Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 62: Damayantyāḥ Cedipuraveśaḥ Damayantī am Hof der Cedis

Damayantī zieht mit der Karawane weiter, doch nachts zertrampelt eine Elefantenherde das Lager und tötet fast alle. Die Überlebenden ziehen klagend weiter zur Stadt der Cedis; Damayantī vermutet, die von ihr bei der Svayaṃvara zurückgewiesenen Weltenhüter würden sie nun strafen. Zerlumpt und wirr erreicht sie die Stadt des Königs Subāhu, wo die Königinmutter sie vom Palast aus bemerkt und zu sich holt. Damayantī gibt sich - ihre wahre Identität verschleiernd - als frei umherziehende Sairandhrī aus, deren Gatte im Würfelspiel alles verlor. Die Königinmutter nimmt sie unter strengen, von Damayantī selbst gestellten Bedingungen auf und vertraut sie ihrer Tochter Sunandā als Gefährtin an.

bṛhadaśva uvāca sā tac chrutvānavadyāṅgī sārthavāhavacas tadā agacchat tena vai sārdhaṃ bhartṛdarśanalālasā

Bṛhadaśva sprach: Sie, die Makellosgliedrige, ging, nachdem sie diese Worte des Karawanenführers gehört hatte, da mit ihm zusammen, begierig danach, ihren Gatten wiederzusehen.

Wort für Wort
bṛhadaśva uvāca sā tac chrutvānavadyāṅgī sārthavāhavacas tadā agacchat tena vai sārdhaṃ bhartṛdarśanalālasā
Bṛhadaśva sprach: Sie, die Makellosgliedrige, ging, nachdem sie diese Worte des Karawanenführers gehört hatte, da mit ihm zusammen, begierig danach, ihren Gatten wiederzusehen.

atha kāle bahutithe vane mahati dāruṇe taḍāgaṃ sarvatobhadraṃ padmasaugandhikaṃ mahat

Dann, nach geraumer Zeit, erblickten die Kaufleute in dem großen, furchtbaren Wald einen großen, von allen Seiten schönen Teich, duftend von Lotusblüten und Saugandhika-Blumen,

Wort für Wort
atha kāle bahutithe vane mahati dāruṇe taḍāgaṃ sarvatobhadraṃ padmasaugandhikaṃ mahat
Dann, nach geraumer Zeit, erblickten die Kaufleute in dem großen, furchtbaren Wald einen großen, von allen Seiten schönen Teich, duftend von Lotusblüten und Saugandhika-Blumen,

dadṛśur vaṇijo ramyaṃ prabhūtayavasendhanam bahumūlaphalopetaṃ nānāpakṣigaṇair vṛtam

lieblich, reich an Gras und Brennholz, mit vielen Wurzeln und Früchten versehen, von mancherlei Vogelscharen umgeben.

Wort für Wort
dadṛśur vaṇijo ramyaṃ prabhūtayavasendhanam bahumūlaphalopetaṃ nānāpakṣigaṇair vṛtam
lieblich, reich an Gras und Brennholz, mit vielen Wurzeln und Früchten versehen, von mancherlei Vogelscharen umgeben.

taṃ dṛṣṭvā mṛṣṭasalilaṃ manoharasukhāvaham supariśrāntavāhās te niveśāya mano dadhuḥ

Als sie diesen mit klarem Wasser sahen, herzerfreuend und Wohlbehagen bringend, richteten sie, deren Zugtiere sehr erschöpft waren, ihren Sinn darauf, dort zu lagern.

Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā mṛṣṭasalilaṃ manoharasukhāvaham supariśrāntavāhās te niveśāya mano dadhuḥ
Als sie diesen mit klarem Wasser sahen, herzerfreuend und Wohlbehagen bringend, richteten sie, deren Zugtiere sehr erschöpft waren, ihren Sinn darauf, dort zu lagern.

saṃmate sārthavāhasya viviśur vanam uttamam uvāsa sārthaḥ sumahān velām āsādya paścimām

Mit Zustimmung des Karawanenführers betraten sie den vortrefflichen Wald; die überaus große Karawane lagerte, als die Abendzeit gekommen war.

