Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 31: Īśvaravādaḥ Draupadīs Anklage: Die Macht des Schöpfers und die Frage nach der göttlichen Gerechtigkeit

Draupadī setzt ihre Klage fort: Sie preist zunächst Yudhiṣṭhiras untadelige Dharma-Treue und Freigebigkeit, stellt dem aber sein unverdientes Unglück gegenüber. In einer alten Erzählung entfaltet sie eine radikale Theologie der absoluten Abhängigkeit aller Wesen vom Schöpfer (Dhātṛ/Īśvara) - Menschen als hölzerne Puppen, an Schnüre gebundene Vögel, Grashalme im Wind -, und fragt eindringlich, warum der Schöpfer den Edlen Leid und den Unedlen (wie Duryodhana) Wohlstand zuteilt, ja ob nicht der Schöpfer selbst durch das Unrecht in der Welt befleckt werde.

draupady uvāca namo dhātre vidhātre ca yau mohaṃ cakratus tava pitṛpaitāmahe vṛtte voḍhavye te 'nyathā matiḥ

Draupadī sprach: „Verehrung sei dem Erschaffer und dem Verfüger, die dich in Verblendung gestürzt haben - dich, der du dem Wandel deines Vaters und Großvaters folgst und ihn fortführen solltest, [und dennoch] ist deine Gesinnung nun ins Gegenteil verkehrt.

Wort für Wort
draupady uvāca namo dhātre vidhātre ca yau mohaṃ cakratus tava pitṛpaitāmahe vṛtte voḍhavye te 'nyathā matiḥ
Draupadī sprach: „Verehrung sei dem Erschaffer und dem Verfüger, die dich in Verblendung gestürzt haben - dich, der du dem Wandel deines Vaters und Großvaters folgst und ihn fortführen solltest, [und dennoch] ist deine Gesinnung nun ins Gegenteil verkehrt.

[Anm.: Die genaue Konstruktion dieses Eröffnungsverses ist umstritten; sinngemäß eröffnet Draupadī mit ironischem Lob der Schöpfergötter, die Yudhiṣṭhiras sonst untadeligen Sinn verwirrt hätten.]

neha dharmānṛśaṃsyābhyāṃ na kṣāntyā nārjavena ca puruṣaḥ śriyam āpnoti na ghṛṇitvena karhi cit

Nicht durch Dharma und Mitleid, nicht durch Nachsicht und nicht durch Aufrichtigkeit erlangt hier ein Mensch Wohlstand, noch jemals durch Mitgefühl.

Wort für Wort
neha dharmānṛśaṃsyābhyāṃ na kṣāntyā nārjavena ca puruṣaḥ śriyam āpnoti na ghṛṇitvena karhi cit
Nicht durch Dharma und Mitleid, nicht durch Nachsicht und nicht durch Aufrichtigkeit erlangt hier ein Mensch Wohlstand, noch jemals durch Mitgefühl.

tvāṃ ced vyasanam abhyāgād idaṃ bhārata duḥsaham yat tvaṃ nārhasi nāpīme bhrātaras te mahaujasaḥ

Wenn dich, o Bhārata, dieses unerträgliche Unglück ereilt hat, das weder du noch diese deine überaus mächtigen Brüder verdienen -

Wort für Wort
tvāṃ ced vyasanam abhyāgād idaṃ bhārata duḥsaham yat tvaṃ nārhasi nāpīme bhrātaras te mahaujasaḥ
Wenn dich, o Bhārata, dieses unerträgliche Unglück ereilt hat, das weder du noch diese deine überaus mächtigen Brüder verdienen -

na hi te 'dhyagamaj jātu tadānīṃ nādya bhārata dharmāt priyataraṃ kiṃ cid api cej jīvitād iha

denn niemals, weder damals noch heute, o Bhārata, hast du irgendetwas gefunden, das dir lieber gewesen wäre als Dharma, selbst nicht dein eigenes Leben.

