Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 198: Vyādhagītā Die Lehre des Jägers (Vyādha-Gītā), erster Teil

Kauśika macht sich nach Mithilā auf, findet dort den Dharma-Vyādha (den rechtschaffenen Jäger), der ihm bereits von seiner Ankunft weiß. Der Jäger rechtfertigt zunächst seinen von der Familientradition vorgegebenen, scheinbar grausamen Beruf durch die Lehre vom eigenen, ererbten Stands-Dharma (svadharma) und durch den Hinweis auf die gerechte Herrschaft König Janakas, unter dem alle vier Stände ihrer Pflicht obliegen. Danach beginnt er, auf die Frage des Brahmanen, seine große Lehrrede über das Verhalten der wahrhaft Guten (śiṣṭācāra) – über Wahrheit, Gewaltlosigkeit, Selbstbeherrschung und die Reinigung von Sünde durch Reue und Umkehr zum Guten.

mārkaṇḍeya uvāca cintayitvā tad āścaryaṃ striyā proktam aśeṣataḥ vinindan sa dvijo 'tmānam āgaskṛta ivābabhau

Mārkaṇḍeya sprach: „Nachdem er über jenes Wunder nachgedacht hatte, das die Frau ihm vollständig verkündet hatte, tadelte sich der Zweifachgeborene selbst und erschien wie einer, der ein Vergehen begangen hat.

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca cintayitvā tad āścaryaṃ striyā proktam aśeṣataḥ vinindan sa dvijo 'tmānam āgaskṛta ivābabhau
Mārkaṇḍeya sprach: „Nachdem er über jenes Wunder nachgedacht hatte, das die Frau ihm vollständig verkündet hatte, tadelte sich der Zweifachgeborene selbst und erschien wie einer, der ein Vergehen begangen hat.

cintayānaḥ sa dharmasya sūkṣmāṃ gatim athābravīt śraddadhānena bhāvyaṃ vai gacchāmi mithilām aham

Über den feinen Gang des Dharma nachsinnend, sprach er darauf: ‚Man muss voll Vertrauen sein; ich werde nach Mithilā gehen.

Wort für Wort
cintayānaḥ sa dharmasya sūkṣmāṃ gatim athābravīt śraddadhānena bhāvyaṃ vai gacchāmi mithilām aham
Über den feinen Gang des Dharma nachsinnend, sprach er darauf: ‚Man muss voll Vertrauen sein; ich werde nach Mithilā gehen.

kṛtātmā dharmavit tasyāṃ vyādho nivasate kila taṃ gacchāmy aham adyaiva dharmaṃ praṣṭuṃ tapodhanam

Dort, so heißt es, wohnt ein selbstbeherrschter, dharmakundiger Jäger; zu ihm werde ich noch heute gehen, um jenen Asketen nach dem Dharma zu befragen.‘

Wort für Wort
kṛtātmā dharmavit tasyāṃ vyādho nivasate kila taṃ gacchāmy aham adyaiva dharmaṃ praṣṭuṃ tapodhanam
Dort, so heißt es, wohnt ein selbstbeherrschter, dharmakundiger Jäger; zu ihm werde ich noch heute gehen, um jenen Asketen nach dem Dharma zu befragen.‘

iti saṃcintya manasā śraddadhānaḥ striyā vacaḥ balākāpratyayenāsau dharmyaiś ca vacanaiḥ śubhaiḥ saṃpratasthe sa mithilāṃ kautūhalasamanvitaḥ

So im Geiste überlegend, dem Wort der Frau vertrauend, wegen des Vorfalls mit dem Kranich und wegen ihrer heilsamen, dharmagemäßen Worte, machte er sich auf nach Mithilā, von Neugier erfüllt.

Wort für Wort
iti saṃcintya manasā śraddadhānaḥ striyā vacaḥ balākāpratyayenāsau dharmyaiś ca vacanaiḥ śubhaiḥ saṃpratasthe sa mithilāṃ kautūhalasamanvitaḥ
So im Geiste überlegend, dem Wort der Frau vertrauend, wegen des Vorfalls mit dem Kranich und wegen ihrer heilsamen, dharmagemäßen Worte, machte er sich auf nach Mithilā, von Neugier erfüllt.

atikrāmann araṇyāni grāmāṃś ca nagarāṇi ca tato jagāma mithilāṃ janakena surakṣitām

Wälder, Dörfer und Städte durchquerend, gelangte er dann nach Mithilā, das von Janaka wohlbeschützt wurde.

Wort für Wort
atikrāmann araṇyāni grāmāṃś ca nagarāṇi ca tato jagāma mithilāṃ janakena surakṣitām
Wälder, Dörfer und Städte durchquerend, gelangte er dann nach Mithilā, das von Janaka wohlbeschützt wurde.

dharmasetusamākīrṇāṃ yajñotsavavatīṃ śubhām gopurāṭṭālakavatīṃ gṛhaprākāraśobhitām

Mithilā, reich an den Dämmen des Dharma, geschmückt mit Opferfesten, prächtig, mit Torbauten und Wachtürmen versehen, geschmückt mit Häusern und Ringmauern –

Wort für Wort
dharmasetusamākīrṇāṃ yajñotsavavatīṃ śubhām gopurāṭṭālakavatīṃ gṛhaprākāraśobhitām
Mithilā, reich an den Dämmen des Dharma, geschmückt mit Opferfesten, prächtig, mit Torbauten und Wachtürmen versehen, geschmückt mit Häusern und Ringmauern –

praviśya sa purīṃ ramyāṃ vimānair bahubhir vṛtām paṇyaiś ca bahubhir yuktāṃ suvibhaktamahāpathām

in diese liebliche Stadt trat er ein, die von vielen Prachtgebäuden umgeben war, reich an vielerlei Waren, mit wohlgegliederten Hauptstraßen,

Wort für Wort
praviśya sa purīṃ ramyāṃ vimānair bahubhir vṛtām paṇyaiś ca bahubhir yuktāṃ suvibhaktamahāpathām
in diese liebliche Stadt trat er ein, die von vielen Prachtgebäuden umgeben war, reich an vielerlei Waren, mit wohlgegliederten Hauptstraßen,

aśvai rathais tathā nāgair yānaiś ca bahubhir vṛtām hṛṣṭapuṣṭajanākīrṇāṃ nityotsavasamākulām

voll von Pferden, Wagen, Elefanten und vielerlei Fahrzeugen, erfüllt von fröhlichen, wohlgenährten Menschen, belebt von beständigen Festen.

Wort für Wort
aśvai rathais tathā nāgair yānaiś ca bahubhir vṛtām hṛṣṭapuṣṭajanākīrṇāṃ nityotsavasamākulām
voll von Pferden, Wagen, Elefanten und vielerlei Fahrzeugen, erfüllt von fröhlichen, wohlgenährten Menschen, belebt von beständigen Festen.

so 'paśyad bahuvṛttāntāṃ brāhmaṇaḥ samatikraman dharmavyādham apṛcchac ca sa cāsya kathito dvijaiḥ

Der Brahmane sah, wie er hindurchzog, das vielfältige Treiben der Stadt, und fragte nach dem Dharma-Jäger; und dieser wurde ihm von Brahmanen genannt.

Wort für Wort
so 'paśyad bahuvṛttāntāṃ brāhmaṇaḥ samatikraman dharmavyādham apṛcchac ca sa cāsya kathito dvijaiḥ
Der Brahmane sah, wie er hindurchzog, das vielfältige Treiben der Stadt, und fragte nach dem Dharma-Jäger; und dieser wurde ihm von Brahmanen genannt.

apaśyat tatra gatvā taṃ sūnāmadhye vyavasthitam mārgamāhiṣamāṃsāni vikrīṇantaṃ tapasvinam ākulatvāt tu kretṝṇām ekānte saṃsthito dvijaḥ

Dorthin gegangen, sah er ihn inmitten der Schlachterbuden stehen, wie der Asket Wildschwein- und Büffelfleisch verkaufte; wegen des Gedränges der Käufer stellte sich der Zweifachgeborene abseits.

Wort für Wort
apaśyat tatra gatvā taṃ sūnāmadhye vyavasthitam mārgamāhiṣamāṃsāni vikrīṇantaṃ tapasvinam ākulatvāt tu kretṝṇām ekānte saṃsthito dvijaḥ
Dorthin gegangen, sah er ihn inmitten der Schlachterbuden stehen, wie der Asket Wildschwein- und Büffelfleisch verkaufte; wegen des Gedränges der Käufer stellte sich der Zweifachgeborene abseits.

sa tu jñātvā dvijaṃ prāptaṃ sahasā saṃbhramotthitaḥ ājagāma yato vipraḥ sthita ekānta āsane

Als jener aber erkannte, dass ein Brahmane angekommen war, erhob er sich plötzlich in Bestürzung und kam dorthin, wo der Brahmane abseits an einem Platz stand.

Wort für Wort
sa tu jñātvā dvijaṃ prāptaṃ sahasā saṃbhramotthitaḥ ājagāma yato vipraḥ sthita ekānta āsane
Als jener aber erkannte, dass ein Brahmane angekommen war, erhob er sich plötzlich in Bestürzung und kam dorthin, wo der Brahmane abseits an einem Platz stand.

vyādha uvāca abhivādaye tvā bhagavan svāgataṃ te dvijottama ahaṃ vyādhas tu bhadraṃ te kiṃ karomi praśādhi mām

Der Jäger sprach: ‚Ich grüße dich ehrerbietig, Erhabener! Willkommen, du Bester der Zweifachgeborenen! Ich bin ein Jäger; Heil dir. Was soll ich tun? Gebiete mir.