Wort für Wort
saṃmate sārthavāhasya viviśur vanam uttamam uvāsa sārthaḥ sumahān velām āsādya paścimām
Mit Zustimmung des Karawanenführers betraten sie den vortrefflichen Wald; die überaus große Karawane lagerte, als die Abendzeit gekommen war.

athārdharātrasamaye niḥśabdastimite tadā supte sārthe pariśrānte hastiyūtham upāgamat pānīyārthaṃ girinadīṃ madaprasravaṇāvilām

Dann, zur Zeit der Mitternacht, als alles geräuschlos und still war, als die erschöpfte Karawane schlief, kam eine Herde Elefanten heran, um an einem Bergfluss, der von ihrem Brunftsaft getrübt war, Wasser zu trinken.

Wort für Wort
athārdharātrasamaye niḥśabdastimite tadā supte sārthe pariśrānte hastiyūtham upāgamat pānīyārthaṃ girinadīṃ madaprasravaṇāvilām
Dann, zur Zeit der Mitternacht, als alles geräuschlos und still war, als die erschöpfte Karawane schlief, kam eine Herde Elefanten heran, um an einem Bergfluss, der von ihrem Brunftsaft getrübt war, Wasser zu trinken.

mārgaṃ saṃrudhya saṃsuptaṃ padminyāḥ sārtham uttamam suptaṃ mamarda sahasā ceṣṭamānaṃ mahītale

Sie versperrte den Weg zum Lotusteich und zertrat plötzlich die schlafende, vortreffliche Karawane, die sich, schlafend, auf dem Erdboden noch regte.

Wort für Wort
mārgaṃ saṃrudhya saṃsuptaṃ padminyāḥ sārtham uttamam suptaṃ mamarda sahasā ceṣṭamānaṃ mahītale
Sie versperrte den Weg zum Lotusteich und zertrat plötzlich die schlafende, vortreffliche Karawane, die sich, schlafend, auf dem Erdboden noch regte.

hāhāravaṃ pramuñcantaḥ sārthikāḥ śaraṇārthinaḥ vanagulmāṃś ca dhāvanto nidrāndhā mahato bhayāt ke cid dantaiḥ karaiḥ ke cit ke cit padbhyāṃ hatā narāḥ

Wehklagen ausstoßend, Zuflucht suchend, liefen die Karawanenleute, vom Schlaf geblendet, aus großer Furcht in die Waldgebüsche; manche Männer wurden von Stoßzähnen, manche von Rüsseln, manche von Füßen erschlagen.

Wort für Wort
hāhāravaṃ pramuñcantaḥ sārthikāḥ śaraṇārthinaḥ vanagulmāṃś ca dhāvanto nidrāndhā mahato bhayāt ke cid dantaiḥ karaiḥ ke cit ke cit padbhyāṃ hatā narāḥ
Wehklagen ausstoßend, Zuflucht suchend, liefen die Karawanenleute, vom Schlaf geblendet, aus großer Furcht in die Waldgebüsche; manche Männer wurden von Stoßzähnen, manche von Rüsseln, manche von Füßen erschlagen.

gokharoṣṭrāśvabahulaṃ padātijanasaṃkulam bhayārtaṃ dhāvamānaṃ tat parasparahataṃ tadā

Die von Rindern, Eseln, Kamelen und Pferden reiche, von Fußvolk wimmelnde Karawane, von Furcht gequält, umherlaufend, tötete sich da gegenseitig,

Wort für Wort
gokharoṣṭrāśvabahulaṃ padātijanasaṃkulam bhayārtaṃ dhāvamānaṃ tat parasparahataṃ tadā
Die von Rindern, Eseln, Kamelen und Pferden reiche, von Fußvolk wimmelnde Karawane, von Furcht gequält, umherlaufend, tötete sich da gegenseitig,

ghorān nādān vimuñcanto nipetur dharaṇītale vṛkṣeṣv āsajya saṃbhagnāḥ patitā viṣameṣu ca tathā tan nihataṃ sarvaṃ samṛddhaṃ sārthamaṇḍalam

furchtbare Schreie ausstoßend, stürzten sie zu Boden; an Bäumen sich verfangend zerschmettert, in Abgründe gefallen - so wurde jene ganze, wohlhabende Karawanenschar vernichtet.

