Kapitel 294: Kavacakuṇḍalāharaṇaparva (5, Schlusskapitel)
Der Tausch: Karṇas Panzer und Ohrringe gegen die Śakti-Waffe
Indra, als Brahmane verkleidet, lehnt alle angebotenen Gaben außer Panzer und Ohrringen ab. Karṇa, der Indra längst erkannt hat, besteht darauf, nicht ohne Gegenleistung zu geben, und schlägt den von Sūrya vorgeschlagenen Tausch vor: Panzer und Ohrringe gegen Indras unfehlbare Śakti-Waffe, mit der Einschränkung, dass sie nur gegen einen einzigen Feind eingesetzt werden darf und sonst auf den Werfer zurückfällt. Indra bestätigt verhüllt, dass Arjuna von Kṛṣṇa-Nārāyaṇa beschützt wird. Karṇa schneidet sich in einer eindrücklichen, von Musik und Blumenregen begleiteten Szene den angeborenen Panzer und die Ohrringe vom Leib, ohne Schmerzensregung, und erhält dafür den Beinamen Vaikartana ('der Abschneidende'); Indra kehrt triumphierend zum Himmel zurück, da er die Aufgabe für die Pāṇḍavas als erfüllt betrachtet. Die Kaurava-Söhne sind bestürzt, die im Wald weilenden Pāṇḍavas hingegen erfreut. Mit Janamejayas Anschlussfrage, wo die Pāṇḍavas sich zu dieser Zeit aufhielten, schließt Vaiśampāyana den Bogen zur Rahmenhandlung: sie hatten, nach der Rückgewinnung Draupadīs von Jayadratha, die gesamte Mārkaṇḍeya-Erzählung (einschließlich Rāmopākhyāna und Sāvitryupākhyānam) in der Kāmyaka-Einsiedelei gehört und kehrten nun nach Dvaitavana zurück. Damit endet die gesamte, seit Kap.183 laufende Mārkaṇḍeya-Episode des Vanaparva.
Als Vṛṣa den herangekommenen Götterkönig, in der Verkleidung eines Brahmanen, erblickte, sprach er ihn willkommen heißend an; doch dessen wahre Absicht kannte er nicht.
Als Vṛṣa den herangekommenen Götterkönig, in der Verkleidung eines Brahmanen, erblickte, sprach er ihn willkommen heißend an; doch dessen wahre Absicht kannte er nicht.
Der Brahmane sprach: ‚Goldkettige Frauen und was sonst noch die Freude mehrt, begehre ich hier nicht als Gabe; das soll anderen gegeben werden, die danach verlangen.
Der Brahmane sprach: ‚Goldkettige Frauen und was sonst noch die Freude mehrt, begehre ich hier nicht als Gabe; das soll anderen gegeben werden, die danach verlangen.
karṇa uvāca avaniṃ pramadā gāś ca nirvāpaṃ bahuvārṣikam tat te vipra pradāsyāmi na tu varma na kuṇḍale
Karṇa sprach: ‚Land, Frauen und Rinder, sowie eine für viele Jahre reichende Ausschüttung an Reichtum - dies werde ich dir geben, Brahmane, nicht aber Panzer oder Ohrringe.‘
Wort für Wort
karṇa uvāca avaniṃ pramadā gāś ca nirvāpaṃ bahuvārṣikam tat te vipra pradāsyāmi na tu varma na kuṇḍale
Karṇa sprach: ‚Land, Frauen und Rinder, sowie eine für viele Jahre reichende Ausschüttung an Reichtum - dies werde ich dir geben, Brahmane, nicht aber Panzer oder Ohrringe.‘
sahajaṃ varma me vipra kuṇḍale cāmṛtodbhave tenāvadhyo 'smi lokeṣu tato naitad dadāmy aham
‚Mein angeborener Panzer, Brahmane, und die beiden aus Amṛta entstandenen Ohrringe - durch sie bin ich in den Welten unbesiegbar; deshalb gebe ich dies nicht.
Wort für Wort
sahajaṃ varma me vipra kuṇḍale cāmṛtodbhave tenāvadhyo 'smi lokeṣu tato naitad dadāmy aham
‚Mein angeborener Panzer, Brahmane, und die beiden aus Amṛta entstandenen Ohrringe - durch sie bin ich in den Welten unbesiegbar; deshalb gebe ich dies nicht.
śakra uvāca vidito 'haṃ raveḥ pūrvam āyann eva tavāntikam tena te sarvam ākhyātam evam etan na saṃśayaḥ
Śakra sprach: ‚Erkannt worden bin ich, noch bevor ich mich dir näherte, von der Sonne; durch sie ist dir alles mitgeteilt worden - so ist es, ohne Zweifel.
Wort für Wort
śakra uvāca vidito 'haṃ raveḥ pūrvam āyann eva tavāntikam tena te sarvam ākhyātam evam etan na saṃśayaḥ
Śakra sprach: ‚Erkannt worden bin ich, noch bevor ich mich dir näherte, von der Sonne; durch sie ist dir alles mitgeteilt worden - so ist es, ohne Zweifel.
amoghā hanti śataśaḥ śatrūn mama karacyutā punaś ca pāṇim abhyeti mama daityān vinighnataḥ
Die Unfehlbare tötet, aus meiner Hand entsandt, zu Hunderten die Feinde und kehrt, nachdem sie die Daityas vernichtet hat, wieder in meine Hand zurück.