Wort für Wort
na hi te 'dhyagamaj jātu tadānīṃ nādya bhārata dharmāt priyataraṃ kiṃ cid api cej jīvitād iha
denn niemals, weder damals noch heute, o Bhārata, hast du irgendetwas gefunden, das dir lieber gewesen wäre als Dharma, selbst nicht dein eigenes Leben.

dharmārtham eva te rājyaṃ dharmārthaṃ jīvitaṃ ca te brāhmaṇā guravaś caiva jānanty api ca devatāḥ

Um des Dharma willen allein war dein Königreich, um des Dharma willen dein Leben; dies wissen die Brāhmaṇas und Lehrer, ja sogar die Götter.

Wort für Wort
dharmārtham eva te rājyaṃ dharmārthaṃ jīvitaṃ ca te brāhmaṇā guravaś caiva jānanty api ca devatāḥ
Um des Dharma willen allein war dein Königreich, um des Dharma willen dein Leben; dies wissen die Brāhmaṇas und Lehrer, ja sogar die Götter.

bhīmasenārjunau caiva mādreyau ca mayā saha tyajes tvam iti me buddhir na tu dharmaṃ parityajeḥ

Bhīmasena und Arjuna sowie die beiden Söhne der Mādrī und mich - eher würdest du, so glaube ich, uns alle verlassen, als dass du den Dharma aufgäbest.

Wort für Wort
bhīmasenārjunau caiva mādreyau ca mayā saha tyajes tvam iti me buddhir na tu dharmaṃ parityajeḥ
Bhīmasena und Arjuna sowie die beiden Söhne der Mādrī und mich - eher würdest du, so glaube ich, uns alle verlassen, als dass du den Dharma aufgäbest.

rājānaṃ dharmagoptāraṃ dharmo rakṣati rakṣitaḥ iti me śrutam āryāṇāṃ tvāṃ tu manye na rakṣati

„Den König, den Hüter des Dharma, beschützt der Dharma, wenn er selbst beschützt wird“ - so habe ich von den Edlen gehört; dich aber, so meine ich, beschützt er nicht.

Wort für Wort
rājānaṃ dharmagoptāraṃ dharmo rakṣati rakṣitaḥ iti me śrutam āryāṇāṃ tvāṃ tu manye na rakṣati
„Den König, den Hüter des Dharma, beschützt der Dharma, wenn er selbst beschützt wird“ - so habe ich von den Edlen gehört; dich aber, so meine ich, beschützt er nicht.

ananyā hi naravyāghra nityadā dharmam eva te buddhiḥ satatam anveti chāyeva puruṣaṃ nijā

Denn unablässig, o Tiger unter den Männern, folgt dein Sinn stets nur dem Dharma, wie der eigene Schatten dem Menschen folgt.

Wort für Wort
ananyā hi naravyāghra nityadā dharmam eva te buddhiḥ satatam anveti chāyeva puruṣaṃ nijā
Denn unablässig, o Tiger unter den Männern, folgt dein Sinn stets nur dem Dharma, wie der eigene Schatten dem Menschen folgt.

nāvamaṃsthā hi sadṛśān nāvarāñ śreyasaḥ kutaḥ avāpya pṛthivīṃ kṛtsnāṃ na te śṛṅgam avardhata

Denn du hast weder deinesgleichen noch Geringere je verachtet - wie viel weniger dann Bessere; auch nach Erlangung der ganzen Erde ist dein Hochmut nicht gewachsen.

Wort für Wort
nāvamaṃsthā hi sadṛśān nāvarāñ śreyasaḥ kutaḥ avāpya pṛthivīṃ kṛtsnāṃ na te śṛṅgam avardhata
Denn du hast weder deinesgleichen noch Geringere je verachtet - wie viel weniger dann Bessere; auch nach Erlangung der ganzen Erde ist dein Hochmut nicht gewachsen.

svāhākāraiḥ svadhābhiś ca pūjābhir api ca dvijān daivatāni pitṝṃś caiva satataṃ pārtha sevase

Mit Svāhā-Rufen und Svadhā-Opfern sowie mit Ehrerbietungen dienst du beständig, Pārtha, den Zweifachgeborenen, den Göttern und den Ahnen.

