Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 291: Kuntyupākhyānam (5) / Karṇajanma Kuntīs Bedingungen und Karṇas Zeugung

Kuntī kann Sūrya nicht abweisen und fürchtet dessen Fluch für ihre Familie. In einem Verhandlungsdialog verweist sie zunächst auf die Verfügungsgewalt ihrer Eltern über ihren Leib; Sūrya entgegnet mit einer Lehre von der ursprünglichen Ungebundenheit aller Frauen und Männer (samt einer Wortspiel-Etymologie von 'kanyā' aus der Wurzel 'begehren'). Kuntī knüpft ihre Zustimmung an die Bedingung, dass der Sohn mit aus Amṛta bestehenden Ohrringen und Panzer geboren werde und mit Sūryas eigener Kraft und Tugend ausgestattet sei; Sūrya sagt beides zu. Die Vereinigung selbst wird als yogischer Vorgang geschildert - Sūrya berührt Kuntī am Nabel -, und entscheidend: nach der Zeugung stellt er ihre Jungfräulichkeit durch seine Yoga-Kraft vollständig wieder her, sodass sie unentehrt bleibt. Aus dieser Verbindung geht Karṇa hervor, dessen weiteres Schicksal (Aussetzung, Aufzucht durch Adhiratha und Rādhā, spätere Rivalität mit den Pāṇḍavas) an früherer Stelle des Epos bereits bekannt ist.

vaiśaṃpāyana uvāca sā tu kanyā bahuvidhaṃ bruvantī madhuraṃ vacaḥ anunetuṃ sahasrāṃśuṃ na śaśāka manasvinī

Jene Jungfrau aber, die auf vielerlei Weise mit süßer Rede den Tausendstrahligen zu besänftigen versuchte, vermochte es nicht, obwohl klugen Sinnes.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca sā tu kanyā bahuvidhaṃ bruvantī madhuraṃ vacaḥ anunetuṃ sahasrāṃśuṃ na śaśāka manasvinī
Jene Jungfrau aber, die auf vielerlei Weise mit süßer Rede den Tausendstrahligen zu besänftigen versuchte, vermochte es nicht, obwohl klugen Sinnes.

na śaśāka yadā bālā pratyākhyātuṃ tamonudam bhītā śāpāt tato rājan dadhyau dīrgham athāntaram

Als das Mädchen den Dunkelvertreiber, aus Furcht vor dem Fluch, nicht abweisen konnte, sann sie, o König, lange nach:

Wort für Wort
na śaśāka yadā bālā pratyākhyātuṃ tamonudam bhītā śāpāt tato rājan dadhyau dīrgham athāntaram
Als das Mädchen den Dunkelvertreiber, aus Furcht vor dem Fluch, nicht abweisen konnte, sann sie, o König, lange nach:

anāgasaḥ pituḥ śāpo brāhmaṇasya tathaiva ca mannimittaḥ kathaṃ na syāt kruddhād asmād vibhāvasoḥ

wie könnte nicht durch diesen erzürnten Vibhāvasu meinetwegen der Fluch ihren schuldlosen Vater treffen, ebenso den Brahmanen?

Wort für Wort
anāgasaḥ pituḥ śāpo brāhmaṇasya tathaiva ca mannimittaḥ kathaṃ na syāt kruddhād asmād vibhāvasoḥ
wie könnte nicht durch diesen erzürnten Vibhāvasu meinetwegen der Fluch ihren schuldlosen Vater treffen, ebenso den Brahmanen?

V.3-5 geben Kuntīs stillen Gedankengang wieder; zur Vermeidung unnötiger Anführungszeichen in indirekte Rede umgeformt.

bālenāpi satā mohād bhṛśaṃ sāpahnavāny api nātyāsādayitavyāni tejāṃsi ca tapāṃsi ca

Selbst von einem Kind sollten, und seien es auch aus Verwirrung begangene Verleugnungen, die Gluten und Bußkräfte der Mächtigen nicht allzu sehr herausgefordert werden.

Wort für Wort
bālenāpi satā mohād bhṛśaṃ sāpahnavāny api nātyāsādayitavyāni tejāṃsi ca tapāṃsi ca
Selbst von einem Kind sollten, und seien es auch aus Verwirrung begangene Verleugnungen, die Gluten und Bußkräfte der Mächtigen nicht allzu sehr herausgefordert werden.

sāham adya bhṛśaṃ bhītā gṛhītā ca kare bhṛśam kathaṃ tv akāryaṃ kuryāṃ vai pradānaṃ hy ātmanaḥ svayam

Sie sei heute überaus erschrocken und fest an der Hand ergriffen - wie aber solle sie Unrechtes tun und sich selbst freiwillig hingeben?

