Kapitel 133: Aṣṭāvakrasya Dvāradarśanam
Aṣṭāvakra am Tor des Opferplatzes
Aṣṭāvakra fordert unterwegs vom König höflich den Vorrang eines Brahmanen ein und erreicht das Tor von Janakas Opferstätte, wo ihm der Torwächter wegen seiner Jugend den Zutritt verwehrt. In einem kunstvollen Streitgespräch über wahre Reife (nicht Körperalter, sondern Weisheit) überzeugt Aṣṭāvakra zunächst den Torwächter, dann den König selbst, der ihn mit klassischen vedischen Rätseln prüft (das Jahresrad, die Feuererzeugung durch Reibhölzer, Naturrätsel von Fisch, Ei, Stein und Fluss). Beeindruckt von seiner Weisheit gewährt der König ihm schließlich Einlass zu Bandin.
Aṣṭāvakra sprach: 'Dem Blinden gehört der Weg, dem Tauben gehört der Weg, der Frau gehört der Weg, dem Lastträger gehört der Weg; dem König gehört der Weg, wenn er keinem Brahmanen begegnet - begegnet er ihm aber, so gehört der Weg allein dem Brahmanen.'
Aṣṭāvakra sprach: 'Dem Blinden gehört der Weg, dem Tauben gehört der Weg, der Frau gehört der Weg, dem Lastträger gehört der Weg; dem König gehört der Weg, wenn er keinem Brahmanen begegnet - begegnet er ihm aber, so gehört der Weg allein dem Brahmanen.'
rājovāca panthā ayaṃ te 'dya mayā nisṛṣṭo yenecchase tena kāmaṃ vrajasva na pāvako vidyate vai laghīyān indro 'pi nityaṃ namate brāhmaṇānām
Der König sprach: 'Dieser Weg wird dir heute von mir überlassen; geh, wohin du willst, nach Belieben. Es gibt wahrlich kein Feuer, das zu gering wäre; selbst Indra verneigt sich beständig vor den Brahmanen.'
Wort für Wort
rājovāca panthā ayaṃ te 'dya mayā nisṛṣṭo yenecchase tena kāmaṃ vrajasva na pāvako vidyate vai laghīyān indro 'pi nityaṃ namate brāhmaṇānām
Der König sprach: 'Dieser Weg wird dir heute von mir überlassen; geh, wohin du willst, nach Belieben. Es gibt wahrlich kein Feuer, das zu gering wäre; selbst Indra verneigt sich beständig vor den Brahmanen.'
aṣṭāvakra uvāca yajñaṃ draṣṭuṃ prāptavantau sva tāta kautūhalaṃ nau balavad vai vivṛddham āvāṃ prāptāv atithī saṃpraveśaṃ kāṅkṣāvahe dvārapate tavājñām
Aṣṭāvakra sprach: 'Wir sind gekommen, o Vater, um das Opfer zu sehen; eine starke Neugier ist in uns beiden gewachsen. Als Gäste angekommen, begehren wir Einlass; o Torwächter, wir erwarten deine Erlaubnis.'
Wort für Wort
aṣṭāvakra uvāca yajñaṃ draṣṭuṃ prāptavantau sva tāta kautūhalaṃ nau balavad vai vivṛddham āvāṃ prāptāv atithī saṃpraveśaṃ kāṅkṣāvahe dvārapate tavājñām
Aṣṭāvakra sprach: 'Wir sind gekommen, o Vater, um das Opfer zu sehen; eine starke Neugier ist in uns beiden gewachsen. Als Gäste angekommen, begehren wir Einlass; o Torwächter, wir erwarten deine Erlaubnis.'
aindradyumner yajñadṛśāv ihāvāṃ vivakṣū vai janakendraṃ didṛkṣū na vai krodhād vyādhinaivottamena saṃyojaya dvārapāla kṣaṇena
'Wir beide, die wir das Opfer des Sohnes des Indradyumna hier sehen wollen, die wir den Herrscher aus Janakas Geschlecht sprechen und erblicken möchten - nicht aus Zorn, sondern aus höchstem Verlangen - vereinige uns mit ihm, o Torwächter, augenblicklich.'
