Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 175: Bhīmasenāgrahaṇam Bhīma in den Windungen der Riesenschlange

Janamejaya fragt, wie der gewaltige Bhīmasena, der einst selbst Kubera zum Kampf herausforderte, in Furcht geraten konnte. Vaiśaṃpāyana erzählt: Auf der Jagd im Himālaya-Wald erblickt Bhīma eine gewaltige, furchterregende Riesenschlange, die eine Bergschlucht mit ihrem Leib umschließt. Diese ergreift ihn jäh und lähmt ihn durch die Kraft einer ihr einst gewährten Gabe, sodass selbst Bhīmas übermenschliche Kraft ihm nicht zur Befreiung verhilft.

janamejaya uvāca kathaṃ nāgāyutaprāṇo bhīmaseno mahābalaḥ bhayam āhārayat tīvraṃ tasmād ajagarān mune

Janamejaya sprach: „Wie geriet Bhīmasena, der Gewaltige, von der Kraft zehntausend Elefanten, durch jene Riesenschlange in heftige Furcht, o Weiser?

Wort für Wort
janamejaya uvāca kathaṃ nāgāyutaprāṇo bhīmaseno mahābalaḥ bhayam āhārayat tīvraṃ tasmād ajagarān mune
Janamejaya sprach: „Wie geriet Bhīmasena, der Gewaltige, von der Kraft zehntausend Elefanten, durch jene Riesenschlange in heftige Furcht, o Weiser?

paulastyaṃ yo ''hvayad yuddhe dhanadaṃ baladarpitaḥ nalinyāṃ kadanaṃ kṛtvā varāṇāṃ yakṣarakṣasām

Er, der, von Kraft trunken, den Sohn des Pulastya, den Herrn der Schätze, zum Kampf herausforderte, nachdem er am Lotusteich ein Gemetzel unter den vortrefflichen Yakṣas und Rākṣasas angerichtet hatte –

Wort für Wort
paulastyaṃ yo ''hvayad yuddhe dhanadaṃ baladarpitaḥ nalinyāṃ kadanaṃ kṛtvā varāṇāṃ yakṣarakṣasām
Er, der, von Kraft trunken, den Sohn des Pulastya, den Herrn der Schätze, zum Kampf herausforderte, nachdem er am Lotusteich ein Gemetzel unter den vortrefflichen Yakṣas und Rākṣasas angerichtet hatte –

taṃ śaṃsasi bhayāviṣṭam āpannam arikarṣaṇam etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ paraṃ kautūhalaṃ hi me

von ihm berichtest du, dass er, der Feindebezwinger, von Furcht ergriffen, in Not geriet; dies möchte ich hören, denn große Neugier erfüllt mich.“

Wort für Wort
taṃ śaṃsasi bhayāviṣṭam āpannam arikarṣaṇam etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ paraṃ kautūhalaṃ hi me
von ihm berichtest du, dass er, der Feindebezwinger, von Furcht ergriffen, in Not geriet; dies möchte ich hören, denn große Neugier erfüllt mich.“

vaiśaṃpāyana uvāca bahvāścarye vane teṣāṃ vasatām ugradhanvinām prāptānām āśramād rājan rājarṣer vṛṣaparvaṇaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Während sie, die Furchtbar-Bogigen, in jenem wunderreichen Wald weilten, o König, von der Einsiedelei des Königsweisen Vṛṣaparvan gekommen,

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca bahvāścarye vane teṣāṃ vasatām ugradhanvinām prāptānām āśramād rājan rājarṣer vṛṣaparvaṇaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: Während sie, die Furchtbar-Bogigen, in jenem wunderreichen Wald weilten, o König, von der Einsiedelei des Königsweisen Vṛṣaparvan gekommen,

yadṛcchayā dhanuṣpāṇir baddhakhaḍgo vṛkodaraḥ dadarśa tad vanaṃ ramyaṃ devagandharvasevitam

erblickte Vṛkodara, wie es der Zufall wollte, den Bogen in der Hand, das Schwert umgegürtet, jenen lieblichen Wald, von Göttern und Gandharven bewohnt.

Wort für Wort
yadṛcchayā dhanuṣpāṇir baddhakhaḍgo vṛkodaraḥ dadarśa tad vanaṃ ramyaṃ devagandharvasevitam
erblickte Vṛkodara, wie es der Zufall wollte, den Bogen in der Hand, das Schwert umgegürtet, jenen lieblichen Wald, von Göttern und Gandharven bewohnt.

sa dadarśa śubhān deśān girer himavatas tadā devarṣisiddhacaritān apsarogaṇasevitān

Er erblickte da die schönen Gegenden des Himālaya-Gebirges, von Götterweisen und Siddhas durchwandert, von Scharen der Apsaras bewohnt,

