Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 177: Sarpayudhiṣṭhirasaṃvādaḥ Das Streitgespräch zwischen Yudhiṣṭhira und der Schlange

Yudhiṣṭhira findet Bhīma und befragt die Schlange, die sich als der einstige Königsweise Nahuṣa zu erkennen gibt: durch Hochmut nach Erlangung der Dreiweltenherrschaft von Agastya verflucht, hält er Bhīma als Mahlzeit fest, es sei denn, Yudhiṣṭhira beantworte seine Fragen. Es entspinnt sich ein tiefgründiges Streitgespräch über das Wesen des wahren Brahmanentums – ob es durch Geburt oder durch Wandel (Wahrhaftigkeit, Freigebigkeit, Sanftmut, Mitgefühl) bestimmt wird – und über das von Leid und Lust freie höchste Ziel. Am Ende erklärt sich die Schlange von Yudhiṣṭhiras Einsicht überzeugt.

vaiśaṃpāyana uvāca yudhiṣṭhiras tam āsādya sarpabhogābhiveṣṭitam dayitaṃ bhrātaraṃ vīram idaṃ vacanam abravīt

Vaiśaṃpāyana sprach: Yudhiṣṭhira, als er jenen geliebten, heldenhaften Bruder erreichte, von den Windungen der Schlange umschlungen, sprach dieses Wort:

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca yudhiṣṭhiras tam āsādya sarpabhogābhiveṣṭitam dayitaṃ bhrātaraṃ vīram idaṃ vacanam abravīt
Vaiśaṃpāyana sprach: Yudhiṣṭhira, als er jenen geliebten, heldenhaften Bruder erreichte, von den Windungen der Schlange umschlungen, sprach dieses Wort:

kuntīmātaḥ katham imām āpadaṃ tvam avāptavān kaś cāyaṃ parvatābhogapratimaḥ pannagottamaḥ

„Sohn Kuntīs, wie bist du in diese Not geraten, und wer ist diese, einem Bergrücken an Windungen gleichende, beste der Schlangen?“

Wort für Wort
kuntīmātaḥ katham imām āpadaṃ tvam avāptavān kaś cāyaṃ parvatābhogapratimaḥ pannagottamaḥ
„Sohn Kuntīs, wie bist du in diese Not geraten, und wer ist diese, einem Bergrücken an Windungen gleichende, beste der Schlangen?“

sa dharmarājam ālakṣya bhrātā bhrātaram agrajam kathayām āsa tat sarvaṃ grahaṇādi viceṣṭitam

Als jener Bruder den Dharmarāja, seinen älteren Bruder, erblickte, berichtete er ihm alles, von seinem Ergriffenwerden an, was sich zugetragen hatte.

Wort für Wort
sa dharmarājam ālakṣya bhrātā bhrātaram agrajam kathayām āsa tat sarvaṃ grahaṇādi viceṣṭitam
Als jener Bruder den Dharmarāja, seinen älteren Bruder, erblickte, berichtete er ihm alles, von seinem Ergriffenwerden an, was sich zugetragen hatte.

yudhiṣṭhira uvāca devo vā yadi vā daitya urago vā bhavān yadi satyaṃ sarpa vaco brūhi pṛcchati tvāṃ yudhiṣṭhiraḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Ob du ein Gott bist oder ein Daitya oder eine Schlange – sprich, Schlange, die Wahrheit; Yudhiṣṭhira fragt dich.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca devo vā yadi vā daitya urago vā bhavān yadi satyaṃ sarpa vaco brūhi pṛcchati tvāṃ yudhiṣṭhiraḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Ob du ein Gott bist oder ein Daitya oder eine Schlange – sprich, Schlange, die Wahrheit; Yudhiṣṭhira fragt dich.

kim āhṛtya viditvā vā prītis te syād bhujaṃgama kim āhāraṃ prayacchāmi kathaṃ muñced bhavān imam

Wodurch, durch welche Gabe oder Erkenntnis, würde dir Freude zuteil, Schlange? Welche Speise soll ich dir bringen? Wie mögest du diesen hier freilassen?“