Wort für Wort
aindradyumner yajñadṛśāv ihāvāṃ vivakṣū vai janakendraṃ didṛkṣū na vai krodhād vyādhinaivottamena saṃyojaya dvārapāla kṣaṇena
'Wir beide, die wir das Opfer des Sohnes des Indradyumna hier sehen wollen, die wir den Herrscher aus Janakas Geschlecht sprechen und erblicken möchten - nicht aus Zorn, sondern aus höchstem Verlangen - vereinige uns mit ihm, o Torwächter, augenblicklich.'
[?] Die Wendung 'durch höchste Bedrängnis' (vyādhinaivottamena) bleibt im Sinn unsicher.
dvārapāla uvāca bandeḥ samādeśakarā vayaṃ sma nibodha vākyaṃ ca mayeryamāṇam na vai bālāḥ praviśanty atra viprā vṛddhā vidvāṃsaḥ praviśanti dvijāgryāḥ
Der Torwächter sprach: 'Wir sind die Vollstrecker von Bandins Anordnung; vernimm das Wort, das ich jetzt äußere: Keine kindlichen Brahmanen treten hier ein; nur betagte, gelehrte, vorzügliche Zweifachgeborene treten ein.'
Wort für Wort
dvārapāla uvāca bandeḥ samādeśakarā vayaṃ sma nibodha vākyaṃ ca mayeryamāṇam na vai bālāḥ praviśanty atra viprā vṛddhā vidvāṃsaḥ praviśanti dvijāgryāḥ
Der Torwächter sprach: 'Wir sind die Vollstrecker von Bandins Anordnung; vernimm das Wort, das ich jetzt äußere: Keine kindlichen Brahmanen treten hier ein; nur betagte, gelehrte, vorzügliche Zweifachgeborene treten ein.'
aṣṭāvakra uvāca yady atra vṛddheṣu kṛtaḥ praveśo yuktaṃ mama dvārapāla praveṣṭum vayaṃ hi vṛddhāś caritavratāś ca vedaprabhāvena praveśanārhāḥ
Aṣṭāvakra sprach: 'Wenn hier den Betagten der Zutritt gewährt wird, so gebührt es mir, o Torwächter, einzutreten; denn wir sind wahrlich betagt, von vollzogenen Gelübden, und durch die Macht des Veda des Eintritts würdig.'
Wort für Wort
aṣṭāvakra uvāca yady atra vṛddheṣu kṛtaḥ praveśo yuktaṃ mama dvārapāla praveṣṭum vayaṃ hi vṛddhāś caritavratāś ca vedaprabhāvena praveśanārhāḥ
Aṣṭāvakra sprach: 'Wenn hier den Betagten der Zutritt gewährt wird, so gebührt es mir, o Torwächter, einzutreten; denn wir sind wahrlich betagt, von vollzogenen Gelübden, und durch die Macht des Veda des Eintritts würdig.'
śuśrūṣavaś cāpi jitendriyāś ca jñānāgame cāpi gatāḥ sma niṣṭhām na bāla ity avamantavyam āhur bālo 'py agnir dahati spṛśyamānaḥ
'Und wir sind gehorsam, und von bezwungenen Sinnen; und auch in der Erlangung des Wissens sind wir zur Vollendung gelangt. Man soll nicht, so sagt man, allein wegen der Kindheit Geringschätzung erfahren - auch ein junges Feuer verbrennt, wenn es berührt wird.'
Wort für Wort
śuśrūṣavaś cāpi jitendriyāś ca jñānāgame cāpi gatāḥ sma niṣṭhām na bāla ity avamantavyam āhur bālo 'py agnir dahati spṛśyamānaḥ
'Und wir sind gehorsam, und von bezwungenen Sinnen; und auch in der Erlangung des Wissens sind wir zur Vollendung gelangt. Man soll nicht, so sagt man, allein wegen der Kindheit Geringschätzung erfahren - auch ein junges Feuer verbrennt, wenn es berührt wird.'
