Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 263: Rāmopākhyānam (6) Jaṭāyus Tod, das Kabandha-Ungeheuer und der Hinweis auf Sugrīva

Jaṭāyu kämpft für Sītā gegen Rāvaṇa und wird tödlich verwundet; sterbend weist er Rāma die Richtung von Rāvaṇas Flucht. Auf ihrer Suche begegnen Rāma und Lakṣmaṇa dem rumpfförmigen Unhold Kabandha, den sie erschlagen; aus dessen Leib tritt der verfluchte Gandharva Viśvāvasu hervor, der sie auf den Affenkönig Sugrīva am Pampā-See verweist. Die Erzählung rafft hier - typisch für die knappe Form des Rāmopākhyāna im Mahābhārata gegenüber der ausführlicheren Vālmīki-Fassung - mehrere ursprünglich getrennte Episoden zu einer fortlaufenden Kette zusammen.

mārkaṇḍeya uvāca sakhā daśarathasyāsīj jaṭāyur aruṇātmajaḥ gṛdhrarājo mahāvīryaḥ saṃpātir yasya sodaraḥ

Mārkaṇḍeya sprach: „Ein Freund Daśarathas war Jaṭāyu, der Sohn des Aruṇa, der König der Geier, von großer Tapferkeit, dessen leiblicher Bruder Saṃpāti war.

Wort für Wort
mārkaṇḍeya uvāca sakhā daśarathasyāsīj jaṭāyur aruṇātmajaḥ gṛdhrarājo mahāvīryaḥ saṃpātir yasya sodaraḥ
Mārkaṇḍeya sprach: „Ein Freund Daśarathas war Jaṭāyu, der Sohn des Aruṇa, der König der Geier, von großer Tapferkeit, dessen leiblicher Bruder Saṃpāti war.

sa dadarśa tadā sītāṃ rāvaṇāṅkagatāṃ snuṣām krodhād abhyadravat pakṣī rāvaṇaṃ rākṣaseśvaram

Er erblickte da Sītā, die Schwiegertochter [seines Freundes], auf Rāvaṇas Schoß; voller Zorn stürzte sich der Vogel auf Rāvaṇa, den Herrscher der Rākṣasas.

Wort für Wort
sa dadarśa tadā sītāṃ rāvaṇāṅkagatāṃ snuṣām krodhād abhyadravat pakṣī rāvaṇaṃ rākṣaseśvaram
Er erblickte da Sītā, die Schwiegertochter [seines Freundes], auf Rāvaṇas Schoß; voller Zorn stürzte sich der Vogel auf Rāvaṇa, den Herrscher der Rākṣasas.

athainam abravīd gṛdhro muñca muñceti maithilīm dhriyamāṇe mayi kathaṃ hariṣyasi niśācara na hi me mokṣyase jīvan yadi notsṛjase vadhūm

Da sprach der Geier zu ihm: ‚Laß los, laß los die Tochter Mithilās! Solange ich lebe, wie willst du sie forttragen, Nachtwandler? Du wirst mir nicht lebend entkommen, gibst du die junge Frau nicht frei.‘

Wort für Wort
athainam abravīd gṛdhro muñca muñceti maithilīm dhriyamāṇe mayi kathaṃ hariṣyasi niśācara na hi me mokṣyase jīvan yadi notsṛjase vadhūm
Da sprach der Geier zu ihm: ‚Laß los, laß los die Tochter Mithilās! Solange ich lebe, wie willst du sie forttragen, Nachtwandler? Du wirst mir nicht lebend entkommen, gibst du die junge Frau nicht frei.‘

uktvaivaṃ rākṣasendraṃ taṃ cakarta nakharair bhṛśam pakṣatuṇḍaprahāraiś ca bahuśo jarjarīkṛtaḥ cakṣāra rudhiraṃ bhūri giriḥ prasravaṇair iva

Nachdem er dies gesagt hatte, zerkratzte er jenen Herrscher der Rākṣasas heftig mit seinen Krallen; durch Schläge mit Flügeln und Schnabel vielfach zerschunden, vergoss jener reichlich Blut, wie ein Berg durch seine Quellen.