Wort für Wort
kim āhṛtya viditvā vā prītis te syād bhujaṃgama kim āhāraṃ prayacchāmi kathaṃ muñced bhavān imam
Wodurch, durch welche Gabe oder Erkenntnis, würde dir Freude zuteil, Schlange? Welche Speise soll ich dir bringen? Wie mögest du diesen hier freilassen?“

sarpa uvāca nahuṣo nāma rājāham āsaṃ pūrvas tavānagha prathitaḥ pañcamaḥ somād āyoḥ putro narādhipa

Die Schlange sprach: „Nahuṣa genannt war ich einst ein König, dein Vorfahr, o Makelloser, berühmt, der fünfte von Soma an, der Sohn Āyus, o Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
sarpa uvāca nahuṣo nāma rājāham āsaṃ pūrvas tavānagha prathitaḥ pañcamaḥ somād āyoḥ putro narādhipa
Die Schlange sprach: „Nahuṣa genannt war ich einst ein König, dein Vorfahr, o Makelloser, berühmt, der fünfte von Soma an, der Sohn Āyus, o Herrscher der Menschen.

kratubhis tapasā caiva svādhyāyena damena ca trailokyaiśvaryam avyagraṃ prāpto vikramaṇena ca

Durch Opfer und durch Askese, durch Selbststudium und Selbstbeherrschung, und durch Tapferkeit erlangte ich die ungestörte Herrschaft über die drei Welten.

Wort für Wort
kratubhis tapasā caiva svādhyāyena damena ca trailokyaiśvaryam avyagraṃ prāpto vikramaṇena ca
Durch Opfer und durch Askese, durch Selbststudium und Selbstbeherrschung, und durch Tapferkeit erlangte ich die ungestörte Herrschaft über die drei Welten.

tad aiśvaryaṃ samāsādya darpo mām agamat tadā sahasraṃ hi dvijātīnām uvāha śibikāṃ mama

Nachdem ich jene Herrschaft erlangt hatte, befiel mich damals Hochmut; denn tausend Zweifachgeborene trugen meine Sänfte.

Wort für Wort
tad aiśvaryaṃ samāsādya darpo mām agamat tadā sahasraṃ hi dvijātīnām uvāha śibikāṃ mama
Nachdem ich jene Herrschaft erlangt hatte, befiel mich damals Hochmut; denn tausend Zweifachgeborene trugen meine Sänfte.

aiśvaryamadamatto 'ham avamanya tato dvijān imām agastyena daśām ānītaḥ pṛthivīpate

Von dem Rausch der Herrschaft trunken, die Zweifachgeborenen missachtend, wurde ich von Agastya in diesen Zustand gebracht, o Herr der Erde.

Wort für Wort
aiśvaryamadamatto 'ham avamanya tato dvijān imām agastyena daśām ānītaḥ pṛthivīpate
Von dem Rausch der Herrschaft trunken, die Zweifachgeborenen missachtend, wurde ich von Agastya in diesen Zustand gebracht, o Herr der Erde.

na tu mām ajahāt prajñā yāvad adyeti pāṇḍava tasyaivānugrahād rājann agastyasya mahātmanaḥ

Doch die Einsicht verließ mich nicht, bis heute, o Pāṇḍava, eben durch die Gnade jenes hochherzigen Agastya, o König.

Wort für Wort
na tu mām ajahāt prajñā yāvad adyeti pāṇḍava tasyaivānugrahād rājann agastyasya mahātmanaḥ
Doch die Einsicht verließ mich nicht, bis heute, o Pāṇḍava, eben durch die Gnade jenes hochherzigen Agastya, o König.

ṣaṣṭhe kāle mamāhāraḥ prāpto 'yam anujas tava nāham enaṃ vimokṣyāmi na cānyam abhikāmaye

Im sechsten Teil des Tages ist mir dieser deiner jüngerer Bruder als Speise zuteil geworden; ich werde ihn nicht freilassen, noch begehre ich einen anderen.

