Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 252: Draupadīharaṇam Die Entführung Draupadīs

Draupadī verspottet Jayadratha und seine Gefährten scharf als Toren, die es wagen, die übermächtigen Pāṇḍavas herauszufordern. Jayadratha und seine Verwandten lassen sich davon nicht beeindrucken und drohen ihr unverhohlen. Draupadī, unbeirrt von ihrer Gewissheit auf den Schutz ihrer Gatten, weissagt Jayadratha eine vernichtende Niederlage. Als er sie dennoch mit Gewalt zu ergreifen sucht, ruft sie erschrocken um Hilfe und wird schließlich, trotz ihres Widerstands, von Jayadratha gepackt und auf den Wagen gezerrt. Der Hauspriester Dhaumya, der ihr zu Hilfe eilt, warnt Jayadratha eindringlich vor dem unweigerlichen Unheil, das ihm durch die Pāṇḍavas widerfahren wird, und folgt der Entführten zu Fuß.

vaiśaṃpāyana uvāca saroṣarāgopahatena valgunā; sarāganetreṇa natonnatabhruvā mukhena visphūrya suvīrarāṣṭrapaṃ; tato 'bravīt taṃ drupadātmajā punaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: „Mit von Zorn und Röte ergriffenem, lieblichem, von Leidenschaft geröteten Augen erfülltem Gesicht, mit gesenkten und erhobenen Brauen, den Herrscher der Sauvīras anfunkelnd, sprach darauf wiederum die Tochter Drupadas zu ihm:

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca saroṣarāgopahatena valgunā; sarāganetreṇa natonnatabhruvā mukhena visphūrya suvīrarāṣṭrapaṃ; tato 'bravīt taṃ drupadātmajā punaḥ
Vaiśaṃpāyana sprach: „Mit von Zorn und Röte ergriffenem, lieblichem, von Leidenschaft geröteten Augen erfülltem Gesicht, mit gesenkten und erhobenen Brauen, den Herrscher der Sauvīras anfunkelnd, sprach darauf wiederum die Tochter Drupadas zu ihm:

yaśasvinas tīkṣṇaviṣān mahārathān; adhikṣipan mūḍha na lajjase katham mahendrakalpān niratān svakarmasu; sthitān samūheṣv api yakṣarakṣasām

‚Wie schämst du dich nicht, Tor, ruhmreiche, von scharfem Gift erfüllte große Wagenkämpfer zu schmähen, die, Mahendra gleich, ihrem eigenen Werk hingegeben, selbst inmitten von Scharen von Yakṣas und Rākṣasas standhaft bleiben?

Wort für Wort
yaśasvinas tīkṣṇaviṣān mahārathān; adhikṣipan mūḍha na lajjase katham mahendrakalpān niratān svakarmasu; sthitān samūheṣv api yakṣarakṣasām
‚Wie schämst du dich nicht, Tor, ruhmreiche, von scharfem Gift erfüllte große Wagenkämpfer zu schmähen, die, Mahendra gleich, ihrem eigenen Werk hingegeben, selbst inmitten von Scharen von Yakṣas und Rākṣasas standhaft bleiben?

na kiṃ cid īḍyaṃ pravadanti pāpaṃ; vanecaraṃ vā gṛhamedhinaṃ vā tapasvinaṃ saṃparipūrṇavidyaṃ; bhaṣanti haivaṃ śvanarāḥ suvīra

Nichts Schlechtes sagen sie über einen Verehrungswürdigen, sei er ein Waldwandler oder ein Hausvater, ein Asket von vollkommenem Wissen; so bellen eben nur hundeartige Menschen, Suvīra.

