Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 296: Āraṇeyam (2) Der Tod der vier Brüder am Teich

Auf Nakulas Frage antworten zunächst Yudhiṣṭhira allgemein über das Walten des Dharma bei Unglücksfällen, dann Bhīma, Arjuna und Sahadeva, die je eine eigene vergangene Verfehlung als Erklärung anführen (Bhīma: Prātikāmin nicht getötet zu haben; Arjuna: Karṇas Beleidigungen zu geduldig ertragen zu haben; Sahadeva: Śakuni nicht getötet zu haben). Yudhiṣṭhira schickt der Reihe nach Nakula, Sahadeva, Arjuna und schließlich Bhīma aus, um Wasser von einem nahen Teich zu holen. Jeder von ihnen hört dort eine geheimnisvolle Stimme (erst bei Arjuna und Bhīma ausdrücklich als die eines Yakṣa benannt), die verlangt, zuerst dessen Fragen zu beantworten, bevor getrunken werden dürfe; jeder ignoriert die Warnung - Arjuna versucht es zusätzlich mit Gewalt, vergeblich - trinkt und sinkt tot nieder. Schließlich macht sich Yudhiṣṭhira selbst auf den Weg und erreicht, erschöpft und erstaunt, denselben prächtigen, wie von Viśvakarman geschaffenen Teich.

yudhiṣṭhira uvāca nāpadām asti maryādā na nimittaṃ na kāraṇam dharmas tu vibhajaty atra ubhayoḥ puṇyapāpayoḥ

‚Für Unglücksfälle gibt es keine feste Regel, keinen Anlass, keinen Grund; das Recht (dharma) aber teilt hier beiderlei zu, Verdienst wie Sünde.‘

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca nāpadām asti maryādā na nimittaṃ na kāraṇam dharmas tu vibhajaty atra ubhayoḥ puṇyapāpayoḥ
‚Für Unglücksfälle gibt es keine feste Regel, keinen Anlass, keinen Grund; das Recht (dharma) aber teilt hier beiderlei zu, Verdienst wie Sünde.‘

bhīma uvāca prātikāmy anayat kṛṣṇāṃ sabhāyāṃ preṣyavat tadā na mayā nihatas tatra tena prāptāḥ sma saṃśayam

‚Prātikāmin führte Kṛṣṇā damals wie eine Dienerin in die Versammlungshalle; ich habe ihn dort nicht erschlagen - deshalb sind wir in diese Gefahr geraten.‘

Wort für Wort
bhīma uvāca prātikāmy anayat kṛṣṇāṃ sabhāyāṃ preṣyavat tadā na mayā nihatas tatra tena prāptāḥ sma saṃśayam
‚Prātikāmin führte Kṛṣṇā damals wie eine Dienerin in die Versammlungshalle; ich habe ihn dort nicht erschlagen - deshalb sind wir in diese Gefahr geraten.‘

Prātikāmin: der Bote/Herold Duryodhanas, der Draupadī nach dem Würfelspiel in die Versammlungshalle zerrte (Sabhāparva).

arjuna uvāca vācas tīkṣṇāsthibhedinyaḥ sūtaputreṇa bhāṣitāḥ atitīkṣṇā mayā kṣāntās tena prāptāḥ sma saṃśayam

‚Die knochendurchbohrend scharfen Worte, die vom Sūta-Sohn [Karṇa] gesprochen wurden, habe ich, allzu geduldig, ertragen - deshalb sind wir in diese Gefahr geraten.‘

Wort für Wort
arjuna uvāca vācas tīkṣṇāsthibhedinyaḥ sūtaputreṇa bhāṣitāḥ atitīkṣṇā mayā kṣāntās tena prāptāḥ sma saṃśayam
‚Die knochendurchbohrend scharfen Worte, die vom Sūta-Sohn [Karṇa] gesprochen wurden, habe ich, allzu geduldig, ertragen - deshalb sind wir in diese Gefahr geraten.‘

sahadeva uvāca śakunis tvāṃ yadājaiṣīd akṣadyūtena bhārata sa mayā na hatas tatra tena prāptāḥ sma saṃśayam

