Kapitel 29: Prahlādabalisaṃvādaḥ
Draupadīs Erzählung vom Gespräch zwischen Prahlāda und Bali über Nachsicht und Tatkraft
Draupadī untermauert ihre Mahnung mit einer alten Erzählung: Bali fragt seinen Großvater Prahlāda, ob Nachsicht (kṣamā) oder Tatkraft (tejas) das Bessere sei. Prahlāda lehrt, dass weder stete Nachsicht noch stete Härte gut ist - beide haben ihre eigenen Gefahren -, sondern dass Weisheit darin besteht, Ort, Zeit und die eigenen Kräfte abzuwägen und je nach Umständen zwischen Milde und Strenge zu wechseln. Draupadī schließt, dass für Yudhiṣṭhira gegenüber den habgierigen Söhnen Dhṛtarāṣṭras nun die Zeit der Tatkraft gekommen sei.
Bali befragte den Herrn der Asuras, den hochweisen, in den Überlieferungen der Dharma-Lehren bewanderten Herrn der Daityas, Prahlāda, den Vater seines Vaters:
Bali befragte den Herrn der Asuras, den hochweisen, in den Überlieferungen der Dharma-Lehren bewanderten Herrn der Daityas, Prahlāda, den Vater seines Vaters:
ādadīrann adhikṛtā yathākāmam acetasaḥ pradiṣṭāni ca deyāni na dadyur bhartṛśāsanāt
all dies nehmen sich die damit betrauten, unbedachten Diener nach Belieben, und was ihnen aufzutragen war zu geben, geben sie nicht, dem Befehl ihres Herrn zum Trotz.
Wort für Wort
ādadīrann adhikṛtā yathākāmam acetasaḥ pradiṣṭāni ca deyāni na dadyur bhartṛśāsanāt
all dies nehmen sich die damit betrauten, unbedachten Diener nach Belieben, und was ihnen aufzutragen war zu geben, geben sie nicht, dem Befehl ihres Herrn zum Trotz.
Und wenn sie, stets übermütig geworden, auch nur eine geringe Strafe vom Herrn verdienen, werden die Verdorbenen noch verdorbener und schaden ihm weiter.
Und wenn sie, stets übermütig geworden, auch nur eine geringe Strafe vom Herrn verdienen, werden die Verdorbenen noch verdorbener und schaden ihm weiter.
so 'vamānād arthahānim upālambham anādaram saṃtāpadveṣalobhāṃś ca śatrūṃś ca labhate naraḥ
Durch seine Verachtung gegenüber anderen erleidet ein solcher Mensch Vermögensverlust, Tadel, Missachtung, Qual, Hass, Habgier und gewinnt sich Feinde.
Wort für Wort
so 'vamānād arthahānim upālambham anādaram saṃtāpadveṣalobhāṃś ca śatrūṃś ca labhate naraḥ
Durch seine Verachtung gegenüber anderen erleidet ein solcher Mensch Vermögensverlust, Tadel, Missachtung, Qual, Hass, Habgier und gewinnt sich Feinde.
Ein Mann, der aus Zorn mancherlei Strafen über Menschen verhängt, fällt rasch aus seiner Herrschaft, aus dem Leben und sogar aus seiner eigenen Sippe heraus.
Ein Mann, der aus Zorn mancherlei Strafen über Menschen verhängt, fällt rasch aus seiner Herrschaft, aus dem Leben und sogar aus seiner eigenen Sippe heraus.
yasmād udvijate lokaḥ kathaṃ tasya bhavo bhavet antaraṃ hy asya dṛṣṭvaiva loko vikurute dhruvam tasmān nātyutsṛjet tejo na ca nityaṃ mṛdur bhavet
Wovor die Welt zurückschreckt, wie könnte dessen Gedeihen bestehen? Denn sobald die Welt eine Schwäche bei ihm erblickt, wendet sie sich gewiss gegen ihn; deshalb soll man weder übermäßig Glut walten lassen noch stets milde sein.
