Kapitel 184: Tārkṣyasarasvatīsaṃvādaḥ
Das Gespräch zwischen Tārkṣya und Sarasvatī
Mārkaṇḍeya erzählt ein weiteres, hier eingefügtes Lehrgespräch: Der Weise Tārkṣya befragt die Göttin Sarasvatī nach dem höchsten Gut des Menschen, dem rechten Feueropfer und dessen Lohn (Gabenkatalog: Kuh, Zugochse, Gewand, Gold), den Voraussetzungen eines gültigen Opfers (Reinheit, Schriftkenntnis, Glauben) sowie schließlich nach dem höchsten, kummerlosen Erlösungsziel. Sarasvatī offenbart sich als die aus dem Feueropfer selbst hervorgegangene Kraft und beschreibt abschließend den paradiesischen Ort jenseits allen Leids, an dem einst die Götter mit Indra opferten.
tārkṣya uvāca kiṃ nu śreyaḥ puruṣasyeha bhadre kathaṃ kurvan na cyavate svadharmāt ācakṣva me cārusarvāṅgi sarvaṃ tvayānuśiṣṭo na cyaveyaṃ svadharmāt
Tārkṣya sprach: ‚Was ist für den Menschen hier das Beste, o Holde? Wie handelnd weicht er nicht vom eigenen Dharma ab? Sage mir dies alles, du Schönumgliederte; von dir unterwiesen, möge ich nicht vom eigenen Dharma abweichen.
Wort für Wort
tārkṣya uvāca kiṃ nu śreyaḥ puruṣasyeha bhadre kathaṃ kurvan na cyavate svadharmāt ācakṣva me cārusarvāṅgi sarvaṃ tvayānuśiṣṭo na cyaveyaṃ svadharmāt
Tārkṣya sprach: ‚Was ist für den Menschen hier das Beste, o Holde? Wie handelnd weicht er nicht vom eigenen Dharma ab? Sage mir dies alles, du Schönumgliederte; von dir unterwiesen, möge ich nicht vom eigenen Dharma abweichen.
Wie soll ich das Feuer opfern oder verehren? Zu welcher Zeit vergeht durch welche Handlung der Dharma nicht? Dies alles verkünde mir, Holde, auf dass ich makellos durch die Welten wandeln möge.‘
Wie soll ich das Feuer opfern oder verehren? Zu welcher Zeit vergeht durch welche Handlung der Dharma nicht? Dies alles verkünde mir, Holde, auf dass ich makellos durch die Welten wandeln möge.‘
mārkaṇḍeya uvāca evaṃ pṛṣṭā prītiyuktena tena śuśrūṣum īkṣyottamabuddhiyuktam tārkṣyaṃ vipraṃ dharmayuktaṃ hitaṃ ca sarasvatī vākyam idaṃ babhāṣe
So von ihm befragt, dem Liebevollen, der hörbegierig war, von erhabenem Verstand erfüllt, sah Sarasvatī den Brahmanen Tārkṣya, dem Dharma zugetan und wohlgesinnt, und sprach zu ihm dieses Wort:
Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca evaṃ pṛṣṭā prītiyuktena tena śuśrūṣum īkṣyottamabuddhiyuktam tārkṣyaṃ vipraṃ dharmayuktaṃ hitaṃ ca sarasvatī vākyam idaṃ babhāṣe
So von ihm befragt, dem Liebevollen, der hörbegierig war, von erhabenem Verstand erfüllt, sah Sarasvatī den Brahmanen Tārkṣya, dem Dharma zugetan und wohlgesinnt, und sprach zu ihm dieses Wort:
sarasvaty uvāca yo brahma jānāti yathāpradeśaṃ svādhyāyanityaḥ śucir apramattaḥ sa vai puro devapurasya gantā sahāmaraiḥ prāpnuyāt prītiyogam
Sarasvatī sprach: ‚Wer das Brahman kennt, wie es sich gehört, dem Studium stets ergeben, rein, niemals unachtsam, der gelangt vor die Stadt der Götter und erlangt zusammen mit den Unsterblichen das Glück der Liebe.
Wort für Wort
sarasvaty uvāca yo brahma jānāti yathāpradeśaṃ svādhyāyanityaḥ śucir apramattaḥ sa vai puro devapurasya gantā sahāmaraiḥ prāpnuyāt prītiyogam
Sarasvatī sprach: ‚Wer das Brahman kennt, wie es sich gehört, dem Studium stets ergeben, rein, niemals unachtsam, der gelangt vor die Stadt der Götter und erlangt zusammen mit den Unsterblichen das Glück der Liebe.
tatra sma ramyā vipulā viśokāḥ supuṣpitāḥ puṣkariṇyaḥ supuṇyāḥ akardamā mīnavatyaḥ sutīrthā hiraṇmayair āvṛtāḥ puṇḍarīkaiḥ
Dort gibt es liebliche, weite, kummerlose, schönblühende, heilige Lotosteiche, schlammlos, fischreich, mit guten Badestellen, von goldfarbenen weißen Lotosblüten umgeben.