Wort für Wort
vyādha uvāca abhivādaye tvā bhagavan svāgataṃ te dvijottama ahaṃ vyādhas tu bhadraṃ te kiṃ karomi praśādhi mām
Der Jäger sprach: ‚Ich grüße dich ehrerbietig, Erhabener! Willkommen, du Bester der Zweifachgeborenen! Ich bin ein Jäger; Heil dir. Was soll ich tun? Gebiete mir.

ekapatnyā yad ukto 'si gaccha tvaṃ mithilām iti jānāmy etad ahaṃ sarvaṃ yadarthaṃ tvam ihāgataḥ

Dass dir die einem einzigen Gatten treue Frau geraten hat, nach Mithilā zu gehen – dies alles weiß ich, und weshalb du hierher gekommen bist.‘

Wort für Wort
ekapatnyā yad ukto 'si gaccha tvaṃ mithilām iti jānāmy etad ahaṃ sarvaṃ yadarthaṃ tvam ihāgataḥ
Dass dir die einem einzigen Gatten treue Frau geraten hat, nach Mithilā zu gehen – dies alles weiß ich, und weshalb du hierher gekommen bist.‘

mārkaṇḍeya uvāca śrutvā tu tasya tad vākyaṃ sa vipro bhṛśaharṣitaḥ dvitīyam idam āścaryam ity acintayata dvijaḥ

Mārkaṇḍeya sprach: Als er dessen Worte gehört hatte, war der Brahmane tief erfreut; ‚Dies ist das zweite Wunder‘, so dachte der Zweifachgeborene.

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca śrutvā tu tasya tad vākyaṃ sa vipro bhṛśaharṣitaḥ dvitīyam idam āścaryam ity acintayata dvijaḥ
Mārkaṇḍeya sprach: Als er dessen Worte gehört hatte, war der Brahmane tief erfreut; ‚Dies ist das zweite Wunder‘, so dachte der Zweifachgeborene.

adeśasthaṃ hi te sthānam iti vyādho 'bravīd dvijam gṛhaṃ gacchāva bhagavan yadi rocayase 'nagha

‚Dieser Ort ist kein geeigneter Platz für dich‘, sagte der Jäger zum Brahmanen, ‚lass uns nach Hause gehen, Erhabener, wenn es dir beliebt, o Makelloser.‘

Wort für Wort
adeśasthaṃ hi te sthānam iti vyādho 'bravīd dvijam gṛhaṃ gacchāva bhagavan yadi rocayase 'nagha
‚Dieser Ort ist kein geeigneter Platz für dich‘, sagte der Jäger zum Brahmanen, ‚lass uns nach Hause gehen, Erhabener, wenn es dir beliebt, o Makelloser.‘

bāḍham ity eva saṃhṛṣṭo vipro vacanam abravīt agratas tu dvijaṃ kṛtvā sa jagāma gṛhān prati

‚So sei es‘, sprach der Brahmane erfreut; und der Jäger ließ den Brahmanen vorangehen und ging so seinem Hause zu.

Wort für Wort
bāḍham ity eva saṃhṛṣṭo vipro vacanam abravīt agratas tu dvijaṃ kṛtvā sa jagāma gṛhān prati
‚So sei es‘, sprach der Brahmane erfreut; und der Jäger ließ den Brahmanen vorangehen und ging so seinem Hause zu.

praviśya ca gṛhaṃ ramyam āsanenābhipūjitaḥ pādyam ācamanīyaṃ ca pratigṛhya dvijottamaḥ

Und nachdem er das liebliche Haus betreten hatte, wurde der Beste der Zweifachgeborenen mit einem Sitz geehrt und nahm Wasser für die Füße und zum Mundspülen entgegen.

Wort für Wort
praviśya ca gṛhaṃ ramyam āsanenābhipūjitaḥ pādyam ācamanīyaṃ ca pratigṛhya dvijottamaḥ
Und nachdem er das liebliche Haus betreten hatte, wurde der Beste der Zweifachgeborenen mit einem Sitz geehrt und nahm Wasser für die Füße und zum Mundspülen entgegen.

tataḥ sukhopaviṣṭas taṃ vyādhaṃ vacanam abravīt karmaitad vai na sadṛśaṃ bhavataḥ pratibhāti me anutapye bhṛśaṃ tāta tava ghoreṇa karmaṇā

Dann, bequem sitzend, sprach er zu dem Jäger dieses Wort: ‚Diese Arbeit scheint mir wahrlich nicht zu dir zu passen; ich leide sehr, mein Sohn, wegen deines schrecklichen Tuns.‘

Wort für Wort
tataḥ sukhopaviṣṭas taṃ vyādhaṃ vacanam abravīt karmaitad vai na sadṛśaṃ bhavataḥ pratibhāti me anutapye bhṛśaṃ tāta tava ghoreṇa karmaṇā
Dann, bequem sitzend, sprach er zu dem Jäger dieses Wort: ‚Diese Arbeit scheint mir wahrlich nicht zu dir zu passen; ich leide sehr, mein Sohn, wegen deines schrecklichen Tuns.‘

vyādha uvāca kulocitam idaṃ karma pitṛpaitāmahaṃ mama vartamānasya me dharme sve manyuṃ mā kṛthā dvija

Der Jäger sprach: ‚Diese Arbeit entspricht meiner Familie, sie stammt von meinem Vater und Großvater her; da ich in meinem eigenen Dharma verbleibe, fasse deswegen keinen Zorn, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
vyādha uvāca kulocitam idaṃ karma pitṛpaitāmahaṃ mama vartamānasya me dharme sve manyuṃ mā kṛthā dvija
Der Jäger sprach: ‚Diese Arbeit entspricht meiner Familie, sie stammt von meinem Vater und Großvater her; da ich in meinem eigenen Dharma verbleibe, fasse deswegen keinen Zorn, o Zweifachgeborener.

dhātrā tu vihitaṃ pūrvaṃ karma svaṃ pālayāmy aham prayatnāc ca gurū vṛddhau śuśrūṣe 'haṃ dvijottama

Die einst vom Schöpfer festgesetzte eigene Pflicht wahre ich; und mit Eifer diene ich meinen alten Lehrern (Eltern), du Bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
dhātrā tu vihitaṃ pūrvaṃ karma svaṃ pālayāmy aham prayatnāc ca gurū vṛddhau śuśrūṣe 'haṃ dvijottama
Die einst vom Schöpfer festgesetzte eigene Pflicht wahre ich; und mit Eifer diene ich meinen alten Lehrern (Eltern), du Bester der Zweifachgeborenen.

satyaṃ vade nābhyasūye yathāśakti dadāmi ca devatātithibhṛtyānām avaśiṣṭena vartaye

Ich rede die Wahrheit, ich neide niemandem, und ich gebe nach Vermögen; von dem, was für Götter, Gäste und Diener übrig bleibt, lebe ich.

Wort für Wort
satyaṃ vade nābhyasūye yathāśakti dadāmi ca devatātithibhṛtyānām avaśiṣṭena vartaye
Ich rede die Wahrheit, ich neide niemandem, und ich gebe nach Vermögen; von dem, was für Götter, Gäste und Diener übrig bleibt, lebe ich.

na kutsayāmy ahaṃ kiṃ cin na garhe balavattaram kṛtam anveti kartāraṃ purā karma dvijottama

Ich verachte nichts, ich tadle nichts, was mächtiger ist als ich; die frühere Tat folgt dem Täter, o Bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
na kutsayāmy ahaṃ kiṃ cin na garhe balavattaram kṛtam anveti kartāraṃ purā karma dvijottama
Ich verachte nichts, ich tadle nichts, was mächtiger ist als ich; die frühere Tat folgt dem Täter, o Bester der Zweifachgeborenen.

kṛṣigorakṣyavāṇijyam iha lokasya jīvanam daṇḍanītis trayī vidyā tena lokā bhavanty uta

Ackerbau, Viehzucht und Handel sind hier der Lebensunterhalt der Welt, ebenso die Staatskunst und das dreifache Wissen [der Veden]; dadurch bestehen die Welten.

Wort für Wort
kṛṣigorakṣyavāṇijyam iha lokasya jīvanam daṇḍanītis trayī vidyā tena lokā bhavanty uta
Ackerbau, Viehzucht und Handel sind hier der Lebensunterhalt der Welt, ebenso die Staatskunst und das dreifache Wissen [der Veden]; dadurch bestehen die Welten.

karma śūdre kṛṣir vaiśye saṃgrāmaḥ kṣatriye smṛtaḥ brahmacaryaṃ tapo mantrāḥ satyaṃ ca brāhmaṇe sadā

Dienstarbeit ist dem Śūdra, Ackerbau dem Vaiśya, Kampf gilt dem Kṣatriya als überliefert; Keuschheit, Askese, heilige Sprüche und Wahrheit obliegen stets dem Brahmanen.

