Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 172: Astradarśananiṣedhaḥ Die Waffenschau und Nāradas Warnung

Auf Yudhiṣṭhiras Bitte beginnt Arjuna, die von den Göttern empfangenen Waffen vorzuführen; schon der bloße Vorsatz, sie einzusetzen, erschüttert die Welt, lässt Flüsse und Ozean aufwühlen und Wind, Sonne und Feuer erlöschen, sodass Wesen aller Art, Weise und Götter, samt Brahmā und Śiva herbeieilen. Nārada tritt hervor und mahnt Arjuna eindringlich, die göttlichen Waffen niemals ohne zwingenden Anlass einzusetzen, da ihr Missbrauch die drei Welten vernichten könne; erst im kommenden Krieg gegen die Feinde sollen sie zum Einsatz kommen. Nach der Ermahnung ziehen alle Versammelten fort, und die Pāṇḍavas verweilen weiterhin froh im Wald mit Draupadī.

vaiśaṃpāyana uvāca tasyāṃ rajanyāṃ vyuṣṭāyāṃ dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ utthāyāvaśyakāryāṇi kṛtavān bhratṛbhiḥ saha

Vaiśaṃpāyana sprach: Als jene Nacht verstrichen war, erhob sich der Dharmarāja Yudhiṣṭhira und verrichtete mit seinen Brüdern die notwendigen Pflichten.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tasyāṃ rajanyāṃ vyuṣṭāyāṃ dharmarājo yudhiṣṭhiraḥ utthāyāvaśyakāryāṇi kṛtavān bhratṛbhiḥ saha
Vaiśaṃpāyana sprach: Als jene Nacht verstrichen war, erhob sich der Dharmarāja Yudhiṣṭhira und verrichtete mit seinen Brüdern die notwendigen Pflichten.

tataḥ saṃcodayām āsa so 'rjunaṃ bhrātṛnandanam darśayāstrāṇi kaunteya yair jitā dānavās tvayā

Da drängte er Arjuna, die Freude seiner Brüder: „Zeige die Waffen, Kaunteya, mit denen du die Dānavas besiegt hast.“

Wort für Wort
tataḥ saṃcodayām āsa so 'rjunaṃ bhrātṛnandanam darśayāstrāṇi kaunteya yair jitā dānavās tvayā
Da drängte er Arjuna, die Freude seiner Brüder: „Zeige die Waffen, Kaunteya, mit denen du die Dānavas besiegt hast.“

tato dhanaṃjayo rājan devair dattāni pāṇḍavaḥ astrāṇi tāni divyāni darśayām āsa bhārata

Da zeigte Dhanaṃjaya, der Pāṇḍava, o König, jene von den Göttern gegebenen göttlichen Waffen, o Bhārata.

Wort für Wort
tato dhanaṃjayo rājan devair dattāni pāṇḍavaḥ astrāṇi tāni divyāni darśayām āsa bhārata
Da zeigte Dhanaṃjaya, der Pāṇḍava, o König, jene von den Göttern gegebenen göttlichen Waffen, o Bhārata.

yathānyāyaṃ mahātejāḥ śaucaṃ paramam āsthitaḥ girikūbaraṃ pādapāṅgaṃ śubhaveṇu triveṇukam pārthivaṃ ratham āsthāya śobhamāno dhanaṃjayaḥ

Vorschriftsgemäß, in höchster Reinheit verharrend, bestieg der hochglanzvolle Dhanaṃjaya einen aus Erde und Naturstoffen bereiteten Wagen [?], mit einer Deichsel wie ein Berg, mit Rädern aus Baumzweigen, mit schönem, dreifach geflochtenem Bambus, erstrahlend,

Wort für Wort
yathānyāyaṃ mahātejāḥ śaucaṃ paramam āsthitaḥ girikūbaraṃ pādapāṅgaṃ śubhaveṇu triveṇukam pārthivaṃ ratham āsthāya śobhamāno dhanaṃjayaḥ
Vorschriftsgemäß, in höchster Reinheit verharrend, bestieg der hochglanzvolle Dhanaṃjaya einen aus Erde und Naturstoffen bereiteten Wagen [?], mit einer Deichsel wie ein Berg, mit Rädern aus Baumzweigen, mit schönem, dreifach geflochtenem Bambus, erstrahlend,

