Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 284: Kavacakuṇḍalāharaṇaparva (1) Sūryas nächtliche Warnung an Karṇa

Neue Teilerzählung innerhalb des Vanaparva (Kavaca-Kuṇḍala-Haraṇam, 'Die Wegnahme von Panzer und Ohrringen'): Janamejaya erinnert an eine frühere, nie erläuterte Andeutung Lomaśas über eine 'große Furcht' Yudhiṣṭhiras bezüglich Karṇa und bittet Vaiśampāyana um Aufklärung. Vaiśampāyana berichtet: Im dreizehnten Jahr des Exils erkennt Sūrya (Vivasvat), Karṇas leiblicher Vater, Indras Plan, sich als Brahmane verkleidet Karṇas angeborenen, aus dem Amṛta stammenden Panzer und Ohrringe zu erbitten, um damit Arjuna vor Karṇa zu schützen. Sūrya erscheint Karṇa im Traum, warnt ihn und rät dringend, die Gabe zu verweigern oder Indra mit anderen Reichtümern abzulenken. Karṇa jedoch, nachdem er den Brahmanen als Sūrya erkannt hat, erklärt in einer langen Grundsatzrede sein unumstößliches Gelübde, Brahmanen niemals eine Bitte abzuschlagen, und stellt Ruhm (kīrti) über das bloße Leben - er werde Indra die Gabe gewähren, koste es ihn auch das Leben. Damit ist die entscheidende Weichenstellung für den weiteren Verlauf der Episode gesetzt.

janamejaya uvāca yat tat tadā mahābrahmaṃl lomaśo vākyam abravīt indrasya vacanād etya pāṇḍuputraṃ yudhiṣṭhiram

„Janamejaya sprach: Jenes gewichtige Wort, das damals Lomaśa sprach, als er auf Indras Geheiß zu Yudhiṣṭhira, dem Sohn des Pāṇḍu, gekommen war,

Wort für Wort
janamejaya uvāca yat tat tadā mahābrahmaṃl lomaśo vākyam abravīt indrasya vacanād etya pāṇḍuputraṃ yudhiṣṭhiram
„Janamejaya sprach: Jenes gewichtige Wort, das damals Lomaśa sprach, als er auf Indras Geheiß zu Yudhiṣṭhira, dem Sohn des Pāṇḍu, gekommen war,

yac cāpi te bhayaṃ tīvraṃ na ca kīrtayase kva cit tac cāpy apahariṣyāmi savyasācāv ihāgate

und auch jene heftige Furcht, die du niemandem kundtust - auch die werde ich hinwegnehmen, wenn der Linkshändige [Arjuna] hierher zurückgekehrt ist:

Wort für Wort
yac cāpi te bhayaṃ tīvraṃ na ca kīrtayase kva cit tac cāpy apahariṣyāmi savyasācāv ihāgate
und auch jene heftige Furcht, die du niemandem kundtust - auch die werde ich hinwegnehmen, wenn der Linkshändige [Arjuna] hierher zurückgekehrt ist:

Zitat der Worte, die Lomaśa im Auftrag Indras einst zu Yudhiṣṭhira sprach (vgl. frühere Kapitel des Vanaparva).

kiṃ nu tad viduṣāṃ śreṣṭha karṇaṃ prati mahad bhayam āsīn na ca sa dharmātmā kathayām āsa kasya cit

was war denn jene große Furcht bezüglich Karṇa, o Bester der Wissenden, die jener Rechtschaffene niemandem mitteilte?“

Wort für Wort
kiṃ nu tad viduṣāṃ śreṣṭha karṇaṃ prati mahad bhayam āsīn na ca sa dharmātmā kathayām āsa kasya cit
was war denn jene große Furcht bezüglich Karṇa, o Bester der Wissenden, die jener Rechtschaffene niemandem mitteilte?“

vaiśaṃpāyana uvāca ahaṃ te rājaśārdūla kathayāmi kathām imām pṛcchate bharataśreṣṭha śuśrūṣasva giraṃ mama

