Kapitel 252: Draupadīharaṇam
Die Entführung Draupadīs
Draupadī verspottet Jayadratha und seine Gefährten scharf als Toren, die es wagen, die übermächtigen Pāṇḍavas herauszufordern. Jayadratha und seine Verwandten lassen sich davon nicht beeindrucken und drohen ihr unverhohlen. Draupadī, unbeirrt von ihrer Gewissheit auf den Schutz ihrer Gatten, weissagt Jayadratha eine vernichtende Niederlage. Als er sie dennoch mit Gewalt zu ergreifen sucht, ruft sie erschrocken um Hilfe und wird schließlich, trotz ihres Widerstands, von Jayadratha gepackt und auf den Wagen gezerrt. Der Hauspriester Dhaumya, der ihr zu Hilfe eilt, warnt Jayadratha eindringlich vor dem unweigerlichen Unheil, das ihm durch die Pāṇḍavas widerfahren wird, und folgt der Entführten zu Fuß.
Vaiśaṃpāyana sprach: „Mit von Zorn und Röte ergriffenem, lieblichem, von Leidenschaft geröteten Augen erfülltem Gesicht, mit gesenkten und erhobenen Brauen, den Herrscher der Sauvīras anfunkelnd, sprach darauf wiederum die Tochter Drupadas zu ihm:
Vaiśaṃpāyana sprach: „Mit von Zorn und Röte ergriffenem, lieblichem, von Leidenschaft geröteten Augen erfülltem Gesicht, mit gesenkten und erhobenen Brauen, den Herrscher der Sauvīras anfunkelnd, sprach darauf wiederum die Tochter Drupadas zu ihm:
yaśasvinas tīkṣṇaviṣān mahārathān; adhikṣipan mūḍha na lajjase katham mahendrakalpān niratān svakarmasu; sthitān samūheṣv api yakṣarakṣasām
‚Wie schämst du dich nicht, Tor, ruhmreiche, von scharfem Gift erfüllte große Wagenkämpfer zu schmähen, die, Mahendra gleich, ihrem eigenen Werk hingegeben, selbst inmitten von Scharen von Yakṣas und Rākṣasas standhaft bleiben?
Wort für Wort
yaśasvinas tīkṣṇaviṣān mahārathān; adhikṣipan mūḍha na lajjase katham mahendrakalpān niratān svakarmasu; sthitān samūheṣv api yakṣarakṣasām
‚Wie schämst du dich nicht, Tor, ruhmreiche, von scharfem Gift erfüllte große Wagenkämpfer zu schmähen, die, Mahendra gleich, ihrem eigenen Werk hingegeben, selbst inmitten von Scharen von Yakṣas und Rākṣasas standhaft bleiben?
Nichts Schlechtes sagen sie über einen Verehrungswürdigen, sei er ein Waldwandler oder ein Hausvater, ein Asket von vollkommenem Wissen; so bellen eben nur hundeartige Menschen, Suvīra.
Nichts Schlechtes sagen sie über einen Verehrungswürdigen, sei er ein Waldwandler oder ein Hausvater, ein Asket von vollkommenem Wissen; so bellen eben nur hundeartige Menschen, Suvīra.
Ich aber glaube, dass es unter deinen Kṣatriya-Genossen keinen gibt, der dich, wenn du heute in den Rachen der Unterwelt stürzt, bei der Hand ergreifend zurückhalten würde,
Ich aber glaube, dass es unter deinen Kṣatriya-Genossen keinen gibt, der dich, wenn du heute in den Rachen der Unterwelt stürzt, bei der Hand ergreifend zurückhalten würde,
du, der du, wie einer mit einem Stock, einen brünstigen, einem Bergesgipfel gleichenden, in den Vorbergen des Himavat umherziehenden Elefanten von seiner Herde zu vertreiben suchst - du, der du hoffst, den Rechtskönig zu besiegen!
du, der du, wie einer mit einem Stock, einen brünstigen, einem Bergesgipfel gleichenden, in den Vorbergen des Himavat umherziehenden Elefanten von seiner Herde zu vertreiben suchst - du, der du hoffst, den Rechtskönig zu besiegen!
Aus Torheit rupfst du die Wimpern aus dem Maul eines schlafenden, überaus starken Löwen; mit dem Fuß hinschlagend wirst du fliehen, wenn du den zornigen Bhīmasena erblicken wirst,
Aus Torheit rupfst du die Wimpern aus dem Maul eines schlafenden, überaus starken Löwen; mit dem Fuß hinschlagend wirst du fliehen, wenn du den zornigen Bhīmasena erblicken wirst,
den überaus starken, überaus schrecklichen, herangewachsenen, in Bergklüften geborenen Löwen tötest du mit der Fußspitze, während er schläft, du Furchtbarer - der du dich dem zornigen, furchtbaren Jiṣṇu entgegenstellen willst!
den überaus starken, überaus schrecklichen, herangewachsenen, in Bergklüften geborenen Löwen tötest du mit der Fußspitze, während er schläft, du Furchtbarer - der du dich dem zornigen, furchtbaren Jiṣṇu entgegenstellen willst!
