Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Vanaparva (Āraṇyakaparva)

Kapitel 52: Naladūtyam Nala als Götterbote

Nala erfährt, dass die vier Weltenhüter Indra, Agni, Varuṇa und Yama selbst um Damayantī werben und ihn zu ihrem Boten machen wollen. Trotz seines eigenen Verlangens hält er sein Versprechen und dringt, von der Macht der Götter unsichtbar gemacht, in Damayantīs Gemach ein, um ihr die Werbung der vier Götter zu überbringen.

bṛhadaśva uvāca tebhyaḥ pratijñāya nalaḥ kariṣya iti bhārata athainān paripapraccha kṛtāñjalir avasthitaḥ

Bṛhadaśva sprach: Nachdem Nala ihnen versprochen hatte, dies zu tun, o Bhārata, fragte er sie daraufhin, mit gefalteten Händen dastehend:

Wort für Wort
bṛhadaśva uvāca tebhyaḥ pratijñāya nalaḥ kariṣya iti bhārata athainān paripapraccha kṛtāñjalir avasthitaḥ
Bṛhadaśva sprach: Nachdem Nala ihnen versprochen hatte, dies zu tun, o Bhārata, fragte er sie daraufhin, mit gefalteten Händen dastehend:

ke vai bhavantaḥ kaś cāsau yasyāhaṃ dūta īpsitaḥ kiṃ ca tatra mayā kāryaṃ kathayadhvaṃ yathātatham

„Wer seid ihr wohl, und wer ist jener, für den ich als Bote begehrt werde? Und was ist dabei meine Aufgabe - sagt es mir, wie es sich verhält.“

Wort für Wort
ke vai bhavantaḥ kaś cāsau yasyāhaṃ dūta īpsitaḥ kiṃ ca tatra mayā kāryaṃ kathayadhvaṃ yathātatham
„Wer seid ihr wohl, und wer ist jener, für den ich als Bote begehrt werde? Und was ist dabei meine Aufgabe - sagt es mir, wie es sich verhält.“

evam ukte naiṣadhena maghavān pratyabhāṣata amarān vai nibodhāsmān damayantyartham āgatān

Als der Naiṣadha so gesprochen hatte, erwiderte Maghavan: „Erkenne uns als Unsterbliche, die um Damayantīs willen gekommen sind.

Wort für Wort
evam ukte naiṣadhena maghavān pratyabhāṣata amarān vai nibodhāsmān damayantyartham āgatān
Als der Naiṣadha so gesprochen hatte, erwiderte Maghavan: „Erkenne uns als Unsterbliche, die um Damayantīs willen gekommen sind.

aham indro 'yam agniś ca tathaivāyam apāṃpatiḥ śarīrāntakaro nṝṇāṃ yamo 'yam api pārthiva

Ich bin Indra, dies hier ist Agni, ebenso dies der Herr der Wasser, und dies ist Yama, der den Körpern der Menschen ein Ende setzt, o Erdenherrscher.

Wort für Wort
aham indro 'yam agniś ca tathaivāyam apāṃpatiḥ śarīrāntakaro nṝṇāṃ yamo 'yam api pārthiva
Ich bin Indra, dies hier ist Agni, ebenso dies der Herr der Wasser, und dies ist Yama, der den Körpern der Menschen ein Ende setzt, o Erdenherrscher.

sa vai tvam āgatān asmān damayantyai nivedaya lokapālāḥ sahendrās tvāṃ samāyānti didṛkṣavaḥ

Du sollst nun Damayantī mitteilen, dass wir gekommen sind; die Weltenhüter samt Indra kommen zu dir, dich zu sehen wünschend.

Wort für Wort
sa vai tvam āgatān asmān damayantyai nivedaya lokapālāḥ sahendrās tvāṃ samāyānti didṛkṣavaḥ
Du sollst nun Damayantī mitteilen, dass wir gekommen sind; die Weltenhüter samt Indra kommen zu dir, dich zu sehen wünschend.

prāptum icchanti devās tvāṃ śakro 'gnir varuṇo yamaḥ teṣām anyatamaṃ devaṃ patitve varayasva ha

Die Götter Śakra, Agni, Varuṇa und Yama wünschen dich zu erlangen; wähle einen von ihnen als Gatten.“