‚Als Śakuni dich, o Bhārata, im Würfelspiel besiegte, habe ich ihn dort nicht erschlagen - deshalb sind wir in diese Gefahr geraten.‘

Wort für Wort
sahadeva uvāca śakunis tvāṃ yadājaiṣīd akṣadyūtena bhārata sa mayā na hatas tatra tena prāptāḥ sma saṃśayam
‚Als Śakuni dich, o Bhārata, im Würfelspiel besiegte, habe ich ihn dort nicht erschlagen - deshalb sind wir in diese Gefahr geraten.‘

vaiśaṃpāyana uvāca tato yudhiṣṭhiro rājā nakulaṃ vākyam abravīt āruhya vṛkṣaṃ mādreya nirīkṣasva diśo daśa

Da sprach König Yudhiṣṭhira zu Nakula dieses Wort: ‚Steig auf einen Baum, Sohn der Mādrī, und blicke in die zehn Richtungen.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tato yudhiṣṭhiro rājā nakulaṃ vākyam abravīt āruhya vṛkṣaṃ mādreya nirīkṣasva diśo daśa
Da sprach König Yudhiṣṭhira zu Nakula dieses Wort: ‚Steig auf einen Baum, Sohn der Mādrī, und blicke in die zehn Richtungen.

pānīyam antike paśya vṛkṣān vāpy udakāśrayān ime hi bhrātaraḥ śrāntās tava tāta pipāsitāḥ

Sieh in der Nähe nach Wasser, oder nach Bäumen, die auf Wasser hindeuten; denn deine Brüder hier, mein Lieber, sind erschöpft und durstig.‘

Wort für Wort
pānīyam antike paśya vṛkṣān vāpy udakāśrayān ime hi bhrātaraḥ śrāntās tava tāta pipāsitāḥ
Sieh in der Nähe nach Wasser, oder nach Bäumen, die auf Wasser hindeuten; denn deine Brüder hier, mein Lieber, sind erschöpft und durstig.‘

nakulas tu tathety uktvā śīghram āruhya pādapam abravīd bhrātaraṃ jyeṣṭham abhivīkṣya samantataḥ

Nakula erwiderte zustimmend, bestieg rasch einen Baum und sprach, nachdem er sich ringsum umgeschaut hatte, zu seinem ältesten Bruder:

Wort für Wort
nakulas tu tathety uktvā śīghram āruhya pādapam abravīd bhrātaraṃ jyeṣṭham abhivīkṣya samantataḥ
Nakula erwiderte zustimmend, bestieg rasch einen Baum und sprach, nachdem er sich ringsum umgeschaut hatte, zu seinem ältesten Bruder:

paśyāmi bahulān rājan vṛkṣān udakasaṃśrayān sārasānāṃ ca nirhrādam atrodakam asaṃśayam

‚Ich sehe, o König, zahlreiche Bäume, die auf Wasser hindeuten, und das Rufen von Kranichen - hier ist zweifellos Wasser.‘

Wort für Wort
paśyāmi bahulān rājan vṛkṣān udakasaṃśrayān sārasānāṃ ca nirhrādam atrodakam asaṃśayam
‚Ich sehe, o König, zahlreiche Bäume, die auf Wasser hindeuten, und das Rufen von Kranichen - hier ist zweifellos Wasser.‘

tato 'bravīt satyadhṛtiḥ kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ gaccha saumya tataḥ śīghraṃ tūrṇaṃ pānīyam ānaya

Da sprach der seinem Gelübde treue Yudhiṣṭhira, Kuntīs Sohn: ‚Geh denn, Sanfter, und bring rasch, eilends, Wasser.‘

Wort für Wort
tato 'bravīt satyadhṛtiḥ kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ gaccha saumya tataḥ śīghraṃ tūrṇaṃ pānīyam ānaya
Da sprach der seinem Gelübde treue Yudhiṣṭhira, Kuntīs Sohn: ‚Geh denn, Sanfter, und bring rasch, eilends, Wasser.‘

nakulas tu tathety uktvā bhrātur jyeṣṭhasya śāsanāt prādravad yatra pānīyaṃ śīghraṃ caivānvapadyata

Nakula erwiderte zustimmend, eilte auf Geheiß seines ältesten Bruders dorthin, wo Wasser war, und erreichte es rasch.

