Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 59: Damayantyāḥ Parityāgaḥ Nala verlässt die schlafende Damayantī

Nala weigert sich, verarmt zu Damayantīs Vater zu gehen. Erschöpft schlafen beide in einer verlassenen Halle ein. Von Kali getrieben, ringt Nala innerlich, ob er Damayantī verlassen soll, damit sie ohne ihn vielleicht Rettung finden kann. Er schneidet mit einem gefundenen Schwert die Hälfte ihres Gewandes ab, kehrt weinend noch einmal zurück, kämpft mit sich - und läuft schließlich, von Kali fortgezogen, davon und lässt die schlafende Damayantī allein im Wald zurück.

nala uvāca yathā rājyaṃ pitus te tat tathā mama na saṃśayaḥ na tu tatra gamiṣyāmi viṣamasthaḥ kathaṃ cana

Nala sprach: „So wie das Königreich deines Vaters mir gehört, ohne Zweifel; doch dorthin werde ich, solange ich in Bedrängnis bin, keinesfalls gehen.

Wort für Wort
nala uvāca yathā rājyaṃ pitus te tat tathā mama na saṃśayaḥ na tu tatra gamiṣyāmi viṣamasthaḥ kathaṃ cana
Nala sprach: „So wie das Königreich deines Vaters mir gehört, ohne Zweifel; doch dorthin werde ich, solange ich in Bedrängnis bin, keinesfalls gehen.

kathaṃ samṛddho gatvāhaṃ tava harṣavivardhanaḥ paridyūno gamiṣyāmi tava śokavivardhanaḥ

Wie könnte ich, der ich einst, wohlhabend dorthin gehend, deine Freude mehrte, nun, gänzlich verarmt, dorthin gehen, um deinen Kummer zu mehren?“

Wort für Wort
kathaṃ samṛddho gatvāhaṃ tava harṣavivardhanaḥ paridyūno gamiṣyāmi tava śokavivardhanaḥ
Wie könnte ich, der ich einst, wohlhabend dorthin gehend, deine Freude mehrte, nun, gänzlich verarmt, dorthin gehen, um deinen Kummer zu mehren?“

bṛhadaśva uvāca iti bruvan nalo rājā damayantīṃ punaḥ punaḥ sāntvayām āsa kalyāṇīṃ vāsaso 'rdhena saṃvṛtām

Bṛhadaśva sprach: So sprechend, tröstete König Nala immer wieder die Holde, die mit der Hälfte seines Gewandes bedeckt war.

Wort für Wort
bṛhadaśva uvāca iti bruvan nalo rājā damayantīṃ punaḥ punaḥ sāntvayām āsa kalyāṇīṃ vāsaso 'rdhena saṃvṛtām
Bṛhadaśva sprach: So sprechend, tröstete König Nala immer wieder die Holde, die mit der Hälfte seines Gewandes bedeckt war.

tāv ekavastrasaṃvītāv aṭamānāv itas tataḥ kṣutpipāsāpariśrāntau sabhāṃ kāṃ cid upeyatuḥ

Die beiden, mit einem einzigen Gewand bekleidet, hierhin und dorthin wandernd, von Hunger und Durst erschöpft, gelangten zu einer gewissen Versammlungshalle.

Wort für Wort
tāv ekavastrasaṃvītāv aṭamānāv itas tataḥ kṣutpipāsāpariśrāntau sabhāṃ kāṃ cid upeyatuḥ
Die beiden, mit einem einzigen Gewand bekleidet, hierhin und dorthin wandernd, von Hunger und Durst erschöpft, gelangten zu einer gewissen Versammlungshalle.

tāṃ sabhām upasaṃprāpya tadā sa niṣadhādhipaḥ vaidarbhyā sahito rājā niṣasāda mahītale

Als er diese Halle erreicht hatte, setzte sich da der Herrscher der Niṣadhas, zusammen mit der Vaidarbhī, auf den Erdboden.

Wort für Wort
tāṃ sabhām upasaṃprāpya tadā sa niṣadhādhipaḥ vaidarbhyā sahito rājā niṣasāda mahītale
Als er diese Halle erreicht hatte, setzte sich da der Herrscher der Niṣadhas, zusammen mit der Vaidarbhī, auf den Erdboden.

sa vai vivastro malino vikacaḥ pāṃsuguṇṭhitaḥ damayantyā saha śrāntaḥ suṣvāpa dharaṇītale

Er, gewandlos, schmutzig, mit zerzaustem Haar, staubbedeckt, schlief, erschöpft, zusammen mit Damayantī auf dem Erdboden ein.