Wort für Wort
uktvaivaṃ rākṣasendraṃ taṃ cakarta nakharair bhṛśam pakṣatuṇḍaprahāraiś ca bahuśo jarjarīkṛtaḥ cakṣāra rudhiraṃ bhūri giriḥ prasravaṇair iva
Nachdem er dies gesagt hatte, zerkratzte er jenen Herrscher der Rākṣasas heftig mit seinen Krallen; durch Schläge mit Flügeln und Schnabel vielfach zerschunden, vergoss jener reichlich Blut, wie ein Berg durch seine Quellen.

sa vadhyamāno gṛdhreṇa rāmapriyahitaiṣiṇā khaḍgam ādāya ciccheda bhujau tasya patatriṇaḥ

Er, von dem Geier verwundet, der Rāmas Wohl und Freude suchte, ergriff sein Schwert und hieb dem Vogel beide Flügel ab.

Wort für Wort
sa vadhyamāno gṛdhreṇa rāmapriyahitaiṣiṇā khaḍgam ādāya ciccheda bhujau tasya patatriṇaḥ
Er, von dem Geier verwundet, der Rāmas Wohl und Freude suchte, ergriff sein Schwert und hieb dem Vogel beide Flügel ab.

nihatya gṛdhrarājaṃ sa chinnābhraśikharopamam ūrdhvam ācakrame sītāṃ gṛhītvāṅkena rākṣasaḥ

Nachdem er den Geierkönig, einem abgebrochenen Wolkengipfel gleich, niedergestreckt hatte, erhob sich der Rākṣasa in die Höhe, Sītā auf seinem Schoß haltend.

Wort für Wort
nihatya gṛdhrarājaṃ sa chinnābhraśikharopamam ūrdhvam ācakrame sītāṃ gṛhītvāṅkena rākṣasaḥ
Nachdem er den Geierkönig, einem abgebrochenen Wolkengipfel gleich, niedergestreckt hatte, erhob sich der Rākṣasa in die Höhe, Sītā auf seinem Schoß haltend.

yatra yatra tu vaidehī paśyaty āśramamaṇḍalam saro vā saritaṃ vāpi tatra muñcati bhūṣaṇam

Wo immer aber die Tochter Videhas einen Kreis von Āśramas erblickte, oder einen See oder einen Fluss, dort ließ sie ein Schmuckstück fallen.

Wort für Wort
yatra yatra tu vaidehī paśyaty āśramamaṇḍalam saro vā saritaṃ vāpi tatra muñcati bhūṣaṇam
Wo immer aber die Tochter Videhas einen Kreis von Āśramas erblickte, oder einen See oder einen Fluss, dort ließ sie ein Schmuckstück fallen.

sā dadarśa giriprasthe pañca vānarapuṃgavān tatra vāso mahad divyam utsasarja manasvinī

Sie erblickte auf einem Bergabhang fünf Stiere unter den Affen; dort ließ die Kluge ihr großes, göttliches Gewand fallen.

Wort für Wort
sā dadarśa giriprasthe pañca vānarapuṃgavān tatra vāso mahad divyam utsasarja manasvinī
Sie erblickte auf einem Bergabhang fünf Stiere unter den Affen; dort ließ die Kluge ihr großes, göttliches Gewand fallen.

tat teṣāṃ vānarendrāṇāṃ papāta pavanoddhutam madhye supītaṃ pañcānāṃ vidyun meghāntare yathā

Jenes, vom Wind bewegt, fiel mitten unter jene fünf Herren der Affen herab, goldgelb schimmernd, wie ein Blitz zwischen Wolken.

Wort für Wort
tat teṣāṃ vānarendrāṇāṃ papāta pavanoddhutam madhye supītaṃ pañcānāṃ vidyun meghāntare yathā
Jenes, vom Wind bewegt, fiel mitten unter jene fünf Herren der Affen herab, goldgelb schimmernd, wie ein Blitz zwischen Wolken.

Die genaue Bedeutung von 'supītam' (etwa 'goldgelb', wörtlich 'wohlgetrunken/-gefärbt') ist unsicher.

evaṃ hṛtāyāṃ vaidehyāṃ rāmo hatvā mahāmṛgam nivṛtto dadṛśe dhīmān bhrātaraṃ lakṣmaṇaṃ tadā

Während so die Tochter Videhas entführt wurde, erblickte Rāma, der Kluge, nachdem er das große Reh erschlagen hatte, auf dem Rückweg da seinen Bruder Lakṣmaṇa.

