Kapitel 211: Agniprāyaścittavidhiḥ
Die weiteren Feuer und die Sühneopfer
Mārkaṇḍeya setzt den Feuer-Katalog mit weiteren, durch Volksetymologie erklärten Feuergestalten fort (Bharata, Śiva, Puraṃdara, Śambhu, Āvasathya, Bhānu-Linie mit Balada, Manyumant, Dhṛtimant, Āgrayaṇa, Vaiśvānara, Viśvapati u.a.) und erwähnt beiläufig Kapila als Begründer von Sāṃkhya und Yoga. Ab v.23 wendet sich der Text einem praktischen Thema zu: einer Liste von Sühneopfern (Achtscherben-Kuchen-Opfer, aṣṭākapāla-iṣṭi) für verschiedene Fälle ritueller Verunreinigung oder Unterbrechung des Opferfeuers (Berührung der Feuer untereinander, durch Waldbrand, durch eine menstruierende Frau, durch das Wochenbett-Feuer, durch Vernachlässigung infolge von Leid, u.a.), jeweils einem eigens benannten Sühne-Feuer zugeordnet. Einzelne genealogische Verknüpfungen (v.3, v.12, v.18) bleiben im knappen Text unausgeführt und werden entsprechend vermerkt.
Mārkaṇḍeya sprach: „Mit strengen Regeln verbunden ist das Feuer namens Bharata; das Feuer namens Puṣṭimant, zufrieden, gewährt Gedeihen; dieser trägt alle Geschöpfe, daher wird er Bharata genannt.
Mārkaṇḍeya sprach: „Mit strengen Regeln verbunden ist das Feuer namens Bharata; das Feuer namens Puṣṭimant, zufrieden, gewährt Gedeihen; dieser trägt alle Geschöpfe, daher wird er Bharata genannt.
agnir yas tu śivo nāma śaktipūjāparaś ca saḥ duḥkhārtānāṃ sa sarveṣāṃ śivakṛt satataṃ śivaḥ
Das Feuer aber, das Śiva heißt, ist der Verehrung der Kraft (Śakti) hingegeben; er, der beständig allen von Leid Geplagten Heil bereitet, ist immerdar heilbringend.
Wort für Wort
agnir yas tu śivo nāma śaktipūjāparaś ca saḥ duḥkhārtānāṃ sa sarveṣāṃ śivakṛt satataṃ śivaḥ
Das Feuer aber, das Śiva heißt, ist der Verehrung der Kraft (Śakti) hingegeben; er, der beständig allen von Leid Geplagten Heil bereitet, ist immerdar heilbringend.
tapasas tu phalaṃ dṛṣṭvā saṃpravṛddhaṃ tapo mahat uddhartukāmo matimān putro jajñe puraṃdaraḥ
Als er die gewachsene, große Frucht seiner Askese sah und sie [in einem Sohn] verkörpern wollte, wurde der kluge Sohn Puraṃdara geboren.
Wort für Wort
tapasas tu phalaṃ dṛṣṭvā saṃpravṛddhaṃ tapo mahat uddhartukāmo matimān putro jajñe puraṃdaraḥ
Als er die gewachsene, große Frucht seiner Askese sah und sie [in einem Sohn] verkörpern wollte, wurde der kluge Sohn Puraṃdara geboren.
Der Name Puraṃdara (‚Städtezerstörer‘) ist sonst ein Beiname Indras; hier wird er auf ein Feuer angewandt, ohne dass der Text den Zusammenhang näher erklärt.
Und Ūṣman [Hitze] wurde von Uṣman geboren; dieses Feuer wird beständig unter den Wesen wahrgenommen; und auch ein Feuer mit Namen Manu vollbrachte ein Werk des Prajāpati.
Und Ūṣman [Hitze] wurde von Uṣman geboren; dieses Feuer wird beständig unter den Wesen wahrgenommen; und auch ein Feuer mit Namen Manu vollbrachte ein Werk des Prajāpati.
Śambhu nennen sodann die im Veda kundigen Brahmanen das Feuer; das leuchtende, überaus glanzvolle Feuer nennen die Zweifachgeborenen das Āvasathya, das Hausfeuer.
Śambhu nennen sodann die im Veda kundigen Brahmanen das Feuer; das leuchtende, überaus glanzvolle Feuer nennen die Zweifachgeborenen das Āvasathya, das Hausfeuer.
darśe ca paurṇamāse ca yasyeha havir ucyate viṣṇur nāmeha yo 'gnis tu dhṛtimān nāma so 'ṅgirāḥ
Bei Neumond und Vollmond wird ihm hier die Opfergabe dargebracht; das Feuer, das hier Viṣṇu heißt, ist als Dhṛtimant bekannt, ein Nachkomme des Aṅgiras.
Wort für Wort
darśe ca paurṇamāse ca yasyeha havir ucyate viṣṇur nāmeha yo 'gnis tu dhṛtimān nāma so 'ṅgirāḥ
Bei Neumond und Vollmond wird ihm hier die Opfergabe dargebracht; das Feuer, das hier Viṣṇu heißt, ist als Dhṛtimant bekannt, ein Nachkomme des Aṅgiras.
