Kapitel 277: Pativratāmāhātmyam / Sāvitryupākhyānam (1)
Beginn der Sāvitrī-Erzählung: Aśvapatis Buße und Sāvitrīs Geburt
Yudhiṣṭhira fragt, ob es je eine Frau von solcher Gattentreue wie Draupadī gegeben habe; Mārkaṇḍeya beginnt daraufhin die berühmte Erzählung von Sāvitrī. König Aśvapati von Madra erlangt durch achtzehnjährige strenge Buße und Opfer an die Gottheit Sāvitrī (Personifikation des vedischen Sāvitrī-Mantras) die Gunst einer Tochter, die nach ihr benannt wird. Die herangewachsene Sāvitrī, von übermächtigem Glanz umgeben, findet keinen Freier; ihr Vater schickt sie daher aus, sich selbst einen ebenbürtigen Gatten zu suchen. Mārkaṇḍeyas Erzählung (curly-Zitatrahmen) bleibt am Kapitelende bewusst offen, da sie sich in den folgenden Kapiteln fortsetzt.
Yudhiṣṭhira sprach: „Weder um mich selbst gräme ich mich, noch um diese meine Brüder, großer Weiser, noch auch um den Raub des Königreichs, so sehr wie um diese Tochter Drupadas.
Yudhiṣṭhira sprach: „Weder um mich selbst gräme ich mich, noch um diese meine Brüder, großer Weiser, noch auch um den Raub des Königreichs, so sehr wie um diese Tochter Drupadas.
Beim Würfelspiel wurden wir von den Bösgesinnten bedrängt, doch durch Kṛṣṇā gerettet; und abermals wurde sie von Jayadratha mit Gewalt aus dem Wald entführt.
Beim Würfelspiel wurden wir von den Bösgesinnten bedrängt, doch durch Kṛṣṇā gerettet; und abermals wurde sie von Jayadratha mit Gewalt aus dem Wald entführt.
Mārkaṇḍeya sprach: „Höre, König Yudhiṣṭhira, von dem hohen Glück der Frauen guten Geschlechts, wie es alles von der Königstochter Sāvitrī erlangt wurde.
Mārkaṇḍeya sprach: „Höre, König Yudhiṣṭhira, von dem hohen Glück der Frauen guten Geschlechts, wie es alles von der Königstochter Sāvitrī erlangt wurde.
āsīn madreṣu dharmātmā rājā paramadhārmikaḥ brahmaṇyaś ca śaraṇyaś ca satyasaṃdho jitendriyaḥ
Bei den Madras lebte ein König von gerechter Seele, überaus rechtschaffen, den Brahmanen zugetan, ein Zufluchtsort für Schutzsuchende, wahrhaftig im Bunde, seine Sinne beherrschend,
Wort für Wort
āsīn madreṣu dharmātmā rājā paramadhārmikaḥ brahmaṇyaś ca śaraṇyaś ca satyasaṃdho jitendriyaḥ
Bei den Madras lebte ein König von gerechter Seele, überaus rechtschaffen, den Brahmanen zugetan, ein Zufluchtsort für Schutzsuchende, wahrhaftig im Bunde, seine Sinne beherrschend,
ein Opferer, ein Herr der Freigebigkeit, tüchtig, beliebt bei den Bewohnern der Stadt und des Landes - ein Fürst namens Aśvapati, dem Wohl aller Wesen zugetan.
ein Opferer, ein Herr der Freigebigkeit, tüchtig, beliebt bei den Bewohnern der Stadt und des Landes - ein Fürst namens Aśvapati, dem Wohl aller Wesen zugetan.
apatyotpādanārthaṃ sa tīvraṃ niyamam āsthitaḥ kāle parimitāhāro brahmacārī jitendriyaḥ
Um Nachkommenschaft zu erlangen, unterzog er sich einer strengen Regel: zur rechten Zeit nur beschränkte Nahrung, keusch lebend, seine Sinne bezwingend.
Wort für Wort
apatyotpādanārthaṃ sa tīvraṃ niyamam āsthitaḥ kāle parimitāhāro brahmacārī jitendriyaḥ
Um Nachkommenschaft zu erlangen, unterzog er sich einer strengen Regel: zur rechten Zeit nur beschränkte Nahrung, keusch lebend, seine Sinne bezwingend.
