Kapitel 191: Indradyumnopākhyānam
Die Erzählung von König Indradyumna
Auf die Frage, ob es jemanden gebe, der älter sei als er, erzählt Mārkaṇḍeya von dem königlichen Weisen Indradyumna, der wegen erloschenen Ruhmes aus dem Himmel gestürzt war und der Reihe nach die Eule Prākārakarṇa (in der sich Mārkaṇḍeya selbst wiedererkennt), den Kranich Nāḍījaṅgha und die Schildkröte Akūpāra aufsucht, bis diese sich seiner erinnert und ihm so, durch die Kraft des fortlebenden Ruhms, die Rückkehr in den Himmel ermöglicht.
sa tān uvāca asti khalu rājarṣir indradyumno nāma kṣīṇapuṇyas tridivāt pracyutaḥ kīrtis te vyucchinneti sa mām upātiṣṭhat atha pratyabhijānāti māṃ bhavān iti
Er sprach zu ihnen: „Es gibt fürwahr einen königlichen Weisen namens Indradyumna, dessen Verdienst erschöpft war und der aus dem Himmel herabgestürzt ist, weil sein Ruhm erloschen war; er wandte sich an mich. Da fragte er: ‚Erkennst du mich?‘
Wort für Wort
sa tān uvāca asti khalu rājarṣir indradyumno nāma kṣīṇapuṇyas tridivāt pracyutaḥ kīrtis te vyucchinneti sa mām upātiṣṭhat atha pratyabhijānāti māṃ bhavān iti
Er sprach zu ihnen: „Es gibt fürwahr einen königlichen Weisen namens Indradyumna, dessen Verdienst erschöpft war und der aus dem Himmel herabgestürzt ist, weil sein Ruhm erloschen war; er wandte sich an mich. Da fragte er: ‚Erkennst du mich?‘
tam aham abruvam na vayaṃ rāsāyanikāḥ śarīropatāpenātmanaḥ samārabhāmahe 'rthānām anuṣṭhānam
Ich sprach zu ihm: ‚Wir, die wir von Lebenselixieren zehren, mühen uns nicht durch Kasteiung des eigenen Leibes um die Erledigung solcher Angelegenheiten.
Wort für Wort
tam aham abruvam na vayaṃ rāsāyanikāḥ śarīropatāpenātmanaḥ samārabhāmahe 'rthānām anuṣṭhānam
Ich sprach zu ihm: ‚Wir, die wir von Lebenselixieren zehren, mühen uns nicht durch Kasteiung des eigenen Leibes um die Erledigung solcher Angelegenheiten.
Mārkaṇḍeyas Antwort ist im Sanskrit knapp und unklar formuliert; gemeint ist wohl eine ausweichende Erklärung, warum er sich nicht sogleich erinnert.
sa evam ukto 'bravīd enam asti khalv indradyumnasaro nāma tasmin nāḍījaṅgho nāma bakaḥ prativasati so 'smattaś cirajātataraḥ taṃ pṛccheti
So angesprochen, sprach sie zu ihm: ‚Es gibt fürwahr einen See namens Indradyumna-See; in ihm wohnt ein Kranich namens Nāḍījaṅgha, der älter ist als ich – frage ihn.‘
Wort für Wort
sa evam ukto 'bravīd enam asti khalv indradyumnasaro nāma tasmin nāḍījaṅgho nāma bakaḥ prativasati so 'smattaś cirajātataraḥ taṃ pṛccheti
So angesprochen, sprach sie zu ihm: ‚Es gibt fürwahr einen See namens Indradyumna-See; in ihm wohnt ein Kranich namens Nāḍījaṅgha, der älter ist als ich – frage ihn.‘
sa no 'bravīd asti khalv ihaiva sarasy akūpāro nāma kacchapaḥ prativasati sa mattaś cirajātatara iti sa yadi kathaṃ cid abhijānīyād imaṃ rājānaṃ tam akūpāraṃ pṛcchāma iti
Er sprach zu uns: ‚Es gibt fürwahr eben in diesem See eine Schildkröte namens Akūpāra, die wohnt hier; sie ist älter als ich. Sollte sie diesen König irgendwie erkennen – lasst uns Akūpāra fragen.‘
Wort für Wort
sa no 'bravīd asti khalv ihaiva sarasy akūpāro nāma kacchapaḥ prativasati sa mattaś cirajātatara iti sa yadi kathaṃ cid abhijānīyād imaṃ rājānaṃ tam akūpāraṃ pṛcchāma iti
Er sprach zu uns: ‚Es gibt fürwahr eben in diesem See eine Schildkröte namens Akūpāra, die wohnt hier; sie ist älter als ich. Sollte sie diesen König irgendwie erkennen – lasst uns Akūpāra fragen.‘