Wort für Wort
ghorān nādān vimuñcanto nipetur dharaṇītale vṛkṣeṣv āsajya saṃbhagnāḥ patitā viṣameṣu ca tathā tan nihataṃ sarvaṃ samṛddhaṃ sārthamaṇḍalam
furchtbare Schreie ausstoßend, stürzten sie zu Boden; an Bäumen sich verfangend zerschmettert, in Abgründe gefallen - so wurde jene ganze, wohlhabende Karawanenschar vernichtet.

athāparedyuḥ saṃprāpte hataśiṣṭā janās tadā vanagulmād viniṣkramya śocanto vaiśasaṃ kṛtam bhrātaraṃ pitaraṃ putraṃ sakhāyaṃ ca janādhipa

Als dann der nächste Tag anbrach, kamen die vom Gemetzel übrig gebliebenen Leute aus den Waldgebüschen hervor und beklagten das angerichtete Unheil, o Herrscher der Menschen, einen Bruder, einen Vater, einen Sohn, einen Freund;

Wort für Wort
athāparedyuḥ saṃprāpte hataśiṣṭā janās tadā vanagulmād viniṣkramya śocanto vaiśasaṃ kṛtam bhrātaraṃ pitaraṃ putraṃ sakhāyaṃ ca janādhipa
Als dann der nächste Tag anbrach, kamen die vom Gemetzel übrig gebliebenen Leute aus den Waldgebüschen hervor und beklagten das angerichtete Unheil, o Herrscher der Menschen, einen Bruder, einen Vater, einen Sohn, einen Freund;

aśocat tatra vaidarbhī kiṃ nu me duṣkṛtaṃ kṛtam yo 'pi me nirjane 'raṇye saṃprāpto 'yaṃ janārṇavaḥ hato 'yaṃ hastiyūthena mandabhāgyān mamaiva tu

dort klagte auch die Vaidarbhī: „Was für ein Übel habe ich wohl getan, dass selbst dieser Strom von Menschen, der mir in der einsamen Wildnis zuteilgeworden war, nun durch die Elefantenherde vernichtet wurde - wahrlich wegen meines eigenen Unglücks?

Wort für Wort
aśocat tatra vaidarbhī kiṃ nu me duṣkṛtaṃ kṛtam yo 'pi me nirjane 'raṇye saṃprāpto 'yaṃ janārṇavaḥ hato 'yaṃ hastiyūthena mandabhāgyān mamaiva tu
dort klagte auch die Vaidarbhī: „Was für ein Übel habe ich wohl getan, dass selbst dieser Strom von Menschen, der mir in der einsamen Wildnis zuteilgeworden war, nun durch die Elefantenherde vernichtet wurde - wahrlich wegen meines eigenen Unglücks?

prāptavyaṃ suciraṃ duḥkhaṃ mayā nūnam asaṃśayam nāprāptakālo mriyate śrutaṃ vṛddhānuśāsanam

Gewiss steht mir noch lange, langes Leid bevor, ohne Zweifel; denn 'wessen Zeit noch nicht gekommen ist, der stirbt nicht' - so habe ich die Lehre der Alten gehört.

Wort für Wort
prāptavyaṃ suciraṃ duḥkhaṃ mayā nūnam asaṃśayam nāprāptakālo mriyate śrutaṃ vṛddhānuśāsanam
Gewiss steht mir noch lange, langes Leid bevor, ohne Zweifel; denn 'wessen Zeit noch nicht gekommen ist, der stirbt nicht' - so habe ich die Lehre der Alten gehört.

yan nāham adya mṛditā hastiyūthena duḥkhitā na hy adaivakṛtaṃ kiṃ cin narāṇām iha vidyate

Dass ich, Elende, heute nicht von der Elefantenherde zertreten wurde - fürwahr, nichts, was den Menschen hier widerfährt, geschieht ohne das Wirken des Schicksals.