Wort für Wort
na kiṃ cid īḍyaṃ pravadanti pāpaṃ; vanecaraṃ vā gṛhamedhinaṃ vā tapasvinaṃ saṃparipūrṇavidyaṃ; bhaṣanti haivaṃ śvanarāḥ suvīra
Nichts Schlechtes sagen sie über einen Verehrungswürdigen, sei er ein Waldwandler oder ein Hausvater, ein Asket von vollkommenem Wissen; so bellen eben nur hundeartige Menschen, Suvīra.

ahaṃ tu manye tava nāsti kaś cid; etādṛśe kṣatriyasaṃniveśe yas tvādya pātālamukhe patantaṃ; pāṇau gṛhītvā pratisaṃhareta

Ich aber glaube, dass es unter deinen Kṣatriya-Genossen keinen gibt, der dich, wenn du heute in den Rachen der Unterwelt stürzt, bei der Hand ergreifend zurückhalten würde,

Wort für Wort
ahaṃ tu manye tava nāsti kaś cid; etādṛśe kṣatriyasaṃniveśe yas tvādya pātālamukhe patantaṃ; pāṇau gṛhītvā pratisaṃhareta
Ich aber glaube, dass es unter deinen Kṣatriya-Genossen keinen gibt, der dich, wenn du heute in den Rachen der Unterwelt stürzt, bei der Hand ergreifend zurückhalten würde,

nāgaṃ prabhinnaṃ girikūṭakalpam; upatyakāṃ haimavatīṃ carantam daṇḍīva yūthād apasedhase tvaṃ; yo jetum āśaṃsasi dharmarājam

du, der du, wie einer mit einem Stock, einen brünstigen, einem Bergesgipfel gleichenden, in den Vorbergen des Himavat umherziehenden Elefanten von seiner Herde zu vertreiben suchst - du, der du hoffst, den Rechtskönig zu besiegen!

Wort für Wort
nāgaṃ prabhinnaṃ girikūṭakalpam; upatyakāṃ haimavatīṃ carantam daṇḍīva yūthād apasedhase tvaṃ; yo jetum āśaṃsasi dharmarājam
du, der du, wie einer mit einem Stock, einen brünstigen, einem Bergesgipfel gleichenden, in den Vorbergen des Himavat umherziehenden Elefanten von seiner Herde zu vertreiben suchst - du, der du hoffst, den Rechtskönig zu besiegen!

bālyāt prasuptasya mahābalasya; siṃhasya pakṣmāṇi mukhāl lunāsi padā samāhatya palāyamānaḥ; kruddhaṃ yadā drakṣyasi bhīmasenam

Aus Torheit rupfst du die Wimpern aus dem Maul eines schlafenden, überaus starken Löwen; mit dem Fuß hinschlagend wirst du fliehen, wenn du den zornigen Bhīmasena erblicken wirst,

Wort für Wort
bālyāt prasuptasya mahābalasya; siṃhasya pakṣmāṇi mukhāl lunāsi padā samāhatya palāyamānaḥ; kruddhaṃ yadā drakṣyasi bhīmasenam
Aus Torheit rupfst du die Wimpern aus dem Maul eines schlafenden, überaus starken Löwen; mit dem Fuß hinschlagend wirst du fliehen, wenn du den zornigen Bhīmasena erblicken wirst,

mahābalaṃ ghorataraṃ pravṛddhaṃ; jātaṃ hariṃ parvatakandareṣu prasuptam ugraṃ prapadena haṃsi; yaḥ kruddham āsetsyasi jiṣṇum ugram

den überaus starken, überaus schrecklichen, herangewachsenen, in Bergklüften geborenen Löwen tötest du mit der Fußspitze, während er schläft, du Furchtbarer - der du dich dem zornigen, furchtbaren Jiṣṇu entgegenstellen willst!

Wort für Wort
mahābalaṃ ghorataraṃ pravṛddhaṃ; jātaṃ hariṃ parvatakandareṣu prasuptam ugraṃ prapadena haṃsi; yaḥ kruddham āsetsyasi jiṣṇum ugram
den überaus starken, überaus schrecklichen, herangewachsenen, in Bergklüften geborenen Löwen tötest du mit der Fußspitze, während er schläft, du Furchtbarer - der du dich dem zornigen, furchtbaren Jiṣṇu entgegenstellen willst!

kṛṣṇoragau tīkṣṇaviṣau dvijihvau; mattaḥ padākrāmasi pucchadeśe yaḥ pāṇḍavābhyāṃ puruṣottamābhyāṃ; jaghanyajābhyāṃ prayuyutsase tvam

Auf zwei schwarze Schlangen, von scharfem Gift, zweizüngig, trittst du berauscht am Schwanzende - du, der du mit den beiden Pāṇḍavas, den vortrefflichsten der Männer, den jüngstgeborenen Zwillingen, zu kämpfen begehrst!

