Kapitel 263: Rāmopākhyānam (6)
Jaṭāyus Tod, das Kabandha-Ungeheuer und der Hinweis auf Sugrīva
Jaṭāyu kämpft für Sītā gegen Rāvaṇa und wird tödlich verwundet; sterbend weist er Rāma die Richtung von Rāvaṇas Flucht. Auf ihrer Suche begegnen Rāma und Lakṣmaṇa dem rumpfförmigen Unhold Kabandha, den sie erschlagen; aus dessen Leib tritt der verfluchte Gandharva Viśvāvasu hervor, der sie auf den Affenkönig Sugrīva am Pampā-See verweist. Die Erzählung rafft hier - typisch für die knappe Form des Rāmopākhyāna im Mahābhārata gegenüber der ausführlicheren Vālmīki-Fassung - mehrere ursprünglich getrennte Episoden zu einer fortlaufenden Kette zusammen.
Mārkaṇḍeya sprach: „Ein Freund Daśarathas war Jaṭāyu, der Sohn des Aruṇa, der König der Geier, von großer Tapferkeit, dessen leiblicher Bruder Saṃpāti war.
Mārkaṇḍeya sprach: „Ein Freund Daśarathas war Jaṭāyu, der Sohn des Aruṇa, der König der Geier, von großer Tapferkeit, dessen leiblicher Bruder Saṃpāti war.
Er erblickte da Sītā, die Schwiegertochter [seines Freundes], auf Rāvaṇas Schoß; voller Zorn stürzte sich der Vogel auf Rāvaṇa, den Herrscher der Rākṣasas.
Er erblickte da Sītā, die Schwiegertochter [seines Freundes], auf Rāvaṇas Schoß; voller Zorn stürzte sich der Vogel auf Rāvaṇa, den Herrscher der Rākṣasas.
athainam abravīd gṛdhro muñca muñceti maithilīm dhriyamāṇe mayi kathaṃ hariṣyasi niśācara na hi me mokṣyase jīvan yadi notsṛjase vadhūm
Da sprach der Geier zu ihm: ‚Laß los, laß los die Tochter Mithilās! Solange ich lebe, wie willst du sie forttragen, Nachtwandler? Du wirst mir nicht lebend entkommen, gibst du die junge Frau nicht frei.‘
Wort für Wort
athainam abravīd gṛdhro muñca muñceti maithilīm dhriyamāṇe mayi kathaṃ hariṣyasi niśācara na hi me mokṣyase jīvan yadi notsṛjase vadhūm
Da sprach der Geier zu ihm: ‚Laß los, laß los die Tochter Mithilās! Solange ich lebe, wie willst du sie forttragen, Nachtwandler? Du wirst mir nicht lebend entkommen, gibst du die junge Frau nicht frei.‘
Nachdem er dies gesagt hatte, zerkratzte er jenen Herrscher der Rākṣasas heftig mit seinen Krallen; durch Schläge mit Flügeln und Schnabel vielfach zerschunden, vergoss jener reichlich Blut, wie ein Berg durch seine Quellen.
Nachdem er dies gesagt hatte, zerkratzte er jenen Herrscher der Rākṣasas heftig mit seinen Krallen; durch Schläge mit Flügeln und Schnabel vielfach zerschunden, vergoss jener reichlich Blut, wie ein Berg durch seine Quellen.
nihatya gṛdhrarājaṃ sa chinnābhraśikharopamam ūrdhvam ācakrame sītāṃ gṛhītvāṅkena rākṣasaḥ
Nachdem er den Geierkönig, einem abgebrochenen Wolkengipfel gleich, niedergestreckt hatte, erhob sich der Rākṣasa in die Höhe, Sītā auf seinem Schoß haltend.