Wort für Wort
karma śūdre kṛṣir vaiśye saṃgrāmaḥ kṣatriye smṛtaḥ brahmacaryaṃ tapo mantrāḥ satyaṃ ca brāhmaṇe sadā
Dienstarbeit ist dem Śūdra, Ackerbau dem Vaiśya, Kampf gilt dem Kṣatriya als überliefert; Keuschheit, Askese, heilige Sprüche und Wahrheit obliegen stets dem Brahmanen.

rājā praśāsti dharmeṇa svakarmaniratāḥ prajāḥ vikarmāṇaś ca ye ke cit tān yunakti svakarmasu

Der König regiert dem Dharma gemäß die Untertanen, die ihrer eigenen Pflicht obliegen; und wer sich pflichtwidrig verhält, den weist er zu seiner eigenen Pflicht an.

Wort für Wort
rājā praśāsti dharmeṇa svakarmaniratāḥ prajāḥ vikarmāṇaś ca ye ke cit tān yunakti svakarmasu
Der König regiert dem Dharma gemäß die Untertanen, die ihrer eigenen Pflicht obliegen; und wer sich pflichtwidrig verhält, den weist er zu seiner eigenen Pflicht an.

bhetavyaṃ hi sadā rājñāṃ prajānām adhipā hi te mārayanti vikarmasthaṃ lubdhā mṛgam iveṣubhiḥ

Fürwahr, vor den Königen muss man sich stets fürchten, denn sie sind die Herrscher der Untertanen; wer sich pflichtwidrig verhält, den töten sie, wie Jäger ein Wild mit Pfeilen.

Wort für Wort
bhetavyaṃ hi sadā rājñāṃ prajānām adhipā hi te mārayanti vikarmasthaṃ lubdhā mṛgam iveṣubhiḥ
Fürwahr, vor den Königen muss man sich stets fürchten, denn sie sind die Herrscher der Untertanen; wer sich pflichtwidrig verhält, den töten sie, wie Jäger ein Wild mit Pfeilen.

janakasyeha viprarṣe vikarmastho na vidyate svakarmaniratā varṇāś catvāro 'pi dvijottama

Hier bei Janaka, o weiser Seher, gibt es niemanden, der sich pflichtwidrig verhält; alle vier Stände obliegen ihrer eigenen Pflicht, du Bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
janakasyeha viprarṣe vikarmastho na vidyate svakarmaniratā varṇāś catvāro 'pi dvijottama
Hier bei Janaka, o weiser Seher, gibt es niemanden, der sich pflichtwidrig verhält; alle vier Stände obliegen ihrer eigenen Pflicht, du Bester der Zweifachgeborenen.

sa eṣa janako rājā durvṛttam api cet sutam daṇḍyaṃ daṇḍe nikṣipati tathā na glāti dhārmikam

Dieser König Janaka unterwirft selbst einen Sohn, der sich schlecht verhalten hat und der Strafe würdig ist, der Strafe; ebenso wird er nicht müde darin, den Rechtschaffenen [zu fördern].

Wort für Wort
sa eṣa janako rājā durvṛttam api cet sutam daṇḍyaṃ daṇḍe nikṣipati tathā na glāti dhārmikam
Dieser König Janaka unterwirft selbst einen Sohn, der sich schlecht verhalten hat und der Strafe würdig ist, der Strafe; ebenso wird er nicht müde darin, den Rechtschaffenen [zu fördern].

Die genaue Bedeutung von ‚na glāti dhārmikam‘ (‚er ermüdet nicht gegenüber dem Rechtschaffenen‘) ist im Sanskrit knapp; gemeint ist wohl, dass Janaka ebenso unnachgiebig im Belohnen und Schützen des Rechtschaffenen ist, wie im Bestrafen des Schuldigen.

suyuktacāro nṛpatiḥ sarvaṃ dharmeṇa paśyati śrīś ca rājyaṃ ca daṇḍaś ca kṣatriyāṇāṃ dvijottama

Der König, der seine Kundschafter gut einsetzt, sieht alles gemäß dem Dharma; Glanz, Königreich und Strafgewalt gehören den Kṣatriyas, du Bester der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
suyuktacāro nṛpatiḥ sarvaṃ dharmeṇa paśyati śrīś ca rājyaṃ ca daṇḍaś ca kṣatriyāṇāṃ dvijottama
Der König, der seine Kundschafter gut einsetzt, sieht alles gemäß dem Dharma; Glanz, Königreich und Strafgewalt gehören den Kṣatriyas, du Bester der Zweifachgeborenen.

rājāno hi svadharmeṇa śriyam icchanti bhūyasīm sarveṣām eva varṇānāṃ trātā rājā bhavaty uta

Die Könige begehren durch ihren eigenen Dharma reicheren Glanz; der König ist der Beschützer aller Stände.

Wort für Wort
rājāno hi svadharmeṇa śriyam icchanti bhūyasīm sarveṣām eva varṇānāṃ trātā rājā bhavaty uta
Die Könige begehren durch ihren eigenen Dharma reicheren Glanz; der König ist der Beschützer aller Stände.

pareṇa hi hatān brahman varāhamahiṣān aham na svayaṃ hanmi viprarṣe vikrīṇāmi sadā tv aham

Von einem anderen getötete Wildschweine und Büffel, o Brahmane – ich selbst töte sie nicht, weiser Seher; ich verkaufe sie nur stets.

Wort für Wort
pareṇa hi hatān brahman varāhamahiṣān aham na svayaṃ hanmi viprarṣe vikrīṇāmi sadā tv aham
Von einem anderen getötete Wildschweine und Büffel, o Brahmane – ich selbst töte sie nicht, weiser Seher; ich verkaufe sie nur stets.

na bhakṣayāmi māṃsāni ṛtugāmī tathā hy aham sadopavāsī ca tathā naktabhojī tathā dvija

Ich esse kein Fleisch, und ich nahe mich meiner Frau nur zur rechten Zeit; ich faste beständig und esse nur nachts, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
na bhakṣayāmi māṃsāni ṛtugāmī tathā hy aham sadopavāsī ca tathā naktabhojī tathā dvija
Ich esse kein Fleisch, und ich nahe mich meiner Frau nur zur rechten Zeit; ich faste beständig und esse nur nachts, o Zweifachgeborener.

aśīlaś cāpi puruṣo bhūtvā bhavati śīlavān prāṇihiṃsārataś cāpi bhavate dhārmikaḥ punaḥ

Auch ein Mensch ohne guten Charakter kann charaktervoll werden, und wer an der Verletzung von Lebewesen Freude hatte, kann wieder rechtschaffen werden.

Wort für Wort
aśīlaś cāpi puruṣo bhūtvā bhavati śīlavān prāṇihiṃsārataś cāpi bhavate dhārmikaḥ punaḥ
Auch ein Mensch ohne guten Charakter kann charaktervoll werden, und wer an der Verletzung von Lebewesen Freude hatte, kann wieder rechtschaffen werden.

vyabhicārān narendrāṇāṃ dharmaḥ saṃkīryate mahān adharmo vardhate cāpi saṃkīryante tathā prajāḥ

Durch das Fehlverhalten der Fürsten wird der große Dharma zerrüttet, und der Adharma wächst, und ebenso werden die Untertanen zerrüttet.

Wort für Wort
vyabhicārān narendrāṇāṃ dharmaḥ saṃkīryate mahān adharmo vardhate cāpi saṃkīryante tathā prajāḥ
Durch das Fehlverhalten der Fürsten wird der große Dharma zerrüttet, und der Adharma wächst, und ebenso werden die Untertanen zerrüttet.

uruṇḍā vāmanāḥ kubjāḥ sthūlaśīrṣās tathaiva ca klībāś cāndhāś ca jāyante badhirā lambacūcukāḥ pārthivānām adharmatvāt prajānām abhavaḥ sadā

Zwerge, Verwachsene, Bucklige und ebenso Großköpfige, Unfruchtbare und Blinde werden geboren, Taube und Menschen mit hängenden Brustwarzen – wegen der Dharmlosigkeit der Herrscher entstehen bei den Untertanen stets Missgeburten.

Wort für Wort
uruṇḍā vāmanāḥ kubjāḥ sthūlaśīrṣās tathaiva ca klībāś cāndhāś ca jāyante badhirā lambacūcukāḥ pārthivānām adharmatvāt prajānām abhavaḥ sadā
Zwerge, Verwachsene, Bucklige und ebenso Großköpfige, Unfruchtbare und Blinde werden geboren, Taube und Menschen mit hängenden Brustwarzen – wegen der Dharmlosigkeit der Herrscher entstehen bei den Untertanen stets Missgeburten.

sa eṣa rājā janakaḥ sarvaṃ dharmeṇa paśyati anugṛhṇan prajāḥ sarvāḥ svadharmaniratāḥ sadā

Dieser König Janaka sieht alles gemäß dem Dharma und begünstigt alle Untertanen, die stets ihrer eigenen Pflicht obliegen.

Wort für Wort
sa eṣa rājā janakaḥ sarvaṃ dharmeṇa paśyati anugṛhṇan prajāḥ sarvāḥ svadharmaniratāḥ sadā
Dieser König Janaka sieht alles gemäß dem Dharma und begünstigt alle Untertanen, die stets ihrer eigenen Pflicht obliegen.

ye caiva māṃ praśaṃsanti ye ca nindanti mānavāḥ sarvān supariṇītena karmaṇā toṣayāmy aham

Sowohl jene Menschen, die mich loben, als auch jene, die mich tadeln – alle stelle ich zufrieden durch wohlausgeführtes Handeln.