Der Torwächter sprach: 'Äußere die vom Veda geliebte Sarasvatī-Rede, einsilbig, vielgestaltig, erhaben - doch betrachte deine eigenen Glieder: du bist ein Kind. Warum rühmst du dich? Erfolg im Wortstreit ist schwer zu erlangen.'
Der Torwächter sprach: 'Äußere die vom Veda geliebte Sarasvatī-Rede, einsilbig, vielgestaltig, erhaben - doch betrachte deine eigenen Glieder: du bist ein Kind. Warum rühmst du dich? Erfolg im Wortstreit ist schwer zu erlangen.'
aṣṭāvakra uvāca na jñāyate kāyavṛddhyā vivṛddhir yathāṣṭhīlā śālmaleḥ saṃpravṛddhā hrasvo 'lpakāyaḥ phalito vivṛddho yaś cāphalas tasya na vṛddhabhāvaḥ
Aṣṭāvakra sprach: 'Reife erkennt man nicht an körperlichem Wachstum; wie etwa die Fruchtkapsel des Śālmali-Baumes groß herangewachsen sein mag. Wer klein von Körper, aber fruchtbar ist, ist wahrhaft gereift; wer aber unfruchtbar ist, dem fehlt der Zustand der Reife.'
Wort für Wort
aṣṭāvakra uvāca na jñāyate kāyavṛddhyā vivṛddhir yathāṣṭhīlā śālmaleḥ saṃpravṛddhā hrasvo 'lpakāyaḥ phalito vivṛddho yaś cāphalas tasya na vṛddhabhāvaḥ
Aṣṭāvakra sprach: 'Reife erkennt man nicht an körperlichem Wachstum; wie etwa die Fruchtkapsel des Śālmali-Baumes groß herangewachsen sein mag. Wer klein von Körper, aber fruchtbar ist, ist wahrhaft gereift; wer aber unfruchtbar ist, dem fehlt der Zustand der Reife.'
dvārapāla uvāca vṛddhebhya eveha matiṃ sma bālā gṛhṇanti kālena bhavanti vṛddhāḥ na hi jñānam alpakālena śakyaṃ kasmād bālo vṛddha ivāvabhāṣase
Der Torwächter sprach: 'Die Kinder empfangen hier ja von den Alten ihre Einsicht, und mit der Zeit werden sie selbst zu Alten; denn Wissen lässt sich nicht in kurzer Zeit erlangen. Warum sprichst du, ein Kind, wie ein Alter?'
Wort für Wort
dvārapāla uvāca vṛddhebhya eveha matiṃ sma bālā gṛhṇanti kālena bhavanti vṛddhāḥ na hi jñānam alpakālena śakyaṃ kasmād bālo vṛddha ivāvabhāṣase
Der Torwächter sprach: 'Die Kinder empfangen hier ja von den Alten ihre Einsicht, und mit der Zeit werden sie selbst zu Alten; denn Wissen lässt sich nicht in kurzer Zeit erlangen. Warum sprichst du, ein Kind, wie ein Alter?'
aṣṭāvakra uvāca na tena sthaviro bhavati yenāsya palitaṃ śiraḥ bālo 'pi yaḥ prajānāti taṃ devāḥ sthaviraṃ viduḥ
Aṣṭāvakra sprach: 'Nicht dadurch wird einer alt, dass sein Haupt ergraut ist; auch ein Kind, das Einsicht besitzt, das erkennen die Götter als einen Alten an.'
Wort für Wort
aṣṭāvakra uvāca na tena sthaviro bhavati yenāsya palitaṃ śiraḥ bālo 'pi yaḥ prajānāti taṃ devāḥ sthaviraṃ viduḥ
Aṣṭāvakra sprach: 'Nicht dadurch wird einer alt, dass sein Haupt ergraut ist; auch ein Kind, das Einsicht besitzt, das erkennen die Götter als einen Alten an.'
na hāyanair na palitair na vittena na bandhubhiḥ ṛṣayaś cakrire dharmaṃ yo 'nūcānaḥ sa no mahān
'Nicht nach Jahren, nicht nach grauem Haar, nicht nach Reichtum, nicht nach Verwandten haben die Weisen den Rang bestimmt; wer gelehrt und bewandert ist, der ist groß unter uns.'