Wort für Wort
nakulas tu tathety uktvā bhrātur jyeṣṭhasya śāsanāt prādravad yatra pānīyaṃ śīghraṃ caivānvapadyata
Nakula erwiderte zustimmend, eilte auf Geheiß seines ältesten Bruders dorthin, wo Wasser war, und erreichte es rasch.

sa dṛṣṭvā vimalaṃ toyaṃ sārasaiḥ parivāritam pātukāmas tato vācam antarikṣāt sa śuśruve

Als er das klare, von Kranichen umgebene Wasser erblickte und trinken wollte, da hörte er eine Stimme aus dem Luftraum:

Wort für Wort
sa dṛṣṭvā vimalaṃ toyaṃ sārasaiḥ parivāritam pātukāmas tato vācam antarikṣāt sa śuśruve
Als er das klare, von Kranichen umgebene Wasser erblickte und trinken wollte, da hörte er eine Stimme aus dem Luftraum:

Die Stimme bleibt hier zunächst unbenannt; erst in V.030 wird ihr Sprecher ausdrücklich als der Yakṣa bezeichnet, dem der Teich gehört.

mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu mādreya tataḥ piba harasva ca

‚Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du meine Fragen beantwortet hast, Sohn der Mādrī, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘

Wort für Wort
mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu mādreya tataḥ piba harasva ca
‚Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du meine Fragen beantwortet hast, Sohn der Mādrī, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘

anādṛtya tu tad vākyaṃ nakulaḥ supipāsitaḥ apibac chītalaṃ toyaṃ pītvā ca nipapāta ha

Doch ohne jenes Wort zu beachten, trank der überaus durstige Nakula das kühle Wasser; und kaum hatte er getrunken, sank er tot nieder.

Wort für Wort
anādṛtya tu tad vākyaṃ nakulaḥ supipāsitaḥ apibac chītalaṃ toyaṃ pītvā ca nipapāta ha
Doch ohne jenes Wort zu beachten, trank der überaus durstige Nakula das kühle Wasser; und kaum hatte er getrunken, sank er tot nieder.

cirāyamāṇe nakule kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ abravīd bhrātaraṃ vīraṃ sahadevam ariṃdamam

Als Nakula zu lange ausblieb, sprach Kuntīs Sohn Yudhiṣṭhira zu seinem heldenhaften Bruder Sahadeva, dem Bezwinger der Feinde:

Wort für Wort
cirāyamāṇe nakule kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ abravīd bhrātaraṃ vīraṃ sahadevam ariṃdamam
Als Nakula zu lange ausblieb, sprach Kuntīs Sohn Yudhiṣṭhira zu seinem heldenhaften Bruder Sahadeva, dem Bezwinger der Feinde:

bhrātā cirāyate tāta sahadeva tavāgrajaḥ taṃ caivānaya sodaryaṃ pānīyaṃ ca tvam ānaya

‚Dein Bruder bleibt zu lange aus, lieber Sahadeva, dein leiblicher älterer Bruder; bring ihn und bring auch selbst Wasser.‘

Wort für Wort
bhrātā cirāyate tāta sahadeva tavāgrajaḥ taṃ caivānaya sodaryaṃ pānīyaṃ ca tvam ānaya
‚Dein Bruder bleibt zu lange aus, lieber Sahadeva, dein leiblicher älterer Bruder; bring ihn und bring auch selbst Wasser.‘

sahadevas tathety uktvā tāṃ diśaṃ pratyapadyata dadarśa ca hataṃ bhūmau bhrātaraṃ nakulaṃ tadā

Sahadeva erwiderte zustimmend, ging in jene Richtung und erblickte da seinen Bruder Nakula tot am Boden liegen.

