seele bin ich zufrieden mit dir, Fürst.

varaṃ vṛṇīṣvāśvapate madrarāja yathepsitam na pramādaś ca dharmeṣu kartavyas te kathaṃ cana

Erbitte dir eine Gabe, Aśvapati, König der Madras, nach deinem Wunsch; doch sollst du niemals nachlässig im Dharma werden.‘

Wort für Wort
varaṃ vṛṇīṣvāśvapate madrarāja yathepsitam na pramādaś ca dharmeṣu kartavyas te kathaṃ cana
Erbitte dir eine Gabe, Aśvapati, König der Madras, nach deinem Wunsch; doch sollst du niemals nachlässig im Dharma werden.‘

aśvapatir uvāca apatyārthaḥ samārambhaḥ kṛto dharmepsayā mayā putrā me bahavo devi bhaveyuḥ kulabhāvanāḥ

Aśvapati sprach: ‚Um Nachkommenschaft willen habe ich, dem Dharma verlangend, dies unternommen; viele Söhne, die mein Geschlecht fördern, mögen mir werden, Göttin.

Wort für Wort
aśvapatir uvāca apatyārthaḥ samārambhaḥ kṛto dharmepsayā mayā putrā me bahavo devi bhaveyuḥ kulabhāvanāḥ
Aśvapati sprach: ‚Um Nachkommenschaft willen habe ich, dem Dharma verlangend, dies unternommen; viele Söhne, die mein Geschlecht fördern, mögen mir werden, Göttin.

tuṣṭāsi yadi me devi kāmam etaṃ vṛṇomy aham saṃtānaṃ hi paro dharma ity āhur māṃ dvijātayaḥ

Bist du mit mir zufrieden, Göttin, so erbitte ich mir diesen Wunsch; denn Nachkommenschaft sei der höchste Dharma, so sagen mir die zweimal Geborenen.‘

Wort für Wort
tuṣṭāsi yadi me devi kāmam etaṃ vṛṇomy aham saṃtānaṃ hi paro dharma ity āhur māṃ dvijātayaḥ
Bist du mit mir zufrieden, Göttin, so erbitte ich mir diesen Wunsch; denn Nachkommenschaft sei der höchste Dharma, so sagen mir die zweimal Geborenen.‘

sāvitry uvāca pūrvam eva mayā rājann abhiprāyam imaṃ tava jñātvā putrārtham ukto vai tava hetoḥ pitāmahaḥ

Sāvitrī sprach: ‚Schon zuvor, o König, habe ich, deine Absicht erkennend, um deinetwillen dem Großvater [Brahmā] deinen Wunsch nach Nachkommenschaft mitgeteilt.

Wort für Wort
sāvitry uvāca pūrvam eva mayā rājann abhiprāyam imaṃ tava jñātvā putrārtham ukto vai tava hetoḥ pitāmahaḥ
Sāvitrī sprach: ‚Schon zuvor, o König, habe ich, deine Absicht erkennend, um deinetwillen dem Großvater [Brahmā] deinen Wunsch nach Nachkommenschaft mitgeteilt.

prasādāc caiva tasmāt te svayaṃbhuvihitād bhuvi kanyā tejasvinī saumya kṣipram eva bhaviṣyati

Und durch die Gnade des Selbstentstandenen wird dir auf Erden eine glanzvolle Tochter alsbald geboren werden, Gütiger.

Wort für Wort
prasādāc caiva tasmāt te svayaṃbhuvihitād bhuvi kanyā tejasvinī saumya kṣipram eva bhaviṣyati
Und durch die Gnade des Selbstentstandenen wird dir auf Erden eine glanzvolle Tochter alsbald geboren werden, Gütiger.

uttaraṃ ca na te kiṃ cid vyāhartavyaṃ kathaṃ cana pitāmahanisargeṇa tuṣṭā hy etad bravīmi te

Und du sollst hierauf keinerlei weitere Erwiderung machen; zufrieden durch des Großvaters Verfügung sage ich dir dies.‘

Wort für Wort
uttaraṃ ca na te kiṃ cid vyāhartavyaṃ kathaṃ cana pitāmahanisargeṇa tuṣṭā hy etad bravīmi te
Und du sollst hierauf keinerlei weitere Erwiderung machen; zufrieden durch des Großvaters Verfügung sage ich dir dies.‘

mārkaṇḍeya uvāca sa tatheti pratijñāya sāvitryā vacanaṃ nṛpaḥ prasādayām āsa punaḥ kṣipram evaṃ bhaved iti

Nachdem der König Sāvitrīs Wort zugestimmt hatte, besänftigte er sie von neuem, in der Hoffnung, dies möge sich rasch erfüllen.

