Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 127: Somakopākhyānam Die Erzählung von König Somaka und Jantu

Auf Yudhiṣṭhiras Frage erzählt Lomaśa von König Somaka, der trotz hundert Gattinnen lange kinderlos blieb, bis ihm im Alter der einzige Sohn Jantu geboren wurde. Als der von allen hundert Müttern verhätschelte Jantu von einer Ameise gebissen wird und aufschreit, klagt der erschütterte Somaka über die Bürde der Einzigkeit dieses Sohnes und bittet seinen Opferpriester um ein Mittel für hundert Söhne. Der Priester rät zu einem Opfer, bei dem Jantu selbst als Opfergabe dient: Durch den Rauch seines geopferten Fettes sollen die Mütter schwanger werden, und Jantu selbst soll, mit einem goldenen Mal gezeichnet, wiedergeboren werden.

yudhiṣṭhira uvāca kathaṃvīryaḥ sa rājābhūt somako vadatāṃ vara karmāṇy asya prabhāvaṃ ca śrotum icchāmi tattvataḥ

Yudhiṣṭhira sprach: „Von welcher Tatkraft war jener König Somaka, o Bester der Redekundigen? Seine Taten und seine Macht möchte ich der Wahrheit gemäß hören.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca kathaṃvīryaḥ sa rājābhūt somako vadatāṃ vara karmāṇy asya prabhāvaṃ ca śrotum icchāmi tattvataḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Von welcher Tatkraft war jener König Somaka, o Bester der Redekundigen? Seine Taten und seine Macht möchte ich der Wahrheit gemäß hören.“

lomaśa uvāca yudhiṣṭhirāsīn nṛpatiḥ somako nāma dhārmikaḥ tasya bhāryāśataṃ rājan sadṛśīnām abhūt tadā

Lomaśa sprach: „O Yudhiṣṭhira, es gab einen König namens Somaka, rechtschaffen; er hatte damals hundert Gattinnen von gleichem Rang, o König.

Wort für Wort
lomaśa uvāca yudhiṣṭhirāsīn nṛpatiḥ somako nāma dhārmikaḥ tasya bhāryāśataṃ rājan sadṛśīnām abhūt tadā
Lomaśa sprach: „O Yudhiṣṭhira, es gab einen König namens Somaka, rechtschaffen; er hatte damals hundert Gattinnen von gleichem Rang, o König.

sa vai yatnena mahatā tāsu putraṃ mahīpatiḥ kaṃ cin nāsādayām āsa kālena mahatā api

Er, der Erdenherr, erlangte trotz großer Mühe bei ihnen keinen einzigen Sohn, selbst über sehr lange Zeit.

Wort für Wort
sa vai yatnena mahatā tāsu putraṃ mahīpatiḥ kaṃ cin nāsādayām āsa kālena mahatā api
Er, der Erdenherr, erlangte trotz großer Mühe bei ihnen keinen einzigen Sohn, selbst über sehr lange Zeit.

kadā cit tasya vṛddhasya yatamānasya yatnataḥ jantur nāma sutas tasmin strīśate samajāyata

Einst wurde ihm, dem Gealterten, der sich mit Mühe abmühte, unter jenen hundert Frauen ein Sohn namens Jantu geboren.

Wort für Wort
kadā cit tasya vṛddhasya yatamānasya yatnataḥ jantur nāma sutas tasmin strīśate samajāyata
Einst wurde ihm, dem Gealterten, der sich mit Mühe abmühte, unter jenen hundert Frauen ein Sohn namens Jantu geboren.

taṃ jātaṃ mātaraḥ sarvāḥ parivārya samāsate satataṃ pṛṣṭhataḥ kṛtvā kāmabhogān viśāṃ pate

Alle Mütter umringten ihn nach der Geburt und saßen ständig bei ihm, wobei sie alle Sinnesgenüsse hintangestellt hatten, o Herr der Untertanen.