Wort für Wort
kṛṣṇoragau tīkṣṇaviṣau dvijihvau; mattaḥ padākrāmasi pucchadeśe yaḥ pāṇḍavābhyāṃ puruṣottamābhyāṃ; jaghanyajābhyāṃ prayuyutsase tvam
Auf zwei schwarze Schlangen, von scharfem Gift, zweizüngig, trittst du berauscht am Schwanzende - du, der du mit den beiden Pāṇḍavas, den vortrefflichsten der Männer, den jüngstgeborenen Zwillingen, zu kämpfen begehrst!

yathā ca veṇuḥ kadalī nalo vā; phalanty abhāvāya na bhūtaye 'tmanaḥ tathaiva māṃ taiḥ parirakṣyamāṇām; ādāsyase karkaṭakīva garbham

Und wie der Bambus, die Bananenstaude oder das Schilfrohr zu ihrem eigenen Untergang Frucht tragen, nicht zu ihrem Gedeihen, ebenso wirst du mich, von jenen beschützt, an dich reißen wollen - wie das Weibchen der Krabbe seine Leibesfrucht [zu ihrem Untergang gebiert].‘

Wort für Wort
yathā ca veṇuḥ kadalī nalo vā; phalanty abhāvāya na bhūtaye 'tmanaḥ tathaiva māṃ taiḥ parirakṣyamāṇām; ādāsyase karkaṭakīva garbham
Und wie der Bambus, die Bananenstaude oder das Schilfrohr zu ihrem eigenen Untergang Frucht tragen, nicht zu ihrem Gedeihen, ebenso wirst du mich, von jenen beschützt, an dich reißen wollen - wie das Weibchen der Krabbe seine Leibesfrucht [zu ihrem Untergang gebiert].‘

jayadratha uvāca jānāmi kṛṣṇe viditaṃ mamaitad; yathāvidhās te naradevaputrāḥ na tv evam etena vibhīṣaṇena; śakyā vayaṃ trāsayituṃ tvayādya

Jayadratha sprach: ‚Ich weiß, Kṛṣṇā, mir ist dies bekannt, was für Art jene Königssöhne sind; doch mit solchem Erschrecken lassen wir uns von dir heute nicht einschüchtern.

Wort für Wort
jayadratha uvāca jānāmi kṛṣṇe viditaṃ mamaitad; yathāvidhās te naradevaputrāḥ na tv evam etena vibhīṣaṇena; śakyā vayaṃ trāsayituṃ tvayādya
Jayadratha sprach: ‚Ich weiß, Kṛṣṇā, mir ist dies bekannt, was für Art jene Königssöhne sind; doch mit solchem Erschrecken lassen wir uns von dir heute nicht einschüchtern.

vayaṃ punaḥ saptadaśeṣu kṛṣṇe; kuleṣu sarve 'navameṣu jātāḥ ṣaḍbhyo guṇebhyo 'bhyadhikā vihīnān; manyāmahe draupadi pāṇḍuputrān

Wir aber sind, Kṛṣṇā, alle aus siebzehn nicht-niedrigen Geschlechtern geboren; wir, die wir sechs Tugenden im Übermaß besitzen, halten die Söhne Pāṇḍus für dieser beraubt, Draupadī.