„Vaiśampāyana sprach: Ich will dir, du Tigergleicher unter den Königen, diese Geschichte erzählen, da du danach fragst, o Bester der Bharatas; höre meine Rede.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca ahaṃ te rājaśārdūla kathayāmi kathām imām pṛcchate bharataśreṣṭha śuśrūṣasva giraṃ mama
„Vaiśampāyana sprach: Ich will dir, du Tigergleicher unter den Königen, diese Geschichte erzählen, da du danach fragst, o Bester der Bharatas; höre meine Rede.

dvādaśe samatikrānte varṣe prāpte trayodaśe pāṇḍūnāṃ hitakṛc chakraḥ karṇaṃ bhikṣitum udyataḥ

Als das zwölfte Jahr verstrichen und das dreizehnte angebrochen war, machte sich Śakra, der auf das Wohl der Pāṇḍus bedacht war, bereit, Karṇa um eine Gabe zu bitten.

Wort für Wort
dvādaśe samatikrānte varṣe prāpte trayodaśe pāṇḍūnāṃ hitakṛc chakraḥ karṇaṃ bhikṣitum udyataḥ
Als das zwölfte Jahr verstrichen und das dreizehnte angebrochen war, machte sich Śakra, der auf das Wohl der Pāṇḍus bedacht war, bereit, Karṇa um eine Gabe zu bitten.

abhiprāyam atho jñātvā mahendrasya vibhāvasuḥ kuṇḍalārthe mahārāja sūryaḥ karṇam upāgamat

Nachdem er sodann die Absicht des großen Indra erkannt hatte, näherte sich Vibhāvasu - die Sonne, o Großkönig - Karṇa, um der Ohrringe willen.

Wort für Wort
abhiprāyam atho jñātvā mahendrasya vibhāvasuḥ kuṇḍalārthe mahārāja sūryaḥ karṇam upāgamat
Nachdem er sodann die Absicht des großen Indra erkannt hatte, näherte sich Vibhāvasu - die Sonne, o Großkönig - Karṇa, um der Ohrringe willen.

mahārhe śayane vīraṃ spardhyāstaraṇasaṃvṛte śayānam abhiviśvastaṃ brahmaṇyaṃ satyavādinam

[Sie nahte] dem Helden, der arglos auf einem überaus kostbaren, mit einer prächtigen Decke bedeckten Lager schlief, dem Brahmanenfreundlichen, dem Wahrhaftigen,

Wort für Wort
mahārhe śayane vīraṃ spardhyāstaraṇasaṃvṛte śayānam abhiviśvastaṃ brahmaṇyaṃ satyavādinam
[Sie nahte] dem Helden, der arglos auf einem überaus kostbaren, mit einer prächtigen Decke bedeckten Lager schlief, dem Brahmanenfreundlichen, dem Wahrhaftigen,

svapnānte niśi rājendra darśayām āsa raśmivān kṛpayā parayāviṣṭaḥ putrasnehāc ca bhārata

gegen Ende des Schlafs, in der Nacht, o Herrscher der Könige, erschien ihm die Strahlenreiche, von höchstem Mitleid erfüllt und aus Vaterliebe, o Bhārata.

Wort für Wort
svapnānte niśi rājendra darśayām āsa raśmivān kṛpayā parayāviṣṭaḥ putrasnehāc ca bhārata
gegen Ende des Schlafs, in der Nacht, o Herrscher der Könige, erschien ihm die Strahlenreiche, von höchstem Mitleid erfüllt und aus Vaterliebe, o Bhārata.