Wort für Wort
evaṃ hṛtāyāṃ vaidehyāṃ rāmo hatvā mahāmṛgam nivṛtto dadṛśe dhīmān bhrātaraṃ lakṣmaṇaṃ tadā
Während so die Tochter Videhas entführt wurde, erblickte Rāma, der Kluge, nachdem er das große Reh erschlagen hatte, auf dem Rückweg da seinen Bruder Lakṣmaṇa.

katham utsṛjya vaidehīṃ vane rākṣasasevite ity evaṃ bhrātaraṃ dṛṣṭvā prāpto 'sīti vyagarhayat

Ihn, den Bruder, erblickend, tadelte er: ‚Wie kommst du hierher, nachdem du die Tochter Videhas im von Rākṣasas heimgesuchten Wald verlassen hast?‘

Wort für Wort
katham utsṛjya vaidehīṃ vane rākṣasasevite ity evaṃ bhrātaraṃ dṛṣṭvā prāpto 'sīti vyagarhayat
Ihn, den Bruder, erblickend, tadelte er: ‚Wie kommst du hierher, nachdem du die Tochter Videhas im von Rākṣasas heimgesuchten Wald verlassen hast?‘

mṛgarūpadhareṇātha rakṣasā so 'pakarṣaṇam bhrātur āgamanaṃ caiva cintayan paryatapyata

Er, an die Entführung durch den Rākṣasa, der die Gestalt des Rehs getragen hatte, und an das Kommen seines Bruders denkend, quälte sich in Sorge.

Wort für Wort
mṛgarūpadhareṇātha rakṣasā so 'pakarṣaṇam bhrātur āgamanaṃ caiva cintayan paryatapyata
Er, an die Entführung durch den Rākṣasa, der die Gestalt des Rehs getragen hatte, und an das Kommen seines Bruders denkend, quälte sich in Sorge.

garhayann eva rāmas tu tvaritas taṃ samāsadat api jīvati vaidehī neti paśyāmi lakṣmaṇa

Rāma, noch während er ihn tadelte, näherte sich ihm eilends: ‚Lebt die Tochter Videhas oder nicht - ich sehe sie nicht, Lakṣmaṇa.‘

Wort für Wort
garhayann eva rāmas tu tvaritas taṃ samāsadat api jīvati vaidehī neti paśyāmi lakṣmaṇa
Rāma, noch während er ihn tadelte, näherte sich ihm eilends: ‚Lebt die Tochter Videhas oder nicht - ich sehe sie nicht, Lakṣmaṇa.‘

tasya tat sarvam ācakhyau sītāyā lakṣmaṇo vacaḥ yad uktavaty asadṛśaṃ vaidehī paścimaṃ vacaḥ

Ihm berichtete Lakṣmaṇa das ganze Wort Sītās, das unpassende letzte Wort, das die Tochter Videhas gesprochen hatte.

Wort für Wort
tasya tat sarvam ācakhyau sītāyā lakṣmaṇo vacaḥ yad uktavaty asadṛśaṃ vaidehī paścimaṃ vacaḥ
Ihm berichtete Lakṣmaṇa das ganze Wort Sītās, das unpassende letzte Wort, das die Tochter Videhas gesprochen hatte.

dahyamānena tu hṛdā rāmo 'bhyapatad āśramam sa dadarśa tadā gṛdhraṃ nihataṃ parvatopamam

Mit brennendem Herzen eilte Rāma zum Āśrama; da erblickte er den Geier, niedergestreckt, einem Berg gleich.

Wort für Wort
dahyamānena tu hṛdā rāmo 'bhyapatad āśramam sa dadarśa tadā gṛdhraṃ nihataṃ parvatopamam
Mit brennendem Herzen eilte Rāma zum Āśrama; da erblickte er den Geier, niedergestreckt, einem Berg gleich.

rākṣasaṃ śaṅkamānas tu vikṛṣya balavad dhanuḥ abhyadhāvata kākutsthas tatas taṃ sahalakṣmaṇaḥ

Einen Rākṣasa vermutend, spannte der Sproß des Kakutstha kraftvoll seinen Bogen und stürmte zusammen mit Lakṣmaṇa auf ihn zu.