Wort für Wort
ye caiva māṃ praśaṃsanti ye ca nindanti mānavāḥ sarvān supariṇītena karmaṇā toṣayāmy aham
Sowohl jene Menschen, die mich loben, als auch jene, die mich tadeln – alle stelle ich zufrieden durch wohlausgeführtes Handeln.

ye jīvanti svadharmeṇa saṃbhuñjante ca pārthivāḥ na kiṃ cid upajīvanti dakṣā utthānaśīlinaḥ

Diejenigen, die nach ihrem eigenen Dharma leben und an denen die Herrscher teilhaben, hängen von nichts anderem ab, da sie tüchtig und tätigen Wesens sind.

Wort für Wort
ye jīvanti svadharmeṇa saṃbhuñjante ca pārthivāḥ na kiṃ cid upajīvanti dakṣā utthānaśīlinaḥ
Diejenigen, die nach ihrem eigenen Dharma leben und an denen die Herrscher teilhaben, hängen von nichts anderem ab, da sie tüchtig und tätigen Wesens sind.

śaktyānnadānaṃ satataṃ titikṣā dharmanityatā yathārhaṃ pratipūjā ca sarvabhūteṣu vai dayā tyāgān nānyatra martyānāṃ guṇās tiṣṭhanti pūruṣe

Speisespende nach Vermögen stets, Geduld, Beständigkeit im Dharma, gebührende Verehrung und Mitgefühl mit allen Wesen – nur durch Freigebigkeit, nicht anderswo, bestehen die Tugenden der Sterblichen im Menschen.

Wort für Wort
śaktyānnadānaṃ satataṃ titikṣā dharmanityatā yathārhaṃ pratipūjā ca sarvabhūteṣu vai dayā tyāgān nānyatra martyānāṃ guṇās tiṣṭhanti pūruṣe
Speisespende nach Vermögen stets, Geduld, Beständigkeit im Dharma, gebührende Verehrung und Mitgefühl mit allen Wesen – nur durch Freigebigkeit, nicht anderswo, bestehen die Tugenden der Sterblichen im Menschen.

mṛṣāvādaṃ pariharet kuryāt priyam ayācitaḥ na ca kāmān na saṃrambhān na dveṣād dharmam utsṛjet

Man soll Lüge meiden, Angenehmes tun, auch ungebeten; und weder aus Begierde noch aus Erregung noch aus Hass soll man den Dharma aufgeben.

Wort für Wort
mṛṣāvādaṃ pariharet kuryāt priyam ayācitaḥ na ca kāmān na saṃrambhān na dveṣād dharmam utsṛjet
Man soll Lüge meiden, Angenehmes tun, auch ungebeten; und weder aus Begierde noch aus Erregung noch aus Hass soll man den Dharma aufgeben.

priye nātibhṛśaṃ hṛṣyed apriye na ca saṃjvaret na muhyed arthakṛcchreṣu na ca dharmaṃ parityajet

Über Angenehmes soll man sich nicht allzu sehr freuen, über Unangenehmes nicht in Aufruhr geraten; in materiellen Nöten soll man nicht die Fassung verlieren und nicht den Dharma verlassen.

Wort für Wort
priye nātibhṛśaṃ hṛṣyed apriye na ca saṃjvaret na muhyed arthakṛcchreṣu na ca dharmaṃ parityajet
Über Angenehmes soll man sich nicht allzu sehr freuen, über Unangenehmes nicht in Aufruhr geraten; in materiellen Nöten soll man nicht die Fassung verlieren und nicht den Dharma verlassen.

karma cet kiṃ cid anyat syād itaran na samācaret yat kalyāṇam abhidhyāyet tatrātmānaṃ niyojayet

Wenn eine bestimmte Handlung ansteht, soll man keine andere ausführen; worauf man als heilsam sinnt, darin soll man sich selbst einsetzen.

Wort für Wort
karma cet kiṃ cid anyat syād itaran na samācaret yat kalyāṇam abhidhyāyet tatrātmānaṃ niyojayet
Wenn eine bestimmte Handlung ansteht, soll man keine andere ausführen; worauf man als heilsam sinnt, darin soll man sich selbst einsetzen.

na pāpaṃ prati pāpaḥ syāt sādhur eva sadā bhavet ātmanaiva hataḥ pāpo yaḥ pāpaṃ kartum icchati

Man soll Böses nicht mit Bösem vergelten, sondern stets gut sein; wer Böses tun will, ist schon durch sich selbst vernichtet.

Wort für Wort
na pāpaṃ prati pāpaḥ syāt sādhur eva sadā bhavet ātmanaiva hataḥ pāpo yaḥ pāpaṃ kartum icchati
Man soll Böses nicht mit Bösem vergelten, sondern stets gut sein; wer Böses tun will, ist schon durch sich selbst vernichtet.

karma caitad asādhūnāṃ vṛjinānām asādhuvat na dharmo 'stīti manvānāḥ śucīn avahasanti ye aśraddadhānā dharmasya te naśyanti na saṃśayaḥ

Dies ist das Tun der Unredlichen, der Verworfenen, gleich den Unredlichen; die, welche meinen, es gebe keinen Dharma, und die Reinen verspotten – jene, die dem Dharma nicht vertrauen, gehen zweifellos zugrunde.

Wort für Wort
karma caitad asādhūnāṃ vṛjinānām asādhuvat na dharmo 'stīti manvānāḥ śucīn avahasanti ye aśraddadhānā dharmasya te naśyanti na saṃśayaḥ
Dies ist das Tun der Unredlichen, der Verworfenen, gleich den Unredlichen; die, welche meinen, es gebe keinen Dharma, und die Reinen verspotten – jene, die dem Dharma nicht vertrauen, gehen zweifellos zugrunde.

mahādṛtir ivādhmātaḥ pāpo bhavati nityadā mūḍhānām avaliptānām asāraṃ bhāṣitaṃ bhavet darśayaty antarātmānaṃ divā rūpam ivāṃśumān

Wie ein großer aufgeblähter Schlauch ist der Böse stets angeschwollen von Stolz; das Gerede der Verblendeten und Hochmütigen ist gehaltlos; doch wie die Sonne bei Tage die Gestalt der Dinge offenbart, so offenbart sich das innere Selbst eines jeden.

Wort für Wort
mahādṛtir ivādhmātaḥ pāpo bhavati nityadā mūḍhānām avaliptānām asāraṃ bhāṣitaṃ bhavet darśayaty antarātmānaṃ divā rūpam ivāṃśumān
Wie ein großer aufgeblähter Schlauch ist der Böse stets angeschwollen von Stolz; das Gerede der Verblendeten und Hochmütigen ist gehaltlos; doch wie die Sonne bei Tage die Gestalt der Dinge offenbart, so offenbart sich das innere Selbst eines jeden.

na loke rājate mūrkhaḥ kevalātmapraśaṃsayā api ceha mṛjā hīnaḥ kṛtavidyaḥ prakāśate

Der Tor erstrahlt in der Welt nicht durch bloßes Eigenlob; doch auch ohne äußeren Schmuck erstrahlt hier, wer sich Wissen erworben hat.

Wort für Wort
na loke rājate mūrkhaḥ kevalātmapraśaṃsayā api ceha mṛjā hīnaḥ kṛtavidyaḥ prakāśate
Der Tor erstrahlt in der Welt nicht durch bloßes Eigenlob; doch auch ohne äußeren Schmuck erstrahlt hier, wer sich Wissen erworben hat.

abruvan kasya cin nindām ātmapūjām avarṇayan na kaś cid guṇasaṃpannaḥ prakāśo bhuvi dṛśyate

Ohne jemanden zu tadeln, ohne sich selbst zu rühmen – so tritt kein mit Tugenden Begabter auf Erden als bloß äußerlich Glänzender in Erscheinung.

Wort für Wort
abruvan kasya cin nindām ātmapūjām avarṇayan na kaś cid guṇasaṃpannaḥ prakāśo bhuvi dṛśyate
Ohne jemanden zu tadeln, ohne sich selbst zu rühmen – so tritt kein mit Tugenden Begabter auf Erden als bloß äußerlich Glänzender in Erscheinung.

Der genaue Sinn dieses knappen Sanskrit-Verses [?] bleibt etwas unklar; gemeint ist wohl, dass wahre Tugend keiner Zurschaustellung durch Tadel anderer oder Eigenlob bedarf.

vikarmaṇā tapyamānaḥ pāpād viparimucyate naitat kuryāṃ punar iti dvitīyāt parimucyate

Wer sich wegen einer Missetat quält, wird von der Sünde befreit; und wer sich vornimmt, dies nicht wieder zu tun, wird von einer zweiten Sünde befreit.

Wort für Wort
vikarmaṇā tapyamānaḥ pāpād viparimucyate naitat kuryāṃ punar iti dvitīyāt parimucyate
Wer sich wegen einer Missetat quält, wird von der Sünde befreit; und wer sich vornimmt, dies nicht wieder zu tun, wird von einer zweiten Sünde befreit.

karmaṇā yena teneha pāpād dvijavarottama evaṃ śrutir iyaṃ brahman dharmeṣu paridṛśyate

Durch welches Tun auch immer man hier von der Sünde befreit wird, o Bester der Zweifachgeborenen – so wird diese Lehrüberlieferung, o Brahmane, in den Dharma-Schriften erblickt.