Wort für Wort
amoghā hanti śataśaḥ śatrūn mama karacyutā punaś ca pāṇim abhyeti mama daityān vinighnataḥ
Die Unfehlbare tötet, aus meiner Hand entsandt, zu Hunderten die Feinde und kehrt, nachdem sie die Daityas vernichtet hat, wieder in meine Hand zurück.
Diese aber wird, nachdem sie deine Hand erreicht und einen einzigen mächtigen, brüllenden und glühenden Feind erschlagen hat, zu mir allein zurückkehren, Sohn eines Wagenlenkers.‘
Diese aber wird, nachdem sie deine Hand erreicht und einen einzigen mächtigen, brüllenden und glühenden Feind erschlagen hat, zu mir allein zurückkehren, Sohn eines Wagenlenkers.‘
yam āhur vedavidvāṃso varāham ajitaṃ harim nārāyaṇam acintyaṃ ca tena kṛṣṇena rakṣyate
Den, den die Vedakundigen den Eber nennen, den unbesiegten Hari, den unfassbaren Nārāyaṇa - von eben diesem Kṛṣṇa wird er beschützt.‘
Wort für Wort
yam āhur vedavidvāṃso varāham ajitaṃ harim nārāyaṇam acintyaṃ ca tena kṛṣṇena rakṣyate
Den, den die Vedakundigen den Eber nennen, den unbesiegten Hari, den unfassbaren Nārāyaṇa - von eben diesem Kṛṣṇa wird er beschützt.‘
Verhüllte Vorausdeutung: Indra bestätigt, dass Arjuna von Kṛṣṇa (identifiziert mit Viṣṇu-Nārāyaṇa) beschützt wird - eine Vorausdeutung auf Karṇas Tod im Kurukṣetra-Krieg trotz Erhalt der Śakti-Waffe.
Karṇa sprach: ‚Sei es auch so, Erhabener; zur Tötung jenes einen Helden genüge mir die unfehlbare, vortreffliche Śakti-Waffe, mit der ich den Glühenden erschlagen werde.
Karṇa sprach: ‚Sei es auch so, Erhabener; zur Tötung jenes einen Helden genüge mir die unfehlbare, vortreffliche Śakti-Waffe, mit der ich den Glühenden erschlagen werde.
Solltest du aber, solange Waffen gegen dich vorhanden sind, unachtsam die Unfehlbare entsenden, so wird sie ohne Zweifel auf dich selbst zurückfallen.‘
Solltest du aber, solange Waffen gegen dich vorhanden sind, unachtsam die Unfehlbare entsenden, so wird sie ohne Zweifel auf dich selbst zurückfallen.‘
Darauf, nachdem er die lodernde Śakti-Waffe entgegengenommen hatte, Herr der Untertanen, ergriff er eine scharfe Waffe und schnitt sich alle Glieder auf.
Darauf, nachdem er die lodernde Śakti-Waffe entgegengenommen hatte, Herr der Untertanen, ergriff er eine scharfe Waffe und schnitt sich alle Glieder auf.
tato devā mānavā dānavāś ca nikṛntantaṃ karṇam ātmānam evam dṛṣṭvā sarve siddhasaṃghāś ca nedur na hy asyāsīd duḥkhajo vai vikāraḥ
Da erhoben, als sie sahen, wie Karṇa sich selbst so zerschnitt, die Götter, Menschen und Dānavas sowie alle Scharen der Siddhas ein lautes Getöse; denn keinerlei aus Schmerz entstandene Veränderung zeigte sich an ihm.
Wort für Wort
tato devā mānavā dānavāś ca nikṛntantaṃ karṇam ātmānam evam dṛṣṭvā sarve siddhasaṃghāś ca nedur na hy asyāsīd duḥkhajo vai vikāraḥ
Da erhoben, als sie sahen, wie Karṇa sich selbst so zerschnitt, die Götter, Menschen und Dānavas sowie alle Scharen der Siddhas ein lautes Getöse; denn keinerlei aus Schmerz entstandene Veränderung zeigte sich an ihm.
tato divyā dundubhayaḥ praṇeduḥ papātoccaiḥ puṣpavarṣaṃ ca divyam dṛṣṭvā karṇaṃ śastrasaṃkṛttagātraṃ muhuś cāpi smayamānaṃ nṛvīram
Da erklangen göttliche Pauken, und ein göttlicher Blumenregen fiel von oben herab, als man Karṇa sah, dessen Glieder von der Waffe zerschnitten waren, den Helden unter den Männern, der dabei immer wieder lächelte.