Wort für Wort
vayaṃ punaḥ saptadaśeṣu kṛṣṇe; kuleṣu sarve 'navameṣu jātāḥ ṣaḍbhyo guṇebhyo 'bhyadhikā vihīnān; manyāmahe draupadi pāṇḍuputrān
Wir aber sind, Kṛṣṇā, alle aus siebzehn nicht-niedrigen Geschlechtern geboren; wir, die wir sechs Tugenden im Übermaß besitzen, halten die Söhne Pāṇḍus für dieser beraubt, Draupadī.

sā kṣipram ātiṣṭha gajaṃ rathaṃ vā; na vākyamātreṇa vayaṃ hi śakyāḥ āśaṃsa vā tvaṃ kṛpaṇaṃ vadantī; sauvīrarājasya punaḥ prasādam

Also besteige eilends den Elefanten oder den Wagen; denn durch bloße Worte allein sind wir nicht zu bewegen. Oder erflehe, kläglich redend, wiederum die Gnade des Königs der Sauvīras.‘

Wort für Wort
sā kṣipram ātiṣṭha gajaṃ rathaṃ vā; na vākyamātreṇa vayaṃ hi śakyāḥ āśaṃsa vā tvaṃ kṛpaṇaṃ vadantī; sauvīrarājasya punaḥ prasādam
Also besteige eilends den Elefanten oder den Wagen; denn durch bloße Worte allein sind wir nicht zu bewegen. Oder erflehe, kläglich redend, wiederum die Gnade des Königs der Sauvīras.‘

draupady uvāca mahābalā kiṃ tv iha durbaleva; sauvīrarājasya matāham asmi yāhaṃ pramāthād iha saṃpratītā; sauvīrarājaṃ kṛpaṇaṃ vadeyam

Draupadī sprach: ‚Sollte ich, obwohl ich mächtige Beschützer habe, hier wie eine Schwache dem König der Sauvīras zu Willen sein? Ich, die ich hier, in gewaltsamer Bedrängnis, dennoch zuversichtlich bin - sollte ich den König der Sauvīras kläglich anflehen?

Wort für Wort
draupady uvāca mahābalā kiṃ tv iha durbaleva; sauvīrarājasya matāham asmi yāhaṃ pramāthād iha saṃpratītā; sauvīrarājaṃ kṛpaṇaṃ vadeyam
Draupadī sprach: ‚Sollte ich, obwohl ich mächtige Beschützer habe, hier wie eine Schwache dem König der Sauvīras zu Willen sein? Ich, die ich hier, in gewaltsamer Bedrängnis, dennoch zuversichtlich bin - sollte ich den König der Sauvīras kläglich anflehen?

yasyā hi kṛṣṇau padavīṃ caretāṃ; samāsthitāv ekarathe sahāyau indro 'pi tāṃ nāpaharet kathaṃ cin; manuṣyamātraḥ kṛpaṇaḥ kuto 'nyaḥ

Der Frau, deren Spur die beiden Kṛṣṇas verfolgen, auf einem Wagen vereint als Gefährten - selbst Indra könnte sie auf keine Weise rauben; woher denn ein bloßer, erbärmlicher Mensch, wer sonst?

Wort für Wort
yasyā hi kṛṣṇau padavīṃ caretāṃ; samāsthitāv ekarathe sahāyau indro 'pi tāṃ nāpaharet kathaṃ cin; manuṣyamātraḥ kṛpaṇaḥ kuto 'nyaḥ
Der Frau, deren Spur die beiden Kṛṣṇas verfolgen, auf einem Wagen vereint als Gefährten - selbst Indra könnte sie auf keine Weise rauben; woher denn ein bloßer, erbärmlicher Mensch, wer sonst?

yadā kirīṭī paravīraghātī; nighnan rathastho dviṣatāṃ manāṃsi madantare tvaddhvajinīṃ praveṣṭā; kakṣaṃ dahann agnir ivoṣṇageṣu

Wenn der Diademträger, der Vernichter feindlicher Helden, auf dem Wagen stehend, die Herzen der Feinde in Todesangst versetzend, in dein Heer eindringen wird, wie Feuer in trockenes Gestrüpp bei heißem Wind,