Wort für Wort
taṃ jātaṃ mātaraḥ sarvāḥ parivārya samāsate satataṃ pṛṣṭhataḥ kṛtvā kāmabhogān viśāṃ pate
Alle Mütter umringten ihn nach der Geburt und saßen ständig bei ihm, wobei sie alle Sinnesgenüsse hintangestellt hatten, o Herr der Untertanen.

tataḥ pipīlikā jantuṃ kadā cid adaśat sphiji sa daṣṭo vyanadad rājaṃs tena duḥkhena bālakaḥ

Da biss einst eine Ameise den Jantu ins Gesäß; gebissen, schrie der Knabe auf, o König, vor jenem Schmerz.

Wort für Wort
tataḥ pipīlikā jantuṃ kadā cid adaśat sphiji sa daṣṭo vyanadad rājaṃs tena duḥkhena bālakaḥ
Da biss einst eine Ameise den Jantu ins Gesäß; gebissen, schrie der Knabe auf, o König, vor jenem Schmerz.

tatas tā mātaraḥ sarvāḥ prākrośan bhṛśaduḥkhitāḥ parivārya jantuṃ sahitāḥ sa śabdas tumulo 'bhavat

Da schrien alle jene Mütter, tief bekümmert, auf, Jantu gemeinsam umringend; jener Lärm wurde tumultartig.

Wort für Wort
tatas tā mātaraḥ sarvāḥ prākrośan bhṛśaduḥkhitāḥ parivārya jantuṃ sahitāḥ sa śabdas tumulo 'bhavat
Da schrien alle jene Mütter, tief bekümmert, auf, Jantu gemeinsam umringend; jener Lärm wurde tumultartig.

tam ārtanādaṃ sahasā śuśrāva sa mahīpatiḥ amātyapariṣanmadhye upaviṣṭaḥ sahartvijaiḥ

Jenen Schmerzensschrei vernahm der König plötzlich, wie er inmitten seines Ministerrats saß, zusammen mit den Opferpriestern.

Wort für Wort
tam ārtanādaṃ sahasā śuśrāva sa mahīpatiḥ amātyapariṣanmadhye upaviṣṭaḥ sahartvijaiḥ
Jenen Schmerzensschrei vernahm der König plötzlich, wie er inmitten seines Ministerrats saß, zusammen mit den Opferpriestern.

tataḥ prasthāpayām āsa kim etad iti pārthivaḥ tasmai kṣattā yathāvṛttam ācacakṣe sutaṃ prati

Da sandte der König jemanden mit der Frage: 'Was ist dies?'; der Kämmerer berichtete ihm, was sich mit seinem Sohn zugetragen hatte.

Wort für Wort
tataḥ prasthāpayām āsa kim etad iti pārthivaḥ tasmai kṣattā yathāvṛttam ācacakṣe sutaṃ prati
Da sandte der König jemanden mit der Frage: 'Was ist dies?'; der Kämmerer berichtete ihm, was sich mit seinem Sohn zugetragen hatte.

tvaramāṇaḥ sa cotthāya somakaḥ saha mantribhiḥ praviśyāntaḥpuraṃ putram āśvāsayad ariṃdamaḥ

Eilends erhob sich Somaka, zusammen mit seinen Ratgebern, betrat die inneren Gemächer und tröstete, der Feindebezwinger, seinen Sohn.

Wort für Wort
tvaramāṇaḥ sa cotthāya somakaḥ saha mantribhiḥ praviśyāntaḥpuraṃ putram āśvāsayad ariṃdamaḥ
Eilends erhob sich Somaka, zusammen mit seinen Ratgebern, betrat die inneren Gemächer und tröstete, der Feindebezwinger, seinen Sohn.

sāntvayitvā tu taṃ putraṃ niṣkramyāntaḥpurān nṛpaḥ ṛtvijaiḥ sahito rājan sahāmātya upāviśat

Nachdem er jenen Sohn getröstet hatte, verließ der König die inneren Gemächer und setzte sich, o König, zusammen mit den Opferpriestern und den Ministern.