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca sa tatheti pratijñāya sāvitryā vacanaṃ nṛpaḥ prasādayām āsa punaḥ kṣipram evaṃ bhaved iti
Nachdem der König Sāvitrīs Wort zugestimmt hatte, besänftigte er sie von neuem, in der Hoffnung, dies möge sich rasch erfüllen.

antarhitāyāṃ sāvitryāṃ jagāma svagṛhaṃ nṛpaḥ svarājye cāvasat prītaḥ prajā dharmeṇa pālayan

Als Sāvitrī verschwunden war, kehrte der König zu seinem Haus zurück und verweilte in seinem Reich, erfreut, und beschützte seine Untertanen nach dem Dharma.

Wort für Wort
antarhitāyāṃ sāvitryāṃ jagāma svagṛhaṃ nṛpaḥ svarājye cāvasat prītaḥ prajā dharmeṇa pālayan
Als Sāvitrī verschwunden war, kehrte der König zu seinem Haus zurück und verweilte in seinem Reich, erfreut, und beschützte seine Untertanen nach dem Dharma.

kasmiṃś cit tu gate kāle sa rājā niyatavrataḥ jyeṣṭhāyāṃ dharmacāriṇyāṃ mahiṣyāṃ garbham ādadhe

Nach einiger Zeit erzeugte der König, seinem Gelübde treu, in seiner ältesten, dem Dharma folgenden Hauptgemahlin eine Leibesfrucht.

Wort für Wort
kasmiṃś cit tu gate kāle sa rājā niyatavrataḥ jyeṣṭhāyāṃ dharmacāriṇyāṃ mahiṣyāṃ garbham ādadhe
Nach einiger Zeit erzeugte der König, seinem Gelübde treu, in seiner ältesten, dem Dharma folgenden Hauptgemahlin eine Leibesfrucht.

rājaputryāṃ tu garbhaḥ sa mālavyāṃ bharatarṣabha vyavardhata yathā śukle tārāpatir ivāmbare

In der Königstochter aus Mālava wuchs jene Leibesfrucht, Stier der Bharatas, wie der Mond in der hellen Monatshälfte am Himmel wächst.

Wort für Wort
rājaputryāṃ tu garbhaḥ sa mālavyāṃ bharatarṣabha vyavardhata yathā śukle tārāpatir ivāmbare
In der Königstochter aus Mālava wuchs jene Leibesfrucht, Stier der Bharatas, wie der Mond in der hellen Monatshälfte am Himmel wächst.

prāpte kāle tu suṣuve kanyāṃ rājīvalocanām kriyāś ca tasyā muditaś cakre sa nṛpatis tadā

Als die Zeit gekommen war, gebar sie eine Tochter mit lotosgleichen Augen, und der Fürst vollzog darauf voller Freude die [vorgeschriebenen] Riten für sie.

Wort für Wort
prāpte kāle tu suṣuve kanyāṃ rājīvalocanām kriyāś ca tasyā muditaś cakre sa nṛpatis tadā
Als die Zeit gekommen war, gebar sie eine Tochter mit lotosgleichen Augen, und der Fürst vollzog darauf voller Freude die [vorgeschriebenen] Riten für sie.

sāvitryā prītayā dattā sāvitryā hutayā hy api sāvitrīty eva nāmāsyāś cakrur viprās tathā pitā

Da sie von der zufriedenen Sāvitrī gewährt und durch das der Sāvitrī dargebrachte Opfer erlangt worden war, gaben die Brahmanen sowie der Vater ihr eben den Namen Sāvitrī.

