Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 124: Cyavanasukanyopākhyānam - Madotpattiḥ Die Erzählung von Cyavana und Sukanyā - Die Entstehung Madas

Lomaśas Erzählung (weiterhin offen) wird fortgesetzt: Śaryāti besucht die verjüngten Cyavana und Sukanyā und lässt sich von Cyavana ein Opfer ausrichten. Als Cyavana den Aśvins entgegen Indras Widerspruch einen Soma-Anteil zuweisen will, verteidigt er in einem Wortwechsel deren Götterrang; Indra schlägt schließlich mit dem Donnerkeil nach ihm, doch Cyavana lähmt Indras Arm und erschafft durch ein Zauberopfer den gewaltigen Dämon Mada, dessen ungeheuerliche Gestalt beschrieben wird, während er sich brüllend auf Śatakratu (Indra) stürzt.

lomaśa uvāca tataḥ śrutvā tu śaryātir vayaḥsthaṃ cyavanaṃ kṛtam saṃhṛṣṭaḥ senayā sārdham upāyād bhārgavāśramam

Lomaśa sprach: Als Śaryāti daraufhin hörte, dass Cyavana wieder jugendlich gemacht worden war, begab er sich hocherfreut zusammen mit seinem Heer zur Einsiedelei des Bhārgava.

Wort für Wort
lomaśa uvāca tataḥ śrutvā tu śaryātir vayaḥsthaṃ cyavanaṃ kṛtam saṃhṛṣṭaḥ senayā sārdham upāyād bhārgavāśramam
Lomaśa sprach: Als Śaryāti daraufhin hörte, dass Cyavana wieder jugendlich gemacht worden war, begab er sich hocherfreut zusammen mit seinem Heer zur Einsiedelei des Bhārgava.

cyavanaṃ ca sukanyāṃ ca dṛṣṭvā devasutāv iva reme mahīpaḥ śaryātiḥ kṛtsnāṃ prāpya mahīm iva

Als er Cyavana und Sukanyā erblickte, wie zwei Göttersprösslinge, freute sich der König Śaryāti, als hätte er die ganze Erde erlangt.

Wort für Wort
cyavanaṃ ca sukanyāṃ ca dṛṣṭvā devasutāv iva reme mahīpaḥ śaryātiḥ kṛtsnāṃ prāpya mahīm iva
Als er Cyavana und Sukanyā erblickte, wie zwei Göttersprösslinge, freute sich der König Śaryāti, als hätte er die ganze Erde erlangt.

ṛṣiṇā satkṛtas tena sabhāryaḥ pṛthivīpatiḥ upopaviṣṭaḥ kalyāṇīḥ kathāś cakre mahāmanāḥ

Von jenem Weisen geehrt, setzte sich der Erdenherr samt seiner Gattin zu ihm, und der Hochgesinnte führte erfreuliche Gespräche.

Wort für Wort
ṛṣiṇā satkṛtas tena sabhāryaḥ pṛthivīpatiḥ upopaviṣṭaḥ kalyāṇīḥ kathāś cakre mahāmanāḥ
Von jenem Weisen geehrt, setzte sich der Erdenherr samt seiner Gattin zu ihm, und der Hochgesinnte führte erfreuliche Gespräche.

athainaṃ bhārgavo rājann uvāca parisāntvayan yājayiṣyāmi rājaṃs tvāṃ saṃbhārān upakalpaya

Da sprach der Bhārgava, o König, freundlich zu ihm: 'Ich werde für dich opfern, o König; bereite die Opfergerätschaften vor.'

Wort für Wort
athainaṃ bhārgavo rājann uvāca parisāntvayan yājayiṣyāmi rājaṃs tvāṃ saṃbhārān upakalpaya
Da sprach der Bhārgava, o König, freundlich zu ihm: 'Ich werde für dich opfern, o König; bereite die Opfergerätschaften vor.'

tataḥ paramasaṃhṛṣṭaḥ śaryātiḥ pṛthivīpatiḥ cyavanasya mahārāja tad vākyaṃ pratyapūjayat

Da nahm Śaryāti, der Erdenherr, o Großkönig, höchst erfreut jenes Wort Cyavanas ehrerbietig an.

Wort für Wort
tataḥ paramasaṃhṛṣṭaḥ śaryātiḥ pṛthivīpatiḥ cyavanasya mahārāja tad vākyaṃ pratyapūjayat
Da nahm Śaryāti, der Erdenherr, o Großkönig, höchst erfreut jenes Wort Cyavanas ehrerbietig an.

praśaste 'hani yajñīye sarvakāmasamṛddhimat kārayām āsa śaryātir yajñāyatanam uttamam

An einem günstigen, opfertauglichen Tag ließ Śaryāti eine vorzügliche Opferstätte errichten, reich an allem Erwünschten.

