Kapitel 219: Grahoddeśaḥ
Die Übersicht der Grahas (Kinder- und Menschenbefallende Geister)
Die von ihren Gatten verstoßenen sechs Ṛṣi-Gattinnen und der ganze Mütterkreis erlangen von Skanda Trost und werden, zusammen mit zahlreichen weiteren mythologischen Müttern (Diti, Aditi/Revatī, Surabhi, Saramā u.a.) und aus seinem eigenen Körper entstandenen männlichen Wesen, als ‚Skanda-Grahas‘ eingesetzt: kinderbefallende Geister, die Menschen bis zum 16. Lebensjahr heimsuchen, darunter der bis heute in der Ayurveda-Tradition bekannte Skandāpasmāra (Skanda-Fallsucht) sowie Pūtanā - später berühmt aus der Kṛṣṇa-Mythologie. Nebenbei wird die Verschiebung des vedischen Kalenderbeginns von Rohiṇī zu Dhaniṣṭhā mythologisch erklärt (Rivalität der Sternbild-Schwestern Rohiṇī und Abhijit). Das Kapitel schließt mit einem systematischen Katalog der Grahas, die Menschen jenseits des 16. Lebensjahres bis zum 70. befallen (Deva-, Pitṛ-, Siddha-, Rākṣasa-, Gandharva-, Yakṣa- und Piśāca-Graha), ihren jeweiligen Erkennungszeichen (plötzlicher Wahnsinn) sowie Heilmitteln - ein früher, einflussreicher Text der indischen Dämonologie/Kinderheilkunde-Tradition.
Mārkaṇḍeya sprach: „Zu Mahāsena, der von Śrī umworben und zum Heerführer der Götter gemacht worden war, kamen darauf die sechs göttlichen Gattinnen der sieben Ṛṣis.
Mārkaṇḍeya sprach: „Zu Mahāsena, der von Śrī umworben und zum Heerführer der Götter gemacht worden war, kamen darauf die sechs göttlichen Gattinnen der sieben Ṛṣis.
vayaṃ putra parityaktā bhartṛbhir devasaṃmitaiḥ akāraṇād ruṣā tāta puṇyasthānāt paricyutāḥ
‚Wir, mein Sohn, wurden von unseren Gatten, den gottgleichen, verlassen; ohne Grund, aus Zorn, mein Kind, wurden wir aus unserer heiligen Stätte vertrieben.
Wort für Wort
vayaṃ putra parityaktā bhartṛbhir devasaṃmitaiḥ akāraṇād ruṣā tāta puṇyasthānāt paricyutāḥ
‚Wir, mein Sohn, wurden von unseren Gatten, den gottgleichen, verlassen; ohne Grund, aus Zorn, mein Kind, wurden wir aus unserer heiligen Stätte vertrieben.
Unser Himmel möge durch deine Gunst unvergänglich werden, o Herr; und wir wünschen uns dich als Sohn. Tue dies, und sei damit uns gegenüber ohne Schuld.‘
Unser Himmel möge durch deine Gunst unvergänglich werden, o Herr; und wir wünschen uns dich als Sohn. Tue dies, und sei damit uns gegenüber ohne Schuld.‘
‚Abhijit, die jüngere Schwester, die mit Rohiṇī rivalisiert und die Erstgeburtsrangfolge begehrt, die Göttin, ist in den Wald gegangen, um Askese zu üben.
‚Abhijit, die jüngere Schwester, die mit Rohiṇī rivalisiert und die Erstgeburtsrangfolge begehrt, die Göttin, ist in den Wald gegangen, um Askese zu üben.
Da wurde von Brahmā die Zeitrechnung, mit Dhaniṣṭhā beginnend, neu festgesetzt; zuvor hatte sie mit Rohiṇī begonnen – so kam die neue Zählung zustande.
Da wurde von Brahmā die Zeitrechnung, mit Dhaniṣṭhā beginnend, neu festgesetzt; zuvor hatte sie mit Rohiṇī begonnen – so kam die neue Zählung zustande.
evam ukte tu śakreṇa tridivaṃ kṛttikā gatāḥ nakṣatraṃ śakaṭākāraṃ bhāti tad vahnidaivatam
Nachdem Śakra dies gesagt hatte, gingen die Kṛttikās in den dritten Himmel ein; jenes wagenförmige, dem Feuer geweihte Sternbild erstrahlt seitdem dort.
