Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 257: Yudhiṣṭhiraśokaḥ Yudhiṣṭhiras Klage vor Mārkaṇḍeya

Auf Janamejayas Frage, wie es nach Draupadīs Entführung weiterging, berichtet Vaiśaṃpāyana, dass Yudhiṣṭhira sich nach der Befreiung Kṛṣṇās und dem Sieg über Jayadratha bei den versammelten Weisen aufhielt. Bekümmert wendet sich Yudhiṣṭhira an Mārkaṇḍeya, sinniert über die Macht von Zeit und Schicksal, verteidigt Draupadīs makellosen Dharma und fragt, ob es je einen unglücklicheren Menschen als ihn gegeben habe - eine Frage, die den Auftakt zu weiteren tröstenden Erzählungen Mārkaṇḍeyas bildet.

janamejaya uvāca evaṃ hṛtāyāṃ kṛṣṇāyāṃ prāpya kleśam anuttamam ata ūrdhvaṃ naravyāghrāḥ kim akurvata pāṇḍavāḥ

Janamejaya sprach: „Nachdem Kṛṣṇā so entführt und dieses unübertreffliche Leid erlitten worden war, was taten danach die Tiger unter den Männern, die Pāṇḍavas?“

Wort für Wort
janamejaya uvāca evaṃ hṛtāyāṃ kṛṣṇāyāṃ prāpya kleśam anuttamam ata ūrdhvaṃ naravyāghrāḥ kim akurvata pāṇḍavāḥ
Janamejaya sprach: „Nachdem Kṛṣṇā so entführt und dieses unübertreffliche Leid erlitten worden war, was taten danach die Tiger unter den Männern, die Pāṇḍavas?“

vaiśaṃpāyana uvāca evaṃ kṛṣṇāṃ mokṣayitvā vinirjitya jayadratham āsāṃ cakre munigaṇair dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ

Nachdem er Kṛṣṇā so befreit und Jayadratha besiegt hatte, verweilte der Rechtskönig Yudhiṣṭhira mit den Scharen der Weisen.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evaṃ kṛṣṇāṃ mokṣayitvā vinirjitya jayadratham āsāṃ cakre munigaṇair dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ
Nachdem er Kṛṣṇā so befreit und Jayadratha besiegt hatte, verweilte der Rechtskönig Yudhiṣṭhira mit den Scharen der Weisen.

teṣāṃ madhye maharṣīṇāṃ śṛṇvatām anuśocatām mārkaṇḍeyam idaṃ vākyam abravīt pāṇḍunandanaḥ

Inmitten jener großen Seher, die zuhörten und mittrauerten, sprach der Sproß Pāṇḍus zu Mārkaṇḍeya dieses Wort:

Wort für Wort
teṣāṃ madhye maharṣīṇāṃ śṛṇvatām anuśocatām mārkaṇḍeyam idaṃ vākyam abravīt pāṇḍunandanaḥ
Inmitten jener großen Seher, die zuhörten und mittrauerten, sprach der Sproß Pāṇḍus zu Mārkaṇḍeya dieses Wort:

manye kālaś ca balavān daivaṃ ca vidhinirmitam bhavitavyaṃ ca bhūtānāṃ yasya nāsti vyatikramaḥ

‚Ich glaube, dass die Zeit mächtig ist, und das Schicksal, vom Verhängnis geformt, und das Bestimmtsein der Wesen, dem es kein Entrinnen gibt.

Wort für Wort
manye kālaś ca balavān daivaṃ ca vidhinirmitam bhavitavyaṃ ca bhūtānāṃ yasya nāsti vyatikramaḥ
‚Ich glaube, dass die Zeit mächtig ist, und das Schicksal, vom Verhängnis geformt, und das Bestimmtsein der Wesen, dem es kein Entrinnen gibt.

kathaṃ hi patnīm asmākaṃ dharmajñāṃ dharmacāriṇīm saṃspṛśed īdṛśo bhāvaḥ śuciṃ stainyam ivānṛtam

Denn wie sollte ein solches Ereignis unsere Gattin, die den Dharma kennende, dem Dharma folgende, berühren - die Reine, wie ein Diebstahl die Wahrheit befleckt?