Wort für Wort
yadā kirīṭī paravīraghātī; nighnan rathastho dviṣatāṃ manāṃsi madantare tvaddhvajinīṃ praveṣṭā; kakṣaṃ dahann agnir ivoṣṇageṣu
Wenn der Diademträger, der Vernichter feindlicher Helden, auf dem Wagen stehend, die Herzen der Feinde in Todesangst versetzend, in dein Heer eindringen wird, wie Feuer in trockenes Gestrüpp bei heißem Wind,

janārdanasyānugā vṛṣṇivīrā; maheṣvāsāḥ kekayāś cāpi sarve ete hi sarve mama rājaputrāḥ; prahṛṣṭarūpāḥ padavīṃ careyuḥ

wenn die Gefolgsleute Janārdanas, die Vṛṣṇi-Helden, die großen Bogenschützen, und ebenso alle Kekayas - all diese, meine Königssöhne, hocherfreut meiner Spur folgen werden,

Wort für Wort
janārdanasyānugā vṛṣṇivīrā; maheṣvāsāḥ kekayāś cāpi sarve ete hi sarve mama rājaputrāḥ; prahṛṣṭarūpāḥ padavīṃ careyuḥ
wenn die Gefolgsleute Janārdanas, die Vṛṣṇi-Helden, die großen Bogenschützen, und ebenso alle Kekayas - all diese, meine Königssöhne, hocherfreut meiner Spur folgen werden,

maurvīvisṛṣṭāḥ stanayitnughoṣā; gāṇḍīvamuktās tv ativegavantaḥ hastaṃ samāhatya dhanaṃjayasya; bhīmāḥ śabdaṃ ghorataraṃ nadanti

wenn, von der Sehne entlassen, mit Donnergetöse, von Gāṇḍīva abgeschossen, überaus geschwind, gegen Dhanaṃjayas Hand schlagend, die furchtbaren Pfeile einen überaus schrecklichen Laut erschallen lassen -

Wort für Wort
maurvīvisṛṣṭāḥ stanayitnughoṣā; gāṇḍīvamuktās tv ativegavantaḥ hastaṃ samāhatya dhanaṃjayasya; bhīmāḥ śabdaṃ ghorataraṃ nadanti
wenn, von der Sehne entlassen, mit Donnergetöse, von Gāṇḍīva abgeschossen, überaus geschwind, gegen Dhanaṃjayas Hand schlagend, die furchtbaren Pfeile einen überaus schrecklichen Laut erschallen lassen -

gāṇḍīvamuktāṃś ca mahāśaraughān; pataṃgasaṃghān iva śīghravegān saśaṅkhaghoṣaḥ satalatraghoṣo; gāṇḍīvadhanvā muhur udvamaṃś ca yadā śarān arpayitā tavorasi; tadā manas te kim ivābhaviṣyat

wenn der Gāṇḍīva-Bogenträger, mit Muschelhorn-Getöse und dem Klirren der Handschützer, wiederholt die von Gāṇḍīva entlassenen großen Pfeilfluten, geschwind wie Heuschreckenschwärme, ausspeiend, dir Pfeile in die Brust senden wird - was wird dann wohl dein Herz empfinden?

Wort für Wort
gāṇḍīvamuktāṃś ca mahāśaraughān; pataṃgasaṃghān iva śīghravegān saśaṅkhaghoṣaḥ satalatraghoṣo; gāṇḍīvadhanvā muhur udvamaṃś ca yadā śarān arpayitā tavorasi; tadā manas te kim ivābhaviṣyat
wenn der Gāṇḍīva-Bogenträger, mit Muschelhorn-Getöse und dem Klirren der Handschützer, wiederholt die von Gāṇḍīva entlassenen großen Pfeilfluten, geschwind wie Heuschreckenschwärme, ausspeiend, dir Pfeile in die Brust senden wird - was wird dann wohl dein Herz empfinden?

gadāhastaṃ bhīmam abhidravantaṃ; mādrīputrau saṃpatantau diśaś ca amarṣajaṃ krodhaviṣaṃ vamantau; dṛṣṭvā ciraṃ tāpam upaiṣyase 'dhama

Wenn du Bhīma, die Keule in der Hand, angreifend erblickst, und die beiden Söhne der Mādrī, von allen Seiten heranstürmend, aus Ungeduld entstandenes Zorngift speiend - lange wirst du dann in Qual geraten, Niedrigster.