[Anm.: Die genaue Bedeutung des hier beschriebenen „irdenen“ Ritualwagens (pārthiva ratha) aus Bergholz, Baumzweigen und Bambus ist im Detail unsicher; vermutlich ein eigens für die feierliche Waffenschau im Wald bereiteter symbolischer Wagen.]

tataḥ sudaṃśitas tena kavacena suvarcasā dhanur ādāya gāṇḍīvaṃ devadattaṃ ca vārijam

Da, wohlgepanzert mit jenem glanzvollen Panzer, ergriff er den Bogen Gāṇḍīva und die aus dem Wasser entstandene Devadatta,

Wort für Wort
tataḥ sudaṃśitas tena kavacena suvarcasā dhanur ādāya gāṇḍīvaṃ devadattaṃ ca vārijam
Da, wohlgepanzert mit jenem glanzvollen Panzer, ergriff er den Bogen Gāṇḍīva und die aus dem Wasser entstandene Devadatta,

śośubhyamānaḥ kaunteya ānupūrvyān mahābhujaḥ astrāṇi tāni divyāni darśanāyopacakrame

erstrahlend, der Sohn Kuntīs, der Starkarmige, begann der Reihe nach, jene göttlichen Waffen zur Schau zu bringen.

Wort für Wort
śośubhyamānaḥ kaunteya ānupūrvyān mahābhujaḥ astrāṇi tāni divyāni darśanāyopacakrame
erstrahlend, der Sohn Kuntīs, der Starkarmige, begann der Reihe nach, jene göttlichen Waffen zur Schau zu bringen.

atha prayokṣyamāṇena divyāny astrāṇi tena vai samākrāntā mahī padbhyāṃ samakampata sadrumā

Als er im Begriff war, die göttlichen Waffen einzusetzen, erbebte die von seinen Füßen betretene Erde samt ihren Bäumen.

Wort für Wort
atha prayokṣyamāṇena divyāny astrāṇi tena vai samākrāntā mahī padbhyāṃ samakampata sadrumā
Als er im Begriff war, die göttlichen Waffen einzusetzen, erbebte die von seinen Füßen betretene Erde samt ihren Bäumen.

kṣubhitāḥ saritaś caiva tathaiva ca mahodadhiḥ śailāś cāpi vyaśīryanta na vavau ca samīraṇaḥ

Aufgewühlt wurden die Flüsse und ebenso der große Ozean, auch die Felsen zerbarsten, und der Wind wehte nicht mehr.

Wort für Wort
kṣubhitāḥ saritaś caiva tathaiva ca mahodadhiḥ śailāś cāpi vyaśīryanta na vavau ca samīraṇaḥ
Aufgewühlt wurden die Flüsse und ebenso der große Ozean, auch die Felsen zerbarsten, und der Wind wehte nicht mehr.

na babhāse sahasrāṃśur na jajvāla ca pāvakaḥ na vedāḥ pratibhānti sma dvijātīnāṃ kathaṃ cana

Die Sonne mit den tausend Strahlen schien nicht mehr, das Feuer loderte nicht mehr, und den Zweifachgeborenen wollten die Veden auf keine Weise mehr einfallen.

Wort für Wort
na babhāse sahasrāṃśur na jajvāla ca pāvakaḥ na vedāḥ pratibhānti sma dvijātīnāṃ kathaṃ cana
Die Sonne mit den tausend Strahlen schien nicht mehr, das Feuer loderte nicht mehr, und den Zweifachgeborenen wollten die Veden auf keine Weise mehr einfallen.

antarbhūmigatā ye ca prāṇino janamejaya pīḍyamānāḥ samutthāya pāṇḍavaṃ paryavārayan

Und die Lebewesen, die unter der Erde weilten, o Janamejaya, bedrängt, erhoben sich und umringten den Pāṇḍava.

Wort für Wort
antarbhūmigatā ye ca prāṇino janamejaya pīḍyamānāḥ samutthāya pāṇḍavaṃ paryavārayan
Und die Lebewesen, die unter der Erde weilten, o Janamejaya, bedrängt, erhoben sich und umringten den Pāṇḍava.

vepamānāḥ prāñjalayas te sarve pihitānanāḥ dahyamānās tadāstrais tair yācanti sma dhanaṃjayam

Zitternd, mit gefalteten Händen, alle mit verhülltem Antlitz, von jenen Waffen versengt, flehten sie zu Dhanaṃjaya.