Wort für Wort
sāham adya bhṛśaṃ bhītā gṛhītā ca kare bhṛśam kathaṃ tv akāryaṃ kuryāṃ vai pradānaṃ hy ātmanaḥ svayam
Sie sei heute überaus erschrocken und fest an der Hand ergriffen - wie aber solle sie Unrechtes tun und sich selbst freiwillig hingeben?

saivaṃ śāpaparitrastā bahu cintayatī tadā mohenābhiparītāṅgī smayamānā punaḥ punaḥ

So, von Furcht vor dem Fluch gepeinigt, viel nachsinnend, von Verwirrung an Leib befallen, immer wieder unwillkürlich lächelnd,

Wort für Wort
saivaṃ śāpaparitrastā bahu cintayatī tadā mohenābhiparītāṅgī smayamānā punaḥ punaḥ
So, von Furcht vor dem Fluch gepeinigt, viel nachsinnend, von Verwirrung an Leib befallen, immer wieder unwillkürlich lächelnd,

taṃ devam abravīd bhītā bandhūnāṃ rājasattama vrīḍāvihvalayā vācā śāpatrastā viśāṃ pate

sprach sie, erschrocken, mit vor Scham bebender Stimme, aus Furcht vor dem Fluch für ihre Verwandten, o Bester der Könige, Herr der Untertanen, zu jenem Gott:

Wort für Wort
taṃ devam abravīd bhītā bandhūnāṃ rājasattama vrīḍāvihvalayā vācā śāpatrastā viśāṃ pate
sprach sie, erschrocken, mit vor Scham bebender Stimme, aus Furcht vor dem Fluch für ihre Verwandten, o Bester der Könige, Herr der Untertanen, zu jenem Gott:

kunty uvāca pitā me dhriyate deva mātā cānye ca bāndhavāḥ na teṣu dhriyamāṇeṣu vidhilopo bhaved ayam

Kuntī sprach: ‚Mein Vater lebt noch, Gott, meine Mutter und die anderen Verwandten; solange sie leben, dürfte diese Verletzung der Ordnung nicht geschehen.

Wort für Wort
kunty uvāca pitā me dhriyate deva mātā cānye ca bāndhavāḥ na teṣu dhriyamāṇeṣu vidhilopo bhaved ayam
Kuntī sprach: ‚Mein Vater lebt noch, Gott, meine Mutter und die anderen Verwandten; solange sie leben, dürfte diese Verletzung der Ordnung nicht geschehen.

tvayā me saṃgamo deva yadi syād vidhivarjitaḥ mannimittaṃ kulasyāsya loke kīrtir naśet tataḥ

Wäre meine Vereinigung mit dir, Gott, ohne die vorgeschriebene Ordnung, so würde meinetwegen der Ruhm dieses Geschlechts in der Welt zunichtewerden.

Wort für Wort
tvayā me saṃgamo deva yadi syād vidhivarjitaḥ mannimittaṃ kulasyāsya loke kīrtir naśet tataḥ
Wäre meine Vereinigung mit dir, Gott, ohne die vorgeschriebene Ordnung, so würde meinetwegen der Ruhm dieses Geschlechts in der Welt zunichtewerden.

atha vā dharmam etaṃ tvaṃ manyase tapatāṃ vara ṛte pradānād bandhubhyas tava kāmaṃ karomy aham

Wenn du aber, Bester der Leuchtenden, dies für Dharma hältst, so will ich deinen Wunsch erfüllen, auch ohne die Übergabe durch meine Verwandten.

Wort für Wort
atha vā dharmam etaṃ tvaṃ manyase tapatāṃ vara ṛte pradānād bandhubhyas tava kāmaṃ karomy aham
Wenn du aber, Bester der Leuchtenden, dies für Dharma hältst, so will ich deinen Wunsch erfüllen, auch ohne die Übergabe durch meine Verwandten.

