Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 244: Mṛgasvapnaḥ Der Traum von den Rehen und der Auszug nach Kāmyaka

In einer nächtlichen Traumvision erscheinen Yudhiṣṭhira die letzten überlebenden Rehe des Dvaitavana-Waldes und flehen ihn an, den Wald zu verlassen, damit ihre fast ausgerottete Art sich erholen könne. Tief bewegt verspricht Yudhiṣṭhira, ihrem Wunsch nachzukommen, und berichtet seinen Brüdern am Morgen von dem Traum. Die Pāṇḍavas brechen daraufhin gemeinsam mit den sie begleitenden Brahmanen auf und ziehen zum wildreichen Wald Kāmyaka am Tṛṇabindu-See.

janamejaya uvāca duryodhanaṃ mocayitvā pāṇḍuputrā mahābalāḥ kim akārṣur vane tasmiṃs tan mamākhyātum arhasi

Janamejaya sprach: „Nachdem sie Duryodhana befreit hatten, was taten da die überaus mächtigen Söhne Pāṇḍus in jenem Wald - das solltest du mir berichten.“

Wort für Wort
janamejaya uvāca duryodhanaṃ mocayitvā pāṇḍuputrā mahābalāḥ kim akārṣur vane tasmiṃs tan mamākhyātum arhasi
Janamejaya sprach: „Nachdem sie Duryodhana befreit hatten, was taten da die überaus mächtigen Söhne Pāṇḍus in jenem Wald - das solltest du mir berichten.“

vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ śayānaṃ kaunteyaṃ rātrau dvaitavane mṛgāḥ svapnānte darśayām āsur bāṣpakaṇṭhā yudhiṣṭhiram

Darauf, während der Sohn Kuntīs in der Nacht im Dvaitavana schlief, erschienen dem Yudhiṣṭhira gegen Ende eines Traumes Rehe mit tränenerstickter Kehle.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ śayānaṃ kaunteyaṃ rātrau dvaitavane mṛgāḥ svapnānte darśayām āsur bāṣpakaṇṭhā yudhiṣṭhiram
Darauf, während der Sohn Kuntīs in der Nacht im Dvaitavana schlief, erschienen dem Yudhiṣṭhira gegen Ende eines Traumes Rehe mit tränenerstickter Kehle.

tān abravīt sa rājendro vepamānān kṛtāñjalīn brūta yad vaktukāmāḥ stha ke bhavantaḥ kim iṣyate

Zu ihnen, den zitternden, mit gefalteten Händen dastehenden Tieren, sprach jener Fürst der Könige: ‚Sagt, was ihr sagen wollt; wer seid ihr, was wünscht ihr?‘

Wort für Wort
tān abravīt sa rājendro vepamānān kṛtāñjalīn brūta yad vaktukāmāḥ stha ke bhavantaḥ kim iṣyate
Zu ihnen, den zitternden, mit gefalteten Händen dastehenden Tieren, sprach jener Fürst der Könige: ‚Sagt, was ihr sagen wollt; wer seid ihr, was wünscht ihr?‘

evam uktāḥ pāṇḍavena kaunteyena yaśasvinā pratyabruvan mṛgās tatra hataśeṣā yudhiṣṭhiram

So von dem ruhmreichen Pāṇḍava, dem Sohn Kuntīs, angesprochen, erwiderten die Reste der erschlagenen Rehe dort dem Yudhiṣṭhira:

Wort für Wort
evam uktāḥ pāṇḍavena kaunteyena yaśasvinā pratyabruvan mṛgās tatra hataśeṣā yudhiṣṭhiram
So von dem ruhmreichen Pāṇḍava, dem Sohn Kuntīs, angesprochen, erwiderten die Reste der erschlagenen Rehe dort dem Yudhiṣṭhira:

vayaṃ mṛgā dvaitavane hataśiṣṭāḥ sma bhārata notsīdema mahārāja kriyatāṃ vāsaparyayaḥ

‚Wir sind die im Dvaitavana übriggebliebenen Rehe, o Bhārata; wir möchten nicht untergehen, Großkönig - ein Wechsel des Aufenthaltsortes möge vollzogen werden.

