Kapitel 296: Āraṇeyam (2)
Der Tod der vier Brüder am Teich
Auf Nakulas Frage antworten zunächst Yudhiṣṭhira allgemein über das Walten des Dharma bei Unglücksfällen, dann Bhīma, Arjuna und Sahadeva, die je eine eigene vergangene Verfehlung als Erklärung anführen (Bhīma: Prātikāmin nicht getötet zu haben; Arjuna: Karṇas Beleidigungen zu geduldig ertragen zu haben; Sahadeva: Śakuni nicht getötet zu haben). Yudhiṣṭhira schickt der Reihe nach Nakula, Sahadeva, Arjuna und schließlich Bhīma aus, um Wasser von einem nahen Teich zu holen. Jeder von ihnen hört dort eine geheimnisvolle Stimme (erst bei Arjuna und Bhīma ausdrücklich als die eines Yakṣa benannt), die verlangt, zuerst dessen Fragen zu beantworten, bevor getrunken werden dürfe; jeder ignoriert die Warnung - Arjuna versucht es zusätzlich mit Gewalt, vergeblich - trinkt und sinkt tot nieder. Schließlich macht sich Yudhiṣṭhira selbst auf den Weg und erreicht, erschöpft und erstaunt, denselben prächtigen, wie von Viśvakarman geschaffenen Teich.
bhīma uvāca prātikāmy anayat kṛṣṇāṃ sabhāyāṃ preṣyavat tadā na mayā nihatas tatra tena prāptāḥ sma saṃśayam
‚Prātikāmin führte Kṛṣṇā damals wie eine Dienerin in die Versammlungshalle; ich habe ihn dort nicht erschlagen - deshalb sind wir in diese Gefahr geraten.‘
Wort für Wort
bhīma uvāca prātikāmy anayat kṛṣṇāṃ sabhāyāṃ preṣyavat tadā na mayā nihatas tatra tena prāptāḥ sma saṃśayam
‚Prātikāmin führte Kṛṣṇā damals wie eine Dienerin in die Versammlungshalle; ich habe ihn dort nicht erschlagen - deshalb sind wir in diese Gefahr geraten.‘
Prātikāmin: der Bote/Herold Duryodhanas, der Draupadī nach dem Würfelspiel in die Versammlungshalle zerrte (Sabhāparva).
arjuna uvāca vācas tīkṣṇāsthibhedinyaḥ sūtaputreṇa bhāṣitāḥ atitīkṣṇā mayā kṣāntās tena prāptāḥ sma saṃśayam
‚Die knochendurchbohrend scharfen Worte, die vom Sūta-Sohn [Karṇa] gesprochen wurden, habe ich, allzu geduldig, ertragen - deshalb sind wir in diese Gefahr geraten.‘
Wort für Wort
arjuna uvāca vācas tīkṣṇāsthibhedinyaḥ sūtaputreṇa bhāṣitāḥ atitīkṣṇā mayā kṣāntās tena prāptāḥ sma saṃśayam
‚Die knochendurchbohrend scharfen Worte, die vom Sūta-Sohn [Karṇa] gesprochen wurden, habe ich, allzu geduldig, ertragen - deshalb sind wir in diese Gefahr geraten.‘
mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu mādreya tataḥ piba harasva ca
‚Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du meine Fragen beantwortet hast, Sohn der Mādrī, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘
Wort für Wort
mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu mādreya tataḥ piba harasva ca
‚Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du meine Fragen beantwortet hast, Sohn der Mādrī, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘
mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā yathākāmaṃ tataḥ piba harasva ca
‚Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du meine Fragen beantwortet hast, magst du nach Belieben trinken und Wasser mitnehmen.‘
Wort für Wort
mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā yathākāmaṃ tataḥ piba harasva ca
‚Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du meine Fragen beantwortet hast, magst du nach Belieben trinken und Wasser mitnehmen.‘
athābravīt sa vijayaṃ kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ bhrātarau te ciragatau bībhatso śatrukarśana tau caivānaya bhadraṃ te pānīyaṃ ca tvam ānaya
‚Deine beiden Brüder sind schon lange fort, Bībhatsu, du Bezwinger der Feinde; bring sie, Segen sei mit dir, und bring auch du Wasser.‘ - so sprach da Kuntīs Sohn Yudhiṣṭhira zu Vijaya.
Wort für Wort
athābravīt sa vijayaṃ kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ bhrātarau te ciragatau bībhatso śatrukarśana tau caivānaya bhadraṃ te pānīyaṃ ca tvam ānaya
‚Deine beiden Brüder sind schon lange fort, Bībhatsu, du Bezwinger der Feinde; bring sie, Segen sei mit dir, und bring auch du Wasser.‘ - so sprach da Kuntīs Sohn Yudhiṣṭhira zu Vijaya.
Vijaya und Bībhatsu sind, wie Guḍākeśa in V.021, gängige Beinamen Arjunas.
So sprechend, ließ Pārtha darauf mit zauberkraftgeweihten Pfeilen jene ganze Richtung überregnen, wobei er seine Kunst des Schießens nach dem Klang allein zeigte.