Wort für Wort
vepamānāḥ prāñjalayas te sarve pihitānanāḥ dahyamānās tadāstrais tair yācanti sma dhanaṃjayam
Zitternd, mit gefalteten Händen, alle mit verhülltem Antlitz, von jenen Waffen versengt, flehten sie zu Dhanaṃjaya.

tato brahmarṣayaś caiva siddhāś caiva surarṣayaḥ jaṅgamāni ca bhūtāni sarvāṇy evāvatasthire

Da traten die Brahmanenweisen und die Siddhas und die Götterweisen und alle beweglichen Geschöpfe hervor.

Wort für Wort
tato brahmarṣayaś caiva siddhāś caiva surarṣayaḥ jaṅgamāni ca bhūtāni sarvāṇy evāvatasthire
Da traten die Brahmanenweisen und die Siddhas und die Götterweisen und alle beweglichen Geschöpfe hervor.

rājarṣayaś ca pravarās tathaiva ca divaukasaḥ yakṣarākṣasagandharvās tathaiva ca patatriṇaḥ

Auch die vortrefflichsten Königsweisen und ebenso die Himmelsbewohner, Yakṣas, Rākṣasas und Gandharven, ebenso die Vögel.

Wort für Wort
rājarṣayaś ca pravarās tathaiva ca divaukasaḥ yakṣarākṣasagandharvās tathaiva ca patatriṇaḥ
Auch die vortrefflichsten Königsweisen und ebenso die Himmelsbewohner, Yakṣas, Rākṣasas und Gandharven, ebenso die Vögel.

tataḥ pitāmahaś caiva lokapālāś ca sarvaśaḥ bhagavāṃś ca mahādevaḥ sagaṇo 'bhyāyayau tadā

Da kamen auch der Großvater und die Weltenhüter allesamt, und der Erhabene Mahādeva kam mit seinem Gefolge herbei.

Wort für Wort
tataḥ pitāmahaś caiva lokapālāś ca sarvaśaḥ bhagavāṃś ca mahādevaḥ sagaṇo 'bhyāyayau tadā
Da kamen auch der Großvater und die Weltenhüter allesamt, und der Erhabene Mahādeva kam mit seinem Gefolge herbei.

tato vāyur mahārāja divyair mālyaiḥ sugandhibhiḥ abhitaḥ pāṇḍavāṃś citrair avacakre samantataḥ

Da umhüllte der Wind, Großkönig, die Pāṇḍavas von allen Seiten mit göttlichen, wohlriechenden, bunten Blumengirlanden.

Wort für Wort
tato vāyur mahārāja divyair mālyaiḥ sugandhibhiḥ abhitaḥ pāṇḍavāṃś citrair avacakre samantataḥ
Da umhüllte der Wind, Großkönig, die Pāṇḍavas von allen Seiten mit göttlichen, wohlriechenden, bunten Blumengirlanden.

jaguś ca gāthā vividhā gandharvāḥ suracoditāḥ nanṛtuḥ saṃghaśaś caiva rājann apsarasāṃ gaṇāḥ

Und die Gandharven, von den Göttern angetrieben, sangen mannigfaltige Gesänge, und die Scharen der Apsaras tanzten in Gruppen, o König.

Wort für Wort
jaguś ca gāthā vividhā gandharvāḥ suracoditāḥ nanṛtuḥ saṃghaśaś caiva rājann apsarasāṃ gaṇāḥ
Und die Gandharven, von den Göttern angetrieben, sangen mannigfaltige Gesänge, und die Scharen der Apsaras tanzten in Gruppen, o König.

tasmiṃs tu tumule kāle nāradaḥ suracoditaḥ āgamyāha vacaḥ pārthaṃ śravaṇīyam idaṃ nṛpa

In jener tumultartigen Zeit aber kam Nārada, von den Göttern angetrieben, herbei und sprach zum Pārtha dieses hörenswerte Wort, o König:

Wort für Wort
tasmiṃs tu tumule kāle nāradaḥ suracoditaḥ āgamyāha vacaḥ pārthaṃ śravaṇīyam idaṃ nṛpa
In jener tumultartigen Zeit aber kam Nārada, von den Göttern angetrieben, herbei und sprach zum Pārtha dieses hörenswerte Wort, o König:

arjunārjuna mā yuṅkṣva divyāny astrāṇi bhārata naitāni niradhiṣṭhāne prayujyante kadā cana

„Arjuna, Arjuna, setze die göttlichen Waffen nicht ein, o Bhārata; diese werden niemals ohne Anlass eingesetzt.