Wort für Wort
sahadevas tathety uktvā tāṃ diśaṃ pratyapadyata dadarśa ca hataṃ bhūmau bhrātaraṃ nakulaṃ tadā
Sahadeva erwiderte zustimmend, ging in jene Richtung und erblickte da seinen Bruder Nakula tot am Boden liegen.

bhrātṛśokābhisaṃtaptas tṛṣayā ca prapīḍitaḥ abhidudrāva pānīyaṃ tato vāg abhyabhāṣata

Vom Kummer um seinen Bruder verzehrt und von Durst gequält, eilte er zum Wasser; da sprach eine Stimme:

Wort für Wort
bhrātṛśokābhisaṃtaptas tṛṣayā ca prapīḍitaḥ abhidudrāva pānīyaṃ tato vāg abhyabhāṣata
Vom Kummer um seinen Bruder verzehrt und von Durst gequält, eilte er zum Wasser; da sprach eine Stimme:

mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā yathākāmaṃ tataḥ piba harasva ca

‚Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du meine Fragen beantwortet hast, magst du nach Belieben trinken und Wasser mitnehmen.‘

Wort für Wort
mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā yathākāmaṃ tataḥ piba harasva ca
‚Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du meine Fragen beantwortet hast, magst du nach Belieben trinken und Wasser mitnehmen.‘

anādṛtya tu tad vākyaṃ sahadevaḥ pipāsitaḥ apibac chītalaṃ toyaṃ pītvā ca nipapāta ha

Doch ohne jenes Wort zu beachten, trank der durstige Sahadeva das kühle Wasser; und kaum hatte er getrunken, sank er tot nieder.

Wort für Wort
anādṛtya tu tad vākyaṃ sahadevaḥ pipāsitaḥ apibac chītalaṃ toyaṃ pītvā ca nipapāta ha
Doch ohne jenes Wort zu beachten, trank der durstige Sahadeva das kühle Wasser; und kaum hatte er getrunken, sank er tot nieder.

athābravīt sa vijayaṃ kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ bhrātarau te ciragatau bībhatso śatrukarśana tau caivānaya bhadraṃ te pānīyaṃ ca tvam ānaya

‚Deine beiden Brüder sind schon lange fort, Bībhatsu, du Bezwinger der Feinde; bring sie, Segen sei mit dir, und bring auch du Wasser.‘ - so sprach da Kuntīs Sohn Yudhiṣṭhira zu Vijaya.

Wort für Wort
athābravīt sa vijayaṃ kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ bhrātarau te ciragatau bībhatso śatrukarśana tau caivānaya bhadraṃ te pānīyaṃ ca tvam ānaya
‚Deine beiden Brüder sind schon lange fort, Bībhatsu, du Bezwinger der Feinde; bring sie, Segen sei mit dir, und bring auch du Wasser.‘ - so sprach da Kuntīs Sohn Yudhiṣṭhira zu Vijaya.

Vijaya und Bībhatsu sind, wie Guḍākeśa in V.021, gängige Beinamen Arjunas.

evam ukto guḍākeśaḥ pragṛhya saśaraṃ dhanuḥ āmuktakhaḍgo medhāvī tat saraḥ pratyapadyata

So angesprochen, ergriff Guḍākeśa Pfeil und Bogen, das Schwert gegürtet, und begab sich, der Kluge, zu jenem Teich.

Wort für Wort
evam ukto guḍākeśaḥ pragṛhya saśaraṃ dhanuḥ āmuktakhaḍgo medhāvī tat saraḥ pratyapadyata
So angesprochen, ergriff Guḍākeśa Pfeil und Bogen, das Schwert gegürtet, und begab sich, der Kluge, zu jenem Teich.

yataḥ puruṣaśārdūlau pānīyaharaṇe gatau tau dadarśa hatau tatra bhrātarau śvetavāhanaḥ

Dort, wohin die beiden tigergleichen Männer gegangen waren, um Wasser zu holen, erblickte Śvetavāhana seine beiden Brüder tot.

