Kapitel 181: Karmavipākānuvādaḥ
Über die Frucht der Taten
Yudhiṣṭhira fragt Mārkaṇḍeya, ob der Mensch selbst der Täter und Genießer seiner Taten ist oder ob ein höherer Herr darüber waltet, und wie sich der Verkörperte nach dem Tod mit Gutem und Bösem verbindet. Mārkaṇḍeya antwortet mit einer ausführlichen Lehre über die Urmenschen des goldenen Zeitalters, ihren Fall durch Begierde und Verblendung, den Weg der Unweisen durch Wiedergeburt gemäß den eigenen Taten (ohne Zwischenzustand) und den höheren Weg der Weisen, die durch Askese und Erkenntnis wieder zur Wohnstatt der Götter gelangen. Ein Gleichnis von vier Menschentypen (glücklich nur hier, nur im Jenseits, in beiden oder in keiner der beiden Welten) mündet in den Trost, dass die Pāṇḍavas durch ihre eigenen Taten den höchsten Himmel erreichen werden.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als der König der Kurus, der Sohn Pāṇḍus, bemerkte, dass der große Weise zu sprechen wünschte, drängte er ihn, um das Gespräch in Gang zu bringen:
Vaiśaṃpāyana sprach: Als der König der Kurus, der Sohn Pāṇḍus, bemerkte, dass der große Weise zu sprechen wünschte, drängte er ihn, um das Gespräch in Gang zu bringen:
bhavaty eva hi me buddhir dṛṣṭvātmānaṃ sukhāc cyutam dhārtarāṣṭrāṃś ca durvṛttān ṛdhyataḥ prekṣya sarvaśaḥ
Denn mir kommt, wenn ich mich selbst vom Glück gefallen sehe und die schlecht handelnden Söhne des Dhṛtarāṣṭra allseits gedeihen sehe, folgender Gedanke:
Wort für Wort
bhavaty eva hi me buddhir dṛṣṭvātmānaṃ sukhāc cyutam dhārtarāṣṭrāṃś ca durvṛttān ṛdhyataḥ prekṣya sarvaśaḥ
Denn mir kommt, wenn ich mich selbst vom Glück gefallen sehe und die schlecht handelnden Söhne des Dhṛtarāṣṭra allseits gedeihen sehe, folgender Gedanke:
Und wie verbindet sich, o Bester der Zweifachgeborenen, der Verkörperte, nachdem er den Körper verlassen hat und von Gutem und Bösem gesucht wird, wieder – im Jenseits oder hier?
Und wie verbindet sich, o Bester der Zweifachgeborenen, der Verkörperte, nachdem er den Körper verlassen hat und von Gutem und Bösem gesucht wird, wieder – im Jenseits oder hier?
mārkaṇḍeya uvāca tvadyukto 'yam anupraśno yathāvad vadatāṃ vara viditaṃ veditavyaṃ te sthityartham anupṛcchasi
Mārkaṇḍeya sprach: „Diese Frage ist dir gemäß, o Bester der Redekundigen; du fragst, um deines Bestehens willen, nach dem, was den Wissenden ohnehin bekannt ist.
Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca tvadyukto 'yam anupraśno yathāvad vadatāṃ vara viditaṃ veditavyaṃ te sthityartham anupṛcchasi
Mārkaṇḍeya sprach: „Diese Frage ist dir gemäß, o Bester der Redekundigen; du fragst, um deines Bestehens willen, nach dem, was den Wissenden ohnehin bekannt ist.
kāmakrodhābhibhūtās te māyāvyājopajīvinaḥ lobhamohābhibhūtāś ca tyaktā devais tato narāḥ
von Begierde und Zorn überwältigt, von Trug und Täuschung lebend, von Gier und Verblendung überwältigt – da wurden die Menschen von den Göttern verlassen.
Wort für Wort
kāmakrodhābhibhūtās te māyāvyājopajīvinaḥ lobhamohābhibhūtāś ca tyaktā devais tato narāḥ
von Begierde und Zorn überwältigt, von Trug und Täuschung lebend, von Gier und Verblendung überwältigt – da wurden die Menschen von den Göttern verlassen.
vergeblich in ihrem Streben, vergeblich in ihren Vorsätzen, vergeblich in ihrem Wissen, verwirrten Sinnes, allem misstrauisch geworden, dem Leiden verfallen, meist durch unheilvolle Taten gekennzeichnet.
vergeblich in ihrem Streben, vergeblich in ihren Vorsätzen, vergeblich in ihrem Wissen, verwirrten Sinnes, allem misstrauisch geworden, dem Leiden verfallen, meist durch unheilvolle Taten gekennzeichnet.