Wort für Wort
ṣaṣṭhe kāle mamāhāraḥ prāpto 'yam anujas tava nāham enaṃ vimokṣyāmi na cānyam abhikāmaye
Im sechsten Teil des Tages ist mir dieser deiner jüngerer Bruder als Speise zuteil geworden; ich werde ihn nicht freilassen, noch begehre ich einen anderen.

praśnān uccāritāṃs tu tvaṃ vyāhariṣyasi cen mama atha paścād vimokṣyāmi bhrātaraṃ te vṛkodaram

Wenn du aber die von mir gestellten Fragen beantwortest, dann werde ich danach deinen Bruder Vṛkodara freilassen.“

Wort für Wort
praśnān uccāritāṃs tu tvaṃ vyāhariṣyasi cen mama atha paścād vimokṣyāmi bhrātaraṃ te vṛkodaram
Wenn du aber die von mir gestellten Fragen beantwortest, dann werde ich danach deinen Bruder Vṛkodara freilassen.“

yudhiṣṭhira uvāca brūhi sarpa yathākāmaṃ prativakṣyāmi te vacaḥ api cec chaknuyāṃ prītim āhartuṃ te bhujaṃgama

Yudhiṣṭhira sprach: „Sprich, Schlange, nach Belieben; ich werde dein Wort beantworten, wenn ich imstande bin, dir Freude zu bereiten, Schlangenwesen.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca brūhi sarpa yathākāmaṃ prativakṣyāmi te vacaḥ api cec chaknuyāṃ prītim āhartuṃ te bhujaṃgama
Yudhiṣṭhira sprach: „Sprich, Schlange, nach Belieben; ich werde dein Wort beantworten, wenn ich imstande bin, dir Freude zu bereiten, Schlangenwesen.

vedyaṃ yad brāhmaṇeneha tad bhavān vetti kevalam sarparāja tataḥ śrutvā prativakṣyāmi te vacaḥ

Was von einem Brahmanen hier zu wissen ist, das weißt du allein, König der Schlangen; danach werde ich, es vernehmend, dein Wort beantworten.“

Wort für Wort
vedyaṃ yad brāhmaṇeneha tad bhavān vetti kevalam sarparāja tataḥ śrutvā prativakṣyāmi te vacaḥ
Was von einem Brahmanen hier zu wissen ist, das weißt du allein, König der Schlangen; danach werde ich, es vernehmend, dein Wort beantworten.“

sarpa uvāca brāhmaṇaḥ ko bhaved rājan vedyaṃ kiṃ ca yudhiṣṭhira bravīhy atimatiṃ tvāṃ hi vākyair anumimīmahe

Die Schlange sprach: „Wer wäre ein Brahmane, o König, und was ist zu wissen, Yudhiṣṭhira? Sprich; denn an deinen Worten wollen wir deine überragende Einsicht ermessen.“

Wort für Wort
sarpa uvāca brāhmaṇaḥ ko bhaved rājan vedyaṃ kiṃ ca yudhiṣṭhira bravīhy atimatiṃ tvāṃ hi vākyair anumimīmahe
Die Schlange sprach: „Wer wäre ein Brahmane, o König, und was ist zu wissen, Yudhiṣṭhira? Sprich; denn an deinen Worten wollen wir deine überragende Einsicht ermessen.“

yudhiṣṭhira uvāca satyaṃ dānaṃ kṣamā śīlam ānṛśaṃsyaṃ damo ghṛṇā dṛśyante yatra nāgendra sa brāhmaṇa iti smṛtaḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Wahrhaftigkeit, Freigebigkeit, Nachsicht, guter Wandel, Sanftmut, Selbstbeherrschung, Mitgefühl – wo diese zu sehen sind, Herr der Schlangen, der gilt als Brahmane.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca satyaṃ dānaṃ kṣamā śīlam ānṛśaṃsyaṃ damo ghṛṇā dṛśyante yatra nāgendra sa brāhmaṇa iti smṛtaḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Wahrhaftigkeit, Freigebigkeit, Nachsicht, guter Wandel, Sanftmut, Selbstbeherrschung, Mitgefühl – wo diese zu sehen sind, Herr der Schlangen, der gilt als Brahmane.

vedyaṃ sarpa paraṃ brahma nirduḥkham asukhaṃ ca yat yatra gatvā na śocanti bhavataḥ kiṃ vivakṣitam

Zu wissen ist, Schlange, das höchste Brahman, das frei von Leid und frei von Lust ist, wohin gelangt man nicht mehr trauert. Was möchtest du dazu sagen?“

Wort für Wort
vedyaṃ sarpa paraṃ brahma nirduḥkham asukhaṃ ca yat yatra gatvā na śocanti bhavataḥ kiṃ vivakṣitam
Zu wissen ist, Schlange, das höchste Brahman, das frei von Leid und frei von Lust ist, wohin gelangt man nicht mehr trauert. Was möchtest du dazu sagen?“

sarpa uvāca cāturvarṇyaṃ pramāṇaṃ ca satyaṃ ca brahma caiva ha śūdreṣv api ca satyaṃ ca dānam akrodha eva ca ānṛśaṃsyam ahiṃsā ca ghṛṇā caiva yudhiṣṭhira