Hunderttausendmal brachte er der Sāvitrī [dem Mantra bzw. der Gottheit] Opferspenden dar, bester der Könige, und nahm dabei jeweils nur an jedem sechsten Zeitabschnitt beschränkte Nahrung zu sich.
Hunderttausendmal brachte er der Sāvitrī [dem Mantra bzw. der Gottheit] Opferspenden dar, bester der Könige, und nahm dabei jeweils nur an jedem sechsten Zeitabschnitt beschränkte Nahrung zu sich.
Sāvitrī ist hier zunächst der berühmte vedische Sāvitrī-Mantra bzw. dessen personifizierte Gottheit (an die das Opfer gerichtet ist) - erst ab Vers 10 erscheint sie leibhaftig und schenkt dem König später eine Tochter, die ihretwegen ebenfalls Sāvitrī genannt wird (V.24).
etena niyamenāsīd varṣāṇy aṣṭādaśaiva tu pūrṇe tv aṣṭādaśe varṣe sāvitrī tuṣṭim abhyagāt svarūpiṇī tadā rājan darśayām āsa taṃ nṛpam
Mit dieser Regel verharrte er volle achtzehn Jahre; als das achtzehnte Jahr erfüllt war, wurde Sāvitrī zufrieden und zeigte sich, o König, dem Fürsten in ihrer eigenen Gestalt.
Wort für Wort
etena niyamenāsīd varṣāṇy aṣṭādaśaiva tu pūrṇe tv aṣṭādaśe varṣe sāvitrī tuṣṭim abhyagāt svarūpiṇī tadā rājan darśayām āsa taṃ nṛpam
Mit dieser Regel verharrte er volle achtzehn Jahre; als das achtzehnte Jahr erfüllt war, wurde Sāvitrī zufrieden und zeigte sich, o König, dem Fürsten in ihrer eigenen Gestalt.
Aśvapati sprach: ‚Um Nachkommenschaft willen habe ich, dem Dharma verlangend, dies unternommen; viele Söhne, die mein Geschlecht fördern, mögen mir werden, Göttin.
Aśvapati sprach: ‚Um Nachkommenschaft willen habe ich, dem Dharma verlangend, dies unternommen; viele Söhne, die mein Geschlecht fördern, mögen mir werden, Göttin.
tuṣṭāsi yadi me devi kāmam etaṃ vṛṇomy aham saṃtānaṃ hi paro dharma ity āhur māṃ dvijātayaḥ
Bist du mit mir zufrieden, Göttin, so erbitte ich mir diesen Wunsch; denn Nachkommenschaft sei der höchste Dharma, so sagen mir die zweimal Geborenen.‘
Wort für Wort
tuṣṭāsi yadi me devi kāmam etaṃ vṛṇomy aham saṃtānaṃ hi paro dharma ity āhur māṃ dvijātayaḥ
Bist du mit mir zufrieden, Göttin, so erbitte ich mir diesen Wunsch; denn Nachkommenschaft sei der höchste Dharma, so sagen mir die zweimal Geborenen.‘
Als Sāvitrī verschwunden war, kehrte der König zu seinem Haus zurück und verweilte in seinem Reich, erfreut, und beschützte seine Untertanen nach dem Dharma.
Als Sāvitrī verschwunden war, kehrte der König zu seinem Haus zurück und verweilte in seinem Reich, erfreut, und beschützte seine Untertanen nach dem Dharma.
prāpte kāle tu suṣuve kanyāṃ rājīvalocanām kriyāś ca tasyā muditaś cakre sa nṛpatis tadā
Als die Zeit gekommen war, gebar sie eine Tochter mit lotosgleichen Augen, und der Fürst vollzog darauf voller Freude die [vorgeschriebenen] Riten für sie.