Wort für Wort
nihatya gṛdhrarājaṃ sa chinnābhraśikharopamam ūrdhvam ācakrame sītāṃ gṛhītvāṅkena rākṣasaḥ
Nachdem er den Geierkönig, einem abgebrochenen Wolkengipfel gleich, niedergestreckt hatte, erhob sich der Rākṣasa in die Höhe, Sītā auf seinem Schoß haltend.
Während so die Tochter Videhas entführt wurde, erblickte Rāma, der Kluge, nachdem er das große Reh erschlagen hatte, auf dem Rückweg da seinen Bruder Lakṣmaṇa.
Während so die Tochter Videhas entführt wurde, erblickte Rāma, der Kluge, nachdem er das große Reh erschlagen hatte, auf dem Rückweg da seinen Bruder Lakṣmaṇa.
sa tāv uvāca tejasvī sahitau rāmalakṣmaṇau gṛdhrarājo 'smi bhadraṃ vāṃ sakhā daśarathasya ha
Er, der Glanzvolle, sprach zu den beiden vereint Herankommenden, Rāma und Lakṣmaṇa: ‚Ich bin der König der Geier, Heil euch beiden - ein Freund Daśarathas.‘
Wort für Wort
sa tāv uvāca tejasvī sahitau rāmalakṣmaṇau gṛdhrarājo 'smi bhadraṃ vāṃ sakhā daśarathasya ha
Er, der Glanzvolle, sprach zu den beiden vereint Herankommenden, Rāma und Lakṣmaṇa: ‚Ich bin der König der Geier, Heil euch beiden - ein Freund Daśarathas.‘
tato dṛṣṭvāśramapadaṃ vyapaviddhabṛsīghaṭam vidhvastakalaśaṃ śūnyaṃ gomāyubalasevitam
Darauf, den Āśrama-Platz erblickend, mit fortgeworfener Sitzmatte und Wasserkrug, mit zertrümmerten Gefäßen, verlassen, von Scharen von Schakalen heimgesucht,
Wort für Wort
tato dṛṣṭvāśramapadaṃ vyapaviddhabṛsīghaṭam vidhvastakalaśaṃ śūnyaṃ gomāyubalasevitam
Darauf, den Āśrama-Platz erblickend, mit fortgeworfener Sitzmatte und Wasserkrug, mit zertrümmerten Gefäßen, verlassen, von Scharen von Schakalen heimgesucht,
vane mahati tasmiṃs tu rāmaḥ saumitriṇā saha dadarśa mṛgayūthāni dravamāṇāni sarvaśaḥ śabdaṃ ca ghoraṃ sattvānāṃ dāvāgner iva vardhataḥ
In jenem großen Wald erblickte Rāma zusammen mit dem Sohn der Sumitrā Rudel von Rehen, die von allen Seiten davonliefen, und hörte den schrecklichen Laut von Wesen, wie das Wachsen eines Waldbrandes.
Wort für Wort
vane mahati tasmiṃs tu rāmaḥ saumitriṇā saha dadarśa mṛgayūthāni dravamāṇāni sarvaśaḥ śabdaṃ ca ghoraṃ sattvānāṃ dāvāgner iva vardhataḥ
In jenem großen Wald erblickte Rāma zusammen mit dem Sohn der Sumitrā Rudel von Rehen, die von allen Seiten davonliefen, und hörte den schrecklichen Laut von Wesen, wie das Wachsen eines Waldbrandes.
apaśyetāṃ muhūrtāc ca kabandhaṃ ghoradarśanam meghaparvatasaṃkāśaṃ śālaskandhaṃ mahābhujam urogataviśālākṣaṃ mahodaramahāmukham
Nach kurzer Zeit erblickten sie einen furchtbar anzusehenden rumpfförmigen Unhold [Kabandha], einer Gewitterwolke oder einem Berg gleich, mit Schultern wie Śāla-Bäume, mit großen Armen, mit einem breiten Auge auf der Brust, mit großem Bauch und großem Maul.