Wort für Wort
yan nāham adya mṛditā hastiyūthena duḥkhitā na hy adaivakṛtaṃ kiṃ cin narāṇām iha vidyate
Dass ich, Elende, heute nicht von der Elefantenherde zertreten wurde - fürwahr, nichts, was den Menschen hier widerfährt, geschieht ohne das Wirken des Schicksals.

na ca me bālabhāve 'pi kiṃ cid vyapakṛtaṃ kṛtam karmaṇā manasā vācā yad idaṃ duḥkham āgatam

Auch habe ich selbst in meiner Kindheit nichts Unrechtes getan, durch Tat, Gedanken oder Wort, weshalb mir dieses Leid zugekommen wäre -

Wort für Wort
na ca me bālabhāve 'pi kiṃ cid vyapakṛtaṃ kṛtam karmaṇā manasā vācā yad idaṃ duḥkham āgatam
Auch habe ich selbst in meiner Kindheit nichts Unrechtes getan, durch Tat, Gedanken oder Wort, weshalb mir dieses Leid zugekommen wäre -

manye svayaṃvarakṛte lokapālāḥ samāgatāḥ pratyākhyātā mayā tatra nalasyārthāya devatāḥ nūnaṃ teṣāṃ prabhāvena viyogaṃ prāptavaty aham

ich vermute, weil ich bei meiner Svayaṃvara die versammelten Weltenhüter, die Götter, um Nalas willen zurückgewiesen habe - gewiss erleide ich durch deren Macht diese Trennung.“

Wort für Wort
manye svayaṃvarakṛte lokapālāḥ samāgatāḥ pratyākhyātā mayā tatra nalasyārthāya devatāḥ nūnaṃ teṣāṃ prabhāvena viyogaṃ prāptavaty aham
ich vermute, weil ich bei meiner Svayaṃvara die versammelten Weltenhüter, die Götter, um Nalas willen zurückgewiesen habe - gewiss erleide ich durch deren Macht diese Trennung.“

evamādīni duḥkhāni sā vilapya varāṅganā hataśiṣṭaiḥ saha tadā brāhmaṇair vedapāragaiḥ agacchad rājaśārdūla duḥkhaśokaparāyaṇā

Nachdem sie, die Schöngestaltete, derartige Klagen ausgestoßen hatte, ging sie da, ganz dem Leid und Kummer hingegeben, zusammen mit den vom Gemetzel übrig gebliebenen, des Veda kundigen Brahmanen, o Tiger unter den Königen.

Wort für Wort
evamādīni duḥkhāni sā vilapya varāṅganā hataśiṣṭaiḥ saha tadā brāhmaṇair vedapāragaiḥ agacchad rājaśārdūla duḥkhaśokaparāyaṇā
Nachdem sie, die Schöngestaltete, derartige Klagen ausgestoßen hatte, ging sie da, ganz dem Leid und Kummer hingegeben, zusammen mit den vom Gemetzel übrig gebliebenen, des Veda kundigen Brahmanen, o Tiger unter den Königen.

gacchantī sā cirāt kālāt puram āsādayan mahat sāyāhne cedirājasya subāhoḥ satyavādinaḥ vastrārdhakartasaṃvītā praviveśa purottamam

So wandernd, erreichte sie nach langer Zeit eine große Stadt; am Abend betrat sie, mit dem halb abgeschnittenen Gewand bekleidet, die vortreffliche Stadt des wahrhaft redenden Cedi-Königs Subāhu.

Wort für Wort
gacchantī sā cirāt kālāt puram āsādayan mahat sāyāhne cedirājasya subāhoḥ satyavādinaḥ vastrārdhakartasaṃvītā praviveśa purottamam
So wandernd, erreichte sie nach langer Zeit eine große Stadt; am Abend betrat sie, mit dem halb abgeschnittenen Gewand bekleidet, die vortreffliche Stadt des wahrhaft redenden Cedi-Königs Subāhu.

tāṃ vivarṇāṃ kṛśāṃ dīnāṃ muktakeśīm amārjanām unmattām iva gacchantīṃ dadṛśuḥ puravāsinaḥ

Die Stadtbewohner sahen sie, die Entfärbte, Abgemagerte, Elende, mit aufgelöstem Haar, Ungepflegte, wie eine Wahnsinnige einherschreiten.