Wort für Wort
sāntvayitvā tu taṃ putraṃ niṣkramyāntaḥpurān nṛpaḥ ṛtvijaiḥ sahito rājan sahāmātya upāviśat
Nachdem er jenen Sohn getröstet hatte, verließ der König die inneren Gemächer und setzte sich, o König, zusammen mit den Opferpriestern und den Ministern.

somaka uvāca dhig astv ihaikaputratvam aputratvaṃ varaṃ bhavet nityāturatvād bhūtānāṃ śoka evaikaputratā

Somaka sprach: 'Schande über das Haben nur eines einzigen Sohnes hier; Kinderlosigkeit wäre besser! Wegen der ständigen Sorge der Wesen ist das Haben nur eines Sohnes nichts als Kummer.'

Wort für Wort
somaka uvāca dhig astv ihaikaputratvam aputratvaṃ varaṃ bhavet nityāturatvād bhūtānāṃ śoka evaikaputratā
Somaka sprach: 'Schande über das Haben nur eines einzigen Sohnes hier; Kinderlosigkeit wäre besser! Wegen der ständigen Sorge der Wesen ist das Haben nur eines Sohnes nichts als Kummer.'

idaṃ bhāryāśataṃ brahman parīkṣyopacitaṃ prabho putrārthinā mayā voḍhaṃ na cāsāṃ vidyate prajā

'Diese hundert Gattinnen, o Brahmane, wurden von mir, der ich mir Söhne wünschte, sorgfältig ausgewählt und geehelicht, o Herr - und doch gibt es von ihnen keine Nachkommenschaft.'

Wort für Wort
idaṃ bhāryāśataṃ brahman parīkṣyopacitaṃ prabho putrārthinā mayā voḍhaṃ na cāsāṃ vidyate prajā
'Diese hundert Gattinnen, o Brahmane, wurden von mir, der ich mir Söhne wünschte, sorgfältig ausgewählt und geehelicht, o Herr - und doch gibt es von ihnen keine Nachkommenschaft.'

ekaḥ kathaṃ cid utpannaḥ putro jantur ayaṃ mama yatamānasya sarvāsu kiṃ nu duḥkham ataḥ param

'Nur ein einziger Sohn wurde mir irgendwie geboren, dieser Jantu, obwohl ich mich bei allen bemühte - welcher Kummer könnte größer sein als dieser?'

Wort für Wort
ekaḥ kathaṃ cid utpannaḥ putro jantur ayaṃ mama yatamānasya sarvāsu kiṃ nu duḥkham ataḥ param
'Nur ein einziger Sohn wurde mir irgendwie geboren, dieser Jantu, obwohl ich mich bei allen bemühte - welcher Kummer könnte größer sein als dieser?'

vayaś ca samatītaṃ me sabhāryasya dvijottama āsāṃ prāṇāḥ samāyattā mama cātraikaputrake

'Und mein Alter, o Bester der Zweifachgeborenen, ist samt dem meiner Gattinnen verstrichen; ihr aller Leben hängt an diesem, an meinem einzigen Sohn hier.'

Wort für Wort
vayaś ca samatītaṃ me sabhāryasya dvijottama āsāṃ prāṇāḥ samāyattā mama cātraikaputrake
'Und mein Alter, o Bester der Zweifachgeborenen, ist samt dem meiner Gattinnen verstrichen; ihr aller Leben hängt an diesem, an meinem einzigen Sohn hier.'

syān nu karma tathā yuktaṃ yena putraśataṃ bhavet mahatā laghunā vāpi karmaṇā duṣkareṇa vā

'Gäbe es wohl eine dafür geeignete Handlung, durch die hundert Söhne entstehen könnten - sei es durch eine große oder eine kleine Tat, oder eine schwer auszuführende?'

Wort für Wort
syān nu karma tathā yuktaṃ yena putraśataṃ bhavet mahatā laghunā vāpi karmaṇā duṣkareṇa vā
'Gäbe es wohl eine dafür geeignete Handlung, durch die hundert Söhne entstehen könnten - sei es durch eine große oder eine kleine Tat, oder eine schwer auszuführende?'