Wort für Wort
sāvitryā prītayā dattā sāvitryā hutayā hy api sāvitrīty eva nāmāsyāś cakrur viprās tathā pitā
Da sie von der zufriedenen Sāvitrī gewährt und durch das der Sāvitrī dargebrachte Opfer erlangt worden war, gaben die Brahmanen sowie der Vater ihr eben den Namen Sāvitrī.

sā vigrahavatīva śrīr vyavardhata nṛpātmajā kālena cāpi sā kanyā yauvanasthā babhūva ha

Sie, die Königstochter, wuchs heran wie die leibhaftige Glücksgöttin, und mit der Zeit gelangte das Mädchen in die Jugendblüte.

Wort für Wort
sā vigrahavatīva śrīr vyavardhata nṛpātmajā kālena cāpi sā kanyā yauvanasthā babhūva ha
Sie, die Königstochter, wuchs heran wie die leibhaftige Glücksgöttin, und mit der Zeit gelangte das Mädchen in die Jugendblüte.

tāṃ sumadhyāṃ pṛthuśroṇīṃ pratimāṃ kāñcanīm iva prāpteyaṃ devakanyeti dṛṣṭvā saṃmenire janāḥ

Als sie, schlank in der Taille, breit in den Hüften, wie ein goldenes Standbild, [heranwuchs], hielten die Leute sie beim Anblick für eine herabgestiegene Göttertochter.

Wort für Wort
tāṃ sumadhyāṃ pṛthuśroṇīṃ pratimāṃ kāñcanīm iva prāpteyaṃ devakanyeti dṛṣṭvā saṃmenire janāḥ
Als sie, schlank in der Taille, breit in den Hüften, wie ein goldenes Standbild, [heranwuchs], hielten die Leute sie beim Anblick für eine herabgestiegene Göttertochter.

tāṃ tu padmapalāśākṣīṃ jvalantīm iva tejasā na kaś cid varayām āsa tejasā prativāritaḥ

Doch sie, deren Augen wie Lotosblätter waren, die wie von eigenem Glanz zu lodern schien, warb niemand, von ihrem Glanz zurückgehalten.

Wort für Wort
tāṃ tu padmapalāśākṣīṃ jvalantīm iva tejasā na kaś cid varayām āsa tejasā prativāritaḥ
Doch sie, deren Augen wie Lotosblätter waren, die wie von eigenem Glanz zu lodern schien, warb niemand, von ihrem Glanz zurückgehalten.

athopoṣya śiraḥsnātā daivatāny abhigamya sā hutvāgniṃ vidhivad viprān vācayām āsa parvaṇi

Da fastete sie, wusch sich das Haupt, ging zu den Gottesbildern, brachte dem Feuer vorschriftsmäßig ein Opfer dar und ließ an einem Festtag die Brahmanen [Segenssprüche] rezitieren.

Wort für Wort
athopoṣya śiraḥsnātā daivatāny abhigamya sā hutvāgniṃ vidhivad viprān vācayām āsa parvaṇi
Da fastete sie, wusch sich das Haupt, ging zu den Gottesbildern, brachte dem Feuer vorschriftsmäßig ein Opfer dar und ließ an einem Festtag die Brahmanen [Segenssprüche] rezitieren.

tataḥ sumanasaḥ śeṣāḥ pratigṛhya mahātmanaḥ pituḥ sakāśam agamad devī śrīr iva rūpiṇī

Darauf, die übrig gebliebenen Blumen empfangend, begab sie sich, die Glücksgöttin an Gestalt gleich, zu ihrem hochherzigen Vater.

Wort für Wort
tataḥ sumanasaḥ śeṣāḥ pratigṛhya mahātmanaḥ pituḥ sakāśam agamad devī śrīr iva rūpiṇī
Darauf, die übrig gebliebenen Blumen empfangend, begab sie sich, die Glücksgöttin an Gestalt gleich, zu ihrem hochherzigen Vater.

sābhivādya pituḥ pādau śeṣāḥ pūrvaṃ nivedya ca kṛtāñjalir varārohā nṛpateḥ pārśvataḥ sthitā

Nachdem sie die Füße ihres Vaters verehrt und ihm zuvor die übrig gebliebenen Blumen dargebracht hatte, stand die Schönhüftige mit gefalteten Händen an der Seite des Fürsten.

