Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 208: Āṅgirasaprajā Die Nachkommen des Aṅgiras

Mārkaṇḍeya setzt seine Erzählung unmittelbar fort und verzeichnet die Nachkommenschaft des Aṅgiras (des ‚dritten Sohnes Brahmās‘): sieben Söhne, angeführt von Bṛhaspati, sowie eine Reihe von Töchtern – darunter Bhānumatī, Rāgā, Sinīvālī, Arciṣmatī, Haviṣmatī, Mahāmatī und Kuhū (Ekānaṃśā). Mehrere Namen werden volksetymologisch aus ihren Eigenschaften hergeleitet. Zwei Stellen bleiben unsicher bzw. lückenhaft überliefert und werden entsprechend gekennzeichnet: der Name der Gattin des Aṅgiras (v.1) und eine offenbar fehlende Tochter in der Zählung (v.6). Sinīvālī und Kuhū sind altbekannte vedische Neumond-Göttinnen, die hier in die Aṅgiras-Genealogie eingeordnet werden.

mārkaṇḍeya uvāca brahmaṇo yas tṛtīyas tu putraḥ kurukulodvaha tasyāpavasutā bhāryā prajās tasyāpi me śṛṇu

Mārkaṇḍeya sprach: „Wer der dritte Sohn Brahmās ist, o Sproß des Kuru-Geschlechts – dessen Gattin war Apavasutā [?] –, höre auch von dessen Nachkommenschaft von mir.

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca brahmaṇo yas tṛtīyas tu putraḥ kurukulodvaha tasyāpavasutā bhāryā prajās tasyāpi me śṛṇu
Mārkaṇḍeya sprach: „Wer der dritte Sohn Brahmās ist, o Sproß des Kuru-Geschlechts – dessen Gattin war Apavasutā [?] –, höre auch von dessen Nachkommenschaft von mir.

Der ‚dritte Sohn Brahmās‘ ist Aṅgiras, dessen Wandlung zu Agni im vorigen Kapitel erzählt wurde. Der Name bzw. die Bezeichnung seiner Gattin, ‚Apavasutā‘, ist unsicher überliefert und wird daher gekennzeichnet.

bṛhajjyotir bṛhatkīrtir bṛhadbrahmā bṛhanmanāḥ bṛhanmantro bṛhadbhāsas tathā rājan bṛhaspatiḥ

Bṛhajjyotis, Bṛhatkīrti, Bṛhadbrahmā, Bṛhanmanas, Bṛhanmantra, Bṛhadbhāsa und ebenso, o König, Bṛhaspati.

Wort für Wort
bṛhajjyotir bṛhatkīrtir bṛhadbrahmā bṛhanmanāḥ bṛhanmantro bṛhadbhāsas tathā rājan bṛhaspatiḥ
Bṛhajjyotis, Bṛhatkīrti, Bṛhadbrahmā, Bṛhanmanas, Bṛhanmantra, Bṛhadbhāsa und ebenso, o König, Bṛhaspati.

prajāsu tāsu sarvāsu rūpeṇāpratimābhavat devī bhānumatī nāma prathamāṅgirasaḥ sutā

Unter all diesen Nachkommen war die Göttin namens Bhānumatī an Schönheit unvergleichlich – die erste Tochter des Aṅgiras.

Wort für Wort
prajāsu tāsu sarvāsu rūpeṇāpratimābhavat devī bhānumatī nāma prathamāṅgirasaḥ sutā
Unter all diesen Nachkommen war die Göttin namens Bhānumatī an Schönheit unvergleichlich – die erste Tochter des Aṅgiras.

bhūtānām eva sarveṣāṃ yasyāṃ rāgas tadābhavat rāgād rāgeti yām āhur dvitīyāṅgirasaḥ sutā

Sie, in der die Leidenschaft (rāga) aller Wesen entstand, nannte man daher, eben wegen dieser Leidenschaft, Rāgā – die zweite Tochter des Aṅgiras.