Wort für Wort
sa dadarśa śubhān deśān girer himavatas tadā devarṣisiddhacaritān apsarogaṇasevitān
Er erblickte da die schönen Gegenden des Himālaya-Gebirges, von Götterweisen und Siddhas durchwandert, von Scharen der Apsaras bewohnt,

cakoraiś cakravākaiś ca pakṣibhir jīvajīvakaiḥ kokilair bhṛṅgarājaiś ca tatra tatra vināditān

von Cakora- und Cakravāka-Vögeln, von Jīvajīvaka-Vögeln, von Kuckucken und Bhṛṅgarāja-Vögeln hier und dort erschallend,

Wort für Wort
cakoraiś cakravākaiś ca pakṣibhir jīvajīvakaiḥ kokilair bhṛṅgarājaiś ca tatra tatra vināditān
von Cakora- und Cakravāka-Vögeln, von Jīvajīvaka-Vögeln, von Kuckucken und Bhṛṅgarāja-Vögeln hier und dort erschallend,

nityapuṣpaphalair vṛkṣair himasaṃsparśakomalaiḥ upetān bahulacchāyair manonayananandanaiḥ

versehen mit stets blühenden und fruchttragenden Bäumen, zart von der Berührung des Schnees, mit dichtem Schatten, Herz und Auge erfreuend.

Wort für Wort
nityapuṣpaphalair vṛkṣair himasaṃsparśakomalaiḥ upetān bahulacchāyair manonayananandanaiḥ
versehen mit stets blühenden und fruchttragenden Bäumen, zart von der Berührung des Schnees, mit dichtem Schatten, Herz und Auge erfreuend.

sa saṃpaśyan girinadīr vaiḍūryamaṇisaṃnibhaiḥ salilair himasaṃsparśair haṃsakāraṇḍavāyutaiḥ

Er betrachtete die Bergflüsse, mit Wasser wie Vaiḍūrya-Edelsteine, kühl von der Berührung des Schnees, von Gänsen und Kāraṇḍava-Enten belebt,

Wort für Wort
sa saṃpaśyan girinadīr vaiḍūryamaṇisaṃnibhaiḥ salilair himasaṃsparśair haṃsakāraṇḍavāyutaiḥ
Er betrachtete die Bergflüsse, mit Wasser wie Vaiḍūrya-Edelsteine, kühl von der Berührung des Schnees, von Gänsen und Kāraṇḍava-Enten belebt,

vanāni devadārūṇāṃ meghānām iva vāgurāḥ haricandanamiśrāṇi tuṅgakālīyakāny api

die Wälder von Zedernbäumen, wie Netze von Wolken, vermischt mit gelbem Sandelholz, auch mit hohem Kālīyaka-Sandelholz.

Wort für Wort
vanāni devadārūṇāṃ meghānām iva vāgurāḥ haricandanamiśrāṇi tuṅgakālīyakāny api
die Wälder von Zedernbäumen, wie Netze von Wolken, vermischt mit gelbem Sandelholz, auch mit hohem Kālīyaka-Sandelholz.

mṛgayāṃ paridhāvan sa sameṣu marudhanvasu vidhyan mṛgāñ śaraiḥ śuddhaiś cacāra sumahābalaḥ

Der Jagd nachlaufend, auf ebenem Wüstenland, Wild mit reinen Pfeilen durchbohrend, wandelte er umher, der überaus Gewaltige.

Wort für Wort
mṛgayāṃ paridhāvan sa sameṣu marudhanvasu vidhyan mṛgāñ śaraiḥ śuddhaiś cacāra sumahābalaḥ
Der Jagd nachlaufend, auf ebenem Wüstenland, Wild mit reinen Pfeilen durchbohrend, wandelte er umher, der überaus Gewaltige.

sa dadarśa mahākāyaṃ bhujaṅgaṃ lomaharṣaṇam giridurge samāpannaṃ kāyenāvṛtya kandaram

Da erblickte er eine riesenleibige, haarsträubende Schlange, die sich in eine Bergklamm gelegt hatte, mit ihrem Leib die Schlucht umschließend,

Wort für Wort
sa dadarśa mahākāyaṃ bhujaṅgaṃ lomaharṣaṇam giridurge samāpannaṃ kāyenāvṛtya kandaram
Da erblickte er eine riesenleibige, haarsträubende Schlange, die sich in eine Bergklamm gelegt hatte, mit ihrem Leib die Schlucht umschließend,

parvatābhogavarṣmāṇaṃ bhogaiś candrārkamaṇḍalaiḥ citrāṅgam ajinaiś citrair haridrāsadṛśacchavim

von der Größe eines Bergrückens mit ihren Windungen, mit Windungen wie Mond- und Sonnenscheiben, bunt gegliedert, mit bunten Hautflecken, von Farbe wie Kurkuma,

Wort für Wort
parvatābhogavarṣmāṇaṃ bhogaiś candrārkamaṇḍalaiḥ citrāṅgam ajinaiś citrair haridrāsadṛśacchavim
von der Größe eines Bergrückens mit ihren Windungen, mit Windungen wie Mond- und Sonnenscheiben, bunt gegliedert, mit bunten Hautflecken, von Farbe wie Kurkuma,

guhākāreṇa vaktreṇa caturdaṃṣṭreṇa rājatā dīptākṣeṇātitāmreṇa lihantaṃ sṛkkiṇī muhuḥ

mit einem Maul wie eine Höhle, mit vier Hauern, silbrig, mit lodernden, überaus kupferroten Augen, die sich immer wieder die Mundwinkel leckte,

