Kapitel 215: Ṛṣipatnītyāgaḥ
Die Verstoßung der Ṛṣi-Gattinnen und die Mütterscharen
Die Waldbewohner deuten die kosmischen Vorzeichen fälschlich als Ehebruch Agnis mit sechs Gattinnen der sieben Ṛṣis; auch die Verkleidung Svāhās als Vogelfrau wird missverstanden. Obwohl Svāhā selbst die Wahrheit verkündet und später auch Viśvāmitra (der Agni heimlich gefolgt war und alles erfuhr) die Unschuld der Frauen bezeugt, verstoßen die sieben Ṛṣis ihre sechs Gattinnen dennoch (nur Arundhatī bleibt verschont) – eine bewusst tragische Pointe des Mythos. Viśvāmitra vollzieht als Erster die Kindheitsriten für Skanda und wird sein besonderer Verehrer. Die Götter fordern aus Furcht vor Skandas Macht seinen Tod; die zu diesem Zweck entsandten Weltenmütter werden jedoch von seiner Erscheinung überwältigt, erkennen ihn stattdessen als ihren gemeinsamen Sohn an und werden zu seinen Beschützerinnen, ebenso wie Agni selbst in Gestalt des ziegenköpfigen Naigameya.
Mārkaṇḍeya sprach: „Als die Seher die überaus furchtbaren, mannigfaltigen Vorzeichen sahen, vollzogen sie, beunruhigt, Sühneriten für das Wohl der Welten, sie, die Welten-Erhalter.
Mārkaṇḍeya sprach: „Als die Seher die überaus furchtbaren, mannigfaltigen Vorzeichen sahen, vollzogen sie, beunruhigt, Sühneriten für das Wohl der Welten, sie, die Welten-Erhalter.
nivasanti vane ye tu tasmiṃś caitrarathe janāḥ te 'bruvann eṣa no 'narthaḥ pāvakenāhṛto mahān saṃgamya ṣaḍbhiḥ patnībhiḥ saptarṣīṇām iti sma ha
Die Menschen aber, die in jenem Caitraratha-Wald wohnten, sprachen: ‚Dies ist für uns ein großes Unheil, das Agni angerichtet hat, indem er sich mit sechs Gattinnen der sieben Ṛṣis vereinigte!‘
Wort für Wort
nivasanti vane ye tu tasmiṃś caitrarathe janāḥ te 'bruvann eṣa no 'narthaḥ pāvakenāhṛto mahān saṃgamya ṣaḍbhiḥ patnībhiḥ saptarṣīṇām iti sma ha
Die Menschen aber, die in jenem Caitraratha-Wald wohnten, sprachen: ‚Dies ist für uns ein großes Unheil, das Agni angerichtet hat, indem er sich mit sechs Gattinnen der sieben Ṛṣis vereinigte!‘
apare garuḍīm āhus tvayānartho 'yam āhṛtaḥ yair dṛṣṭā sā tadā devī tasyā rūpeṇa gacchatī na tu tat svāhayā karma kṛtaṃ jānāti vai janaḥ
Andere aber sagten zur Vogelfrau: ‚Von dir ist dieses Unheil angerichtet worden!‘ – diejenigen nämlich, die damals die Göttin in jener Gestalt umherfliegen gesehen hatten; dass aber jene Tat von Svāhā vollbracht worden war, wusste das Volk keineswegs.
Wort für Wort
apare garuḍīm āhus tvayānartho 'yam āhṛtaḥ yair dṛṣṭā sā tadā devī tasyā rūpeṇa gacchatī na tu tat svāhayā karma kṛtaṃ jānāti vai janaḥ
Andere aber sagten zur Vogelfrau: ‚Von dir ist dieses Unheil angerichtet worden!‘ – diejenigen nämlich, die damals die Göttin in jener Gestalt umherfliegen gesehen hatten; dass aber jene Tat von Svāhā vollbracht worden war, wusste das Volk keineswegs.
Als die sieben Ṛṣis darauf hörten, dass ein mächtiger Sohn geboren worden war, verstießen sie da ihre sechs Gattinnen, mit Ausnahme der Göttin Arundhatī.
Als die sieben Ṛṣis darauf hörten, dass ein mächtiger Sohn geboren worden war, verstießen sie da ihre sechs Gattinnen, mit Ausnahme der Göttin Arundhatī.
ṣaḍbhir eva tadā jātam āhus tad vanavāsinaḥ saptarṣīn āha ca svāhā mama putro 'yam ity uta ahaṃ jāne naitad evam iti rājan punaḥ punaḥ
Die Waldbewohner aber sagten, jenes Kind sei von den sechs Gattinnen geboren worden; Svāhā jedoch sprach zu den sieben Ṛṣis: ‚Dies ist mein Sohn!‘ Doch immer wieder hieß es: ‚Wir wissen, dass dies nicht so ist‘, o König.
Wort für Wort
ṣaḍbhir eva tadā jātam āhus tad vanavāsinaḥ saptarṣīn āha ca svāhā mama putro 'yam ity uta ahaṃ jāne naitad evam iti rājan punaḥ punaḥ
Die Waldbewohner aber sagten, jenes Kind sei von den sechs Gattinnen geboren worden; Svāhā jedoch sprach zu den sieben Ṛṣis: ‚Dies ist mein Sohn!‘ Doch immer wieder hieß es: ‚Wir wissen, dass dies nicht so ist‘, o König.
viśvāmitras tu kṛtveṣṭiṃ saptarṣīṇāṃ mahāmuniḥ pāvakaṃ kāmasaṃtaptam adṛṣṭaḥ pṛṣṭhato 'nvagāt tat tena nikhilaṃ sarvam avabuddhaṃ yathātatham
Viśvāmitra aber, der große Weise, der für die sieben Ṛṣis das Opfer vollzogen hatte, war unbemerkt dem von Begehren verzehrten Agni gefolgt; dadurch war ihm das Ganze der wirklichen Begebenheit vollständig bekannt geworden.