Wort für Wort
sābhivādya pituḥ pādau śeṣāḥ pūrvaṃ nivedya ca kṛtāñjalir varārohā nṛpateḥ pārśvataḥ sthitā
Nachdem sie die Füße ihres Vaters verehrt und ihm zuvor die übrig gebliebenen Blumen dargebracht hatte, stand die Schönhüftige mit gefalteten Händen an der Seite des Fürsten.

yauvanasthāṃ tu tāṃ dṛṣṭvā svāṃ sutāṃ devarūpiṇīm ayācyamānāṃ ca varair nṛpatir duḥkhito 'bhavat

Als der Fürst seine in der Jugendblüte stehende, göttergleiche Tochter sah, um die von keinem Freier geworben wurde, ward er bekümmert.

Wort für Wort
yauvanasthāṃ tu tāṃ dṛṣṭvā svāṃ sutāṃ devarūpiṇīm ayācyamānāṃ ca varair nṛpatir duḥkhito 'bhavat
Als der Fürst seine in der Jugendblüte stehende, göttergleiche Tochter sah, um die von keinem Freier geworben wurde, ward er bekümmert.

rājovāca putri pradānakālas te na ca kaś cid vṛṇoti mām svayam anviccha bhartāraṃ guṇaiḥ sadṛśam ātmanaḥ

Der König sprach: ‚Tochter, die Zeit deiner Vermählung ist gekommen, doch niemand wirbt bei mir um dich; suche du selbst einen Gatten, der dir an Eigenschaften ebenbürtig ist.

Wort für Wort
rājovāca putri pradānakālas te na ca kaś cid vṛṇoti mām svayam anviccha bhartāraṃ guṇaiḥ sadṛśam ātmanaḥ
Der König sprach: ‚Tochter, die Zeit deiner Vermählung ist gekommen, doch niemand wirbt bei mir um dich; suche du selbst einen Gatten, der dir an Eigenschaften ebenbürtig ist.

prārthitaḥ puruṣo yaś ca sa nivedyas tvayā mama vimṛśyāhaṃ pradāsyāmi varaya tvaṃ yathepsitam

Welchen Mann du dir auch wünschst, den sollst du mir nennen; nach reiflicher Überlegung werde ich dich ihm geben - wähle du nach deinem Belieben.

Wort für Wort
prārthitaḥ puruṣo yaś ca sa nivedyas tvayā mama vimṛśyāhaṃ pradāsyāmi varaya tvaṃ yathepsitam
Welchen Mann du dir auch wünschst, den sollst du mir nennen; nach reiflicher Überlegung werde ich dich ihm geben - wähle du nach deinem Belieben.

śrutaṃ hi dharmaśāstre me paṭhyamānaṃ dvijātibhiḥ tathā tvam api kalyāṇi gadato me vacaḥ śṛṇu

Denn ich habe im Dharmaśāstra, wie es von den zweimal Geborenen vorgetragen wird, gehört; so höre auch du, Holde, dieses mein Wort, das ich dir sage:

Wort für Wort
śrutaṃ hi dharmaśāstre me paṭhyamānaṃ dvijātibhiḥ tathā tvam api kalyāṇi gadato me vacaḥ śṛṇu
Denn ich habe im Dharmaśāstra, wie es von den zweimal Geborenen vorgetragen wird, gehört; so höre auch du, Holde, dieses mein Wort, das ich dir sage:

apradātā pitā vācyo vācyaś cānupayan patiḥ mṛte bhartari putraś ca vācyo mātur arakṣitā

Ein Vater, der seine Tochter nicht verheiratet, ist zu tadeln, ebenso ein Gatte, der seiner ehelichen Pflicht nicht nachkommt; und ist der Gatte gestorben, so ist der Sohn zu tadeln, der die Mutter nicht beschützt.