Wort für Wort
svāhākāraiḥ svadhābhiś ca pūjābhir api ca dvijān daivatāni pitṝṃś caiva satataṃ pārtha sevase
Mit Svāhā-Rufen und Svadhā-Opfern sowie mit Ehrerbietungen dienst du beständig, Pārtha, den Zweifachgeborenen, den Göttern und den Ahnen.

brāhmaṇāḥ sarvakāmais te satataṃ pārtha tarpitāḥ yatayo mokṣiṇaś caiva gṛhasthāś caiva bhārata

Die Brāhmaṇas werden von dir beständig mit allem, was sie begehren, erquickt, Pārtha, sowohl die nach Erlösung strebenden Asketen als auch die Hausväter, o Bhārata.

Wort für Wort
brāhmaṇāḥ sarvakāmais te satataṃ pārtha tarpitāḥ yatayo mokṣiṇaś caiva gṛhasthāś caiva bhārata
Die Brāhmaṇas werden von dir beständig mit allem, was sie begehren, erquickt, Pārtha, sowohl die nach Erlösung strebenden Asketen als auch die Hausväter, o Bhārata.

āraṇyakebhyo lauhāni bhājanāni prayacchasi nādeyaṃ brāhmaṇebhyas te gṛhe kiṃ cana vidyate

Den Waldeinsiedlern gibst du eiserne Gefäße; nichts gibt es in deinem Haus, das den Brāhmaṇas nicht zu geben wäre.

Wort für Wort
āraṇyakebhyo lauhāni bhājanāni prayacchasi nādeyaṃ brāhmaṇebhyas te gṛhe kiṃ cana vidyate
Den Waldeinsiedlern gibst du eiserne Gefäße; nichts gibt es in deinem Haus, das den Brāhmaṇas nicht zu geben wäre.

yad idaṃ vaiśvadevānte sāyaṃprātaḥ pradīyate tad dattvātithibhṛtyebhyo rājañ śeṣeṇa jīvasi

Was hier nach dem Vaiśvadeva-Opfer abends und morgens gegeben wird, das gibst du den Gästen und Dienern, o König, und lebst von dem, was übrig bleibt.

Wort für Wort
yad idaṃ vaiśvadevānte sāyaṃprātaḥ pradīyate tad dattvātithibhṛtyebhyo rājañ śeṣeṇa jīvasi
Was hier nach dem Vaiśvadeva-Opfer abends und morgens gegeben wird, das gibst du den Gästen und Dienern, o König, und lebst von dem, was übrig bleibt.

iṣṭayaḥ paśubandhāś ca kāmyanaimittikāś ca ye vartante pākayajñāś ca yajñakarma ca nityadā

Die Opfer und Tieropfer, die nach Wunsch oder aus besonderem Anlass dargebracht werden, sowie die Kochopfer und die stete Opferhandlung -

Wort für Wort
iṣṭayaḥ paśubandhāś ca kāmyanaimittikāś ca ye vartante pākayajñāś ca yajñakarma ca nityadā
Die Opfer und Tieropfer, die nach Wunsch oder aus besonderem Anlass dargebracht werden, sowie die Kochopfer und die stete Opferhandlung -

asminn api mahāraṇye vijane dasyusevite rāṣṭrād apetya vasato dhārmas te nāvasīdati

selbst hier in dieser großen, menschenleeren, von Räubern heimgesuchten Wildnis, fern vom Reich lebend, versäumst du deinen Dharma nicht.