Sūrya gilt als Karṇas leiblicher Vater (vgl. Kuntī-Karṇa-Geburtsgeschichte im Ādiparva); daher die hier betonte Vaterliebe.

brāhmaṇo vedavid bhūtvā sūryo yogād dhi rūpavān hitārtham abravīt karṇaṃ sāntvapūrvam idaṃ vacaḥ

Sūrya, kraft seiner Yoga-Macht zu einem gestaltschönen, den Veda kundigen Brahmanen geworden, sprach zu Karṇas Wohl dieses mit freundlichen Worten eingeleitete Wort:

Wort für Wort
brāhmaṇo vedavid bhūtvā sūryo yogād dhi rūpavān hitārtham abravīt karṇaṃ sāntvapūrvam idaṃ vacaḥ
Sūrya, kraft seiner Yoga-Macht zu einem gestaltschönen, den Veda kundigen Brahmanen geworden, sprach zu Karṇas Wohl dieses mit freundlichen Worten eingeleitete Wort:

karṇa madvacanaṃ tāta śṛṇu satyabhṛtāṃ vara bruvato 'dya mahābāho sauhṛdāt paramaṃ hitam

‚Karṇa, höre mein Wort, mein Sohn, du Bester der Wahrhaften; höre, was ich, du Starkarmiger, dir heute aus Freundschaft zu deinem höchsten Heil sage.

Wort für Wort
karṇa madvacanaṃ tāta śṛṇu satyabhṛtāṃ vara bruvato 'dya mahābāho sauhṛdāt paramaṃ hitam
‚Karṇa, höre mein Wort, mein Sohn, du Bester der Wahrhaften; höre, was ich, du Starkarmiger, dir heute aus Freundschaft zu deinem höchsten Heil sage.

upāyāsyati śakras tvāṃ pāṇḍavānāṃ hitepsayā brāhmaṇacchadmanā karṇa kuṇḍalāpajihīrṣayā

Śakra wird sich dir nähern, im Wunsch, den Pāṇḍavas zu nützen, in der Verkleidung eines Brahmanen, Karṇa, mit der Absicht, dir die Ohrringe zu entwenden.

Wort für Wort
upāyāsyati śakras tvāṃ pāṇḍavānāṃ hitepsayā brāhmaṇacchadmanā karṇa kuṇḍalāpajihīrṣayā
Śakra wird sich dir nähern, im Wunsch, den Pāṇḍavas zu nützen, in der Verkleidung eines Brahmanen, Karṇa, mit der Absicht, dir die Ohrringe zu entwenden.

viditaṃ tena śīlaṃ te sarvasya jagatas tathā yathā tvaṃ bhikṣitaḥ sadbhir dadāsy eva na yācase

Bekannt ist ihm dein Wesen, ebenso wie der ganzen Welt: dass du, von den Guten gebeten, stets gibst und selbst nicht bittest.

Wort für Wort
viditaṃ tena śīlaṃ te sarvasya jagatas tathā yathā tvaṃ bhikṣitaḥ sadbhir dadāsy eva na yācase
Bekannt ist ihm dein Wesen, ebenso wie der ganzen Welt: dass du, von den Guten gebeten, stets gibst und selbst nicht bittest.

tvaṃ hi tāta dadāsy eva brāhmaṇebhyaḥ prayācitaḥ vittaṃ yac cānyad apy āhur na pratyākhyāsi karhi cit

Denn du, mein Sohn, gibst stets, wenn du von Brahmanen darum gebeten wirst, Reichtum oder was sie sonst noch verlangen; niemals weist du sie zurück.

Wort für Wort
tvaṃ hi tāta dadāsy eva brāhmaṇebhyaḥ prayācitaḥ vittaṃ yac cānyad apy āhur na pratyākhyāsi karhi cit
Denn du, mein Sohn, gibst stets, wenn du von Brahmanen darum gebeten wirst, Reichtum oder was sie sonst noch verlangen; niemals weist du sie zurück.

taṃ tvām evaṃvidhaṃ jñātvā svayaṃ vai pākaśāsanaḥ āgantā kuṇḍalārthāya kavacaṃ caiva bhikṣitum

Da er dich als einen solchen kennt, wird der Bestrafer des Pāka [Indra] selbst kommen, um die Ohrringe zu erlangen und auch den Panzer zu erbitten.

