Kapitel 22: Yayātipatanam
Die Zauberillusion vom Fall des Vaters und Kṛṣṇas Erwachen aus der Täuschung
Kṛṣṇa berichtet weiter: Während des Kampfes erreicht ihn durch einen Boten Āhukas die Nachricht, Śālva habe Dvārakā angegriffen und seinen Vater Vasudeva (den „Sohn des Śūra“) getötet. Von Kummer überwältigt, sieht Kṛṣṇa sodann, wie sein Vater scheinbar von Saubha herabstürzt - eine Vision, die der Gestalt des einst vom Himmel gefallenen Königs Yayāti gleicht. Kṛṣṇa sinkt ohnmächtig zusammen, erkennt die Vision schließlich als Śālvas Zauberkunst (Māyā) und erwacht, um den Kampf fortzusetzen.
Vāsudeva sprach: So, o Tiger unter den Männern, stieg Śālva, der große Feind der Könige, während er mit mir im Kampf focht, erneut in den Luftraum empor.
Vāsudeva sprach: So, o Tiger unter den Männern, stieg Śālva, der große Feind der Könige, während er mit mir im Kampf focht, erneut in den Luftraum empor.
tataḥ śataghnīś ca mahāgadāś ca dīptāṃś ca śūlān musalān asīṃś ca cikṣepa roṣān mayi mandabuddhiḥ śālvo mahārāja jayābhikāṅkṣī
Darauf schleuderte Śālva, der Törichte, o Großkönig, von Sieg begierig, im Zorn auf mich Śataghnīs, gewaltige Keulen, lodernde Speere, Streitkolben und Schwerter.
Wort für Wort
tataḥ śataghnīś ca mahāgadāś ca dīptāṃś ca śūlān musalān asīṃś ca cikṣepa roṣān mayi mandabuddhiḥ śālvo mahārāja jayābhikāṅkṣī
Darauf schleuderte Śālva, der Törichte, o Großkönig, von Sieg begierig, im Zorn auf mich Śataghnīs, gewaltige Keulen, lodernde Speere, Streitkolben und Schwerter.
[Anm.: Die „Śataghnī“ („Hundert-Töterin“) ist eine legendäre Fernwaffe, oft als zylindrisches, mit Eisenspitzen besetztes Wurfgeschoss beschrieben.]
tān āśugair āpatato 'ham āśu nivārya tūrṇaṃ khagamān kha eva dvidhā tridhā cācchinam āśu muktais tato 'ntarikṣe ninado babhūva
Diese auf mich zufliegenden [Waffen] wehrte ich rasch mit schnellen Pfeilen ab und zerschnitt die durch die Luft fliegenden sogleich in der Luft selbst in zwei oder drei Teile mit rasch abgeschossenen Pfeilen; darauf erscholl im Luftraum ein Getöse.
Wort für Wort
tān āśugair āpatato 'ham āśu nivārya tūrṇaṃ khagamān kha eva dvidhā tridhā cācchinam āśu muktais tato 'ntarikṣe ninado babhūva
Diese auf mich zufliegenden [Waffen] wehrte ich rasch mit schnellen Pfeilen ab und zerschnitt die durch die Luft fliegenden sogleich in der Luft selbst in zwei oder drei Teile mit rasch abgeschossenen Pfeilen; darauf erscholl im Luftraum ein Getöse.
na tasyorasi no mūrdhni na kāye na bhujadvaye antaraṃ pāṇḍavaśreṣṭha paśyāmi nahataṃ śaraiḥ
Weder an seiner Brust noch am Kopf, weder am Körper noch an den beiden Armen, o Bester der Pāṇḍavas, sah ich eine Stelle, die nicht von Pfeilen getroffen war.
Wort für Wort
na tasyorasi no mūrdhni na kāye na bhujadvaye antaraṃ pāṇḍavaśreṣṭha paśyāmi nahataṃ śaraiḥ
Weder an seiner Brust noch am Kopf, weder am Körper noch an den beiden Armen, o Bester der Pāṇḍavas, sah ich eine Stelle, die nicht von Pfeilen getroffen war.
āhukasya vaco vīra tasyaiva paricārakaḥ viṣaṇṇaḥ sannakaṇṭho vai tan nibodha yudhiṣṭhira
„Der Diener des Āhuka selbst, bekümmert und mit erstickter Stimme, [überbringt] das Wort des Āhuka, o Held - vernimm es, Yudhiṣṭhira:
Wort für Wort
āhukasya vaco vīra tasyaiva paricārakaḥ viṣaṇṇaḥ sannakaṇṭho vai tan nibodha yudhiṣṭhira
„Der Diener des Āhuka selbst, bekümmert und mit erstickter Stimme, [überbringt] das Wort des Āhuka, o Held - vernimm es, Yudhiṣṭhira:
[Anm.: Die Anrede „Yudhiṣṭhira“ mitten in der wiedergegebenen Rede ist Kṛṣṇas eigener Einschub an seinen Zuhörer innerhalb der Rückerzählung, nicht Teil der Botschaft des Boten.]