Die Schlange sprach: „Die vier Stände, die Schriftautorität, Wahrhaftigkeit und das Brahman – auch bei den Śūdras finden sich Wahrhaftigkeit, Freigebigkeit, Zornlosigkeit, Sanftmut, Gewaltlosigkeit und Mitgefühl, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
sarpa uvāca cāturvarṇyaṃ pramāṇaṃ ca satyaṃ ca brahma caiva ha śūdreṣv api ca satyaṃ ca dānam akrodha eva ca ānṛśaṃsyam ahiṃsā ca ghṛṇā caiva yudhiṣṭhira
Die Schlange sprach: „Die vier Stände, die Schriftautorität, Wahrhaftigkeit und das Brahman – auch bei den Śūdras finden sich Wahrhaftigkeit, Freigebigkeit, Zornlosigkeit, Sanftmut, Gewaltlosigkeit und Mitgefühl, Yudhiṣṭhira.

vedyaṃ yac cāttha nirduḥkham asukhaṃ ca narādhipa tābhyāṃ hīnaṃ padaṃ cānyan na tad astīti lakṣaye

Und was du als das zu Wissende bezeichnest, frei von Leid und frei von Lust, o Herrscher der Menschen – einen anderen, von diesen beiden freien Zustand, den gibt es, wie ich erkenne, nicht.“

Wort für Wort
vedyaṃ yac cāttha nirduḥkham asukhaṃ ca narādhipa tābhyāṃ hīnaṃ padaṃ cānyan na tad astīti lakṣaye
Und was du als das zu Wissende bezeichnest, frei von Leid und frei von Lust, o Herrscher der Menschen – einen anderen, von diesen beiden freien Zustand, den gibt es, wie ich erkenne, nicht.“

yudhiṣṭhira uvāca śūdre caitad bhavel lakṣyaṃ dvije tac ca na vidyate na vai śūdro bhavec chūdro brāhmaṇo na ca brāhmaṇaḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Wenn sich dies bei einem Śūdra zeigt und bei einem Zweifachgeborenen nicht vorhanden ist, dann wäre der Śūdra kein bloßer Śūdra, und der Brahmane kein bloßer Brahmane.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca śūdre caitad bhavel lakṣyaṃ dvije tac ca na vidyate na vai śūdro bhavec chūdro brāhmaṇo na ca brāhmaṇaḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Wenn sich dies bei einem Śūdra zeigt und bei einem Zweifachgeborenen nicht vorhanden ist, dann wäre der Śūdra kein bloßer Śūdra, und der Brahmane kein bloßer Brahmane.

yatraital lakṣyate sarpa vṛttaṃ sa brāhmaṇaḥ smṛtaḥ yatraitan na bhavet sarpa taṃ śūdram iti nirdiśet

Wo sich dieser Wandel zeigt, Schlange, der gilt als Brahmane; wo er nicht vorhanden ist, Schlange, den bezeichne man als Śūdra.

Wort für Wort
yatraital lakṣyate sarpa vṛttaṃ sa brāhmaṇaḥ smṛtaḥ yatraitan na bhavet sarpa taṃ śūdram iti nirdiśet
Wo sich dieser Wandel zeigt, Schlange, der gilt als Brahmane; wo er nicht vorhanden ist, Schlange, den bezeichne man als Śūdra.

yat punar bhavatā proktaṃ na vedyaṃ vidyateti ha tābhyāṃ hīnam atītyātra padaṃ nāstīti ced api

Was du aber gesagt hast, dass es kein anderes, von jenen beiden freies zu wissendes Ziel gebe, das über sie hinausgeht –

Wort für Wort
yat punar bhavatā proktaṃ na vedyaṃ vidyateti ha tābhyāṃ hīnam atītyātra padaṃ nāstīti ced api
Was du aber gesagt hast, dass es kein anderes, von jenen beiden freies zu wissendes Ziel gebe, das über sie hinausgeht –

evam etan mataṃ sarpa tābhyāṃ hīnaṃ na vidyate yathā śītoṣṇayor madhye bhaven noṣṇaṃ na śītatā

so ist auch dies deine Ansicht, Schlange: dass es kein von diesen beiden freies gebe, so wie es zwischen Kälte und Hitze nichts geben könne, das weder heiß noch kalt sei.