So sprechend, ließ Pārtha darauf mit zauberkraftgeweihten Pfeilen jene ganze Richtung überregnen, wobei er seine Kunst des Schießens nach dem Klang allein zeigte.
yakṣa uvāca kiṃ vighātena te pārtha praśnān uktvā tataḥ piba anuktvā tu tataḥ praśnān pītvaiva na bhaviṣyasi
‚Was nützt dir diese Anstrengung, Pārtha? Trink erst, nachdem du die Fragen beantwortet hast; trinkst du aber, ohne die Fragen beantwortet zu haben, so wirst du nicht mehr sein.‘
Wort für Wort
yakṣa uvāca kiṃ vighātena te pārtha praśnān uktvā tataḥ piba anuktvā tu tataḥ praśnān pītvaiva na bhaviṣyasi
‚Was nützt dir diese Anstrengung, Pārtha? Trink erst, nachdem du die Fragen beantwortet hast; trinkst du aber, ohne die Fragen beantwortet zu haben, so wirst du nicht mehr sein.‘
Hier wird der Sprecher erstmals ausdrücklich als der Yakṣa benannt.
vaiśaṃpāyana uvāca sa tv amoghān iṣūn muktvā tṛṣṇayābhiprapīḍitaḥ avijñāyaiva tān praśnān pītvaiva nipapāta ha
Er aber, nachdem er seine niemals fehlgehenden Pfeile vergeblich verschossen hatte, von Durst überwältigt, trank, ohne jene Fragen zu beachten, und sank kaum hatte er getrunken, tot nieder.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca sa tv amoghān iṣūn muktvā tṛṣṇayābhiprapīḍitaḥ avijñāyaiva tān praśnān pītvaiva nipapāta ha
Er aber, nachdem er seine niemals fehlgehenden Pfeile vergeblich verschossen hatte, von Durst überwältigt, trank, ohne jene Fragen zu beachten, und sank kaum hatte er getrunken, tot nieder.
tān dṛṣṭvā duḥkhito bhīmas tṛṣayā ca prapīḍitaḥ amanyata mahābāhuḥ karma tad yakṣarakṣasām sa cintayām āsa tadā yoddhavyaṃ dhruvam adya me
Als er sie erblickte, betrübt und von Durst gequält, hielt der starkarmige Bhīma dies für das Werk eines Yakṣa oder Rākṣasa; er dachte bei sich, dass er heute gewiss werde kämpfen müssen.
Wort für Wort
tān dṛṣṭvā duḥkhito bhīmas tṛṣayā ca prapīḍitaḥ amanyata mahābāhuḥ karma tad yakṣarakṣasām sa cintayām āsa tadā yoddhavyaṃ dhruvam adya me
Als er sie erblickte, betrübt und von Durst gequält, hielt der starkarmige Bhīma dies für das Werk eines Yakṣa oder Rākṣasa; er dachte bei sich, dass er heute gewiss werde kämpfen müssen.
Bhīmas kurzer, mit 'iti' markierter Gedanke wird hier - wie das vorangehende, ähnlich markierte 'ich will zuerst trinken' in V.036 - als indirekte Rede wiedergegeben, um eine dritte Zitatebene zu vermeiden.
yakṣa uvāca mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu kaunteya tataḥ piba harasva ca
‚Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du die Fragen beantwortet hast, Sohn Kuntīs, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘
Wort für Wort
yakṣa uvāca mā tāta sāhasaṃ kārṣīr mama pūrvaparigrahaḥ praśnān uktvā tu kaunteya tataḥ piba harasva ca
‚Handle nicht unbesonnen, mein Lieber - dies ist mein früherer Besitz. Erst wenn du die Fragen beantwortet hast, Sohn Kuntīs, magst du trinken und Wasser mitnehmen.‘
sa gacchan kānane tasmin hemajālapariṣkṛtam dadarśa tat saraḥ śrīmān viśvakarmakṛtaṃ yathā
Als er so durch jenes Waldgebiet ging, erblickte er, der Glanzvolle, jenen Teich, mit einem goldenen Geflecht geschmückt, als wäre er von Viśvakarman selbst geschaffen,
Wort für Wort
sa gacchan kānane tasmin hemajālapariṣkṛtam dadarśa tat saraḥ śrīmān viśvakarmakṛtaṃ yathā
Als er so durch jenes Waldgebiet ging, erblickte er, der Glanzvolle, jenen Teich, mit einem goldenen Geflecht geschmückt, als wäre er von Viśvakarman selbst geschaffen,
upetaṃ nalinījālaiḥ sindhuvāraiś ca vetasaiḥ ketakaiḥ karavīraiś ca pippalaiś caiva saṃvṛtam śramārtas tad upāgamya saro dṛṣṭvātha vismitaḥ
versehen mit Lotusgeflechten, umgeben von Sindhuvāra-Sträuchern und Weiden, von Ketakī-, Karavīra- und Pippala-Bäumen umschlossen; erschöpft von der Anstrengung, näherte er sich jenem Teich und erblickte ihn, da erstaunt -
Wort für Wort
upetaṃ nalinījālaiḥ sindhuvāraiś ca vetasaiḥ ketakaiḥ karavīraiś ca pippalaiś caiva saṃvṛtam śramārtas tad upāgamya saro dṛṣṭvātha vismitaḥ
versehen mit Lotusgeflechten, umgeben von Sindhuvāra-Sträuchern und Weiden, von Ketakī-, Karavīra- und Pippala-Bäumen umschlossen; erschöpft von der Anstrengung, näherte er sich jenem Teich und erblickte ihn, da erstaunt -
Der Satz bricht am Kapitelende unvollendet ab und wird im nächsten Kapitel fortgeführt.