Wort für Wort
karmaṇā yena teneha pāpād dvijavarottama evaṃ śrutir iyaṃ brahman dharmeṣu paridṛśyate
Durch welches Tun auch immer man hier von der Sünde befreit wird, o Bester der Zweifachgeborenen – so wird diese Lehrüberlieferung, o Brahmane, in den Dharma-Schriften erblickt.

pāpāny abuddhveha purā kṛtāni prāg dharmaśīlo vinihanti paścāt dharmo brahman nudate pūruṣāṇāṃ yat kurvate pāpam iha pramādāt

Sünden, die man einst unwissentlich begangen hat, vertreibt späterhin, wer zuvor dharmakundigen Wesens war; der Dharma, o Brahmane, stößt das ab, was die Menschen hier aus Unachtsamkeit an Sünde begehen.

Wort für Wort
pāpāny abuddhveha purā kṛtāni prāg dharmaśīlo vinihanti paścāt dharmo brahman nudate pūruṣāṇāṃ yat kurvate pāpam iha pramādāt
Sünden, die man einst unwissentlich begangen hat, vertreibt späterhin, wer zuvor dharmakundigen Wesens war; der Dharma, o Brahmane, stößt das ab, was die Menschen hier aus Unachtsamkeit an Sünde begehen.

pāpaṃ kṛtvā hi manyeta nāham asmīti pūruṣaḥ cikīrṣed eva kalyāṇaṃ śraddadhāno 'nasūyakaḥ

Denn wenn ein Mensch, nachdem er eine Sünde begangen hat, erkennt, dass dies nicht seinem wahren Wesen entspricht, soll er, voll Vertrauen und ohne Missgunst, fortan nur Gutes zu tun trachten.

Wort für Wort
pāpaṃ kṛtvā hi manyeta nāham asmīti pūruṣaḥ cikīrṣed eva kalyāṇaṃ śraddadhāno 'nasūyakaḥ
Denn wenn ein Mensch, nachdem er eine Sünde begangen hat, erkennt, dass dies nicht seinem wahren Wesen entspricht, soll er, voll Vertrauen und ohne Missgunst, fortan nur Gutes zu tun trachten.

vasanasyeva chidrāṇi sādhūnāṃ vivṛṇoti yaḥ pāpaṃ cet puruṣaḥ kṛtvā kalyāṇam abhipadyate mucyate sarvapāpebhyo mahābhrair iva candramāḥ

Wer seine Fehler vor den Guten offenlegt, wie man die Löcher eines Gewandes nicht verbirgt – wenn ein solcher Mensch, nachdem er Böses getan hat, sich dem Guten zuwendet, wird er von aller Sünde befreit, wie der Mond von großen Wolken.

Wort für Wort
vasanasyeva chidrāṇi sādhūnāṃ vivṛṇoti yaḥ pāpaṃ cet puruṣaḥ kṛtvā kalyāṇam abhipadyate mucyate sarvapāpebhyo mahābhrair iva candramāḥ
Wer seine Fehler vor den Guten offenlegt, wie man die Löcher eines Gewandes nicht verbirgt – wenn ein solcher Mensch, nachdem er Böses getan hat, sich dem Guten zuwendet, wird er von aller Sünde befreit, wie der Mond von großen Wolken.

Die Wendung ‚wie die Löcher eines Gewandes offenlegen‘ [?] ist im Sanskrit knapp; sie wird hier im Sinne eines offenen Eingeständnisses der eigenen Fehler vor den Guten gedeutet, passend zum Thema der vorangehenden Verse über Reue und Läuterung.

yathādityaḥ samudyan vai tamaḥ sarvaṃ vyapohati evaṃ kalyāṇam ātiṣṭhan sarvapāpaiḥ pramucyate

Wie die aufgehende Sonne alle Finsternis vertreibt, so wird, wer sich dem Guten zuwendet, von aller Sünde befreit.

Wort für Wort
yathādityaḥ samudyan vai tamaḥ sarvaṃ vyapohati evaṃ kalyāṇam ātiṣṭhan sarvapāpaiḥ pramucyate
Wie die aufgehende Sonne alle Finsternis vertreibt, so wird, wer sich dem Guten zuwendet, von aller Sünde befreit.

pāpānāṃ viddhy adhiṣṭhānaṃ lobham eva dvijottama lubdhāḥ pāpaṃ vyavasyanti narā nātibahuśrutāḥ adharmā dharmarūpeṇa tṛṇaiḥ kūpā ivāvṛtāḥ

Wisse, dass die Grundlage der Sünden allein die Habgier ist, o Bester der Zweifachgeborenen; habgierige, nicht sehr gelehrte Menschen entschließen sich zur Sünde – Dharmlose, die, in der Gestalt des Dharma, wie Brunnen mit Gras überdeckt sind.

Wort für Wort
pāpānāṃ viddhy adhiṣṭhānaṃ lobham eva dvijottama lubdhāḥ pāpaṃ vyavasyanti narā nātibahuśrutāḥ adharmā dharmarūpeṇa tṛṇaiḥ kūpā ivāvṛtāḥ
Wisse, dass die Grundlage der Sünden allein die Habgier ist, o Bester der Zweifachgeborenen; habgierige, nicht sehr gelehrte Menschen entschließen sich zur Sünde – Dharmlose, die, in der Gestalt des Dharma, wie Brunnen mit Gras überdeckt sind.

teṣāṃ damaḥ pavitrāṇi pralāpā dharmasaṃśritāḥ sarvaṃ hi vidyate teṣu śiṣṭācāraḥ sudurlabhaḥ

Bei ihnen findet man Selbstbeherrschung, Reinheitsvorschriften, Geschwätz, das sich auf den Dharma beruft – all dies findet sich bei ihnen; doch das Verhalten der wahrhaft Guten ist überaus schwer zu finden.‘

Wort für Wort
teṣāṃ damaḥ pavitrāṇi pralāpā dharmasaṃśritāḥ sarvaṃ hi vidyate teṣu śiṣṭācāraḥ sudurlabhaḥ
Bei ihnen findet man Selbstbeherrschung, Reinheitsvorschriften, Geschwätz, das sich auf den Dharma beruft – all dies findet sich bei ihnen; doch das Verhalten der wahrhaft Guten ist überaus schwer zu finden.‘

mārkaṇḍeya uvāca sa tu vipro mahāprājño dharmavyādham apṛcchata śiṣṭācāraṃ katham ahaṃ vidyām iti narottama etan mahāmate vyādha prabravīhi yathātatham

Mārkaṇḍeya sprach: Da fragte jener überaus weise Brahmane den Dharma-Jäger: ‚Wie kann ich das Verhalten der wahrhaft Guten erkennen, du Bester der Menschen? Dies, o Großgeistiger, o Jäger, verkünde mir der Wahrheit gemäß.‘

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca sa tu vipro mahāprājño dharmavyādham apṛcchata śiṣṭācāraṃ katham ahaṃ vidyām iti narottama etan mahāmate vyādha prabravīhi yathātatham
Mārkaṇḍeya sprach: Da fragte jener überaus weise Brahmane den Dharma-Jäger: ‚Wie kann ich das Verhalten der wahrhaft Guten erkennen, du Bester der Menschen? Dies, o Großgeistiger, o Jäger, verkünde mir der Wahrheit gemäß.‘

vyādha uvāca yajño dānaṃ tapo vedāḥ satyaṃ ca dvijasattama pañcaitāni pavitrāṇi śiṣṭācāreṣu nityadā

Der Jäger sprach: ‚Opfer, Freigebigkeit, Askese, die Veden und Wahrheit, o Bester der Zweifachgeborenen – diese fünf sind stets die reinigenden Merkmale im Verhalten der wahrhaft Guten.

Wort für Wort
vyādha uvāca yajño dānaṃ tapo vedāḥ satyaṃ ca dvijasattama pañcaitāni pavitrāṇi śiṣṭācāreṣu nityadā
Der Jäger sprach: ‚Opfer, Freigebigkeit, Askese, die Veden und Wahrheit, o Bester der Zweifachgeborenen – diese fünf sind stets die reinigenden Merkmale im Verhalten der wahrhaft Guten.

kāmakrodhau vaśe kṛtvā dambhaṃ lobham anārjavam dharma ity eva saṃtuṣṭās te śiṣṭāḥ śiṣṭasaṃmatāḥ

Begierde und Zorn bezähmend, Heuchelei, Habgier und Unaufrichtigkeit meidend, allein am Dharma zufrieden – das sind die wahrhaft Guten, von den Guten anerkannt.

Wort für Wort
kāmakrodhau vaśe kṛtvā dambhaṃ lobham anārjavam dharma ity eva saṃtuṣṭās te śiṣṭāḥ śiṣṭasaṃmatāḥ
Begierde und Zorn bezähmend, Heuchelei, Habgier und Unaufrichtigkeit meidend, allein am Dharma zufrieden – das sind die wahrhaft Guten, von den Guten anerkannt.

na teṣāṃ vidyate 'vṛttaṃ yajñasvādhyāyaśīlinām ācārapālanaṃ caiva dvitīyaṃ śiṣṭalakṣaṇam

Bei ihnen, die dem Opfer und dem Vedastudium zugetan sind, findet sich kein Mangel an rechtem Wandel; und die Wahrung des rechten Brauchs ist das zweite Merkmal der wahrhaft Guten.

