Kuntī kann Sūrya nicht abweisen und fürchtet dessen Fluch für ihre Familie. In einem Verhandlungsdialog verweist sie zunächst auf die Verfügungsgewalt ihrer Eltern über ihren Leib; Sūrya entgegnet mit einer Lehre von der ursprünglichen Ungebundenheit aller Frauen und Männer (samt einer Wortspiel-Etymologie von 'kanyā' aus der Wurzel 'begehren'). Kuntī knüpft ihre Zustimmung an die Bedingung, dass der Sohn mit aus Amṛta bestehenden Ohrringen und Panzer geboren werde und mit Sūryas eigener Kraft und Tugend ausgestattet sei; Sūrya sagt beides zu. Die Vereinigung selbst wird als yogischer Vorgang geschildert - Sūrya berührt Kuntī am Nabel -, und entscheidend: nach der Zeugung stellt er ihre Jungfräulichkeit durch seine Yoga-Kraft vollständig wieder her, sodass sie unentehrt bleibt. Aus dieser Verbindung geht Karṇa hervor, dessen weiteres Schicksal (Aussetzung, Aufzucht durch Adhiratha und Rādhā, spätere Rivalität mit den Pāṇḍavas) an früherer Stelle des Epos bereits bekannt ist.
bālenāpi satā mohād bhṛśaṃ sāpahnavāny api nātyāsādayitavyāni tejāṃsi ca tapāṃsi ca
Selbst von einem Kind sollten, und seien es auch aus Verwirrung begangene Verleugnungen, die Gluten und Bußkräfte der Mächtigen nicht allzu sehr herausgefordert werden.
Wort für Wort
bālenāpi satā mohād bhṛśaṃ sāpahnavāny api nātyāsādayitavyāni tejāṃsi ca tapāṃsi ca
Selbst von einem Kind sollten, und seien es auch aus Verwirrung begangene Verleugnungen, die Gluten und Bußkräfte der Mächtigen nicht allzu sehr herausgefordert werden.
sprach sie, erschrocken, mit vor Scham bebender Stimme, aus Furcht vor dem Fluch für ihre Verwandten, o Bester der Könige, Herr der Untertanen, zu jenem Gott:
sprach sie, erschrocken, mit vor Scham bebender Stimme, aus Furcht vor dem Fluch für ihre Verwandten, o Bester der Könige, Herr der Untertanen, zu jenem Gott:
kunty uvāca pitā me dhriyate deva mātā cānye ca bāndhavāḥ na teṣu dhriyamāṇeṣu vidhilopo bhaved ayam
Kuntī sprach: ‚Mein Vater lebt noch, Gott, meine Mutter und die anderen Verwandten; solange sie leben, dürfte diese Verletzung der Ordnung nicht geschehen.
Wort für Wort
kunty uvāca pitā me dhriyate deva mātā cānye ca bāndhavāḥ na teṣu dhriyamāṇeṣu vidhilopo bhaved ayam
Kuntī sprach: ‚Mein Vater lebt noch, Gott, meine Mutter und die anderen Verwandten; solange sie leben, dürfte diese Verletzung der Ordnung nicht geschehen.
ātmapradānaṃ durdharṣa tava kṛtvā satī tv aham tvayi dharmo yaśaś caiva kīrtir āyuś ca dehinām
Nachdem ich mich dir hingegeben habe, du Unangreifbarer, bleibe ich doch tugendhaft; in dir ruhen ja Dharma, Ruhm, Nachruhm und Lebenszeit der verkörperten Wesen.‘
Wort für Wort
ātmapradānaṃ durdharṣa tava kṛtvā satī tv aham tvayi dharmo yaśaś caiva kīrtir āyuś ca dehinām
Nachdem ich mich dir hingegeben habe, du Unangreifbarer, bleibe ich doch tugendhaft; in dir ruhen ja Dharma, Ruhm, Nachruhm und Lebenszeit der verkörperten Wesen.‘
sūrya uvāca na te pitā na te mātā guravo vā śucismite prabhavanti varārohe bhadraṃ te śṛṇu me vacaḥ
Sūrya sprach: ‚Weder dein Vater noch deine Mutter noch die Lehrer haben hierüber Verfügungsgewalt, Schönlächelnde, du mit den schönen Hüften; Heil dir, höre mein Wort.
Wort für Wort
sūrya uvāca na te pitā na te mātā guravo vā śucismite prabhavanti varārohe bhadraṃ te śṛṇu me vacaḥ
Sūrya sprach: ‚Weder dein Vater noch deine Mutter noch die Lehrer haben hierüber Verfügungsgewalt, Schönlächelnde, du mit den schönen Hüften; Heil dir, höre mein Wort.
Weil die Jungfrau, von der Wurzel kan (begehren) her, alle Männer begehrt, deshalb ist die Jungfrau hier, Schönhüftige, frei über sich selbst, du Schönfarbige.
Weil die Jungfrau, von der Wurzel kan (begehren) her, alle Männer begehrt, deshalb ist die Jungfrau hier, Schönhüftige, frei über sich selbst, du Schönfarbige.