Wort für Wort
prāpte kāle tu suṣuve kanyāṃ rājīvalocanām kriyāś ca tasyā muditaś cakre sa nṛpatis tadā
Als die Zeit gekommen war, gebar sie eine Tochter mit lotosgleichen Augen, und der Fürst vollzog darauf voller Freude die [vorgeschriebenen] Riten für sie.
sāvitryā prītayā dattā sāvitryā hutayā hy api sāvitrīty eva nāmāsyāś cakrur viprās tathā pitā
Da sie von der zufriedenen Sāvitrī gewährt und durch das der Sāvitrī dargebrachte Opfer erlangt worden war, gaben die Brahmanen sowie der Vater ihr eben den Namen Sāvitrī.
Wort für Wort
sāvitryā prītayā dattā sāvitryā hutayā hy api sāvitrīty eva nāmāsyāś cakrur viprās tathā pitā
Da sie von der zufriedenen Sāvitrī gewährt und durch das der Sāvitrī dargebrachte Opfer erlangt worden war, gaben die Brahmanen sowie der Vater ihr eben den Namen Sāvitrī.
Als sie, schlank in der Taille, breit in den Hüften, wie ein goldenes Standbild, [heranwuchs], hielten die Leute sie beim Anblick für eine herabgestiegene Göttertochter.
Als sie, schlank in der Taille, breit in den Hüften, wie ein goldenes Standbild, [heranwuchs], hielten die Leute sie beim Anblick für eine herabgestiegene Göttertochter.
Da fastete sie, wusch sich das Haupt, ging zu den Gottesbildern, brachte dem Feuer vorschriftsmäßig ein Opfer dar und ließ an einem Festtag die Brahmanen [Segenssprüche] rezitieren.
Da fastete sie, wusch sich das Haupt, ging zu den Gottesbildern, brachte dem Feuer vorschriftsmäßig ein Opfer dar und ließ an einem Festtag die Brahmanen [Segenssprüche] rezitieren.
Nachdem sie die Füße ihres Vaters verehrt und ihm zuvor die übrig gebliebenen Blumen dargebracht hatte, stand die Schönhüftige mit gefalteten Händen an der Seite des Fürsten.
Nachdem sie die Füße ihres Vaters verehrt und ihm zuvor die übrig gebliebenen Blumen dargebracht hatte, stand die Schönhüftige mit gefalteten Händen an der Seite des Fürsten.
rājovāca putri pradānakālas te na ca kaś cid vṛṇoti mām svayam anviccha bhartāraṃ guṇaiḥ sadṛśam ātmanaḥ
Der König sprach: ‚Tochter, die Zeit deiner Vermählung ist gekommen, doch niemand wirbt bei mir um dich; suche du selbst einen Gatten, der dir an Eigenschaften ebenbürtig ist.
Wort für Wort
rājovāca putri pradānakālas te na ca kaś cid vṛṇoti mām svayam anviccha bhartāraṃ guṇaiḥ sadṛśam ātmanaḥ
Der König sprach: ‚Tochter, die Zeit deiner Vermählung ist gekommen, doch niemand wirbt bei mir um dich; suche du selbst einen Gatten, der dir an Eigenschaften ebenbürtig ist.
Ein Vater, der seine Tochter nicht verheiratet, ist zu tadeln, ebenso ein Gatte, der seiner ehelichen Pflicht nicht nachkommt; und ist der Gatte gestorben, so ist der Sohn zu tadeln, der die Mutter nicht beschützt.
Ein Vater, der seine Tochter nicht verheiratet, ist zu tadeln, ebenso ein Gatte, der seiner ehelichen Pflicht nicht nachkommt; und ist der Gatte gestorben, so ist der Sohn zu tadeln, der die Mutter nicht beschützt.
mārkaṇḍeya uvāca evam uktvā duhitaraṃ tathā vṛddhāṃś ca mantriṇaḥ vyādideśānuyātraṃ ca gamyatām ity acodayat
Nachdem er so zu seiner Tochter gesprochen hatte, wies er ebenso die altgedienten Minister an, ein Gefolge bereitzustellen, und drängte darauf, dass man aufbreche.
Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca evam uktvā duhitaraṃ tathā vṛddhāṃś ca mantriṇaḥ vyādideśānuyātraṃ ca gamyatām ity acodayat
Nachdem er so zu seiner Tochter gesprochen hatte, wies er ebenso die altgedienten Minister an, ein Gefolge bereitzustellen, und drängte darauf, dass man aufbreche.