Wort für Wort
na teṣāṃ vidyate 'vṛttaṃ yajñasvādhyāyaśīlinām ācārapālanaṃ caiva dvitīyaṃ śiṣṭalakṣaṇam
Bei ihnen, die dem Opfer und dem Vedastudium zugetan sind, findet sich kein Mangel an rechtem Wandel; und die Wahrung des rechten Brauchs ist das zweite Merkmal der wahrhaft Guten.

guruśuśrūṣaṇaṃ satyam akrodho dānam eva ca etac catuṣṭayaṃ brahmañ śiṣṭācāreṣu nityadā

Dienst am Lehrer, Wahrheit, Freiheit von Zorn und Freigebigkeit – diese vier, o Brahmane, kennzeichnen stets das Verhalten der wahrhaft Guten.

Wort für Wort
guruśuśrūṣaṇaṃ satyam akrodho dānam eva ca etac catuṣṭayaṃ brahmañ śiṣṭācāreṣu nityadā
Dienst am Lehrer, Wahrheit, Freiheit von Zorn und Freigebigkeit – diese vier, o Brahmane, kennzeichnen stets das Verhalten der wahrhaft Guten.

śiṣṭācāre manaḥ kṛtvā pratiṣṭhāpya ca sarvaśaḥ yām ayaṃ labhate tuṣṭiṃ sā na śakyā hy ato 'nyathā

Wer seinen Geist auf das Verhalten der Guten richtet und ihn darin völlig festigt, erlangt eine Zufriedenheit, die auf keine andere Weise zu erlangen ist.

Wort für Wort
śiṣṭācāre manaḥ kṛtvā pratiṣṭhāpya ca sarvaśaḥ yām ayaṃ labhate tuṣṭiṃ sā na śakyā hy ato 'nyathā
Wer seinen Geist auf das Verhalten der Guten richtet und ihn darin völlig festigt, erlangt eine Zufriedenheit, die auf keine andere Weise zu erlangen ist.

vedasyopaniṣat satyaṃ satyasyopaniṣad damaḥ damasyopaniṣat tyāgaḥ śiṣṭācāreṣu nityadā

Das Geheimnis der Veden ist die Wahrheit, das Geheimnis der Wahrheit ist Selbstbeherrschung, das Geheimnis der Selbstbeherrschung ist Entsagung – so ist es stets im Verhalten der wahrhaft Guten.

Wort für Wort
vedasyopaniṣat satyaṃ satyasyopaniṣad damaḥ damasyopaniṣat tyāgaḥ śiṣṭācāreṣu nityadā
Das Geheimnis der Veden ist die Wahrheit, das Geheimnis der Wahrheit ist Selbstbeherrschung, das Geheimnis der Selbstbeherrschung ist Entsagung – so ist es stets im Verhalten der wahrhaft Guten.

ye tu dharmam asūyante buddhimohānvitā narāḥ apathā gacchatāṃ teṣām anuyātāpi pīḍyate

Diejenigen Menschen aber, die, von Verblendung des Verstandes befangen, den Dharma missgünstig ablehnen – selbst wer ihnen, die auf falschen Wegen gehen, nachfolgt, wird gepeinigt.

Wort für Wort
ye tu dharmam asūyante buddhimohānvitā narāḥ apathā gacchatāṃ teṣām anuyātāpi pīḍyate
Diejenigen Menschen aber, die, von Verblendung des Verstandes befangen, den Dharma missgünstig ablehnen – selbst wer ihnen, die auf falschen Wegen gehen, nachfolgt, wird gepeinigt.

ye tu śiṣṭāḥ suniyatāḥ śrutityāgaparāyaṇāḥ dharmyaṃ panthānam ārūḍhāḥ satyadharmaparāyaṇāḥ

Diejenigen aber, die wahrhaft Guten, wohlbeherrschten, dem Vedastudium und der Entsagung ergebenen, die den Pfad des Dharma beschritten haben, der Wahrheit und dem Dharma zugetan,

Wort für Wort
ye tu śiṣṭāḥ suniyatāḥ śrutityāgaparāyaṇāḥ dharmyaṃ panthānam ārūḍhāḥ satyadharmaparāyaṇāḥ
Diejenigen aber, die wahrhaft Guten, wohlbeherrschten, dem Vedastudium und der Entsagung ergebenen, die den Pfad des Dharma beschritten haben, der Wahrheit und dem Dharma zugetan,

niyacchanti parāṃ buddhiṃ śiṣṭācārānvitā narāḥ upādhyāyamate yuktāḥ sthityā dharmārthadarśinaḥ

diese Menschen, dem Verhalten der Guten verbunden, bezähmen ihren höchsten Verstand, folgen der Lehre ihres Meisters und erkennen durch Beständigkeit Dharma und Nutzen.

Wort für Wort
niyacchanti parāṃ buddhiṃ śiṣṭācārānvitā narāḥ upādhyāyamate yuktāḥ sthityā dharmārthadarśinaḥ
diese Menschen, dem Verhalten der Guten verbunden, bezähmen ihren höchsten Verstand, folgen der Lehre ihres Meisters und erkennen durch Beständigkeit Dharma und Nutzen.

nāstikān bhinnamaryādān krūrān pāpamatau sthitān tyaja tāñ jñānam āśritya dhārmikān upasevya ca

Die Gottlosen, die die Grenzen des rechten Verhaltens überschreiten, die Grausamen, die in böser Gesinnung verharren – verlasse sie, gestützt auf Erkenntnis, und diene stattdessen den Rechtschaffenen.

Wort für Wort
nāstikān bhinnamaryādān krūrān pāpamatau sthitān tyaja tāñ jñānam āśritya dhārmikān upasevya ca
Die Gottlosen, die die Grenzen des rechten Verhaltens überschreiten, die Grausamen, die in böser Gesinnung verharren – verlasse sie, gestützt auf Erkenntnis, und diene stattdessen den Rechtschaffenen.

kāmalobhagrahākīrṇāṃ pañcendriyajalāṃ nadīm nāvaṃ dhṛtimayīṃ kṛtvā janmadurgāṇi saṃtara

Den Fluss, der von den Krokodilen der Begierde und Habgier erfüllt ist und dessen Wasser die fünf Sinne sind, durchquere, indem du ihn zu einem Boot der Standhaftigkeit machst, und überwinde so die Gefahren der Geburten.

Wort für Wort
kāmalobhagrahākīrṇāṃ pañcendriyajalāṃ nadīm nāvaṃ dhṛtimayīṃ kṛtvā janmadurgāṇi saṃtara
Den Fluss, der von den Krokodilen der Begierde und Habgier erfüllt ist und dessen Wasser die fünf Sinne sind, durchquere, indem du ihn zu einem Boot der Standhaftigkeit machst, und überwinde so die Gefahren der Geburten.

krameṇa saṃcito dharmo buddhiyogamayo mahān śiṣṭācāre bhavet sādhū rāgaḥ śukleva vāsasi

Der Dharma, der Schritt für Schritt angehäuft wird, groß, aus der Verbindung mit dem Verstand bestehend, sollte im Verhalten der Guten gut haften, wie Farbe an weißem Gewand.

Wort für Wort
krameṇa saṃcito dharmo buddhiyogamayo mahān śiṣṭācāre bhavet sādhū rāgaḥ śukleva vāsasi
Der Dharma, der Schritt für Schritt angehäuft wird, groß, aus der Verbindung mit dem Verstand bestehend, sollte im Verhalten der Guten gut haften, wie Farbe an weißem Gewand.

ahiṃsā satyavacanaṃ sarvabhūtahitaṃ param ahiṃsā paramo dharmaḥ sa ca satye pratiṣṭhitaḥ satye kṛtvā pratiṣṭhāṃ tu pravartante pravṛttayaḥ

Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, das höchste Wohl aller Wesen – Gewaltlosigkeit ist der höchste Dharma, und dieser gründet in der Wahrheit; erst wenn man in der Wahrheit gegründet ist, kommen rechte Handlungen in Gang.

Wort für Wort
ahiṃsā satyavacanaṃ sarvabhūtahitaṃ param ahiṃsā paramo dharmaḥ sa ca satye pratiṣṭhitaḥ satye kṛtvā pratiṣṭhāṃ tu pravartante pravṛttayaḥ
Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, das höchste Wohl aller Wesen – Gewaltlosigkeit ist der höchste Dharma, und dieser gründet in der Wahrheit; erst wenn man in der Wahrheit gegründet ist, kommen rechte Handlungen in Gang.

satyam eva garīyas tu śiṣṭācāraniṣevitam ācāraś ca satāṃ dharmaḥ santaś cācāralakṣaṇāḥ

Die Wahrheit allein ist das Erhabenste, gepflegt im Verhalten der wahrhaft Guten; der Brauch der Guten ist der Dharma, und die Guten sind durch ihren Brauch gekennzeichnet.