Wortspiel mit der Sanskrit-Etymologie von 'kanyā' (Jungfrau) aus der Wurzel kan ('begehren') - im Deutschen nicht direkt nachbildbar.
Ungebunden sind von Natur aus alle Frauen und Männer, du Schönfarbige; dies ist die eigentliche Natur der Wesen, alles andere gilt als spätere Abwandlung.
Ungebunden sind von Natur aus alle Frauen und Männer, du Schönfarbige; dies ist die eigentliche Natur der Wesen, alles andere gilt als spätere Abwandlung.
Anspielung auf eine im Epos an anderer Stelle (Ādiparva, Śvetaketu-Episode) ausgeführte Lehre von einer uralten Freizügigkeit der Geschlechter vor Einführung strengerer Ehesitten.
Kuntī sprach: ‚Wenn mir von dir ein Sohn werden sollte, du Vertreiber aller Finsternis, mit Ohrringen, mit Panzer, heldenhaft, starkarmig und von großer Kraft -‘
Kuntī sprach: ‚Wenn mir von dir ein Sohn werden sollte, du Vertreiber aller Finsternis, mit Ohrringen, mit Panzer, heldenhaft, starkarmig und von großer Kraft -‘
astu me saṃgamo deva yathoktaṃ bhagavaṃs tvayā tvadvīryarūpasattvaujā dharmayukto bhavet sa ca
so sei meine Vereinigung mit dir, Gott, wie von dir, Erhabener, gesagt; und er möge mit deiner Heldenkraft, Gestalt, Wesen und Kraft ausgestattet und dem Dharma verbunden sein.‘
Wort für Wort
astu me saṃgamo deva yathoktaṃ bhagavaṃs tvayā tvadvīryarūpasattvaujā dharmayukto bhavet sa ca
so sei meine Vereinigung mit dir, Gott, wie von dir, Erhabener, gesagt; und er möge mit deiner Heldenkraft, Gestalt, Wesen und Kraft ausgestattet und dem Dharma verbunden sein.‘
sūrya uvāca adityā kuṇḍale rājñi datte me mattakāśini te 'sya dāsyāmi vai bhīru varma caivedam uttamam
Sūrya sprach: ‚Von Aditi sind mir diese Ohrringe gegeben worden, Fürstin, du Berauschend-Schöne; sie werde ich ihm geben, Furchtsame, sowie diesen vortrefflichen Panzer.‘
Wort für Wort
sūrya uvāca adityā kuṇḍale rājñi datte me mattakāśini te 'sya dāsyāmi vai bhīru varma caivedam uttamam
Sūrya sprach: ‚Von Aditi sind mir diese Ohrringe gegeben worden, Fürstin, du Berauschend-Schöne; sie werde ich ihm geben, Furchtsame, sowie diesen vortrefflichen Panzer.‘
vaiśaṃpāyana uvāca tathety uktvā tu tāṃ kuntīm āviveśa vihaṃgamaḥ svarbhānuśatrur yogātmā nābhyāṃ pasparśa caiva tām
Nachdem er zugestimmt hatte, es solle so sein, drang der Himmelswanderer, der Feind des Svarbhānu, dessen Wesen Yoga ist, in Kuntī ein und berührte sie am Nabel.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca tathety uktvā tu tāṃ kuntīm āviveśa vihaṃgamaḥ svarbhānuśatrur yogātmā nābhyāṃ pasparśa caiva tām
Nachdem er zugestimmt hatte, es solle so sein, drang der Himmelswanderer, der Feind des Svarbhānu, dessen Wesen Yoga ist, in Kuntī ein und berührte sie am Nabel.
Sūrya sprach: ‚Ich werde es vollbringen, Schönhüftige: einen Sohn wirst du gebären, den besten aller Waffenträger, und wirst dennoch wieder eine Jungfrau sein.‘
Sūrya sprach: ‚Ich werde es vollbringen, Schönhüftige: einen Sohn wirst du gebären, den besten aller Waffenträger, und wirst dennoch wieder eine Jungfrau sein.‘
Nachdem der Scharfstrahlige sie durch seine Glut betäubt hatte, versetzte er sie durch Yoga-Kraft wieder in ihren ursprünglichen, jungfräulichen Zustand; und Bhānu entehrte sie keineswegs; das Mädchen erlangte darauf wieder ihr Bewusstsein.
Nachdem der Scharfstrahlige sie durch seine Glut betäubt hatte, versetzte er sie durch Yoga-Kraft wieder in ihren ursprünglichen, jungfräulichen Zustand; und Bhānu entehrte sie keineswegs; das Mädchen erlangte darauf wieder ihr Bewusstsein.
Zentrale Stelle der Vorgeschichte: Sūrya stellt Kuntīs Jungfräulichkeit durch Yoga-Kraft wieder her, sodass ihre spätere Ehe mit Pāṇḍu (Ādiparva) unberührt davon bleibt; der hier gezeugte Sohn ist Karṇa.