Wort für Wort
asminn api mahāraṇye vijane dasyusevite rāṣṭrād apetya vasato dhārmas te nāvasīdati
selbst hier in dieser großen, menschenleeren, von Räubern heimgesuchten Wildnis, fern vom Reich lebend, versäumst du deinen Dharma nicht.

aśvamedho rājasūyaḥ puṇḍarīko 'tha gosavaḥ etair api mahāyajñair iṣṭaṃ te bhūridakṣiṇaiḥ

Das Aśvamedha-, das Rājasūya-, das Puṇḍarīka- und das Gosava-Opfer - auch mit diesen großen, reich mit Opfergaben versehenen Opfern hast du geopfert.

Wort für Wort
aśvamedho rājasūyaḥ puṇḍarīko 'tha gosavaḥ etair api mahāyajñair iṣṭaṃ te bhūridakṣiṇaiḥ
Das Aśvamedha-, das Rājasūya-, das Puṇḍarīka- und das Gosava-Opfer - auch mit diesen großen, reich mit Opfergaben versehenen Opfern hast du geopfert.

rājan parītayā buddhyā viṣame 'kṣaparājaye rājyaṃ vasūny āyudhāni bhrātṝn māṃ cāsi nirjitaḥ

Und dennoch, o König, bist du, mit umnebeltem Verstand, in dem heimtückischen Würfelspiel besiegt worden - Reich, Reichtümer, Waffen, Brüder und mich hast du verloren.

Wort für Wort
rājan parītayā buddhyā viṣame 'kṣaparājaye rājyaṃ vasūny āyudhāni bhrātṝn māṃ cāsi nirjitaḥ
Und dennoch, o König, bist du, mit umnebeltem Verstand, in dem heimtückischen Würfelspiel besiegt worden - Reich, Reichtümer, Waffen, Brüder und mich hast du verloren.

ṛjor mṛdor vadānyasya hrīmataḥ satyavādinaḥ katham akṣavyasanajā buddhir āpatitā tava

Wie nur konnte dich, den Aufrichtigen, Milden, Freigebigen, Schamhaften, Wahrhaftigen, ein aus der Würfelsucht entstandener Verstand befallen?

Wort für Wort
ṛjor mṛdor vadānyasya hrīmataḥ satyavādinaḥ katham akṣavyasanajā buddhir āpatitā tava
Wie nur konnte dich, den Aufrichtigen, Milden, Freigebigen, Schamhaften, Wahrhaftigen, ein aus der Würfelsucht entstandener Verstand befallen?

atīva moham āyāti manaś ca paridūyate niśāmya te duḥkham idam imāṃ cāpadam īdṛśīm

Mein Geist gerät in höchste Verwirrung, und mein Herz brennt vor Kummer, wenn ich dieses dein Leid und dieses solcherart geartete Unglück bedenke.

Wort für Wort
atīva moham āyāti manaś ca paridūyate niśāmya te duḥkham idam imāṃ cāpadam īdṛśīm
Mein Geist gerät in höchste Verwirrung, und mein Herz brennt vor Kummer, wenn ich dieses dein Leid und dieses solcherart geartete Unglück bedenke.

atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam īśvarasya vaśe lokas tiṣṭhate nātmano yathā

Auch hierzu erzählt man diese alte Geschichte, wie die Welt in der Macht des Herrn steht, nicht in ihrer eigenen.

Wort für Wort
atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam īśvarasya vaśe lokas tiṣṭhate nātmano yathā
Auch hierzu erzählt man diese alte Geschichte, wie die Welt in der Macht des Herrn steht, nicht in ihrer eigenen.

dhātaiva khalu bhūtānāṃ sukhaduḥkhe priyāpriye dadhāti sarvam īśānaḥ purastāc chukram uccaran

Der Schöpfer selbst gewiss bestimmt für die Wesen Glück und Leid, Angenehmes und Unangenehmes, der Herrschende - von Anbeginn den Lebenssamen aussendend [?].