Da Śālva heute Dvārakā angegriffen hat, o Freude der Vṛṣṇis, während du, Unbezwingbarer, [anderswo] gebunden warst, wurde der Sohn des Śūra [Vasudeva, mein Vater] mit Gewalt getötet.
Da Śālva heute Dvārakā angegriffen hat, o Freude der Vṛṣṇis, während du, Unbezwingbarer, [anderswo] gebunden warst, wurde der Sohn des Śūra [Vasudeva, mein Vater] mit Gewalt getötet.
baladevo mahābāhuḥ kaccij jīvati śatruhā sātyakī raukmiṇeyaś ca cārudeṣṇaś ca vīryavān sāmbaprabhṛtayaś caivety aham āsaṃ sudurmanāḥ
„Lebt wohl der starkarmige Baladeva, der Feindevernichter? Sātyaki und der Sohn der Rukmiṇī, und der tapfere Cārudeṣṇa, und die mit Sāmba an der Spitze?“ - so [fragend] war ich höchst bekümmert.
Wort für Wort
baladevo mahābāhuḥ kaccij jīvati śatruhā sātyakī raukmiṇeyaś ca cārudeṣṇaś ca vīryavān sāmbaprabhṛtayaś caivety aham āsaṃ sudurmanāḥ
„Lebt wohl der starkarmige Baladeva, der Feindevernichter? Sātyaki und der Sohn der Rukmiṇī, und der tapfere Cārudeṣṇa, und die mit Sāmba an der Spitze?“ - so [fragend] war ich höchst bekümmert.
eteṣu hi naravyāghra jīvatsu na kathaṃ cana śakyaḥ śūrasuto hantum api vajrabhṛtā svayam
Denn solange diese leben, o Tiger unter den Männern, kann der Sohn des Śūra keinesfalls getötet werden, selbst nicht vom Träger des Vajra [Indra] selbst.
Wort für Wort
eteṣu hi naravyāghra jīvatsu na kathaṃ cana śakyaḥ śūrasuto hantum api vajrabhṛtā svayam
Denn solange diese leben, o Tiger unter den Männern, kann der Sohn des Śūra keinesfalls getötet werden, selbst nicht vom Träger des Vajra [Indra] selbst.
Seine Gestalt, meines Vaters, wie er herabstürzte, o Herrscher der Menschen, [glich] jener des Yayāti, dessen Verdienst erschöpft war, [als er] vom Himmel auf die Erde [fiel].
Seine Gestalt, meines Vaters, wie er herabstürzte, o Herrscher der Menschen, [glich] jener des Yayāti, dessen Verdienst erschöpft war, [als er] vom Himmel auf die Erde [fiel].
[Anm.: Anspielung auf die bekannte Erzählung von König Yayāti, der, als sein im Himmel angesammeltes Verdienst (puṇya) aufgebraucht war, von dort zur Erde zurückstürzte.]
tato muhūrtāt pratilabhya saṃjñām ahaṃ tadā vīra mahāvimarde na tatra saubhaṃ na ripuṃ na śālvaṃ paśyāmi vṛddhaṃ pitaraṃ na cāpi
Darauf, nach einem Augenblick mein Bewusstsein wiedererlangend, o Held, sah ich damals in jenem gewaltigen Getümmel weder Saubha noch den Feind noch Śālva, noch auch meinen greisen Vater.
Wort für Wort
tato muhūrtāt pratilabhya saṃjñām ahaṃ tadā vīra mahāvimarde na tatra saubhaṃ na ripuṃ na śālvaṃ paśyāmi vṛddhaṃ pitaraṃ na cāpi
Darauf, nach einem Augenblick mein Bewusstsein wiedererlangend, o Held, sah ich damals in jenem gewaltigen Getümmel weder Saubha noch den Feind noch Śālva, noch auch meinen greisen Vater.
tato mamāsīn manasi māyeyam iti niścitam prabuddho 'smi tato bhūyaḥ śataśo vikirañ śarān
Darauf wurde es mir im Geiste gewiss: „Dies ist Zauberkunst [Māyā]“; erwacht [aus der Täuschung], schoss ich darauf abermals hunderte von Pfeilen umher.
Wort für Wort
tato mamāsīn manasi māyeyam iti niścitam prabuddho 'smi tato bhūyaḥ śataśo vikirañ śarān
Darauf wurde es mir im Geiste gewiss: „Dies ist Zauberkunst [Māyā]“; erwacht [aus der Täuschung], schoss ich darauf abermals hunderte von Pfeilen umher.