Wort für Wort
rākṣasaṃ śaṅkamānas tu vikṛṣya balavad dhanuḥ abhyadhāvata kākutsthas tatas taṃ sahalakṣmaṇaḥ
Einen Rākṣasa vermutend, spannte der Sproß des Kakutstha kraftvoll seinen Bogen und stürmte zusammen mit Lakṣmaṇa auf ihn zu.

sa tāv uvāca tejasvī sahitau rāmalakṣmaṇau gṛdhrarājo 'smi bhadraṃ vāṃ sakhā daśarathasya ha

Er, der Glanzvolle, sprach zu den beiden vereint Herankommenden, Rāma und Lakṣmaṇa: ‚Ich bin der König der Geier, Heil euch beiden - ein Freund Daśarathas.‘

Wort für Wort
sa tāv uvāca tejasvī sahitau rāmalakṣmaṇau gṛdhrarājo 'smi bhadraṃ vāṃ sakhā daśarathasya ha
Er, der Glanzvolle, sprach zu den beiden vereint Herankommenden, Rāma und Lakṣmaṇa: ‚Ich bin der König der Geier, Heil euch beiden - ein Freund Daśarathas.‘

tasya tad vacanaṃ śrutvā saṃgṛhya dhanuṣī śubhe ko 'yaṃ pitaram asmākaṃ nāmnāhety ūcatuś ca tau

Nachdem sie sein Wort vernommen hatten, senkten die beiden ihre schönen Bögen und sprachen: ‚Wer ist dieser, der unseren Vater bei Namen nennt?‘

Wort für Wort
tasya tad vacanaṃ śrutvā saṃgṛhya dhanuṣī śubhe ko 'yaṃ pitaram asmākaṃ nāmnāhety ūcatuś ca tau
Nachdem sie sein Wort vernommen hatten, senkten die beiden ihre schönen Bögen und sprachen: ‚Wer ist dieser, der unseren Vater bei Namen nennt?‘

tato dadṛśatus tau taṃ chinnapakṣadvayaṃ tathā tayoḥ śaśaṃsa gṛdhras tu sītārthe rāvaṇād vadham

Darauf sahen die beiden, dass ihm beide Flügel abgeschlagen waren; der Geier berichtete ihnen von seiner Tötung durch Rāvaṇa um Sītās willen.

Wort für Wort
tato dadṛśatus tau taṃ chinnapakṣadvayaṃ tathā tayoḥ śaśaṃsa gṛdhras tu sītārthe rāvaṇād vadham
Darauf sahen die beiden, dass ihm beide Flügel abgeschlagen waren; der Geier berichtete ihnen von seiner Tötung durch Rāvaṇa um Sītās willen.

apṛcchad rāghavo gṛdhraṃ rāvaṇaḥ kāṃ diśaṃ gataḥ tasya gṛdhraḥ śiraḥkampair ācacakṣe mamāra ca

Der Sproß Raghus fragte den Geier: ‚In welche Richtung ist Rāvaṇa gegangen?‘ Durch Kopfbewegungen deutete ihm der Geier die Antwort an und starb.

Wort für Wort
apṛcchad rāghavo gṛdhraṃ rāvaṇaḥ kāṃ diśaṃ gataḥ tasya gṛdhraḥ śiraḥkampair ācacakṣe mamāra ca
Der Sproß Raghus fragte den Geier: ‚In welche Richtung ist Rāvaṇa gegangen?‘ Durch Kopfbewegungen deutete ihm der Geier die Antwort an und starb.

dakṣiṇām iti kākutstho viditvāsya tad iṅgitam saṃskāraṃ lambhayām āsa sakhāyaṃ pūjayan pituḥ

‚Nach Süden‘ - so verstand der Sproß des Kakutstha sein Zeichen; er ließ dem väterlichen Freund die Totenriten vollziehen, ihn ehrend.