Wort für Wort
satyam eva garīyas tu śiṣṭācāraniṣevitam ācāraś ca satāṃ dharmaḥ santaś cācāralakṣaṇāḥ
Die Wahrheit allein ist das Erhabenste, gepflegt im Verhalten der wahrhaft Guten; der Brauch der Guten ist der Dharma, und die Guten sind durch ihren Brauch gekennzeichnet.

yo yathāprakṛtir jantuḥ svāṃ svāṃ prakṛtim aśnute pāpātmā krodhakāmādīn doṣān āpnoty anātmavān

Jedes Wesen erlangt, wie es seiner Natur entsprechend beschaffen ist, seine eigene Natur; der Böswillige, der sich nicht beherrscht, verfällt den Fehlern von Zorn, Begierde und dergleichen.

Wort für Wort
yo yathāprakṛtir jantuḥ svāṃ svāṃ prakṛtim aśnute pāpātmā krodhakāmādīn doṣān āpnoty anātmavān
Jedes Wesen erlangt, wie es seiner Natur entsprechend beschaffen ist, seine eigene Natur; der Böswillige, der sich nicht beherrscht, verfällt den Fehlern von Zorn, Begierde und dergleichen.

ārambho nyāyayukto yaḥ sa hi dharma iti smṛtaḥ anācāras tv adharmeti etac chiṣṭānuśāsanam

Ein Unternehmen, das mit rechter Ordnung verbunden ist, gilt als Dharma; schlechter Brauch aber als Adharma – dies ist die Unterweisung der wahrhaft Guten.

Wort für Wort
ārambho nyāyayukto yaḥ sa hi dharma iti smṛtaḥ anācāras tv adharmeti etac chiṣṭānuśāsanam
Ein Unternehmen, das mit rechter Ordnung verbunden ist, gilt als Dharma; schlechter Brauch aber als Adharma – dies ist die Unterweisung der wahrhaft Guten.

akrudhyanto 'nasūyanto nirahaṃkāramatsarāḥ ṛjavaḥ śamasaṃpannāḥ śiṣṭācārā bhavanti te

Nicht zornig, nicht missgünstig, frei von Eigendünkel und Neid, aufrichtig, mit innerem Frieden ausgestattet – solche sind es, die dem Verhalten der wahrhaft Guten folgen.

Wort für Wort
akrudhyanto 'nasūyanto nirahaṃkāramatsarāḥ ṛjavaḥ śamasaṃpannāḥ śiṣṭācārā bhavanti te
Nicht zornig, nicht missgünstig, frei von Eigendünkel und Neid, aufrichtig, mit innerem Frieden ausgestattet – solche sind es, die dem Verhalten der wahrhaft Guten folgen.

traividyavṛddhāḥ śucayo vṛttavanto manasvinaḥ guruśuśrūṣavo dāntāḥ śiṣṭācārā bhavanty uta

In den drei Veden bewandert, rein, von gutem Wandel, geistvoll, dem Lehrer dienend, selbstbeherrscht – auch solche sind es, die dem Verhalten der wahrhaft Guten folgen.

Wort für Wort
traividyavṛddhāḥ śucayo vṛttavanto manasvinaḥ guruśuśrūṣavo dāntāḥ śiṣṭācārā bhavanty uta
In den drei Veden bewandert, rein, von gutem Wandel, geistvoll, dem Lehrer dienend, selbstbeherrscht – auch solche sind es, die dem Verhalten der wahrhaft Guten folgen.

teṣām adīnasattvānāṃ duṣkarācārakarmaṇām svaiḥ karmabhiḥ satkṛtānāṃ ghoratvaṃ saṃpraṇaśyati

Bei ihnen, die nicht kleinmütigen Wesens sind, deren Handeln schwer zu vollbringen ist, die durch ihre eigenen Taten geehrt sind, schwindet alle Schrecklichkeit gänzlich.

Wort für Wort
teṣām adīnasattvānāṃ duṣkarācārakarmaṇām svaiḥ karmabhiḥ satkṛtānāṃ ghoratvaṃ saṃpraṇaśyati
Bei ihnen, die nicht kleinmütigen Wesens sind, deren Handeln schwer zu vollbringen ist, die durch ihre eigenen Taten geehrt sind, schwindet alle Schrecklichkeit gänzlich.

taṃ sadācāram āścaryaṃ purāṇaṃ śāśvataṃ dhruvam dharmaṃ dharmeṇa paśyantaḥ svargaṃ yānti manīṣiṇaḥ

Diesen wunderbaren, uralten, ewigen, beständigen rechten Brauch – die Weisen, die den Dharma mit rechter Erkenntnis betrachten, gelangen zum Himmel.

Wort für Wort
taṃ sadācāram āścaryaṃ purāṇaṃ śāśvataṃ dhruvam dharmaṃ dharmeṇa paśyantaḥ svargaṃ yānti manīṣiṇaḥ
Diesen wunderbaren, uralten, ewigen, beständigen rechten Brauch – die Weisen, die den Dharma mit rechter Erkenntnis betrachten, gelangen zum Himmel.

āstikā mānahīnāś ca dvijātijanapūjakāḥ śrutavṛttopasaṃpannāḥ te santaḥ svargagāminaḥ

Gottesfürchtig und frei von Hochmut, die Verehrer der Zweifachgeborenen, ausgestattet mit Gelehrsamkeit und gutem Wandel – sie, die wahrhaft Guten, gelangen zum Himmel.

Wort für Wort
āstikā mānahīnāś ca dvijātijanapūjakāḥ śrutavṛttopasaṃpannāḥ te santaḥ svargagāminaḥ
Gottesfürchtig und frei von Hochmut, die Verehrer der Zweifachgeborenen, ausgestattet mit Gelehrsamkeit und gutem Wandel – sie, die wahrhaft Guten, gelangen zum Himmel.

vedoktaḥ paramo dharmo dharmaśāstreṣu cāparaḥ śiṣṭācīrṇaś ca śiṣṭānāṃ trividhaṃ dharmalakṣaṇam

Der höchste Dharma ist der in den Veden verkündete, ein zweiter der in den Dharma-Schriften gelehrte, und der von den wahrhaft Guten geübte – dies ist das dreifache Merkmal des Dharma.

Wort für Wort
vedoktaḥ paramo dharmo dharmaśāstreṣu cāparaḥ śiṣṭācīrṇaś ca śiṣṭānāṃ trividhaṃ dharmalakṣaṇam
Der höchste Dharma ist der in den Veden verkündete, ein zweiter der in den Dharma-Schriften gelehrte, und der von den wahrhaft Guten geübte – dies ist das dreifache Merkmal des Dharma.

pāraṇaṃ cāpi vidyānāṃ tīrthānām avagāhanam kṣamā satyārjavaṃ śaucaṃ śiṣṭācāranidarśanam

Die Vollendung der Wissenschaften, das Eintauchen in heilige Furten, Geduld, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Reinheit – dies zeigt das Verhalten der wahrhaft Guten an.

Wort für Wort
pāraṇaṃ cāpi vidyānāṃ tīrthānām avagāhanam kṣamā satyārjavaṃ śaucaṃ śiṣṭācāranidarśanam
Die Vollendung der Wissenschaften, das Eintauchen in heilige Furten, Geduld, Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit und Reinheit – dies zeigt das Verhalten der wahrhaft Guten an.

sarvabhūtadayāvanto ahiṃsāniratāḥ sadā paruṣaṃ na prabhāṣante sadā santo dvijapriyāḥ

Mitleidig mit allen Wesen, stets der Gewaltlosigkeit zugetan, sprechen die wahrhaft Guten niemals harsche Worte, stets den Zweifachgeborenen zugetan.

Wort für Wort
sarvabhūtadayāvanto ahiṃsāniratāḥ sadā paruṣaṃ na prabhāṣante sadā santo dvijapriyāḥ
Mitleidig mit allen Wesen, stets der Gewaltlosigkeit zugetan, sprechen die wahrhaft Guten niemals harsche Worte, stets den Zweifachgeborenen zugetan.

śubhānām aśubhānāṃ ca karmaṇāṃ phalasaṃcaye vipākam abhijānanti te śiṣṭāḥ śiṣṭasaṃmatāḥ

Bei der Anhäufung der Früchte guter und schlechter Taten erkennen sie die Reifung der Taten – sie, die wahrhaft Guten, von den Guten anerkannt.

Wort für Wort
śubhānām aśubhānāṃ ca karmaṇāṃ phalasaṃcaye vipākam abhijānanti te śiṣṭāḥ śiṣṭasaṃmatāḥ
Bei der Anhäufung der Früchte guter und schlechter Taten erkennen sie die Reifung der Taten – sie, die wahrhaft Guten, von den Guten anerkannt.

nyāyopetā guṇopetāḥ sarvalokahitaiṣiṇaḥ santaḥ svargajitaḥ śuklāḥ saṃniviṣṭāś ca satpathe

Der rechten Ordnung verbunden, mit Tugenden ausgestattet, das Wohl aller Welten suchend – die wahrhaft Guten, den Himmel erringend, lauter, auf dem rechten Pfad verweilend.