Von niederer Herkunft, von vielen Krankheiten geplagt, bösen Sinnes, kraftlos, von kurzer Lebensdauer, sündig, aus grausamen Taten Frucht erwachsend, unfähig, all ihre Wünsche zu erlangen, gottlos, die Dämme des rechten Wandels durchbrechend –
Von niederer Herkunft, von vielen Krankheiten geplagt, bösen Sinnes, kraftlos, von kurzer Lebensdauer, sündig, aus grausamen Taten Frucht erwachsend, unfähig, all ihre Wünsche zu erlangen, gottlos, die Dämme des rechten Wandels durchbrechend –
jantoḥ pretasya kaunteya gatiḥ svair iha karmabhiḥ prājñasya hīnabuddheś ca karmakośaḥ kva tiṣṭhati
dies, o Sohn der Kuntī, ist der Weg des dahingeschiedenen Geschöpfes gemäß seinen eigenen Taten hier; doch wo verbleibt der Schatz der Taten des Weisen und des Kurzsichtigen?
Wort für Wort
jantoḥ pretasya kaunteya gatiḥ svair iha karmabhiḥ prājñasya hīnabuddheś ca karmakośaḥ kva tiṣṭhati
dies, o Sohn der Kuntī, ist der Weg des dahingeschiedenen Geschöpfes gemäß seinen eigenen Taten hier; doch wo verbleibt der Schatz der Taten des Weisen und des Kurzsichtigen?
Am Ende des Lebens, nachdem er diesen fast verbrauchten Leib verlassen hat, entsteht er zugleich wieder in einem Mutterschoß; einen Zwischenzustand gibt es nicht.
Am Ende des Lebens, nachdem er diesen fast verbrauchten Leib verlassen hat, entsteht er zugleich wieder in einem Mutterschoß; einen Zwischenzustand gibt es nicht.
kṛtāntavidhisaṃyuktaḥ sa jantur lakṣaṇaiḥ śubhaiḥ aśubhair vā nirādāno lakṣyate jñānadṛṣṭibhiḥ
Mit der Ordnung des Endgültigen verbunden, wird jenes Geschöpf, ohne dass es etwas mitnimmt, an heilvollen oder unheilvollen Merkmalen von denen erkannt, die mit dem Auge der Erkenntnis sehen.
Wort für Wort
kṛtāntavidhisaṃyuktaḥ sa jantur lakṣaṇaiḥ śubhaiḥ aśubhair vā nirādāno lakṣyate jñānadṛṣṭibhiḥ
Mit der Ordnung des Endgültigen verbunden, wird jenes Geschöpf, ohne dass es etwas mitnimmt, an heilvollen oder unheilvollen Merkmalen von denen erkannt, die mit dem Auge der Erkenntnis sehen.
Menschen, deren Askese gereift ist, die allen heiligen Überlieferungen ergeben sind, standhaft in ihren Gelübden, der Wahrheit zugetan, dem Dienst am Lehrer hingegeben,
Menschen, deren Askese gereift ist, die allen heiligen Überlieferungen ergeben sind, standhaft in ihren Gelübden, der Wahrheit zugetan, dem Dienst am Lehrer hingegeben,
wohlgesittet, von reiner Herkunft, geduldig, beherrscht, von großem Glanz, in eine heilvolle Mutterschoß-Geburt eingegangen, meist mit heilvollen Kennzeichen versehen,
wohlgesittet, von reiner Herkunft, geduldig, beherrscht, von großem Glanz, in eine heilvolle Mutterschoß-Geburt eingegangen, meist mit heilvollen Kennzeichen versehen,
solche, mit dem Auge der Erkenntnis versehen, erkennen überall den Hinschwindenden, den Geborenwerdenden, den im Mutterleib Befindlichen, das eigene Selbst und das höchste Selbst; nachdem sie diese Welt der Taten erreicht haben, gehen sie wieder in die Wohnstatt der Götter ein.
solche, mit dem Auge der Erkenntnis versehen, erkennen überall den Hinschwindenden, den Geborenwerdenden, den im Mutterleib Befindlichen, das eigene Selbst und das höchste Selbst; nachdem sie diese Welt der Taten erreicht haben, gehen sie wieder in die Wohnstatt der Götter ein.
kiṃ cid daivād dhaṭhāt kiṃ cit kiṃ cid eva svakarmabhiḥ prāpnuvanti narā rājan mā te 'stv anyā vicāraṇā
Manches erlangen die Menschen durch das Schicksal, manches durch Zufall, manches eben durch ihre eigenen Taten, o König; lass dir darüber keine andere Erwägung sein.
Wort für Wort
kiṃ cid daivād dhaṭhāt kiṃ cit kiṃ cid eva svakarmabhiḥ prāpnuvanti narā rājan mā te 'stv anyā vicāraṇā
Manches erlangen die Menschen durch das Schicksal, manches durch Zufall, manches eben durch ihre eigenen Taten, o König; lass dir darüber keine andere Erwägung sein.
iha vaikasya nāmutra amutraikasya no iha iha cāmutra caikasya nāmutraikasya no iha
Für den einen gibt es das Glück nur hier, nicht im Jenseits; für den anderen nur im Jenseits, nicht hier; für den einen sowohl hier als auch im Jenseits; für den anderen weder hier noch im Jenseits.
Wort für Wort
iha vaikasya nāmutra amutraikasya no iha iha cāmutra caikasya nāmutraikasya no iha
Für den einen gibt es das Glück nur hier, nicht im Jenseits; für den anderen nur im Jenseits, nicht hier; für den einen sowohl hier als auch im Jenseits; für den anderen weder hier noch im Jenseits.