Wort für Wort
na hāyanair na palitair na vittena na bandhubhiḥ ṛṣayaś cakrire dharmaṃ yo 'nūcānaḥ sa no mahān
'Nicht nach Jahren, nicht nach grauem Haar, nicht nach Reichtum, nicht nach Verwandten haben die Weisen den Rang bestimmt; wer gelehrt und bewandert ist, der ist groß unter uns.'
'Ich bin gekommen, weil ich Bandin in der königlichen Versammlung zu sehen wünsche; melde mich, o Türsteher, dem mit Lotusgirlanden geschmückten König.'
'Ich bin gekommen, weil ich Bandin in der königlichen Versammlung zu sehen wünsche; melde mich, o Türsteher, dem mit Lotusgirlanden geschmückten König.'
'Du wirst heute sehen, o Torwächter, wie ich rede, in einem mit den Weisen entfachten großen Wortstreit - sei es nun mein Sieg oder meine Niederlage - und wie heute alle Wesen verstummen.'
'Du wirst heute sehen, o Torwächter, wie ich rede, in einem mit den Weisen entfachten großen Wortstreit - sei es nun mein Sieg oder meine Niederlage - und wie heute alle Wesen verstummen.'
Der Torwächter sprach: 'Wie könntest du, ein Zehnjähriger, das Opfer betreten, das nur den Gezügelten und Gelehrten zugänglich ist? Durch irgendein Mittel werde ich mich für dich bemühen; bemühe auch du dich gebührend um den Einlass.'
Der Torwächter sprach: 'Wie könntest du, ein Zehnjähriger, das Opfer betreten, das nur den Gezügelten und Gelehrten zugänglich ist? Durch irgendein Mittel werde ich mich für dich bemühen; bemühe auch du dich gebührend um den Einlass.'
Aṣṭāvakra sprach: 'Wohlan, wohlan, o König, Vorzüglichster der Janakas! Du bist der Verehrung würdig; in dir gedeiht alles. Entweder bist du der Vollbringer der Opferhandlungen, oder, vor dir, war allein König Yayāti ein solcher.'
Aṣṭāvakra sprach: 'Wohlan, wohlan, o König, Vorzüglichster der Janakas! Du bist der Verehrung würdig; in dir gedeiht alles. Entweder bist du der Vollbringer der Opferhandlungen, oder, vor dir, war allein König Yayāti ein solcher.'
'Der gelehrte Bandin, nachdem er die Vedakundigen im Wortstreit besiegt hat, ohne jemals eine eigene Niederlage zu befürchten, lässt sie alle durch von dir entsandte, vertrauenswürdige Männer im Wasser versenken - so haben wir gehört.'
'Der gelehrte Bandin, nachdem er die Vedakundigen im Wortstreit besiegt hat, ohne jemals eine eigene Niederlage zu befürchten, lässt sie alle durch von dir entsandte, vertrauenswürdige Männer im Wasser versenken - so haben wir gehört.'
sa tac chrutvā brāhmaṇānāṃ sakāśād brahmodyaṃ vai kathayitum āgato 'smi kvāsau bandī yāvad enaṃ sametya nakṣatrāṇīva savitā nāśayāmi
'Nachdem ich dies von den Brahmanen vernommen habe, bin ich gekommen, um ein Streitgespräch über die heilige Lehre zu führen; wo ist jener Bandin? Sobald ich ihn treffe, werde ich ihn vernichten, wie die Sonne die Sterne.'
Wort für Wort
sa tac chrutvā brāhmaṇānāṃ sakāśād brahmodyaṃ vai kathayitum āgato 'smi kvāsau bandī yāvad enaṃ sametya nakṣatrāṇīva savitā nāśayāmi
'Nachdem ich dies von den Brahmanen vernommen habe, bin ich gekommen, um ein Streitgespräch über die heilige Lehre zu führen; wo ist jener Bandin? Sobald ich ihn treffe, werde ich ihn vernichten, wie die Sonne die Sterne.'