Wort für Wort
tāṃ vivarṇāṃ kṛśāṃ dīnāṃ muktakeśīm amārjanām unmattām iva gacchantīṃ dadṛśuḥ puravāsinaḥ
Die Stadtbewohner sahen sie, die Entfärbte, Abgemagerte, Elende, mit aufgelöstem Haar, Ungepflegte, wie eine Wahnsinnige einherschreiten.

praviśantīṃ tu tāṃ dṛṣṭvā cedirājapurīṃ tadā anujagmus tato bālā grāmiputrāḥ kutūhalāt

Als sie sie so die Stadt des Cedi-Königs betreten sahen, folgten ihr da aus Neugier die Kinder, die Söhne der Dorfbewohner.

Wort für Wort
praviśantīṃ tu tāṃ dṛṣṭvā cedirājapurīṃ tadā anujagmus tato bālā grāmiputrāḥ kutūhalāt
Als sie sie so die Stadt des Cedi-Königs betreten sahen, folgten ihr da aus Neugier die Kinder, die Söhne der Dorfbewohner.

sā taiḥ parivṛtāgacchat samīpaṃ rājaveśmanaḥ tāṃ prāsādagatāpaśyad rājamātā janair vṛtām

Von ihnen umringt, gelangte sie in die Nähe des Königspalastes; dort, von der Menge umgeben, erblickte sie die Königinmutter, die sich im Palast befand.

Wort für Wort
sā taiḥ parivṛtāgacchat samīpaṃ rājaveśmanaḥ tāṃ prāsādagatāpaśyad rājamātā janair vṛtām
Von ihnen umringt, gelangte sie in die Nähe des Königspalastes; dort, von der Menge umgeben, erblickte sie die Königinmutter, die sich im Palast befand.

sā janaṃ vārayitvā taṃ prāsādatalam uttamam āropya vismitā rājan damayantīm apṛcchata

Sie, die jene Menge fortschickte, ließ sie auf die vortreffliche Terrasse des Palastes hinaufführen und fragte, o König, verwundert, Damayantī:

Wort für Wort
sā janaṃ vārayitvā taṃ prāsādatalam uttamam āropya vismitā rājan damayantīm apṛcchata
Sie, die jene Menge fortschickte, ließ sie auf die vortreffliche Terrasse des Palastes hinaufführen und fragte, o König, verwundert, Damayantī:

evam apy asukhāviṣṭā bibharṣi paramaṃ vapuḥ bhāsi vidyud ivābhreṣu śaṃsa me kāsi kasya vā

„Obwohl vom Unglück befallen, trägst du doch eine höchst herrliche Gestalt; du leuchtest wie ein Blitz zwischen Wolken. Sage mir, wer du bist und wessen (Tochter oder Gattin) du bist.

Wort für Wort
evam apy asukhāviṣṭā bibharṣi paramaṃ vapuḥ bhāsi vidyud ivābhreṣu śaṃsa me kāsi kasya vā
„Obwohl vom Unglück befallen, trägst du doch eine höchst herrliche Gestalt; du leuchtest wie ein Blitz zwischen Wolken. Sage mir, wer du bist und wessen (Tochter oder Gattin) du bist.

na hi te mānuṣaṃ rūpaṃ bhūṣaṇair api varjitam asahāyā narebhyaś ca nodvijasy amaraprabhe

Denn dein Aussehen ist nicht menschlich, obgleich es des Schmuckes entbehrt; und obwohl ohne Begleitung, scheust du dich nicht vor den Menschen, du mit dem Glanz einer Unsterblichen.“

Wort für Wort
na hi te mānuṣaṃ rūpaṃ bhūṣaṇair api varjitam asahāyā narebhyaś ca nodvijasy amaraprabhe
Denn dein Aussehen ist nicht menschlich, obgleich es des Schmuckes entbehrt; und obwohl ohne Begleitung, scheust du dich nicht vor den Menschen, du mit dem Glanz einer Unsterblichen.“

tac chrutvā vacanaṃ tasyā bhaimī vacanam abravīt mānuṣīṃ māṃ vijānīhi bhartāraṃ samanuvratām

Als sie diese Worte gehört hatte, sprach die Bhaimī diese Worte: „Erkenne in mir eine Menschenfrau, ihrem Gatten fest ergeben,

Wort für Wort
tac chrutvā vacanaṃ tasyā bhaimī vacanam abravīt mānuṣīṃ māṃ vijānīhi bhartāraṃ samanuvratām
Als sie diese Worte gehört hatte, sprach die Bhaimī diese Worte: „Erkenne in mir eine Menschenfrau, ihrem Gatten fest ergeben,

sairandhrīṃ jātisaṃpannāṃ bhujiṣyāṃ kāmavāsinīm phalamūlāśanām ekāṃ yatrasāyaṃpratiśrayām

eine Sairandhrī von guter Abkunft, eine freie Dienerin, die nach Belieben wohnt, von Wurzeln und Früchten allein sich nährend, an jedem Ort Unterkunft suchend, wo der Abend sie findet.