Wort für Wort
dakṣiṇām iti kākutstho viditvāsya tad iṅgitam saṃskāraṃ lambhayām āsa sakhāyaṃ pūjayan pituḥ
‚Nach Süden‘ - so verstand der Sproß des Kakutstha sein Zeichen; er ließ dem väterlichen Freund die Totenriten vollziehen, ihn ehrend.

tato dṛṣṭvāśramapadaṃ vyapaviddhabṛsīghaṭam vidhvastakalaśaṃ śūnyaṃ gomāyubalasevitam

Darauf, den Āśrama-Platz erblickend, mit fortgeworfener Sitzmatte und Wasserkrug, mit zertrümmerten Gefäßen, verlassen, von Scharen von Schakalen heimgesucht,

Wort für Wort
tato dṛṣṭvāśramapadaṃ vyapaviddhabṛsīghaṭam vidhvastakalaśaṃ śūnyaṃ gomāyubalasevitam
Darauf, den Āśrama-Platz erblickend, mit fortgeworfener Sitzmatte und Wasserkrug, mit zertrümmerten Gefäßen, verlassen, von Scharen von Schakalen heimgesucht,

duḥkhaśokasamāviṣṭau vaidehīharaṇārditau jagmatur daṇḍakāraṇyaṃ dakṣiṇena paraṃtapau

von Schmerz und Kummer erfüllt, von der Entführung der Tochter Videhas gequält, zogen die beiden Bezwinger der Feinde südwärts in den Daṇḍaka-Wald.

Wort für Wort
duḥkhaśokasamāviṣṭau vaidehīharaṇārditau jagmatur daṇḍakāraṇyaṃ dakṣiṇena paraṃtapau
von Schmerz und Kummer erfüllt, von der Entführung der Tochter Videhas gequält, zogen die beiden Bezwinger der Feinde südwärts in den Daṇḍaka-Wald.

vane mahati tasmiṃs tu rāmaḥ saumitriṇā saha dadarśa mṛgayūthāni dravamāṇāni sarvaśaḥ śabdaṃ ca ghoraṃ sattvānāṃ dāvāgner iva vardhataḥ

In jenem großen Wald erblickte Rāma zusammen mit dem Sohn der Sumitrā Rudel von Rehen, die von allen Seiten davonliefen, und hörte den schrecklichen Laut von Wesen, wie das Wachsen eines Waldbrandes.

Wort für Wort
vane mahati tasmiṃs tu rāmaḥ saumitriṇā saha dadarśa mṛgayūthāni dravamāṇāni sarvaśaḥ śabdaṃ ca ghoraṃ sattvānāṃ dāvāgner iva vardhataḥ
In jenem großen Wald erblickte Rāma zusammen mit dem Sohn der Sumitrā Rudel von Rehen, die von allen Seiten davonliefen, und hörte den schrecklichen Laut von Wesen, wie das Wachsen eines Waldbrandes.

apaśyetāṃ muhūrtāc ca kabandhaṃ ghoradarśanam meghaparvatasaṃkāśaṃ śālaskandhaṃ mahābhujam urogataviśālākṣaṃ mahodaramahāmukham

Nach kurzer Zeit erblickten sie einen furchtbar anzusehenden rumpfförmigen Unhold [Kabandha], einer Gewitterwolke oder einem Berg gleich, mit Schultern wie Śāla-Bäume, mit großen Armen, mit einem breiten Auge auf der Brust, mit großem Bauch und großem Maul.

Wort für Wort
apaśyetāṃ muhūrtāc ca kabandhaṃ ghoradarśanam meghaparvatasaṃkāśaṃ śālaskandhaṃ mahābhujam urogataviśālākṣaṃ mahodaramahāmukham
Nach kurzer Zeit erblickten sie einen furchtbar anzusehenden rumpfförmigen Unhold [Kabandha], einer Gewitterwolke oder einem Berg gleich, mit Schultern wie Śāla-Bäume, mit großen Armen, mit einem breiten Auge auf der Brust, mit großem Bauch und großem Maul.

yadṛcchayātha tad rakṣaḥ kare jagrāha lakṣmaṇam viṣādam agamat sadyaḥ saumitrir atha bhārata

Von ungefähr ergriff darauf jener Unhold mit seiner Hand Lakṣmaṇa; sogleich verfiel der Sohn der Sumitrā in Verzweiflung, o Bhārata.