Wort für Wort
dhātaiva khalu bhūtānāṃ sukhaduḥkhe priyāpriye dadhāti sarvam īśānaḥ purastāc chukram uccaran
Der Schöpfer selbst gewiss bestimmt für die Wesen Glück und Leid, Angenehmes und Unangenehmes, der Herrschende - von Anbeginn den Lebenssamen aussendend [?].

[Anm.: Die Wendung „purastāc chukram uccaran“ (etwa: von Anfang an den Samen aussendend/emporsteigend) ist dunkel und wird unterschiedlich gedeutet; sie scheint auf die ursprüngliche kosmogonische Schöpfungstat des Dhātṛ anzuspielen.]

yathā dārumayī yoṣā naravīra samāhitā īrayaty aṅgam aṅgāni tathā rājann imāḥ prajāḥ

Wie eine hölzerne Puppe, kunstvoll zusammengefügt, o Männerheld, Glied um Glied bewegt wird, so bewegt der Schöpfer diese Geschöpfe, o König.

Wort für Wort
yathā dārumayī yoṣā naravīra samāhitā īrayaty aṅgam aṅgāni tathā rājann imāḥ prajāḥ
Wie eine hölzerne Puppe, kunstvoll zusammengefügt, o Männerheld, Glied um Glied bewegt wird, so bewegt der Schöpfer diese Geschöpfe, o König.

ākāśa iva bhūtāni vyāpya sarvāṇi bhārata īśvaro vidadhātīha kalyāṇaṃ yac ca pāpakam

Wie der Äther, der alle Wesen durchdringt, bestimmt der Herr hier sowohl das Gute als auch das Böse.

Wort für Wort
ākāśa iva bhūtāni vyāpya sarvāṇi bhārata īśvaro vidadhātīha kalyāṇaṃ yac ca pāpakam
Wie der Äther, der alle Wesen durchdringt, bestimmt der Herr hier sowohl das Gute als auch das Böse.

śakunis tantubaddho vā niyato 'yam anīśvaraḥ īśvarasya vaśe tiṣṭhan nānyeṣāṃ nātmanaḥ prabhuḥ

Wie ein an einer Schnur gebundener Vogel, so ist dieser Mensch gebunden, ohnmächtig, in der Macht des Herrn stehend, nicht Herr über andere noch über sich selbst.

Wort für Wort
śakunis tantubaddho vā niyato 'yam anīśvaraḥ īśvarasya vaśe tiṣṭhan nānyeṣāṃ nātmanaḥ prabhuḥ
Wie ein an einer Schnur gebundener Vogel, so ist dieser Mensch gebunden, ohnmächtig, in der Macht des Herrn stehend, nicht Herr über andere noch über sich selbst.

maṇiḥ sūtra iva proto nasyota iva govṛṣaḥ dhātur ādeśam anveti tanmayo hi tadarpaṇaḥ

Wie ein an eine Schnur gereihter Edelstein, wie ein am Nasenring geführter Stier, folgt er dem Gebot des Schöpfers, denn er ist von ihm durchdrungen und ihm ausgeliefert.

Wort für Wort
maṇiḥ sūtra iva proto nasyota iva govṛṣaḥ dhātur ādeśam anveti tanmayo hi tadarpaṇaḥ
Wie ein an eine Schnur gereihter Edelstein, wie ein am Nasenring geführter Stier, folgt er dem Gebot des Schöpfers, denn er ist von ihm durchdrungen und ihm ausgeliefert.

nātmādhīno manuṣyo 'yaṃ kālaṃ bhavati kaṃ cana srotaso madhyam āpannaḥ kūlād vṛkśa iva cyutaḥ

Dieser Mensch ist zu keiner Zeit sein eigener Herr, gleich einem vom Ufer gefallenen Baum, der in die Mitte der Strömung geraten ist.