Wort für Wort
sairandhrīṃ jātisaṃpannāṃ bhujiṣyāṃ kāmavāsinīm phalamūlāśanām ekāṃ yatrasāyaṃpratiśrayām
eine Sairandhrī von guter Abkunft, eine freie Dienerin, die nach Belieben wohnt, von Wurzeln und Früchten allein sich nährend, an jedem Ort Unterkunft suchend, wo der Abend sie findet.

asaṃkhyeyaguṇo bhartā māṃ ca nityam anuvrataḥ bhartāram api taṃ vīraṃ chāyevānapagā sadā

Mein Gatte ist von unzähligen Vorzügen und mir stets ergeben; ich aber bin diesem Helden, meinem Gatten, allzeit wie sein Schatten unablässig gefolgt.

Wort für Wort
asaṃkhyeyaguṇo bhartā māṃ ca nityam anuvrataḥ bhartāram api taṃ vīraṃ chāyevānapagā sadā
Mein Gatte ist von unzähligen Vorzügen und mir stets ergeben; ich aber bin diesem Helden, meinem Gatten, allzeit wie sein Schatten unablässig gefolgt.

tasya daivāt prasaṅgo 'bhūd atimātraṃ sma devane dyūte sa nirjitaś caiva vanam eko 'bhyupeyivān

Ihm widerfuhr durch Schicksalsfügung eine übermäßige Leidenschaft zum Würfelspiel; im Würfelspiel besiegt, zog er allein in den Wald.

Wort für Wort
tasya daivāt prasaṅgo 'bhūd atimātraṃ sma devane dyūte sa nirjitaś caiva vanam eko 'bhyupeyivān
Ihm widerfuhr durch Schicksalsfügung eine übermäßige Leidenschaft zum Würfelspiel; im Würfelspiel besiegt, zog er allein in den Wald.

tam ekavasanaṃ vīram unmattam iva vihvalam āśvāsayantī bhartāram aham anvagamaṃ vanam

Ihm, dem Helden mit nur einem Gewand, der wie von Sinnen und verwirrt war, folgte ich, meinem Gatten Trost zusprechend, in den Wald.

Wort für Wort
tam ekavasanaṃ vīram unmattam iva vihvalam āśvāsayantī bhartāram aham anvagamaṃ vanam
Ihm, dem Helden mit nur einem Gewand, der wie von Sinnen und verwirrt war, folgte ich, meinem Gatten Trost zusprechend, in den Wald.

sa kadā cid vane vīraḥ kasmiṃś cit kāraṇāntare kṣutparītaḥ suvimanās tad apy ekaṃ vyasarjayat

Der Held gab dort im Wald einmal, aus irgendeinem anderen Grund, von Hunger überwältigt, ganz von Sinnen, auch dieses eine Gewand her,

Wort für Wort
sa kadā cid vane vīraḥ kasmiṃś cit kāraṇāntare kṣutparītaḥ suvimanās tad apy ekaṃ vyasarjayat
Der Held gab dort im Wald einmal, aus irgendeinem anderen Grund, von Hunger überwältigt, ganz von Sinnen, auch dieses eine Gewand her,

tam ekavasanaṃ nagnam unmattaṃ gatacetasam anuvrajantī bahulā na svapāmi niśāḥ sadā

und ihm, dem nun ganz ohne Gewand Nackten, von Sinnen, seines Verstandes Beraubten, folgend, schlafe ich seither viele Nächte nicht mehr.