Wort für Wort
apaśyetāṃ muhūrtāc ca kabandhaṃ ghoradarśanam meghaparvatasaṃkāśaṃ śālaskandhaṃ mahābhujam urogataviśālākṣaṃ mahodaramahāmukham
Nach kurzer Zeit erblickten sie einen furchtbar anzusehenden rumpfförmigen Unhold [Kabandha], einer Gewitterwolke oder einem Berg gleich, mit Schultern wie Śāla-Bäume, mit großen Armen, mit einem breiten Auge auf der Brust, mit großem Bauch und großem Maul.
nāhaṃ tvāṃ saha vaidehyā sametaṃ kosalāgatam drakṣyāmi pṛthivīrājye pitṛpaitāmahe sthitam
nicht werde ich dich, mit der Tochter Videhas vereint, nach Kosala zurückgekehrt sehen, eingesetzt in das Königreich der Erde, das deinem Vater und Großvater gehörte.
Wort für Wort
nāhaṃ tvāṃ saha vaidehyā sametaṃ kosalāgatam drakṣyāmi pṛthivīrājye pitṛpaitāmahe sthitam
nicht werde ich dich, mit der Tochter Videhas vereint, nach Kosala zurückgekehrt sehen, eingesetzt in das Königreich der Erde, das deinem Vater und Großvater gehörte.
drakṣyanty āryasya dhanyā ye kuśalājaśamīlavaiḥ abhiṣiktasya vadanaṃ somaṃ sābhralavaṃ yathā
Glücklich sind jene, die das Antlitz des zur Weihe geweihten Edlen sehen werden, mit Kuśa-Gras, Reiskörnern und Śamī-Zweigen [besprengt], wie den Mond mit einem Wölkchen davor.‘
Wort für Wort
drakṣyanty āryasya dhanyā ye kuśalājaśamīlavaiḥ abhiṣiktasya vadanaṃ somaṃ sābhralavaṃ yathā
Glücklich sind jene, die das Antlitz des zur Weihe geweihten Edlen sehen werden, mit Kuśa-Gras, Reiskörnern und Śamī-Zweigen [besprengt], wie den Mond mit einem Wölkchen davor.‘
‚Verzweifle nicht, Tiger unter den Männern - das ist nichts, solange ich hier stehe; hau ihm den rechten Arm ab, den linken Arm habe ich schon abgehauen.‘
‚Verzweifle nicht, Tiger unter den Männern - das ist nichts, solange ich hier stehe; hau ihm den rechten Arm ab, den linken Arm habe ich schon abgehauen.‘
papraccha rāmas taṃ vāgmī kas tvaṃ prabrūhi pṛcchataḥ kāmayā kim idaṃ citram āścaryaṃ pratibhāti me
Rāma, der Redegewandte, fragte ihn: ‚Wer bist du? Sag es mir, dem Fragenden - aus Neugier [?] erscheint mir dies als ein seltsames Wunder.‘
Wort für Wort
papraccha rāmas taṃ vāgmī kas tvaṃ prabrūhi pṛcchataḥ kāmayā kim idaṃ citram āścaryaṃ pratibhāti me
Rāma, der Redegewandte, fragte ihn: ‚Wer bist du? Sag es mir, dem Fragenden - aus Neugier [?] erscheint mir dies als ein seltsames Wunder.‘
Die Wortform 'kāmayā' ist grammatisch unklar; die Übersetzung 'aus Neugier' ist eine Annäherung an einen möglicherweise verderbten oder abweichend überlieferten Text.
Ihm erklärte der Gandharva: ‚Viśvāvasu bin ich, o König; durch den Fluch eines Brahmanen bin ich in diese von Rākṣasas heimgesuchte Existenzform geraten.
Ihm erklärte der Gandharva: ‚Viśvāvasu bin ich, o König; durch den Fluch eines Brahmanen bin ich in diese von Rākṣasas heimgesuchte Existenzform geraten.