Wort für Wort
gadāhastaṃ bhīmam abhidravantaṃ; mādrīputrau saṃpatantau diśaś ca amarṣajaṃ krodhaviṣaṃ vamantau; dṛṣṭvā ciraṃ tāpam upaiṣyase 'dhama
Wenn du Bhīma, die Keule in der Hand, angreifend erblickst, und die beiden Söhne der Mādrī, von allen Seiten heranstürmend, aus Ungeduld entstandenes Zorngift speiend - lange wirst du dann in Qual geraten, Niedrigster.

yathā cāhaṃ nāticare kathaṃ cit; patīn mahārhān manasāpi jātu tenādya satyena vaśīkṛtaṃ tvāṃ; draṣṭāsmi pārthaiḥ parikṛṣyamāṇam

So gewiss ich meinen hochverehrten Gatten niemals, auch nicht im Geiste, jemals untreu geworden bin - durch eben diese Wahrheit werde ich dich heute noch bezwungen und von den Söhnen Pṛthās fortgeschleift sehen.

Wort für Wort
yathā cāhaṃ nāticare kathaṃ cit; patīn mahārhān manasāpi jātu tenādya satyena vaśīkṛtaṃ tvāṃ; draṣṭāsmi pārthaiḥ parikṛṣyamāṇam
So gewiss ich meinen hochverehrten Gatten niemals, auch nicht im Geiste, jemals untreu geworden bin - durch eben diese Wahrheit werde ich dich heute noch bezwungen und von den Söhnen Pṛthās fortgeschleift sehen.

na saṃbhramaṃ gantum ahaṃ hi śakṣye; tvayā nṛśaṃsena vikṛṣyamāṇā samāgatāhaṃ hi kurupravīraiḥ; punar vanaṃ kāmyakam āgatā ca

Ich vermag nicht in Verwirrung zu geraten, auch wenn ich von dir, dem Grausamen, fortgeschleppt werde; bin ich doch mit den Kuru-Helden verbunden, und bin doch wiederum in den Kāmyaka-Wald gekommen.‘

Wort für Wort
na saṃbhramaṃ gantum ahaṃ hi śakṣye; tvayā nṛśaṃsena vikṛṣyamāṇā samāgatāhaṃ hi kurupravīraiḥ; punar vanaṃ kāmyakam āgatā ca
Ich vermag nicht in Verwirrung zu geraten, auch wenn ich von dir, dem Grausamen, fortgeschleppt werde; bin ich doch mit den Kuru-Helden verbunden, und bin doch wiederum in den Kāmyaka-Wald gekommen.‘

vaiśaṃpāyana uvāca sā tān anuprekṣya viśālanetrā; jighṛkṣamāṇān avabhartsayantī provāca mā mā spṛśateti bhītā; dhaumyaṃ pracukrośa purohitaṃ sā

Sie, die Weitäugige, jene Männer betrachtend, die sie zu ergreifen suchten, sie zurückweisend, rief erschrocken: ‚Rührt mich nicht an, rührt mich nicht an!‘, und schrie nach dem Hauspriester Dhaumya.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca sā tān anuprekṣya viśālanetrā; jighṛkṣamāṇān avabhartsayantī provāca mā mā spṛśateti bhītā; dhaumyaṃ pracukrośa purohitaṃ sā
Sie, die Weitäugige, jene Männer betrachtend, die sie zu ergreifen suchten, sie zurückweisend, rief erschrocken: ‚Rührt mich nicht an, rührt mich nicht an!‘, und schrie nach dem Hauspriester Dhaumya.

jagrāha tām uttaravastradeśe; jayadrathas taṃ samavākṣipat sā tayā samākṣiptatanuḥ sa pāpaḥ; papāta śākhīva nikṛttamūlaḥ

Jayadratha ergriff sie am Saum ihres Obergewandes; sie aber stieß ihn zurück; von ihr derart zurückgestoßen an seinem Körper, stürzte jener Böse, wie ein Baum mit durchschnittener Wurzel.