Wort für Wort
viśvāmitras tu kṛtveṣṭiṃ saptarṣīṇāṃ mahāmuniḥ pāvakaṃ kāmasaṃtaptam adṛṣṭaḥ pṛṣṭhato 'nvagāt tat tena nikhilaṃ sarvam avabuddhaṃ yathātatham
Viśvāmitra aber, der große Weise, der für die sieben Ṛṣis das Opfer vollzogen hatte, war unbemerkt dem von Begehren verzehrten Agni gefolgt; dadurch war ihm das Ganze der wirklichen Begebenheit vollständig bekannt geworden.
anvajānāc ca svāhāyā rūpānyatvaṃ mahāmuniḥ abravīc ca munīn sarvān nāparādhyanti vai striyaḥ śrutvā tu tattvatas tasmāt te patnīḥ sarvato 'tyajan
Und der große Weise erkannte die Verwandlung der Gestalt durch Svāhā und sprach zu allen Weisen: ‚Die Frauen haben keine Schuld!‘ Nachdem sie aber die Wahrheit gehört hatten, verstießen sie dennoch ihre Gattinnen vollständig.
Wort für Wort
anvajānāc ca svāhāyā rūpānyatvaṃ mahāmuniḥ abravīc ca munīn sarvān nāparādhyanti vai striyaḥ śrutvā tu tattvatas tasmāt te patnīḥ sarvato 'tyajan
Und der große Weise erkannte die Verwandlung der Gestalt durch Svāhā und sprach zu allen Weisen: ‚Die Frauen haben keine Schuld!‘ Nachdem sie aber die Wahrheit gehört hatten, verstießen sie dennoch ihre Gattinnen vollständig.
Die kausale Verknüpfung ‚nachdem sie die Wahrheit erfahren hatten, verstießen sie dennoch‘ wirkt paradox, ist aber wörtlich so überliefert; sie wird als bewusst pointierte, tragische Volte des Mythos wiedergegeben, nicht geglättet.
sa tān uvāca vyathito bālo 'yaṃ sumahābalaḥ sraṣṭāram api lokānāṃ yudhi vikramya nāśayet
Er, beunruhigt, sprach zu ihnen: ‚Dieser Knabe ist von überaus großer Kraft; er könnte sogar den Schöpfer der Welten im Kampf durch seine Gewalt vernichten.‘
Wort für Wort
sa tān uvāca vyathito bālo 'yaṃ sumahābalaḥ sraṣṭāram api lokānāṃ yudhi vikramya nāśayet
Er, beunruhigt, sprach zu ihnen: ‚Dieser Knabe ist von überaus großer Kraft; er könnte sogar den Schöpfer der Welten im Kampf durch seine Gewalt vernichten.‘
sarvās tv adyābhigacchantu skandaṃ lokasya mātaraḥ kāmavīryā ghnantu cainaṃ tathety uktvā ca tā yayuḥ
‚So mögen denn heute alle Mütter der Welt zu Skanda gehen und ihn, gestützt auf ihre selbstgewählte Kraft, töten.‘ ‚So sei es‘, sprachen sie, und gingen.
Wort für Wort
sarvās tv adyābhigacchantu skandaṃ lokasya mātaraḥ kāmavīryā ghnantu cainaṃ tathety uktvā ca tā yayuḥ
‚So mögen denn heute alle Mütter der Welt zu Skanda gehen und ihn, gestützt auf ihre selbstgewählte Kraft, töten.‘ ‚So sei es‘, sprachen sie, und gingen.
tam apratibalaṃ dṛṣṭvā viṣaṇṇavadanās tu tāḥ aśakyo 'yaṃ vicintyaivaṃ tam eva śaraṇaṃ yayuḥ
Als sie ihn aber sahen, den Unbezwingbaren, wurden sie mit betrübtem Antlitz; ‚Dieser ist nicht zu bewältigen‘, so denkend, suchten sie eben bei ihm Zuflucht.
Wort für Wort
tam apratibalaṃ dṛṣṭvā viṣaṇṇavadanās tu tāḥ aśakyo 'yaṃ vicintyaivaṃ tam eva śaraṇaṃ yayuḥ
Als sie ihn aber sahen, den Unbezwingbaren, wurden sie mit betrübtem Antlitz; ‚Dieser ist nicht zu bewältigen‘, so denkend, suchten sie eben bei ihm Zuflucht.
Und sie sprachen auch: ‚Du bist unser Sohn, von uns wird die Welt getragen; erfreue uns alle!‘ – von Zuneigung überwältigt, floss ihnen die Muttermilch.
Und sie sprachen auch: ‚Du bist unser Sohn, von uns wird die Welt getragen; erfreue uns alle!‘ – von Zuneigung überwältigt, floss ihnen die Muttermilch.
Und diejenige unter all den Müttern, die Frau, die aus dem Zorn entstanden war – sie, die Amme, beschützte Skanda wie ihren eigenen Sohn, den Dreizack in der Hand.
Und diejenige unter all den Müttern, die Frau, die aus dem Zorn entstanden war – sie, die Amme, beschützte Skanda wie ihren eigenen Sohn, den Dreizack in der Hand.