Wort für Wort
taṃ tvām evaṃvidhaṃ jñātvā svayaṃ vai pākaśāsanaḥ āgantā kuṇḍalārthāya kavacaṃ caiva bhikṣitum
Da er dich als einen solchen kennt, wird der Bestrafer des Pāka [Indra] selbst kommen, um die Ohrringe zu erlangen und auch den Panzer zu erbitten.

tasmai prayācamānāya na deye kuṇḍale tvayā anuneyaḥ paraṃ śaktyā śreya etad dhi te param

Diesem sollst du, wenn er darum bittet, die Ohrringe nicht geben; er soll nach Kräften umgestimmt werden - dies ist wahrlich dein höchstes Heil.

Wort für Wort
tasmai prayācamānāya na deye kuṇḍale tvayā anuneyaḥ paraṃ śaktyā śreya etad dhi te param
Diesem sollst du, wenn er darum bittet, die Ohrringe nicht geben; er soll nach Kräften umgestimmt werden - dies ist wahrlich dein höchstes Heil.

kuṇḍalārthe bruvaṃs tāta kāraṇair bahubhis tvayā anyair bahuvidhair vittaiḥ sa nivāryaḥ punaḥ punaḥ

Wenn er wegen der Ohrringe spricht, mein Sohn, sollst du ihn mit vielen Gründen und mit anderen, vielfältigen Reichtümern immer wieder abhalten,

Wort für Wort
kuṇḍalārthe bruvaṃs tāta kāraṇair bahubhis tvayā anyair bahuvidhair vittaiḥ sa nivāryaḥ punaḥ punaḥ
Wenn er wegen der Ohrringe spricht, mein Sohn, sollst du ihn mit vielen Gründen und mit anderen, vielfältigen Reichtümern immer wieder abhalten,

ratnaiḥ strībhis tathā bhogair dhanair bahuvidhair api nidarśanaiś ca bahubhiḥ kuṇḍalepsuḥ puraṃdaraḥ

mit Juwelen, Frauen, Genüssen und vielfältigen Gütern sowie mit vielen Gegenbeweisen - ihn, den Städtezerstörer, der nach den Ohrringen verlangt.

Wort für Wort
ratnaiḥ strībhis tathā bhogair dhanair bahuvidhair api nidarśanaiś ca bahubhiḥ kuṇḍalepsuḥ puraṃdaraḥ
mit Juwelen, Frauen, Genüssen und vielfältigen Gütern sowie mit vielen Gegenbeweisen - ihn, den Städtezerstörer, der nach den Ohrringen verlangt.

yadi dāsyasi karṇa tvaṃ sahaje kuṇḍale śubhe āyuṣaḥ prakṣayaṃ gatvā mṛtyor vaśam upeṣyasi

Wenn du, Karṇa, die beiden angeborenen, glückverheißenden Ohrringe hergibst, wirst du, nachdem deine Lebenszeit erschöpft ist, in die Gewalt des Todes geraten.

Wort für Wort
yadi dāsyasi karṇa tvaṃ sahaje kuṇḍale śubhe āyuṣaḥ prakṣayaṃ gatvā mṛtyor vaśam upeṣyasi
Wenn du, Karṇa, die beiden angeborenen, glückverheißenden Ohrringe hergibst, wirst du, nachdem deine Lebenszeit erschöpft ist, in die Gewalt des Todes geraten.

kavacena ca saṃyuktaḥ kuṇḍalābhyāṃ ca mānada avadhyas tvaṃ raṇe 'rīṇām iti viddhi vaco mama

Mit dem Panzer und den beiden Ohrringen ausgestattet, du Ehrengeber, bist du für deine Feinde in der Schlacht unbesiegbar - so wisse mein Wort.