Wort für Wort
evam etan mataṃ sarpa tābhyāṃ hīnaṃ na vidyate yathā śītoṣṇayor madhye bhaven noṣṇaṃ na śītatā
so ist auch dies deine Ansicht, Schlange: dass es kein von diesen beiden freies gebe, so wie es zwischen Kälte und Hitze nichts geben könne, das weder heiß noch kalt sei.

evaṃ vai sukhaduḥkhābhyāṃ hīnam asti padaṃ kva cit eṣā mama matiḥ sarpa yathā vā manyate bhavān

Doch es gibt sehr wohl irgendwo einen von Glück und Leid freien Zustand – dies ist meine Ansicht, Schlange, wie auch immer du, Verehrter, darüber denken magst.“

Wort für Wort
evaṃ vai sukhaduḥkhābhyāṃ hīnam asti padaṃ kva cit eṣā mama matiḥ sarpa yathā vā manyate bhavān
Doch es gibt sehr wohl irgendwo einen von Glück und Leid freien Zustand – dies ist meine Ansicht, Schlange, wie auch immer du, Verehrter, darüber denken magst.“

sarpa uvāca yadi te vṛttato rājan brāhmaṇaḥ prasamīkṣitaḥ vyarthā jātis tadāyuṣman kṛtir yāvan na dṛśyate

Die Schlange sprach: „Wenn für dich, o König, der Brahmane nach seinem Wandel bestimmt wird, dann ist die Geburt nutzlos, o Langlebiger, solange sich keine entsprechende Tat zeigt.“

Wort für Wort
sarpa uvāca yadi te vṛttato rājan brāhmaṇaḥ prasamīkṣitaḥ vyarthā jātis tadāyuṣman kṛtir yāvan na dṛśyate
Die Schlange sprach: „Wenn für dich, o König, der Brahmane nach seinem Wandel bestimmt wird, dann ist die Geburt nutzlos, o Langlebiger, solange sich keine entsprechende Tat zeigt.“

yudhiṣṭhira uvāca jātir atra mahāsarpa manuṣyatve mahāmate saṃkarāt sarvavarṇānāṃ duṣparīkṣyeti me matiḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Die Geburt ist hierbei, große Schlange, o Großgesinnter, im Menschsein durch die Vermischung aller Stände schwer zu bestimmen – dies ist meine Ansicht.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca jātir atra mahāsarpa manuṣyatve mahāmate saṃkarāt sarvavarṇānāṃ duṣparīkṣyeti me matiḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Die Geburt ist hierbei, große Schlange, o Großgesinnter, im Menschsein durch die Vermischung aller Stände schwer zu bestimmen – dies ist meine Ansicht.

sarve sarvāsv apatyāni janayanti yadā narāḥ vāṅ maithunam atho janma maraṇaṃ ca samaṃ nṛṇām

Da alle Menschen mit allen Frauen Nachkommen zeugen, sind Rede, Beischlaf, Geburt und Tod bei den Menschen gleich.

Wort für Wort
sarve sarvāsv apatyāni janayanti yadā narāḥ vāṅ maithunam atho janma maraṇaṃ ca samaṃ nṛṇām
Da alle Menschen mit allen Frauen Nachkommen zeugen, sind Rede, Beischlaf, Geburt und Tod bei den Menschen gleich.

idam ārṣaṃ pramāṇaṃ ca ye yajāmaha ity api tasmāc chīlaṃ pradhāneṣṭaṃ vidur ye tattvadarśinaḥ

Dies ist die überlieferte Schriftautorität, nämlich auch der Spruch ‚wir opfern‘; deshalb erachten die, welche die Wahrheit erkennen, den guten Wandel als das vornehmlich Erstrebte.