Der König sprach: 'Du hoffst, Bandin zu besiegen, ohne die Macht der Rede deines Gegners zu kennen; nur wer seine eigene Kraft kennt, kann so sprechen. Und er wurde schon von wortstreitkundigen Brahmanen erprobt.'
Der König sprach: 'Du hoffst, Bandin zu besiegen, ohne die Macht der Rede deines Gegners zu kennen; nur wer seine eigene Kraft kennt, kann so sprechen. Und er wurde schon von wortstreitkundigen Brahmanen erprobt.'
aṣṭāvakra uvāca vivādito 'sau na hi mādṛśair hi siṃhīkṛtas tena vadaty abhītaḥ sametya māṃ nihataḥ śeṣyate 'dya mārge bhagnaṃ śakaṭam ivābalākṣam
Aṣṭāvakra sprach: 'Mit jemandem wie mir wurde er wahrlich noch nicht im Streit gemessen; zum Löwen gemacht, spricht er furchtlos. Sobald er mir begegnet ist, wird er heute erschlagen daliegen, wie ein zerbrochener Wagen mit schwachen Achsen auf dem Weg.'
Wort für Wort
aṣṭāvakra uvāca vivādito 'sau na hi mādṛśair hi siṃhīkṛtas tena vadaty abhītaḥ sametya māṃ nihataḥ śeṣyate 'dya mārge bhagnaṃ śakaṭam ivābalākṣam
Aṣṭāvakra sprach: 'Mit jemandem wie mir wurde er wahrlich noch nicht im Streit gemessen; zum Löwen gemacht, spricht er furchtlos. Sobald er mir begegnet ist, wird er heute erschlagen daliegen, wie ein zerbrochener Wagen mit schwachen Achsen auf dem Weg.'
rājovāca ṣaṇṇābher dvādaśākṣasya caturviṃśatiparvaṇaḥ yas triṣaṣṭiśatārasya vedārthaṃ sa paraḥ kaviḥ
Der König sprach: 'Wer die Bedeutung des Veda von jenem Rad mit sechs Naben, zwölf Speichen, vierundzwanzig Gelenken und dreihundertsechzig Speichen kennt, der ist ein höchster Weiser.'
Wort für Wort
rājovāca ṣaṇṇābher dvādaśākṣasya caturviṃśatiparvaṇaḥ yas triṣaṣṭiśatārasya vedārthaṃ sa paraḥ kaviḥ
Der König sprach: 'Wer die Bedeutung des Veda von jenem Rad mit sechs Naben, zwölf Speichen, vierundzwanzig Gelenken und dreihundertsechzig Speichen kennt, der ist ein höchster Weiser.'
[Anm.: Das Rätselbild beschreibt das Jahr: sechs Jahreszeiten (Naben), zwölf Monate (Speichen/Achsen), vierundzwanzig Halbmonate (Gelenke) und dreihundertsechzig Tage (Speichen).]
rājovāca vaḍave iva saṃyukte śyenapāte divaukasām kas tayor garbham ādhatte garbhaṃ suṣuvatuś ca kam
Der König sprach: 'Wie zwei zusammengespannte Stuten, beim Sturzflug eines Habichts der Himmlischen - wer legt beiden den Keim ein, und welchen Keim gebaren die beiden?'
Wort für Wort
rājovāca vaḍave iva saṃyukte śyenapāte divaukasām kas tayor garbham ādhatte garbhaṃ suṣuvatuś ca kam
Der König sprach: 'Wie zwei zusammengespannte Stuten, beim Sturzflug eines Habichts der Himmlischen - wer legt beiden den Keim ein, und welchen Keim gebaren die beiden?'