Auf zwei schwarze Schlangen, von scharfem Gift, zweizüngig, trittst du berauscht am Schwanzende - du, der du mit den beiden Pāṇḍavas, den vortrefflichsten der Männer, den jüngstgeborenen Zwillingen, zu kämpfen begehrst!
Auf zwei schwarze Schlangen, von scharfem Gift, zweizüngig, trittst du berauscht am Schwanzende - du, der du mit den beiden Pāṇḍavas, den vortrefflichsten der Männer, den jüngstgeborenen Zwillingen, zu kämpfen begehrst!
yathā ca veṇuḥ kadalī nalo vā; phalanty abhāvāya na bhūtaye 'tmanaḥ tathaiva māṃ taiḥ parirakṣyamāṇām; ādāsyase karkaṭakīva garbham
Und wie der Bambus, die Bananenstaude oder das Schilfrohr zu ihrem eigenen Untergang Frucht tragen, nicht zu ihrem Gedeihen, ebenso wirst du mich, von jenen beschützt, an dich reißen wollen - wie das Weibchen der Krabbe seine Leibesfrucht [zu ihrem Untergang gebiert].‘
Wort für Wort
yathā ca veṇuḥ kadalī nalo vā; phalanty abhāvāya na bhūtaye 'tmanaḥ tathaiva māṃ taiḥ parirakṣyamāṇām; ādāsyase karkaṭakīva garbham
Und wie der Bambus, die Bananenstaude oder das Schilfrohr zu ihrem eigenen Untergang Frucht tragen, nicht zu ihrem Gedeihen, ebenso wirst du mich, von jenen beschützt, an dich reißen wollen - wie das Weibchen der Krabbe seine Leibesfrucht [zu ihrem Untergang gebiert].‘
jayadratha uvāca jānāmi kṛṣṇe viditaṃ mamaitad; yathāvidhās te naradevaputrāḥ na tv evam etena vibhīṣaṇena; śakyā vayaṃ trāsayituṃ tvayādya
Jayadratha sprach: ‚Ich weiß, Kṛṣṇā, mir ist dies bekannt, was für Art jene Königssöhne sind; doch mit solchem Erschrecken lassen wir uns von dir heute nicht einschüchtern.
Wort für Wort
jayadratha uvāca jānāmi kṛṣṇe viditaṃ mamaitad; yathāvidhās te naradevaputrāḥ na tv evam etena vibhīṣaṇena; śakyā vayaṃ trāsayituṃ tvayādya
Jayadratha sprach: ‚Ich weiß, Kṛṣṇā, mir ist dies bekannt, was für Art jene Königssöhne sind; doch mit solchem Erschrecken lassen wir uns von dir heute nicht einschüchtern.
Wir aber sind, Kṛṣṇā, alle aus siebzehn nicht-niedrigen Geschlechtern geboren; wir, die wir sechs Tugenden im Übermaß besitzen, halten die Söhne Pāṇḍus für dieser beraubt, Draupadī.
Wir aber sind, Kṛṣṇā, alle aus siebzehn nicht-niedrigen Geschlechtern geboren; wir, die wir sechs Tugenden im Übermaß besitzen, halten die Söhne Pāṇḍus für dieser beraubt, Draupadī.
sā kṣipram ātiṣṭha gajaṃ rathaṃ vā; na vākyamātreṇa vayaṃ hi śakyāḥ āśaṃsa vā tvaṃ kṛpaṇaṃ vadantī; sauvīrarājasya punaḥ prasādam
Also besteige eilends den Elefanten oder den Wagen; denn durch bloße Worte allein sind wir nicht zu bewegen. Oder erflehe, kläglich redend, wiederum die Gnade des Königs der Sauvīras.‘
Wort für Wort
sā kṣipram ātiṣṭha gajaṃ rathaṃ vā; na vākyamātreṇa vayaṃ hi śakyāḥ āśaṃsa vā tvaṃ kṛpaṇaṃ vadantī; sauvīrarājasya punaḥ prasādam
Also besteige eilends den Elefanten oder den Wagen; denn durch bloße Worte allein sind wir nicht zu bewegen. Oder erflehe, kläglich redend, wiederum die Gnade des Königs der Sauvīras.‘
Draupadī sprach: ‚Sollte ich, obwohl ich mächtige Beschützer habe, hier wie eine Schwache dem König der Sauvīras zu Willen sein? Ich, die ich hier, in gewaltsamer Bedrängnis, dennoch zuversichtlich bin - sollte ich den König der Sauvīras kläglich anflehen?