Wort für Wort
evam ukte tu śakreṇa tridivaṃ kṛttikā gatāḥ nakṣatraṃ śakaṭākāraṃ bhāti tad vahnidaivatam
Nachdem Śakra dies gesagt hatte, gingen die Kṛttikās in den dritten Himmel ein; jenes wagenförmige, dem Feuer geweihte Sternbild erstrahlt seitdem dort.
skanda uvāca evam astu namas te 'stu putrasnehāt praśādhi mām snuṣayā pūjyamānā vai devi vatsyasi nityadā
Skanda sprach: ‚So sei es! Verehrung sei dir; aus Sohnesliebe gebiete mir. Von meiner Schwiegertochter verehrt, wirst du, Göttin, beständig bei mir wohnen.‘
Wort für Wort
skanda uvāca evam astu namas te 'stu putrasnehāt praśādhi mām snuṣayā pūjyamānā vai devi vatsyasi nityadā
Skanda sprach: ‚So sei es! Verehrung sei dir; aus Sohnesliebe gebiete mir. Von meiner Schwiegertochter verehrt, wirst du, Göttin, beständig bei mir wohnen.‘
Da sprach die ganze Muttergemeinschaft zu Skanda die Worte: ‚Wir, von den Dichtern als Mütter der ganzen Welt gepriesen, wünschen uns, deine Mütter zu sein; erweise uns Verehrung.‘
Da sprach die ganze Muttergemeinschaft zu Skanda die Worte: ‚Wir, von den Dichtern als Mütter der ganzen Welt gepriesen, wünschen uns, deine Mütter zu sein; erweise uns Verehrung.‘
Wir möchten die Verehrten der Welt sein, nicht jene, o Stier unter den Göttern; unsere Nachkommenschaft wurde von ihnen geraubt; gib sie uns deinetwegen zurück.‘
Wir möchten die Verehrten der Welt sein, nicht jene, o Stier unter den Göttern; unsere Nachkommenschaft wurde von ihnen geraubt; gib sie uns deinetwegen zurück.‘
Skanda sprach: ‚Jene Nachkommenschaft ist bereits vergeben, sie kann von euch nicht in Anspruch genommen werden; welche andere Nachkommenschaft soll ich euch geben, die ihr euch im Sinn wünscht?‘
Skanda sprach: ‚Jene Nachkommenschaft ist bereits vergeben, sie kann von euch nicht in Anspruch genommen werden; welche andere Nachkommenschaft soll ich euch geben, die ihr euch im Sinn wünscht?‘
mātara ūcuḥ icchāma tāsāṃ mātṝṇāṃ prajā bhoktuṃ prayaccha naḥ tvayā saha pṛthagbhūtā ye ca tāsām atheśvarāḥ
Die Mütter sprachen: ‚Wir wünschen, die Nachkommenschaft jener Mütter in Besitz zu nehmen; gib sie uns, zusammen mit denjenigen, die ihre eigenen, von dir getrennten Herren sind.‘
Wort für Wort
mātara ūcuḥ icchāma tāsāṃ mātṝṇāṃ prajā bhoktuṃ prayaccha naḥ tvayā saha pṛthagbhūtā ye ca tāsām atheśvarāḥ
Die Mütter sprachen: ‚Wir wünschen, die Nachkommenschaft jener Mütter in Besitz zu nehmen; gib sie uns, zusammen mit denjenigen, die ihre eigenen, von dir getrennten Herren sind.‘
skanda uvāca prajā vo dadmi kaṣṭaṃ tu bhavatībhir udāhṛtam parirakṣata bhadraṃ vaḥ prajāḥ sādhu namaskṛtāḥ
Skanda sprach: ‚Ich gebe euch die Nachkommenschaft; doch schwierig ist, was von euch verlangt wurde. Beschützt, Heil euch, die Nachkommen, wenn sie euch gebührend Verehrung erweisen.‘
Wort für Wort
skanda uvāca prajā vo dadmi kaṣṭaṃ tu bhavatībhir udāhṛtam parirakṣata bhadraṃ vaḥ prajāḥ sādhu namaskṛtāḥ
Skanda sprach: ‚Ich gebe euch die Nachkommenschaft; doch schwierig ist, was von euch verlangt wurde. Beschützt, Heil euch, die Nachkommen, wenn sie euch gebührend Verehrung erweisen.‘
mātara ūcuḥ parirakṣāma bhadraṃ te prajāḥ skanda yathecchasi tvayā no rocate skanda sahavāsaś ciraṃ prabho
Die Mütter sprachen: ‚Wir werden die Nachkommen beschützen, Heil dir, Skanda, wie du es wünschst; uns gefällt, Skanda, das lange Zusammenwohnen mit dir, o Herr.‘
Wort für Wort
mātara ūcuḥ parirakṣāma bhadraṃ te prajāḥ skanda yathecchasi tvayā no rocate skanda sahavāsaś ciraṃ prabho
Die Mütter sprachen: ‚Wir werden die Nachkommen beschützen, Heil dir, Skanda, wie du es wünschst; uns gefällt, Skanda, das lange Zusammenwohnen mit dir, o Herr.‘
apatat sa tadā bhūmau visaṃjño 'tha kṣudhānvitaḥ skandena so 'bhyanujñāto raudrarūpo 'bhavad grahaḥ skandāpasmāram ity āhur grahaṃ taṃ dvijasattamāḥ
Er fiel damals bewusstlos und von Hunger geplagt auf die Erde; von Skanda dazu ermächtigt, wurde er zum furchtbaren Ergreifer (Graha); Skandāpasmāra, die Skanda-Fallsucht, nennen die besten der Zweifachgeborenen diesen Graha.