Wort für Wort
bhūtānām eva sarveṣāṃ yasyāṃ rāgas tadābhavat rāgād rāgeti yām āhur dvitīyāṅgirasaḥ sutā
Sie, in der die Leidenschaft (rāga) aller Wesen entstand, nannte man daher, eben wegen dieser Leidenschaft, Rāgā – die zweite Tochter des Aṅgiras.

yāṃ kapardisutām āhur dṛśyādṛśyeti dehinaḥ tanutvāt sā sinīvālī tṛtīyāṅgirasaḥ sutā

Sie, die man Kapardisutā nennt [?], die die verkörperten Wesen wegen ihrer Feinheit als sichtbar und zugleich unsichtbar bezeichnen – sie ist Sinīvālī, die dritte Tochter des Aṅgiras.

Wort für Wort
yāṃ kapardisutām āhur dṛśyādṛśyeti dehinaḥ tanutvāt sā sinīvālī tṛtīyāṅgirasaḥ sutā
Sie, die man Kapardisutā nennt [?], die die verkörperten Wesen wegen ihrer Feinheit als sichtbar und zugleich unsichtbar bezeichnen – sie ist Sinīvālī, die dritte Tochter des Aṅgiras.

Die Bezeichnung ‚Kapardisutā‘ (etwa: Tochter des Kapardin, eines Beinamens Rudra-Śivas) steht in der Überlieferung unvermittelt neben ihrer Nennung als Tochter des Aṅgiras; dies wird als überlieferter Beiname stehengelassen, ohne die Widersprüchlichkeit aufzulösen.

paśyaty arciṣmatī bhābhir havirbhiś ca haviṣmatī ṣaṣṭhīm aṅgirasaḥ kanyāṃ puṇyām āhur haviṣmatīm

Arciṣmatī sieht mittels der Lichtstrahlen, Haviṣmatī mittels der Opferspenden; die sechste, heilige Tochter des Aṅgiras nennt man Haviṣmatī.

Wort für Wort
paśyaty arciṣmatī bhābhir havirbhiś ca haviṣmatī ṣaṣṭhīm aṅgirasaḥ kanyāṃ puṇyām āhur haviṣmatīm
Arciṣmatī sieht mittels der Lichtstrahlen, Haviṣmatī mittels der Opferspenden; die sechste, heilige Tochter des Aṅgiras nennt man Haviṣmatī.

Die Zählung springt hier von der (unbenannten Nummer nach) Sinīvālī direkt zur ‚sechsten‘ Tochter Haviṣmatī, ohne dass eine vierte oder fünfte Tochter ausdrücklich beziffert wird; vermutlich ist Arciṣmatī als vierte zu zählen, doch bleibt eine fünfte Tochter in dieser Fassung unbenannt. Dies wird als vermutliche Lücke der Überlieferung gekennzeichnet, statt einen Namen zu erfinden.

mahāmakheṣv āṅgirasī dīptimatsu mahāmatī mahāmatīti vikhyātā saptamī kathyate sutā

Bei den großen, glanzvollen Opferfeiern des Aṅgiras-Geschlechts wirkt die Hochweise; als Mahāmatī berühmt, wird sie als siebte Tochter genannt.

Wort für Wort
mahāmakheṣv āṅgirasī dīptimatsu mahāmatī mahāmatīti vikhyātā saptamī kathyate sutā
Bei den großen, glanzvollen Opferfeiern des Aṅgiras-Geschlechts wirkt die Hochweise; als Mahāmatī berühmt, wird sie als siebte Tochter genannt.

yāṃ tu dṛṣṭvā bhagavatīṃ janaḥ kuhukuhāyate ekānaṃśeti yām āhuḥ kuhūm aṅgirasaḥ sutām

Sie aber, die erhabene Herrin, bei deren Anblick die Menschen ‚kuhu-kuhu‘ rufen, nennt man auch Ekānaṃśā – sie ist Kuhū, die Tochter des Aṅgiras.“

Wort für Wort
yāṃ tu dṛṣṭvā bhagavatīṃ janaḥ kuhukuhāyate ekānaṃśeti yām āhuḥ kuhūm aṅgirasaḥ sutām
Sie aber, die erhabene Herrin, bei deren Anblick die Menschen ‚kuhu-kuhu‘ rufen, nennt man auch Ekānaṃśā – sie ist Kuhū, die Tochter des Aṅgiras.“

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