Wort für Wort
prāptum icchanti devās tvāṃ śakro 'gnir varuṇo yamaḥ teṣām anyatamaṃ devaṃ patitve varayasva ha
Die Götter Śakra, Agni, Varuṇa und Yama wünschen dich zu erlangen; wähle einen von ihnen als Gatten.“

evam uktaḥ sa śakreṇa nalaḥ prāñjalir abravīt ekārthasamavetaṃ māṃ na preṣayitum arhatha

So von Śakra angesprochen, sprach Nala mit gefalteten Händen: „Ihr solltet mich nicht als Boten senden, da ich selbst dasselbe Ziel wie ihr verfolge.“

Wort für Wort
evam uktaḥ sa śakreṇa nalaḥ prāñjalir abravīt ekārthasamavetaṃ māṃ na preṣayitum arhatha
So von Śakra angesprochen, sprach Nala mit gefalteten Händen: „Ihr solltet mich nicht als Boten senden, da ich selbst dasselbe Ziel wie ihr verfolge.“

devā ūcuḥ kariṣya iti saṃśrutya pūrvam asmāsu naiṣadha na kariṣyasi kasmāt tvaṃ vraja naiṣadha māciram

Die Götter sprachen: „Nachdem du uns zuvor zugesagt hast, dies zu tun, o Naiṣadha, wirst du es nun nicht tun? Warum? Geh, o Naiṣadha, ohne Verzug.“

Wort für Wort
devā ūcuḥ kariṣya iti saṃśrutya pūrvam asmāsu naiṣadha na kariṣyasi kasmāt tvaṃ vraja naiṣadha māciram
Die Götter sprachen: „Nachdem du uns zuvor zugesagt hast, dies zu tun, o Naiṣadha, wirst du es nun nicht tun? Warum? Geh, o Naiṣadha, ohne Verzug.“

bṛhadaśva uvāca evam uktaḥ sa devais tair naiṣadhaḥ punar abravīt surakṣitāni veśmāni praveṣṭuṃ katham utsahe

Bṛhadaśva sprach: So von jenen Göttern angesprochen, sprach der Naiṣadha wiederum: „Wie sollte ich es wagen, in die wohlbewachten Gemächer einzudringen?“

Wort für Wort
bṛhadaśva uvāca evam uktaḥ sa devais tair naiṣadhaḥ punar abravīt surakṣitāni veśmāni praveṣṭuṃ katham utsahe
Bṛhadaśva sprach: So von jenen Göttern angesprochen, sprach der Naiṣadha wiederum: „Wie sollte ich es wagen, in die wohlbewachten Gemächer einzudringen?“

pravekṣyasīti taṃ śakraḥ punar evābhyabhāṣata jagāma sa tathety uktvā damayantyā niveśanam

„Du wirst eindringen können“, sprach Śakra wiederum zu ihm; und nachdem er „So sei es“ gesagt hatte, ging er zu Damayantīs Gemach.

Wort für Wort
pravekṣyasīti taṃ śakraḥ punar evābhyabhāṣata jagāma sa tathety uktvā damayantyā niveśanam
„Du wirst eindringen können“, sprach Śakra wiederum zu ihm; und nachdem er „So sei es“ gesagt hatte, ging er zu Damayantīs Gemach.

dadarśa tatra vaidarbhīṃ sakhīgaṇasamāvṛtām dedīpyamānāṃ vapuṣā śriyā ca varavarṇinīm

Dort sah er die Vaidarbhī, umgeben von der Schar ihrer Gefährtinnen, durch Gestalt und Schönheit erstrahlend, von schöner Farbe.

Wort für Wort
dadarśa tatra vaidarbhīṃ sakhīgaṇasamāvṛtām dedīpyamānāṃ vapuṣā śriyā ca varavarṇinīm
Dort sah er die Vaidarbhī, umgeben von der Schar ihrer Gefährtinnen, durch Gestalt und Schönheit erstrahlend, von schöner Farbe.

atīva sukumārāṅgīṃ tanumadhyāṃ sulocanām ākṣipantīm iva ca bhāḥ śaśinaḥ svena tejasā

Überaus zartgliedrig, schlank in der Taille, mit schönen Augen, gleichsam den Glanz des Mondes durch ihren eigenen Glanz überstrahlend.