Wort für Wort
apatat sa tadā bhūmau visaṃjño 'tha kṣudhānvitaḥ skandena so 'bhyanujñāto raudrarūpo 'bhavad grahaḥ skandāpasmāram ity āhur grahaṃ taṃ dvijasattamāḥ
Er fiel damals bewusstlos und von Hunger geplagt auf die Erde; von Skanda dazu ermächtigt, wurde er zum furchtbaren Ergreifer (Graha); Skandāpasmāra, die Skanda-Fallsucht, nennen die besten der Zweifachgeborenen diesen Graha.
Schmerzvoll durch ihre grausame Gestalt, von furchtbarer Erscheinung, eine Nachtwandlerin, eine Piśācī von grausamer Form, wird sie Śītapūtanā genannt; sie, von furchtbarem Anblick, raubt die Leibesfrüchte der Frauen.
Schmerzvoll durch ihre grausame Gestalt, von furchtbarer Erscheinung, eine Nachtwandlerin, eine Piśācī von grausamer Form, wird sie Śītapūtanā genannt; sie, von furchtbarem Anblick, raubt die Leibesfrüchte der Frauen.
kumārāś ca kumāryaś ca ye proktāḥ skandasaṃbhavāḥ te 'pi garbhabhujaḥ sarve kauravya sumahāgrahāḥ
Und die Knaben und Mädchen, die als aus Skanda entstanden genannt werden, auch sie alle sind Leibesfrucht-Verzehrer, überaus mächtige Grahas, o Kaurava.
Wort für Wort
kumārāś ca kumāryaś ca ye proktāḥ skandasaṃbhavāḥ te 'pi garbhabhujaḥ sarve kauravya sumahāgrahāḥ
Und die Knaben und Mädchen, die als aus Skanda entstanden genannt werden, auch sie alle sind Leibesfrucht-Verzehrer, überaus mächtige Grahas, o Kaurava.
gavāṃ mātā tu yā prājñaiḥ kathyate surabhir nṛpa śakunis tām athāruhya saha bhuṅkte śiśūn bhuvi
Diejenige aber, die von den Weisen als Mutter der Kühe, Surabhi, bezeichnet wird, o König – auf sie steigt Śakuni und verzehrt zusammen mit ihr die Kinder auf Erden.
Wort für Wort
gavāṃ mātā tu yā prājñaiḥ kathyate surabhir nṛpa śakunis tām athāruhya saha bhuṅkte śiśūn bhuvi
Diejenige aber, die von den Weisen als Mutter der Kühe, Surabhi, bezeichnet wird, o König – auf sie steigt Śakuni und verzehrt zusammen mit ihr die Kinder auf Erden.
yā janitrī tv apsarasāṃ garbham āste pragṛhya sā upaviṣṭaṃ tato garbhaṃ kathayanti manīṣiṇaḥ
Die Erzeugerin der Apsaras aber weilt, die Leibesfrucht ergriffen habend; danach sprechen die Weisen von einer verzögert-‚sitzenden‘ Leibesfrucht.
Wort für Wort
yā janitrī tv apsarasāṃ garbham āste pragṛhya sā upaviṣṭaṃ tato garbhaṃ kathayanti manīṣiṇaḥ
Die Erzeugerin der Apsaras aber weilt, die Leibesfrucht ergriffen habend; danach sprechen die Weisen von einer verzögert-‚sitzenden‘ Leibesfrucht.
‚Sitzende Leibesfrucht‘ (upaviṣṭa garbha) bezeichnet vermutlich eine ausbleibende oder verzögerte Geburt; die genaue medizinische Vorstellung dahinter bleibt im Text unausgeführt.
Wie Rudra unter den Männern, so herrscht Āryā auch unter den Frauen; Āryā, die Mutter des Knaben, wird gesondert verehrt, um jeweils eigene Wünsche zu erlangen.
Wie Rudra unter den Männern, so herrscht Āryā auch unter den Frauen; Āryā, die Mutter des Knaben, wird gesondert verehrt, um jeweils eigene Wünsche zu erlangen.
Bis zum siebzigsten Lebensjahr treten diese Grahas bei den Menschen auf; danach aber wird bei den verkörperten Wesen das Fieber dem Graha gleichkommen.
Bis zum siebzigsten Lebensjahr treten diese Grahas bei den Menschen auf; danach aber wird bei den verkörperten Wesen das Fieber dem Graha gleichkommen.