Wort für Wort
yataḥ puruṣaśārdūlau pānīyaharaṇe gatau tau dadarśa hatau tatra bhrātarau śvetavāhanaḥ
Dort, wohin die beiden tigergleichen Männer gegangen waren, um Wasser zu holen, erblickte Śvetavāhana seine beiden Brüder tot.

Śvetavāhana ('der mit den weißen Rossen'): ein weiterer Beiname Arjunas.

prasuptāv iva tau dṛṣṭvā narasiṃhaḥ suduḥkhitaḥ dhanur udyamya kaunteyo vyalokayata tad vanam

Als er sie wie schlafend daliegen sah, hob der löwengleiche, tiefbekümmerte Sohn Kuntīs seinen Bogen und musterte jenen Wald.

Wort für Wort
prasuptāv iva tau dṛṣṭvā narasiṃhaḥ suduḥkhitaḥ dhanur udyamya kaunteyo vyalokayata tad vanam
Als er sie wie schlafend daliegen sah, hob der löwengleiche, tiefbekümmerte Sohn Kuntīs seinen Bogen und musterte jenen Wald.

nāpaśyat tatra kiṃ cit sa bhūtaṃ tasmin mahāvane savyasācī tataḥ śrāntaḥ pānīyaṃ so 'bhyadhāvata

Er sah dort kein Wesen in jenem großen Wald; da eilte Savyasācī, erschöpft, zum Wasser.

Wort für Wort
nāpaśyat tatra kiṃ cit sa bhūtaṃ tasmin mahāvane savyasācī tataḥ śrāntaḥ pānīyaṃ so 'bhyadhāvata
Er sah dort kein Wesen in jenem großen Wald; da eilte Savyasācī, erschöpft, zum Wasser.

Savyasācī ('der mit der linken Hand Schießende'): ein weiterer Beiname Arjunas.

abhidhāvaṃs tato vācam antarikṣāt sa śuśruve kim āsīd asi pānīyaṃ naitac chakyaṃ balāt tvayā

Während er hinlief, hörte er da eine Stimme aus dem Luftraum: ‚Warum eilst du? Dieses Wasser kann von dir nicht mit Gewalt genommen werden.

Wort für Wort
abhidhāvaṃs tato vācam antarikṣāt sa śuśruve kim āsīd asi pānīyaṃ naitac chakyaṃ balāt tvayā
Während er hinlief, hörte er da eine Stimme aus dem Luftraum: ‚Warum eilst du? Dieses Wasser kann von dir nicht mit Gewalt genommen werden.

kaunteya yadi vai praśnān mayoktān pratipatsyase tataḥ pāsyasi pānīyaṃ hariṣyasi ca bhārata

Wenn du, Sohn Kuntīs, die von mir gestellten Fragen beantwortest, dann magst du das Wasser trinken und mitnehmen, Bhārata.‘

Wort für Wort
kaunteya yadi vai praśnān mayoktān pratipatsyase tataḥ pāsyasi pānīyaṃ hariṣyasi ca bhārata
Wenn du, Sohn Kuntīs, die von mir gestellten Fragen beantwortest, dann magst du das Wasser trinken und mitnehmen, Bhārata.‘

vāritas tv abravīt pārtho dṛśyamāno nivāraya yāvad bāṇair vinirbhinnaḥ punar naivaṃ vadiṣyasi

So gewarnt, sprach Pārtha: ‚Zeig dich und hindere mich - sobald du von meinen Pfeilen durchbohrt bist, wirst du nicht mehr so sprechen!‘

Wort für Wort
vāritas tv abravīt pārtho dṛśyamāno nivāraya yāvad bāṇair vinirbhinnaḥ punar naivaṃ vadiṣyasi
So gewarnt, sprach Pārtha: ‚Zeig dich und hindere mich - sobald du von meinen Pfeilen durchbohrt bist, wirst du nicht mehr so sprechen!‘

evam uktvā tataḥ pārthaḥ śarair astrānumantritaiḥ vavarṣa tāṃ diśaṃ kṛtsnāṃ śabdavedhaṃ ca darśayan

So sprechend, ließ Pārtha darauf mit zauberkraftgeweihten Pfeilen jene ganze Richtung überregnen, wobei er seine Kunst des Schießens nach dem Klang allein zeigte.