ātmapradānaṃ durdharṣa tava kṛtvā satī tv aham tvayi dharmo yaśaś caiva kīrtir āyuś ca dehinām

Nachdem ich mich dir hingegeben habe, du Unangreifbarer, bleibe ich doch tugendhaft; in dir ruhen ja Dharma, Ruhm, Nachruhm und Lebenszeit der verkörperten Wesen.‘

Wort für Wort
ātmapradānaṃ durdharṣa tava kṛtvā satī tv aham tvayi dharmo yaśaś caiva kīrtir āyuś ca dehinām
Nachdem ich mich dir hingegeben habe, du Unangreifbarer, bleibe ich doch tugendhaft; in dir ruhen ja Dharma, Ruhm, Nachruhm und Lebenszeit der verkörperten Wesen.‘

sūrya uvāca na te pitā na te mātā guravo vā śucismite prabhavanti varārohe bhadraṃ te śṛṇu me vacaḥ

Sūrya sprach: ‚Weder dein Vater noch deine Mutter noch die Lehrer haben hierüber Verfügungsgewalt, Schönlächelnde, du mit den schönen Hüften; Heil dir, höre mein Wort.

Wort für Wort
sūrya uvāca na te pitā na te mātā guravo vā śucismite prabhavanti varārohe bhadraṃ te śṛṇu me vacaḥ
Sūrya sprach: ‚Weder dein Vater noch deine Mutter noch die Lehrer haben hierüber Verfügungsgewalt, Schönlächelnde, du mit den schönen Hüften; Heil dir, höre mein Wort.

sarvān kāmayate yasmāt kaner dhātoś ca bhāmini tasmāt kanyeha suśroṇi svatantrā varavarṇini

Weil die Jungfrau, von der Wurzel kan (begehren) her, alle Männer begehrt, deshalb ist die Jungfrau hier, Schönhüftige, frei über sich selbst, du Schönfarbige.

Wort für Wort
sarvān kāmayate yasmāt kaner dhātoś ca bhāmini tasmāt kanyeha suśroṇi svatantrā varavarṇini
Weil die Jungfrau, von der Wurzel kan (begehren) her, alle Männer begehrt, deshalb ist die Jungfrau hier, Schönhüftige, frei über sich selbst, du Schönfarbige.

Wortspiel mit der Sanskrit-Etymologie von 'kanyā' (Jungfrau) aus der Wurzel kan ('begehren') - im Deutschen nicht direkt nachbildbar.

nādharmaś caritaḥ kaś cit tvayā bhavati bhāmini adharmaṃ kuta evāhaṃ careyaṃ lokakāmyayā

Keinerlei Unrecht wird von dir begangen, du Schöne; wie sollte ich denn Unrecht tun, aus Verlangen nach der Welt?

Wort für Wort
nādharmaś caritaḥ kaś cit tvayā bhavati bhāmini adharmaṃ kuta evāhaṃ careyaṃ lokakāmyayā
Keinerlei Unrecht wird von dir begangen, du Schöne; wie sollte ich denn Unrecht tun, aus Verlangen nach der Welt?

anāvṛtāḥ striyaḥ sarvā narāś ca varavarṇini svabhāva eṣa lokānāṃ vikāro 'nya iti smṛtaḥ

Ungebunden sind von Natur aus alle Frauen und Männer, du Schönfarbige; dies ist die eigentliche Natur der Wesen, alles andere gilt als spätere Abwandlung.

Wort für Wort
anāvṛtāḥ striyaḥ sarvā narāś ca varavarṇini svabhāva eṣa lokānāṃ vikāro 'nya iti smṛtaḥ
Ungebunden sind von Natur aus alle Frauen und Männer, du Schönfarbige; dies ist die eigentliche Natur der Wesen, alles andere gilt als spätere Abwandlung.

Anspielung auf eine im Epos an anderer Stelle (Ādiparva, Śvetaketu-Episode) ausgeführte Lehre von einer uralten Freizügigkeit der Geschlechter vor Einführung strengerer Ehesitten.

sā mayā saha saṃgamya punaḥ kanyā bhaviṣyasi putraś ca te mahābāhur bhaviṣyati mahāyaśāḥ

Nachdem du dich mit mir vereinigt hast, wirst du wiederum eine Jungfrau sein; und dein Sohn wird starkarmig und hochberühmt sein.‘

Wort für Wort
sā mayā saha saṃgamya punaḥ kanyā bhaviṣyasi putraś ca te mahābāhur bhaviṣyati mahāyaśāḥ
Nachdem du dich mit mir vereinigt hast, wirst du wiederum eine Jungfrau sein; und dein Sohn wird starkarmig und hochberühmt sein.‘

kunty uvāca yadi putro mama bhavet tvattaḥ sarvatamopaha kuṇḍalī kavacī śūro mahābāhur mahābalaḥ

Kuntī sprach: ‚Wenn mir von dir ein Sohn werden sollte, du Vertreiber aller Finsternis, mit Ohrringen, mit Panzer, heldenhaft, starkarmig und von großer Kraft -‘