Draupadī sprach: ‚Sollte ich, obwohl ich mächtige Beschützer habe, hier wie eine Schwache dem König der Sauvīras zu Willen sein? Ich, die ich hier, in gewaltsamer Bedrängnis, dennoch zuversichtlich bin - sollte ich den König der Sauvīras kläglich anflehen?
Der Frau, deren Spur die beiden Kṛṣṇas verfolgen, auf einem Wagen vereint als Gefährten - selbst Indra könnte sie auf keine Weise rauben; woher denn ein bloßer, erbärmlicher Mensch, wer sonst?
Der Frau, deren Spur die beiden Kṛṣṇas verfolgen, auf einem Wagen vereint als Gefährten - selbst Indra könnte sie auf keine Weise rauben; woher denn ein bloßer, erbärmlicher Mensch, wer sonst?
Wenn der Diademträger, der Vernichter feindlicher Helden, auf dem Wagen stehend, die Herzen der Feinde in Todesangst versetzend, in dein Heer eindringen wird, wie Feuer in trockenes Gestrüpp bei heißem Wind,
Wenn der Diademträger, der Vernichter feindlicher Helden, auf dem Wagen stehend, die Herzen der Feinde in Todesangst versetzend, in dein Heer eindringen wird, wie Feuer in trockenes Gestrüpp bei heißem Wind,
janārdanasyānugā vṛṣṇivīrā; maheṣvāsāḥ kekayāś cāpi sarve ete hi sarve mama rājaputrāḥ; prahṛṣṭarūpāḥ padavīṃ careyuḥ
wenn die Gefolgsleute Janārdanas, die Vṛṣṇi-Helden, die großen Bogenschützen, und ebenso alle Kekayas - all diese, meine Königssöhne, hocherfreut meiner Spur folgen werden,
Wort für Wort
janārdanasyānugā vṛṣṇivīrā; maheṣvāsāḥ kekayāś cāpi sarve ete hi sarve mama rājaputrāḥ; prahṛṣṭarūpāḥ padavīṃ careyuḥ
wenn die Gefolgsleute Janārdanas, die Vṛṣṇi-Helden, die großen Bogenschützen, und ebenso alle Kekayas - all diese, meine Königssöhne, hocherfreut meiner Spur folgen werden,
wenn, von der Sehne entlassen, mit Donnergetöse, von Gāṇḍīva abgeschossen, überaus geschwind, gegen Dhanaṃjayas Hand schlagend, die furchtbaren Pfeile einen überaus schrecklichen Laut erschallen lassen -
wenn, von der Sehne entlassen, mit Donnergetöse, von Gāṇḍīva abgeschossen, überaus geschwind, gegen Dhanaṃjayas Hand schlagend, die furchtbaren Pfeile einen überaus schrecklichen Laut erschallen lassen -
gāṇḍīvamuktāṃś ca mahāśaraughān; pataṃgasaṃghān iva śīghravegān saśaṅkhaghoṣaḥ satalatraghoṣo; gāṇḍīvadhanvā muhur udvamaṃś ca yadā śarān arpayitā tavorasi; tadā manas te kim ivābhaviṣyat
wenn der Gāṇḍīva-Bogenträger, mit Muschelhorn-Getöse und dem Klirren der Handschützer, wiederholt die von Gāṇḍīva entlassenen großen Pfeilfluten, geschwind wie Heuschreckenschwärme, ausspeiend, dir Pfeile in die Brust senden wird - was wird dann wohl dein Herz empfinden?
Wort für Wort
gāṇḍīvamuktāṃś ca mahāśaraughān; pataṃgasaṃghān iva śīghravegān saśaṅkhaghoṣaḥ satalatraghoṣo; gāṇḍīvadhanvā muhur udvamaṃś ca yadā śarān arpayitā tavorasi; tadā manas te kim ivābhaviṣyat
wenn der Gāṇḍīva-Bogenträger, mit Muschelhorn-Getöse und dem Klirren der Handschützer, wiederholt die von Gāṇḍīva entlassenen großen Pfeilfluten, geschwind wie Heuschreckenschwärme, ausspeiend, dir Pfeile in die Brust senden wird - was wird dann wohl dein Herz empfinden?