Wort für Wort
sa vai vivastro malino vikacaḥ pāṃsuguṇṭhitaḥ damayantyā saha śrāntaḥ suṣvāpa dharaṇītale
Er, gewandlos, schmutzig, mit zerzaustem Haar, staubbedeckt, schlief, erschöpft, zusammen mit Damayantī auf dem Erdboden ein.

damayanty api kalyāṇī nidrayāpahṛtā tataḥ sahasā duḥkham āsādya sukumārī tapasvinī

Auch Damayantī, die Holde, die Zartgliedrige, die Bemitleidenswerte, wurde vom Schlaf überwältigt, nachdem sie plötzlich in solches Leid geraten war.

Wort für Wort
damayanty api kalyāṇī nidrayāpahṛtā tataḥ sahasā duḥkham āsādya sukumārī tapasvinī
Auch Damayantī, die Holde, die Zartgliedrige, die Bemitleidenswerte, wurde vom Schlaf überwältigt, nachdem sie plötzlich in solches Leid geraten war.

suptāyāṃ damayantyāṃ tu nalo rājā viśāṃ pate śokonmathitacittātmā na sma śete yathā purā

Während Damayantī schlief, konnte König Nala aber, o Herr der Völker, seinen Geist vom Kummer aufgewühlt, nicht schlafen wie zuvor.

Wort für Wort
suptāyāṃ damayantyāṃ tu nalo rājā viśāṃ pate śokonmathitacittātmā na sma śete yathā purā
Während Damayantī schlief, konnte König Nala aber, o Herr der Völker, seinen Geist vom Kummer aufgewühlt, nicht schlafen wie zuvor.

sa tad rājyāpaharaṇaṃ suhṛttyāgaṃ ca sarvaśaḥ vane ca taṃ paridhvaṃsaṃ prekṣya cintām upeyivān

Er, an jenen Verlust des Königreichs denkend, und die gänzliche Verlassenheit durch seine Freunde, und diesen Untergang im Wald vor Augen, verfiel in Grübeln.

Wort für Wort
sa tad rājyāpaharaṇaṃ suhṛttyāgaṃ ca sarvaśaḥ vane ca taṃ paridhvaṃsaṃ prekṣya cintām upeyivān
Er, an jenen Verlust des Königreichs denkend, und die gänzliche Verlassenheit durch seine Freunde, und diesen Untergang im Wald vor Augen, verfiel in Grübeln.

kiṃ nu me syād idaṃ kṛtvā kiṃ nu me syād akurvataḥ kiṃ nu me maraṇaṃ śreyaḥ parityāgo janasya vā

„Was wohl würde mir geschehen, wenn ich dies täte? Was wohl, wenn ich es nicht täte? Wäre mir der Tod besser, oder das Verlassen dieser Person?

Wort für Wort
kiṃ nu me syād idaṃ kṛtvā kiṃ nu me syād akurvataḥ kiṃ nu me maraṇaṃ śreyaḥ parityāgo janasya vā
„Was wohl würde mir geschehen, wenn ich dies täte? Was wohl, wenn ich es nicht täte? Wäre mir der Tod besser, oder das Verlassen dieser Person?

mām iyaṃ hy anuraktedaṃ duḥkham āpnoti matkṛte madvihīnā tv iyaṃ gacchet kadā cit svajanaṃ prati

Diese, mir zugetan, erleidet meinetwegen dieses Leid; doch ohne mich könnte sie irgendwann zu ihren eigenen Leuten gelangen.

Wort für Wort
mām iyaṃ hy anuraktedaṃ duḥkham āpnoti matkṛte madvihīnā tv iyaṃ gacchet kadā cit svajanaṃ prati
Diese, mir zugetan, erleidet meinetwegen dieses Leid; doch ohne mich könnte sie irgendwann zu ihren eigenen Leuten gelangen.

mayā niḥsaṃśayaṃ duḥkham iyaṃ prāpsyaty anuttamā utsarge saṃśayaḥ syāt tu vindetāpi sukhaṃ kva cit

Mit mir wird diese Unvergleichliche ohne Zweifel Leid erfahren; verließe ich sie aber, so bestünde zwar Ungewissheit, doch könnte sie vielleicht irgendwo Glück finden.“

Wort für Wort
mayā niḥsaṃśayaṃ duḥkham iyaṃ prāpsyaty anuttamā utsarge saṃśayaḥ syāt tu vindetāpi sukhaṃ kva cit
Mit mir wird diese Unvergleichliche ohne Zweifel Leid erfahren; verließe ich sie aber, so bestünde zwar Ungewissheit, doch könnte sie vielleicht irgendwo Glück finden.“

sa viniścitya bahudhā vicārya ca punaḥ punaḥ utsarge 'manyata śreyo damayantyā narādhipaḥ

Nachdem er auf vielerlei Weise überlegt und immer wieder nachgedacht hatte, hielt der Herrscher der Menschen es für besser, Damayantī zu verlassen.