Wort für Wort
nātmādhīno manuṣyo 'yaṃ kālaṃ bhavati kaṃ cana srotaso madhyam āpannaḥ kūlād vṛkśa iva cyutaḥ
Dieser Mensch ist zu keiner Zeit sein eigener Herr, gleich einem vom Ufer gefallenen Baum, der in die Mitte der Strömung geraten ist.

ajño jantur anīśo 'yam ātmanaḥ sukhaduḥkhayoḥ īśvaraprerito gacchet svargaṃ narakam eva ca

Dieses unwissende Geschöpf ist nicht Herr über sein eigenes Glück und Leid; vom Herrn getrieben, geht es sowohl in den Himmel als auch in die Hölle.

Wort für Wort
ajño jantur anīśo 'yam ātmanaḥ sukhaduḥkhayoḥ īśvaraprerito gacchet svargaṃ narakam eva ca
Dieses unwissende Geschöpf ist nicht Herr über sein eigenes Glück und Leid; vom Herrn getrieben, geht es sowohl in den Himmel als auch in die Hölle.

yathā vāyos tṛṇāgrāṇi vaśaṃ yānti balīyasaḥ dhātur evaṃ vaśaṃ yānti sarvabhūtāni bhārata

Wie die Spitzen der Gräser in die Gewalt des mächtigen Windes geraten, so geraten, o Bhārata, alle Wesen in die Gewalt des Schöpfers.

Wort für Wort
yathā vāyos tṛṇāgrāṇi vaśaṃ yānti balīyasaḥ dhātur evaṃ vaśaṃ yānti sarvabhūtāni bhārata
Wie die Spitzen der Gräser in die Gewalt des mächtigen Windes geraten, so geraten, o Bhārata, alle Wesen in die Gewalt des Schöpfers.

āryakarmaṇi yuñjānaḥ pāpe vā punar īśvaraḥ vyāpya bhūtāni carate na cāyam iti lakṣyate

Der Herr, der die Wesen durchdringt, treibt sie bald zu edlem, bald wieder zu bösem Tun, und dennoch wird er selbst dabei nicht wahrgenommen.

Wort für Wort
āryakarmaṇi yuñjānaḥ pāpe vā punar īśvaraḥ vyāpya bhūtāni carate na cāyam iti lakṣyate
Der Herr, der die Wesen durchdringt, treibt sie bald zu edlem, bald wieder zu bösem Tun, und dennoch wird er selbst dabei nicht wahrgenommen.

hetumātram idaṃ dhātuḥ śarīraṃ kṣetrasaṃjñitam yena kārayate karma śubhāśubhaphalaṃ vibhuḥ

Dieser Körper, „Feld“ genannt, ist nur das Werkzeug des Schöpfers, durch das der Allmächtige gute und böse Taten mit ihren Früchten bewirken lässt.

Wort für Wort
hetumātram idaṃ dhātuḥ śarīraṃ kṣetrasaṃjñitam yena kārayate karma śubhāśubhaphalaṃ vibhuḥ
Dieser Körper, „Feld“ genannt, ist nur das Werkzeug des Schöpfers, durch das der Allmächtige gute und böse Taten mit ihren Früchten bewirken lässt.

paśya māyāprabhāvo 'yam īśvareṇa yathā kṛtaḥ yo hanti bhūtair bhūtāni mohayitvātmamāyayā

Sieh, welch eine Zaubermacht dies ist, wie sie vom Herrn geschaffen wurde, der, nachdem er die Wesen durch seine eigene Zauberkunst verblendet hat, die Wesen durch andere Wesen tötet.

Wort für Wort
paśya māyāprabhāvo 'yam īśvareṇa yathā kṛtaḥ yo hanti bhūtair bhūtāni mohayitvātmamāyayā
Sieh, welch eine Zaubermacht dies ist, wie sie vom Herrn geschaffen wurde, der, nachdem er die Wesen durch seine eigene Zauberkunst verblendet hat, die Wesen durch andere Wesen tötet.

anyathā paridṛṣṭāni munibhir vedadarśibhiḥ anyathā parivartante vegā iva nabhasvataḥ

Anders werden die Dinge von den Weisen, den Kennern der Veden, wahrgenommen; anders wenden sie sich, wie die Böen des Windes.