Wort für Wort
arjunārjuna mā yuṅkṣva divyāny astrāṇi bhārata naitāni niradhiṣṭhāne prayujyante kadā cana
„Arjuna, Arjuna, setze die göttlichen Waffen nicht ein, o Bhārata; diese werden niemals ohne Anlass eingesetzt.

adhiṣṭhāne na vānārtaḥ prayuñjīta kadā cana prayoge sumahān doṣo hy astrāṇāṃ kurunandana

Auch bei gegebenem Anlass soll man sie niemals ohne Not einsetzen; überaus groß ist der Fehler beim Einsatz von Waffen, Freude der Kurus.

Wort für Wort
adhiṣṭhāne na vānārtaḥ prayuñjīta kadā cana prayoge sumahān doṣo hy astrāṇāṃ kurunandana
Auch bei gegebenem Anlass soll man sie niemals ohne Not einsetzen; überaus groß ist der Fehler beim Einsatz von Waffen, Freude der Kurus.

etāni rakṣyamāṇāni dhanaṃjaya yathāgamam balavanti sukhārhāṇi bhaviṣyanti na saṃśayaḥ

Diese werden, vorschriftsgemäß bewahrt, Dhanaṃjaya, mächtig und wohltuend sein, ohne Zweifel.

Wort für Wort
etāni rakṣyamāṇāni dhanaṃjaya yathāgamam balavanti sukhārhāṇi bhaviṣyanti na saṃśayaḥ
Diese werden, vorschriftsgemäß bewahrt, Dhanaṃjaya, mächtig und wohltuend sein, ohne Zweifel.

arakṣyamāṇāny etāni trailokyasyāpi pāṇḍava bhavanti sma vināśāya maivaṃ bhūyaḥ kṛthāḥ kva cit

Unbewahrt aber können diese selbst zum Verderben der drei Welten werden, Pāṇḍava; tue dies niemals wieder, irgendwo.

Wort für Wort
arakṣyamāṇāny etāni trailokyasyāpi pāṇḍava bhavanti sma vināśāya maivaṃ bhūyaḥ kṛthāḥ kva cit
Unbewahrt aber können diese selbst zum Verderben der drei Welten werden, Pāṇḍava; tue dies niemals wieder, irgendwo.

ajātaśatro tvaṃ caiva drakṣyase tāni saṃyuge yojyamānāni pārthena dviṣatām avamardane

Du selbst, Ajātaśatru, wirst sie im Kampf sehen, wenn sie vom Pārtha zur Zermalmung der Feinde eingesetzt werden.“

Wort für Wort
ajātaśatro tvaṃ caiva drakṣyase tāni saṃyuge yojyamānāni pārthena dviṣatām avamardane
Du selbst, Ajātaśatru, wirst sie im Kampf sehen, wenn sie vom Pārtha zur Zermalmung der Feinde eingesetzt werden.“

nivāryātha tataḥ pārthaṃ sarve devā yathāgatam jagmur anye ca ye tatra samājagmur nararṣabha

Nachdem sie so den Pārtha zurückgehalten hatten, zogen alle Götter fort, so wie sie gekommen waren, und auch die anderen, die dort zusammengekommen waren, o Stier der Männer.

Wort für Wort
nivāryātha tataḥ pārthaṃ sarve devā yathāgatam jagmur anye ca ye tatra samājagmur nararṣabha
Nachdem sie so den Pārtha zurückgehalten hatten, zogen alle Götter fort, so wie sie gekommen waren, und auch die anderen, die dort zusammengekommen waren, o Stier der Männer.

teṣu sarveṣu kauravya pratiyāteṣu pāṇḍavāḥ tasminn eva vane hṛṣṭās ta ūṣuḥ saha kṛṣṇayā

Als all diese, o Kaurava, wieder fortgezogen waren, weilten die Pāṇḍavas, erfreut, eben in jenem Wald, zusammen mit Kṛṣṇā.

Wort für Wort
teṣu sarveṣu kauravya pratiyāteṣu pāṇḍavāḥ tasminn eva vane hṛṣṭās ta ūṣuḥ saha kṛṣṇayā
Als all diese, o Kaurava, wieder fortgezogen waren, weilten die Pāṇḍavas, erfreut, eben in jenem Wald, zusammen mit Kṛṣṇā.

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