Wort für Wort
sa viniścitya bahudhā vicārya ca punaḥ punaḥ utsarge 'manyata śreyo damayantyā narādhipaḥ
Nachdem er auf vielerlei Weise überlegt und immer wieder nachgedacht hatte, hielt der Herrscher der Menschen es für besser, Damayantī zu verlassen.

so 'vastratām ātmanaś ca tasyāś cāpy ekavastratām cintayitvādhyagād rājā vastrārdhasyāvakartanam

Nachdem er über seine eigene Gewandlosigkeit und ihr einziges Gewand nachgedacht hatte, kam der König auf den Gedanken, die Hälfte ihres Gewandes abzuschneiden.

Wort für Wort
so 'vastratām ātmanaś ca tasyāś cāpy ekavastratām cintayitvādhyagād rājā vastrārdhasyāvakartanam
Nachdem er über seine eigene Gewandlosigkeit und ihr einziges Gewand nachgedacht hatte, kam der König auf den Gedanken, die Hälfte ihres Gewandes abzuschneiden.

kathaṃ vāso vikarteyaṃ na ca budhyeta me priyā cintyaivaṃ naiṣadho rājā sabhāṃ paryacarat tadā

„Wie könnte ich das Gewand abschneiden, ohne dass meine Geliebte erwacht?“ - so nachdenkend, umschritt König Naiṣadha da die Versammlungshalle.

Wort für Wort
kathaṃ vāso vikarteyaṃ na ca budhyeta me priyā cintyaivaṃ naiṣadho rājā sabhāṃ paryacarat tadā
„Wie könnte ich das Gewand abschneiden, ohne dass meine Geliebte erwacht?“ - so nachdenkend, umschritt König Naiṣadha da die Versammlungshalle.

paridhāvann atha nala itaś cetaś ca bhārata āsasāda sabhoddeśe vikośaṃ khaḍgam uttamam

Während er hierhin und dorthin umherlief, o Bhārata, fand Nala an einer Stelle der Halle ein vortreffliches, scheidenloses Schwert.

Wort für Wort
paridhāvann atha nala itaś cetaś ca bhārata āsasāda sabhoddeśe vikośaṃ khaḍgam uttamam
Während er hierhin und dorthin umherlief, o Bhārata, fand Nala an einer Stelle der Halle ein vortreffliches, scheidenloses Schwert.

tenārdhaṃ vāsasaś chittvā nivasya ca paraṃtapaḥ suptām utsṛjya vaidarbhīṃ prādravad gatacetanaḥ

Mit diesem schnitt der Feindebezwinger die Hälfte des Gewandes ab, kleidete sich damit, und, seines Verstandes beraubt, ließ er die schlafende Vaidarbhī zurück und lief davon.

Wort für Wort
tenārdhaṃ vāsasaś chittvā nivasya ca paraṃtapaḥ suptām utsṛjya vaidarbhīṃ prādravad gatacetanaḥ
Mit diesem schnitt der Feindebezwinger die Hälfte des Gewandes ab, kleidete sich damit, und, seines Verstandes beraubt, ließ er die schlafende Vaidarbhī zurück und lief davon.

tato nibaddhahṛdayaḥ punar āgamya tāṃ sabhām damayantīṃ tathā dṛṣṭvā ruroda niṣadhādhipaḥ

Dann kehrte er, das Herz gefesselt, wieder zu jener Halle zurück, und als er Damayantī so schlafend sah, weinte der Herrscher der Niṣadhas.

Wort für Wort
tato nibaddhahṛdayaḥ punar āgamya tāṃ sabhām damayantīṃ tathā dṛṣṭvā ruroda niṣadhādhipaḥ
Dann kehrte er, das Herz gefesselt, wieder zu jener Halle zurück, und als er Damayantī so schlafend sah, weinte der Herrscher der Niṣadhas.

yāṃ na vāyur na cādityaḥ purā paśyati me priyām seyam adya sabhāmadhye śete bhūmāv anāthavat

„Sie, meine Geliebte, die früher weder der Wind noch die Sonne erblickte - eben sie liegt heute inmitten einer Halle auf dem Boden, wie eine Herrenlose.