Wort für Wort
tatra sma ramyā vipulā viśokāḥ supuṣpitāḥ puṣkariṇyaḥ supuṇyāḥ akardamā mīnavatyaḥ sutīrthā hiraṇmayair āvṛtāḥ puṇḍarīkaiḥ
Dort gibt es liebliche, weite, kummerlose, schönblühende, heilige Lotosteiche, schlammlos, fischreich, mit guten Badestellen, von goldfarbenen weißen Lotosblüten umgeben.
An ihren Ufern weilen die, welche verdienstvolle Werke vollbracht haben, hochgeehrt, einzeln von Apsaras umgeben, geschmückt mit wohlriechenden Düften, goldfarben, überaus froh.
An ihren Ufern weilen die, welche verdienstvolle Werke vollbracht haben, hochgeehrt, einzeln von Apsaras umgeben, geschmückt mit wohlriechenden Düften, goldfarben, überaus froh.
paraṃ lokaṃ gopradās tv āpnuvanti dattvānaḍvāhaṃ sūryalokaṃ vrajanti vāso dattvā candramasaḥ sa lokaṃ dattvā hiraṇyam amṛtatvam eti
Wer eine Kuh schenkt, erlangt die höchste Welt; wer einen Zugochsen schenkt, geht zur Sonnenwelt ein; wer ein Gewand schenkt, erlangt die Welt des Mondes; wer Gold schenkt, erlangt die Unsterblichkeit.
Wort für Wort
paraṃ lokaṃ gopradās tv āpnuvanti dattvānaḍvāhaṃ sūryalokaṃ vrajanti vāso dattvā candramasaḥ sa lokaṃ dattvā hiraṇyam amṛtatvam eti
Wer eine Kuh schenkt, erlangt die höchste Welt; wer einen Zugochsen schenkt, geht zur Sonnenwelt ein; wer ein Gewand schenkt, erlangt die Welt des Mondes; wer Gold schenkt, erlangt die Unsterblichkeit.
Wer eine gutfolgsame, leicht zu melkende, glückverheißende, folgsame Kuh schenkt – so viele Haare an ihr sind, so viele Jahre genießt er die Himmelswelt.
Wer eine gutfolgsame, leicht zu melkende, glückverheißende, folgsame Kuh schenkt – so viele Haare an ihr sind, so viele Jahre genießt er die Himmelswelt.
Wer einen gutfolgsamen Zugochsen schenkt, den Träger des Pfluges, von unbegrenzter Kraft, den Lastenträger, den kräftigen, jungen – der erlangt zehn Welten, ebenso wie der Kuhschenker.
Wer einen gutfolgsamen Zugochsen schenkt, den Träger des Pfluges, von unbegrenzter Kraft, den Lastenträger, den kräftigen, jungen – der erlangt zehn Welten, ebenso wie der Kuhschenker.
Wer sieben Jahre lang, o Tārkṣya, das Opfer dem Feuer darbringt, wohlgelobt, guten Wandels, der reinigt sieben spätere und sieben frühere Ahnen seiner selbst durch seine eigenen Taten.‘
Wer sieben Jahre lang, o Tārkṣya, das Opfer dem Feuer darbringt, wohlgelobt, guten Wandels, der reinigt sieben spätere und sieben frühere Ahnen seiner selbst durch seine eigenen Taten.‘
tārkṣya uvāca kim agnihotrasya vrataṃ purāṇam ācakṣva me pṛcchataś cārurūpe tvayānuśiṣṭo 'ham ihādya vidyāṃ yad agnihotrasya vrataṃ purāṇam
Tārkṣya sprach: ‚Welches ist das uralte Gelübde des Feueropfers? Sage es mir, der ich frage, du Schönstgestaltete; von dir heute unterwiesen, möge ich die Erkenntnis erlangen, welches das uralte Gelübde des Feueropfers ist.‘
Wort für Wort
tārkṣya uvāca kim agnihotrasya vrataṃ purāṇam ācakṣva me pṛcchataś cārurūpe tvayānuśiṣṭo 'ham ihādya vidyāṃ yad agnihotrasya vrataṃ purāṇam
Tārkṣya sprach: ‚Welches ist das uralte Gelübde des Feueropfers? Sage es mir, der ich frage, du Schönstgestaltete; von dir heute unterwiesen, möge ich die Erkenntnis erlangen, welches das uralte Gelübde des Feueropfers ist.‘
sarasvaty uvāca na cāśucir nāpy anirṇiktapāṇir nābrahmavij juhuyān nāvipaścit bubhukṣavaḥ śucikāmā hi devā nāśraddadhānād dhi havir juṣanti
Sarasvatī sprach: ‚Nicht der Unreine, nicht wer ungewaschene Hände hat, nicht wer das Brahman nicht kennt, nicht wer ohne Gelehrsamkeit ist, soll opfern; denn die Götter sind hungrig nach Reinheit und nehmen keine Opfergabe von einem Ungläubigen an.