Wort für Wort
atīva sukumārāṅgīṃ tanumadhyāṃ sulocanām ākṣipantīm iva ca bhāḥ śaśinaḥ svena tejasā
Überaus zartgliedrig, schlank in der Taille, mit schönen Augen, gleichsam den Glanz des Mondes durch ihren eigenen Glanz überstrahlend.

tasya dṛṣṭvaiva vavṛdhe kāmas tāṃ cāruhāsinīm satyaṃ cikīrṣamāṇas tu dhārayām āsa hṛcchayam

Bei seinem bloßen Anblick von ihr, der lieblich Lächelnden, wuchs sein Verlangen; doch da er die Wahrheit seines Versprechens erfüllen wollte, bezähmte er das Verlangen seines Herzens.

Wort für Wort
tasya dṛṣṭvaiva vavṛdhe kāmas tāṃ cāruhāsinīm satyaṃ cikīrṣamāṇas tu dhārayām āsa hṛcchayam
Bei seinem bloßen Anblick von ihr, der lieblich Lächelnden, wuchs sein Verlangen; doch da er die Wahrheit seines Versprechens erfüllen wollte, bezähmte er das Verlangen seines Herzens.

tatas tā naiṣadhaṃ dṛṣṭvā saṃbhrāntāḥ paramāṅganāḥ āsanebhyaḥ samutpetus tejasā tasya dharṣitāḥ

Da sprangen jene vortrefflichen Frauen, als sie den Naiṣadha erblickten, verwirrt und von seinem Glanz überwältigt, von ihren Sitzen auf.

Wort für Wort
tatas tā naiṣadhaṃ dṛṣṭvā saṃbhrāntāḥ paramāṅganāḥ āsanebhyaḥ samutpetus tejasā tasya dharṣitāḥ
Da sprangen jene vortrefflichen Frauen, als sie den Naiṣadha erblickten, verwirrt und von seinem Glanz überwältigt, von ihren Sitzen auf.

praśaśaṃsuś ca suprītā nalaṃ tā vismayānvitāḥ na cainam abhyabhāṣanta manobhis tv abhyacintayan

Und hocherfreut priesen sie Nala, von Staunen erfüllt; doch sie sprachen ihn nicht an, sondern dachten bei sich in Gedanken:

Wort für Wort
praśaśaṃsuś ca suprītā nalaṃ tā vismayānvitāḥ na cainam abhyabhāṣanta manobhis tv abhyacintayan
Und hocherfreut priesen sie Nala, von Staunen erfüllt; doch sie sprachen ihn nicht an, sondern dachten bei sich in Gedanken:

aho rūpam aho kāntir aho dhairyaṃ mahātmanaḥ ko 'yaṃ devo nu yakṣo nu gandharvo nu bhaviṣyati

„Ach, welche Schönheit! Ach, welcher Liebreiz! Ach, welche Standhaftigkeit des Hochherzigen! Wer mag dieser sein - ein Gott, ein Yakṣa oder ein Gandharva?“

Wort für Wort
aho rūpam aho kāntir aho dhairyaṃ mahātmanaḥ ko 'yaṃ devo nu yakṣo nu gandharvo nu bhaviṣyati
„Ach, welche Schönheit! Ach, welcher Liebreiz! Ach, welche Standhaftigkeit des Hochherzigen! Wer mag dieser sein - ein Gott, ein Yakṣa oder ein Gandharva?“

na tv enaṃ śaknuvanti sma vyāhartum api kiṃ cana tejasā dharṣitāḥ sarvā lajjāvatyo varāṅganāḥ

Doch vermochten sie ihn nicht anzureden, nicht einmal irgendetwas, von seinem Glanz überwältigt, alle die schamhaften, vortrefflichen Frauen.

Wort für Wort
na tv enaṃ śaknuvanti sma vyāhartum api kiṃ cana tejasā dharṣitāḥ sarvā lajjāvatyo varāṅganāḥ
Doch vermochten sie ihn nicht anzureden, nicht einmal irgendetwas, von seinem Glanz überwältigt, alle die schamhaften, vortrefflichen Frauen.

athainaṃ smayamāneva smitapūrvābhibhāṣiṇī damayantī nalaṃ vīram abhyabhāṣata vismitā

Da sprach Damayantī, gleichsam lächelnd, mit einem Lächeln beginnend, den Helden Nala an, voller Staunen:

Wort für Wort
athainaṃ smayamāneva smitapūrvābhibhāṣiṇī damayantī nalaṃ vīram abhyabhāṣata vismitā
Da sprach Damayantī, gleichsam lächelnd, mit einem Lächeln beginnend, den Helden Nala an, voller Staunen:

kas tvaṃ sarvānavadyāṅga mama hṛcchayavardhana prāpto 'sy amaravad vīra jñātum icchāmi te 'nagha

„Wer bist du, an allen Gliedern Makelloser, der mein Herzensverlangen mehrt? Du bist wie ein Unsterblicher hierher gelangt, o Held; ich möchte dich kennenlernen, o Sündloser.