Wort für Wort
yadṛcchayātha tad rakṣaḥ kare jagrāha lakṣmaṇam viṣādam agamat sadyaḥ saumitrir atha bhārata
Von ungefähr ergriff darauf jener Unhold mit seiner Hand Lakṣmaṇa; sogleich verfiel der Sohn der Sumitrā in Verzweiflung, o Bhārata.

sa rāmam abhisaṃprekṣya kṛṣyate yena tanmukham viṣaṇṇaś cābravīd rāmaṃ paśyāvasthām imāṃ mama

Er, zu Rāma blickend, während er zu jenem Maul gezogen wurde, sprach verzweifelt zu Rāma: ‚Sieh diesen meinen Zustand!

Wort für Wort
sa rāmam abhisaṃprekṣya kṛṣyate yena tanmukham viṣaṇṇaś cābravīd rāmaṃ paśyāvasthām imāṃ mama
Er, zu Rāma blickend, während er zu jenem Maul gezogen wurde, sprach verzweifelt zu Rāma: ‚Sieh diesen meinen Zustand!

haraṇaṃ caiva vaidehyā mama cāyam upaplavaḥ rājyabhraṃśaś ca bhavatas tātasya maraṇaṃ tathā

Die Entführung der Tochter Videhas, und dieses mein Unglück, und dein Verlust des Königreichs, und ebenso der Tod unseres Vaters -

Wort für Wort
haraṇaṃ caiva vaidehyā mama cāyam upaplavaḥ rājyabhraṃśaś ca bhavatas tātasya maraṇaṃ tathā
Die Entführung der Tochter Videhas, und dieses mein Unglück, und dein Verlust des Königreichs, und ebenso der Tod unseres Vaters -

nāhaṃ tvāṃ saha vaidehyā sametaṃ kosalāgatam drakṣyāmi pṛthivīrājye pitṛpaitāmahe sthitam

nicht werde ich dich, mit der Tochter Videhas vereint, nach Kosala zurückgekehrt sehen, eingesetzt in das Königreich der Erde, das deinem Vater und Großvater gehörte.

Wort für Wort
nāhaṃ tvāṃ saha vaidehyā sametaṃ kosalāgatam drakṣyāmi pṛthivīrājye pitṛpaitāmahe sthitam
nicht werde ich dich, mit der Tochter Videhas vereint, nach Kosala zurückgekehrt sehen, eingesetzt in das Königreich der Erde, das deinem Vater und Großvater gehörte.

drakṣyanty āryasya dhanyā ye kuśalājaśamīlavaiḥ abhiṣiktasya vadanaṃ somaṃ sābhralavaṃ yathā

Glücklich sind jene, die das Antlitz des zur Weihe geweihten Edlen sehen werden, mit Kuśa-Gras, Reiskörnern und Śamī-Zweigen [besprengt], wie den Mond mit einem Wölkchen davor.‘

Wort für Wort
drakṣyanty āryasya dhanyā ye kuśalājaśamīlavaiḥ abhiṣiktasya vadanaṃ somaṃ sābhralavaṃ yathā
Glücklich sind jene, die das Antlitz des zur Weihe geweihten Edlen sehen werden, mit Kuśa-Gras, Reiskörnern und Śamī-Zweigen [besprengt], wie den Mond mit einem Wölkchen davor.‘

evaṃ bahuvidhaṃ dhīmān vilalāpa sa lakṣmaṇaḥ tam uvācātha kākutsthaḥ saṃbhrameṣv apy asaṃbhramaḥ

So klagte auf vielfache Weise der kluge Lakṣmaṇa; zu ihm sprach darauf der Sproß des Kakutstha, selbst inmitten der Verwirrung ohne Verwirrung:

Wort für Wort
evaṃ bahuvidhaṃ dhīmān vilalāpa sa lakṣmaṇaḥ tam uvācātha kākutsthaḥ saṃbhrameṣv apy asaṃbhramaḥ
So klagte auf vielfache Weise der kluge Lakṣmaṇa; zu ihm sprach darauf der Sproß des Kakutstha, selbst inmitten der Verwirrung ohne Verwirrung:

mā viṣīda naravyāghra naiṣa kaś cin mayi sthite chindhy asya dakṣiṇaṃ bāhuṃ chinnaḥ savyo mayā bhujaḥ