Wort für Wort
tato divyā dundubhayaḥ praṇeduḥ papātoccaiḥ puṣpavarṣaṃ ca divyam dṛṣṭvā karṇaṃ śastrasaṃkṛttagātraṃ muhuś cāpi smayamānaṃ nṛvīram
Da erklangen göttliche Pauken, und ein göttlicher Blumenregen fiel von oben herab, als man Karṇa sah, dessen Glieder von der Waffe zerschnitten waren, den Helden unter den Männern, der dabei immer wieder lächelte.
tataś chittvā kavacaṃ divyam aṅgāt tathaivārdraṃ pradadau vāsavāya tathotkṛtya pradadau kuṇḍale te vaikartanaḥ karmaṇā tena karṇaḥ
Darauf, nachdem er den göttlichen Panzer vom Leib abgeschnitten hatte, übergab er ihn, noch blutend, dem Vāsava, und ebenso schnitt er die beiden Ohrringe heraus und übergab sie; durch diese Tat wurde Karṇa fortan Vaikartana genannt.
Wort für Wort
tataś chittvā kavacaṃ divyam aṅgāt tathaivārdraṃ pradadau vāsavāya tathotkṛtya pradadau kuṇḍale te vaikartanaḥ karmaṇā tena karṇaḥ
Darauf, nachdem er den göttlichen Panzer vom Leib abgeschnitten hatte, übergab er ihn, noch blutend, dem Vāsava, und ebenso schnitt er die beiden Ohrringe heraus und übergab sie; durch diese Tat wurde Karṇa fortan Vaikartana genannt.
'Vaikartana' ('der Abschneidende/Zerschneidende'): Beiname Karṇas, hier durch Volksetymologie von 'vikart-' (schneiden) direkt aus dieser Tat hergeleitet.
Darauf, lachend, nachdem er Karṇa getäuscht und ihn zugleich mit Ruhm in der Welt ausgestattet hatte, hielt Śakra die Aufgabe für die Pāṇḍavas als erfüllt; danach flog er zum Himmel empor.
Darauf, lachend, nachdem er Karṇa getäuscht und ihn zugleich mit Ruhm in der Welt ausgestattet hatte, hielt Śakra die Aufgabe für die Pāṇḍavas als erfüllt; danach flog er zum Himmel empor.
Als sie hörten, dass Karṇa beraubt worden war, wurden alle Söhne Dhṛtarāṣṭras elend, wie an ihrem Stolz gebrochen; als aber die im Wald weilenden Pārthas hörten, in welchen Zustand der Sohn des Wagenlenkers versetzt worden war, freuten sie sich.“
Als sie hörten, dass Karṇa beraubt worden war, wurden alle Söhne Dhṛtarāṣṭras elend, wie an ihrem Stolz gebrochen; als aber die im Wald weilenden Pārthas hörten, in welchen Zustand der Sohn des Wagenlenkers versetzt worden war, freuten sie sich.“
janamejaya uvāca kvasthā vīrāḥ pāṇḍavās te babhūvuḥ kutaś caitac chrutavantaḥ priyaṃ te kiṃ vākārṣur dvādaśe 'bde vyatīte tan me sarvaṃ bhagavān vyākarotu
„Janamejaya sprach: Wo weilten damals jene heldenhaften Pāṇḍavas, und woher hatten sie diese für sie erfreuliche Nachricht vernommen? Was taten sie, als das zwölfte Jahr verstrichen war? Dies alles möge mir der Erhabene erklären.“
Wort für Wort
janamejaya uvāca kvasthā vīrāḥ pāṇḍavās te babhūvuḥ kutaś caitac chrutavantaḥ priyaṃ te kiṃ vākārṣur dvādaśe 'bde vyatīte tan me sarvaṃ bhagavān vyākarotu
„Janamejaya sprach: Wo weilten damals jene heldenhaften Pāṇḍavas, und woher hatten sie diese für sie erfreuliche Nachricht vernommen? Was taten sie, als das zwölfte Jahr verstrichen war? Dies alles möge mir der Erhabene erklären.“
„Vaiśampāyana sprach: Nachdem sie Kṛṣṇā zurückgewonnen und den Sindhu-König in die Flucht geschlagen hatten, hatten sie, zusammen mit den Brahmanen, von der Einsiedelei Kāmyaka aus, von Mārkaṇḍeya die alte Geschichte gehört, ausführlich, sowie die Taten der Götterweisen.
„Vaiśampāyana sprach: Nachdem sie Kṛṣṇā zurückgewonnen und den Sindhu-König in die Flucht geschlagen hatten, hatten sie, zusammen mit den Brahmanen, von der Einsiedelei Kāmyaka aus, von Mārkaṇḍeya die alte Geschichte gehört, ausführlich, sowie die Taten der Götterweisen.
Darauf kehrten die heldenhaften Männer, mit ihren Wagen und ihrem Gefolge, zusammen mit allen Köchen und Vorstehern, zu dem heiligen Dvaitavana zurück, nachdem sie diesen ganzen schrecklichen Waldaufenthalt überstanden hatten.“
Darauf kehrten die heldenhaften Männer, mit ihren Wagen und ihrem Gefolge, zusammen mit allen Köchen und Vorstehern, zu dem heiligen Dvaitavana zurück, nachdem sie diesen ganzen schrecklichen Waldaufenthalt überstanden hatten.“