Wort für Wort
kunty uvāca yadi putro mama bhavet tvattaḥ sarvatamopaha kuṇḍalī kavacī śūro mahābāhur mahābalaḥ
Kuntī sprach: ‚Wenn mir von dir ein Sohn werden sollte, du Vertreiber aller Finsternis, mit Ohrringen, mit Panzer, heldenhaft, starkarmig und von großer Kraft -‘

sūrya uvāca bhaviṣyati mahābāhuḥ kuṇḍalī divyavarmabhṛt ubhayaṃ cāmṛtamayaṃ tasya bhadre bhaviṣyati

Sūrya sprach: ‚Er wird starkarmig sein, mit Ohrringen, einen göttlichen Panzer tragend; und beides wird ihm, Gute, aus Amṛta bestehen.‘

Wort für Wort
sūrya uvāca bhaviṣyati mahābāhuḥ kuṇḍalī divyavarmabhṛt ubhayaṃ cāmṛtamayaṃ tasya bhadre bhaviṣyati
Sūrya sprach: ‚Er wird starkarmig sein, mit Ohrringen, einen göttlichen Panzer tragend; und beides wird ihm, Gute, aus Amṛta bestehen.‘

kunty uvāca yady etad amṛtād asti kuṇḍale varma cottamam mama putrasya yaṃ vai tvaṃ matta utpādayiṣyasi

Kuntī sprach: ‚Wenn dies - Ohrringe und der vortreffliche Panzer - aus Amṛta besteht, für meinen Sohn, den du von mir erzeugen wirst,

Wort für Wort
kunty uvāca yady etad amṛtād asti kuṇḍale varma cottamam mama putrasya yaṃ vai tvaṃ matta utpādayiṣyasi
Kuntī sprach: ‚Wenn dies - Ohrringe und der vortreffliche Panzer - aus Amṛta besteht, für meinen Sohn, den du von mir erzeugen wirst,

astu me saṃgamo deva yathoktaṃ bhagavaṃs tvayā tvadvīryarūpasattvaujā dharmayukto bhavet sa ca

so sei meine Vereinigung mit dir, Gott, wie von dir, Erhabener, gesagt; und er möge mit deiner Heldenkraft, Gestalt, Wesen und Kraft ausgestattet und dem Dharma verbunden sein.‘

Wort für Wort
astu me saṃgamo deva yathoktaṃ bhagavaṃs tvayā tvadvīryarūpasattvaujā dharmayukto bhavet sa ca
so sei meine Vereinigung mit dir, Gott, wie von dir, Erhabener, gesagt; und er möge mit deiner Heldenkraft, Gestalt, Wesen und Kraft ausgestattet und dem Dharma verbunden sein.‘

sūrya uvāca adityā kuṇḍale rājñi datte me mattakāśini te 'sya dāsyāmi vai bhīru varma caivedam uttamam

Sūrya sprach: ‚Von Aditi sind mir diese Ohrringe gegeben worden, Fürstin, du Berauschend-Schöne; sie werde ich ihm geben, Furchtsame, sowie diesen vortrefflichen Panzer.‘

Wort für Wort
sūrya uvāca adityā kuṇḍale rājñi datte me mattakāśini te 'sya dāsyāmi vai bhīru varma caivedam uttamam
Sūrya sprach: ‚Von Aditi sind mir diese Ohrringe gegeben worden, Fürstin, du Berauschend-Schöne; sie werde ich ihm geben, Furchtsame, sowie diesen vortrefflichen Panzer.‘

pṛthovāca paramaṃ bhagavan deva saṃgamiṣye tvayā saha yadi putro bhaved evaṃ yathā vadasi gopate

Pṛthā sprach: ‚Wohlan, Erhabener Gott; ich werde mich mit dir vereinigen, wenn mein Sohn so wird, wie du sagst, Herr der Strahlen.‘

Wort für Wort
pṛthovāca paramaṃ bhagavan deva saṃgamiṣye tvayā saha yadi putro bhaved evaṃ yathā vadasi gopate
Pṛthā sprach: ‚Wohlan, Erhabener Gott; ich werde mich mit dir vereinigen, wenn mein Sohn so wird, wie du sagst, Herr der Strahlen.‘

vaiśaṃpāyana uvāca tathety uktvā tu tāṃ kuntīm āviveśa vihaṃgamaḥ svarbhānuśatrur yogātmā nābhyāṃ pasparśa caiva tām

Nachdem er zugestimmt hatte, es solle so sein, drang der Himmelswanderer, der Feind des Svarbhānu, dessen Wesen Yoga ist, in Kuntī ein und berührte sie am Nabel.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tathety uktvā tu tāṃ kuntīm āviveśa vihaṃgamaḥ svarbhānuśatrur yogātmā nābhyāṃ pasparśa caiva tām
Nachdem er zugestimmt hatte, es solle so sein, drang der Himmelswanderer, der Feind des Svarbhānu, dessen Wesen Yoga ist, in Kuntī ein und berührte sie am Nabel.

tataḥ sā vihvalevāsīt kanyā sūryasya tejasā papātātha ca sā devī śayane mūḍhacetanā

Da wurde die Jungfrau wie betäubt durch die Glut Sūryas, und die Göttliche sank, ihres Bewusstseins beraubt, auf das Lager.