Wort für Wort
kavacena ca saṃyuktaḥ kuṇḍalābhyāṃ ca mānada avadhyas tvaṃ raṇe 'rīṇām iti viddhi vaco mama
Mit dem Panzer und den beiden Ohrringen ausgestattet, du Ehrengeber, bist du für deine Feinde in der Schlacht unbesiegbar - so wisse mein Wort.

amṛtād utthitaṃ hy etad ubhayaṃ ratnasaṃbhavam tasmād rakṣyaṃ tvayā karṇa jīvitaṃ cet priyaṃ tava

Denn aus dem Amṛta entstanden, aus dem Juwelenmeer geboren, ist dies beides; darum sollst du es bewahren, Karṇa, wenn dir dein Leben lieb ist.‘

Wort für Wort
amṛtād utthitaṃ hy etad ubhayaṃ ratnasaṃbhavam tasmād rakṣyaṃ tvayā karṇa jīvitaṃ cet priyaṃ tava
Denn aus dem Amṛta entstanden, aus dem Juwelenmeer geboren, ist dies beides; darum sollst du es bewahren, Karṇa, wenn dir dein Leben lieb ist.‘

karṇa uvāca ko mām evaṃ bhavān prāha darśayan sauhṛdaṃ param kāmayā bhagavan brūhi ko bhavān dvijaveṣadhṛk

Karṇa sprach: ‚Wer bist du, der du mir solches sagst und dabei höchste Freundschaft zeigst? Sprich aus Zuneigung, Erhabener, wer du bist, der du das Gewand eines Zweifachgeborenen trägst.‘

Wort für Wort
karṇa uvāca ko mām evaṃ bhavān prāha darśayan sauhṛdaṃ param kāmayā bhagavan brūhi ko bhavān dvijaveṣadhṛk
Karṇa sprach: ‚Wer bist du, der du mir solches sagst und dabei höchste Freundschaft zeigst? Sprich aus Zuneigung, Erhabener, wer du bist, der du das Gewand eines Zweifachgeborenen trägst.‘

brāhmaṇa uvāca ahaṃ tāta sahasrāṃśuḥ sauhṛdāt tvāṃ nidarśaye kuruṣvaitad vaco me tvam etac chreyaḥ paraṃ hi te

Der Brahmane sprach: ‚Ich bin, mein Sohn, der Tausendstrahlige; aus Freundschaft zeige ich dir dies. Befolge dieses mein Wort - es ist wahrlich dein höchstes Heil.‘

Wort für Wort
brāhmaṇa uvāca ahaṃ tāta sahasrāṃśuḥ sauhṛdāt tvāṃ nidarśaye kuruṣvaitad vaco me tvam etac chreyaḥ paraṃ hi te
Der Brahmane sprach: ‚Ich bin, mein Sohn, der Tausendstrahlige; aus Freundschaft zeige ich dir dies. Befolge dieses mein Wort - es ist wahrlich dein höchstes Heil.‘

karṇa uvāca śreya eva mamātyantaṃ yasya me gopatiḥ prabhuḥ pravaktādya hitānveṣī śṛṇu cedaṃ vaco mama

Karṇa sprach: ‚Höchstes Heil ist mir fürwahr allein schon dies, dass mein Gebieter, der Herr der Strahlen, mein Fürst, mir heute selbst, um mein Wohl bemüht, dies verkündet hat - so höre nun dieses mein Wort.

Wort für Wort
karṇa uvāca śreya eva mamātyantaṃ yasya me gopatiḥ prabhuḥ pravaktādya hitānveṣī śṛṇu cedaṃ vaco mama
Karṇa sprach: ‚Höchstes Heil ist mir fürwahr allein schon dies, dass mein Gebieter, der Herr der Strahlen, mein Fürst, mir heute selbst, um mein Wohl bemüht, dies verkündet hat - so höre nun dieses mein Wort.

'Gopati' (wörtl. 'Herr der Rinder/Strahlen') ist hier ein Sūrya-Beiname [?].

prasādaye tvāṃ varadaṃ praṇayāc ca bravīmy aham na nivāryo vratād asmād ahaṃ yady asmi te priyaḥ

Ich bitte dich um Gnade, du Gabenspender, und spreche aus Zuneigung: Ich soll nicht von diesem meinem Gelübde abgehalten werden, wenn ich dir lieb bin.