Wenn du Bhīma, die Keule in der Hand, angreifend erblickst, und die beiden Söhne der Mādrī, von allen Seiten heranstürmend, aus Ungeduld entstandenes Zorngift speiend - lange wirst du dann in Qual geraten, Niedrigster.
Wenn du Bhīma, die Keule in der Hand, angreifend erblickst, und die beiden Söhne der Mādrī, von allen Seiten heranstürmend, aus Ungeduld entstandenes Zorngift speiend - lange wirst du dann in Qual geraten, Niedrigster.
So gewiss ich meinen hochverehrten Gatten niemals, auch nicht im Geiste, jemals untreu geworden bin - durch eben diese Wahrheit werde ich dich heute noch bezwungen und von den Söhnen Pṛthās fortgeschleift sehen.
So gewiss ich meinen hochverehrten Gatten niemals, auch nicht im Geiste, jemals untreu geworden bin - durch eben diese Wahrheit werde ich dich heute noch bezwungen und von den Söhnen Pṛthās fortgeschleift sehen.
na saṃbhramaṃ gantum ahaṃ hi śakṣye; tvayā nṛśaṃsena vikṛṣyamāṇā samāgatāhaṃ hi kurupravīraiḥ; punar vanaṃ kāmyakam āgatā ca
Ich vermag nicht in Verwirrung zu geraten, auch wenn ich von dir, dem Grausamen, fortgeschleppt werde; bin ich doch mit den Kuru-Helden verbunden, und bin doch wiederum in den Kāmyaka-Wald gekommen.‘
Wort für Wort
na saṃbhramaṃ gantum ahaṃ hi śakṣye; tvayā nṛśaṃsena vikṛṣyamāṇā samāgatāhaṃ hi kurupravīraiḥ; punar vanaṃ kāmyakam āgatā ca
Ich vermag nicht in Verwirrung zu geraten, auch wenn ich von dir, dem Grausamen, fortgeschleppt werde; bin ich doch mit den Kuru-Helden verbunden, und bin doch wiederum in den Kāmyaka-Wald gekommen.‘
Sie, die Weitäugige, jene Männer betrachtend, die sie zu ergreifen suchten, sie zurückweisend, rief erschrocken: ‚Rührt mich nicht an, rührt mich nicht an!‘, und schrie nach dem Hauspriester Dhaumya.
Sie, die Weitäugige, jene Männer betrachtend, die sie zu ergreifen suchten, sie zurückweisend, rief erschrocken: ‚Rührt mich nicht an, rührt mich nicht an!‘, und schrie nach dem Hauspriester Dhaumya.
jagrāha tām uttaravastradeśe; jayadrathas taṃ samavākṣipat sā tayā samākṣiptatanuḥ sa pāpaḥ; papāta śākhīva nikṛttamūlaḥ
Jayadratha ergriff sie am Saum ihres Obergewandes; sie aber stieß ihn zurück; von ihr derart zurückgestoßen an seinem Körper, stürzte jener Böse, wie ein Baum mit durchschnittener Wurzel.
Wort für Wort
jagrāha tām uttaravastradeśe; jayadrathas taṃ samavākṣipat sā tayā samākṣiptatanuḥ sa pāpaḥ; papāta śākhīva nikṛttamūlaḥ
Jayadratha ergriff sie am Saum ihres Obergewandes; sie aber stieß ihn zurück; von ihr derart zurückgestoßen an seinem Körper, stürzte jener Böse, wie ein Baum mit durchschnittener Wurzel.
pragṛhyamāṇā tu mahājavena; muhur viniḥśvasya ca rājaputrī sā kṛṣyamāṇā ratham āruroha; dhaumyasya pādāv abhivādya kṛṣṇā
Doch mit großer Kraft gepackt, wiederholt aufseufzend, bestieg die Königstochter, fortgeschleppt, den Wagen, nachdem Kṛṣṇā die Füße Dhaumyas verehrt hatte.
Wort für Wort
pragṛhyamāṇā tu mahājavena; muhur viniḥśvasya ca rājaputrī sā kṛṣyamāṇā ratham āruroha; dhaumyasya pādāv abhivādya kṛṣṇā
Doch mit großer Kraft gepackt, wiederholt aufseufzend, bestieg die Königstochter, fortgeschleppt, den Wagen, nachdem Kṛṣṇā die Füße Dhaumyas verehrt hatte.
Dhaumya sprach: ‚Diese Frau kannst du nicht fortführen, ohne die großen Wagenkämpfer besiegt zu haben; bedenke den alten Dharma der Kṣatriyas, Jayadratha.
Dhaumya sprach: ‚Diese Frau kannst du nicht fortführen, ohne die großen Wagenkämpfer besiegt zu haben; bedenke den alten Dharma der Kṣatriyas, Jayadratha.