‚Verzweifle nicht, Tiger unter den Männern - das ist nichts, solange ich hier stehe; hau ihm den rechten Arm ab, den linken Arm habe ich schon abgehauen.‘

Wort für Wort
mā viṣīda naravyāghra naiṣa kaś cin mayi sthite chindhy asya dakṣiṇaṃ bāhuṃ chinnaḥ savyo mayā bhujaḥ
‚Verzweifle nicht, Tiger unter den Männern - das ist nichts, solange ich hier stehe; hau ihm den rechten Arm ab, den linken Arm habe ich schon abgehauen.‘

ity evaṃ vadatā tasya bhujo rāmeṇa pātitaḥ khaḍgena bhṛśatīkṣṇena nikṛttas tilakāṇḍavat

Während er so sprach, hatte Rāma bereits dessen [einen] Arm mit dem überaus scharfen Schwert zu Fall gebracht, abgetrennt wie einen Sesamstengel.

Wort für Wort
ity evaṃ vadatā tasya bhujo rāmeṇa pātitaḥ khaḍgena bhṛśatīkṣṇena nikṛttas tilakāṇḍavat
Während er so sprach, hatte Rāma bereits dessen [einen] Arm mit dem überaus scharfen Schwert zu Fall gebracht, abgetrennt wie einen Sesamstengel.

tato 'sya dakṣiṇaṃ bāhuṃ khaḍgenājaghnivān balī saumitrir api saṃprekṣya bhrātaraṃ rāghavaṃ sthitam

Darauf schlug auch der starke Sohn der Sumitrā, seinen Bruder, den Sproß Raghus, dastehend erblickend, mit dem Schwert dessen rechten Arm ab,

Wort für Wort
tato 'sya dakṣiṇaṃ bāhuṃ khaḍgenājaghnivān balī saumitrir api saṃprekṣya bhrātaraṃ rāghavaṃ sthitam
Darauf schlug auch der starke Sohn der Sumitrā, seinen Bruder, den Sproß Raghus, dastehend erblickend, mit dem Schwert dessen rechten Arm ab,

punar abhyāhanat pārśve tad rakṣo lakṣmaṇo bhṛśam gatāsur apatad bhūmau kabandhaḥ sumahāṃs tataḥ

und Lakṣmaṇa schlug jenen Unhold nochmals heftig in die Seite; darauf fiel der überaus große Kabandha leblos zu Boden.

Wort für Wort
punar abhyāhanat pārśve tad rakṣo lakṣmaṇo bhṛśam gatāsur apatad bhūmau kabandhaḥ sumahāṃs tataḥ
und Lakṣmaṇa schlug jenen Unhold nochmals heftig in die Seite; darauf fiel der überaus große Kabandha leblos zu Boden.

tasya dehād viniḥsṛtya puruṣo divyadarśanaḥ dadṛśe divam āsthāya divi sūrya iva jvalan

Aus dessen Körper hervortretend, erschien ein Wesen von göttlichem Anblick, den Himmel einnehmend, leuchtend wie die Sonne am Himmel.

Wort für Wort
tasya dehād viniḥsṛtya puruṣo divyadarśanaḥ dadṛśe divam āsthāya divi sūrya iva jvalan
Aus dessen Körper hervortretend, erschien ein Wesen von göttlichem Anblick, den Himmel einnehmend, leuchtend wie die Sonne am Himmel.

papraccha rāmas taṃ vāgmī kas tvaṃ prabrūhi pṛcchataḥ kāmayā kim idaṃ citram āścaryaṃ pratibhāti me

Rāma, der Redegewandte, fragte ihn: ‚Wer bist du? Sag es mir, dem Fragenden - aus Neugier [?] erscheint mir dies als ein seltsames Wunder.‘

Wort für Wort
papraccha rāmas taṃ vāgmī kas tvaṃ prabrūhi pṛcchataḥ kāmayā kim idaṃ citram āścaryaṃ pratibhāti me
Rāma, der Redegewandte, fragte ihn: ‚Wer bist du? Sag es mir, dem Fragenden - aus Neugier [?] erscheint mir dies als ein seltsames Wunder.‘

Die Wortform 'kāmayā' ist grammatisch unklar; die Übersetzung 'aus Neugier' ist eine Annäherung an einen möglicherweise verderbten oder abweichend überlieferten Text.

tasyācacakṣe gandharvo viśvāvasur ahaṃ nṛpa prāpto brahmānuśāpena yoniṃ rākṣasasevitām

Ihm erklärte der Gandharva: ‚Viśvāvasu bin ich, o König; durch den Fluch eines Brahmanen bin ich in diese von Rākṣasas heimgesuchte Existenzform geraten.