sa muhūrtaṃ dhyātvā bāṣpapūrṇanayana udvignahṛdayo vepamāno visaṃjñakalpaḥ prāñjalir abravīt kim aham enaṃ na pratyabhijānāmi ahaṃ hy anena sahasrakṛtvaḥ pūrvam agnicitiṣūpahitapūrvaḥ saraś cedam asya dakṣiṇādattābhir gobhir atikramamāṇābhiḥ kṛtam atra cāhaṃ prativasāmīti
Sie, nachdem sie einen Augenblick nachgedacht hatte, mit tränenerfüllten Augen, bestürztem Herzen, zitternd, fast besinnungslos, mit gefalteten Händen, sprach: ‚Wie sollte ich ihn nicht erkennen! Von ihm wurde ich einst tausendmal bei den Feueraltären als Grundlage verwendet; und dieser See wurde von den zahllosen Kühen geschaffen, die er als Opfergabe darreichte; und hier wohne ich.‘
Wort für Wort
sa muhūrtaṃ dhyātvā bāṣpapūrṇanayana udvignahṛdayo vepamāno visaṃjñakalpaḥ prāñjalir abravīt kim aham enaṃ na pratyabhijānāmi ahaṃ hy anena sahasrakṛtvaḥ pūrvam agnicitiṣūpahitapūrvaḥ saraś cedam asya dakṣiṇādattābhir gobhir atikramamāṇābhiḥ kṛtam atra cāhaṃ prativasāmīti
Sie, nachdem sie einen Augenblick nachgedacht hatte, mit tränenerfüllten Augen, bestürztem Herzen, zitternd, fast besinnungslos, mit gefalteten Händen, sprach: ‚Wie sollte ich ihn nicht erkennen! Von ihm wurde ich einst tausendmal bei den Feueraltären als Grundlage verwendet; und dieser See wurde von den zahllosen Kühen geschaffen, die er als Opfergabe darreichte; und hier wohne ich.‘
Schildkröten wurden bei bestimmten vedischen Feuerritualen als Unterlage des Altars verwendet; die Verse spielen auf Indradyumnas frühere Freigebigkeit bei solchen Opfern an.
vācaś cāśrūyantendradyumnaṃ prati prastutas te svargaḥ yathocitaṃ sthānam abhipadyasva kīrtimān asi avyagro yāhīti
Und Stimmen wurden vernommen, die zu Indradyumna sprachen: ‚Der Himmel ist für dich bereitet; erlange den dir gebührenden Ort, du bist ruhmreich – geh ohne Zögern.‘
Wort für Wort
vācaś cāśrūyantendradyumnaṃ prati prastutas te svargaḥ yathocitaṃ sthānam abhipadyasva kīrtimān asi avyagro yāhīti
Und Stimmen wurden vernommen, die zu Indradyumna sprachen: ‚Der Himmel ist für dich bereitet; erlange den dir gebührenden Ort, du bist ruhmreich – geh ohne Zögern.‘
Nachdem er mich, Prākārakarṇa, die Eule, an meinen rechten Ort zurückgebracht hatte, erlangte er, sein Werk vollendet, mit eben jenem Wagen den ihm gebührenden Ort.
Nachdem er mich, Prākārakarṇa, die Eule, an meinen rechten Ort zurückgebracht hatte, erlangte er, sein Werk vollendet, mit eben jenem Wagen den ihm gebührenden Ort.
Hier enthüllt sich, dass Mārkaṇḍeya, der Erzähler, in dieser Geschichte zugleich die Eule Prākārakarṇa ist – ein für diese Art alter Legenden typisches Ineinandergleiten von Erzähler- und Figurenidentität.
Da sprachen die Pāṇḍavas erfreut: „Vortrefflich, herrlich ist es, was du getan hast, den vom Himmel gestürzten König Indradyumna wieder an seinen rechten Ort im Himmel zurückzubringen.“
Da sprachen die Pāṇḍavas erfreut: „Vortrefflich, herrlich ist es, was du getan hast, den vom Himmel gestürzten König Indradyumna wieder an seinen rechten Ort im Himmel zurückzubringen.“
Da sprach er zu ihnen: „Wurde nicht ebenso der königliche Weise Nṛga, als er in der Hölle versank, von Kṛṣṇa, dem Sohn der Devakī, aus jener Not emporgehoben und wieder in den Himmel versetzt?“
Da sprach er zu ihnen: „Wurde nicht ebenso der königliche Weise Nṛga, als er in der Hölle versank, von Kṛṣṇa, dem Sohn der Devakī, aus jener Not emporgehoben und wieder in den Himmel versetzt?“