Die, welche reichlichen Besitz haben, sich stets vergnügen, an Gliedern reich geschmückt – ihnen, o Bezwinger der vornehmsten Feinde, gehört diese Welt, nicht aber jene, ihnen, die stets der Freude des Leibes hingegeben sind.
Die, welche reichlichen Besitz haben, sich stets vergnügen, an Gliedern reich geschmückt – ihnen, o Bezwinger der vornehmsten Feinde, gehört diese Welt, nicht aber jene, ihnen, die stets der Freude des Leibes hingegeben sind.
ye yogayuktās tapasi prasaktāḥ svādhyāyaśīlā jarayanti dehān jitendriyā bhūtahite niviṣṭās teṣām asau nāyam arighna lokaḥ
Die, welche im Yoga geeint, der Askese hingegeben, dem Studium zugetan sind, ihre Leiber altern lassen, die Sinne bezwungen haben, auf das Wohl der Wesen bedacht sind – ihnen gehört jene Welt, nicht diese, o Bezwinger der Feinde.
Wort für Wort
ye yogayuktās tapasi prasaktāḥ svādhyāyaśīlā jarayanti dehān jitendriyā bhūtahite niviṣṭās teṣām asau nāyam arighna lokaḥ
Die, welche im Yoga geeint, der Askese hingegeben, dem Studium zugetan sind, ihre Leiber altern lassen, die Sinne bezwungen haben, auf das Wohl der Wesen bedacht sind – ihnen gehört jene Welt, nicht diese, o Bezwinger der Feinde.
ye dharmam eva prathamaṃ caranti dharmeṇa labdhvā ca dhanāni kāle dārān avāpya kratubhir yajante teṣām ayaṃ caiva paraś ca lokaḥ
Die, welche zuerst dem Dharma folgen und, durch den Dharma Reichtum erlangt, zur rechten Zeit eine Gattin nehmen und mit Opfern opfern – ihnen gehört diese Welt und auch die andere.
Wort für Wort
ye dharmam eva prathamaṃ caranti dharmeṇa labdhvā ca dhanāni kāle dārān avāpya kratubhir yajante teṣām ayaṃ caiva paraś ca lokaḥ
Die, welche zuerst dem Dharma folgen und, durch den Dharma Reichtum erlangt, zur rechten Zeit eine Gattin nehmen und mit Opfern opfern – ihnen gehört diese Welt und auch die andere.
ye naiva vidyāṃ na tapo na dānaṃ na cāpi mūḍhāḥ prajane yatante na cādhigacchanti sukhāny abhāgyās teṣām ayaṃ caiva paraś ca nāsti
Die, welche weder Wissen noch Askese noch Gaben haben und, töricht, sich nicht einmal um Nachkommenschaft bemühen und, unglückselig, keine Freuden erlangen – ihnen gehört weder diese Welt noch die andere.
Wort für Wort
ye naiva vidyāṃ na tapo na dānaṃ na cāpi mūḍhāḥ prajane yatante na cādhigacchanti sukhāny abhāgyās teṣām ayaṃ caiva paraś ca nāsti
Die, welche weder Wissen noch Askese noch Gaben haben und, töricht, sich nicht einmal um Nachkommenschaft bemühen und, unglückselig, keine Freuden erlangen – ihnen gehört weder diese Welt noch die andere.
Ihr alle aber seid von überragender Kraft und Wesenheit, von göttlichem Glanz, mit festem Wuchs begabt; aus jener Welt seid ihr auf die Erde herabgestiegen, eures Wissens wohlkundig, um der Aufgabe der Götter willen.
Ihr alle aber seid von überragender Kraft und Wesenheit, von göttlichem Glanz, mit festem Wuchs begabt; aus jener Welt seid ihr auf die Erde herabgestiegen, eures Wissens wohlkundig, um der Aufgabe der Götter willen.
Nachdem ihr, Helden, große Taten vollbracht, der Askese, Selbstbeherrschung und rechten Lebensart zugetan gewesen seid, und die Götter, die Weisen und alle Scharen der Verstorbenen mit dem höchsten Ritus gesättigt habt,
Nachdem ihr, Helden, große Taten vollbracht, der Askese, Selbstbeherrschung und rechten Lebensart zugetan gewesen seid, und die Götter, die Weisen und alle Scharen der Verstorbenen mit dem höchsten Ritus gesättigt habt,
werdet ihr allmählich, durch eure eigenen Taten, den höchsten Himmel erlangen, die Wohnstatt derer, die Verdienstvolles getan haben; lass keinen Zweifel in dir aufkommen, o Herr der Kauravas, der du des Glückes würdig bist, wenn du diese deine Drangsal siehst.“
werdet ihr allmählich, durch eure eigenen Taten, den höchsten Himmel erlangen, die Wohnstatt derer, die Verdienstvolles getan haben; lass keinen Zweifel in dir aufkommen, o Herr der Kauravas, der du des Glückes würdig bist, wenn du diese deine Drangsal siehst.“