Wort für Wort
praśaste 'hani yajñīye sarvakāmasamṛddhimat kārayām āsa śaryātir yajñāyatanam uttamam
An einem günstigen, opfertauglichen Tag ließ Śaryāti eine vorzügliche Opferstätte errichten, reich an allem Erwünschten.

tatrainaṃ cyavano rājan yājayām āsa bhārgavaḥ adbhutāni ca tatrāsan yāni tāni nibodha me

Dort vollzog Cyavana, der Bhārgava, für ihn das Opfer, o König; und wunderbare Dinge geschahen dort - vernimm sie von mir.

Wort für Wort
tatrainaṃ cyavano rājan yājayām āsa bhārgavaḥ adbhutāni ca tatrāsan yāni tāni nibodha me
Dort vollzog Cyavana, der Bhārgava, für ihn das Opfer, o König; und wunderbare Dinge geschahen dort - vernimm sie von mir.

agṛhṇāc cyavanaḥ somam aśvinor devayos tadā tam indro vārayām āsa gṛhyamāṇaṃ tayor graham

Cyavana ergriff damals den Soma-Anteil für die beiden Aśvin-Götter; Indra suchte jenen Anteil, der für die beiden entnommen werden sollte, zu verhindern.

Wort für Wort
agṛhṇāc cyavanaḥ somam aśvinor devayos tadā tam indro vārayām āsa gṛhyamāṇaṃ tayor graham
Cyavana ergriff damals den Soma-Anteil für die beiden Aśvin-Götter; Indra suchte jenen Anteil, der für die beiden entnommen werden sollte, zu verhindern.

indra uvāca ubhāv etau na somārhau nāsatyāv iti me matiḥ bhiṣajau devaputrāṇāṃ karmaṇā naivam arhataḥ

Indra sprach: 'Jene beiden Nāsatyas sind des Soma nicht würdig - das ist meine Ansicht; als Ärzte sind sie ihrer Tätigkeit nach unter den Göttersöhnen keineswegs dessen würdig.'

Wort für Wort
indra uvāca ubhāv etau na somārhau nāsatyāv iti me matiḥ bhiṣajau devaputrāṇāṃ karmaṇā naivam arhataḥ
Indra sprach: 'Jene beiden Nāsatyas sind des Soma nicht würdig - das ist meine Ansicht; als Ärzte sind sie ihrer Tätigkeit nach unter den Göttersöhnen keineswegs dessen würdig.'

cyavana uvāca māvamaṃsthā mahātmānau rūpadraviṇavattarau yau cakratur māṃ maghavan vṛndārakam ivājaram

Cyavana sprach: 'Verachte nicht, o Maghavan, jene beiden Hochgesinnten, reicher an Schönheit und Kraft, die mich einem alterslosen Erstlingsgott gleich gemacht haben.'

Wort für Wort
cyavana uvāca māvamaṃsthā mahātmānau rūpadraviṇavattarau yau cakratur māṃ maghavan vṛndārakam ivājaram
Cyavana sprach: 'Verachte nicht, o Maghavan, jene beiden Hochgesinnten, reicher an Schönheit und Kraft, die mich einem alterslosen Erstlingsgott gleich gemacht haben.'

ṛte tvāṃ vibudhāṃś cānyān kathaṃ vai nārhataḥ savam aśvināv api devendra devau viddhi puraṃdara

'Abgesehen von dir und den anderen Göttern - wieso sollten denn die Aśvins der Opferspende nicht würdig sein? Erkenne auch sie als Götter an, o Götterfürst, o Purandara.'

Wort für Wort
ṛte tvāṃ vibudhāṃś cānyān kathaṃ vai nārhataḥ savam aśvināv api devendra devau viddhi puraṃdara
'Abgesehen von dir und den anderen Göttern - wieso sollten denn die Aśvins der Opferspende nicht würdig sein? Erkenne auch sie als Götter an, o Götterfürst, o Purandara.'

indra uvāca cikitsakau karmakarau kāmarūpasamanvitau loke carantau martyānāṃ kathaṃ somam ihārhataḥ

Indra sprach: 'Zwei Ärzte, Dienstleistende, mit der Fähigkeit begabt, die Gestalt nach Belieben zu wechseln, unter den Sterblichen in der Welt umherziehend - wie sollten sie hier des Soma würdig sein?'