Wort für Wort
evam uktvā tataḥ pārthaḥ śarair astrānumantritaiḥ vavarṣa tāṃ diśaṃ kṛtsnāṃ śabdavedhaṃ ca darśayan
So sprechend, ließ Pārtha darauf mit zauberkraftgeweihten Pfeilen jene ganze Richtung überregnen, wobei er seine Kunst des Schießens nach dem Klang allein zeigte.

karṇinālīkanārācān utsṛjan bharatarṣabha anekair iṣusaṃghātair antarikṣaṃ vavarṣa ha

Widerhaken-, Nālīka- und Nārāca-Pfeile abschießend, o Stier der Bharatas, überregnete er den Luftraum mit zahllosen Pfeilmassen.

Wort für Wort
karṇinālīkanārācān utsṛjan bharatarṣabha anekair iṣusaṃghātair antarikṣaṃ vavarṣa ha
Widerhaken-, Nālīka- und Nārāca-Pfeile abschießend, o Stier der Bharatas, überregnete er den Luftraum mit zahllosen Pfeilmassen.

yakṣa uvāca kiṃ vighātena te pārtha praśnān uktvā tataḥ piba anuktvā tu tataḥ praśnān pītvaiva na bhaviṣyasi

‚Was nützt dir diese Anstrengung, Pārtha? Trink erst, nachdem du die Fragen beantwortet hast; trinkst du aber, ohne die Fragen beantwortet zu haben, so wirst du nicht mehr sein.‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ vighātena te pārtha praśnān uktvā tataḥ piba anuktvā tu tataḥ praśnān pītvaiva na bhaviṣyasi
‚Was nützt dir diese Anstrengung, Pārtha? Trink erst, nachdem du die Fragen beantwortet hast; trinkst du aber, ohne die Fragen beantwortet zu haben, so wirst du nicht mehr sein.‘

Hier wird der Sprecher erstmals ausdrücklich als der Yakṣa benannt.

vaiśaṃpāyana uvāca sa tv amoghān iṣūn muktvā tṛṣṇayābhiprapīḍitaḥ avijñāyaiva tān praśnān pītvaiva nipapāta ha

Er aber, nachdem er seine niemals fehlgehenden Pfeile vergeblich verschossen hatte, von Durst überwältigt, trank, ohne jene Fragen zu beachten, und sank kaum hatte er getrunken, tot nieder.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca sa tv amoghān iṣūn muktvā tṛṣṇayābhiprapīḍitaḥ avijñāyaiva tān praśnān pītvaiva nipapāta ha
Er aber, nachdem er seine niemals fehlgehenden Pfeile vergeblich verschossen hatte, von Durst überwältigt, trank, ohne jene Fragen zu beachten, und sank kaum hatte er getrunken, tot nieder.

athābravīd bhīmasenaṃ kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ nakulaḥ sahadevaś ca bībhatsuś cāparājitaḥ

Da sprach Kuntīs Sohn Yudhiṣṭhira zu Bhīmasena: ‚Nakula, Sahadeva und der unbesiegte Bībhatsu

Wort für Wort
athābravīd bhīmasenaṃ kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ nakulaḥ sahadevaś ca bībhatsuś cāparājitaḥ
Da sprach Kuntīs Sohn Yudhiṣṭhira zu Bhīmasena: ‚Nakula, Sahadeva und der unbesiegte Bībhatsu

ciraṃ gatās toyahetor na cāgacchanti bhārata tāṃś caivānaya bhadraṃ te pānīyaṃ ca tvam ānaya

sind schon lange des Wassers wegen fortgegangen und kehren nicht zurück, Bhārata; bring sie, Segen sei mit dir, und bring auch du Wasser.‘