Wort für Wort
prasādaye tvāṃ varadaṃ praṇayāc ca bravīmy aham na nivāryo vratād asmād ahaṃ yady asmi te priyaḥ
Ich bitte dich um Gnade, du Gabenspender, und spreche aus Zuneigung: Ich soll nicht von diesem meinem Gelübde abgehalten werden, wenn ich dir lieb bin.

vrataṃ vai mama loko 'yaṃ vetti kṛtsno vibhāvaso yathāhaṃ dvijamukhyebhyo dadyāṃ prāṇān api dhruvam

Mein Gelübde kennt ja, o Vibhāvasu, diese ganze Welt: dass ich den vornehmsten Brahmanen gewiss selbst mein Leben geben würde.

Wort für Wort
vrataṃ vai mama loko 'yaṃ vetti kṛtsno vibhāvaso yathāhaṃ dvijamukhyebhyo dadyāṃ prāṇān api dhruvam
Mein Gelübde kennt ja, o Vibhāvasu, diese ganze Welt: dass ich den vornehmsten Brahmanen gewiss selbst mein Leben geben würde.

yady āgacchati śakro māṃ brāhmaṇacchadmanāvṛtaḥ hitārthaṃ pāṇḍuputrāṇāṃ khecarottama bhikṣitum

Wenn Śakra, verhüllt in der Verkleidung eines Brahmanen, zu mir kommt, um zum Wohl der Söhne des Pāṇḍu zu bitten, o Bester der Himmelswanderer,

Wort für Wort
yady āgacchati śakro māṃ brāhmaṇacchadmanāvṛtaḥ hitārthaṃ pāṇḍuputrāṇāṃ khecarottama bhikṣitum
Wenn Śakra, verhüllt in der Verkleidung eines Brahmanen, zu mir kommt, um zum Wohl der Söhne des Pāṇḍu zu bitten, o Bester der Himmelswanderer,

dāsyāmi vibudhaśreṣṭha kuṇḍale varma cottamam na me kīrtiḥ praṇaśyeta triṣu lokeṣu viśrutā

werde ich, o Bester der Götter, die Ohrringe und den vortrefflichen Panzer geben; nicht soll mein in den drei Welten berühmter Ruhm zunichtewerden.

Wort für Wort
dāsyāmi vibudhaśreṣṭha kuṇḍale varma cottamam na me kīrtiḥ praṇaśyeta triṣu lokeṣu viśrutā
werde ich, o Bester der Götter, die Ohrringe und den vortrefflichen Panzer geben; nicht soll mein in den drei Welten berühmter Ruhm zunichtewerden.

madvidhasyāyaśasyaṃ hi na yuktaṃ prāṇarakṣaṇam yuktaṃ hi yaśasā yuktaṃ maraṇaṃ lokasaṃmatam

Denn für einen wie mich geziemt sich nicht ruhmloses Bewahren des eigenen Lebens; geziemend ist vielmehr ein mit Ruhm verbundener, von der Welt anerkannter Tod.

Wort für Wort
madvidhasyāyaśasyaṃ hi na yuktaṃ prāṇarakṣaṇam yuktaṃ hi yaśasā yuktaṃ maraṇaṃ lokasaṃmatam
Denn für einen wie mich geziemt sich nicht ruhmloses Bewahren des eigenen Lebens; geziemend ist vielmehr ein mit Ruhm verbundener, von der Welt anerkannter Tod.

so 'ham indrāya dāsyāmi kuṇḍale saha varmaṇā yadi māṃ balavṛtraghno bhikṣārtham upayāsyati

So werde ich denn dem Indra die Ohrringe samt dem Panzer geben, wenn der Töter von Bala und Vṛtra zu mir kommt, um zu bitten,