Wort für Wort
indra uvāca cikitsakau karmakarau kāmarūpasamanvitau loke carantau martyānāṃ kathaṃ somam ihārhataḥ
Indra sprach: 'Zwei Ärzte, Dienstleistende, mit der Fähigkeit begabt, die Gestalt nach Belieben zu wechseln, unter den Sterblichen in der Welt umherziehend - wie sollten sie hier des Soma würdig sein?'

lomaśa uvāca etad eva yadā vākyam āmreḍayati vāsavaḥ anādṛtya tataḥ śakraṃ grahaṃ jagrāha bhārgavaḥ

Lomaśa sprach: Als Vāsava eben diese Aussage immer wieder wiederholte, ergriff der Bhārgava daraufhin, Śakra missachtend, den Soma-Anteil.

Wort für Wort
lomaśa uvāca etad eva yadā vākyam āmreḍayati vāsavaḥ anādṛtya tataḥ śakraṃ grahaṃ jagrāha bhārgavaḥ
Lomaśa sprach: Als Vāsava eben diese Aussage immer wieder wiederholte, ergriff der Bhārgava daraufhin, Śakra missachtend, den Soma-Anteil.

grahīṣyantaṃ tu taṃ somam aśvinor uttamaṃ tadā samīkṣya balabhid deva idaṃ vacanam abravīt

Als er ihn aber sah, wie er jenen vorzüglichen Soma-Anteil für die Aśvins nehmen wollte, sprach der Gott, der Bezwinger des Bala, dies:

Wort für Wort
grahīṣyantaṃ tu taṃ somam aśvinor uttamaṃ tadā samīkṣya balabhid deva idaṃ vacanam abravīt
Als er ihn aber sah, wie er jenen vorzüglichen Soma-Anteil für die Aśvins nehmen wollte, sprach der Gott, der Bezwinger des Bala, dies:

ābhyām arthāya somaṃ tvaṃ grahīṣyasi yadi svayam vajraṃ te prahariṣyāmi ghorarūpam anuttamam

'Wenn du selbst den Soma für die beiden nehmen willst, werde ich dich mit meinem Donnerkeil schlagen, dem furchtbaren, unübertrefflichen.'

Wort für Wort
ābhyām arthāya somaṃ tvaṃ grahīṣyasi yadi svayam vajraṃ te prahariṣyāmi ghorarūpam anuttamam
'Wenn du selbst den Soma für die beiden nehmen willst, werde ich dich mit meinem Donnerkeil schlagen, dem furchtbaren, unübertrefflichen.'

evam uktaḥ smayann indram abhivīkṣya sa bhārgavaḥ jagrāha vidhivat somam aśvibhyām uttamaṃ graham

So angesprochen, ergriff jener Bhārgava, lächelnd und Indra ansehend, vorschriftsgemäß den vorzüglichen Soma-Anteil für die beiden Aśvins.

Wort für Wort
evam uktaḥ smayann indram abhivīkṣya sa bhārgavaḥ jagrāha vidhivat somam aśvibhyām uttamaṃ graham
So angesprochen, ergriff jener Bhārgava, lächelnd und Indra ansehend, vorschriftsgemäß den vorzüglichen Soma-Anteil für die beiden Aśvins.

tato 'smai prāharad vajraṃ ghorarūpaṃ śacīpatiḥ tasya praharato bāhuṃ stambhayām āsa bhārgavaḥ

Da schlug der Gemahl der Śacī mit dem furchtbaren Donnerkeil nach ihm; doch der Bhārgava lähmte den Arm dessen, der zuschlug.

Wort für Wort
tato 'smai prāharad vajraṃ ghorarūpaṃ śacīpatiḥ tasya praharato bāhuṃ stambhayām āsa bhārgavaḥ
Da schlug der Gemahl der Śacī mit dem furchtbaren Donnerkeil nach ihm; doch der Bhārgava lähmte den Arm dessen, der zuschlug.

saṃstambhayitvā cyavano juhuve mantrato 'nalam kṛtyārthī sumahātejā devaṃ hiṃsitum udyataḥ

Nachdem er ihn gelähmt hatte, opferte Cyavana, von überaus großer Glut, mit Zaubersprüchen dem Feuer, in der Absicht, ein Zauberwesen zu erschaffen, entschlossen, den Gott zu verletzen.

Wort für Wort
saṃstambhayitvā cyavano juhuve mantrato 'nalam kṛtyārthī sumahātejā devaṃ hiṃsitum udyataḥ
Nachdem er ihn gelähmt hatte, opferte Cyavana, von überaus großer Glut, mit Zaubersprüchen dem Feuer, in der Absicht, ein Zauberwesen zu erschaffen, entschlossen, den Gott zu verletzen.

tataḥ kṛtyā samabhavad ṛṣes tasya tapobalāt mado nāma mahāvīryo bṛhatkāyo mahāsuraḥ śarīraṃ yasya nirdeṣṭum aśakyaṃ tu surāsuraiḥ

Da entstand, durch die Bußkraft jenes Weisen, ein Zauberwesen namens Mada, von großer Tatkraft, von gewaltiger Gestalt, ein großer Dämon, dessen Leib von Göttern und Dämonen nicht zu beschreiben war.