Wort für Wort
ciraṃ gatās toyahetor na cāgacchanti bhārata tāṃś caivānaya bhadraṃ te pānīyaṃ ca tvam ānaya
sind schon lange des Wassers wegen fortgegangen und kehren nicht zurück, Bhārata; bring sie, Segen sei mit dir, und bring auch du Wasser.‘

bhīmasenas tathety uktvā tāṃ diśaṃ pratyapadyata yatra te puruṣavyāghrā bhrātaro 'sya nipātitāḥ

Bhīmasena erwiderte zustimmend, ging in jene Richtung, wo seine tigergleichen Brüder gefallen lagen.

Wort für Wort
bhīmasenas tathety uktvā tāṃ diśaṃ pratyapadyata yatra te puruṣavyāghrā bhrātaro 'sya nipātitāḥ
Bhīmasena erwiderte zustimmend, ging in jene Richtung, wo seine tigergleichen Brüder gefallen lagen.

tān dṛṣṭvā duḥkhito bhīmas tṛṣayā ca prapīḍitaḥ amanyata mahābāhuḥ karma tad yakṣarakṣasām sa cintayām āsa tadā yoddhavyaṃ dhruvam adya me

Als er sie erblickte, betrübt und von Durst gequält, hielt der starkarmige Bhīma dies für das Werk eines Yakṣa oder Rākṣasa; er dachte bei sich, dass er heute gewiss werde kämpfen müssen.

Wort für Wort
tān dṛṣṭvā duḥkhito bhīmas tṛṣayā ca prapīḍitaḥ amanyata mahābāhuḥ karma tad yakṣarakṣasām sa cintayām āsa tadā yoddhavyaṃ dhruvam adya me
Als er sie erblickte, betrübt und von Durst gequält, hielt der starkarmige Bhīma dies für das Werk eines Yakṣa oder Rākṣasa; er dachte bei sich, dass er heute gewiss werde kämpfen müssen.

Bhīmas kurzer, mit 'iti' markierter Gedanke wird hier - wie das vorangehende, ähnlich markierte 'ich will zuerst trinken' in V.036 - als indirekte Rede wiedergegeben, um eine dritte Zitatebene zu vermeiden.

pāsyāmi tāvat pānīyam iti pārtho vṛkodaraḥ tato 'bhyadhāvat pānīyaṃ pipāsuḥ puruṣarṣabhaḥ

Pārtha Vṛkodara dachte, er wolle zunächst das Wasser trinken, und eilte, durstig, der Stier unter den Männern, zum Wasser.

Wort für Wort
pāsyāmi tāvat pānīyam iti pārtho vṛkodaraḥ tato 'bhyadhāvat pānīyaṃ pipāsuḥ puruṣarṣabhaḥ
Pārtha Vṛkodara dachte, er wolle zunächst das Wasser trinken, und eilte, durstig, der Stier unter den Männern, zum Wasser.

yakṣa uvāca mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu kaunteya tataḥ piba harasva ca

‚Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du die Fragen beantwortet hast, Sohn Kuntīs, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘

Wort für Wort
yakṣa uvāca mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu kaunteya tataḥ piba harasva ca
‚Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du die Fragen beantwortet hast, Sohn Kuntīs, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘

vaiśaṃpāyana uvāca evam uktas tato bhīmo yakṣeṇāmitatejasā avijñāyaiva tān praśnān pītvaiva nipapāta ha

So vom Yakṣa unermesslicher Macht angesprochen, trank Bhīma darauf, ohne jene Fragen zu beachten, und sank, kaum hatte er getrunken, tot nieder.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca evam uktas tato bhīmo yakṣeṇāmitatejasā avijñāyaiva tān praśnān pītvaiva nipapāta ha
So vom Yakṣa unermesslicher Macht angesprochen, trank Bhīma darauf, ohne jene Fragen zu beachten, und sank, kaum hatte er getrunken, tot nieder.