Wort für Wort
so 'ham indrāya dāsyāmi kuṇḍale saha varmaṇā yadi māṃ balavṛtraghno bhikṣārtham upayāsyati
So werde ich denn dem Indra die Ohrringe samt dem Panzer geben, wenn der Töter von Bala und Vṛtra zu mir kommt, um zu bitten,

hitārthaṃ pāṇḍuputrāṇāṃ kuṇḍale me prayācitum tan me kīrtikaraṃ loke tasyākīrtir bhaviṣyati

um der Söhne des Pāṇḍu willen, um meine Ohrringe zu erbitten; dies wird mir in der Welt Ruhm bringen, ihm aber Unruhm.

Wort für Wort
hitārthaṃ pāṇḍuputrāṇāṃ kuṇḍale me prayācitum tan me kīrtikaraṃ loke tasyākīrtir bhaviṣyati
um der Söhne des Pāṇḍu willen, um meine Ohrringe zu erbitten; dies wird mir in der Welt Ruhm bringen, ihm aber Unruhm.

vṛṇomi kīrtiṃ loke hi jīvitenāpi bhānuman kīrtimān aśnute svargaṃ hīnakīrtis tu naśyati

Denn ich wähle den Ruhm in der Welt, selbst um den Preis meines Lebens, o Leuchtender; der Ruhmreiche erlangt den Himmel, der Ruhmlose aber geht zugrunde.

Wort für Wort
vṛṇomi kīrtiṃ loke hi jīvitenāpi bhānuman kīrtimān aśnute svargaṃ hīnakīrtis tu naśyati
Denn ich wähle den Ruhm in der Welt, selbst um den Preis meines Lebens, o Leuchtender; der Ruhmreiche erlangt den Himmel, der Ruhmlose aber geht zugrunde.

kīrtir hi puruṣaṃ loke saṃjīvayati mātṛvat akīrtir jīvitaṃ hanti jīvato 'pi śarīriṇaḥ

Denn der Ruhm belebt den Menschen in der Welt wie eine Mutter; der Unruhm hingegen tötet das Leben des verkörperten Wesens, auch wenn es noch lebt.

Wort für Wort
kīrtir hi puruṣaṃ loke saṃjīvayati mātṛvat akīrtir jīvitaṃ hanti jīvato 'pi śarīriṇaḥ
Denn der Ruhm belebt den Menschen in der Welt wie eine Mutter; der Unruhm hingegen tötet das Leben des verkörperten Wesens, auch wenn es noch lebt.

ayaṃ purāṇaḥ śloko hi svayaṃ gīto vibhāvaso dhātrā lokeśvara yathā kīrtir āyur narasya vai

Denn dieser uralte Vers wurde ja, o Vibhāvasu, vom Schöpfer selbst gesungen, o Herrscher der Welt: wie der Ruhm die Lebenszeit des Menschen sei.

Wort für Wort
ayaṃ purāṇaḥ śloko hi svayaṃ gīto vibhāvaso dhātrā lokeśvara yathā kīrtir āyur narasya vai
Denn dieser uralte Vers wurde ja, o Vibhāvasu, vom Schöpfer selbst gesungen, o Herrscher der Welt: wie der Ruhm die Lebenszeit des Menschen sei.

puruṣasya pare loke kīrtir eva parāyaṇam iha loke viśuddhā ca kīrtir āyurvivardhanī

Für den Menschen ist in der jenseitigen Welt der Ruhm allein die höchste Zuflucht; in dieser Welt aber ist reiner Ruhm das, was das Leben verlängert.