[Anm.: Ein klassisches vedisches Rätsel; nach traditioneller Deutung sind die 'zwei Stuten' die beiden Reibhölzer (araṇi) der Feuererzeugung, der 'Wagenlenker Wind' der Blasewind, der die Flamme entfacht, und der 'Keim' das so erzeugte Feuer.]
aṣṭāvakra uvāca mā sma te te gṛhe rājañ śātravāṇām api dhruvam vātasārathir ādhatte garbhaṃ suṣuvatuś ca tam
Aṣṭāvakra sprach: 'Nie widerfahre dies gewiss, o König, deinem Haus, noch selbst dem deiner Feinde - der Wind als Wagenlenker legt den Keim ein, und die beiden gebaren jenen Keim.'
Wort für Wort
aṣṭāvakra uvāca mā sma te te gṛhe rājañ śātravāṇām api dhruvam vātasārathir ādhatte garbhaṃ suṣuvatuś ca tam
Aṣṭāvakra sprach: 'Nie widerfahre dies gewiss, o König, deinem Haus, noch selbst dem deiner Feinde - der Wind als Wagenlenker legt den Keim ein, und die beiden gebaren jenen Keim.'
[?] Die erste Zeile dieses Verses bleibt im genauen Sinn unklar; die Antwort auf das Rätsel (zweite Zeile) bezieht sich traditionell auf die beiden Reibhölzer der Feuererzeugung.
rājovāca kiṃ svit suptaṃ na nimiṣati kiṃ svij jātaṃ na copati kasya svid dhṛdayaṃ nāsti kiṃ svid vegena vardhate
Der König sprach: 'Was schläft und blinzelt doch nicht? Was ist geboren und regt sich doch nicht? Wessen Herz gibt es nicht? Was wächst durch eigene Kraft?'
Wort für Wort
rājovāca kiṃ svit suptaṃ na nimiṣati kiṃ svij jātaṃ na copati kasya svid dhṛdayaṃ nāsti kiṃ svid vegena vardhate
Der König sprach: 'Was schläft und blinzelt doch nicht? Was ist geboren und regt sich doch nicht? Wessen Herz gibt es nicht? Was wächst durch eigene Kraft?'
aṣṭāvakra uvāca matsyaḥ supto na nimiṣaty aṇḍaṃ jātaṃ na copati aśmano hṛdayaṃ nāsti nadī vegena vardhate
Aṣṭāvakra sprach: 'Ein Fisch schläft und blinzelt nicht; ein Ei ist gelegt und regt sich nicht; ein Stein hat kein Herz; ein Fluss wächst durch eigene Kraft.'
Wort für Wort
aṣṭāvakra uvāca matsyaḥ supto na nimiṣaty aṇḍaṃ jātaṃ na copati aśmano hṛdayaṃ nāsti nadī vegena vardhate
Aṣṭāvakra sprach: 'Ein Fisch schläft und blinzelt nicht; ein Ei ist gelegt und regt sich nicht; ein Stein hat kein Herz; ein Fluss wächst durch eigene Kraft.'
rājovāca na tvā manye mānuṣaṃ devasattvaṃ na tvaṃ bālaḥ sthaviras tvaṃ mato me na te tulyo vidyate vākpralāpe tasmād dvāraṃ vitarāmy eṣa bandī
Der König sprach: 'Ich halte dich nicht für einen Menschen, sondern für ein göttliches Wesen; du bist kein Kind - du bist, nach meinem Urteil, ein Alter. Keiner dir Ebenbürtiger findet sich im Reden und Disputieren; deshalb gewähre ich dir den Zutritt - dort ist Bandin.'
Wort für Wort
rājovāca na tvā manye mānuṣaṃ devasattvaṃ na tvaṃ bālaḥ sthaviras tvaṃ mato me na te tulyo vidyate vākpralāpe tasmād dvāraṃ vitarāmy eṣa bandī
Der König sprach: 'Ich halte dich nicht für einen Menschen, sondern für ein göttliches Wesen; du bist kein Kind - du bist, nach meinem Urteil, ein Alter. Keiner dir Ebenbürtiger findet sich im Reden und Disputieren; deshalb gewähre ich dir den Zutritt - dort ist Bandin.'