Die genaue Beziehung zwischen den hier genannten Namen Viṣṇu, Dhṛtimant und Aṅgiras bleibt im knappen Vers unausgeführt.
asya lokasya sarvasya yaḥ patiḥ paripaṭhyate so 'gnir viśvapatir nāma dvitīyo vai manoḥ sutaḥ tataḥ sviṣṭaṃ bhaved ājyaṃ sviṣṭakṛt paramaḥ smṛtaḥ
Das Feuer, das als Herr dieser ganzen Welt gepriesen wird, heißt Viśvapati; er ist der zweite Sohn des Manu. Von ihm wird die geklärte Butter zur wohldargebrachten – er gilt als der höchste Sviṣṭakṛt.
Wort für Wort
asya lokasya sarvasya yaḥ patiḥ paripaṭhyate so 'gnir viśvapatir nāma dvitīyo vai manoḥ sutaḥ tataḥ sviṣṭaṃ bhaved ājyaṃ sviṣṭakṛt paramaḥ smṛtaḥ
Das Feuer, das als Herr dieser ganzen Welt gepriesen wird, heißt Viśvapati; er ist der zweite Sohn des Manu. Von ihm wird die geklärte Butter zur wohldargebrachten – er gilt als der höchste Sviṣṭakṛt.
kanyā sā rohiṇī nāma hiraṇyakaśipoḥ sutā karmaṇāsau babhau bhāryā sa vahniḥ sa prajāpatiḥ
Jene Tochter mit Namen Rohiṇī, die Tochter des Hiraṇyakaśipu, erstrahlte durch ihr Wirken als Gattin; er, [ihr Gatte], ist das Feuer, er ist Prajāpati.
Wort für Wort
kanyā sā rohiṇī nāma hiraṇyakaśipoḥ sutā karmaṇāsau babhau bhāryā sa vahniḥ sa prajāpatiḥ
Jene Tochter mit Namen Rohiṇī, die Tochter des Hiraṇyakaśipu, erstrahlte durch ihr Wirken als Gattin; er, [ihr Gatte], ist das Feuer, er ist Prajāpati.
Unklar bleibt, mit welchem der zuvor genannten Feuer Rohiṇī hier vermählt wird, und ob der genannte Hiraṇyakaśipu mit der bekannten Dämonengestalt gleichen Namens identisch ist; der Vers wird wörtlich wiedergegeben.
Wenn sich die Feuer, durch den Wind bewegt, irgendwie gegenseitig berühren sollten, ist ein Opfer mit dem Achtscherben-Kuchen für das Feuer Śuci, den Reinen, darzubringen.
Wenn sich die Feuer, durch den Wind bewegt, irgendwie gegenseitig berühren sollten, ist ein Opfer mit dem Achtscherben-Kuchen für das Feuer Śuci, den Reinen, darzubringen.
yady agnayo hi spṛśyeyur niveśasthā davāgninā iṣṭir aṣṭākapālena kāryā tu śucaye 'gnaye
Wenn die an ihrer Stätte befindlichen Feuer von einem Waldbrand berührt werden sollten, ist ein Opfer mit dem Achtscherben-Kuchen für das Feuer Śuci darzubringen.
Wort für Wort
yady agnayo hi spṛśyeyur niveśasthā davāgninā iṣṭir aṣṭākapālena kāryā tu śucaye 'gnaye
Wenn die an ihrer Stätte befindlichen Feuer von einem Waldbrand berührt werden sollten, ist ein Opfer mit dem Achtscherben-Kuchen für das Feuer Śuci darzubringen.
Sollte einer, der als tot galt, doch lebend vernommen werden, oder sollten Opfertiere unerwartet zugrunde gehen – ein Opfer mit dem Achtscherben-Kuchen ist für das Feuer Abhimata zu vollziehen.
Sollte einer, der als tot galt, doch lebend vernommen werden, oder sollten Opfertiere unerwartet zugrunde gehen – ein Opfer mit dem Achtscherben-Kuchen ist für das Feuer Abhimata zu vollziehen.
ārto na juhuyād agniṃ trirātraṃ yas tu brāhmaṇaḥ iṣṭir aṣṭākapālena kāryā syād uttarāgnaye
Wenn ein Brahmane, von Leid befallen, drei Nächte lang das Feuer nicht speist, ist ein Opfer mit dem Achtscherben-Kuchen für das nördliche Feuer, Uttarāgni, zu vollziehen.
Wort für Wort
ārto na juhuyād agniṃ trirātraṃ yas tu brāhmaṇaḥ iṣṭir aṣṭākapālena kāryā syād uttarāgnaye
Wenn ein Brahmane, von Leid befallen, drei Nächte lang das Feuer nicht speist, ist ein Opfer mit dem Achtscherben-Kuchen für das nördliche Feuer, Uttarāgni, zu vollziehen.
darśaṃ ca paurṇamāsaṃ ca yasya tiṣṭhet pratiṣṭhitam iṣṭir aṣṭākapālena kāryā pathikṛte 'gnaye
Wessen fest eingerichtetes Neumond- und Vollmondopfer unterbrochen bliebe, dafür ist ein Opfer mit dem Achtscherben-Kuchen für das Feuer Pathikṛt, den Wegbereiter, zu vollziehen.
Wort für Wort
darśaṃ ca paurṇamāsaṃ ca yasya tiṣṭhet pratiṣṭhitam iṣṭir aṣṭākapālena kāryā pathikṛte 'gnaye
Wessen fest eingerichtetes Neumond- und Vollmondopfer unterbrochen bliebe, dafür ist ein Opfer mit dem Achtscherben-Kuchen für das Feuer Pathikṛt, den Wegbereiter, zu vollziehen.