Wort für Wort
anyathā paridṛṣṭāni munibhir vedadarśibhiḥ anyathā parivartante vegā iva nabhasvataḥ
Anders werden die Dinge von den Weisen, den Kennern der Veden, wahrgenommen; anders wenden sie sich, wie die Böen des Windes.

anyathaiva hi manyante puruṣās tāni tāni ca anyathaiva prabhus tāni karoti vikaroti ca

Anders nämlich denken die Menschen über dies und das, und ganz anders bewirkt und verändert der Herr diese Dinge.

Wort für Wort
anyathaiva hi manyante puruṣās tāni tāni ca anyathaiva prabhus tāni karoti vikaroti ca
Anders nämlich denken die Menschen über dies und das, und ganz anders bewirkt und verändert der Herr diese Dinge.

yathā kāṣṭhena vā kāṣṭham aśmānaṃ cāśmanā punaḥ ayasā cāpy ayaś chindyān nirviceṣṭam acetanam

Wie man Holz mit Holz, oder wiederum Stein mit Stein, oder Eisen mit Eisen zerschlagen könnte, obwohl dies regungslos und bewusstlos ist -

Wort für Wort
yathā kāṣṭhena vā kāṣṭham aśmānaṃ cāśmanā punaḥ ayasā cāpy ayaś chindyān nirviceṣṭam acetanam
Wie man Holz mit Holz, oder wiederum Stein mit Stein, oder Eisen mit Eisen zerschlagen könnte, obwohl dies regungslos und bewusstlos ist -

evaṃ sa bhagavān devaḥ svayambhūḥ prapitāmahaḥ hinasti bhūtair bhūtāni chadma kṛtvā yudhiṣṭhira

ebenso vernichtet jener erhabene Gott, der Selbstentstandene, der Urgroßvater, Wesen durch Wesen, nachdem er eine Täuschung bewirkt hat, o Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
evaṃ sa bhagavān devaḥ svayambhūḥ prapitāmahaḥ hinasti bhūtair bhūtāni chadma kṛtvā yudhiṣṭhira
ebenso vernichtet jener erhabene Gott, der Selbstentstandene, der Urgroßvater, Wesen durch Wesen, nachdem er eine Täuschung bewirkt hat, o Yudhiṣṭhira.

saṃprayojya viyojyāyaṃ kāmakārakaraḥ prabhuḥ krīḍate bhagavan bhūtair bālaḥ krīḍanakair iva

Dieser Herr, der nach Belieben wirkt, spielt, nachdem er Wesen verbunden und wieder getrennt hat, mit den Wesen wie ein Kind mit seinem Spielzeug.

Wort für Wort
saṃprayojya viyojyāyaṃ kāmakārakaraḥ prabhuḥ krīḍate bhagavan bhūtair bālaḥ krīḍanakair iva
Dieser Herr, der nach Belieben wirkt, spielt, nachdem er Wesen verbunden und wieder getrennt hat, mit den Wesen wie ein Kind mit seinem Spielzeug.

[Anm.: Das im Sanskrit hier eingefügte Vokativ „bhagavan“ (o Erhabener) passt grammatisch nicht recht zur dritten Person des Satzes; vermutlich eine formelhafte Einfügung des überlieferten Textes.]

na mātṛpitṛvad rājan dhātā bhūteṣu vartate roṣād iva pravṛtto 'yaṃ yathāyam itaro janaḥ

Nicht wie eine Mutter oder ein Vater verhält sich der Schöpfer gegenüber den Wesen, o König; er handelt, als sei er wie von Zorn getrieben, wie irgendein anderer gewöhnlicher Mensch.