Wort für Wort
kathaṃ hi patnīm asmākaṃ dharmajñāṃ dharmacāriṇīm saṃspṛśed īdṛśo bhāvaḥ śuciṃ stainyam ivānṛtam
Denn wie sollte ein solches Ereignis unsere Gattin, die den Dharma kennende, dem Dharma folgende, berühren - die Reine, wie ein Diebstahl die Wahrheit befleckt?

na hi pāpaṃ kṛtaṃ kiṃ cit karma vā ninditaṃ kva cit draupadyā brāhmaṇeṣv eva dharmaḥ sucarito mahān

Denn nichts Böses hat sie je getan, keine tadelnswerte Tat irgendwo; einzig gegenüber den Brahmanen hat Draupadī großen, wohlvollzogenen Dharma geübt.

Wort für Wort
na hi pāpaṃ kṛtaṃ kiṃ cit karma vā ninditaṃ kva cit draupadyā brāhmaṇeṣv eva dharmaḥ sucarito mahān
Denn nichts Böses hat sie je getan, keine tadelnswerte Tat irgendwo; einzig gegenüber den Brahmanen hat Draupadī großen, wohlvollzogenen Dharma geübt.

tāṃ jahāra balād rājā mūḍhabuddhir jayadrathaḥ tasyāḥ saṃharaṇāt prāptaḥ śirasaḥ keśavāpanam parājayaṃ ca saṃgrāme sasahāyaḥ samāptavān

Sie raubte mit Gewalt der König, der törichte Jayadratha; für ihre Entführung erlangte er das Scheren seines Hauptes und, samt seinen Verbündeten, eine Niederlage im Kampf.

Wort für Wort
tāṃ jahāra balād rājā mūḍhabuddhir jayadrathaḥ tasyāḥ saṃharaṇāt prāptaḥ śirasaḥ keśavāpanam parājayaṃ ca saṃgrāme sasahāyaḥ samāptavān
Sie raubte mit Gewalt der König, der törichte Jayadratha; für ihre Entführung erlangte er das Scheren seines Hauptes und, samt seinen Verbündeten, eine Niederlage im Kampf.

pratyāhṛtā tathāsmābhir hatvā tat saindhavaṃ balam tad dāraharaṇaṃ prāptam asmābhir avitarkitam

Ebenso wurde sie von uns zurückgewonnen, nachdem wir jenes Sindhu-Heer erschlagen hatten; diese Entführung unserer Gattin haben wir, unerwartet, erlebt.

Wort für Wort
pratyāhṛtā tathāsmābhir hatvā tat saindhavaṃ balam tad dāraharaṇaṃ prāptam asmābhir avitarkitam
Ebenso wurde sie von uns zurückgewonnen, nachdem wir jenes Sindhu-Heer erschlagen hatten; diese Entführung unserer Gattin haben wir, unerwartet, erlebt.

duḥkhaś cāyaṃ vane vāso mṛgayāyāṃ ca jīvikā hiṃsā ca mṛgajātīnāṃ vanaukobhir vanaukasām jñātibhir vipravāsaś ca mithyā vyavasitair ayam

Und leidvoll ist dieser Aufenthalt im Wald, und das Leben von der Jagd, und die Gewalt gegen die Tierarten, ausgeübt von uns Waldbewohnern gegen die anderen Waldbewohner, und diese Verbannung von den Verwandten, verursacht durch ihre hinterlistigen Machenschaften.

Wort für Wort
duḥkhaś cāyaṃ vane vāso mṛgayāyāṃ ca jīvikā hiṃsā ca mṛgajātīnāṃ vanaukobhir vanaukasām jñātibhir vipravāsaś ca mithyā vyavasitair ayam
Und leidvoll ist dieser Aufenthalt im Wald, und das Leben von der Jagd, und die Gewalt gegen die Tierarten, ausgeübt von uns Waldbewohnern gegen die anderen Waldbewohner, und diese Verbannung von den Verwandten, verursacht durch ihre hinterlistigen Machenschaften.

asti nūnaṃ mayā kaś cid alpabhāgyataro naraḥ bhavatā dṛṣṭapūrvo vā śrutapūrvo 'pi vā bhavet

Gibt es wohl irgendeinen Menschen, unglücklicher als ich, den du früher gesehen oder auch nur früher gehört haben magst?‘

Wort für Wort
asti nūnaṃ mayā kaś cid alpabhāgyataro naraḥ bhavatā dṛṣṭapūrvo vā śrutapūrvo 'pi vā bhavet
Gibt es wohl irgendeinen Menschen, unglücklicher als ich, den du früher gesehen oder auch nur früher gehört haben magst?‘

Dieses Kapitel in der Leseansicht