Wort für Wort
yāṃ na vāyur na cādityaḥ purā paśyati me priyām seyam adya sabhāmadhye śete bhūmāv anāthavat
„Sie, meine Geliebte, die früher weder der Wind noch die Sonne erblickte - eben sie liegt heute inmitten einer Halle auf dem Boden, wie eine Herrenlose.

iyaṃ vastrāvakartena saṃvītā cāruhāsinī unmatteva varārohā kathaṃ buddhvā bhaviṣyati

Wie wird diese, die lieblich Lächelnde, die Schönhüftige, mit dem abgeschnittenen Gewand bekleidet, wie von Sinnen, wohl sein, wenn sie erwacht?

Wort für Wort
iyaṃ vastrāvakartena saṃvītā cāruhāsinī unmatteva varārohā kathaṃ buddhvā bhaviṣyati
Wie wird diese, die lieblich Lächelnde, die Schönhüftige, mit dem abgeschnittenen Gewand bekleidet, wie von Sinnen, wohl sein, wenn sie erwacht?

katham ekā satī bhaimī mayā virahitā śubhā cariṣyati vane ghore mṛgavyālaniṣevite

Wie wird die tugendhafte, holde Tochter Bhīmas, allein, von mir getrennt, im schrecklichen Wald umherziehen, der von wilden Tieren und Schlangen bewohnt ist?“

Wort für Wort
katham ekā satī bhaimī mayā virahitā śubhā cariṣyati vane ghore mṛgavyālaniṣevite
Wie wird die tugendhafte, holde Tochter Bhīmas, allein, von mir getrennt, im schrecklichen Wald umherziehen, der von wilden Tieren und Schlangen bewohnt ist?“

gatvā gatvā nalo rājā punar eti sabhāṃ muhuḥ ākṛṣyamāṇaḥ kalinā sauhṛdenāpakṛṣyate

Immer wieder fortgehend, kehrte König Nala doch wieder zur Halle zurück, von Kali fortgezogen, doch von seiner Zuneigung zurückgehalten.

Wort für Wort
gatvā gatvā nalo rājā punar eti sabhāṃ muhuḥ ākṛṣyamāṇaḥ kalinā sauhṛdenāpakṛṣyate
Immer wieder fortgehend, kehrte König Nala doch wieder zur Halle zurück, von Kali fortgezogen, doch von seiner Zuneigung zurückgehalten.

dvidheva hṛdayaṃ tasya duḥkhitasyābhavat tadā doleva muhur āyāti yāti caiva sabhāṃ muhuḥ

Wie gespalten war da das Herz des Betrübten; wie eine Schaukel kam er immer wieder zur Halle und ging wieder fort.

Wort für Wort
dvidheva hṛdayaṃ tasya duḥkhitasyābhavat tadā doleva muhur āyāti yāti caiva sabhāṃ muhuḥ
Wie gespalten war da das Herz des Betrübten; wie eine Schaukel kam er immer wieder zur Halle und ging wieder fort.

so 'pakṛṣṭas tu kalinā mohitaḥ prādravan nalaḥ suptām utsṛjya tāṃ bhāryāṃ vilapya karuṇaṃ bahu

Von Kali fortgezogen, verwirrt, lief Nala schließlich davon, nachdem er, viel und mitleiderregend klagend, seine schlafende Gattin zurückgelassen hatte.

Wort für Wort
so 'pakṛṣṭas tu kalinā mohitaḥ prādravan nalaḥ suptām utsṛjya tāṃ bhāryāṃ vilapya karuṇaṃ bahu
Von Kali fortgezogen, verwirrt, lief Nala schließlich davon, nachdem er, viel und mitleiderregend klagend, seine schlafende Gattin zurückgelassen hatte.

naṣṭātmā kalinā spṛṣṭas tat tad vigaṇayan nṛpaḥ jagāmaiva vane śūnye bhāryām utsṛjya duḥkhitaḥ

Seines Selbst beraubt, von Kali berührt, dies und jenes bedenkend, ging der betrübte König fort, seine Gattin im menschenleeren Wald zurücklassend.

Wort für Wort
naṣṭātmā kalinā spṛṣṭas tat tad vigaṇayan nṛpaḥ jagāmaiva vane śūnye bhāryām utsṛjya duḥkhitaḥ
Seines Selbst beraubt, von Kali berührt, dies und jenes bedenkend, ging der betrübte König fort, seine Gattin im menschenleeren Wald zurücklassend.

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