Kapitel 7: Vidurapratyāgamanam
Dhṛtarāṣṭras Reue und Viduras Rückkehr nach Hastināpura
Dhṛtarāṣṭra bricht vor Reue über den Verlust Viduras zusammen und sendet Sañjaya aus, um ihn zurückzuholen. Sañjaya findet Vidura im Kāmyaka-Wald bei den Pāṇḍavas und überbringt die Bitte des Königs; mit Yudhiṣṭhiras Einverständnis kehrt Vidura nach Hastināpura zurück, wo sich die Brüder Dhṛtarāṣṭra und Vidura versöhnen.
Von nachträglicher Reue verzehrt, durch die Erinnerung an Vidura abgezehrt, sprach der König aus brüderlicher Zuneigung, o König, zu Sañjaya dieses Wort:
Von nachträglicher Reue verzehrt, durch die Erinnerung an Vidura abgezehrt, sprach der König aus brüderlicher Zuneigung, o König, zu Sañjaya dieses Wort:
sa vyalīkaṃ kathaṃ prāpto mattaḥ paramabuddhimān na jahyāj jīvitaṃ prājñas taṃ gacchānaya saṃjaya
Wie sollte er, der Höchstverständige, von mir Kränkendes erfahren haben? Möge der Weise nicht sein Leben aufgeben - geh, Sañjaya, und bring ihn zurück.“
Wort für Wort
sa vyalīkaṃ kathaṃ prāpto mattaḥ paramabuddhimān na jahyāj jīvitaṃ prājñas taṃ gacchānaya saṃjaya
Wie sollte er, der Höchstverständige, von mir Kränkendes erfahren haben? Möge der Weise nicht sein Leben aufgeben - geh, Sañjaya, und bring ihn zurück.“
so 'numānya naraśreṣṭhān pāṇḍavān kurunandanān niyogād rājasiṃhasya gantum arhasi mānada
Mit Zustimmung der Besten der Männer, der Pāṇḍavas, der Freuden der Kurus, sollst du, o Ehrengeber, auf Geheiß des Löwen unter den Königen zu ihm gehen.“
Wort für Wort
so 'numānya naraśreṣṭhān pāṇḍavān kurunandanān niyogād rājasiṃhasya gantum arhasi mānada
Mit Zustimmung der Besten der Männer, der Pāṇḍavas, der Freuden der Kurus, sollst du, o Ehrengeber, auf Geheiß des Löwen unter den Königen zu ihm gehen.“
tam abravīn mahāprājñaṃ dhṛtarāṣṭraḥ pratāpavān diṣṭyā prāpto 'si dharmajña diṣṭyā smarasi me 'nagha
Zu ihm, dem Hochweisen, sprach der machtvolle Dhṛtarāṣṭra: „Zum Glück bist du gekommen, Kenner des Rechts; zum Glück gedenkst du meiner, du Makelloser.
Wort für Wort
tam abravīn mahāprājñaṃ dhṛtarāṣṭraḥ pratāpavān diṣṭyā prāpto 'si dharmajña diṣṭyā smarasi me 'nagha
Zu ihm, dem Hochweisen, sprach der machtvolle Dhṛtarāṣṭra: „Zum Glück bist du gekommen, Kenner des Rechts; zum Glück gedenkst du meiner, du Makelloser.
Heute, bei Nacht und bei Tag, sehe ich, o Stier der Bharatas, deinetwegen im Wachen meinen eigenen Leib wie verwandelt.
[Anm.: „vicitraṃ deham ātmanaḥ“, wörtlich „meinen eigenen Leib als mannigfaltig/seltsam“ - gemeint ist wohl ein Zustand qualvoller Ruhelosigkeit; die genaue Bildbedeutung bleibt im Sanskrit knapp.]
vidura uvāca kṣāntam eva mayā rājan gurur naḥ paramo bhavān tathā hy asmy āgataḥ kṣipraṃ tvaddarśanaparāyaṇaḥ
Vidura sprach: „Schon verziehen ist es, o König; du bist mir der höchste Lehrer; darum bin ich auch so rasch gekommen, ganz darauf bedacht, dich zu sehen.
Wort für Wort
vidura uvāca kṣāntam eva mayā rājan gurur naḥ paramo bhavān tathā hy asmy āgataḥ kṣipraṃ tvaddarśanaparāyaṇaḥ
Vidura sprach: „Schon verziehen ist es, o König; du bist mir der höchste Lehrer; darum bin ich auch so rasch gekommen, ganz darauf bedacht, dich zu sehen.
bhavanti hi naravyāghra puruṣā dharmacetasaḥ dīnābhipātino rājan nātra kāryā vicāraṇā
Denn es gibt, o Tiger unter den Männern, Menschen von rechtschaffener Gesinnung, die sich den Bedrängten zuwenden, o König - darüber braucht man nicht erst nachzudenken.
Wort für Wort
bhavanti hi naravyāghra puruṣā dharmacetasaḥ dīnābhipātino rājan nātra kāryā vicāraṇā
Denn es gibt, o Tiger unter den Männern, Menschen von rechtschaffener Gesinnung, die sich den Bedrängten zuwenden, o König - darüber braucht man nicht erst nachzudenken.