Wort für Wort
sarasvaty uvāca na cāśucir nāpy anirṇiktapāṇir nābrahmavij juhuyān nāvipaścit bubhukṣavaḥ śucikāmā hi devā nāśraddadhānād dhi havir juṣanti
Sarasvatī sprach: ‚Nicht der Unreine, nicht wer ungewaschene Hände hat, nicht wer das Brahman nicht kennt, nicht wer ohne Gelehrsamkeit ist, soll opfern; denn die Götter sind hungrig nach Reinheit und nehmen keine Opfergabe von einem Ungläubigen an.
nāśrotriyaṃ devahavye niyuñjyān moghaṃ parā siñcati tādṛśo hi apūrṇam aśrotriyam āha tārkṣya na vai tādṛg juhuyād agnihotram
Man soll keinen Nicht-Schriftkundigen zum Götteropfer heranziehen; vergeblich gießt ein solcher die Spende aus; einen solchen Nicht-Schriftkundigen nennt man unvollständig, o Tārkṣya; ein solcher soll das Feueropfer nicht darbringen.
Wort für Wort
nāśrotriyaṃ devahavye niyuñjyān moghaṃ parā siñcati tādṛśo hi apūrṇam aśrotriyam āha tārkṣya na vai tādṛg juhuyād agnihotram
Man soll keinen Nicht-Schriftkundigen zum Götteropfer heranziehen; vergeblich gießt ein solcher die Spende aus; einen solchen Nicht-Schriftkundigen nennt man unvollständig, o Tārkṣya; ein solcher soll das Feueropfer nicht darbringen.
kṛśānuṃ ye juhvati śraddadhānāḥ satyavratā hutaśiṣṭāśinaś ca gavāṃ lokaṃ prāpya te puṇyagandhaṃ paśyanti devaṃ paramaṃ cāpi satyam
Die, welche gläubig dem Kṛśānu opfern, wahrhaftigen Gelübdes, von den Opferresten lebend, erlangen die wohlriechende Welt der Kühe und schauen den höchsten Gott, der auch die Wahrheit selbst ist.‘
Wort für Wort
kṛśānuṃ ye juhvati śraddadhānāḥ satyavratā hutaśiṣṭāśinaś ca gavāṃ lokaṃ prāpya te puṇyagandhaṃ paśyanti devaṃ paramaṃ cāpi satyam
Die, welche gläubig dem Kṛśānu opfern, wahrhaftigen Gelübdes, von den Opferresten lebend, erlangen die wohlriechende Welt der Kühe und schauen den höchsten Gott, der auch die Wahrheit selbst ist.‘
tārkṣya uvāca kṣetrajñabhūtāṃ paralokabhāve karmodaye buddhim atipraviṣṭām prajñāṃ ca devīṃ subhage vimṛśya pṛcchāmi tvāṃ kā hy asi cārurūpe
Tārkṣya sprach: ‚Wenn ich über das Feldkenner-Wesen im Hinblick auf das Jenseits nachsinne, über den in das Entstehen der Tat tief eingedrungenen Verstand, und über die göttliche Weisheit selbst, o Holde, so frage ich dich: Wer bist du, Schönstgestaltete?‘
Wort für Wort
tārkṣya uvāca kṣetrajñabhūtāṃ paralokabhāve karmodaye buddhim atipraviṣṭām prajñāṃ ca devīṃ subhage vimṛśya pṛcchāmi tvāṃ kā hy asi cārurūpe
Tārkṣya sprach: ‚Wenn ich über das Feldkenner-Wesen im Hinblick auf das Jenseits nachsinne, über den in das Entstehen der Tat tief eingedrungenen Verstand, und über die göttliche Weisheit selbst, o Holde, so frage ich dich: Wer bist du, Schönstgestaltete?‘
Sarasvatī sprach: ‚Vom Feueropfer bin ich hergekommen, um den Zweifel der besten der Weisen zu zerschneiden; durch die Begegnung mit dir habe ich dies gesagt, im Zustand verweilend, den wahren Sinn, wie er sich gehört.‘
Sarasvatī sprach: ‚Vom Feueropfer bin ich hergekommen, um den Zweifel der besten der Weisen zu zerschneiden; durch die Begegnung mit dir habe ich dies gesagt, im Zustand verweilend, den wahren Sinn, wie er sich gehört.‘