Wort für Wort
tasyācacakṣe gandharvo viśvāvasur ahaṃ nṛpa prāpto brahmānuśāpena yoniṃ rākṣasasevitām
Ihm erklärte der Gandharva: ‚Viśvāvasu bin ich, o König; durch den Fluch eines Brahmanen bin ich in diese von Rākṣasas heimgesuchte Existenzform geraten.

rāvaṇena hṛtā sītā rājñā laṅkānivāsinā sugrīvam abhigacchasva sa te sāhyaṃ kariṣyati

Sītā ist von Rāvaṇa entführt worden, dem in Laṅkā wohnenden König; begib dich zu Sugrīva, er wird dir Hilfe leisten.

Wort für Wort
rāvaṇena hṛtā sītā rājñā laṅkānivāsinā sugrīvam abhigacchasva sa te sāhyaṃ kariṣyati
Sītā ist von Rāvaṇa entführt worden, dem in Laṅkā wohnenden König; begib dich zu Sugrīva, er wird dir Hilfe leisten.

eṣā pampā śivajalā haṃsakāraṇḍavāyutā ṛśyamūkasya śailasya saṃnikarṣe taṭākinī

Dies hier ist der Pampā-See, mit heilsamem Wasser, voll von Schwänen und Kāraṇḍava-Enten, in der Nähe des Berges Ṛśyamūka gelegen.

Wort für Wort
eṣā pampā śivajalā haṃsakāraṇḍavāyutā ṛśyamūkasya śailasya saṃnikarṣe taṭākinī
Dies hier ist der Pampā-See, mit heilsamem Wasser, voll von Schwänen und Kāraṇḍava-Enten, in der Nähe des Berges Ṛśyamūka gelegen.

saṃvasaty atra sugrīvaś caturbhiḥ sacivaiḥ saha bhrātā vānararājasya vālino hemamālinaḥ

Hier wohnt Sugrīva mit vier Ministern, der Bruder des Affenkönigs Vālin mit der goldenen Girlande.

Wort für Wort
saṃvasaty atra sugrīvaś caturbhiḥ sacivaiḥ saha bhrātā vānararājasya vālino hemamālinaḥ
Hier wohnt Sugrīva mit vier Ministern, der Bruder des Affenkönigs Vālin mit der goldenen Girlande.

etāvac chakyam asmābhir vaktuṃ draṣṭāsi jānakīm dhruvaṃ vānararājasya vidito rāvaṇālayaḥ

So viel können wir dir sagen; du wirst gewiss die Tochter Janakas wiedersehen - dem Affenkönig ist Rāvaṇas Wohnstatt bekannt.‘

Wort für Wort
etāvac chakyam asmābhir vaktuṃ draṣṭāsi jānakīm dhruvaṃ vānararājasya vidito rāvaṇālayaḥ
So viel können wir dir sagen; du wirst gewiss die Tochter Janakas wiedersehen - dem Affenkönig ist Rāvaṇas Wohnstatt bekannt.‘

ity uktvāntarhito divyaḥ puruṣaḥ sa mahāprabhaḥ vismayaṃ jagmatuś cobhau tau vīrau rāmalakṣmaṇau

Nachdem er dies gesagt hatte, verschwand jenes göttliche, glanzvolle Wesen; beide Helden, Rāma und Lakṣmaṇa, gerieten in Staunen.“

Wort für Wort
ity uktvāntarhito divyaḥ puruṣaḥ sa mahāprabhaḥ vismayaṃ jagmatuś cobhau tau vīrau rāmalakṣmaṇau
Nachdem er dies gesagt hatte, verschwand jenes göttliche, glanzvolle Wesen; beide Helden, Rāma und Lakṣmaṇa, gerieten in Staunen.“

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