Wort für Wort
tataḥ sā vihvalevāsīt kanyā sūryasya tejasā papātātha ca sā devī śayane mūḍhacetanā
Da wurde die Jungfrau wie betäubt durch die Glut Sūryas, und die Göttliche sank, ihres Bewusstseins beraubt, auf das Lager.

sūrya uvāca sādhayiṣyāmi suśroṇi putraṃ vai janayiṣyasi sarvaśastrabhṛtāṃ śreṣṭhaṃ kanyā caiva bhaviṣyasi

Sūrya sprach: ‚Ich werde es vollbringen, Schönhüftige: einen Sohn wirst du gebären, den besten aller Waffenträger, und wirst dennoch wieder eine Jungfrau sein.‘

Wort für Wort
sūrya uvāca sādhayiṣyāmi suśroṇi putraṃ vai janayiṣyasi sarvaśastrabhṛtāṃ śreṣṭhaṃ kanyā caiva bhaviṣyasi
Sūrya sprach: ‚Ich werde es vollbringen, Schönhüftige: einen Sohn wirst du gebären, den besten aller Waffenträger, und wirst dennoch wieder eine Jungfrau sein.‘

vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ sā vrīḍitā bālā tadā sūryam athābravīt evam astv iti rājendra prasthitaṃ bhūrivarcasam

Darauf sagte das beschämte Mädchen zu dem sich entfernenden, überaus glanzvollen Sūrya, o Herrscher der Könige, es solle so geschehen.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tataḥ sā vrīḍitā bālā tadā sūryam athābravīt evam astv iti rājendra prasthitaṃ bhūrivarcasam
Darauf sagte das beschämte Mädchen zu dem sich entfernenden, überaus glanzvollen Sūrya, o Herrscher der Könige, es solle so geschehen.

iti smoktā kuntirājātmajā sā vivasvantaṃ yācamānā salajjā tasmin puṇye śayanīye papāta mohāviṣṭā bhajyamānā lateva

So angesprochen, sank die Königstochter Kuntī, Vivasvat beschämt anflehend, betäubt, wie eine geknickte Ranke, auf jenes heilige Lager.

Wort für Wort
iti smoktā kuntirājātmajā sā vivasvantaṃ yācamānā salajjā tasmin puṇye śayanīye papāta mohāviṣṭā bhajyamānā lateva
So angesprochen, sank die Königstochter Kuntī, Vivasvat beschämt anflehend, betäubt, wie eine geknickte Ranke, auf jenes heilige Lager.

tāṃ tigmāṃśus tejasā mohayitvā yogenāviṣyātmasaṃsthāṃ cakāra na caivaināṃ dūṣayām āsa bhānuḥ saṃjñāṃ lebhe bhūya evātha bālā

Nachdem der Scharfstrahlige sie durch seine Glut betäubt hatte, versetzte er sie durch Yoga-Kraft wieder in ihren ursprünglichen, jungfräulichen Zustand; und Bhānu entehrte sie keineswegs; das Mädchen erlangte darauf wieder ihr Bewusstsein.

Wort für Wort
tāṃ tigmāṃśus tejasā mohayitvā yogenāviṣyātmasaṃsthāṃ cakāra na caivaināṃ dūṣayām āsa bhānuḥ saṃjñāṃ lebhe bhūya evātha bālā
Nachdem der Scharfstrahlige sie durch seine Glut betäubt hatte, versetzte er sie durch Yoga-Kraft wieder in ihren ursprünglichen, jungfräulichen Zustand; und Bhānu entehrte sie keineswegs; das Mädchen erlangte darauf wieder ihr Bewusstsein.

Zentrale Stelle der Vorgeschichte: Sūrya stellt Kuntīs Jungfräulichkeit durch Yoga-Kraft wieder her, sodass ihre spätere Ehe mit Pāṇḍu (Ādiparva) unberührt davon bleibt; der hier gezeugte Sohn ist Karṇa.

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