tārkṣya uvāca na hi tvayā sadṛśī kā cid asti vibhrājase hy atimātraṃ yathā śrīḥ rūpaṃ ca te divyam atyantakāntaṃ prajñāṃ ca devīṃ subhage bibharṣi
Tārkṣya sprach: ‚Es gibt wahrlich niemanden, der dir gleicht; du erstrahlst über die Maßen wie die Glücksgöttin selbst; deine göttliche, überaus liebliche Gestalt und die göttliche Weisheit trägst du in dir, Holde.‘
Wort für Wort
tārkṣya uvāca na hi tvayā sadṛśī kā cid asti vibhrājase hy atimātraṃ yathā śrīḥ rūpaṃ ca te divyam atyantakāntaṃ prajñāṃ ca devīṃ subhage bibharṣi
Tārkṣya sprach: ‚Es gibt wahrlich niemanden, der dir gleicht; du erstrahlst über die Maßen wie die Glücksgöttin selbst; deine göttliche, überaus liebliche Gestalt und die göttliche Weisheit trägst du in dir, Holde.‘
yac cāpi dravyam upayujyate ha vānaspatyam āyasaṃ pārthivaṃ vā divyena rūpeṇa ca prajñayā ca tenaiva siddhir iti viddhi vidvan
Und welches Ding auch immer verwendet wird, sei es aus Holz, aus Eisen oder aus Erde, durch die göttliche Gestalt und durch die Weisheit eben dadurch kommt die Vollendung zustande – wisse dies, Kundiger.‘
Wort für Wort
yac cāpi dravyam upayujyate ha vānaspatyam āyasaṃ pārthivaṃ vā divyena rūpeṇa ca prajñayā ca tenaiva siddhir iti viddhi vidvan
Und welches Ding auch immer verwendet wird, sei es aus Holz, aus Eisen oder aus Erde, durch die göttliche Gestalt und durch die Weisheit eben dadurch kommt die Vollendung zustande – wisse dies, Kundiger.‘
Tārkṣya sprach: ‚Dies als das höchste Gut erachtend, streben die Weisen danach, vertrauensvoll; sage mir jenes höchste, kummerlose Erlösungsziel, in das die Standhaften eingehen.‘
Tārkṣya sprach: ‚Dies als das höchste Gut erachtend, streben die Weisen danach, vertrauensvoll; sage mir jenes höchste, kummerlose Erlösungsziel, in das die Standhaften eingehen.‘
Sarasvatī sprach: ‚Zu jenem Höchsten gelangen die Vedenkenner, dem Höchsten der Höchsten, dem uralten, weitbekannten – durch die verdienstvollen Bindungen von Studium, Gabe und Gelübde sind die an Askese Reichen, vom Kummer Befreiten, erlöst.
Sarasvatī sprach: ‚Zu jenem Höchsten gelangen die Vedenkenner, dem Höchsten der Höchsten, dem uralten, weitbekannten – durch die verdienstvollen Bindungen von Studium, Gabe und Gelübde sind die an Askese Reichen, vom Kummer Befreiten, erlöst.
In dessen Mitte erstrahlt ein wohlriechender, tausendästiger, makelloser Rohrbaum; aus seiner Wurzel entspringen liebliche Ströme, von Honigwasser rauschend.
In dessen Mitte erstrahlt ein wohlriechender, tausendästiger, makelloser Rohrbaum; aus seiner Wurzel entspringen liebliche Ströme, von Honigwasser rauschend.
Zweig um Zweig strömen ihm große Flüsse zu, sandreich [?], mit gerösteten Körnern und Kuchen, mit Fleisch und Gemüse, stets von Milchbrei-Schlamm durchzogen.
Zweig um Zweig strömen ihm große Flüsse zu, sandreich [?], mit gerösteten Körnern und Kuchen, mit Fleisch und Gemüse, stets von Milchbrei-Schlamm durchzogen.
Die bildhafte Beschreibung dieses paradiesischen Flusses mit Speisen statt Sand und Schlamm ist im Sanskrit-Text bewusst überschwänglich-mythologisch gehalten; die Übersetzung folgt dem Wortlaut.