Wort für Wort
tam ekavasanaṃ nagnam unmattaṃ gatacetasam anuvrajantī bahulā na svapāmi niśāḥ sadā
und ihm, dem nun ganz ohne Gewand Nackten, von Sinnen, seines Verstandes Beraubten, folgend, schlafe ich seither viele Nächte nicht mehr.

tato bahutithe kāle suptām utsṛjya māṃ kva cit vāsaso 'rdhaṃ paricchidya tyaktavān mām anāgasam

Dann, nach geraumer Zeit, verließ er mich, die Schlafende, an irgendeinem Ort, schnitt die Hälfte des Gewandes ab und verließ mich, die Schuldlose.

Wort für Wort
tato bahutithe kāle suptām utsṛjya māṃ kva cit vāsaso 'rdhaṃ paricchidya tyaktavān mām anāgasam
Dann, nach geraumer Zeit, verließ er mich, die Schlafende, an irgendeinem Ort, schnitt die Hälfte des Gewandes ab und verließ mich, die Schuldlose.

taṃ mārgamāṇā bhartāraṃ dahyamānā dinakṣapāḥ na vindāmy amaraprakhyaṃ priyaṃ prāṇadhaneśvaram

Ihn, meinen Gatten, suche ich, Tag und Nacht verbrennend, doch finde ich nicht meinen Geliebten, den Herrn meines Lebens und meines Reichtums, der einem Unsterblichen gleicht.“

Wort für Wort
taṃ mārgamāṇā bhartāraṃ dahyamānā dinakṣapāḥ na vindāmy amaraprakhyaṃ priyaṃ prāṇadhaneśvaram
Ihn, meinen Gatten, suche ich, Tag und Nacht verbrennend, doch finde ich nicht meinen Geliebten, den Herrn meines Lebens und meines Reichtums, der einem Unsterblichen gleicht.“

tām aśruparipūrṇākṣīṃ vilapantīṃ tathā bahu rājamātābravīd ārtāṃ bhaimīm ārtatarā svayam

Zu ihr, deren Augen von Tränen erfüllt waren, die so vielfach klagte, sprach die Königinmutter, zu der leidgeplagten Bhaimī, selbst noch mehr leidgeplagt:

Wort für Wort
tām aśruparipūrṇākṣīṃ vilapantīṃ tathā bahu rājamātābravīd ārtāṃ bhaimīm ārtatarā svayam
Zu ihr, deren Augen von Tränen erfüllt waren, die so vielfach klagte, sprach die Königinmutter, zu der leidgeplagten Bhaimī, selbst noch mehr leidgeplagt:

vasasva mayi kalyāṇi prītir me tvayi vartate mṛgayiṣyanti te bhadre bhartāraṃ puruṣā mama

„Bleibe bei mir, Holde; Zuneigung empfinde ich für dich. Meine Männer werden, o Gute, nach deinem Gatten suchen.

Wort für Wort
vasasva mayi kalyāṇi prītir me tvayi vartate mṛgayiṣyanti te bhadre bhartāraṃ puruṣā mama
„Bleibe bei mir, Holde; Zuneigung empfinde ich für dich. Meine Männer werden, o Gute, nach deinem Gatten suchen.

atha vā svayam āgacchet paridhāvann itas tataḥ ihaiva vasatī bhadre bhartāram upalapsyase

Oder er selbst könnte, hierhin und dorthin umherlaufend, herkommen; hier verweilend, o Gute, wirst du deinen Gatten wiederfinden.“

Wort für Wort
atha vā svayam āgacchet paridhāvann itas tataḥ ihaiva vasatī bhadre bhartāram upalapsyase
Oder er selbst könnte, hierhin und dorthin umherlaufend, herkommen; hier verweilend, o Gute, wirst du deinen Gatten wiederfinden.“

rājamātur vacaḥ śrutvā damayantī vaco 'bravīt samayenotsahe vastuṃ tvayi vīraprajāyini

Als sie die Worte der Königinmutter gehört hatte, sprach Damayantī die Worte: „Unter einer Bedingung bin ich bereit, bei dir zu bleiben, o Mutter von Helden:

Wort für Wort
rājamātur vacaḥ śrutvā damayantī vaco 'bravīt samayenotsahe vastuṃ tvayi vīraprajāyini
Als sie die Worte der Königinmutter gehört hatte, sprach Damayantī die Worte: „Unter einer Bedingung bin ich bereit, bei dir zu bleiben, o Mutter von Helden:

ucchiṣṭaṃ naiva bhuñjīyāṃ na kuryāṃ pādadhāvanam na cāhaṃ puruṣān anyān saṃbhāṣeyaṃ kathaṃ cana

Ich würde niemals Speisereste essen, noch würde ich irgendjemandem die Füße waschen, noch würde ich mit anderen Männern in irgendeiner Weise sprechen.