Wort für Wort
yasmād udvijate lokaḥ kathaṃ tasya bhavo bhavet antaraṃ hy asya dṛṣṭvaiva loko vikurute dhruvam tasmān nātyutsṛjet tejo na ca nityaṃ mṛdur bhavet
Wovor die Welt zurückschreckt, wie könnte dessen Gedeihen bestehen? Denn sobald die Welt eine Schwäche bei ihm erblickt, wendet sie sich gewiss gegen ihn; deshalb soll man weder übermäßig Glut walten lassen noch stets milde sein.
atha ced buddhijaṃ kṛtvā brūyus te tad abuddhijam pāpān svalpe 'pi tān hanyād aparādhe tathānṛjūn
Wenn sie aber, eine wissentliche Tat begangen habend, behaupten, sie sei aus Unwissenheit geschehen, soll man solche bösen, unaufrichtigen Menschen selbst bei einem geringen Vergehen bestrafen.
Wort für Wort
atha ced buddhijaṃ kṛtvā brūyus te tad abuddhijam pāpān svalpe 'pi tān hanyād aparādhe tathānṛjūn
Wenn sie aber, eine wissentliche Tat begangen habend, behaupten, sie sei aus Unwissenheit geschehen, soll man solche bösen, unaufrichtigen Menschen selbst bei einem geringen Vergehen bestrafen.
Doch erst nach Prüfung von Ort und Zeit sowie der eigenen Stärke oder Schwäche soll man handeln; nichts soll zur Unzeit und am unrechten Ort geschehen - Ort und Zeit sind abzuwarten; ebenso soll man aus Furcht vor dem Urteil der Welt dem Schuldigen verzeihen.
Doch erst nach Prüfung von Ort und Zeit sowie der eigenen Stärke oder Schwäche soll man handeln; nichts soll zur Unzeit und am unrechten Ort geschehen - Ort und Zeit sind abzuwarten; ebenso soll man aus Furcht vor dem Urteil der Welt dem Schuldigen verzeihen.
eta evaṃvidhāḥ kālāḥ kṣamāyāḥ parikīrtitāḥ ato 'nyathānuvartatsu tejasaḥ kāla ucyate
Dies sind die Zeiten, die für die Nachsicht genannt werden; wenn die Umstände sich anders verhalten, dann, so sagt man, ist die Zeit für Tatkraft gekommen.“
Wort für Wort
eta evaṃvidhāḥ kālāḥ kṣamāyāḥ parikīrtitāḥ ato 'nyathānuvartatsu tejasaḥ kāla ucyate
Dies sind die Zeiten, die für die Nachsicht genannt werden; wenn die Umstände sich anders verhalten, dann, so sagt man, ist die Zeit für Tatkraft gekommen.“
Draupadī sprach: „Darum halte ich es für die Zeit der Tatkraft für dich, o Herrscher der Menschen, gegenüber den Söhnen Dhṛtarāṣṭras, die habgierig und beständig Übeltäter sind.
Draupadī sprach: „Darum halte ich es für die Zeit der Tatkraft für dich, o Herrscher der Menschen, gegenüber den Söhnen Dhṛtarāṣṭras, die habgierig und beständig Übeltäter sind.
mṛdur bhavaty avajñātas tīkṣṇād udvijate janaḥ kāle prāpte dvayaṃ hy etad yo veda sa mahīpatiḥ
Der Milde wird verachtet, vor dem Strengen schreckt man zurück; wer, wenn die Zeit gekommen ist, dieses beides rechtzeitig anzuwenden weiß, der ist ein wahrer Herrscher der Erde.“
Wort für Wort
mṛdur bhavaty avajñātas tīkṣṇād udvijate janaḥ kāle prāpte dvayaṃ hy etad yo veda sa mahīpatiḥ
Der Milde wird verachtet, vor dem Strengen schreckt man zurück; wer, wenn die Zeit gekommen ist, dieses beides rechtzeitig anzuwenden weiß, der ist ein wahrer Herrscher der Erde.“