Wort für Wort
kas tvaṃ sarvānavadyāṅga mama hṛcchayavardhana prāpto 'sy amaravad vīra jñātum icchāmi te 'nagha
„Wer bist du, an allen Gliedern Makelloser, der mein Herzensverlangen mehrt? Du bist wie ein Unsterblicher hierher gelangt, o Held; ich möchte dich kennenlernen, o Sündloser.

katham āgamanaṃ ceha kathaṃ cāsi na lakṣitaḥ surakṣitaṃ hi me veśma rājā caivograśāsanaḥ

Wie erfolgte dein Kommen hierher, und wie kommt es, dass du nicht bemerkt wurdest? Mein Gemach ist nämlich wohlbewacht, und der König hat strenge Befehle erlassen.“

Wort für Wort
katham āgamanaṃ ceha kathaṃ cāsi na lakṣitaḥ surakṣitaṃ hi me veśma rājā caivograśāsanaḥ
Wie erfolgte dein Kommen hierher, und wie kommt es, dass du nicht bemerkt wurdest? Mein Gemach ist nämlich wohlbewacht, und der König hat strenge Befehle erlassen.“

evam uktas tu vaidarbhyā nalas tāṃ pratyuvāca ha nalaṃ māṃ viddhi kalyāṇi devadūtam ihāgatam

So von der Vaidarbhī angesprochen, erwiderte Nala ihr: „Wisse, dass ich Nala bin, o Holde, der als Götterbote hierher gekommen ist.

Wort für Wort
evam uktas tu vaidarbhyā nalas tāṃ pratyuvāca ha nalaṃ māṃ viddhi kalyāṇi devadūtam ihāgatam
So von der Vaidarbhī angesprochen, erwiderte Nala ihr: „Wisse, dass ich Nala bin, o Holde, der als Götterbote hierher gekommen ist.

devās tvāṃ prāptum icchanti śakro 'gnir varuṇo yamaḥ teṣām anyatamaṃ devaṃ patiṃ varaya śobhane

Die Götter Śakra, Agni, Varuṇa und Yama wünschen dich zu erlangen; wähle einen von ihnen als Gatten, o Schöne.

Wort für Wort
devās tvāṃ prāptum icchanti śakro 'gnir varuṇo yamaḥ teṣām anyatamaṃ devaṃ patiṃ varaya śobhane
Die Götter Śakra, Agni, Varuṇa und Yama wünschen dich zu erlangen; wähle einen von ihnen als Gatten, o Schöne.

teṣām eva prabhāvena praviṣṭo 'ham alakṣitaḥ praviśantaṃ hi māṃ kaś cin nāpaśyan nāpy avārayat

Durch eben ihre Macht bin ich unbemerkt eingedrungen; denn niemand sah mich eintreten, noch hielt mich jemand auf.

Wort für Wort
teṣām eva prabhāvena praviṣṭo 'ham alakṣitaḥ praviśantaṃ hi māṃ kaś cin nāpaśyan nāpy avārayat
Durch eben ihre Macht bin ich unbemerkt eingedrungen; denn niemand sah mich eintreten, noch hielt mich jemand auf.

etadartham ahaṃ bhadre preṣitaḥ surasattamaiḥ etac chrutvā śubhe buddhiṃ prakuruṣva yathecchasi

Zu diesem Zweck wurde ich, o Gute, von den vortrefflichsten Göttern gesandt; nachdem du dies gehört hast, o Holde, fasse deinen Entschluss, wie du es wünschst.“

Wort für Wort
etadartham ahaṃ bhadre preṣitaḥ surasattamaiḥ etac chrutvā śubhe buddhiṃ prakuruṣva yathecchasi
Zu diesem Zweck wurde ich, o Gute, von den vortrefflichsten Göttern gesandt; nachdem du dies gehört hast, o Holde, fasse deinen Entschluss, wie du es wünschst.“

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