Wort für Wort
puruṣasya pare loke kīrtir eva parāyaṇam iha loke viśuddhā ca kīrtir āyurvivardhanī
Für den Menschen ist in der jenseitigen Welt der Ruhm allein die höchste Zuflucht; in dieser Welt aber ist reiner Ruhm das, was das Leben verlängert.

so 'haṃ śarīraje dattvā kīrtiṃ prāpsyāmi śāśvatīm dattvā ca vidhivad dānaṃ brāhmaṇebhyo yathāvidhi

So werde ich denn, indem ich das aus meinem Körper Entstandene hingebe, ewigen Ruhm erlangen, und indem ich vorschriftsmäßig, wie es sich gebührt, den Brahmanen die Gabe gebe,

Wort für Wort
so 'haṃ śarīraje dattvā kīrtiṃ prāpsyāmi śāśvatīm dattvā ca vidhivad dānaṃ brāhmaṇebhyo yathāvidhi
So werde ich denn, indem ich das aus meinem Körper Entstandene hingebe, ewigen Ruhm erlangen, und indem ich vorschriftsmäßig, wie es sich gebührt, den Brahmanen die Gabe gebe,

hutvā śarīraṃ saṃgrāme kṛtvā karma suduṣkaram vijitya vā parān ājau yaśaḥ prāpsyāmi kevalam

nachdem ich meinen Leib in der Schlacht geopfert und eine überaus schwere Tat vollbracht habe, oder nachdem ich die Feinde im Kampf besiegt habe, werde ich einzig und allein Ruhm erlangen.

Wort für Wort
hutvā śarīraṃ saṃgrāme kṛtvā karma suduṣkaram vijitya vā parān ājau yaśaḥ prāpsyāmi kevalam
nachdem ich meinen Leib in der Schlacht geopfert und eine überaus schwere Tat vollbracht habe, oder nachdem ich die Feinde im Kampf besiegt habe, werde ich einzig und allein Ruhm erlangen.

bhītānām abhayaṃ dattvā saṃgrāme jīvitārthinām vṛddhān bālān dvijātīṃś ca mokṣayitvā mahābhayāt

Indem ich den Furchtsamen, die in der Schlacht um ihr Leben bangen, Schutz vor Furcht gebe, und Alte, Kinder und Zweifachgeborene aus großer Gefahr befreie,

Wort für Wort
bhītānām abhayaṃ dattvā saṃgrāme jīvitārthinām vṛddhān bālān dvijātīṃś ca mokṣayitvā mahābhayāt
Indem ich den Furchtsamen, die in der Schlacht um ihr Leben bangen, Schutz vor Furcht gebe, und Alte, Kinder und Zweifachgeborene aus großer Gefahr befreie,

prāpsyāmi paramaṃ loke yaśaḥ svarbhānusūdana jīvitenāpi me rakṣyā kīrtis tad viddhi me vratam

werde ich in der Welt höchsten Ruhm erlangen, o Bezwinger des Svarbhānu; selbst um den Preis meines Lebens ist mein Ruhm zu bewahren - dies, wisse, ist mein Gelübde.

Wort für Wort
prāpsyāmi paramaṃ loke yaśaḥ svarbhānusūdana jīvitenāpi me rakṣyā kīrtis tad viddhi me vratam
werde ich in der Welt höchsten Ruhm erlangen, o Bezwinger des Svarbhānu; selbst um den Preis meines Lebens ist mein Ruhm zu bewahren - dies, wisse, ist mein Gelübde.

'Svarbhānusūdana' ('Bezwinger des Svarbhānu') ist ein Sūrya-Beiname, der auf die Sonnenfinsternis-Sage anspielt.

so 'haṃ dattvā maghavate bhikṣām etām anuttamām brāhmaṇacchadmine deva loke gantā parāṃ gatim

So werde ich denn, nachdem ich Maghavat, der die Verkleidung eines Brahmanen trägt, diese unübertreffliche Gabe gegeben habe, o Gott, zum höchsten Ziel in der jenseitigen Welt gelangen.‘

Wort für Wort
so 'haṃ dattvā maghavate bhikṣām etām anuttamām brāhmaṇacchadmine deva loke gantā parāṃ gatim
So werde ich denn, nachdem ich Maghavat, der die Verkleidung eines Brahmanen trägt, diese unübertreffliche Gabe gegeben habe, o Gott, zum höchsten Ziel in der jenseitigen Welt gelangen.‘

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