Wort für Wort
na mātṛpitṛvad rājan dhātā bhūteṣu vartate roṣād iva pravṛtto 'yaṃ yathāyam itaro janaḥ
Nicht wie eine Mutter oder ein Vater verhält sich der Schöpfer gegenüber den Wesen, o König; er handelt, als sei er wie von Zorn getrieben, wie irgendein anderer gewöhnlicher Mensch.

āryāñ śīlavato dṛṣṭvā hrīmato vṛttikarśitān anāryān sukhinaś caiva vihvalāmīva cintayā

Wenn ich die Edlen, Tugendhaften, Schamhaften sehe, von Not gequält, und die Unedlen dagegen im Glück, gerate ich, wie von Sorge überwältigt, in Verwirrung.

Wort für Wort
āryāñ śīlavato dṛṣṭvā hrīmato vṛttikarśitān anāryān sukhinaś caiva vihvalāmīva cintayā
Wenn ich die Edlen, Tugendhaften, Schamhaften sehe, von Not gequält, und die Unedlen dagegen im Glück, gerate ich, wie von Sorge überwältigt, in Verwirrung.

tavemām āpadaṃ dṛṣṭvā samṛddhiṃ ca suyodhane dhātāraṃ garhaye pārtha viṣamaṃ yo 'nupaśyati

Wenn ich dein Unglück sehe und den Wohlstand Suyodhanas, tadle ich den Schöpfer, Pārtha, der solches Unrecht gleichgültig mitansieht.

Wort für Wort
tavemām āpadaṃ dṛṣṭvā samṛddhiṃ ca suyodhane dhātāraṃ garhaye pārtha viṣamaṃ yo 'nupaśyati
Wenn ich dein Unglück sehe und den Wohlstand Suyodhanas, tadle ich den Schöpfer, Pārtha, der solches Unrecht gleichgültig mitansieht.

āryaśāstrātige krūre lubdhe dharmāpacāyini dhārtarāṣṭre śriyaṃ dattvā dhātā kiṃ phalam aśnute

Welche Frucht erlangt der Schöpfer wohl davon, dass er dem Sohn Dhṛtarāṣṭras, der die Lehren der Edlen übertritt, grausam, habgierig, den Dharma missachtend ist, Glanz und Reichtum verliehen hat?

Wort für Wort
āryaśāstrātige krūre lubdhe dharmāpacāyini dhārtarāṣṭre śriyaṃ dattvā dhātā kiṃ phalam aśnute
Welche Frucht erlangt der Schöpfer wohl davon, dass er dem Sohn Dhṛtarāṣṭras, der die Lehren der Edlen übertritt, grausam, habgierig, den Dharma missachtend ist, Glanz und Reichtum verliehen hat?

karma cet kṛtam anveti kartāraṃ nānyam ṛcchati karmaṇā tena pāpena lipyate nūnam īśvaraḥ

Wenn die vollbrachte Tat stets dem Täter folgt und keinen anderen trifft, dann wird gewiss auch der Herr selbst durch jene böse Tat befleckt.

Wort für Wort
karma cet kṛtam anveti kartāraṃ nānyam ṛcchati karmaṇā tena pāpena lipyate nūnam īśvaraḥ
Wenn die vollbrachte Tat stets dem Täter folgt und keinen anderen trifft, dann wird gewiss auch der Herr selbst durch jene böse Tat befleckt.

atha karma kṛtaṃ pāpaṃ na cet kartāram ṛcchati kāraṇaṃ balam eveha janāñ śocāmi durbalān

Wenn aber die vollbrachte böse Tat den Täter nicht trifft, dann ist hier bloße Macht die einzige wirkende Ursache - und ich beklage die Machtlosen.“

Wort für Wort
atha karma kṛtaṃ pāpaṃ na cet kartāram ṛcchati kāraṇaṃ balam eveha janāñ śocāmi durbalān
Wenn aber die vollbrachte böse Tat den Täter nicht trifft, dann ist hier bloße Macht die einzige wirkende Ursache - und ich beklage die Machtlosen.“

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