Wort für Wort
vayaṃ mṛgā dvaitavane hataśiṣṭāḥ sma bhārata notsīdema mahārāja kriyatāṃ vāsaparyayaḥ
‚Wir sind die im Dvaitavana übriggebliebenen Rehe, o Bhārata; wir möchten nicht untergehen, Großkönig - ein Wechsel des Aufenthaltsortes möge vollzogen werden.

bhavanto bhrātaraḥ śūrāḥ sarva evāstrakovidāḥ kulāny alpāvaśiṣṭāni kṛtavanto vanaukasām

Ihr, die Brüder, die Helden, alle kundig der Waffen, habt die Geschlechter der Waldbewohner nur noch spärlich übriggelassen.

Wort für Wort
bhavanto bhrātaraḥ śūrāḥ sarva evāstrakovidāḥ kulāny alpāvaśiṣṭāni kṛtavanto vanaukasām
Ihr, die Brüder, die Helden, alle kundig der Waffen, habt die Geschlechter der Waldbewohner nur noch spärlich übriggelassen.

bījabhūtā vayaṃ ke cid avaśiṣṭā mahāmate vivardhemahi rājendra prasādāt te yudhiṣṭhira

Wir, einige, die als Samen für künftige Nachkommenschaft übriggeblieben sind, o Hochgesinnter, möchten durch deine Gnade gedeihen, Fürst der Könige, Yudhiṣṭhira.‘

Wort für Wort
bījabhūtā vayaṃ ke cid avaśiṣṭā mahāmate vivardhemahi rājendra prasādāt te yudhiṣṭhira
Wir, einige, die als Samen für künftige Nachkommenschaft übriggeblieben sind, o Hochgesinnter, möchten durch deine Gnade gedeihen, Fürst der Könige, Yudhiṣṭhira.‘

tān vepamānān vitrastān bījamātrāvaśeṣitān mṛgān dṛṣṭvā suduḥkhārto dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ

Als er jene zitternden, verängstigten, nur noch als Samen übriggebliebenen Rehe erblickte, wurde der Rechtskönig Yudhiṣṭhira von tiefem Schmerz ergriffen.

Wort für Wort
tān vepamānān vitrastān bījamātrāvaśeṣitān mṛgān dṛṣṭvā suduḥkhārto dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ
Als er jene zitternden, verängstigten, nur noch als Samen übriggebliebenen Rehe erblickte, wurde der Rechtskönig Yudhiṣṭhira von tiefem Schmerz ergriffen.

tāṃs tathety abravīd rājā sarvabhūtahite rataḥ tathyaṃ bhavanto bruvate kariṣyāmi ca tat tathā

‚So sei es‘, sprach der König zu ihnen, dem Wohl aller Wesen zugetan; ‚die Wahrheit sprecht ihr, und ich werde genau das tun.‘

Wort für Wort
tāṃs tathety abravīd rājā sarvabhūtahite rataḥ tathyaṃ bhavanto bruvate kariṣyāmi ca tat tathā
‚So sei es‘, sprach der König zu ihnen, dem Wohl aller Wesen zugetan; ‚die Wahrheit sprecht ihr, und ich werde genau das tun.‘

ity evaṃ pratibuddhaḥ sa rātryante rājasattamaḥ abravīt sahitān bhrātṝn dayāpanno mṛgān prati

Als er sich so am Ende der Nacht erhob, sprach der beste der Könige, von Mitleid für die Rehe erfüllt, zu seinen versammelten Brüdern:

Wort für Wort
ity evaṃ pratibuddhaḥ sa rātryante rājasattamaḥ abravīt sahitān bhrātṝn dayāpanno mṛgān prati
Als er sich so am Ende der Nacht erhob, sprach der beste der Könige, von Mitleid für die Rehe erfüllt, zu seinen versammelten Brüdern:

ukto rātrau mṛgair asmi svapnānte hataśeṣitaiḥ tanubhūtāḥ sma bhadraṃ te dayā naḥ kriyatām iti

‚In der Nacht wurde ich, gegen Ende eines Traumes, von den übriggebliebenen Rehen angesprochen; sie sagten, sie seien abgemagert, wünschten mir Heil und baten um unser Mitleid.