Wort für Wort
guhākāreṇa vaktreṇa caturdaṃṣṭreṇa rājatā dīptākṣeṇātitāmreṇa lihantaṃ sṛkkiṇī muhuḥ
mit einem Maul wie eine Höhle, mit vier Hauern, silbrig, mit lodernden, überaus kupferroten Augen, die sich immer wieder die Mundwinkel leckte,

trāsanaṃ sarvabhūtānāṃ kālāntakayamopamam niḥśvāsakṣveḍanādena bhartsayantam iva sthitam

ein Schrecken für alle Wesen, dem Todesgott Yama am Ende der Zeit gleichend, die, durch das Zischen ihres Atems gleichsam drohend, dastand.

Wort für Wort
trāsanaṃ sarvabhūtānāṃ kālāntakayamopamam niḥśvāsakṣveḍanādena bhartsayantam iva sthitam
ein Schrecken für alle Wesen, dem Todesgott Yama am Ende der Zeit gleichend, die, durch das Zischen ihres Atems gleichsam drohend, dastand.

sa bhīmaṃ sahasābhyetya pṛdākuḥ kṣudhito bhṛśam jagrāhājagaro grāho bhujayor ubhayor balāt

Sie, die giftige, heftig hungrige Riesenschlange, näherte sich Bhīma jäh und packte ihn, das Ungetüm, mit Gewalt an beiden Armen.

Wort für Wort
sa bhīmaṃ sahasābhyetya pṛdākuḥ kṣudhito bhṛśam jagrāhājagaro grāho bhujayor ubhayor balāt
Sie, die giftige, heftig hungrige Riesenschlange, näherte sich Bhīma jäh und packte ihn, das Ungetüm, mit Gewalt an beiden Armen.

tena saṃspṛṣṭamātrasya bhimasenasya vai tadā saṃjñā mumoha sahasā varadānena tasya ha

Durch die bloße Berührung von ihr schwand dem Bhīmasena da jäh das Bewusstsein, durch die Kraft einer ihr gewährten Gabe.

Wort für Wort
tena saṃspṛṣṭamātrasya bhimasenasya vai tadā saṃjñā mumoha sahasā varadānena tasya ha
Durch die bloße Berührung von ihr schwand dem Bhīmasena da jäh das Bewusstsein, durch die Kraft einer ihr gewährten Gabe.

daśa nāgasahasrāṇi dhārayanti hi yad balam tad balaṃ bhīmasenasya bhujayor asamaṃ paraiḥ

Die Kraft, die zehntausend Elefanten tragen, diese Kraft in Bhīmasenas Armen war von anderen unerreicht,

Wort für Wort
daśa nāgasahasrāṇi dhārayanti hi yad balam tad balaṃ bhīmasenasya bhujayor asamaṃ paraiḥ
Die Kraft, die zehntausend Elefanten tragen, diese Kraft in Bhīmasenas Armen war von anderen unerreicht,

sa tejasvī tathā tena bhujagena vaśīkṛtaḥ visphurañ śanakair bhīmo na śaśāka viceṣṭitum

und dennoch, der Glanzvolle, von jener Schlange bezwungen, zitternd, langsam, vermochte Bhīma sich nicht zu regen.

Wort für Wort
sa tejasvī tathā tena bhujagena vaśīkṛtaḥ visphurañ śanakair bhīmo na śaśāka viceṣṭitum
und dennoch, der Glanzvolle, von jener Schlange bezwungen, zitternd, langsam, vermochte Bhīma sich nicht zu regen.

nāgāyutasamaprāṇaḥ siṃhaskandho mahābhujaḥ gṛhīto vyajahāt sattvaṃ varadānena mohitaḥ

Er, von der Kraft zehntausend Elefanten, mit Löwenschultern, starkarmig, gepackt, verlor seine Kraft, betört durch jene Gabe.

Wort für Wort
nāgāyutasamaprāṇaḥ siṃhaskandho mahābhujaḥ gṛhīto vyajahāt sattvaṃ varadānena mohitaḥ
Er, von der Kraft zehntausend Elefanten, mit Löwenschultern, starkarmig, gepackt, verlor seine Kraft, betört durch jene Gabe.

sa hi prayatnam akarot tīvram ātmavimokṣaṇe na cainam aśakad vīraḥ kathaṃ cit pratibādhitum

Er machte zwar eine heftige Anstrengung, sich zu befreien, doch vermochte der Held sie auf keine Weise abzuwehren.

Wort für Wort
sa hi prayatnam akarot tīvram ātmavimokṣaṇe na cainam aśakad vīraḥ kathaṃ cit pratibādhitum
Er machte zwar eine heftige Anstrengung, sich zu befreien, doch vermochte der Held sie auf keine Weise abzuwehren.

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