Wort für Wort
ucchiṣṭaṃ naiva bhuñjīyāṃ na kuryāṃ pādadhāvanam na cāhaṃ puruṣān anyān saṃbhāṣeyaṃ kathaṃ cana
Ich würde niemals Speisereste essen, noch würde ich irgendjemandem die Füße waschen, noch würde ich mit anderen Männern in irgendeiner Weise sprechen.

prārthayed yadi māṃ kaś cid daṇḍyas te sa pumān bhavet bhartur anveṣaṇārthaṃ tu paśyeyaṃ brāhmaṇān aham

Sollte irgendein Mann um mich werben, so soll er von dir bestraft werden; doch um meinen Gatten zu suchen, möchte ich Brahmanen empfangen dürfen.

Wort für Wort
prārthayed yadi māṃ kaś cid daṇḍyas te sa pumān bhavet bhartur anveṣaṇārthaṃ tu paśyeyaṃ brāhmaṇān aham
Sollte irgendein Mann um mich werben, so soll er von dir bestraft werden; doch um meinen Gatten zu suchen, möchte ich Brahmanen empfangen dürfen.

yady evam iha kartavyaṃ vasāmy aham asaṃśayam ato 'nyathā na me vāso vartate hṛdaye kva cit

Wenn dies hier so gehandhabt wird, werde ich ohne Zweifel hier wohnen; andernfalls hat ein Verweilen für mein Herz an keinem Ort Bestand.“

Wort für Wort
yady evam iha kartavyaṃ vasāmy aham asaṃśayam ato 'nyathā na me vāso vartate hṛdaye kva cit
Wenn dies hier so gehandhabt wird, werde ich ohne Zweifel hier wohnen; andernfalls hat ein Verweilen für mein Herz an keinem Ort Bestand.“

tāṃ prahṛṣṭena manasā rājamātedam abravīt sarvam etat kariṣyāmi diṣṭyā te vratam īdṛśam

Zu ihr sprach die Königinmutter mit erfreutem Herzen dies: „All dies werde ich tun; zum Glück ist dein Gelübde derart ehrenhaft.“

Wort für Wort
tāṃ prahṛṣṭena manasā rājamātedam abravīt sarvam etat kariṣyāmi diṣṭyā te vratam īdṛśam
Zu ihr sprach die Königinmutter mit erfreutem Herzen dies: „All dies werde ich tun; zum Glück ist dein Gelübde derart ehrenhaft.“

evam uktvā tato bhaimīṃ rājamātā viśāṃ pate uvācedaṃ duhitaraṃ sunandāṃ nāma bhārata

Nachdem sie so zur Bhaimī gesprochen hatte, sagte die Königinmutter, o Herr der Völker, dies zu ihrer Tochter namens Sunandā, o Bhārata:

Wort für Wort
evam uktvā tato bhaimīṃ rājamātā viśāṃ pate uvācedaṃ duhitaraṃ sunandāṃ nāma bhārata
Nachdem sie so zur Bhaimī gesprochen hatte, sagte die Königinmutter, o Herr der Völker, dies zu ihrer Tochter namens Sunandā, o Bhārata:

sairandhrīm abhijānīṣva sunande devarūpiṇīm etayā saha modasva nirudvignamanāḥ svayam

„Erkenne in ihr, Sunandā, eine Sairandhrī von göttlicher Gestalt; erfreue dich mit ihr zusammen, selbst ohne Beunruhigung des Geistes.“

Wort für Wort
sairandhrīm abhijānīṣva sunande devarūpiṇīm etayā saha modasva nirudvignamanāḥ svayam
„Erkenne in ihr, Sunandā, eine Sairandhrī von göttlicher Gestalt; erfreue dich mit ihr zusammen, selbst ohne Beunruhigung des Geistes.“

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