tataḥ kuntīsuto rājā vicintya puruṣarṣabhaḥ samutthāya mahābāhur dahyamānena cetasā

Da erhob sich der König, Kuntīs Sohn, der Stier unter den Männern, nachdenklich, der Starkarmige, mit brennendem Herzen,

Wort für Wort
tataḥ kuntīsuto rājā vicintya puruṣarṣabhaḥ samutthāya mahābāhur dahyamānena cetasā
Da erhob sich der König, Kuntīs Sohn, der Stier unter den Männern, nachdenklich, der Starkarmige, mit brennendem Herzen,

apetajananirghoṣaṃ praviveśa mahāvanam rurubhiś ca varāhaiś ca pakṣibhiś ca niṣevitam

und betrat den großen, von Menschenlärm freien Wald, der von Hirschen, Ebern und Vögeln bewohnt war,

Wort für Wort
apetajananirghoṣaṃ praviveśa mahāvanam rurubhiś ca varāhaiś ca pakṣibhiś ca niṣevitam
und betrat den großen, von Menschenlärm freien Wald, der von Hirschen, Ebern und Vögeln bewohnt war,

nīlabhāsvaravarṇaiś ca pādapair upaśobhitam bhramarair upagītaṃ ca pakṣibhiś ca mahāyaśāḥ

geschmückt mit dunkelblau schimmernden Bäumen, von Bienen umsummt und von Vögeln besungen - er, der Hochberühmte.

Wort für Wort
nīlabhāsvaravarṇaiś ca pādapair upaśobhitam bhramarair upagītaṃ ca pakṣibhiś ca mahāyaśāḥ
geschmückt mit dunkelblau schimmernden Bäumen, von Bienen umsummt und von Vögeln besungen - er, der Hochberühmte.

sa gacchan kānane tasmin hemajālapariṣkṛtam dadarśa tat saraḥ śrīmān viśvakarmakṛtaṃ yathā

Als er so durch jenes Waldgebiet ging, erblickte er, der Glanzvolle, jenen Teich, mit einem goldenen Geflecht geschmückt, als wäre er von Viśvakarman selbst geschaffen,

Wort für Wort
sa gacchan kānane tasmin hemajālapariṣkṛtam dadarśa tat saraḥ śrīmān viśvakarmakṛtaṃ yathā
Als er so durch jenes Waldgebiet ging, erblickte er, der Glanzvolle, jenen Teich, mit einem goldenen Geflecht geschmückt, als wäre er von Viśvakarman selbst geschaffen,

upetaṃ nalinījālaiḥ sindhuvāraiś ca vetasaiḥ ketakaiḥ karavīraiś ca pippalaiś caiva saṃvṛtam śramārtas tad upāgamya saro dṛṣṭvātha vismitaḥ

versehen mit Lotusgeflechten, umgeben von Sindhuvāra-Sträuchern und Weiden, von Ketakī-, Karavīra- und Pippala-Bäumen umschlossen; erschöpft von der Anstrengung, näherte er sich jenem Teich und erblickte ihn, da erstaunt -

Wort für Wort
upetaṃ nalinījālaiḥ sindhuvāraiś ca vetasaiḥ ketakaiḥ karavīraiś ca pippalaiś caiva saṃvṛtam śramārtas tad upāgamya saro dṛṣṭvātha vismitaḥ
versehen mit Lotusgeflechten, umgeben von Sindhuvāra-Sträuchern und Weiden, von Ketakī-, Karavīra- und Pippala-Bäumen umschlossen; erschöpft von der Anstrengung, näherte er sich jenem Teich und erblickte ihn, da erstaunt -

Der Satz bricht am Kapitelende unvollendet ab und wird im nächsten Kapitel fortgeführt.

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