Wort für Wort
tataḥ kṛtyā samabhavad ṛṣes tasya tapobalāt mado nāma mahāvīryo bṛhatkāyo mahāsuraḥ śarīraṃ yasya nirdeṣṭum aśakyaṃ tu surāsuraiḥ
Da entstand, durch die Bußkraft jenes Weisen, ein Zauberwesen namens Mada, von großer Tatkraft, von gewaltiger Gestalt, ein großer Dämon, dessen Leib von Göttern und Dämonen nicht zu beschreiben war.

tasyāsyam abhavad ghoraṃ tīkṣṇāgradaśanaṃ mahat hanur ekā sthitā tasya bhūmāv ekā divaṃ gatā

Sein Maul war furchtbar, gewaltig, mit scharfspitzigen Zähnen; sein einer Kiefer ruhte auf der Erde, der andere reichte zum Himmel.

Wort für Wort
tasyāsyam abhavad ghoraṃ tīkṣṇāgradaśanaṃ mahat hanur ekā sthitā tasya bhūmāv ekā divaṃ gatā
Sein Maul war furchtbar, gewaltig, mit scharfspitzigen Zähnen; sein einer Kiefer ruhte auf der Erde, der andere reichte zum Himmel.

catasra āyatā daṃṣṭrā yojanānāṃ śataṃ śatam itare tv asya daśanā babhūvur daśayojanāḥ prākārasadṛśākārāḥ śūlāgrasamadarśanāḥ

Vier Fangzähne erstreckten sich je hundert Yojanas lang; seine übrigen Zähne aber waren je zehn Yojanas, mauerähnlich geformt, speerspitzengleich anzusehen.

Wort für Wort
catasra āyatā daṃṣṭrā yojanānāṃ śataṃ śatam itare tv asya daśanā babhūvur daśayojanāḥ prākārasadṛśākārāḥ śūlāgrasamadarśanāḥ
Vier Fangzähne erstreckten sich je hundert Yojanas lang; seine übrigen Zähne aber waren je zehn Yojanas, mauerähnlich geformt, speerspitzengleich anzusehen.

bāhū parvatasaṃkāśāv āyatāv ayutaṃ samau netre raviśaśiprakhye vaktram antakasaṃnibham

Seine beiden Arme, bergesgleich, waren lang, zehntausend Yojanas, einander gleich; seine beiden Augen glichen Sonne und Mond; sein Maul glich dem Todesgott.

Wort für Wort
bāhū parvatasaṃkāśāv āyatāv ayutaṃ samau netre raviśaśiprakhye vaktram antakasaṃnibham
Seine beiden Arme, bergesgleich, waren lang, zehntausend Yojanas, einander gleich; seine beiden Augen glichen Sonne und Mond; sein Maul glich dem Todesgott.

lelihañ jihvayā vaktraṃ vidyuccapalalolayā vyāttānano ghoradṛṣṭir grasann iva jagad balāt

Mit seiner Zunge, blitzgleich zuckend und bebend, leckte er sich das Maul, mit weitaufgesperrtem Rachen, furchtbarem Blick, als wollte er die Welt mit Gewalt verschlingen.

Wort für Wort
lelihañ jihvayā vaktraṃ vidyuccapalalolayā vyāttānano ghoradṛṣṭir grasann iva jagad balāt
Mit seiner Zunge, blitzgleich zuckend und bebend, leckte er sich das Maul, mit weitaufgesperrtem Rachen, furchtbarem Blick, als wollte er die Welt mit Gewalt verschlingen.

sa bhakṣayiṣyan saṃkruddhaḥ śatakratum upādravat mahatā ghorarūpeṇa lokāñ śabdena nādayan

Er, wutentbrannt, im Begriff ihn zu verschlingen, stürzte auf Śatakratu los, wobei er mit gewaltigem, furchtbarem Gebrüll die Welten erdröhnen ließ.

Wort für Wort
sa bhakṣayiṣyan saṃkruddhaḥ śatakratum upādravat mahatā ghorarūpeṇa lokāñ śabdena nādayan
Er, wutentbrannt, im Begriff ihn zu verschlingen, stürzte auf Śatakratu los, wobei er mit gewaltigem, furchtbarem Gebrüll die Welten erdröhnen ließ.

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