Wort für Wort
nyāyopetā guṇopetāḥ sarvalokahitaiṣiṇaḥ santaḥ svargajitaḥ śuklāḥ saṃniviṣṭāś ca satpathe
Der rechten Ordnung verbunden, mit Tugenden ausgestattet, das Wohl aller Welten suchend – die wahrhaft Guten, den Himmel erringend, lauter, auf dem rechten Pfad verweilend.

dātāraḥ saṃvibhaktāro dīnānugrahakāriṇaḥ sarvabhūtadayāvantas te śiṣṭāḥ śiṣṭasaṃmatāḥ

Freigebige, Teilende, den Elenden Gnade Erweisende, mitleidig mit allen Wesen – sie sind die wahrhaft Guten, von den Guten anerkannt.

Wort für Wort
dātāraḥ saṃvibhaktāro dīnānugrahakāriṇaḥ sarvabhūtadayāvantas te śiṣṭāḥ śiṣṭasaṃmatāḥ
Freigebige, Teilende, den Elenden Gnade Erweisende, mitleidig mit allen Wesen – sie sind die wahrhaft Guten, von den Guten anerkannt.

sarvapūjyāḥ śrutadhanās tathaiva ca tapasvinaḥ dānanityāḥ sukhāṃl lokān āpnuvantīha ca śriyam

Von allen verehrt, an Gelehrsamkeit reich, ebenso Asketen, beständig freigebig – sie erlangen glückliche Welten und hier auf Erden Glanz.

Wort für Wort
sarvapūjyāḥ śrutadhanās tathaiva ca tapasvinaḥ dānanityāḥ sukhāṃl lokān āpnuvantīha ca śriyam
Von allen verehrt, an Gelehrsamkeit reich, ebenso Asketen, beständig freigebig – sie erlangen glückliche Welten und hier auf Erden Glanz.

pīḍayā ca kalatrasya bhṛtyānāṃ ca samāhitāḥ atiśaktyā prayacchanti santaḥ sadbhiḥ samāgatāḥ

Selbst unter Entbehrung für Frau und Dienerschaft geben die wahrhaft Guten, gesammelten Sinnes, über ihr Vermögen hinaus, im Umgang mit den Guten.

Wort für Wort
pīḍayā ca kalatrasya bhṛtyānāṃ ca samāhitāḥ atiśaktyā prayacchanti santaḥ sadbhiḥ samāgatāḥ
Selbst unter Entbehrung für Frau und Dienerschaft geben die wahrhaft Guten, gesammelten Sinnes, über ihr Vermögen hinaus, im Umgang mit den Guten.

lokayātrāṃ ca paśyanto dharmam ātmahitāni ca evaṃ santo vartamānā edhante śāśvatīḥ samāḥ

Den Weltenlauf betrachtend, ebenso den Dharma und ihr eigenes Wohl, gedeihen die wahrhaft Guten, die so handeln, durch immerwährende Jahre.

Wort für Wort
lokayātrāṃ ca paśyanto dharmam ātmahitāni ca evaṃ santo vartamānā edhante śāśvatīḥ samāḥ
Den Weltenlauf betrachtend, ebenso den Dharma und ihr eigenes Wohl, gedeihen die wahrhaft Guten, die so handeln, durch immerwährende Jahre.

ahiṃsā satyavacanam ānṛśaṃsyam athārjavam adroho nātimānaś ca hrīs titikṣā damaḥ śamaḥ

Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Milde und Aufrichtigkeit, Arglosigkeit, Freiheit von Hochmut, Scham, Geduld, Selbstbeherrschung, innerer Friede –

Wort für Wort
ahiṃsā satyavacanam ānṛśaṃsyam athārjavam adroho nātimānaś ca hrīs titikṣā damaḥ śamaḥ
Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Milde und Aufrichtigkeit, Arglosigkeit, Freiheit von Hochmut, Scham, Geduld, Selbstbeherrschung, innerer Friede –

dhīmanto dhṛtimantaś ca bhūtānām anukampakāḥ akāmadveṣasaṃyuktās te santo lokasatkṛtāḥ

verstandesklar und standhaft, mitfühlend mit den Wesen, frei von Begierde und Hass – sie, die wahrhaft Guten, werden von der Welt geehrt.

Wort für Wort
dhīmanto dhṛtimantaś ca bhūtānām anukampakāḥ akāmadveṣasaṃyuktās te santo lokasatkṛtāḥ
verstandesklar und standhaft, mitfühlend mit den Wesen, frei von Begierde und Hass – sie, die wahrhaft Guten, werden von der Welt geehrt.

trīṇy eva tu padāny āhuḥ satāṃ vṛttam anuttamam na druhyec caiva dadyāc ca satyaṃ caiva sadā vadet

Nur drei Grundsätze, so sagt man, bilden das unübertreffliche Verhalten der Guten: man soll niemandem Böses zufügen, man soll geben, und man soll stets die Wahrheit sprechen.

Wort für Wort
trīṇy eva tu padāny āhuḥ satāṃ vṛttam anuttamam na druhyec caiva dadyāc ca satyaṃ caiva sadā vadet
Nur drei Grundsätze, so sagt man, bilden das unübertreffliche Verhalten der Guten: man soll niemandem Böses zufügen, man soll geben, und man soll stets die Wahrheit sprechen.

sarvatra ca dayāvantaḥ santaḥ karuṇavedinaḥ gacchantīha susaṃtuṣṭā dharmyaṃ panthānam uttamam śiṣṭācārā mahātmāno yeṣāṃ dharmaḥ suniścitaḥ

Überall mitleidig, des Mitgefühls kundig, wandeln die wahrhaft Guten, wohl zufrieden, auf dem höchsten Pfad des Dharma – großherzige Wesen, deren Verhalten wohlgefestigt und deren Dharma wohlbestimmt ist.

Wort für Wort
sarvatra ca dayāvantaḥ santaḥ karuṇavedinaḥ gacchantīha susaṃtuṣṭā dharmyaṃ panthānam uttamam śiṣṭācārā mahātmāno yeṣāṃ dharmaḥ suniścitaḥ
Überall mitleidig, des Mitgefühls kundig, wandeln die wahrhaft Guten, wohl zufrieden, auf dem höchsten Pfad des Dharma – großherzige Wesen, deren Verhalten wohlgefestigt und deren Dharma wohlbestimmt ist.

anasūyā kṣamā śāntiḥ saṃtoṣaḥ priyavāditā kāmakrodhaparityāgaḥ śiṣṭācāraniṣevaṇam

Freiheit von Missgunst, Geduld, innerer Friede, Zufriedenheit, freundliche Rede, Verzicht auf Begierde und Zorn – das ist die Pflege des Verhaltens der wahrhaft Guten.

Wort für Wort
anasūyā kṣamā śāntiḥ saṃtoṣaḥ priyavāditā kāmakrodhaparityāgaḥ śiṣṭācāraniṣevaṇam
Freiheit von Missgunst, Geduld, innerer Friede, Zufriedenheit, freundliche Rede, Verzicht auf Begierde und Zorn – das ist die Pflege des Verhaltens der wahrhaft Guten.

karmaṇā śrutasaṃpannaṃ satāṃ mārgam anuttamam śiṣṭācāraṃ niṣevante nityaṃ dharmeṣv atandritāḥ

Durch ihr Handeln mit Gelehrsamkeit ausgestattet, pflegen sie den unübertrefflichen Pfad der Guten, das Verhalten der wahrhaft Guten, stets unermüdlich im Dharma.

Wort für Wort
karmaṇā śrutasaṃpannaṃ satāṃ mārgam anuttamam śiṣṭācāraṃ niṣevante nityaṃ dharmeṣv atandritāḥ
Durch ihr Handeln mit Gelehrsamkeit ausgestattet, pflegen sie den unübertrefflichen Pfad der Guten, das Verhalten der wahrhaft Guten, stets unermüdlich im Dharma.

prajñāprāsādam āruhya muhyato mahato janān prekṣanto lokavṛttāni vividhāni dvijottama atipuṇyāni pāpāni tāni dvijavarottama

Den Palast der Weisheit besteigend, betrachten sie die vielen verwirrten, großen Menschen und die mannigfaltigen Treiben der Welt, o Bester der Zweifachgeborenen, die höchst verdienstvollen wie die sündigen, du Vorzüglichster der Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
prajñāprāsādam āruhya muhyato mahato janān prekṣanto lokavṛttāni vividhāni dvijottama atipuṇyāni pāpāni tāni dvijavarottama
Den Palast der Weisheit besteigend, betrachten sie die vielen verwirrten, großen Menschen und die mannigfaltigen Treiben der Welt, o Bester der Zweifachgeborenen, die höchst verdienstvollen wie die sündigen, du Vorzüglichster der Zweifachgeborenen.

etat te sarvam ākhyātaṃ yathāprajñaṃ yathāśrutam śiṣṭācāraguṇān brahman puraskṛtya dvijarṣabha

Dies alles habe ich dir verkündet, wie es meinem Verstand und meinem Gehörten entspricht, indem ich die Tugenden des Verhaltens der wahrhaft Guten voranstellte, o Brahmane, du Stier unter den Zweifachgeborenen.‘“

Wort für Wort
etat te sarvam ākhyātaṃ yathāprajñaṃ yathāśrutam śiṣṭācāraguṇān brahman puraskṛtya dvijarṣabha
Dies alles habe ich dir verkündet, wie es meinem Verstand und meinem Gehörten entspricht, indem ich die Tugenden des Verhaltens der wahrhaft Guten voranstellte, o Brahmane, du Stier unter den Zweifachgeborenen.‘“

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