ṛtvig uvāca asti vai tādṛśaṃ karma yena putraśataṃ bhavet yadi śaknoṣi tat kartum atha vakṣyāmi somaka

Der Opferpriester sprach: 'Es gibt wahrlich eine solche Tat, durch die hundert Söhne entstehen könnten; wenn du imstande bist, sie zu vollbringen, dann werde ich sie dir nennen, o Somaka.'

Wort für Wort
ṛtvig uvāca asti vai tādṛśaṃ karma yena putraśataṃ bhavet yadi śaknoṣi tat kartum atha vakṣyāmi somaka
Der Opferpriester sprach: 'Es gibt wahrlich eine solche Tat, durch die hundert Söhne entstehen könnten; wenn du imstande bist, sie zu vollbringen, dann werde ich sie dir nennen, o Somaka.'

somaka uvāca kāryaṃ vā yadi vākāryaṃ yena putraśataṃ bhavet kṛtam eva hi tad viddhi bhagavān prabravītu me

Somaka sprach: 'Ob es eine erlaubte oder eine unerlaubte Handlung sei, durch die hundert Söhne entstehen könnten - wisse, dass es bereits als vollbracht gilt; möge der Erhabene sie mir nennen.'

Wort für Wort
somaka uvāca kāryaṃ vā yadi vākāryaṃ yena putraśataṃ bhavet kṛtam eva hi tad viddhi bhagavān prabravītu me
Somaka sprach: 'Ob es eine erlaubte oder eine unerlaubte Handlung sei, durch die hundert Söhne entstehen könnten - wisse, dass es bereits als vollbracht gilt; möge der Erhabene sie mir nennen.'

ṛtvig uvāca yajasva jantunā rājaṃs tvaṃ mayā vitate kratau tataḥ putraśataṃ śrīmad bhaviṣyaty acireṇa te

Der Opferpriester sprach: 'Opfere, o König, mit Jantu, in dem von mir ausgebreiteten Opfer; dann wird dir binnen kurzem eine glanzvolle Hundertschaft an Söhnen zuteilwerden.'

Wort für Wort
ṛtvig uvāca yajasva jantunā rājaṃs tvaṃ mayā vitate kratau tataḥ putraśataṃ śrīmad bhaviṣyaty acireṇa te
Der Opferpriester sprach: 'Opfere, o König, mit Jantu, in dem von mir ausgebreiteten Opfer; dann wird dir binnen kurzem eine glanzvolle Hundertschaft an Söhnen zuteilwerden.'

vapāyāṃ hūyamānāyāṃ dhūmam āghrāya mātaraḥ tatas tāḥ sumahāvīryāñ janayiṣyanti te sutān

'Wenn das Opferfett dargebracht wird und die Mütter dessen Rauch einatmen, dann werden sie dir überaus tatkräftige Söhne gebären.'

Wort für Wort
vapāyāṃ hūyamānāyāṃ dhūmam āghrāya mātaraḥ tatas tāḥ sumahāvīryāñ janayiṣyanti te sutān
'Wenn das Opferfett dargebracht wird und die Mütter dessen Rauch einatmen, dann werden sie dir überaus tatkräftige Söhne gebären.'

tasyām eva tu te jantur bhavitā punar ātmajaḥ uttare cāsya sauvarṇaṃ lakṣma pārśve bhaviṣyati

'Und eben in jener wird dir Jantu wieder als dein eigener Sohn geboren werden; und an seiner linken Seite wird sich ein goldenes Mal befinden.'

Wort für Wort
tasyām eva tu te jantur bhavitā punar ātmajaḥ uttare cāsya sauvarṇaṃ lakṣma pārśve bhaviṣyati
'Und eben in jener wird dir Jantu wieder als dein eigener Sohn geboren werden; und an seiner linken Seite wird sich ein goldenes Mal befinden.'

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