Wort für Wort
apradātā pitā vācyo vācyaś cānupayan patiḥ mṛte bhartari putraś ca vācyo mātur arakṣitā
Ein Vater, der seine Tochter nicht verheiratet, ist zu tadeln, ebenso ein Gatte, der seiner ehelichen Pflicht nicht nachkommt; und ist der Gatte gestorben, so ist der Sohn zu tadeln, der die Mutter nicht beschützt.

idaṃ me vacanaṃ śrutvā bhartur anveṣaṇe tvara devatānāṃ yathā vācyo na bhaveyaṃ tathā kuru

Nachdem du dieses mein Wort gehört hast, beeile dich bei der Suche nach einem Gatten; handle so, dass ich nicht von den Göttern getadelt werde.‘

Wort für Wort
idaṃ me vacanaṃ śrutvā bhartur anveṣaṇe tvara devatānāṃ yathā vācyo na bhaveyaṃ tathā kuru
Nachdem du dieses mein Wort gehört hast, beeile dich bei der Suche nach einem Gatten; handle so, dass ich nicht von den Göttern getadelt werde.‘

mārkaṇḍeya uvāca evam uktvā duhitaraṃ tathā vṛddhāṃś ca mantriṇaḥ vyādideśānuyātraṃ ca gamyatām ity acodayat

Nachdem er so zu seiner Tochter gesprochen hatte, wies er ebenso die altgedienten Minister an, ein Gefolge bereitzustellen, und drängte darauf, dass man aufbreche.

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca evam uktvā duhitaraṃ tathā vṛddhāṃś ca mantriṇaḥ vyādideśānuyātraṃ ca gamyatām ity acodayat
Nachdem er so zu seiner Tochter gesprochen hatte, wies er ebenso die altgedienten Minister an, ein Gefolge bereitzustellen, und drängte darauf, dass man aufbreche.

sābhivādya pituḥ pādau vrīḍiteva manasvinī pitur vacanam ājñāya nirjagāmāvicāritam

Nachdem sie die Füße ihres Vaters verehrt hatte, wie beschämt, die Besonnene, brach sie, seinem Wort gehorchend, ohne Widerrede auf.

Wort für Wort
sābhivādya pituḥ pādau vrīḍiteva manasvinī pitur vacanam ājñāya nirjagāmāvicāritam
Nachdem sie die Füße ihres Vaters verehrt hatte, wie beschämt, die Besonnene, brach sie, seinem Wort gehorchend, ohne Widerrede auf.

sā haimaṃ ratham āsthāya sthaviraiḥ sacivair vṛtā tapovanāni ramyāṇi rājarṣīṇāṃ jagām aha

Sie bestieg einen goldenen Wagen, von altgedienten Ministern umgeben, und zog zu den lieblichen Bußwäldern der Königsweisen.

Wort für Wort
sā haimaṃ ratham āsthāya sthaviraiḥ sacivair vṛtā tapovanāni ramyāṇi rājarṣīṇāṃ jagām aha
Sie bestieg einen goldenen Wagen, von altgedienten Ministern umgeben, und zog zu den lieblichen Bußwäldern der Königsweisen.

mānyānāṃ tatra vṛddhānāṃ kṛtvā pādābhivandanam vanāni kramaśas tāta sarvāṇy evābhyagacchata

Dort erwies sie den ehrwürdigen Alten die Verehrung ihrer Füße und durchzog der Reihe nach alle jene Wälder, mein Kind.

Wort für Wort
mānyānāṃ tatra vṛddhānāṃ kṛtvā pādābhivandanam vanāni kramaśas tāta sarvāṇy evābhyagacchata
Dort erwies sie den ehrwürdigen Alten die Verehrung ihrer Füße und durchzog der Reihe nach alle jene Wälder, mein Kind.

evaṃ sarveṣu tīrtheṣu dhanotsargaṃ nṛpātmajā kurvatī dvijamukhyānāṃ taṃ taṃ deśaṃ jagāma ha

So zog die Königstochter, an allen heiligen Furten Reichtum an die vornehmsten Brahmanen verteilend, von einer Gegend zur anderen.

Wort für Wort
evaṃ sarveṣu tīrtheṣu dhanotsargaṃ nṛpātmajā kurvatī dvijamukhyānāṃ taṃ taṃ deśaṃ jagāma ha
So zog die Königstochter, an allen heiligen Furten Reichtum an die vornehmsten Brahmanen verteilend, von einer Gegend zur anderen.

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