Wort für Wort
idam ārṣaṃ pramāṇaṃ ca ye yajāmaha ity api tasmāc chīlaṃ pradhāneṣṭaṃ vidur ye tattvadarśinaḥ
Dies ist die überlieferte Schriftautorität, nämlich auch der Spruch ‚wir opfern‘; deshalb erachten die, welche die Wahrheit erkennen, den guten Wandel als das vornehmlich Erstrebte.

prāṅ nābhivardhanāt puṃso jātakarma vidhīyate tatrāsya mātā sāvitrī pitā tv ācārya ucyate

Vor der zur Einweihung erforderlichen Reife des Leibes wird für den Mann das Geburtsritual der zweiten Geburt vorgeschrieben; dabei gilt ihm die Sāvitrī als Mutter, der Lehrer aber wird als Vater bezeichnet.

Wort für Wort
prāṅ nābhivardhanāt puṃso jātakarma vidhīyate tatrāsya mātā sāvitrī pitā tv ācārya ucyate
Vor der zur Einweihung erforderlichen Reife des Leibes wird für den Mann das Geburtsritual der zweiten Geburt vorgeschrieben; dabei gilt ihm die Sāvitrī als Mutter, der Lehrer aber wird als Vater bezeichnet.

[Anm.: Der Ausdruck „prāṅ nābhivardhanāt“ (wörtl. „vor dem Wachsen des Nabels“) ist unklar; er wird hier auf das Erreichen der für die Upanayana-Initiation erforderlichen Reife bezogen, bei der der Schüler durch das Sāvitrī-Mantra gleichsam neu geboren wird.]

vṛttyā śūdrasamo hy eṣa yāvad vede na jāyate asminn evaṃ matidvaidhe manuḥ svāyambhuvo 'bravīt

Durch seinen Wandel ist dieser Ungeweihte einem Śūdra gleich, solange er nicht in den Veden wiedergeboren wird; in dieser Zwiespältigkeit der Meinung sprach der Selbstentstandene Manu:

Wort für Wort
vṛttyā śūdrasamo hy eṣa yāvad vede na jāyate asminn evaṃ matidvaidhe manuḥ svāyambhuvo 'bravīt
Durch seinen Wandel ist dieser Ungeweihte einem Śūdra gleich, solange er nicht in den Veden wiedergeboren wird; in dieser Zwiespältigkeit der Meinung sprach der Selbstentstandene Manu:

kṛtakṛtyāḥ punar varṇā yadi vṛttaṃ na vidyate saṃkaras tatra nāgendra balavān prasamīkṣitaḥ

‚Wenn andererseits die Stände, obwohl ihre rituellen Pflichten vollbracht, keinen guten Wandel zeigen, dann wird dort, Herr der Schlangen, eine starke Vermischung erkannt.‘

Wort für Wort
kṛtakṛtyāḥ punar varṇā yadi vṛttaṃ na vidyate saṃkaras tatra nāgendra balavān prasamīkṣitaḥ
‚Wenn andererseits die Stände, obwohl ihre rituellen Pflichten vollbracht, keinen guten Wandel zeigen, dann wird dort, Herr der Schlangen, eine starke Vermischung erkannt.‘

yatredānīṃ mahāsarpa saṃskṛtaṃ vṛttam iṣyate taṃ brāhmaṇam ahaṃ pūrvam uktavān bhujagottama

Wo nun aber, große Schlange, geläuterter Wandel gewünscht wird, den nannte ich zuvor den Brahmanen, bester der Schlangen.“

Wort für Wort
yatredānīṃ mahāsarpa saṃskṛtaṃ vṛttam iṣyate taṃ brāhmaṇam ahaṃ pūrvam uktavān bhujagottama
Wo nun aber, große Schlange, geläuterter Wandel gewünscht wird, den nannte ich zuvor den Brahmanen, bester der Schlangen.“

sarpa uvāca śrutaṃ viditavedyasya tava vākyaṃ yudhiṣṭhira bhakṣayeyam ahaṃ kasmād bhrātaraṃ te vṛkodaram

Die Schlange sprach: „Vernommen habe ich dein Wort, o Yudhiṣṭhira, der du das zu Wissende erkannt hast; warum sollte ich da deinen Bruder Vṛkodara verzehren?“

Wort für Wort
sarpa uvāca śrutaṃ viditavedyasya tava vākyaṃ yudhiṣṭhira bhakṣayeyam ahaṃ kasmād bhrātaraṃ te vṛkodaram
Die Schlange sprach: „Vernommen habe ich dein Wort, o Yudhiṣṭhira, der du das zu Wissende erkannt hast; warum sollte ich da deinen Bruder Vṛkodara verzehren?“

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