Wort für Wort
ukto rātrau mṛgair asmi svapnānte hataśeṣitaiḥ tanubhūtāḥ sma bhadraṃ te dayā naḥ kriyatām iti
‚In der Nacht wurde ich, gegen Ende eines Traumes, von den übriggebliebenen Rehen angesprochen; sie sagten, sie seien abgemagert, wünschten mir Heil und baten um unser Mitleid.

te satyam āhuḥ kartavyā dayāsmābhir vanaukasām sāṣṭamāsaṃ hi no varṣaṃ yad enān upayuñjmahe

Sie sprachen die Wahrheit; wir müssen den Waldbewohnern gegenüber Mitleid zeigen, denn schon acht Monate dieses Jahres nutzen wir sie aus.

Wort für Wort
te satyam āhuḥ kartavyā dayāsmābhir vanaukasām sāṣṭamāsaṃ hi no varṣaṃ yad enān upayuñjmahe
Sie sprachen die Wahrheit; wir müssen den Waldbewohnern gegenüber Mitleid zeigen, denn schon acht Monate dieses Jahres nutzen wir sie aus.

punar bahumṛgaṃ ramyaṃ kāmyakaṃ kānanottamam marubhūmeḥ śiraḥ khyātaṃ tṛṇabindusaraḥ prati tatremā vasatīḥ śiṣṭā viharanto ramemahi

Lasst uns wieder zum wildreichen, lieblichen Kāmyaka ziehen, dem vortrefflichsten Wald, am Haupt der Wüstenregion gelegen, bekannt als der Tṛṇabindu-See; dort wollen wir uns an den übrigen Aufenthaltsorten vergnügt aufhalten.‘

Wort für Wort
punar bahumṛgaṃ ramyaṃ kāmyakaṃ kānanottamam marubhūmeḥ śiraḥ khyātaṃ tṛṇabindusaraḥ prati tatremā vasatīḥ śiṣṭā viharanto ramemahi
Lasst uns wieder zum wildreichen, lieblichen Kāmyaka ziehen, dem vortrefflichsten Wald, am Haupt der Wüstenregion gelegen, bekannt als der Tṛṇabindu-See; dort wollen wir uns an den übrigen Aufenthaltsorten vergnügt aufhalten.‘

tatas te pāṇḍavāḥ śīghraṃ prayayur dharmakovidāḥ brāhmaṇaiḥ sahitā rājan ye ca tatra sahoṣitāḥ indrasenādibhiś caiva preṣyair anugatās tadā

Darauf zogen die Pāṇḍavas, kundig des Dharma, eilends fort, o König, zusammen mit den Brahmanen, die dort mit ihnen gewohnt hatten, sowie begleitet von Indrasena und den anderen Dienern.

Wort für Wort
tatas te pāṇḍavāḥ śīghraṃ prayayur dharmakovidāḥ brāhmaṇaiḥ sahitā rājan ye ca tatra sahoṣitāḥ indrasenādibhiś caiva preṣyair anugatās tadā
Darauf zogen die Pāṇḍavas, kundig des Dharma, eilends fort, o König, zusammen mit den Brahmanen, die dort mit ihnen gewohnt hatten, sowie begleitet von Indrasena und den anderen Dienern.

te yātvānusṛtair mārgaiḥ svannaiḥ śucijalānvitaiḥ dadṛśuḥ kāmyakaṃ puṇyam āśramaṃ tāpasāyutam

Sie, auf bekannten Wegen ziehend, mit gutem Wasser und guter Nahrung versehen, erblickten den heiligen Kāmyaka, einen Āśrama voller Asketen.

Wort für Wort
te yātvānusṛtair mārgaiḥ svannaiḥ śucijalānvitaiḥ dadṛśuḥ kāmyakaṃ puṇyam āśramaṃ tāpasāyutam
Sie, auf bekannten Wegen ziehend, mit gutem Wasser und guter Nahrung versehen, erblickten den heiligen Kāmyaka, einen Āśrama voller Asketen.

viviśus te sma kauravyā vṛtā viprarṣabhais tadā tad vanaṃ bharataśreṣṭhāḥ svargaṃ sukṛtino yathā

Sie, die Kauravyas, betraten da, umgeben von den Stieren unter den Brahmanen, jenen Wald, die besten der Bharatas, wie die guten Täter den Himmel.

Wort für Wort
viviśus te sma kauravyā vṛtā viprarṣabhais tadā tad vanaṃ bharataśreṣṭhāḥ svargaṃ sukṛtino yathā
Sie, die Kauravyas, betraten da, umgeben von den Stieren unter den Brahmanen, jenen Wald, die besten der Bharatas, wie die guten Täter den Himmel.

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