Wort für Wort
jagrāha tām uttaravastradeśe; jayadrathas taṃ samavākṣipat sā tayā samākṣiptatanuḥ sa pāpaḥ; papāta śākhīva nikṛttamūlaḥ
Jayadratha ergriff sie am Saum ihres Obergewandes; sie aber stieß ihn zurück; von ihr derart zurückgestoßen an seinem Körper, stürzte jener Böse, wie ein Baum mit durchschnittener Wurzel.

pragṛhyamāṇā tu mahājavena; muhur viniḥśvasya ca rājaputrī sā kṛṣyamāṇā ratham āruroha; dhaumyasya pādāv abhivādya kṛṣṇā

Doch mit großer Kraft gepackt, wiederholt aufseufzend, bestieg die Königstochter, fortgeschleppt, den Wagen, nachdem Kṛṣṇā die Füße Dhaumyas verehrt hatte.

Wort für Wort
pragṛhyamāṇā tu mahājavena; muhur viniḥśvasya ca rājaputrī sā kṛṣyamāṇā ratham āruroha; dhaumyasya pādāv abhivādya kṛṣṇā
Doch mit großer Kraft gepackt, wiederholt aufseufzend, bestieg die Königstochter, fortgeschleppt, den Wagen, nachdem Kṛṣṇā die Füße Dhaumyas verehrt hatte.

dhaumya uvāca neyaṃ śakyā tvayā netum avijitya mahārathān dharmaṃ kṣatrasya paurāṇam avekṣasva jayadratha

Dhaumya sprach: ‚Diese Frau kannst du nicht fortführen, ohne die großen Wagenkämpfer besiegt zu haben; bedenke den alten Dharma der Kṣatriyas, Jayadratha.

Wort für Wort
dhaumya uvāca neyaṃ śakyā tvayā netum avijitya mahārathān dharmaṃ kṣatrasya paurāṇam avekṣasva jayadratha
Dhaumya sprach: ‚Diese Frau kannst du nicht fortführen, ohne die großen Wagenkämpfer besiegt zu haben; bedenke den alten Dharma der Kṣatriyas, Jayadratha.

kṣudraṃ kṛtvā phalaṃ pāpaṃ prāpsyasi tvam asaṃśayam āsādya pāṇḍavān vīrān dharmarājapurogamān

Eine niedrige Tat begehend, wirst du zweifellos böse Frucht ernten, wenn du dich den heldenhaften Pāṇḍavas stellst, angeführt vom Rechtskönig.‘

Wort für Wort
kṣudraṃ kṛtvā phalaṃ pāpaṃ prāpsyasi tvam asaṃśayam āsādya pāṇḍavān vīrān dharmarājapurogamān
Eine niedrige Tat begehend, wirst du zweifellos böse Frucht ernten, wenn du dich den heldenhaften Pāṇḍavas stellst, angeführt vom Rechtskönig.‘

vaiśaṃpāyana uvāca ity uktvā hriyamāṇāṃ tāṃ rājaputrīṃ yaśasvinīm anvagacchat tadā dhaumyaḥ padātigaṇamadhyagaḥ

So gesprochen habend, folgte Dhaumya der fortgeschleppten, ruhmvollen Königstochter, inmitten der Fußtruppen einherschreitend.“

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca ity uktvā hriyamāṇāṃ tāṃ rājaputrīṃ yaśasvinīm anvagacchat tadā dhaumyaḥ padātigaṇamadhyagaḥ
So gesprochen habend, folgte Dhaumya der fortgeschleppten, ruhmvollen Königstochter, inmitten der Fußtruppen einherschreitend.“

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